Weckers «Willy» wird Grieche

Für diejenigen, die es in den “Notizen” noch nicht gelesen haben, hier noch mal das neueste Gespräch Konstantins mit seinem alten Freund Willy. Die Liederlist auf wecker.de zählt bisher sechs “Willys” http://www.wecker.de/lieder.html. Dieser handelt von der aktuellen “Griechenlandkrise”. Da Konstantin gerade an einem Musical “Alexis Sorbas” arbeitete, mag ihn das zusätzlich inspiriert haben.WILLY MAI 2010

Mei Willy. Du weißt es ja eh schon. Immer wenn ich richtig wütend bin, kumm i wieder zu dir und hol mir deinen Rat. Und i bin wieder mal stocksauer, denn was da zur Zeit mit unseren Freunden den Griechen getrieben wird spottet jeder Beschreibung.
Wieder mal schafft es eine Clique superreicher Soziopathen, ihre Gewinne auf Kosten derer zu vermehren, denen sie diese Gewinne überhaupt erst verdanken.

Lohnabhängige, kleine Gewerbetreibende, Bezieher von Renten und Transferleistungen – in Geiselhaft genommen für die Machenschaften der Kapitalfunktionäre und Regierenden.
Und uns wird das so verkauft, als wäre die einzige Möglichkeit, den Euro zu retten, wenn man uns das Wenige aus der Tasche zieht, das sie uns noch gelassen haben.

Und jetzt kommen all diese angepassten Volks- und Betriebswirtschaftler und erzählen immer denselben verlogenen Blödsinn, anstatt endlich mal das auszusprechen, was schon lange fällig ist: Nehmt es den Reichen, bevor sie sich an jeder Krise weiter bereichern und hört auf, uns zu verarschen.

Den Auftakt für die stärker werdenden Turbulenzen an den Finanzmärkten bilden stets die Ratings der namhaften Agenturen am internationalen Kapitalmarkt. “Standard and Poors” hat diesmal gleich doppelt zugeschlagen. Erst wurden griechische Staatsanleihen auf Junk-Bond-Niveau (BB+) herabgestuft und dann die portugiesischen gleich um zwei Stufen runter von A+ auf A-

Das hatte zur Folge, dass die Kapitalmärkte heute verrückt spielen.

Abgesehen davon, dass man sich fragt, woher die Ratingagenturen ihre Informationen beziehen, müssten uns die Folgen dieser Herabstufungen endgültig wachrütteln.

Wer sind wir eigentlich, dass wir uns von diesen Kaspern am Nasenring durch die Arena ziehen lassen?

Wer glaubt denn noch an die Unabhängigkeit solcher Informationen? Das ist doch nichts anderes als gezieltes Kristallkugellesen.

Das Selbstbewusstsein der Spekulanten ist schon wieder groß. Sie machen die Vorgaben, und die Politik wird zum Handeln gezwungen.

Die Deutsche Bank meldete neulich das beste Quartalsergebnis aller Zeiten und erreichte vor allem durch ihre Investmentabteilungen eine Eigenkapitalrendite von 30%. Ackermann hat sein Ziel von 25% Rendite bei weitem übertroffen.

Mach dich doch vom Acker, Mann!

Aber zusammen mit dem Großteil aller Medien verschweigt ja Merkelwelle ein ganz entscheidendes Detail dieser griechischen Tragödie:

Im Zeitraum von 1990 bis 2008 kaufte Griechenland Kriegsmaterial im Werte von 75 Milliarden Dollar. Und die Rüstungskäufe Ankaras lagen doppelt so hoch!
Athen erhält den Großteil seiner Waffen aus Deutschland und Frankreich. Leopard Panzer von Krauss Maffei und Kriegsschiffe von Thyssen- Krupp.

Davon hat uns Mövenpickguido noch nie was erzählt.

Und wo soll jetzt gespart werden in Griechenland?

Ganz einfach: Steuern rauf, Löhne und Renten runter.

Ist das denn nicht seit Jahrzehnten das erklärte Ziel der neoliberalen Verbrecherbande?

Und wir sollen glauben, dass das nicht hausgemachte, bewusst inszenierte Krisen sind, die nur einen einzigen Sinn und Zweck verfolgen: Uns so zu lähmen dass wir nie mehr aufbegehren und ihnen aus der Hand fressen wie brave Haustiere, verunsichert und verängstigt und dankbar für jeden Brocken Brosamen, der vom Tisch der Gewinner nach ihrem üppigen Festmahl zu Boden fällt – oder uns verächtlich hingeschmissen wird.

Dieser Kapitalismus ist nicht mehr zu retten, er ist ein Zerstörungsprojekt, das auf der Erniedrigung der Frauen und Armen basiert und durch Kriege immer neue Märkte schaffen und bereits erschaffene Werte künstlich wieder zerstören muss.

Und diese Kriege? Nichts anderes als die Rache alter Männer an der Jugend. Denn die ganzen Geistesgestörten aus dem „Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“ Club bleiben doch fett grinsend in ihren Chefsesseln und Kommandozentralen sitzen, während junge Männer und Frauen sich gegenseitig abschlachten. Und 70% der jungen Leute, die als Kanonenfutter eingesetzt werden, kommen aus der ehemaligen DDR!

Die Welt ist wahnsinnig geworden Willy, und dieser Wahnsinn wird uns auch noch als Demokratie verkauft.

Und drum werd ich jetzt Grieche.

Das ist ihr größter Trick: sie wollen Solidarität verhindern – und hoffen, uns zu spalten.

Und diese Solidarität ist auch ihre größte Angst. Denn für Mitgefühl ist kein Platz in den verhärteten Herzen der Superreichen.

Ja, drum werd ich jetzt Grieche.

Die wehren sich nämlich. Und sie wehren sich auch stellvertretend für uns.

Lasst uns solidarisch sein mit den wütenden und zornigen Griechen.
Und dann geht es auch bei uns los, dann wehren wir uns … wie richtige Griechen!
Und jetzt tanzen wir den Sorbas-Sirtaki, Willy!

1 Kommentar zu „Weckers «Willy» wird Grieche“

  1. Genie sagt:

    Du hast ja so was von recht, das läßt sich kaum mit Worten ausdrücken! Wer bereits Macht bzw. Geld hat, neigt leider im Allgemeinen dazu, das dazu zu benutzen, sich davon immer noch mehr zu verschaffen. Leider ist aber auch eine Revolution mit anschließender Enteignung der besonders Reichen – also letzten Endes eine Umverteilung – keine grundsätzliche Lösung, da solche Umstürze normalerweise nur dazu führen, daß eben andere Personen bzw. Cliquen an die Macht kommen, die es dann genauso machen. Wird ja in Afrika regelmäßig vorgeführt.
    Erfreulicherweise kann ich aber berichten, daß es eine Lösung gibt und daß ich sie gefunden habe. Sie liegt in der Umstellung des Einkommenssteuermodells auf nichtlineare Progression. Da wächst der Steuersatz oberhalb des steuerfreien Existenzminimums immer weiter an. Beginnend bei Null nähert sich der Wert mit steigendem Bruttoeinkommen immer weiter – also asymptotisch – der 100%- Marke. Damit entfallen Eingangssteuersatz, Spitzensteuersatz und kalte Progression, also diverse politische “Zankäpfel”. Eine besondere “Reichensteuer” übrigens auch, da diese Modelle bereits vollständig gerecht sind. Bis jetzt habe ich das Wurzelmodell, das Logarithmenmodell und das Arcustangensmodell entwickelt, die jeweils die o.g. Eigenschaften haben. Und außerdem die, daß der Konflikt zwischen Leistungsprinzip und Leistungsfähigkeitsprinzip endlich aufgelöst wird. Was bei der gegenwärtig praktizierten linearen Progression eben mathematisch unmöglich ist. Viel Spaß beim Denken!

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