Wehrpflicht – systematische Demütigung bleibt „unverzichtbar“

Die Wehrpflicht ist eine Kriegserklärung gegen die seelische Integrität von Millionen Männern. Wer sie im befriedeten Europa noch verteidigt, möchte das Militär in seiner „erzieherischen“ Funktion bewahren. Blinder Gehorsam und Unterordnung sind noch immer erwünschte Staatsbürgertugenden. (Roland Rottenfußer)
„Die komplette Abschaffung der Wehrpflicht kommt nicht in Frage“, sagte Kult-Kriegsminister zu Guttenberg gestern. Wehrplicht abschaffen, Wehrpflicht verkürzen, Wehrpflicht bleibt … So spielt die Politik mit der Lebenszeit junger Männer. Wenn überhaupt jemals Zweifel an dem hehren Kulturgut aufkamen, dann wegen knapper Kassen. Denn selbst Sklavenhaltung geht mitunter ans Geld (und das ist die Wehrpflicht de facto, denn der karge Wehrsold entspricht ungefähr dem Kindergeld, das Eltern von Wehrplichtigen abgezogen wird, wenn der Bub für Deutschland stramm steht). Aber so prekär die Staatsfinanzen auch sein mögen: Für das, was der hohen Politik wirklich am Herzen liegt, muss Geld da sein – irgendwie.
Und dazu gehört eben systematische Demütigung junger Männer, denn um nichts anderes handelt es sich bei militärischen Unterwerfungsritualen. Bei keinem Kommentatoren, nicht einmal bei Wehrpflicht-Gegnern, habe ich jemals etwas wie Einsicht in die Tatsache gefunden, dass es lächerlich und erniedrigend ist, roboterhaft Befehle wie „Stillgestanden!“, „Die Augen links!“ oder „Rührt euch!“ auszuführen. Oder seine Unterhemden im Rahmen einer „Spindordnung“ in bestimmter vorgeschriebener Weise zu falten und sich dumm anreden lassen zu müssen, wenn man es nicht richtig macht. Wer diesen und ähnlichen Methoden der „Formalausbildung“ ausgesetzt war, verliert mitunter mit einem Schlag den Respekt vor seinem Staat – und, was schlimmer ist: den Respekt vor sich selbst. Auf den legen die staatliche Organe aber auch gar keinen Wert, ihnen genügt Gehorsam und formales „Funktionieren“, so widerwillig es auch sein mag. Macht agiert sich ihrer Natur nach im Widerspruch zum Willen des ihr Unterworfenen aus. Sonst wäre es ja keine Macht, sondern Überzeugungsarbeit.
Volksabstimmung über Wehrpflicht?
In der Schweiz läuft derzeit eine Unterschriftenaktion zur Abschaffung der Wehrpflicht. Glücklich Schweizer! Sie „dürfen“, was uns nach wie vor verwehrt bleibt. In Umkehrung des Verfassungsgrundsatzes, dass alle Gewalt vom Volk ausgeht, werden Freiheiten immer noch als etwas von der Obrigkeit Gewährtes interpretiert. Aber immerhin, stellen wir uns vor, wir „dürften“ über die Wehrpflicht, über Afghanistan abstimmen! Da bekreuzigen sich Politiker und zur Hofberichterstattung abgestellte Mainstream-Medien dreimal. Von demokratiefernen Zeitungskommentatoren (wie unlängst im „Weilheimer Tagblatt“) wird immer wieder vor Volksabstimmungen gewarnt. Die Argumentationslinie ist immer dieselbe: „Volksabstimmungen auf Bundesebene darf es nicht geben, denn sonst könnte das Volk ja Entscheidungen treffen, die seinen eigenen Interessen zuwider laufen (sprich: die mir, dem Kommentator nicht gefallen).“ Womöglich dürften dann junge Männer, statt stramm zu stehen, gleich in ihren Beruf oder ins Studium starten (wie Frauen ja auch). Oder „humanitäre Einsätze“ wie der in Afghanistan müssten abgeblasen werden. Nicht auszudenken!

Dabei ist es offensichtlich, dass Kriege heute nicht um der Humanität willen, sondern um Macht, Märkte und den Zugriff auf Ressourcen geführt werden. Wäre dies anders, müsste die von den USA geführte Staatengemeinschaft in der halben Welt einmarschieren – auch in den USA selbst. Der Theologe und Kriegsgegner Eugen Drewermann, schrieb: „Der Krieg ist in seinem ganzen Wesen die Zerstörung und die Aufhebung aller menschlichen Gesetze. Umso aberwitziger ist es, ihn zur Erreichung von vermeintlich humanen Zielen zu rechtfertigen oder zu instrumentalisieren. Man kann nicht durch einen See von Blut hindurch die Friedenstaube rufen.“ Humane Fortschritte sind im besten Fall ein Nebenprodukt der globalen Macht- und Ressourcenkriege, niemals deren Hauptzweck. Meistens wurden sie mit einem viel grösseren Rückschritt, dem Rückfall in die finsterste Barbarei erkauft. Das US-amerikanische Forschungsinstitut „Just Foreign Policy“ schätzt, dass im Irakkrieg seit 2003 über 1 300 000 Menschen ums Leben kamen.
Bomben für die Humanität
Bevor sich, wenn überhaupt, positive Kriegsfolgen zeigen, hat die blosse Existenz des Militärapparats überall auf der Welt entsetzliches Unheil angerichtet. Die globalen Militärausgaben wurden von Amnesty International für das Jahr 2006 auf 1,1 Billionen Dollar beziffert. Dieses Geld fehlt natürlich für humane Ziele, für den Kampf gegen Hunger, Krankheit und Unterentwicklung. Dazu Drewermann: „Wer von humanitärer Verantwortung redet, die es verlangt, sich kriegsbereit zu halten, der muss sich sagen lassen, dass Millionen Menschen heute noch leben könnten, wenn wir nicht Milliarden Mark für immer neue Waffen zum Töten ausgeben würden.“
Wozu sind also Kriege da? Schon alte Winnetou-Filme vermittelten eine einfache Weisheit: Die einzigen, die einen Krieg wirklich wollen, sind die Waffenhändler. „Nichts fürchten die Waffenhändler mehr als den Frieden“, heisst es in dem Antikriegsfilm „Lord of War“ mit Nicholas Cage. Sobald ein Ding zur Ware wird, unterliegt es den Gesetzen der Profitmaximierung. Zwei Völker, die einander in Angst und Hass gegenüberstehen, sind bessere Waffenkunden als zwei friedliebende Nationen, die sich respektieren. Die hoch gelobte „unsichtbare Hand des Marktes“ erweist sich auf dem Rüstungssektor als die Hand eines millionenfachen Massenmörders. Jean Jaurès, ein französischer Sozialist und Pazifist, der 1914 ermordet wurde, sagte: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“
Räume reduzierter Menschenwürde
Einer der wichtigsten Einwände gegen das Militär ist aber das Militär selbst. 1926 verfasste eine internationale Gruppe prominenter Unterzeichner – unter ihnen Gandhi, Einstein und Betrand Russel – ein gemeinsames Manifest gegen die Wehrpflicht. Darin steht: „Zwangsdienst bedeutet Entwürdigung der freien menschlichen Persönlichkeit. Das Kasernenleben, der militärische Drill, der blinde Gehorsam gegenüber noch so ungerechten und sinnlosen Befehlen, das ganze System der Ausbildung zum Töten untergraben die Achtung vor der Persönlichkeit, der Demokratie und dem menschlichen Tun.“ Dass Deutschland 84 Jahre nach diesem Manifest und 65 Jahre nach einem mörderischen Krieg noch immer an der Wehrpflicht festhält, ist eine Schande. Eine ernsthafte Diskussion über den Sinn und Zweck militärischen Drills findet bis heute nicht statt. Dabei ist offensichtlich, dass die Toten des Luftangriffs von Kundus (Afghanistan) heute noch leben könnten, hätten Kampfflieger den Befehl verweigert.
Die allgemeine Wehrpflicht ist eine relativ junge „Errungenschaft“, die sich erst nach der französischen Revolution in Europa durchsetzte. Vorher setzte man auch in kriegerischen Zeiten auf Berufs- oder Söldnerheere. Nicht so in „Europas längster Friedensperiode“. Warum diese beharrliche Treue der Nachkriegsdemokratien zur Wehrpflicht? Jahrzehnte lang, musste der drohende „Einmarsch der Russen“ als Vorwand herhalten. Doch die Begründung greift heute nicht mehr. Kaum war „der Russe“ freundschaftlich einverleibt, taten sich anderswo Abgründe auf, die ausgerechnet unser Land zur militärischen Intervention „zwangen“. Es war immer so und wird vielleicht immer so bleiben: Ein absurdes System schafft sich die Vorwände, die seine Weiterexistenz rechtfertigen, immer wieder selbst. Der Verdacht drängt sich auf, dass die in der Militärausbildung gezüchteten Eigenschaften – bedingungslose Unterordnung, Gehorsam und emotionale Verwahrlosung – „Tugenden“ sind, die auch im zivilen Leben als nützlich gelten.
Der Schock macht gefügig

Militär und Militärausbildung sind das dunkle, peinliche „Geheimnis“ aller Staaten. Sie existieren im Schattenbereich der Demokratien und strafen jede Menschenrechtserklärung, jedes Politiker-Gerede von Freiheit Lügen. Denn eine Verfassung, die Ausnahmen von der Menschenwürde zulässt, hat sich bereits von Naturrechts-Gedanken verabschiedet. Eine solche Verfassung trägt den Keim zu ihrer Demontage schon in sich und öffnet ein Einfallstor für weitere Einschränkungen der Bürgerrechte. In den Kasernen und auf den Übungsplätzen der Armeen werden Menschen gedemütigt, gebrochen und zu Werkzeugen gemacht. Sie werden dahin gebracht, wie Automaten Tätigkeiten zu verrichten, gegen die sich ein intakter Charakter zu Recht sträuben würde. Es geschieht überall, mitten unter uns, Tag für Tag. Und die meisten dulden es, weil sie das Gerede der Politiker von „nationaler Sicherheit“ glauben. Oder weil sie nicht genauer hinsehen wollen.

Wer einmal gebrochen wurde, weil ihm der Preis des Widerstands zu hoch erschien, der trägt lebenslänglich eine latente Scham mit sich herum. Die Scham, sich selbst als feige und unterwürfig erlebt zu haben, wo der natürliche Stolz offenen Widerstand geboten hätte. Um diesen Zwiespalt auszuhalten, kommt es oft zu einer ungesunden Identifikation mit den Tätern. Man kennt das Phänomen auch als „Stockholm-Syndrom“, ein Verhalten, das man bei Entführungsopfern festgestellt hat. Die Täter werden als Vaterfiguren idealisiert, zu denen man mitten im Leiden Zuflucht nehmen kann, obwohl gerade sie dieses Leid verursacht haben. Der Psychologe Arno Gruen spricht auch von „Identifikation mit dem Aggressor“. Ein ähnliches Verhalten zeigt sich bei Staatsbürgern, die zu Untertanen regrediert sind. Woher kommt die Duldungsstarre der Völker, die unter der Knute eines neuen Feudalismus stöhnen? Vielleicht von dem lähmenden Schock, der entsteht, wenn man mit negativen, eigentlich unfassbaren Informationen über „seinen“ Staat überflutet wird. „Vater Staat“, den man ja eigentlich achten will und von dem man Schutz und Orientierung erhofft.

Den Widerstand des Volkes brechen

Ich behaupte, dass Bürger durch den Militärdienst seit Jahrhunderten für ihre Rolle als „Leibeigene“ in unterschiedlich ausgeprägten Feudalsystemen zugerichtet werden. Offiziell soll die Wehrpflicht, das Prinzip des „Bürgers in Uniform“, heute die Demokratie in die Armee bringen. Stattdessen breitete sich das Militär in der Demokratie aus, züchte „Soldaten in Anzug und Blaumann“. Militärische Denk- und Verhaltensmuster durchdringen das Zivilleben – wenn auch in subtiler Form („dem Chef gehorcht man“). Der von Aktivisten beklagte fehlende Widerstand gegen die Zumutungen der Politik könnte eine seiner Ursachen in Militarisierung der Denkstrukturen haben, die – zumindest bei Männern – im Grundwehrdienst eingeübt wurde. Das heisst auch, dass dessen Abschaffung strategische Bedeutung hätte. Es könnte sich langfristig auch im Zivilleben ein freierer, autonomer Geist entwickeln.

Der gewaltlose Kampf um mehr Menschlichkeit muss immer auch ein Kampf gegen das Militär und seine Denkstrukturen sein. Ist dazu ein radikaler Pazifismus nötig oder genügt, es die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht zu fordern? Ich glaube, dass man ein System, das man grundsätzlich verabscheut, nicht für eine Minderheit von Berufssoldaten befürworten kann. Ganz abgesehen von den höchst fragwürdigen „Zwecken“, für die Armeen heute eingesetzt werden. Von dem Humoristen Gerhart Polt stammt folgende paradoxe Weisheit: „Diese Pazifisten haben ja noch nie einen Krieg verhindert. Oder können Sie mir einen Krieg nennen, den die verhindert haben?“ Dieser satirische Seitenhieb hat einen ernsten Kern. Konsequenter Pazifismus war noch in keinem Land der Erde an der Regierung. Es gibt also fast keine historischen Erfahrungen, die seine Richtigkeit beweisen. Gegner können so leicht von «abenteuerlichen Utopien» sprechen.

Pazifismus – unsere einzige Zukunft

Aber ein historischer Irrtum ist nicht deshalb eine Wahrheit, weil er Jahrtausende alt ist. So wie das Patriarchat nicht deshalb eine grossartigen Gesellschaftsform ist, weil er lange auf der ganzen Welt herrschte. In Höhlenzeichnungen aus matriarchaler Zeit finden sich übrigens keine Bilder von Kriegshandlungen. Zufall? Vielleicht müssen wir in die ferne Vergangenheit blicken, um uns Impulse für die Zukunft zu holen. „Der Pazifismus ist nicht die Utopie von Blauäugigen und ewig Gestrigen“, schreibt Eugen Drewermann, „er war und ist die Antizipation der einzigen Form von Zukunft, die uns Menschen auf dieser Erde beschieden ist.“

9 Kommentare zu „Wehrpflicht – systematische Demütigung bleibt „unverzichtbar““

  1. Jürgen Faas sagt:

    Na endlich! Hatte schon gedacht, das merkt niemand außer mir ;o) Super Beitrag!

  2. Von Demütigungen, Wehrwille und Demokratie
    ein persönlicher und politischer Bericht aus der Schweiz

    Vielen Dank für diesen feinen Artikel, Herr Rottenfusser. Auch ich habe – 1988 in der Schweiz – erlebt, was Sie als “systematische Demütigung” bezeichnen. Da strömen eines sonnigen Vormittags im Juli hunderte junger Individuen aus allen Landesteilen in einer Kaserne zusammen und noch am selben Abend stehen, innerhalb des Bruchteils einer Sekunde, alle Stramm, nur weil einer mit einem gelben Streifen am Hut sein heiseres “Achtung!” über den Kasernenhof bellt.

    Diesen ersten Moment des In-die-Achtungsstellung-Zuckens habe ich als traurig magischen Augenblick verinnerlicht. Nicht wegen meiner schnellen und (zu) perfekten Reaktion auf den Befehl, sondern wegen des Moments der Entfremdung in der Masse, die geradezu gespenstisch synchron (mit)zuckte. “So funktioniert der Laden”, sagte ich mir, betrachtete ungläubig des Pudels Kern und ging innerlich fortan auf Distanz.

    Der Rest würde ein Buch füllen, denn Distanz zu etwas zu wahren, dem man 17 Wochen lang Tag und Nacht ausgesetzt ist, ist kein wirklich einfacher Weg. – Vielleicht hier noch dies: Unsere Vorgesetzten lobten immer die gute Kamaradschaft unter uns Rekruten. Das Lob stiess mir jedesmal auf. Was blieb uns 20-Jährigen in der nationalen Drillmühle denn anderes übrig, als einander gegenseitig zu unterstützen? Wir verfügten ja glücklcherweise alle über ein Mindestmass an Anstand und Sozialkompetenz.

    Ein einziger Freund ist mir aus jener Zeit geblieben. Immerhin. Einer, der innerlich genauso neben den Schuhen stand wie ich. – Ich verstand die Zeit im Militär als eine Art Polarnacht und orientierte mich am bevorstehenden Tag. Und diesen nutze ich dann – glücklcherweise – zur Verarbeitung des Erlebten.

    Am 26. November 1989 fand in der Schweiz die legendäre Abstimmung über die Abschaffung der Armee statt. Die von kaum jemandem erwarteten 35,6% Ja-Stimmen machten für mich die Nacht definitiv wieder zum Tage. In zwei Kantonen (Jura und Genf) gab es sogar eine Ja-Mehrheit. In Basel Stadt waren 45.1 % für die Abschaffung der Schweizer Armee.

    Selbst nach dieser denkwürdigen Abstimmung wurde in der Schweiz kaum über “die Gefahr” von Volksabstimmungen gesprochen. Das Volk ist hier der Souverän, das ist unser Selbstverständnis und unsere Identität. Allerdings ist Demokratie ein Instrument, das geübt werden will und das funktioniert auch bei uns nach wie vor kaum an einem Ort so schlecht wie im Militär.

    Verzichten wir nun also aufs Militär? Der Pazifist und der Realist in mir liegen zuweilen miteinander im Streit. Als Schweizer weiss ich z.B., dass Hitler uns zwar durchaus aus verschiedensten Gründen verschont hat, u.a. weil ihm unsere intakte Infrastruktur mit Banken und Nord-Süd-Verkehrswegen ja ganz nützlich war. Aber er wusste auch um den Wehrwillen und die massierte Abwehr im Gotthart-Reduit, was ihn genervt haben muss. Zudem beschäftigte ihn ein Krieg an mehreren Fronten, weshalb man die Schweiz dann “auf dem Heimweg” einnehmen wollte.

    Und hätten wir uns in früheren Jahrhunderten nicht mit den Habsburgern geprügelt, wäre die Willensnation der Eidgenossen ger nie entstanden und die Direkte Demokratie wäre bei uns heute kaum weiter entwickelt als in unseren EU-Nachbarstaaten. Und doch – Eugen Drewermann sieht es richtig: Will unser Geschlecht eine längerfristige Zukunft haben, führt kein Weg am Verzicht auf Krieg vorbei. Arbeiten wir daran. Es geht ums Tun und nicht ums Siegen.

    Markus Heiniger / Schul- und Liedermacher
    http://www.m-heiniger.ch

    Markus Heiniger

  3. Wehrpflicht – systematische Demütigung bleibt „unverzichtbar“…

    Von Roland Rottenfußer | Hinter den Schlagzeilen | – Die Wehrpflicht ist eine Kriegserklärung gegen die seelische Integrität von Millionen Männern. Wer sie im befriedeten Europa noch verteidigt, möchte das Militär in seiner „er- zieherischen“ Fun…

  4. rr sagt:

    Lieber Herr Heingier,

    vielen Dank für das offen erzählte, konkrete Beispiel über Demütigung bei der Armee. Bemerkenswert sind ja hier weniger die extremen Fälle von illegaler Misshandlung von Rekruten (die auch gerichtlich verfolgt werden können), sondern das, was tagtäglich abläuft, was erlaubt ist als “normal” gilt. Es müsste viel mehr ins Bewusstsein rücken, aber es besteht eine verständliche Scham bei den meisten Ex-Wehrdienstlern. Sie müsste sich in gerechten Zorn und eine strukturierte Kampagne gegen militärischen Drill wenden. Das Argument “Man kann ja verweigern” (in Deutschland vielleicht leichter als in der Schweiz) sticht nicht. Es verlagert die Erfahrung der Demütigung nur auf andere junge Männer. Der Staat “nimmt sich” immer so viele, wie er für seine derzeitigen offenen und verdeckten Zwecke braucht – ohne Rücksicht auf die körperliche und seelische Integrität und die Lebensplanung der “Untertanen”. Würden zu viele verweigern, dann würden eben die Kriterien verschärft.

    Es ist freilich berechtigt, die praktische Durchführbarkeit eines radikalen Pazifismus zu hinterfragen. Was wäre, wenn ein “neuer Hitler” angreifen würde, und man könnte sich nicht verteidigen? Auf solche Fragen gibt es m.E. keine einfachen Antworten. Man müsste ernsthaft Formen des zivilen Ungehorsams einüben, und das bleibt bislang Utopie. Ich möchte nur noch ein Argument zu bedenken geben: Kleine Länder wie Belgien, Luxemburg und Dänemark haben nicht deshalb seit 60 Jahren im Frieden gelebt, weil die großen Länder panische Angst vor deren Armeen hatten. Es gab eine enge Bündnispolitik und eine Art ethischen Grundkonsens in Europa.

    Andererseits sind selbst Länder mit gebirgiger Landschaft und entschlossen wehrhafter Bevölkerung nicht vor Angriffen sicher. Afghanistan z.B. Man hätte wissen müssen, dass es uneinnehmbar ist. Wahrscheinlich wusste man es auch. Aber ein langer (weil vergeblicher) Krieg bringt der Rüstungsindustrie Profite, bewirkt, dass sich die Angreifervölker solidarisch hinter ihre Regierung scharen (jedenfalls in den USA), bestätigt die Existenzberechtigung des militärisch-industrieellen Komplexes, steigert die Staatsverschuldung und damit die Profite der Gläubiger aus Zinseinnahmen usw. So gesehen, wäre die Schweiz ein “großartiges” Angriffsziel, WEIL sie sehr schwer einnehmbar ist.

    Will sagen: Die Zusammenhänge zwischen Hochrüstung und daraus resultierendem Frieden sind nicht ganz so einfach. Ein Garantie dafür, dass man nicht irgendwann unter einen skrupellosen, aber stärkeren Gegner zu leiden hat, gibt es nicht – weder in einem pazifistischen Staat noch im üblichen Hochrüstungswahnsinn. Ein pazifistischer Staat würde aber wenigstens keine Signale der Bedrohung nach außen senden, könnte seine Steuereinnahmen für konstruktive Ziele verwenden und seinen Männern eine Jugend ohne Erniedrigung bieten. Wie ziviler, gewaltfreier Widerstand gegen einen möglichen externen Agressor aussehen würde, wäre ein Thema für sich.

  5. Elisabeth sagt:

    Wenn man in Österreich lebt, einem Fliegenschiss auf der Landkarte und ich zusehen musste wie mein Bruder im Bundesheer systematisch fertig gemacht wurde. Dann kann man nur dagegen sein, man hat mich mal gefragt was machst du wenn der Feind vor deiner Tür steht? Meine Antwort, ich kapituliere. Wir haben keine Feinde wenn wir uns keine machen, und wir machen sie uns durch Einsätze in Afghanistan, Irak, Pakistan und wo sonst noch unsere Soldaten rumlaufen, wenns nach mir ginge, ich würde streiken, und wenn ich dafür ins Gefängnis komme ist mir das auch egal ich würde den Dienst an der Waffe immer verweigern, ich würde nur zur Verteidung meiner eigenen Familie zur Waffe greifen wenn es keine Möglichkeit gibt sich friedlich zu einigen. Wenn alle aufstehen und sich weigern würden sich so benutzen zu lassen, dann hätte das System gar keine Wahl mehr, als die Soldaten gehen zu lassen, alle können sie nicht einsperren und Verweigerung kann man bis zum Tod aufrecht erhalten.

  6. EO von Waterbrunn sagt:

    Wehrpflicht oder Berufssoldaten?

    Für eine Verteidigungsarmee ist Wehrpflicht sinnvoll. Man kann das aber dann über den Katastrophenschutz organisieren. Also in erster Linie überregionale Hilfe in besonders schweren Fällen und in zweiter Linie auch den bewaffneten Verteidigungskampf – und zwar im Sinne von Guerillataktiken. Dies sind Umstände, die jedem Beteiligten leicht verständlich zu machen sind. Da braucht es dann keine in ihrer Persönlichkeit gebrochenen Befehlsempfänger.
    Andererseits ist eine Berufsarmee keine Lösung. Das würde ja bedeuten den Politikern freie Hand zu geben im Einsatz von militärischer Gewalt. Die betroffenen Soldaten und Söldner hätten sich ja einen anderen Beruf suchen können, um der Gefahr des Sterbens zu entgehen – nur die Angegriffenen sind dann die Leidtragenden und wenn die sich erfolgreich wehren, haben die Berufssoldaten eben “Pech” gehabt!?
    Die Armee ganz abzuschaffen würde bedeuten in einem Gemeinwesen OHNE Ordnungsmacht zu leben. Wäre es sinnvoll die Feuerwehr oder die Polizei abzuschaffen? Sicher nicht – ergo kann man auch die eigene Armee nicht abschaffen. Aber man kann sie so organisieren, dass sie der eigenen Bevölkerung eine Hilfe ist und den Nachbarstaaten KEINE Bedrohung!

  7. BlogBesucher sagt:

    Heute heißt die Frage eher “Bundeswehr im Innern: Ja oder nein?”

    und die Gefahr dahinter heißt: ein Berufssoldat aus Afghanistan hat weniger Hemmungen mit dem Töten als ein Wehrpflichtiger.

    Ich persönlich habe keine bleibenden Schäden durch die Bundeswehr davon getragen. Weder habe ich einen Hang zur Obrigkeitshörigkeit, noch muß ich andere Menschen über die ich Verantwortung ausübe “Zusammenscheißen”.

    Fakt ist: lernt man jedoch dort genau das Gegenteil: Richtig Führen, Solidarität durch Kameradschaft, Teamgeist, sinnvolle Überlebensstrategien, sportliches trainigsprogramm und mal so richtig seine Grenzen kennenlernen.
    Die Bundeswehr bildet Männer auch zu wehrhaften Menschen aus, die wenn es darauf ankommt mit einer Waffe richtig umgehen können.

    In der Tat wurde ich nur in den ersten zwei Monaten der Grundausbildung richtig zusammengeschissen, was aber weniger dazu diente meinen Willen zu brechen, als mehr eine Übung der Stressfestigkeit, was sich in der Tat positiv auswirkte. War ich doch zuvor eher schüchtern, brachte mir dieser “stresstest” durch den durchgestandenen Konflikt doch einiges an Selbstbewußtsein bei.

    Natürlich gab es auch Zeiten der Schikanen wie: “Wache schieben”. Doch im Ramen einer soliden Kameradschaft war dies dann alles halb so schlimm.

    schlußendlich kann ich sagen: “ich kam als Jugendlicher und ging als Mann”. Daher finde ich hat die Bundesehr schon seine positiven erzieherischen Seiten, weniger jedoch die ihr hier vorgeworfenen.

  8. Gerold Flock sagt:

    Leider denkt die Dummheit, eine Revolution & Umwälzung könne nur mit Gewalt stattfinden. Die meisten politischen Lügner wollen sogar den friedlichen Frieden mit Waffengewalt verkaufen… Doch die Geschichte zeigt: Gewalt erzeugt immer Gewalt. Was also tun? Erstmal die Leute aufklären. Denn die Menschheit wird für Dumm verkauft. – Dann kapiert man vielleicht auch den Text von B.Brecht, daß Kämpfen nicht unbedingt was mit Gewalt zu tun haben muß. Man kann auch z.B. mit seiner Klampfe kämpfen…oder mit seiner Page! Oder tätowiert Euch “Peacezeichen” auf Eure Pimmel?! – Lasst Euch was einfallen! Schenkt Euren Freundinnen – Gleitcremes statt Pickelcremes(Antifaltencremes). Schaut Euch die Cremeverkäuferinnen mal genauer an, die sind meistens fett, wie die Seuche, weil Sie dauernd “McDonaldscheisse” fressen & deswegen sind Ihre Gesichter so glatt und faltenlos wie Ihr Arsch. Feilt Euch besser die Fingernägel, dann braucht Ihr so Zeugs nicht. Oder lest den “Marquis de Sade”, statt Konsalik! – Aber ich komm vom Thema ab…Geht auf keinen Fall zur Arbeiterwohlfahrt, die beuten Euch nicht nur aus, die ruinieren absichtlich Eure Bandscheiben…meine Freundin ist Altenpflegerin, die weiß was abgeht. Was weiß ich??? Für egozentrische, korrupte Psychopathen & sonstige dilletantische, lüsterne, senile, machtgeile, geldgierige Grabscher, gibt es natürlich völlig umsonst die Gruben, die sie sich selbst gegraben haben!! – Geht auf keinen Fall zum Frisör, da müßt Ihr Euch beugen. – Ein Krieger beugt sich nie! – Also schneidet Euch die Fransen selber, oder knotet Euch Zöpfe wie die Samurai. Oder macht was Ihr wollt, aber beschwert Euch dann nicht, über die Haare in der Suppe…Zu mir sagen die Spiesser immer, ich seh aus wie Rod Stewart. Würg! Übrigens: Dieser tolle Text ist wie immer umsonst!

  9. Gerold Flock sagt:

    Hier auf meiner Page, wird der Bosheit, der Gier und dem Neid die Maske abgenommen.
    Erledigt Ihr für Euch den Rest, lebt Euer Leben so gut wie möglich.
    Ihr kämpft um jeden Quadratmeter Freiheit, jede Minute Zeit, jedes Quäntchen Glück.
    Wenn Ihr aufhört zu Kämpfen und nur noch macht was Ihr wollt…
    Was können Eure Quälgeister dann noch machen?
    Nichts.
    Sie werden blöd aus der Wäsche gucken!
    Ich weiß. Einfach ist die Freiheit nicht, denn man muß Substanz haben und seine
    Mitmenschen respektieren und man muß immer achtsam sein.
    Deswegen haben ja soviele Angst vor de Freiheit!

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