Weigern Sie sich, Zusatzbeiträge zu zahlen!

Die Krankenkassen bezahlen nur noch bei schweren Erkrankungen wirklich zuverlässig und drücken sich, wo es geht, um Kosten herum. In dieser Situation ist es eine besondere Unverfrorenheit, wenn von Zusatzbeiträgen die Rede ist und diese von einigen Kassen, etwa der DAK schon erhoben werden. Was können wir tun? Wir können uns weigern, die Zusatzbeiträge zu bezahlen, so lange es eben geht. Und wir können aus Krankenkassen, die schon Beiträge erheben aussteigen und zu solchen wechseln, die sich noch fair verhalten. Mit Musterbrief „Schreiben an die DAK“. (Roland Rottenfußer)
„Immer weniger bezahlen, immer mehr verlangen“ ist die Stoßrichtung der Krankenkassen. Allenfalls noch bei schweren Krankheiten und Krankenhausaufenthalten stehen Zuschuss und Eigenleistung in einem erträglichen Verhältnis. Entgegen jeder Logik und Menschlichkeit werden vor allem vorbeugende Maßnahmen boykottiert. Die meisten Menschen benötigen Krankenkassen aber nicht nur zur Sterbebegleitung (so wichtig diese für Betroffene auch sein mag), sondern wollen bei kleinen gesundheitlichen Alltagssorgen zuverlässig unterstützt werden: Bei Ausgaben in geringer und mittlerer Höhe, die jedoch häufig anfallen: die neue Brille, die Kopfschmerztablette, die Zahnarzt-Prophylaxe … Hier zeigt sich beim Arztbesuch zunehmend ein Dilemma: Immer mehr ärztliche Leistungen sind einerseits (nach Meinung des Arztes) medizinisch dringend erforderlich, andererseits (nach Meinung der Kasse) nicht wichtig genug, um eine Erstattung der Kosten zu rechtfertigen. Was soll der Patient tun (wenn er überhaupt genug Geld verdient, um die Wahl zu haben)? Der Arzt erscheint in einer Doppelfunktion als Mediziner und Verkäufer auf einem Zusatzleistungen-Basar, was das Vertrauen der Patienten in den medizinischen Betrieb zunehmend untergräbt.

In dieser desolaten Situation ist es eine besondere Unverfrorenheit, wenn von Zusatzbeiträgen die Rede ist, die in der Zukunft quasi mit Naturnotwendigkeit anfallen werden und von einigen Kassen, etwa der DAK schon erhoben werden. Zum Argument der „knappen Kassen“ ein paar Anmerkungen:

Wenn irgendwo ein auf rätselhafte Weise eskalierender Geldmangel auftritt, liegt man meist richtig, dahinter Profitgier und Renditejäger zu vermuten. Dies ist im Gesundheitswesen nicht anders. In welcher Weise kann der im System eingebaute Zwang, „Shareholder Value“ auszuschütten, den Medizinbetrieb beeinflussen? Zunächst auf der Ebene der Herstellungskosten: Hinter der „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen stecken auch hohe Preise für Medikamente und medizinisch-technische Geräte. Hinter diesen stecken Zins und Zinseszins für die Anleger der betreffenden „Pharma-AGs“. Hinzu kommt die Praxis der Patentierung von Medikamenten als „geistiges Eigentum“, durch die sich auf dem Pharmasektor Konkurrenz wirksam ausschalten lässt. Und wer sich konkurrenzlos fühlt, kann sich bei der Preisgestaltung völlig „frei“ fühlen.

Ein dritter Faktor sind Investitionen, die ein Arzt beim Einrichten seiner Privatpraxis tätigen muss. Kaum einer kann sich die Räumlichkeiten und teuren Apparaturen aus der „Portokasse“ leisten. Es müssen also Kredite aufgenommen werden, und davon profitieren Banken und deren Anleger. Allein in Mieten verstecken sich in der Regel über 60 Prozent Zinskosten. Ein viertes Thema ist die zunehmende Privatisierung von Krankenhäusern. Die Bundesärztekammer spricht diesbezüglich von einer „beispiellosen Privatisierungswelle“, die den Krankenhaussektor in den letzten Jahren überflutet habe. Dazu eine Zahl: Experten schätzen, dass bis zum Jahr 2020 zwischen 40 und 50 Prozent der deutschen Krankenhäuser privatisiert sein werden. Mit einer gesunden Bevölkerung und fairen Löhnen lassen sich hohe Renditen jedoch kaum erwirtschaften.

Fazit: Es ist nicht wirklich zu wenig Geld da; es bündelt sich nur rätselhafter Weise immer in den Händen der Falschen. Es ist ein falsches System, das die Kostenexplosion verursacht, nicht „zu anspruchsvolle“ und „hypochondrische“ Bürger. Hinzu kommt bei Zusatzbeiträgen die gnädige Entlastung der Arbeitgeber von ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Was können wir tun? Wir können uns weigern, die Zusatzbeiträge zu bezahlen, so lange es eben geht. Und wir können aus Krankenkassen, die schon Beiträge, erheben aussteigen und zu solchen wechseln, die sich noch fair verhalten. Das Motto heißt: Pioniere bestrafen und einen Präzedenzfall schaffen. Die DAK hat bei der Umsetzung ihrer neuen Finanzierungsvorhaben mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen: Hundertausende haben die Zahlung bis heute verweigert und sind aus der Kasse ausgetreten. Setzt sich diese Dynamik fort, wird die DAK in so große Schwierigkeiten kommen, dass sie mit dem neuen System mehr Verluste erleidet als mit dem alten. Selbst wenn die DAK nicht zurückrudert, werden sich Krankenkassen in Zukunft überlegen, ob sie bei der Abzocke ihrer Kunden die Nase vorn haben wollen. Es gilt auf Zeit zu spielen und auf eine Ablösung einer Regierung zu hoffen, die immer mehr zur traurigen Karikatur neoliberaler Denkmuster wird.

Hier als „Muster“ ein Brief, den ich an meine Kasse, die DAK, geschrieben habe. Leser, die in einer ähnlichen Situation sind, können sich gern bei meinen Argumenten bedienen. Auch wer schon Zusatzausgaben bezahlt hat, kann und sollte noch kündigen – explizit mit dem Hinweis auf Zusatzbeiträge. Ich weiß nicht, wie wahrscheinlich es ist, auf diesem Feld zu „siegen“. Aber wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Brief an die DAK-Filiale:

Sehr geehrte Damen und Herren,

über die Forderung nach einem Zusatzbeitrag zur Krankenkasse muss ich mich sehr wundern. Mit größerem Recht könnte ich eine Reduzierung meines Beitrags verlangen. Höre ich doch bei für mich notwendigen medizinischen Anwendungen immer häufiger: „Das zahlt die Krankenkasse nicht.“ Prophylaxe beim Zahnarzt – die DAK zahlt nicht. Neue Brille – die DAK zahlt nicht einmal mehr einen Zuschuss (als wäre die Brille eine Privatangelegenheit, die mit der allgemeinen Gesundheitsversorgung nichts zu tun hat). Blutuntersuchung beim Urologen – die DAK zahlt nicht. Jegliche Form sinnvoller Prävention (z.B. Kräutermedizin) muss sowieso selbst bezahlt werden. Die Grundlinie Ihrer Kasse scheint also zu sein: immer weniger zahlen, immer mehr Geld verlangen. Sie können sich vorstellen, wie viel Lust ich in dieser Situation auf Ihre Zusatzbeiträge habe.

In einer der letzten Ausgaben des „Stern“ war zu lesen, die DAK sei „Pionier“ auf dem Gebiet der Zusatzbeiträge. Herzlichen Glückwunsch. Da passt es gut ins Bild, dass der Chef der Deutschen Angestellten Krankenkasse, Herbert Rebscher, mit einem Grundgehalt von 223.964 Euro (!) im Jahr der reichste Vorstand einer deutschen Krankenkasse überhaupt ist. Der Stern meldet weiter, ca. 1 Millionen Ihrer Mitglieder hätten den geforderten Zusatzbeitrag noch nicht bezahlt. 200.000 sind bereits aus Ihrer Kasse ausgetreten (Stand Juni). Diese Zahl dürfte sich inzwischen erhöht haben und noch weiter beträchtlich erhöhen, wenn die DAK weitere Mahnstufen einleitet. Statt aufgrund dieses grandiosen Misserfolgs Ihre Politik zu überdenken, denken Sie jedoch offenbar einzig darüber nach, wie Sie den Willen der Kassenpatienten durch Zwang und Drohungen brechen können. Das Verhältnis zum Kunden wird von Krankenkassen immer weniger als Partnerschaft oder gar als Dienst verstanden, vielmehr versteht sich die Krankenkasse als eine Art zweite Obrigkeit.

Auf den Einzelkunden lastet der Druck, immer mehr Geld heranzuschaffen, um den Hunger von Systemen zu stillen, die offenbar als „Fass ohne Boden“ funktionieren. Der Krankenkasse geht es finanziell schlecht – mag sein, aber Millionen von Menschen geht es ebenso. Da sich die Krankenkasse im Besitz von Machtmitteln wähnt, werden die Kosten jedoch allein auf den Kunden abgewälzt. An mächtige Interessengruppen, etwa die Pharma- und Medizintechnik-Hersteller und deren renditegierige Aktionäre, traut sich weder Politik noch Kassenleitung heran. Ist Ihnen bewusst, dass gerade das Gefühl der Machtlosigkeit und der finanzielle Druck die Menschen zunehmend krank macht und mitverantwortlich ist für Burnouts, Depressionen, Ängsten und andere grassierende „Volkskrankheiten“. Eine Krankenkasse, die Teil dieses Systems ist und sich zudem noch als „Pionier“ zusätzlicher Geldabschöpfung versteht, hat ihren Beruf verfehlt, da sie mithilft Krankheit erst hervorzurufen.

Das System der Zusatzbeiträge entlässt Arbeitgeber aus ihrer Verantwortung, ist sozial unausgewogen und markiert den Einstieg in den Ausstieg aus dem Solidarprinzip, einer der tragenden Säulen des Sozialsystems im Nachkriegsdeutschland. Dieser soziale Raubbau und die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten sind gewollt von einer wirtschaftshörigen Regierung und einem Minister, dem offensichtlich die menschliche Reife fehlt, um sich auch in die Situation von weniger Betuchten hineinversetzen zu können. Die DAK macht sich zur Speerspitze dieser Politik. Daher ist gegen Ihre Vorgehensweise massiver Widerstand notwendig.

Ich appelliere ernsthaft an Sie, Ihre Forderung nach Zusatzbeiträgen nicht nur mir gegenüber, sondern bei allen Kunden zurückzunehmen. Begrenzen Sie die Gewinne der Pharmaindustrie, überdenken Sie Ihren Verwaltungsapparat, setzten Sie mehr auf Prävention und weniger auf Reparatur-Medizin, binden Sie Arbeitgeber und verstärkt Superreiche mit ein, wenn es um die Verteilung der anfallenden Kosten geht.

Sollte ich noch einmal eine Forderung oder Mahnung von Ihnen erhalten, wird diese unweigerlich meine Kündigung zur Folge haben. Diesbezüglich gibt es von anderen öffentlichen Krankenkassen genügend niedrigschwellige Angebote. Kein DAK-Mitglied muss hinnehmen, was ihm hier geboten wird. Die Tatsache, dass von anderen Kassen ab 2011 Zusatzbeiträge zu erwarten sind, ändert nichts daran, dass der mündige Kunde auf den „Präzedenzfall DAK“ eine angemessene Antwort geben sollte. Ein Scheitern des Pionierprojekts „Zusatzbeitrag DAK“ hätte eine wichtige Signalwirkung. Auch wird der FDP-Spuk nicht mehr ewig dauern, ein baldiger Schwenk zu einer wenigstens teilweise sozialeren Politik ist möglich.

Da ich als Journalist für mehrere Medien tätig bin, werde ich diesen Brief veröffentlichen, um meine Leser zu ermutigen, sich meine Argumentation anzueignen und ihrerseits die Zahlung von Zusatzbeiträgen zu verweigern.

Mit freundlichen Grüßen

Showing 16 comments
  • Julie

    Prima Sache, lieber Herr Rottenfußer – vielen Dank !

    Hier bei Heilpraxis.net habe ich gerade gelesen, dass im Falle einer Nicht-Zahlung Sanktionen geplant sind.

    http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/sanktionen-fuer-saeumigen-zusatzbeitrag-geplant-2392.php

    http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/immer-mehr-versicherte-verweigern-zusatzbeitraege-1489.php

    Tja, was sagt man dazu ?

    Beste Grüße aus Hamburg
    Julie

  • H-D

    Na, da wird ja kein Allgemeinplatz ausgelassen. Stellen Sie doch mal die Antwort (falls Sie darauf überhaupt eine erhalten) ins Netz….

  • eG

    das ist ein ganz wunderbarer Artikel beziehungsweise Brief, den Sie hier verfasst haben lieber Herr Rottenfußer! guter Journalismus und damit auch ein guter Ausdruck in der Sprache oder mit Sprache ist auch eine Kunst – die ich sehr bewundere!!!

    auch ich bin DAK Mitglied – und kann alles was hier geschrieben wurde
    über diese unsoziale Krankenkasse nur bestätigen.
    auch ich habe den Zusatzbeitrag noch nicht bezahlt und werde mich auch
    weiterhin diesem verweigern!
    ich habe bisher die Briefe der DAK gar nicht mehr gelesen. ich ignoriere
    sie einfach. und wollte irgendwann demnächst wenn ich Nerven und Lust
    dazu habe ihnen einen ganz ganz „freundlichen“ Brief schreiben.
    aber zunächst ignoriere ich ihre Briefe einfach. und ich muss auch ganz
    ehrlich sagen, so langsam gehen mir diese und ähnliche Forderungen von
    irgendwelchen Zuzahlungen, so auch die Zuzahlung für meinen letzten
    Krankenhausaufenthalt am A…. vorbei.
    in diesder Beziehung bin ich wirklich sehr gelassen zynisch und eiskalt
    geworden. das System will es ja nicht anders.
    heute erst wieder habe meinem Vater
    gegenüber geäußert, ich werde überhaupt keine Zusatzbeiträge leisten –
    werter Herr Rösler – heute nicht – morgen nicht und auch nicht in der
    Zukunft !!!
    erstens schon aus Prinzip nicht
    zweitens weil es in keinster Weise eine Rechtfertigung für diese Zahlung
    gibt
    und drittens weil ich auch kein Geld mehr habe -verdammt noch mal –
    kapieren sie das endlich einmal sie unsoziales Gesundheitsgeschwür!!!

    und das wenige Geld was mir zum hinvegetieren bleibt, gebe ich für mich
    aus. damit das klar ist.
    ich frage mich so langsam echt, wo wir die Ärmsten im Land das Geld
    eigentlich herholen sollen um ihre unangemessene u. nur unverschämte Forderungen bezahlen zu können! ?? wo nichts mehr ist – da ist nichts mehr.
    wie ich heute zynisch zu meinem Vati gesagt habe, kann ich der DAK
    ja mal ein äußerst lukratives Angebot machen, und zwar wieviel Geld
    bietet die DAK wohl für eine Niere von mir????
    das was ich heute noch zynisch gesagt habe, ist ja bereits auf dem Markt.
    bisher wohl geheim aber irgendwann wird dieses Horrorszenario sicher
    Realität sein.

    ich habe schon immmer gesagt, DAK tut gut – aber nur den Gesunden!

    Arme Menschen werden wohl bald Körperorgane die sie nicht unbedingt brauchen
    verkaufen müssen – um ihre medizinische Versorgung bezahlen zu können.

    ich mache hier auch der Ärztschaft im Land allergrößte Vorwürfe.
    anstatt sich für ihre Patienten einmal einzusetzen kriechen sie zu Kreuze
    vor den Krankenkassen – das finde ich widerlich und erbärmlich von
    der „medizinischen Elite“.
    wann bitte wird hier auch mal seitens der Ärzteschaft entgegen gesteuert werden ??????

    nichts höre ich von der Ärzteschaft diesbezüglich. ja warum denn auch
    ihre Honorar ist ja noch einmal aufgestockt worden seitens der Bundesregierung – stimmt ja, hatte ich doch echt kurz vergessen…,
    und da hält man natürlich erst einmal seine Klappe! – verstehe..na klar.

  • Paul Hund

    Ohje! Der gute Herr Rottenfußer scheint an einer schweren Form der Paranoia zu leiden. Wer sich sich mal ein wenig mit gesundheitsökonomischen Zusammenhängen befasst hat, kann sch über so viel Blödsinn auf (linkem?) Stammtischniveau nur wundern.

  • rr

    Ein bisschen präziser könnte die Kritik schon sein, Herr Hund, speziell von jemandem der sich „ein wenig mit gesundheitsökonomischen Zusammenhängen befasst hat“. Vielleicht könnten wir dann alle noch was lernen und ich trete dem Rösler-Fanclub bei.
    Der Stammtischbruder

  • Tete

    Danke für den Beitrag und den Brief! Noch zwei Ergänzungen:

    1. Die immer wieder ins Feld geführte „Kostenexplosion“ des Gesundheitswesens ist nur halb wahr, nämlich in der Höhe der Geldsumme.
    Die ganze Wahrheit ist, dass der prozentuale Anteil am Bruttosozialprodukt seit den Siebziger Jahren ziemlich unverändert ist und nur das hat Aussagekraft.
    Diese Info habe ich vor ungefähr einem Jahr gefunden, weiß zwar die Prozentzahl nicht mehr, was aber jetzt keine Rolle spielt.

    2. Abgesehen von den Fantastilliarden, die [neben den Steuer- „Entlastungen“ und „Forschungszuschüssen“ aus Steuergeldern] aus unseren Kassenbeiträgen den Anteilseignern der Pharma-, Medizintechnik- und Klinikkonzernen geschenkt werden (dagegen sind die Vergütungen für KK-Chefs oder Ärzte-Honorare Peanuts) sowie des asozialen Patentrechts, gibt es tatsächlich auch ein Einnahmeproblem bei den Beiträgen. Auch letzteres ist Ergebnis der kranken und asozialen politischen Zielorientierung, hier durch Forcierung von Lohndumping, Leiharbeit, sonstige prekäre Arbeitsverhältnisse, Arbeitslosigkeit, ALG II.

    Schöne Grüße aus Gö

    P.S. Beim abschließenden Überlesen meines Kommentars blinkte plötzlich der Begriff „Vergütung“ für Manager auf: hängt sicher mit dem Wort Güte/gut zusammen – Soso! Alternativen? „Lohn/Entlohnung“: hat sicher was mit dem Wort Belohnung zu tun – Soso! Wofür? „Verdienen/Verdienst“: hat sicher was mit dem Wort Dienen zu tun – Soso! Wem? „Einkommen“: da kommt was rein, klingt neutral und so hübsch harmlos wie vom Himmel gefallen, genau so wie „Gehalt“ von erhalten. Was haltet Ihr statt Vergütung von meiner Wortidee „Pfründung“, abgeleitet von Pfründe? (habe eben bei Wiktionary geprüft: „die Pfründe … Einkommen … ohne adäquate Leistung“) Passt!

  • Clas Lehmann

    Moin, moin,

    das ist ein nicht limitiertes leistungsunabhängiges Transfereinkommen für privilegierte Empfänger; nicht zu verwechseln mit den Leistungen nach SGB, die ja deutlich limitiert sind… Pfründe passt also fast; denn die werden feudal verliehen. Das sollte in einer Demokratie eigentlich nicht vorkommen.

    Gruß Clas

  • richard

    zufällig bin ich auf diese seite gestoßen und freue mich, daß ich nicht allein stehe mit meinem ärger über den zusatzbeitrag der DAK.
    Ich habe kürzlich folgenden brief an die DAK geschrieben und ich hoffe, dazu noch viele nachahmer zu finden.

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    selbstverständlich werde ich nicht die Einzugsermächtigung unterschreiben.
    Stattdessen bitte ich endlich um Bestätigung meiner Kündigung Ihrer Krankenkasse.
    Kurz nach der Zwangsvereinigung meiner bisherigen Krankenkasse mit der DAK erlaubten Sie sich die Einführung der Zusatzbeiträge.
    Nach meiner überschlägigen Rechnung erhalten Sie von mir als Jahresbeitrag inclusive der Arbeitgeberanteile über € 5000 Mitgliedsbeitrag/Jahr.
    Dies ergibt nach einer weiterern grob überschlägigen Rechnung ca. 1/40 des Jahresgehaltes Ihres Vorsitzenden.
    Sie werden es sicher nicht verstehen, daß ich keinerlei Verständnis für die zwar gesetzlich und politisch erlaubte, für mich aber überhaupt nicht nachvollziehbare Zusatzabgabe habe. Diese Zusatzabgabe wird in keinem Ihrer zahlreichen Beiträge schlüssig begründet.
    Ich bitte deshalb, mich nicht weiter mit Ihren Zahlungserinnerungen und Mahnungen zu belästigen und mir umgehend die Kündigungsbestätigung zuzusenden.

    Mit freundlichem Gruß

  • WN

    Dem Zusatzbeitrag zugrundeliegend ist de facto ein Wasskerkopf im
    GKV-Management: weit über ein Dutzend Manager wollen alle sowohl ihr
    14tes Monatsgehalt, Prämien & Bonusvergütungen, als auch Ihren SLK-Dienstwagen weiterfinanziert bekommen – daher der Zusatzbeitrag.

    Herr Rottenfußer spricht (leider) die Wahrheit. Ich selbst habe nach über 10 Jahren (als freiwillig in der GKV-Versicherter) bei der DAK gekündigt & kann jedem frustrierten Mitglied nur nahelegen, es ebenso zu tun. Einen anderen Weg des legitimen Protests gegen derartige Unverschämtheiten gibt es nicht; und anders kommt auch kein Präzedenzfall zusammen, der künftige „Maßnahmen“ dieser Art verhindert. VG

  • WN

    Nachtrag / Bestätigung des Beitrags von Richard (s.o., 18.08.):

    es scheinen sich – trotz form- und fristgerechter Kündigung per Einschreibens – die Fälle zu häufen, in Denen die DAK neuerdings die Kündigungsbestätigungsschreiben nur stark verzögert (bzw. gar nicht!) aussendet. Zur Bestätigung ist die DAK allerdings gem. §§ 186 – 191 SGB V gesetzlich verpflichtet.

    Offenbar ist inzw. selbst dem proftigierigen DAK-Mgmt. aufgefallen, dass
    ein Mitgliedsbeitragsverlust von € 5000,- per annum schwerer wiegt, als
    ein Zusatzgewinn von € 96, (12 x 8). Nicht auf Kündigungen zu reagieren ist allerdings gesetzeswidrig – und im Zweifelsfall könnten Betroffene auch irgendwann per Sammelklage reagieren…

  • Kassen-Bimbo

    Junge, Junge, ist das eine grottenschlechte Stammtisch-Polemik! WN, Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die DAK 5.000 € an Mitgliedsbeiträgen für Sie bekommt!!! So etwas kann nur einer schreiben, der sich nicht mit dem Gesundheitsfonds auskennt. Nur mal nebenbei: die DAK muss die Beiträge, die sie für Sie bekommt, an den Fonds abgeben und erhält daraus Pauschalen zurück.

    Glauben Sie denn hier allen Ernstes, dass ein Kassenwechsel dazu führt, dass die Zusatzbeiträge bei anderen Kassen nicht kommen? Wenn die DAK drastisch Mitglieder verliert, müssen die anderen Kassen in Deutschland diese Verluste auffangen, wenn die Insolvenz droht! Das ist gesetzlich so geregelt. Daher nutzt Ihnen ein Kassenwechsel nichts. Am Ende sind sowieso nur noch 5 bis 10 Kassen übrig, die dann alle einen Zusatzbeitrag verlangen werden – wurde ja von der Politik heute so beschlossen: zukünftige Kostensteigerungen werden nur noch über Zusatzbeiträge abgefangen.
    In einem gebe ich Ihnen allerdings Recht: warum hat die Pharmaindustrie in Dtld. so eine große Lobby? Warum gibt es in Dtld. 4 x mehr zugelassene Arzneimittel als in Dänemark? Sind die Dänen deswegen kranker? Nein, sicher nicht.
    Auf der anderen Seite müssen auch mal die Versicherten von ihrer Vollkasko-Mentalität runterkommen. In vielen Ballungsgebieten gehen die Single-Rentner deshalb zum Arzt, um überhaupt mal Kontakt zu haben. Und das ist bittere Realität!!!

  • Sascha

    Oh man. So viel Quatsch hab ich von einem Journalisten noch nie gesehen. Haben Sie schonmal was von Recherche gehört? Die Zusammenhänge, warum die DAK einen Zusatzbeitrag erheben muß sind nicht die, die Sie dargestellt haben. Vieles, was Sie bemängeln ist gesetzlich geregelt. Wenn Sie also kritisieren, dann die, die es betrifft? Oder meinen Sie die DAK könnte was gegen eine Pharmalobby machen bei einem regulierten Markt im Arzneimittelbereich? Oder meinen Sie die DAK macht das zum Spass?

    Wissen Sie eigentlich, dass gesetzliche Kassen keine Gewinne machen dürfen? Also nix mit Shareholder Value…

    Auch kritisieren Sie, dass die DAK einige Leistungen wie Brillen etc. nicht übernehmen. Das macht KEINE Krankenkasse, weil sie es nicht darf. Diese Leistungen sind aus dem Leistungskatalog der GKV ausgeschlossen worden. Das kann man kritisieren, aber nicht gegenüber einer Krankenkasse, sondern gegenüber dem Gesetzgeber.

    Um den Zusatzbeitrag werden Sie übrigens nicht herum kommen. Natürlich können Sie kündigen, aber den seit Einführung des Beitrags angesammelten Saldo müssen Sie begleichen. Die DAK und die anderen Kassen sind verpflichtet diese Beiträge, notfalls mit Pfänungen, einzutreiben. Das Beitragssoll verschwindet weder durch ignorieren der Schreiben noch durch einen Kassenwechsel.

    Warum haben Sie bei Einführung des Zusatzbeitrages denn nicht sofort die Kasse gewechselt? Sie hätten ohne Zahlung auch nur eines Cents die Kasse mit einer Kündigungsfrist verlassen können.

    @WN: Übrigens: Die Rechtsgrundlage zur Ausstellung der Kündigungsbestätigung ist § 175 Abs. 4 Satz 3 SGB V. Vielleicht einfach mal googeln.

    Nur so: ich bin kein Mitarbeiter der DAK.

  • WN

    Rückantwort auf „Kassen-Bimbo“ (Anmerkung: humorvoller Name, wenngleich nicht unbedingt seriös; sich allerdings als „Kassen-Bimbo“ über angebliche „Stammtisch-Polemik“ zu beklagen, passt nicht so ganz
    gut zusammen). Wie Dem auch sei: dass im Insolvenzfall der DAK der
    Rest der Solidargemeinschaft alles auffangen muss, ist mir durchaus bewusst (vermutlich Barmer & TKK) – und dass sich die GKV’en aus dem
    Gesundheitsfond finanzieren ebenfalls. Warum kommen dann aber z.B. die Barmer & die TKK mit bundesweit etwa 400 Servicezentren zurecht… und die DAK besteht weiterhin auf das doppelte (etwa 800!)?!
    Ist es möglich, dass dort evtl. doch ein Überhang an redundanter
    Administration herrscht….? In jedem Fall treibt Herr Rösler – bewusst & politisch gewollt – die Patienten aus der Solidargemeinschaft in die PK’ven. Das GKV-Kassensterben ist in der Tat vorprogrammiert.

  • rr

    Ein Wort zu meinen Kritikern:

    – Die Bemerkung, Nichtbezahlung der Zusatzbeiträge wäre aussichtslos, ist müssig. Sie ist wahrscheinlich wahr, aber im Sinn einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Solche Aktionen scheitern meist, weil zu wenige mitmachen. Und es machen zu wenige mit, weil die Annahme vorherrscht, es mache ja doch keinen Sinn. Die Weigerung von bisher ca. 1Mio. Kassenpatienten, Zusatzbeiträge zu bezahlen, hat schon jetzt Aufsehen erregt. Es hat gezeigt, dass es zur sofortigen Bezahlung eine Alternative gibt. Um die Zusatzbeiträge zu kippen, sind es noch zu wenige Menschen. Aber wer es nicht versucht, hat schon verloren.
    – Der Shareholder Value spielt durchaus eine Rolle, jedoch nicht, weil die Krankenkasse Gewinne an Aktionäre ausschüttet, sondern weil sie für Medikamente, medizinische Geräte und teilweise schon für Krankenhäuser überhöhte Preise bezahlen muss, hinter denen „Investoren“ stecken. Die Kosten für Medikamente sind in Deutschland ca. 5 x teurer als in Schweden. Sogar Rösler behauptet, nun etwas dagegen tun zu wollen. Ist im übrigen in meinem Artikel etwas ausführlicher dargelegt.
    – Meine Kritiker können ruhig davon ausgehen, dass ich bestimmte Dinge weiß. Etwa dass Brillen von keiner öffentlichen Kasse übernommen werden oder dass bestimmte Entscheidungen von der Politik getroffen wurden, nicht von den Kassen. Es ist hier ein merkwürdiges Bedürfnis festzustellen, mich als dumm hinzustellen, etwas indem lehrerhaft Selbstverständlichkeiten referiert werden, womit suggeriert wird, dass ich nicht informiert sei.
    – Ein Beschwerdebrief an die Kasse kann nur Teil eines Maßnahmenbündels sein. Hauptansprechpartner ist natürlich die Politik. Es ist allerdings frustrierend, bis 2013 zu warten, um dann – als einzigen Protest – der FDP NICHT seine Stimme zu geben. Nichtbezahlung von Zusatzbeiträgen so lange es geht, ist der Versuch, Druck von unten aufzubauen, ist ein politisches Statement, ist der Versuch, vom Objekt hoheitlichen Handelns wieder teilweise zum Subjekt politischer Prozesse zu werden. Wer das Mittel für untauglich hält, soll bessere Vorschläge machen (ich meine das nicht zynisch, ich sehne mich tatsächlich nach guten Vorschlägen). Ich wundere mich aber, dass jemand seine Zeit dafür verwendet, entmutigende Leserbriefe an jene zu schreiben, die immerhin etwas versuchen, was in die richtige Richtung geht.

  • Kassen-Bimbo

    @WN: mein Synonym hier tut doch nix zur Sache. Es bedeutet nur soviel, dass ich über 25 Jahre in der GKV tätig bin. Übrigens: Gesundheitsfonds schreibt man mit s hinten, denn der Fond ist das hintere Sitzabteil im Auto.

    Weshalb die DAK doppelt so viele Geschäftsstellen hat, als andere Kassen, kann auch eine Politik sein. Siehe AOK. Die haben auch an jeder Milchkanne eine Geschäftsstelle und sind deshalb nicht alle pleite.

    Sascha hat im übrigen Recht: die Nichtzahlung des Zusatzbeitrags ist kein profanes Mittel, um den Gesetzgeber zu einer Änderung zu zwingen. Im Endeffekt kommt halt dann der Gerichtsvollzieher vorbei und zieht die Beträge nebst Gebühren ein. Da schneidet man sich ins eigene Fleisch.

    Mein Vorschlag: bei der nächsten Landtagswahl bzw. Bundestagswahl per Direktmandat den Kandidaten wählen, der was in der Richtung ändern möchte.

  • Kassen-Bimbo

    In Ergänzung dazu: die TK hat vielleicht weniger ServiceCentren. Aber fragen Sie doch mal einen TK-Mitarbeiter, was er von der Arbeitsbelastung bei der TK hält. Da würden Sie sicherlich wundern…

    Im übrigen: was ich von so einer Werbung halte, sage ich mal nicht: http://twitpic.com/2v2i9q/full

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