
Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg steht im Kreuzfeuer der Kritik. Soweit, so gut. Übersehen wird dabei leider die grenzenlose Heuchelei seiner Kritiker.
Commander Shree Stardust
Es ist nichts dagegen einzuwenden, den aktuellen Verteidigungsminister zu kritisieren. Trotz seiner zur Schau getragenen, altdeutschen „Haltung“ – „Man kneift nicht!“ – macht der Freiherr beim Krisenmanagement rund um Kundus keine sehr gute Figur, beherzte Aufklärung sieht sicherlich anders aus, ja: man kann von einem Kommunikationsdesaster ersten Ranges sprechen.
Für von und zu Guttenberg besteht dieses Desaster, und eventuell auch das, was er als „Haltung“ begreift, aber vor allem darin, dass er nun zur Zielscheibe einer Kritik wird, die ganz andere zu treffen hätte. Insofern geht es mir weniger darum, den Freiherrn in Schutz zu nehmen, als darum, die Heuchelei der Kritiker zu kritisieren.
Nehmen wir Jürgen Trittin und Sigmar Gabriel. Diese Leute schwingen sich jetzt zu den Chefaufklärern des Massakers von Kundus auf. Beide haben erst kürzlich der Verlängerung des Afghanistan-Mandats zugestimmt. Ihre Parteien haben das ganze Abenteuer vor nunmehr acht Jahren beschlossen. Und von beiden kamen weder hörbare Empörung noch Forderungen nach Aufklärung, als zuvor bereits afghanische Hochzeiten und Kindstaufen das Ziel alliierter Luftschläge wurden. Natürlich, denn das waren ja „die Amis“, während unsere Jungs angeblich nur Brunnen bohrten und Schulen bauten.
Diese jämmerliche Lebenslüge des Afghanistan-Krieges, wonach alles Böse und Militärische von amerikanischen, alles Gute und Zivile von den deutschen Truppen ausgeht, war so ganz nach rot-grüner Art: man leitet aus Schwäche, Opportunismus und heimlichem geostrategischen Größenwahn fatale Entwicklungen ein, schickt junge Soldaten quer durch die Welt – und wenn dann geschossen und gestorben und getötet wird, tut man entsetzt, will von nichts gewusst haben – und zeigt, wenn sich das Desaster voll entfaltet hat, vorwurfsvoll auf einen Minister, der keine drei Monate im Amt ist. Oder aber man kritisiert einen Offizier, der mitten im Krieg dazu übergangen ist, Krieg so zu führen, wie eben jeder Krieg in Wirklichkeit geführt wird: ohne Rücksicht auf Verluste!
Auch die Kanzlerin scheint mit all dem nicht das Geringste zu tun zu haben. Während sich ihr junger Verteidigungsminister in der Öffentlichkeit abstrampelt, sich seiner Kritiker zu erwehren, enthebt sich Angela Merkel in die fernen Höhen der Klima-Kanzlerschaft. Von ihr zu Kundus – kein Wort. Trägt sie nicht seit 2005 die Hauptverantwortung für diesen Krieg?
Umso mehr ist derweil von der Opposition im Deutschen Bundestag zu hören. Von den Linken, die seit Jahren konsequent gegen diesen Krieg wettern? Nein. Die werden in den Medien kaum noch zitiert. SPD und Grüne, jenen Parteien die den Krieg als Regierungskoalition begonnen haben, führen jetzt Regie in der Großen Kundus-Aufklärungsshow!
Den Vogel schiesst dabei Jürgen Trittin ab. Dieser Mann war im fernen Jahre 2001 als vermeintlicher Vertreter eines vermeintlichen linken Flügels der Grünen die zentrale Figur, um diese vermeintlich antimilitaristische Partei für den afghanischen Kriegseinsatz zu gewinnen. Trittin hatte bereits beim vorangegangenen Kosovo-Krieg mit großem persönlichem Einsatz dafür gesorgt, dass die Friedensbewegung mit allerlei fortschrittlich klingenden Argumenten verwirrt und paralysiert wurde. Jürgen Trittin trägt, mit anderen Worten, ein Höchstmaß an persönlicher Verantwortung für die Rehabilitierung des deutschen Militärwesens und die Entsendung deutscher Soldaten in alle Welt.
Und genau dieser Jürgen Trittin bezichtigt nun Guttenberg der Lüge und Verschleierung, droht mit Untersuchungsausschüssen, fordert Rücktritte und geriert sich als antimilitaristischer Chefaufklärer? Die Umstandslosigkeit, mit der solche Leute dazu übergehen, sich zu Kritikern des Afghanistan-Krieges aufzuschwingen, raubt einem den Atem.
Insofern sei davor gewarnt, sich nunmehr mit Inbrunst und von links in die Kampagne gegen den Verteidigungsminister einzureihen. Die sich in ihrer Freude über den unter Druck geratenen Freiherrn nicht bremsen können, seien darauf verwiesen, dass der eigentliche Skandal, der sich hier vollzieht, die Reinwaschung der Hauptverantwortlichen für das Afghanistan-Desaster ist. Sämtliche Parteien im Deutschen Bundestag, mit der einzigen, rühmlichen Ausnahme der Linksfraktion, stimmen diesem Krieg seit acht Jahren zu, stimmen Jahr für Jahr für die Verlängerung des Mandats und tragen damit die volle Verantwortung.
Deshalb Rücktritt, ja! Aber diese Forderung muss sich sinnvoller Weise an eine ganze Generation verantwortungsloser deutscher Außenpolitiker von Grünen, SPD, FDP und CDU/CSU richten!
Danke! Ein guter und wichtiger Artikel. Endlich mal eine umfassendere Sicht der Dinge. Mit einem Prügelknaben Guttenberg ist man zwar publikumswirksam auf der sicheren Seite und erntet Beifall – das wesentliche wird dabei aber völlig übersehen.
Na das nenn ich mal eine tolle und verstämndliche Zusammenfassung über den ganzem Schrott den unsere tollen Politiker da im Moment wieder zusammendichten! Wenn man sich das gegenseitige Schuld in die Schuhe schieben da so ansieht, glaubt man fast, man ist in einer schlechten DailySoap im Fernsehen gelandet, und darauf kann es einem nur schlecht werden??? Was tun die alle da oben? Ich meine, haben die null Skrupel? Es ist mir unerklärlich wie man so verantwortungslos blind sein kann!
Danke an Commander!!! Dieser Artikel sollte gaaaanz groß aufgehängt werden!!!!!
Sollte sich nicht trotzdem gefragt werden, was denn passieren würde, wenn die alliierten Truppen jetzt abziehen? Würden nicht die Taliban zurück kehren und die Bevölkerung als Geiseln nehmen? Und ist die Vorstellung, man würde nur mit zivilen Aufbaumaßnahmen weiterkommen, nicht etwas naiv? Wäre es nicht so, dass die Taliban die Aufbauhelfer sofort des Landes verweisen würden, sie vielleicht gar massakrieren? Es gibt keine Entschuldigung für diesen unnötigen Luftangriff bei dem es so viele Opfer gab und es war bestimmt ein Fehler, sich auf dieses Abenteuer Afghanistan einzulassen.
Die Verantwortlichen müssen dafür gerade stehen und Trittin und Steinmeier sind einfach nur Heuchler…. das ist schon klar!
Die Frage bleibt jedoch, soll man sich nun zurück ziehen und die Bevölkerung den Taliban überlassen, obwohl man ihnen versprochen hat zu helfen, oder soll man zu Ende führen was (unglücklicherweise) begonnen wurde?
Die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung jedenfalls wollen einen Wiederaufbau ihres Landes unter dem Schutze der Streitkräfte, das sollte nicht vergessen werden. Denn die Afghanen, die jetzt für ein freies Afghanistan an der Seite der Alliierten kämpfen, werden von den zurückkehrenden Taliban, zuallererst beseitigt. Ist das unsere Ansicht von Gerechtigkeit?