Denunziation wie im Dritten Reich

Ein anonymer Anrufer meldet sich im April beim Göttinger Sozialamt mit der Verdächtigung, eine ALG-II-Bezieherin halte sich gar nicht in ihrer Wohnung auf, sondern bei ihrem Freund. Folge: neun Tage später schwärmen Mitarbeiter der Stadt und des Landkreises Göttingen aus, um bei der Nachbarschaft der Frau weitere Informationen zu beschaffen. Ergebnis dieser Befragungsaktion: kein Arbeitslosengeld mehr für die Erwerbslose. (Quelle: Neue Rheinische Zeitung)
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15439

8 Kommentare zu „Denunziation wie im Dritten Reich“

  1. Maverick sagt:

    Egon W. Kreuzer schreibt:

    [...]Halten Sie es für nützlich, die Arbeitslosen mit Ein-Euro-Jobs von der Straße zu holen und den Veranstaltern von “Arbeitsgelegenheiten” für die – oft sinnfreie – Beschäftigung dieser Ein-Euro-Jobber das Doppelte zu vergüten, also zwei Euro pro Stunde? Oder sind die, die sich das ausgedacht haben und die, die es zum Eigennutz betreiben, “alles Verbrecher”?[...]

    [...]Wirtschaft und Beschäftigte, Alte und Junge, Leistungsempfänger der Sozialsysteme, Beitragszahler und Leistungserbringer, alle sind höchst unzufrieden und geben dies laut kund.
    Die Unzufriedenheit zieht aber beileibe nicht an einem Strang und in die gleiche Richtung, die Unzufriedenheit ist mehr denn je zuvor von egoistischen Grundeinstellungen ausgelöst.
    Wir leben – weil uns das große Ziel, der Maßstab – verloren gegangen ist, und wir diesen durch unseren eigenen, individuellen Egoismus ersetzt haben, in einer Gesellschaft der von allen “gefühlten, persönlich erlittenen Ungerechtigkeit”.

    Helfen Sie mit, diesen Zustand zu überwinden.

    Formulieren Sie mit, an dem Staatsziel, hinter dem sich die deutsche Bevölkerung länger als für die Dauer einer Fußballweltmeisterschaft vereinigen könnte, schreiben Sie mir, vorerst in nicht mehr als drei Sätzen, wie Sie dieses Staatsziel formulieren würden.[...]

    http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2010/30.html

  2. Margret Jouvenal sagt:

    ich wünsche mir ein miteinander der unteren und mittelschicht um die angeblich großen macher des staates zu entmachten und unter den bedürftigen zu teilen und eine soziale gerechtigkeit zu erreichen.

  3. De Sade sagt:

    Ich gehöre zur oberen Mittelschicht. Ich arbeite sehr hart, damit es meiner Firma und den Beschäftigten gut geht. Und da soll ich einen Teil von meinem hart verdienten Geld für die soziale Gerechtigkeit zurückgeben???
    Geht es Ihnen, Frau Jouvenal, gut? Das hat auch überhaupt nichts mit Egoismus zu tun, da ich über Organisationen, die etwas bewirken sehr gerne spende. Aber diese Parolen sind völlig fehl am Platz. Zudem ist es traurig, wenn man soziale Gerechtigkeit nur mit Entmachtung erreichen kann und nicht mal ein vernünftiges Konzept entwickelt. Außerdem ist der Mensch gierig, sodass bei Entmachtung die Gefahr besteht, dass nach einem Jahrzehnt die “soziale Gerechtigkeit” wieder aus den Fugen gerät…
    Jeder ist für sein eigenes Glück verantwortlich! Wenn was verändert werden muss, dann an den Grundvoraussetzungen wie Zugang zu Bildung, aber nicht den Leuten das Geld entreißen! Wo kommen wir denn dahin?

  4. Galenit sagt:

    Zu meinem Vorredner.
    Wer ist hier gierig???? Der welcher 359 Euro Regelsatz bekommt.
    Oder der welcher durch “harte” Arbeit den Rahm abschöpft.
    Wissen sie was harte Arbeit ist? Strassenbau, Betonbau, Grossküche,
    10 Stunden an der Drehbank bei Sklavenlohn, Bäckereiverkäuferin….
    Schauen sie mal das ist auch Interessant.Ganz ohne Denunziation
    http://de.indymedia.org/2010/07/286872.shtml

  5. Maverick sagt:

    Oh je, Galenit,
    den Regelsatz von 359 Euro hätten sie vielleicht unerwähnt lassen sollen. Denn jetzt besteht die große Gefahr, dass all die ehemaligen (Pseudo)Studenten, welche in immer größerer Anzahl durch die Foren und Blogs im Netz tingeln, auch noch hier ihre abstrusen Rechenkünste vorführen, welche darlegen sollen, dass sie damals in ihrer Studentenzeit mit noch viel weniger haben auskommen müssen, als mit 359 Euronen.
    Das Gleiche gilt latürnich auch für die vielen Pseudo(Unternehmer), welche 60 Stunden und mehr in der Woche „hart“ arbeiten und in der spärlichen Freizeit, die ihnen dann noch für ihre Regeneration verbleibt, die Lust verspüren mit ihrer 60-Stundenwoche durch die Internetforen und Blogs zu schwadronieren und hier und da auch mal jovial etwas von dem von unten nach oben umverteilten Geld zurückzuspenden.

    Ach, was hab ich mir gewünscht, dass diese billige Provokation vom hart arbeitenden, oberen Mittelschichtler ignoriert wird.
    Dieser dämliche Schichtenkäse ist doch sowieso nur Quark.

  6. André Hüssy sagt:

    @Maverick:
    Die Welt ist nun mal weder sicher, noch gerecht. Und manchmal sind hart arbeitende Mittelschichtler ärmer dran, als vermeintliche “Unterschichtler”. Nur etwas ist klar: längerfristig sind wir alle tot. Bin ich nicht ein kleiner Hobby-Philosoph ?

  7. André Hüssy sagt:

    Sarkasmus beiseite; Denunziation ist eine Folge von zuwenig (Geld-)Mitteln, welcher der Staat für Bedürftige zur Verfügung hat. Und wieso hat er zuwenig Geld ? Wegen der Verschuldung der “öffentlichen Hand” (Gemeinden, Bundesländer und Staat). Einen meines Erachtens lesenswerten Aufsatz über die Gründe dazu habe ich vorhin auf dieser Seite gefunden:
    http://jensen.ag/vom-ende-der-krise-keine-spur/

  8. André Hüssy sagt:

    Anmerkung zu meinem obigen Hinweis: ich finde den Aufsatz von Prof. Bocker lesenswert. Aber von der Firmenpolitik der Bert Jensen GmbH möchte ich mich distanzieren (Vermögenssicherung durch Gründung vonStiftungen in der Schweiz). Das kann ja nicht die Lösung sein, sonst hat der Staat noch weniger Geld für die Bedürfigen. Und dann steigt die Spannung noch mehr.

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