Konstantin Wecker: “Nur dafür lasst uns leben!”

Was ist “normal”, was krank. Und wofür wollen wir eigentlich leben? Eine kleine philosophische Betrachtung von Konstantin Wecker.

Steve Taylor schreibt in seinem bemerkenswerten Buch “Der Fall”:

“Seit 6000 Jahren leidet die Menschheit an einer Art Kollektiv-Psychose. Im Spiegel beinahe der gesamten historischen Überlieferung wird deutlich, dass die Menschen – wenigstens bis zu einem gewissen Grad – ver-rückt waren. Das erscheint unglaublich, betrachten wir doch die Konsequenzen unserer Verrücktheit längst als normal … So können sich die absurdesten und abscheulichsten Verhaltensweisen durchsetzen, zu Traditionen werden und fortan als normal, als natürlich gelten.”

Es wird für Menschen ganz üblich einander umzubringen, Männer erscheint die Unterdrückung der Frauen als ganz “natürlich”, Eltern die Dominanz über ihre Kinder, und für kleine, gesellschaftliche Gruppen wird es normal, eine enorme Machtfülle auf sich zu konzentrieren und damit große Gruppen anderer Menschen zu kontrollieren und zu beherrschen. (Das eindeutige Ziel der neoliberalen Ideologie.)

Ebenso “normal” scheint es, Natur und Umwelt bis hin zum ökologischen Kollaps auszubeuten.

So wird das Streben nach unermesslichen Reichtümern, die man niemals aufbrauchen kann, für Menschen gleichermaßen “natürlich” wie die ewige Jagd nach Erfolg, Macht und Ruhm.

Und selbst wenn es ihnen gelingt, Geld anzuhäufen und einen hohen Sozialstatus zu erlangen, finden sie es ebenso “natürlich” niemals Zufriedenheit und Erfüllung zu finden, sondern in ihrem Innern ständigt unbefriedigt zu bleiben.

Wir müssen wieder lernen, inneren Frieden zu erlangen sonst wird dieser “Verlust des Mitgefühls” (Arno Gruen) immer dramatischere Fogen haben. Die unselige Diskussion um die “Zwangsarbeit” von Hartz 4 Empfängern ist nur eines von vielen Beispielen dafür!

(Und Westerwelle nur der vorgeschickte nützliche Narr für handfeste und antisoziale wirtschaftliche Interessen.)

Vor vielen Jahren habe ich geschrieben:

Dass dieser Mai nie ende!

Ach Sonne, wärm uns gründlich!

Wir haben kaum noch Zeit,

die Welt verbittert stündlich.

Dass dieser Mai nie ende

und nie mehr dieses Blühn -

wir sollten uns mal wieder

um uns bemühn.

Uns hat die liebe Erde

doch so viel mitgegeben.

Dass diese Welt nie ende,

dass diese Welt nie ende

nur dafür lasst uns leben!

Noch sind uns Vieh und Wälder

erstaunlich gut gesinnt,

obwohl in unsern Flüssen

schon ihr Verderben rinnt.

Auch hört man vor den Toren

die Krieger schrein.

Fällt uns denn außer Töten

schon nichts mehr ein?

Uns hat die liebe Erde

doch so viel mitgegeben.

Dass diese Welt nie ende,

dass diese Welt nie ende -

nur dafür lasst uns leben!

Wie schön, der Lust zu frönen!

Es treibt der Wein.

Der Atem einer Schönen

lullt mich ein.

Dass dieser Mai nie ende

und Frau und Mann,

ein jedes, wie es will,

gedeihen kann!

Uns hat die liebe Erde

doch so viel mitgegeben.

Dass diese Welt nie ende,

dass diese Welt nie ende -

nur dafür lasst uns leben!

In diesem Sinne: Nur dafür lasst uns leben

9 Kommentare zu „Konstantin Wecker: “Nur dafür lasst uns leben!”“

  1. Wiewahr. Mich interessiert am innigsten nun der wichtige Wendepunkt, der ein elementares Sich-Selbst-GewahrSEIN jedes einzelnen Menschen latent durchdringt. Und das reduziert sich auf eine wesentliche Frage: Wie kann sich der denkende Mensch – also der Denker – bewusst unmittelbar selbst erkennen? Durch sein Denken?

    Ist denn sein Denken denn nicht immer Vergangenheit? Und wie könnte man wirklich eine direkte bewusste Mutation unseres an der Wurzel gestörten kollektiven Denkapparates erwirken, der uns am Ende im Hier und Jetzt alles nur noch erleben lässt? Einzeln wie kollektiv…Aber da denke ich wieder zuviel. ;-) Ab an die Leinwand, da hört mein Denken auf. Wie gar bei dir am Klavier…ohne Texte ;-) YvA

  2. Maverick sagt:

    Sehr geehrter Herr Wecker,

    nach ein bis zwei Gläschen Wein neige ich dazu, das Dasein zunehmend als unsinnig zu betrachten, da sich seit Jahrtausenden nichts Wesentliches geändert hat. Die Auswertung der Vergangenheit ergibt, dass es morgen wieder so sein wird wie heute! Das ist ernüchternd!
    Ihre Internetseite reiht sich ein in andere, die leider auch nichts bewirken. Das ist kein Tadel, nur eine Feststellung. Es wäre schön, wenn viele “Weckerseiten” das Internet bevölkern würden, die aus eigener Kraft entstehen. Leider überwiegt die Zahl der Mitläufer, die aber jederzeit die Richtung wechseln, je nachdem, wo es mehr Futter gibt! “Meckern” ist die eine Seite, “machen” die andere. Sie machen etwas, dafür meine Hochachtung!
    Dennoch beschränkt sich Ihre Arbeit in Aufklärung, und da gab es schon Epochen, die sich so nannten, und auch nichts bewirkten, weil es nicht spürbar ankommt!?! Die Macher und Denker sind im Geist verbunden und glauben an den Erfolg, die Mehrheit allerdings unterliegt den täglichen Anforderungen des Überlebens und kann gar nicht nachdenken, keine Zeit, Termine, Verpflichtungen, Sklave des Chefs oder Jobs (oder der Frau bzw. des Mannes).
    Erst ab Rentner oder arbeitslos (so wie meinereiner) stellt sich das Denkvermögen wieder ein! Dann ist es schon ziemlich spät und obendrein unerwünscht, stört es doch die manipulative Arbeit der sogenannten Regierung. Ein “Alter” hat seine Lebenserfahrung und macht nicht mehr jeden Mist mit, mit dem ist kein “Geschäft” mehr zu machen, an dem andere verdienen! Biologisch gesehen, braucht eine Herde einen “F….” bzw. ein Leittier, dem es nachrennt, das hat die Geschichte mehrfach bewiesen. Nur Aufklärung genügt nicht, es bedarf einer “Arbeitsanleitung”. Hier jedoch hat sich “der Staat” gewappnet und den Begriff des “Rädelsführers” erfunden. Also lassen wir es bei aufklärerischer Arbeit, obwohl wir genau wissen, dass es nichts nützt!
    Folgender Trost für Sie: Das “Große Werklexikon der Philosophie von Franco Volpi” benennt ca. 1.800 Werke von 827 Philosophen, die allesamt Versager waren, da ihre Erkenntnis bisher für die Menschen nicht den geringsten Nutzen gebracht hat.
    Ein Beispiel: „Ein Viertel der Deutschen würde sich angeblich einen RFID-Chip implantieren lassen.“
    Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/6/147174
    Das ist der Unterschied zwischen „denken“ und „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst,
    oder einem Konstantin Wecker und einem… na sehn Sie selbst http://www.youtube.com/watch?v=ATiy8YUrhfs&feature=related

    MfG

  3. Volker Wulle sagt:

    Die ursprünglichen Inseln unserer Evolutionsgeschichte können wir eh nicht mehr erreichen.
    Worauf wir warten, ist das Verfallsdatum unserer menschlichen Existenz, eine Gegebenheit, die nicht mehr aufzuhalten ist.
    Der Mensch kam, sah und zerstörte sich. Eine bittere Tatsache, aber im Getriebe des Ganzen – was immer es auch bedeuten mag – nur ein Quietschen in der Zeit.

  4. bl sagt:

    “Dass diese Welt nie ende…”

    Sie endet sowieso nicht, außer natürlich, wenn man stirbt. Der Weltuntergang ist individuell, aber das ist nicht so wichtig, denn unzählige neue Welten tun sich auf.

    Ich bin auch der Meinung, dass die bekannte Geschichte eine Ansammlungen von Irrtümern und Verzerrungen ist. Dazu zähle ich auch alle Religionen, so wie sie gelebt werden. Und irgendwie scheint es mir, als ob diese “Missverständnisse” auf ihren Höhepunkt zugehen – die beabsichtigte New World Order.

    Allerdings glaube ich nicht, dass es nicht wirklich dazu kommen wird. Es gibt schon sehr viele Menschen, welche selber denken wollen und können und diese werden das verhindern – nicht durch Opposition oder Kampf, sondern durch Hinwendung zu dem Gewünschten. Diese Menschen haben – außer im Internet – kein Gewicht in der öffentlichen Meinung, schon gar nicht in der Politik. Zum Glück. Das Werk wird sozusagen im Geheimen vollbracht.

    Jedenfalls steht der Mensch und die Menschheit an der Schwelle zu einer Hochkultur und Hochkultur bedeutet Freiheit, Wissen, Wertschätzung = Liebe. Das aktuelle System wird seine Agenda noch eine Weile verfolgen und verstärken, aber es ist ein sterbendes System, das im Untergang noch einmal ein Wetterleuchten veranstaltet.

  5. bl sagt:

    Korrektur:

    Allerdings glaube ich nicht, dass es wirklich dazu kommen wird.

  6. rgsoleil sagt:

    Ich bin beeindruckt von dieser Seite, leider kein Impressum vorhanden, wie
    es das Gesetz bei de vorschreibt :-) ), Lg Ruth

  7. eG sagt:

    Lieber Konstantin!
    Deine kleine philosophische Betrachtung habe ich damals natürlich schon gelesen. Aber schön, dass sie durch einen Kommentar noch einmal
    in Erinnerung gebracht wurde. Wunderschön finde ich auch das Bild.
    So herrlich schön sieht der Frühling also in den Bergen aus.
    “Nur dafür lasst uns leben” – auch eines meiner Lieblingslieder.
    Es ist wahrlich nicht leicht den inneren Frieden zu erlangen..!
    Aber keine Frage – er ist die Basis für alles andere in unserem Leben!!

  8. Renate Nover sagt:

    Lieber Konstantin,
    lange Jahrzehnte gehe ich durch Wecker-Konzerte “sitebysite” und dadurch auch durch viele Zeitenwandel…”das einzig Sichere ist der Wandel” habe gelernt, gelitten und gelebt, bin gestorben und auferstanden…das allein zählt und das allein macht den Mut aus, den ich an Ihrem Leben immer wieder neu ent-decken kann!
    Auch dieses Mal darf keiner den Glauben an einen Zeitenwandel verlieren, der uns ins “Höhere” führt, wenn alle in Gedanken, Wort und Tat sich in der Herzenergie verbinden. Wir können die Matrix verändern und dadurch unsere nicht endende Welt geheilt unseren Kindern übergeben….das ist unsere heilige und heilende Pflicht…”Was keiner wagt, das sollt ihr wagen, was keiner anfängt, das führt aus….!!!
    Gemeinsam nicht einsam, dann wirds gelingen.
    Viel Kraft, Segen und Ausdauer für Ihr weiteres Leben im Leben und Er-Schaffen. Herzlichst Renate /Lindau

  9. Stanko sagt:

    Schon länger kreisen meine Gedanken um den nächsten Schritt. Denken – ja! Fühlen – oh ja! Handeln – jetzt…nicht nur schreiben. Wobei Schreiben essentiell ist, die Vorbereitung sozusagen. Was mich am meisten wundert ist, daß es noch kein Aufbegehren in Deutschland gibt (wie in Griechenland) angesichts der letzten Finanzkrise (die Rechnung bezahlen nämlich wieder wir) – von Revolution wollen wir gar nicht sprechen. Dafür ist die Not nicht groß genug.

    Aber vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ein paar radikale Ideen in die Welt zu schicken. Jetzt das Prinzip des Teilens (wieder) in die Mitte zu nehmen. Nicht Almosen verteilen, nein, jeder teile alles, war er/sie hat und behalte höchstens das Nötigste.

    Das immer weiter und weiter gedacht führt zu Kreisläufen, die allein mit dem Bild des immerfließenden Wassers zu fassen sind (was kaum gelingt, aber dennoch ein Versuch ist). Es ist wie mit der Liebe, die größer und immer mehr wird, je mehr wir davon verchenken…in diesem Sinne teilen wir hier Gedanken, auf das Tagen folgen…
    Alles Liebe Stanko

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