FairZehr – besser vegetarisch, für Tier, Umwelt und Gesundheit

„Lieber gesund leben und ethisch richtig handeln als krank sein und das Falsche tun“ Wer würde diesen Satz nicht unterschreiben? Und doch entscheiden sich Millionen Menschen täglich für die zweite Alternative. Der Fleischkonsum hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Er sorgt für ernährungsbedingte Krankheiten und millionenfaches Tierleid und ist mittlerweile sogar zur Bedrohung für unser Klima geworden. John Robbins, Gründer der Umweltbewegung „Earth Save“ wies vielen den Weg zur „Ernährung für ein neues Jahrtausend“. (Roland Rottenfußer)
Es klingt wie die amerikanische Version der Geschichte vom „Jungen Buddha“: John Robbins war von seinem reichen Vater dazu ausersehen, das größte Eiscreme-Firmenimperium der Welt zu erben. Doch es kam anders. Wie sich der verhätschelte Eiscreme-„Saulus“ zum „Paulus“, zu einem der einflussreichsten Ernährungsapostel der Gegenwart wandelte, das ist wirklich ein Stoff, aus dem Legenden gestrickt sind. Als die Zeit kam, zeigte der Eisprinz dem amerikanischen Traum vom unbegrenzten Profit die kalte Schulter. Er hatte begonnen einen neuen Traum zu träumen: „Dieser Traum beruht auf der Ehrfurcht vor dem Leben, einem Leben im Einklang mit den Gesetzen der Schöpfung.“ Als Robbins von der gesundheitsschädigenden Wirkung von gefrorenem Butterfett und Zucker, den Hauptbestandteilen von Eis, erfuhr, verließ er das elterliche Unternehmen. „Ich wollte einfach nicht später in den Spiegel schauen und wissen, dass mein Wohlstand darauf aufgebaut ist, die Menschen krank zu machen.“

Ausgerechnet in der Hamburger-Hochburg USA warb er nun für pflanzliche Fette, Gemüse, Obst und Getreide. Der erste „Anhänger“ von Robbins’ neuer Ernährungsweise wurde sein eigener Körper. Der Gesundheitszustand des damals an Kinderlähmung und schwerem Asthma leidenden jungen Mannes bessere sich rapide. Seine Bücher „Ernährung für ein neues Jahrtausend“ und „Food Revolution“ gelten heute als Klassiker und haben seit ihrem Erscheinen nichts an Aktualität verloren. Daneben gründete Robbins die Umweltorganisation „Earth Save“ mit dem Slogan: „Healthy People, healthy Planet“.

Planet der „Nutztiere“

Im Zuge der Diskussion um CO² und die Klimaerwärmung wird heute wieder häufiger auf die schädliche Wirkung der Tierhaltung hingewiesen. Der internationale Forschungsbericht „Livestock in a Changing Landscape“ hat 2010 eine erschütternde Bilanz gezogen: 1,7 Millarden Tiere werden weltweit als „Nutztiere“ verwertet bzw. missbraucht. Ein Drittel der landwirtschaftlichen Flächen der Erde dienen allein der Herstellung von Tierfutter. Nutztierhaltung ist insgesamt für 17 Prozent aller Treibgasemissionen verantwortlich (CO², Methan u.a.). Die Tendenz ist steigend, weil die Schwellenländer danach streben, sich westlichen Standards beim Fleischverkehr anzupassen.

Hier einige weitere erschreckende Fakten zum Thema „Fleisch und Umwelt“:

• Um einen Fleisch essenden Menschen ein Jahr lang zu versorgen, benötigt man 1,5 Hektar Land. Bei einem Vegetarier genügen 0,07 Hektar (etwa ein Zwanzigstel). Auf der gleichen Fläche, die man zur Produktion von 50 Kilogramm Rindfleisch benötigt, könnte man 8000 Kilogramm Kartoffeln oder 10.000 Kilogramm Tomaten produzieren.
• Die tropischen Regenwälder werden hauptsächlich für die Nutztierzucht zerstört. Jeder Hamburger aus Regenwald-Rindfleisch führt zur Vernichtung von über 16 Quadratmetern Wald. Durch jede Person, die sich zu einer rein vegetarischen Ernährung entschließt, werden 4000 Quadratmeter Waldfläche pro Jahr von der Abholzung verschont.
• Viele Länder der Dritten Welt, in denen Kinder unterernährt sind, exportieren gleichzeitig Fleisch in die die Industrieländer. Die 60 Millionen Menschen, die innerhalb eines Jahres weltweit verhungern, könnten ausreichend mit Nahrung versorgt werden, wenn die Amerikaner ihren Fleischverzehr nur um 10 Prozent verringern würden.
• Nahrungsmittelknappheit erzeugt Angst und „Futterneid“ unter den Völkern, was nicht zuletzt in Kriegen eskalieren könnte.
• Noch brisanter ist der Aspekt der Energieversorgung. Der Verbrauch an Strom und Heizung für die Nutztierzucht ist gigantisch. Fleischkonsum macht nicht zuletzt abhängiger von den Öl exportierenden Nationen und/oder von Atomkraftwerken.

Schweine wie Maschinen behandeln

Diese Argumente wären allein schon Grund genug, von Fleischkonsum Abstand zu nehmen oder ihn zumindest stark einzuschränken. Ein anderes Thema ist das millionenfache Leid der Tiere. John Robbins zitiert in seinem Büchern Untersuchungen, die belegen, dass „die höheren säugenden Wirbeltiere über eine mindestens ebenso ausgeprägte Schmerzempfindung verfügen wie wir selbst (…) Ihr Nervensystem ist fast identisch mit unserem, so wie auch ihre Reaktionen auf Schmerz bemerkenswert ähnlich sind.“ Robbins Resümee: „Wir konsumieren Alpträume zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen“, so Robbins. In einer amerikanischen Fachzeitschrift für Schweinezüchter heisst es: „Vergessen Sie, dass das Schwein ein Tier ist. Behandeln Sie es genauso wie eine Maschine in einer Fabrik. Gehen Sie beim Umgang mit den Schweinen wie beim Ölen eines Gerätes vor.“ Die Fleischproduzenten der Welt haben diesen Rat beherzigt – und genauso sieht unsere Welt auch aus.

Wenn wir uns aber um die Umwelt und das Leid der Tiere nicht kümmern wollen, sollte uns eines doch auf den Nägeln brennen: unsere eigene Gesundheit. Für diejenigen, denen ethische Überlegungen „wurst“ sind, solange die Wurst schmeckt, hält John Robbins ein paar Argumente bereit, vor denen niemand die Augen verschließen kann. Die moderne Massentierhaltung fordert auch von uns Menschen einen hohen Preis. Das Fleisch auf unseren Tellern enthält Rückstände von Pestiziden, Hormonen, wachstumsfördernden Substanzen, Insektiziden, Tranquillizern, radioaktiven Isotopen, Herbiziden, Antibiotika und Appetitanregern. Der menschliche Fleischesser dient, da er am Ende der Nahrungskette steht, all diesen Stoffen als „Endlager“. Kinder saugen alle diese Schadstoffrückstände buchstäblich mit der Muttermilch auf.

Ein unfreiwilliges Ernährungsexperiment

Der Glaube an die Notwendigkeit von Fleisch, Eiern und Milchprodukten gehört zu den fatalsten Irrlehren unserer Zeit. „Eiweißmythos“ nennt Robbins das Vorurteil, dass gerade diese Nahrungsmittel besonders kraftspendend und unverzichtbar für die menschliche Ernährung seien. „Erwiesenermaßen ist ein Übermaß gerade dieser Produkte, die einstmals als Grundlage gesunder Essgewohnheiten galten, verantwortlich für die heutige Epidemie von Herz-Kreislaufkrankheiten, Krebs, Osteoporose und vielen anderen Erkrankungen unserer Zeit.“

Forschungsergebnisse der Loma-Linda-Universität in Kalifornien ergaben, dass die Herzinfarktrate bei reinen Vegetariern (die also auch auf Eier und Milchprodukte verzichten) nur ein Zehntel von der von Fleischessern betrug. Geweckt wurde das Interesse der Wissenschaft durch ein unfreiwilliges „Vegetarismus-Experiment“, das während des Zweiten Weltkriegs in Dänemark stattfand – mit drei Millionen Versuchspersonen. Wegen einer Lebensmittelknappheit wurde das vorhandene Getreide nicht mehr an Nutztiere verfüttert, sondern direkt dem Menschen zugeführt. In diesem Zeitraum sank die krankheitsbedingte Todesrate um 34 %. Ursache war offensichtlich die „Zwangsbekehrung“ der Bevölkerung zu einer vegetarischen Ernährungsweise.

Sind Vegetarier „Schwächlinge“?

Untersuchungen bei sogenannten „Naturvölkern“, die sich ausschließlich vegetarisch ernähren – etwas den Hunza in Pakistan – ergaben eine erstaunlich hohe Lebenserwartung von 90 bis 100 Jahren. Beinahe noch verblüffender ist, dass diese Menschen ihre geistige und körperliche Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter erhalten. „Keine der zahlreichen in unserer Kultur im Alter weit verbreiteten degenerativen Erkrankungen trat bei diesen Völkern auf.“ Der Vegetarier – ein blassgesichtiger, ausgemergelter und missmutiger Schwächling? Von diesem lieb gewordenen Vorurteil werden sich nun selbst „eingefleischte“ Schweinshaxenliebhaber trennen müssen. Eine ausgewogene Pflanzenkost deckt im Normalfall problemlos unseren Eiweißbedarf.

„Es ist ausgesprochen schwer, eine aus diversen pflanzlichen Produkten bestehende Kostform so zusammenzustellen, dass dabei ein ernstzunehmender Verlust von Körpereiweiß auftritt“, heißt es in einer wissenschaftlichen Untersuchung der Harvard Universität. Wer dennoch Angst hat, „vom Fleisch zu fallen“, der sollte Ratgeber- und Kochbücher zu vegetarischer Ernährung besorgen und sich die Eiweißtabellen zu Gemüte führen. Bestimmte Gemüse- und Getreideprodukte enthalten besonders viel gesundes Eiweiß. Darunter Sojabohnen und Tofu, Kresse, Spinat, Brokkoli, Rosenkohl, Pilze, Kopfsalat und Weizenkeime.

Auch Krebs kann ernährungsbedingt sein

Ein weiteres Beispiel für gezielte Desinformation des Verbrauchers ist nach John Robbins’ Auffassung Krebs. Unzählige Milliarden Euro wurden bereits in die Suche nach einem „Wundermittel gegen Krebs“ investiert – bis heute ohne Erfolg. Sich widersprechende Veröffentlichungen, die beim Verbraucher den Eindruck hinterlassen, dass „fast alles“ Krebs verursachen kann, sollen die mittlerweile gesicherte Erkenntnisse über die krebserregende Wirkung von Fleisch und Milchprodukten nur verschleiern. Das behauptet jedenfalls Robbins in seinen Büchern. „Wir verlieren einen Kampf, den wir vermeiden könnten.“ Untersuchungen in zahlreichen Ländern der Erde belegen, dass zum Beispiel das Risiko von Darmkrebs proportional zum Fleisch- und Fettkonsum eines Volkes steigt.

Ist also nur der „fanatische“ und konsequente Vegetarier auf dem richtigen Weg? Es fällt vielen Menschen noch ausnehmend schwer, ganz auf Fleisch oder gar auf Eier und Milchprodukte zu verzichten. Dies hat weniger mit persönlicher „Schwäche“ als vielmehr mit der Prägung durch unsere Fleischkultur und teilweise auch mit persönlicher Veranlagung zu tun. Einige Menschen haben sich mühelose auf vegetarische Ernährung umgestellt, andere werden das Gefühl nicht los, Fleisch zu „brauchen“. Das Gute an der vegetarischen Bewegung ist aber, dass sie verschiedene Abstufungen von „Korrektheit“ duldet. Jede Fleischmahlzeit, die durch Kartoffel-Lauch-Auflauf oder Spinat-Spaghetti ersetzt wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Auch kommt es sehr darauf an, welche Qualität Lebensmittel haben. Einige Maßnahmen kann wirklich jeder Leser bis zu einem gewissen Grad sofort ergreifen:

- Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte schrittweise reduzieren und beobachten, ob und wann sich „Leidensdruck“ einstellt. Dabei hilft das Wissen um schmackhafte vegetarische Gerichte, was nichts mit faden „Beilagen“ zu tun hat. Spezielle Kochbücher können dieses Wissen vermitteln.
- Auf fair gehandelte und vollwertige Kost achten. Diese findet sich am ehesten in Naturkostläden und Reformhäusern, aber mittlerweile auch in vielen Supermärkten.
- Obst, Salat und Rohkost mindestens „zusätzlich“ zu deftigen Gerichten verzehren.
- Regelmäßig gesunde Tage einlegen, in den Sie zum Beispiel nur Rohkost essen und den Organismus entlasten.
- Mit Fleischersatzprodukten experimentieren. Tofu-Würste unterscheiden sich im Geschmack z.B. nicht allzu sehr von den Originalen aus Schweinefleisch. Nüsse, Sojaprodukte, Pilze und Hülsenfrüchte vermitteln Körper und Seele das Gefühl, sich etwas „Kompaktes“ einverleibt zu haben.

Was bisher gesagt wurde, macht deutlich, dass beim jetzigen Entwicklungsstand unserer Zivilisation kein Unterschied mehr besteht zwischen dem persönlichen Wohl des Menschen und dem der Tiere und der Umwelt. Es ist an der Zeit, dass wir uns endlich zu mitfühlenden und rücksichtsvollen Menschen entwickeln – und dies (auch) aus purem Egoismus!

Die Vereinigung von John Robbins in den USA: www.earthsave.org

Bücher zum Thema:

John Robbins: Ernährung für ein neues Jahrtausend, Nietsch Verlag, 409 Seiten, 19.90 € (Der Klassiker)

John Robbins: Food Revolution, Nietsch Verlag, 400 Seiten, 19,90 € (aktuellere Fakten)

Barbara Rütting: Essen wir uns gesund, Goldmann Verlag, 480 Seiten, 9,95 € (das Praxisbuch mit vielen Kochrezepten)

11 Kommentare zu „FairZehr – besser vegetarisch, für Tier, Umwelt und Gesundheit“

  1. Susan sagt:

    Vieles ist richtig, nur: Menschen sind Allesfresser. Sie konnten sich durch Fleischfresserei erst zu den Menschen entwickeln, der wir heute sind und damit meine ich jetzt zum Menschen, zum Homo sapiens sapiens, ganz wertfrei und unpolemisch. Die vegetarische ganz frühe Menschenform ist ausgestorben. Wir sind die Übriggebliebenen, ob man das nun gut findet oder nicht. Es ist eben so. Wenn jemand vegetarisch lebt, lebt er nicht aus heitrem Himmel gesund, wie ein fleischessender Mitbürger nicht persé krank vom Essen wird. Die Mischung macht es. Schaut auf euer Gebiss, es ist KEIN Pflanzenfressergebiss, schaut auf euren Magen, es ist kein Magen von Pflanzenfressern. Beides sollte sich die Waage halten, wenn wir wirklich gesund leben wollen.

  2. De Sade sagt:

    Ich stimme Susan im obigen Kommentar voll und ganz zu. Es muss sich eben die Waage halten. Ich sehe es ja an vegetarische Mitmenschen, die, obwohl sie sich nur von Gemüse ernähren, nicht wirklich gesund aussehen und es auch nicht sind, genauso wie reine Fleischesser.
    Daher ist es schon eine Frechheit zu behaupten, dass der generelle Genuss von Fleisch schädlich ist und Krankheiten zur Folge hat. Es wäre viel sachlicher mal zu schreiben, ab welcher Menge der Verzehr von Fleisch/pro Tag ungesund wäre.
    Zudem verstehe ich nicht, warum hier die Krankheiten verschwiegen werden, die vom reinen Vegetarierdasein ausgehen, wie zum Beispiel Eisenmangel. Es ist ja bekannt, dass nunmal der Eisenbedarf eines jeden am leichtesten mit Fleisch- sowie Eiweißprodukten zu decken ist.
    Eisenmangel kann sich auswirken auf:
    - das zentrale Nervensystem
    - Blutarmut
    - Stoffwechselfunktion durch Muskelschwund
    - das Herzkreislauf- und Herz-Lungen-System

    Aber solche Auswirkungen kann man ja getrost verschweigen, wenn man auf Teufel komm raus den Menschen für das vegetarische Leben gewinnen will.

    Des Weiteren kann ich mit dem Argument der Energieversorgung nichts anfangen. Was heißt bitte gigantisch? Solche Argumente sollte man schon mit Zahlen belegen, da sie ansonsten nur von polemischer Art wären.
    Die Aufzählung der Schadstoffe, die sich im Fleisch wiederfinden können, ist bemerkenswert. Jedoch vermisse ich eine Auflistung der Schadstoffe, die sich im Gemüse/Obst wiederfinden lassen…

    Daher ist es mal wieder schade, dass ein interessanter Artikel von einem anscheinend fanatischem Vegetarier verfasst wurde, der sich selber auf die höchste ethische und moralische Stufe stellt und mit erhobenem Zeigefinger sowie einer unerträglichen Intoleranz gegenüber “Fleischessern” versucht, die Menschen von seiner angeblich besseren Ernährung zu überzeugen.
    Und mal ehrlich, zu behaupten, dass der Geschmack einer Tofuwurst sich kaum vom Geschmack eines Stück Fleischs unterscheidet, ist eine Beleidigung an das Tier.
    Ich werde mir jetzt auf jeden Fall ein leckeres saftiges Rumpsteak mit Salat genehmigen.

  3. rr sagt:

    Liebe Leser/innen (Susan und De Sade),

    manches stimmt ja (z.B. dass man die Schadstoffe in konventionell angebautem Gemüse beachten muss). Aber ich habe das Gefühl, dass Eure “Fleischeslust” Euch da die Feder führt. Außerdem noch die liebe Gewohnheit und ein bisschen auch die Jahrzehnte lange Propaganda der Fleischindustrie, die, wie die Zigarettenindustrie, ihre Produkte stets verharmlost und – wie die neoliberale Wirtschaftsordnung – als “alternativlos” verkaufen will.
    Fast alle Eure Argumente betreffen nur den Aspekt “Gesundheit”. Der Aspekt “Umwelt” wird nur am Rand, der Aspekt “Tierleid” überhaupt nicht erwäht. Es geht aber hier nicht nur um uns (Menschen). Ja unser Gebiss und unser Magen erlauben die Verarbeitung von Fleisch (wenn auch nur gekocht). Sie erlauben aber auch eine vegetarische Lebensweise, sofern man ein bisschen aufpasst, was man isst (auf den Faktor “Eisen” achten, das ist richtig). Wir haben ein Gehirn und ein Gewissen, wir können entscheiden. Fleisch bedeutet Tierleid und Umweltprobleme. Gesundheitsprobleme nur ab einer gewissen Menge und abhängig von der Konstitution des Essers und der Qualität des Fleisches.
    Ich habe in dem Artikel ausdrücklich geschrieben: Nicht nur “fanatische” Vegetarier sind hier auf der “richtigen” Seite. Ich selbst bin schon gar nicht als Vorbild geeignet. Ich bin weder fanatisch noch besonders konsequent. Jeder, der Fleisch reduziert, tut was Sinnvolles. Mein Artikel ist zielgerichtet darauf abgestimmt, zur Reduktion von Fleisch aufzufordern. Es ist ein Thesenartikel, der nicht sofort alle Gegenargumente mit nennt, obwohl es solche Gegenargumente selbstverständlich gibt. Manche davon stimmen vielleicht sogar. Ihr könnt mir aber glauben, dass noch ein Haufen weiterer Argumente für vegetarische Ernährung existieren, die ich nicht genannt habe. Wichtig ist auf welcher Seite ÜBERWIEGEND die besseren Argumente sind. (Roland Rottenfußer)

  4. De Sade sagt:

    Natürlich führt die “Fleischeslust” bei mir die Feder. Ich bin ja kein Vegetarier. Ich bin auch nur auf den gesundheitlichen Aspekt eingegangen, da ich es für unverständlich und auch für unverantwortlich halte, die reine vegetarische Lebensweise zu preisen ohne auf gesundheitliche Risiken hinzuweisen. Und es gibt viele Krankheiten die auftreten können, wenn man sich nur vegetarisch ernährt. Ich habe hierbei nur den möglichen Eisenmangel genannt.
    Auf die anderen Aspekte bin ich nicht eingegangen, da ich es für überflüssig hielt. Aber gut…
    Natürlich leiden die Tiere. Aber es sind TIERE und keine Menschen!!!!!

    Zum Umweltproblem:
    LANDWIRTSCHAFT VERURSACHT AUCH UMWELTPROBLEME!!!!
    Es ist schlimm, dass Regenwälder für die Viehzucht gerodet werden. Jedoch würden die Wälder auch für den Anbau von Obst und Gemüse genauso gerodet werden. Die Weltbevölkerung wird immer größer. Das bedeutet, dass in den kommenden Jahren wir wieder bei dem Niveau des Anbaus angekommen sind wie während der Fleischproduktion.
    Dazu werden die Böden immer schlechter und werfen nicht mehr soviel Ertrag ab. Was passiert dann? Lassen wir Menschen verhungern? Wir fangen plötzlich an, Regenwälder zu zerstören um neue fruchtbare Böden zu erschließen. Aber das wird Ihnen wahrscheinlich dann nicht mehr so weh tun, da es sich ja um ihr geliebtes Gemüse handelt….

    Des Weiteren muss man von der Fleischindustrie nicht beeinflusst werden, wenn man Fleisch mag oder sogar liebt. Jedoch scheint es mir, dass die Propaganda der BIO- und anderer Bewegungen gefruchtet haben. Warum sind diese Bewegungen wohl darauf so erpicht, dass die Menschen nur noch Gemüse essen? Nicht, weil sie die Welt angeblich “verbessern” wollen, sondern weil ihr Markt um ein vielfaches wachsen würde. Diese ganze BIObewegung ist ein einziger unverschämter Marketingtrick!!! Und um in Reformhäusern, etc. ständig einkaufen zu können, muss man schon zu der gehobenen Gesellschaft gehören.

    Aber ich wünsche Ihnen viel Glück bei der globalen Verbesserung der Welt!

  5. rr sagt:

    Lieber De Sade,

    ich bin ganz froh um die Gelegenheit, dies – vielleicht vor Publikum – klar stellen zu können. Konventioneller Getreide/Gemüseanbau verursacht auch Umweltprobleme, aber bei weitem nicht so viel wie Viehzucht. Im Artikel stehen schon ein paar Zahlen: Fleischproduktion braucht ungleich mehr Fläche als Gemüseabau, etwas das Zwanzigfache. Weil unzähle Pflanzen verbraucht werden müssen, um einen Tierkörper über Jahr am Leben zu erhalten. Dazu kommen Entsorgungsprobleme (die Fäkalien!).

    Die Weltbevölkerung wird immer größer, Hungersnöte drohen … Stimmt natürlich. Alles das spricht für eine drastische Reduktion der Fleischproduktion. Je enger es auf der Welt wird, desto wichtiger, die Anbaufläche, die zur Ernährung eines einzigen Menschen nötig ist, zu reduzieren. Das geht leichter mit Kartoffeln und Gemüse.

    Und, ja: Die BIO-Bauern und -Händler machen das AUCH, um Geld verdienen. Das heißt nicht, dass sie nicht auch die Absicht haben, die Welt zu verbessern. Beruf und Berufung ziehen da an einem Strang. Wie bei Liedermachern. Die wollen mit ihren Auftritten auch Geld verdienen, dabei aber etwas Konstruktives bewirken.

    Zu dem Argument “Es sind ja nur Tiere” kann ich wenig sagen. Ich muss natürlich bei meinem Gesprächspartner ein Grundabsicht voraussetzen können, Lebewesen möglichst gut und schonend behandeln zu wollen, sonst wird eine Diskussion schwierig. Wie im Artikel dargelegt, ist das Nervensystem von Säugetieren dem der Menschen sehr ähnlich, speziell bei Schweinen. Wir können außerdem feststellen, dass Tiere Menschen an Intelligenz unterlegen sind. Warum sollte man aber unbedenklich schmerzempfindlichen Lebewesen Leid zufügen, nur weil sie weniger intelligent sind? Hier muss ich mich über Sie und auch über Ihren Namen wundern, Herr De Sade. (Roland Rottenfußer)

  6. Maverick sagt:

    Hi Roland!

    Wir können außerdem feststellen, dass Tiere Menschen an Intelligenz unterlegen sind.

    Wenn wir uns Menschen da mal nur nicht irren! :roll:

    Auch Pflanzen zeigen Gefühle. Das soll angeblich mit Hilfe der Kirlianfotografie nachgewiesen worden sein. (Ich hab den Artikel leider nicht parat.) Neben eine Zimmerpflanze wurde eine Efeupflanze gestellt. Die Aura der Zimmerpflanze verfärbte sich rot. Sie hatte Angst vom aggressiven Efeu zugewuchert zu werden. Und sie wollte nicht sterbseln.
    Nur weil der Salat keinen Mund hat mit dem er schreien kann, wenn wir ihn abmurksen bevor er schießen und sich vermehren konnte, verspürt er vielleicht doch einen Schmerz. Und er bekommt eventuell Angstzustände, wenn wir mit einem Messer auf ihn zukommen, weil er sich irgendwie merken konnte was seinem Kumpel links von ihm gestern widerfahren ist.
    Wir billigen nur Tieren immer einen gewissen Grad an Intelligenz zu, weil sie uns ähnlich sind.
    Aber so ist das halt auf diesem Planten. Fressen und gefressen werden. Egal ob Tier oder Pflanze. Wir sind dazu verdammt uns zu ernähren und dafür, was auch immer, zu töten. Wem dienen die Menschen eigentlich als Nahrung? Ach ja, den Würmern. Und die den Hühnern. Und die Hühner dem Menschen.

  7. De Sade sagt:

    Wie gesagt, wir kommen nicht auf einen gemeinsamen Nenner… Es liegt aber auch nur daran, weil Sie nur die rosarote Brille aufziehen. BIO-Bauern und BIO-Konzernen mit Liedermachern (ich gehe davon aus, dass Sie richtige Künstler meinen) zu vergleichen, ist sehr naiv von Ihnen.
    Vielleicht ist Ihnen entgangen, dass hinter dieser ganzen Entwicklung kapitalistische Großkonzerne stecken, die bestimmt nicht die konstruktive Leistung ganz oben auf der Liste stehen haben, wenn sie es überhaupt auf der Liste stehen haben.
    BIO-Bauern verseuchen den Boden genauso, wie “normale” Landwirte, ansonsten würden die BIO-Produkte auch nicht den Produkten der “normalen” Bauern genau gleichen.
    Und wie gesagt, ich sehe nicht das Problem in der Schlachtung von Tieren nach europäischem Recht. Zudem hoffe ich, dass Sie nicht im Alltag kleine Tiere wie Insekten unnötig umbringen, sei es aus Unvorsicht oder weil das Tier Sie nervt. Wenn es nicht so sein sollte, wäre es einfach nur heuchlerisch von Ihnen, da auch kleine Tiere Schmerzen empfinden; und da sollte es egal sein, ob es an das menschliche Gefühl heranreicht oder nicht.

    Aber mal was anderes. Was soll denn mit den ganzen Tieren geschehen, wenn es keine Viehzucht mehr geben wird? Sind dann die Tiere unantastbar, wenn Sie in Freiheit sind?

    Auch das Wundern kann ich nur erwiedern. Denn ich kann nicht verstehen, wie man bei so einer Sache so verbohrt sein kann und dem Menschen das Fleischessen sukzessiv absprechen will. Ich hoffe, dass Sie in keinster Weise unmoralische Taten begehen, indem Sie z.B. durch Kleiderkauf Kinderarbeit unterstützen oder dass Sie außer durch ihrem Atem die Welt nicht mit weiterem unnötigem CO2 belasten, etc., etc.
    Falls es so sein sollte, ziehe ich den Hut vor Ihnen. Wenn aber es nicht so sein sollte, dann werden Sie vielleicht merken, dass man gerade heute mit jeglichem Handeln und Tun andere irgendwo auf der Welt Leid zufügen kann. Ich esse Fleisch und andere werden leiden und Sie machen was anderes und andere werden leiden…

    Wie Engels (und ich bin alles andere als ein Fan von ihm oder seiner Ideen) damals schon gesagt hat:

    “es ist ebensogut Mord wie die Tat des einzelnen, nur versteckter, heimtückischer Mord, ein Mord, gegen den sich niemand wehren kann, der kein Mord zu sein scheint, weil man den Mörder nicht sieht, weil alle und doch niemand dieser Mörder ist, weil der Tod des Schlachtopfers wie ein natürlicher aussieht und weil er weniger eine Begehungssünde als eine Unterlassungssünde ist. Aber er bleibt Mord.”
    Dies bezieht sich zwar auf Kinderarbeit in der Industriellen Revolution, jedoch kann man es auf alles übertragen.
    Von daher kann ich es nicht mehr ertragen, dass vor allem Vegetarier sich als die besseren Menschen darstellen, jedoch in anderen Belangen unverantwortlich gegenüber anderen Menschen auf der Welt sowie des Planeten handeln!

  8. De Sade sagt:

    Genauso so ist es, Maverick! Aber Herr Rottenfuß geht ja auf solche Argumente nicht wirklich ein. Sehr schade eigentlich!

  9. Roland sagt:

    Ich muss sagen, ich mag solche Diskussionen. Sie geben dem Thema Aufmerksamkeit und bringen auch manche interessante Aspekte zum Vorschein, die ich nicht gesehen hatte. Z.B.:
    - Auf diesem Planeten leben, bedeutet anderes Leben zerstören (stimmt, aber warum müssen in solchem Ausmaß die sensiblen Schweine dran glauben?)
    - Biolandwirtschaft hat auch ihre Schattenseiten (stimmt wahrscheinlich, ich bin da in der Tat kein Experte)
    - Was soll mit den ganzen Tieren geschehen (1,7 Millarden weltweit), wenn man die Fleischproduktion von heute auf morgen abschaffen würde? (ich bin ratlos)
    - Wir sind auf vielerlei Weise an Vorgängen beteiligt, die anderen Menschen Leid zufügen – oft auch durch Kauf der falschen Waren. Das ist wirklich ein sehr wichtiges Argument. Ich würde den De Sade sogar bitten, einen Artikel daraus machen und ihn mir zu schicken. Ich veröffentliche ihn hier auf dieser Seite.

    Ich finde aber solche Argumente können Aussagen über die Nachteile der Fleischindustrie nur ergänzen, nicht widerlegen. Wir müssen in allen Bereichen achtsamer sein: beim Kauf von Lederschuhen, von in China hergestelltem Spielzeug, beim Auto fahren … Gleichzeitig ist es problematisch, von Menschen einen hohen Grad an “Reinheit” zu verlangen. Das wirkt steril und überfordert ihn.
    Was mich betrifft, ich beanspruche nicht, ein besserer Mensch zu sein als De Sade und andere. Wenn man ein Güte-Messgerät erfinden würde, käme dabei vielleicht heraus, dass De Sade der beste Mensch von allen ist, wer weiß.

    Ich finde es nur schade, dass so großen Wert darauf gelegt wird, mich persönlich herabzusetzen (“Heuchler”). Es steckt m.E. auch eine destruktive Haltung gegenüber dem kritischen Journalismus dahinter. Wenn jemand etwas zu kritisieren wagt, muss er hunderprozentig rein sein und darf nicht einmal die Stechmücke erschlagen, die gerade an seinem Blut saugt. Das ist übertrieben und würde jede kritische Kultur ersticken.

    Zu Biobauernhöfen möchte ich sagen, dass ich nur kleinere Höfe mit Mischkultur und großer Achtsamkeit im Umgang mit Boden und Natur ohne Einschränkungen empfehlen kann. Diese Höfe könnten derzeit noch nicht alle Menschen ernähren. Aber selbst konventioneller Anbau ist in der Wirkung nicht so verheerend wie Fleischproduktion.

    Bei all diesem Hin- und Her der Argumente sollte man sich auf den Kern der Frage konzentrieren: Ist es ratsam, seinen Fleischkonsum zu reduzieren, oder nicht? Ich meine, ja. Die Frage, “strenger” Vegetarier zu sein, wird sich für die meisten nicht stellen. Ist auch sehr schwierig. Wer das ernsthaft vorhat, sollte sich informieren, wo er alle zum Leben nötigen Mineralien usw. herbekommt. Da bin ich dem Marquis auch dankbar für den Hinweis auf Eisenmangel o.ä.

  10. Clas Lehmann sagt:

    Moin, moin!

    Sicher hat jeder Eingriff in die Natur und jede Lebensäußerung eine rücksichtslose Facette, und manche Rücksichtslosigkeit ist nicht zu vermeiden.

    Die biologische Landwirtschaft in Bausch und Bogen als Marketingtrick großer Konzerne zu verdammen, ist aber sicher grober Unfug und den Bauern gegenüber rücksichtslos. Welche Konzerne sollen das, bitte, sein?

    Wenn einem die Vermarktungslinien über den Lebensmittelhandel zu undurchsichtig sind, kann man ja sich einen vertrauenswürdigen Bauern in der näheren Umgebung suchen.

    Dass Fleischproduktion mehr Fläche als der Pfanzenanbau beansprucht, wenn mit den Produkten die gleiche Anzahl Menschen ernährt werden soll, ist ebenfalls überhaupt nicht zu bestreiten. Andererseits braucht Landwirtschaft auch Tierhaltung, die gehört schon dazu. Das bedeutet auch einen maßvollen Fleischverzehr.

    Die fabrikmäßige Mast von Geflügel oder Schweinen ist dagegen nicht notwendig, und der tägliche Verzehr von Fleisch und Wurst auch nicht. Ich brauche das nicht.

    Gruß Clas

  11. anna sagt:

    “Ich sehe es ja an vegetarische Mitmenschen, die, obwohl sie sich nur von Gemüse ernähren, nicht wirklich gesund aussehen und es auch nicht sind, genauso wie reine Fleischesser.” de Sade

    Die nicht gefressenenen Tiere sind aber auf jeden Fall “gesünder”!

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