Geplanter Luftschlag gegen Maikäfer

Maikäfer“Es gibt keine Maikäfer mehr…”,  sang vor Jahren bereits Reinhard Mey. Baden-württembergische  und  hessische Förster sehen dies anders. Die hessische Forstverwaltung plant nun, wie schon in vergangenen Flugjahren, von Hubschraubern aus im Mai den Wald mit Dimethoat, einem breit wirksamen Nervengift, zu besprühen. Dieses wirkt nicht nur gegen Insekten, deren Schutz ja auch Sinn der Schutzgebietsausweisung ist, es ist recht umfassend giftig. (Clas Lehmann)

Im Lampertheimer Wald zwischen Darmstadt und Mannheim, als schutzwürdig im Sinne der EU-Richtlinie Flora Fauna Habitat anerkannt, ausgewiesen und geschützt, gibt es, neben etwa 900 anderen dort nachgewiesenen Käferarten, auch noch Maikäfer, in Flugjahren ziemlich viele. Sie gehören dem Nordstamm des Waldmaikäfers an und 2010 ist ein Flugjahr dieses Stammes. Der Käfer hat dort im Groben eine vierjährige Entwicklung, die Flugjahre lassen sich also voraussagen.

Allgemeines zu Maikäfern und ihrem Erscheinen in Südwestdeutschland findet sich in diesem Diskussionsbeitrag: http://www.lepiforum.de/cgi-bin/2_forum.pl?read=45567 ; man kann das Forum mal nach dem Stichwort Maikäfer durchsuchen.

Die hessische Forstverwaltung plant nun, wie schon in vergangenen Flugjahren, von Hubschraubern aus im Mai den Wald mit Dimethoat, einem breit wirksamen Nervengift, zu besprühen. Dieses wirkt nicht nur gegen Insekten, deren Schutz ja auch Sinn der Schutzgebietsausweisung ist, es ist recht umfassend giftig.

Hier gibt es eine Darstellung des Produktes durch den Hersteller. http://www.syngenta-agro.ch/ratgeber/pdf/merkblaetter/de/perfekthion_d.pdf . Man beachte die Wartezeiten von bis zu 6 Wochen und die totalitäre Technokratensprache, in der Insekten nicht zur belebten Mitwelt gehören, sondern als Schädlinge aufgefasst werden, die es zu vernichten gilt. Wie alle Luft- und Chemiekrieger, sehen die Kollateralschäden  offenbar als hinnehmbar an und lassen Zweifeln am Sinn des eigentlichen Einsatzes überhaupt keinen Raum.

Der NABU Hessen organisiert eine Unterschriftenaktion, die dortige Umweltministerin aufzufordern, die Aktion zu untersagen. Hier http://www.nabu-hessen.de/ kann man mehr dazu lesen und sich beteiligen. Mir scheint das sinnvoll.

MaikäferIn dieser Pressemitteilung http://hessen.nabu.de/presse/pressemitteilungen/index.php?popup=true&show=270&db=presseservice_hessen finden sich Details zur Vorgeschichte. Eine Diskussionsveranstaltung hierzu soll am 18. Dezember um 19:00 Uhr im Naturschutzzentrum Bergstraße bei Bensheim statt. Um zahlreiches Erscheinen einer kritischen Öffentlichkeit wird gebeten…

1 Kommentar zu „Geplanter Luftschlag gegen Maikäfer“

  1. Clas Lehmann sagt:

    Moin, moin,

    die hessische Umweltministerin und die Forstverwaltung dort sind von dem Plan zurückgetreten. Der Gifteinsatz ist abgesagt. Dazu gibt es eine Presseerklärung auf der Seite des Ministeriums.

    In Baden-Württemberg ist die Frage noch in der Diskussion zwischen Forstverwaltung und Naturschutzverbänden. Wenn sich dort auch Ergebnisse zeigen, werde ich berichten, ebenso, wenn öffentliche Unterstützung erforderlich wird.

    Gruß aus Todenbüttel
    Clas

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