Demokratiedämmerung

Die Erprobungsphase der europäischen Diktatur.
Eine neue Phase der Demokratie – davon träumten viele, als sich bei der Schlichtung zu Stuttgart 21 Bürger und Politiker an einen Tisch setzen. Es war ein Scheinfrühling, der da hereinbrach. Wer auf wirklichen Respekt vor der kompetenten außer-parlamentarischen Opposition gehofft hatte, sah sich getäuscht. Eine neue Phase der Demokratie könnte allerdings wirklich anbrechen – nur anders, als erhofft. In Ungarn, Spanien, Italien, Frankreich und auch zentral, in Brüssel, zündelt die Staatsmacht mit Werkzeugen der Diktatur. Befinden wir uns schon auf dem Marsch in die autoritäre Postdemokratie? (Roland Rottenfußer)

Was tun Deutsche, wenn sie mehr Bürgerbeteiligung in der Politik wünschen? Sie bestellen einen Übervater, der in den Medien zum Retter hochstilisiert wird, und statten ihn mit umfassender Machtfülle aus. So geschehen im Fall der „Schlichtung“ bei Stuttgart 21. Auf Heiner Geißler wurden über Wochen die vereinigten Hoffnungen auf eine bessere Demokratie projiziert. Dann sprach er sein „Urteil“: Stuttgart 21 soll weitergebaut werden. Die Bewegung der Gegner taumelt bis heute unter der Wirkung dieses Schlags. Dabei schien alles so gut gemeint gewesen zu sein. In der Öffentlichkeit wurde Ende 2010 mehr als je zuvor über direkte Demokratie diskutiert. Die kompetente Zivilgesellschaft, vertreten durch Bürgerbewegungen, wurde in die Diskussion mit eingebunden. Diese beiden Vorgänge bleiben Hoffnungszeichen.

Wer allerdings meinte, die „hohe Politik“ sei tatsächlich über das Kreuzchen am Wahltag hinaus beeinflussbar, sah sich getäuscht. „Ihr dürft gern mitdiskutieren, solange ihr nicht erwartet, dass wir uns tatsächlich danach richten“, war die Botschaft der Mächtigen an ihr aufmüpfiges Volk. Leider ist die Geschichte der Demokratie zugleich die Geschichte der Versuche von Machtgruppen, das Volk von wirklichem Einfluss fernzuhalten. Während Demonstrationen sogar in Tunesien und Ägypten gewaltige politische Umschichtungen bewirken, bunkern deutsche Politiker lieber, so lange es geht: „Wir beugen uns nicht dem Druck der Straße“. Und „Wenn wir jetzt nachgeben, wird das Land unregierbar.“

Stuttgart 21: „Blendender“ Polizeieinsatz

Bei den jetzt anstehenden Landtagswahlen darf nicht vergessen werden: Die erste Wahl der Regierung von Stefan Mappus war Repression. Erst als sich der gewalttätige Polizeieinsatz vom 30. September 2010 zur PR-Katastrophe entwickelte, kam Plan B ins Spiel: Volksberuhigung durch Inszenierung scheinbarer Bürgermitsprache. Dietrich Wagner, der Mann, der durch Einsatz von Wasserwerfern am Auge verletzt wurde, ist heute auf einem Auge blind. Auf dem anderen besitzt er noch eine Sehfähigkeit von 6 Prozent. Er äußerte im „Stern“, dass er nie mehr an Demonstrationen teilnehmen wolle. Ein Geheimtipp für Staatsorgane, wie Gegner künftig ausgeschaltet werden können.

Der 30. September hat gezeigt: Es ist auch bei uns möglich, ein Polizeikader zu schmieden, das Misshandlungen von Bürgern plant und durchführt, dies vor sich selbst und der Öffentlichkeit rechtfertigt. Noch immer gilt: Der Ordnungsmacht muss aufs Wort gehorcht werden. Wer sich anders entscheidet als es dem Wunsch eines Polizei-Einsatzleiters entspricht, muss damit rechnen, dass ihm körperliche Schmerzen oder bleibende Verletzungen zugefügt werden. Eine Untersuchungskommission sucht nun nach „Verantwortlichen“ dieses Polizeieinsatzes. Die Opposition möchte natürlich am liebsten Mappus selbst dingfest machen. Dabei scheint niemand über die Verantwortung der unmittelbar Ausführenden zu sprechen. Die haben ja nur Befehle befolgt. Eine merkwürdige Einstellung, gerade in Deutschland. Nach 1945 schein doch Konsens zu herrschen, dass „Befehlsnotstand“ kein hinreichender Grund für Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein kann. Sogar in den USA konnte eine Lynndy England wegen Folterfotos aus Abu Ghraib zu drei Jahren Haft verurteilt werden. Obwohl sie „nur“ Befehle ausführte. Man muss zugunsten der Stuttgarter Justiz aber anführen, dass die Prozesse wegen des 30. Septembers noch nicht abgeschlossen sind.

Dies alles ist für aufmerksame Beobachter von Polizeigewalt nichts wirklich Neues. Es ist aber wichtig, es sich immer wieder vor Augen zu führen. Es gibt „Einfallstore“, durch die eine Diktatur hineinschlüpfen kann. In die Mauer der Abwehr gegen Einschränkungen der Bürgerrechte werden Breschen geschlagen. Die Folgen eines Loches im Damm sind oft schwerwiegend, obwohl das Loch selbst klein ist. Vier solcher Einfallstore will ich hier kurz skizzieren:

Vier Sargnägel der Demokratie

1. Man baut zuerst die technischen Mittel der Überwachung und die Überwachungsinfrastruktur aus. Allgegenwärtige Kameras, Email-Datensammlungen, Zugriff aufs Internet, Ausweise mit Fingerabdruck und Mikrochip, usw. Dabei hält sich die Staatsmacht aber bei der konkreten Anwendung noch zurück. Die Menschenrechte werden nicht grob verletzt. Das bloße Vorhandensein dieser „Werkzeuge“ übt jedoch einen leisen Terror auf die Bevölkerung aus. Man weiß nie, wer schon was über einen wissen kann. Man vermeidet unvorsichtige Äußerungen in Wort und Schrift.

2. Man nimmt positive Ziele zum Vorwand, um Bürgerrechte partiell einzuschränken. Die Seuchengefahr erfordert Verbotszonen und Impfpflicht. Der Kampf gegen Kinderpornografie erfordert die Kontrolle des Internets. Um der Gesundheit der Bürger willen, werden ausgedehnte Rauch- und Alkoholverbote erlassen, usw.

3. Man probiert Menschenrechtsverletzungen zunächst bei unbeliebten Randgruppen aus, bei denen die Wachsamkeit der kritischen Zivilgesellschaft verssagt. Asylbewerber werden in Baracken gesperrt. Sozialhilfeempfänger müssen unbezahlte Zwangsarbeiten verrichten. Roma werden verschleppt usw. Die meisten schweigen dazu, denn sie sind ja keine Asylbewerber, Sozialhilfeempfänger oder Roma. Wenn die Gesellschaft den Repressionsorganen diese Verstöße aber durchgehen lässt, können Linke und Bürgerliche die nächsten sein.
„Versuchskaninchen“ bei der Aufweichung der Bürgerrechte sind auch Fußball-Hooligans. Sie sind laut und oft rücksichtslos und gewalttätig. Aber haben sie deshalb keinen Anspruch auf menschenwürdige Behandlung durch den Rechtsstaat? Im so genannten Altstetter Kessel (2004 in der Schweiz) wurden Fußballfans, die keine Straftat begangen hatten, von der Polizei aus dem Zug geholt und „präventiv“ auf dem Bahnhofsgelände festgehalten. Manche wurden verständlicherweise unruhig, die Polizei ging aber gegen jeden Widerstand mit Härte und Pfefferspray vor. Die Züricher Anwältin Manuela Schiller kämpft in diesen und ähnlichen Fällen seit Jahren für die Rechte der Fußballfans. „Mich stört das staatliche Benimm-Diktat“, sagt sie. „Da kriege ich einen Abwehrreflex. Man kann von mir aus mit gutem Beispiel vorangehen, aber man kann nicht alles sanktionieren. Die Jugend brauchte immer Freiräume.“ Im Zweifel für die Freiheit, selbst wenn es um Andersdenkende geht – eine solch konsequente Haltung findet man leider selten.

4. Nichts vermag diktatorische Tendenzen eines Staates wirksamer zu beschleunigen als Terror und Terrorbedrohungen. Die Nato-Staaten tun jedenfalls alles, damit der Terror wächst und gedeiht. Die Demütigung der islamischen Welt erfüllt dabei die doppelte Funktion, daheim ein erwünschtes Feindbild zu schaffen und dem Terror Nahrung zu geben. So terrorisierten deutsche Militärs mit dem Massaker von Kundus die Afghanische Bevölkerung. Es wäre nicht überraschend, wenn Deutschland in der Folge zunehmend zur Zielscheibe von Terrorplänen würde. Diese könnten dem Staat im zweiten Schritt dazu dienen, die Bürgerrechte der eigenen Bevölkerung einzuschränken. Wir müssen nüchtern feststellen: Wenn sich Taliban, al Qaida & Co. so skrupellos benehmen wie unsere eigenen Militärs, dann werden sie auch Unbeteiligte, also dich und mich, nicht schonen. Wir können nur beten, dass man dort menschlicher denkt. Nicht nur um der potenziellen Opfer willen, sondern um der Demokratie willen. Deren Errungenschaften würden im Fall eines „deutschen 11. September“ von Sicherheitsfanatikern nur allzu gern auf den Prüfstand gestellt.

Landkarte der Repression

Hier ein kleines „Best of“ der Repressionen, eine Europareise unter dem Aspekt möglicher Vorboten der Diktatur.

Ungarn: Das EU-Land hat im Dezember die Pressezensur eingeführt. Eine neu gegründete Behörde, die NMHH, überwacht Sender, Zeitungen und Online-Portale. Sie darf auch harte Geldstrafen gegen solche Medien verhängen, die sich den Anordnungen widersetzen. Mit Strafen bis 90.000 Euro kann jedes kleinere Medium mühelos ruiniert und mundtot gemacht werden. Ministerpräsident Orbán, der derzeit als EU-Ratspräsident das freie Europa repräsentiert, gehört zur rechtsnationalen Partei Fidesz, die in Ungarn zwei Drittel der Parlamentssitze errungen hat. Das Schlimme ist: Faschistoide Gesetze der Orbán-Regierung können nach der nächsten Wahl nur zurückgenommen werden, wenn eine einige Opposition sie wieder mit zwei Dritteln der Stimmen kippt.

Spanien: Wegen eines Fluglotsenstreiks hat die spanische Regierung im Dezember den Ausnahmezustand ausgerufen. Die Streikenden wurden dem Militärrecht unterstellt. De facto bedeutet „Militärrecht“: Es herrscht überhaupt kein Recht mehr, das mit Demokratie und Menschenrechten irgendwie vereinbar wäre. Wer sich weigert, die Arbeit wieder aufzunehmen, kann von einem Schnellgericht zu Haftstrafen bis zu 15 Jahren verurteilt werden. Kein Wunder, dass die Fluglotsen einlenkten. Dabei ist der „Sieg“ der Repression ein sehr problematischer. Die Streikenden waren ja nicht ohne Grund in den Ausstand getreten. Sie beschwerten sich über die Arbeitszeiten, von denen sie sich überfordert fühlten. Müde Fluglotsen können bei Flugzeugunglücken Menschenleben kosten. Erschreckend ist aber vor allem, wie schnell demokratische Regeln und Arbeiterrecht per Handstreich außer Kraft gesetzt werden können. General Franco grüßt aus dem Grab.

Frankreich: Mehrere Roma-Lager, etwa in Saint-Denis bei Paris, wurden aufgelöst, die Bewohner nach Rumänien und Bulgarien abgeschoben, die Behausungen dem Erdboden gleichgemacht. Fast fühlt man sich an ein Lied von Konstantin Wecker erinnert: „D’Zigeuner san kumma, und die mach ma heut tot“. Während in dem Lied aber eine „Bürgerwehr“ tätig wird, steckt in Frankreich die Sarkozy-Regierung dahinter. Coralie Guillot von der Hilfsorganisation Parada berichtet: „Die Leute wurden um sechs Uhr früh aus dem Schlaf gerissen. Sie haben vergeblich versucht, mit improvisierten Barrikaden Widerstand zu leisten. Alle wurden einzeln abgeführt und weggezerrt. Sie haben alle Habseligkeiten verloren, weil die Bulldozer ihre Wohnwagen, Hütten und Zelte niedergewalzt haben.“ Innenminister Hortefeux weist arrogant alle Proteste zurück. Man könne schließlich nicht zulassen, dass illegal Grundstücke besetzt werden. „Schutz von Eigentum“ nennt es die Regierung. Mir fällt dazu ein anderes Wort ein: Pogrom.

Italien: Dort weiß man gar nicht mehr, welchen der vielen Verstöße gegen Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte man hervorheben soll. Unter Ministerpräsident Berlusconi wurde das Volk unter der Dauerbeschallung seichter und einseitiger Medienberichterstattung de facto umerzogen. Die Pressefreiheit besteht nur noch auf dem Papier. Um die vielen kriminellen Machenschaften des großen Zampano zu kaschieren, wurde Recht gebeugt. Benito Mussolini gilt wieder als angesehene Persönlichkeit der Historie. Und wie beim Nachbarn Frankreich werden Roma drangsaliert. Franco Vassia, Biograf des Liedermachers Pippo Pollina, zeichnet ein düsteres Bild des modernen Italien: „Im Grunde war Italien zu dem geworden, was er (Pippo) am meisten gefürchtet hatte. In nur zwei Jahrzehnten hatte die Macht das intellektuelle Niveau der Bevölkerung in strategischer Manier gesenkt. Damit war das Land manipulierbarer geworden. Der Protest wurde lahm gelegt, Falschinformationen verbreitet und das Hirn der Italiener mit Blödsinn gefüllt, damit sie leichter zu beeinflussen waren.“ Wüsste man nicht, dass sich das Zitat auf Italien bezieht, könnte man meinen, es beträfe Deutschland – in den Zeiten von Casting-Shows, Dschungelcamp und dem endlosen neoliberalen Gewäsch von „Alternativlosigkeit“.

Lissabon-Vertrag: Der Vertrag, über den die meisten EU-Bürger nie abstimmen durften, erlaubt unter bestimmten Umständen, die Todesstrafe einzuführen. Diese Tatsache wird leicht übersehen, weil sich die Todesstrafe, bescheiden wie sie ist, in einer Fußnote versteckt hat: Dort wird sie generell ausgeschlossen, „…außer im Falle eines Krieges, Aufstand oder Aufruhr“. Das heißt, ein „normaler“ Mörder oder Kinderschänder hätte nichts zu befürchten, wohl aber jemand, der sich vehement für den Sturz der Regierung einsetzt. Wer bestimmt eigentlich, wo „Aufstand oder Aufruhr“ beginnen? Genügt es, Teil einer Demonstration zu sein, bei der eine lautstarke Minderheit Gewalt anwendet? Genügt es, das Parlament mit Steinen zu bewerfen, wie wir 2010 in Griechenland gesehen haben? Und was ist, wenn nicht der Aufstand ein Verbrechen ist, sondern jene Zustände, gegen die die Menschen aufstehen? Den „Interpretationen“ der Mächtigen ist jedenfalls durch den Lissabon-Vertrag Tür und Tor geöffnet. Irgendein Jurist findet sich erfahrungsgemäß immer, um zu rechtfertigen, was politisch gewollt ist.

Versuchsballons der Diktatur

Die genannten Entwicklungen sind „Versuchsballons“ der Diktatur. Man testet aus, was die Öffentlichkeit toleriert und kreiert außerdem einen Ideenpool, in dem „Best Practices“ ausgetauscht werden. Die genannten Maßnahmen – Pressezensur, Kriegsrecht gegen Streikende usw. – würden zusammen genommen das fast komplette Repertoire einer Diktatur ausmachen. Da aber nicht jede Maßnahme in jedem Land verhängt wird, haben die Bürger den Eindruck in einem überwiegend freiheitlichen System zu leben. Gedanklich werden sie allmählich daran gewöhnt, dass in Europa Dinge möglich sind, die noch vor 10 Jahren als undenkbar galten. Die Reaktion der Medien und der Öffentlichkeit gleicht eher einem Flüstern als einem Aufschrei. Keines der Länder, die diktatorische Pilotprojekte gestartet haben, muss ernsthaft internationale Isolation befürchten. Ein Politiker, der seine Kollegen lauthals kritisiert, beraubt sich ja der Option, das betreffende Mittel irgendwann selbst gegen seine Bevölkerung einzusetzen.

Nochmals will ich deshalb hier das lesenswerte Buch von Naomi Wolf empfehlen: „Wie zerstört man eine Demokratie“ (Riemann-Verlag). Sie untersucht darin, wie sich Diktaturen in der Geschichte anbahnen und etablieren konnten (z.B. unter Hitler, Mussolini, Franco). Einige Erkenntnisse daraus zitiere ich hier sinngemäß:

– Am ersten Tag nach Installierung einer Diktatur geht das Leben im Land weitgehend so weiter wie bisher. Die Menschen gehen ihrer Arbeit und ihren Vergnügungen nach. Eine Welle von öffentlichen Massenverhaftungen und Polizeiterror in einem kurzen Zeitraum (wie 1973 in Chile) ist eher selten.
– Zeigen sich erste Anzeichen eines diktatorischen Umschwungs, neigen die meisten Menschen dazu, die Lage zu verharmlosen und an das Gute zu glauben. Ist die Diktatur schon weit fortgeschritten, steigt die Bereitschaft, aufzubegehren, nicht mehr. Sie sinkt eher. Jeder hat Angst. Bevor jemand kritisches Schriftstück abfasst, überlegt er sich lieber, ob er dafür demnächst im Gefängnis landen kann. Lieber versucht er rechtzeitig einen Draht zu den möglichen Siegern der kommenden Umwälzungen aufzubauen. Zwischen der Anbahnungsphase der Diktatur (in der man noch etwas tun könnte, die Leute aber „schlafen“) und der Durchbruchsphase (in der die Menschen zu viel Angst haben) liegt nur ein ganz schmaler Korridor. In diesem begrenzten Zeitraum besteht eine reelle Chance, den Systemwechsel zu verhindern. In welcher Phase befinden wir uns derzeit?

An der langen Hundeleine

Im günstigsten Fall übertreibe ich maßlos, und gewisse antidemokratische Tendenzen in Europa gehen vorbei wie die McCarthy-Ära in den USA. Im schlimmsten Fall befindet sich die europäische Diktatur derzeit in ihrer Erprobungsphase. Die „Post-Demokratie“ dämmert herauf, die Herrschaft von Machtcliquen, die allein durch ihre Vasallenfunktion gegenüber der Geld-Elite legitimiert sind. Nochmals: Die Tatsache, dass wir in unserem Alltagsleben kaum einer Veränderung spüren, bedeutet nicht, dass „nichts Schlimmes“ im Anflug wäre. Wir haben weiter das Recht, unbeachtet und folgenlos zu nörgeln, so lange wir das, was uns zugemutet wird, als Faktum hinnehmen. Gäbe es wegen der zunehmenden finanziellen Ausplünderung der Gering- und Normalverdiener einen Aufstand, wäre das Volk nur sehr schlecht darauf vorbereitet, der Staatsapparat dagegen sehr gut.

Man hat nicht umsonst das Netz sorgfältig geknüpft, in das wir eingesponnen sind. Man zieht es noch nicht zu, aber man könnte. Es wie bei einer langen Hundeleine: Dass wir an der Leine hängen, merken wir erst dann, wenn wir versuchen, unseren üblichen Aktionsradius zu verlassen. Bis dahin fühlen wir uns leidlich frei. Aber: „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“.

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  • Sundaro

    „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“ – ich glaube, dass dies nicht nur für die Bürger, sondern heute auch für unsere Regierung gilt.
    Im Gegensatz zu Hitler, der in „Mein Kampf“ ja angekündigt hatte, was er vor hatte, haben Merkel & Co. nichts vor außer erst einmal ihren Job zu erhalten. Merkel will keine Diktatur, aber auch sie würde es erst merken, dass sie in einer gelandet ist, wenn´s denn zu spät wäre.
    Mein Eindruck: unsere Politiker glauben immer noch an einen Gestaltungsspielraum, den sie längst aus der Hand gegeben haben – Sachzwänge regieren, und die haben nicht das Wohl der Menschen im Sinn, sondern den Selbsterhalt eines zerstörerischen Systems.
    Wir sind auf dem Weg in eine Diktatur, weil wir glauben gelernt haben, dass es zu dem, was wir tun, keine Alternativen gibt. Das ist unser Mantra geworden.

  • Maverick

    Wenn öffentlich ein Mensch erklärt: „Wir haben kein Recht auf immerwährende Demokratie“, dann will er sicher keine Diktatur, oder vielleicht doch?
    Nach wie vor bin ich aber der Meinung, dass Demokratie auch nur die Diktatur der Mehrheit ist. Und wie man diese Mehrheiten generiert, wusste schon der hier, nämlich mit Bild, BamS und Glotze.

    Ein guter Artikel, Herr Rottenfußer. Danke.

  • Alias Je

    Egal welches System auch vorherrscht (Sozialismus oder Kapitalismus) nach einer bestimmten Zeit setzt sich ein priveligierter Führungsklüngel in den Machtetagen fest und betreibt volkswirtschaftlich gesehen Mißwirtschaft und füllt sich dabei die eigenen Taschen. Dies passiert so lange bis diese Leute gewaltsam enteignet werden, das zeigt zumindest die Geschichte. Merkwürdig, dass man bei all den technischen Möglichkeiten, die Selbstbereicherung der Eliten auf Basis evidenzbasierter Surveilance Systeme, die Resourcen und Kapital besser verteilen nicht in den Griff bekommt. Manchmal ist „Mitbestimmung“ nur ein anderes Wort für „Falsch oder Falscher“ und die Entscheidungen werden so oder so gegen die Mehrheitsinteressen getroffen. Ich votiere für die Festscheibung eines gesetzlichen GINI-Koeffizienten von 25 im Grundgesetz. Der GINI-Koeffizient misst die Verteilung der Einkommen in einem Land. 1 ist absolute Gleichverteilung, 100 absolute Ungleichverteilung. Die Skandinavischen Länder haben einen solchen Koeffizienten von 25. Der GINI-Koeffizient in Deutschland ist seit den neuziger Jahren von 28 auf 36 gestiegen, ungefähr auf das Niveau der USA vor ein paar Jahren. Ab 45 wirds erfahrungsgemäß richtig ungemütlich in einem Land, vor allem für die im unteren Teil in der Pyramide, aber deshalb auch für die Eliten, es sei denn man hat genügend Repressionstechnologie zur Hand, echt toll unsere Welt..

  • minimax

    auch die Installation von Diktaturen wird es nicht verhindern können, daß die gegewärtige Gesellschaft auf Grund der ökonomischen und ökologischen Krisen kollabieren wird.

  • Konstantin Wecker

    Lieber Roland
    das ist ein ausgezeichneter Beitrag. in knappen Sätzen erklärst du uns in welcher Gefahr wir uns bereits befinden, obwohl wir uns doch so frei fühlen – wie in deinem großartigen Gedicht: „…die Diktatur ist noch nicht ausgereift, sie übt noch…“
    ich freue mich mit dir schon so lange zusammenarbeiten zu können!
    dein Konstantin

  • Charlie

    Ich habe den Text auch mit Interesse gelesen, glaube aber, dass die Lage bereits weitaus dramatischer ist: Der Faschismus ist längst in der „Mitte“ der Gesellschaft (sprich: in den etablierten Parteien, die vorgeben, die „Mitte“ zu verteten) angekommen, und der „große Diktator“ unserer Gegenwart ist das Kapital, dem alles hündisch untergeordnet wird. Diese Gebilde, diese Staaten, in denen wir leben, existieren nicht, um dem Wohl der Menschen zu dienen oder es gar zu mehren – sondern die Menschen existieren, um dem Wohl des Kapitals dienlich zu sein.

    Das hat nichts mit Demokratie zu tun, wenn die Mehrheit der Teilnehmer – also die Bevölkerung – nicht mit wirklichen, wahrhaftigen Informationen versorgt, sondern mit Dauerpropaganda abgelenkt, desinformiert und ruhiggestellt wird.

    Wie autoritär auch der deutsche Staat bereits geworden ist, kann jeder miterleben, der an einer Demonstration wie in Stuttgart oder im Wendland teilnimmt oder der mit den Hartz-Behörden zu tun bekommt. Da zeigt sich einmal mehr, dass das Gerede vom „Bürokratieabbau“ und vom angeblich so erstrebenswerten „schlanken Staat“ ebenfalls nichts als hohle politische Propagandaphrasen sind, die einzig auf die „Freiheit der Märkte“ zu beziehen sind – gewiss aber nicht auf die Bevölkerung. Da wünscht die „Elite“ sich natürlich einen sehr starken Staat und tut ja auch alles dafür, ihn entsprechend umzubauen, wie im Artikel auch beschrieben.

    Die Postdemokratie wurde schon vor vielen Jahren ausgerufen – dieser Prozess kommt jetzt allmählich an sein Ende und wir treten ein in das schöne neue Zeitalter der neoliberalen Diktatur, in der Geld das Maß aller Dinge ist – einschließlich der Natur und der Menschen, ohne jede Ausnahme.

  • Sundaro

    Hallo Charlie,
    was Du sagst, hat schon Karl Kraus so ausgedrückt: Der Händler dient nicht dem Kunden, sondern der Kunde dient dem Händler – auf dass es der Wirtschaft gut gehe!
    Wie lange haben wir schon den Kapitalismus? Alles andere – Demokratie oder Faschismus – sind nur unterschiedliche Methoden, uns dem System gefügig zu machen: entweder mit Zuckerbrot (mediales Valium, Konsumrausch etc) oder mit der Peitsche (SA, SS).
    Die so genannte Demokratie ist insofern die raffiniertere Variante, als die Leute das Gefühl haben, alles freiwillig zu tun.
    Der Gipfel ist erreicht, wenn ein Idiot in einem Werbespot die Leute verdummt, und ihnen dann auch noch suggeriert wird: „Ich bin doch nicht blöd!“

  • Maverick

    Der Kommentar von „Alias Je“ trifft voll ins Schwarze. Den reinen Kommunismus, den reinen Sozialismus, die reine Demokratie, die reine Monarchie und die reine Anarchie gab es auf diesem Planeten zu keinem Zeitpunkt. Den Kapitalismus schon. – Und zwar immer im Mäntelchen der jeweiligen Ideologien. Es geht um Hierarchie und somit auch um Macht. Den allermeisten Reichen und Wohlhabenden geht es nicht direkt um Geld und Besitz (egal wie sie dazu gekommen sind). Diese sind nur Mittel zum Zweck. Der Zweck ist absolute Macht. Das war, wenn man der Geschichtsschreibung Glauben schenken darf, wohl die letzten 3000 Jahre so. Und so wird es auch bleiben. Warum? Solange es eine Hierarchie innerhalb einer Gesellschaft gibt wird es immer den Kampf um “oben” und “unten” geben. Dieses Links- und Rechtsgesabbel ist nur ein riesengroßer Nebenkriegsschauplatz. Die Vertikale ist wichtig. Nicht die Horizontale.
    Auch dieser von „Alias Je“ angesprochene GINI-Koeffizient ist eine interessante Sache. Es bleibt nur die Frage: „Wer kontrolliert die Einhaltung dieses Koeffizienten und wer kontrolliert die Kontrolleure?“

    Abschließend noch eine Bitte an Herrn Rottenfußer. Lassen Sie den Artikel noch etwas “oben”. Die Thematik ist zu interessant um im Verlauf des Blogs zu verschwinden.

  • landbewohner

    sundaro
    ich glaube nicht, daß unsere regierung – egal wer sie stellt – nicht weiß, daß wir uns bereits (fast)in einer diktatur befinden. der herrschenden meute ists egal, wer bestimmt, solange genügend für sie abfällt, und jeder diktator bzw jede diktatur braucht schranzen.

  • Sundaro

    Der Gini-Koeffizient ist eine gute Messlatte! In Myanmar wird z.B. statt unseres BIP (Bruttoinlandsprodukt, also quasi der volkswirtschaftliche Umsatz) versucht, das Wohlbefinden der Bevölkerung zu messen. Während zum BIP ein Unfall positiv beiträgt, tut er dies sicher nicht beim Wohlbefinden.

    Zur Frage, wie man die derzeitige Schieflage begradigen könnte, möchte ich zur Anregung geben: wichtiger noch als ein neues Geldsystem, das keine leistungslosen Einnahmen zulässt, wäre eine Bodenreform. Das haben in den Jahren nach 1945 sogar Adenauer und die Ev. Kirche betont. Der Boden und seine Schätze dürfen nie Privateigentum sein, sondern müssen immer der Allgemeinheit gehören, die an einzelne Nutzungsrechte vergibt. Dieser Punkt wird leider viel zu selten beachtet.

  • Habnix

    Furchtbar es gibt kein beweis das es eine Al Qaida gibt ,zumindest nicht unter dem was die Medien sich darunter vorstellen viel eher was die Geheimdienste sich darunter vorstellen.

    Die MaistreamMedien gehen dem Faschismus immer voraus.

    Freiheit ist nur ein anders Wort für Unabhängigkeit.

    Freiheit = Unabhängigkeit

    Wir sollten eine Kultur der Unabhängigkeit erschaffen in dem wir Strom,Wasser,Nahrung so weit wie möglich selbst herstellen und die Kunst dabei ist es das auf kleinst möglichen Raum zu bewerkstelligen.

    Wir wollen doch sicher alle,ein und für alle mal mit einer Diktatur nichts mehr zu tun haben.

  • hunsrückbauer

    in der Tat, die Staatsgewalt traut sich mehr denn je, ohne dass die Bevölker- ung oder auch nur ein Teil davon aufbegehrt. Ist die Demokratie eine Farce? Sind die Definitionen für Demokratie, wie wir sie seit der Antike kennen und interpretieren vielleicht von dem Mächtigen frei erfunden um dem Pöbel schon damals Macht und Einfluß zu suggerieren, den er nie erhalten sollte? Wie auch? Dem Pöbel steht in unserer Demokratieform doch lediglich zu, zu wählen, zu wählen zwischen Pest und Cholera, was für eine Wahl ist das? So wird auch die Wahl zu Farce, einerseits gemacht andererseits erlebt und der Souverän der letzten demokratischen Handhabe entledigt. Wo und was ist dann noch der UNterschied zur Diktatur? Repressalien? Welche? Ausgebremst werden, sofern man nicht der Meinung des Chefs ist? Aufgehängt werden sofern man sich systemkritisch äußert? Ja, es gibt noch Steigerungsformen, mächtige, gewaltige, brutale, subtile und die Staatsgewalt übt sie immer unverholener aus.

  • Charlie

    @ Sundaro et al:

    Es ziemt sich nicht, meine bescheidenen Worte mit dem großen Karl Kraus zu vergleichen. 😉 Sofern das Zitat authentisch ist, kann ich Herrn Kraus aber einmal mehr nur zustimmen – es ist doch an allen Ecken und Ende offensichtlich, dass es in diesem Wirtschaftssystem einzig um den Profit der „Elite“ geht – und die hochalbernen wirtschafts“wissenschaftlichen“ Theorien, die „beweisen“ wollen, dass mit diesem Primärziel quasi automatisch auch ein „Gleichgewicht“ hergestellt würde, das die Kundeninteressen genauso nachhaltig bedient, sind intellektuell so dermaßen peinlich, dass es kaum Sinn macht, sie ernsthaft zu diskutieren.

    Das Wirtschaftssystem der Profitinteressen ist – vollkommen logisch – eine sich immer weiter steigernde Abwärtsspirale, die unweigerlich in minderwertigen Produkten und Dienstleistungen enden muss. Anders ist es überhaupt nicht möglich, den systemimmanenten stetigen Wachstumszwang zu erfüllen. Und trotzdem halten diese Wahnsinnigen wie besessen daran fest und feiern jedes noch so kleine Wachstum wie besessen – man weiß nicht, ob sie wirklich an diesem infantilen Glauben hängen oder es doch nur zu Propagandazwecken tun, um den Kollaps noch ein wenig länger hinauszuzögern.

    Das Geldsystem ist und bleibt aber der Kernpunkt des Ganzen – denn mit diesem Geldsystem ist es nicht möglich, irgendwelche alternative, dauerhafte Wirtschaftssysteme aufzubauen (vgl. http://narrenschiffsbruecke.blogspot.com/2011/01/das-fullhorn-der-banken-wie-geld.html ) – Trotzdem ist der Hinweis auf die Bodenreform nicht minder wichtig – wobei das meines Erachtens etwas zu kurz greift, denn die Nutznießer des Kapitalismus haben über all die Jahre ja nicht nur massenhaft Grundbesitz ergaunert, sondern auch viele, viele andere Güter und Reichtümer. Wenn es stimmt, was ich gerade bei Fefe gelesen habe (http://blog.fefe.de/?ts=b3af64ff ), dass Mubarak in seiner 30jährigen Diktatorenzeit 70 Milliarden (!!) Dollar angehäuft haben soll (was ihn zum reichsten Menschen dieses Planeten machen würde), wird klar, worauf ich hinaus will. Wenn es ENDLICH eine Geld- und Systemreform gibt, darf weder ein Diktator Mubarak, noch irgendein anderer Superreicher seine erbeuteten Reichtümer – egal welcher Art – behalten dürfen.

    Aber noch sind wir von diesen Zielen ja meilenweit entfernt – der Neoliberalismus triumphiert trotz der sich langsam ausweitenden Proteste – und ganz besonders in Deutschland ist nicht einmal ein Ansatz zu erkennen, dass es in absehbarerer Zeit eine ähnlich begrüßenswerte Entwicklung wie in Ägypten oder Tunesien geben könnte. Und solange das so bleibt, wird der Weg in Richtung autoritärer, diktatorischer Staat munter weitergehen – andere europäische Länder wie Ungarn weisen den Weg. Was dort zurzeit passiert, weiß hoffentlich jeder? (http://narrenschiffsbruecke.blogspot.com/2011/01/das-ungarische-desaster.html )

    Da will ich zum Schluss doch wieder Karl Kraus zitieren:

    „So spät ist es, so späte,
    was werden wird, ich weiß es nicht.
    Es dauert nicht mehr lange,
    mir wird so bange,
    und seh’ in der Tapete
    ein klagendes Gesicht.“

    (Karl Kraus: Vor dem Schlafe.In: Ausgewählte Gedichte, 1920)

  • Eifelphilosoph

    Ich bin heute von einem Leser auf diesen Artikel aufmerksam gemacht worden. Als BRD-Bürger Jahrgang 1959 hat man – wie ich meine – keine Fragen mehr zur politischen Entwicklung der Gegenwart. „Mehr Demokratie wagen“ … ein unerreichbarer Wunschtraum. Stattdessen findet man sich auf einmal in einer Wirklichkeit wieder, in der deutsche Soldaten in Asien marschieren, Arbeitslose und ihre Kinder kriminalisiert und der Menschenrechte beraubt und politische Bewegungen niedergeknüppelt werden.

    Mich wundert das mangelnde Interesse an „sozialen Themen“ nicht: eine Kultur der Angst greift seit einigen Jahren weitflächig um sich. Die demokratische Aufbruchstimmung der siebziger Jahre ist einer bleiernen Angst gewichen … der Angst davor, den Preis des Lebens nicht mehr entrichten zu können.

    Hunger, Durst, Kälte … werden auf einmal ganz reale Möglichkeiten der Alltagsgestaltung und von heute auf morgen sieht sich der Bürger Bedrohungen ausgesetzt, die man seit hundert Jahren aus der Alltagswirklichkeit verbannt wähnte.

    Dies geschieht jedoch nicht aus Not – was erträglich wäre – sondern aus reiner politischer Willkür. Das … macht Angst, weil man sich fragt: was machen die sonst noch in Zukunft mit einem.

  • Piwi

    Die Beschreibung ist m.E. oberflächlich und beinhaltet genau das, was die Steuermänner der Welt gerne lesen. Nehmen wird das Kapitel Ungarn: Mit 52 Prozent der Wähler wird eine 3/4 Mehrheit errungen. Ist dem Autor bekannt, dass man dafür in England, dem so genannten Mutterland der Demokratie (lach) nicht einmal 40 Prozent benötigt?

    Nehmen wir das Beispiel Italien: Glaubt ernsthaft jemand, das Problem der Demokratie wären seichte Unterhaltung.

    Das wirkliche Problem besteht darin, dass die große Mehrheit der Bevölkerung in kleine Gruppen aufgespalten wird. Das englische Prinzip des Teile und Herrsche, mit dem dieses kleine Volk große Teile Chinas und Indiens beherrschen konnte wurde auf die Neuzeit übertragen.

    Spinner, die ein bedingungsloses Grundeinkommen fordern, oder um die Erhöhung von Hartz IV streiten, oder Tafeln betreiben oder glauben, dass eine Klimaerwärmung vom Menschen ausgelöst und bekämpft werden könnte – usw usw. Sie sind der wirkliche Sargnagel der Demokratie und erlauben es der selbsternannten Elite ihr menschenverachtendes Geschäft weiter zu betreiben.

    Ohne die Erkenntnis, dass Arbeit Teilhabe am Leben bedeutet und dass der Bedarf an menschlicher Arbeit durch Steigerung der Produktivität immer geringer wird, ist eine wirklich soziale Lösung und damit auch Demokratie nicht zu erreichen. Die maximale Wochenarbeitszeit muß entsprechend der Produktivität gesenkt werden. Im ersten Schritt auf maximal 32,5 Stunden an fünf Tagen. Damit hätten wir in Deutschland Vollbeschäftigung und Hartz könnte beerdigt werden.

    Demokratie kann nur dort entstehen, wo Menschen in Gemeinschaft leben. Ohne Kinder, ohne Alte, ohne Partner braucht es keine Demokratie. Die ist sinnlos, weil das Leben sinnlos ist. Und wenn dies so ist, dann lass ich mich doch lieber seicht unterhalten, als mir die Zeit zwischen „Kindergarten“, „Schule“ und „Altenheim“ noch mit „Diskussionen“ zu versauen.

    Wieso sollte ein Mensch, der für 3-8 Euro und weniger seinen Buckel krumm macht, weil er seine Würde nicht bei der Arge abgeben möchte, Parteien wählen, die mehr Tranferleistungen fordern?

    Thailand und Hoduras zeigen heute schon, was in wenige Jahren in Europa passieren wird. Auch der Aufbau der Privat(Freiwilligen)Armee in Deutschland passt in dieses Szenario.

    Lasst und also feiern, so lange es noch geht! 😉

  • Gustav Staedtler

    Die sogenannte Demokratie und der sogenannte Rechtsstaat ist nur eine Fassade, hinter der sich das Gebilde einer listigen, psychologisch ausgekluegelten Diktatur befindet.

    Die Diktatur offenbart sich immer da, wo das Volk der herrschenden Klasse nicht mehr dienen will und ihr den Gehorsam verweigert.
    Solange also das Volk freiwillig tut, was die Herrschenden wollen, hat man Demokratie.

    Die Voraussetzung fuer eine funktionierende Demokratie nach Vorstellung der USA ist eine materialistisch- egoistische Mehrheit im Volk. Und darum werden demokratische Wahlen immer erst dann ausgerufen, wenn die Gegner des materialistischen Egoismus mehrheitlich beseitigt oder vernichtet sind.
    Wo dieses Ziel nicht erreicht wurde, beginnt auf’s Neue die amerikanische Invasion unter dem Vorwand des Humanismus und des Friedens.
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    Demokratien mit antimaterialistischen, antikapitalistischen und antichristlichen Volksmehrheiten, Regierungen, auch Mehrheitsregierungen, werden von den USA als inhuman und amerikafeindlich nicht geduldet und von daher bekaempft.
    Die USA zwingen die Voelker der Welt zur Demokratie nach ihren vorteilsbedachten, christlichen, kapitalistischen Wertvorstellungen.
    Nachdem der oestliche Zwangskommunismus gescheitert ist, betreibt die westliche Welt nun den ebenso zum Scheitern verurteilten Zwangshumanismus, materialistischen Kapitalismus.
    OHNE WAHRHEIT IST UND BLEIBT MAN DER EWIGE VERLIERER.
    WER DIE WAHRHEIT HASST, DER IST VERFLUCHT.
    Gustav Staedtler
    1999

  • Der_Ketzer

    „Wer bestimmt eigentlich, wo „Aufstand oder Aufruhr“ beginnen? Genügt es, Teil einer Demonstration zu sein, bei der eine lautstarke Minderheit Gewalt anwendet?“

    Eine ähnliche Frage könnte man auch in Bezug auf Artikel 20 Abs. 4 des Grundgesetzes stellen: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Wenn sich das Volk also auf den Weg machen sollte, die derzeitige Regierung abzusetzen, unterliegt es dem Erfolgszwang. Nur im Erfolgsfall könnte es eine Revolution im Nachhinein mit Art. 20 (4) rechtfertigen …

  • Sundaro

    @ Charlie: freut mich, hier noch einen Karl-Kraus-Freund anzutreffen! Für mich war er so etwas wie ein Deutsch-Fernlehrer, von dem ich vor allem die Demut gelernt habe, eine Sprache nicht beherrschen zu wollen, sondern Diener an der Sprache zu sein (weshalb ich mir auch schwer tue mit dem sms- und E-Müll-Gestammel…).
    Hier noch das Original-Zitat: „Gott schuf den Konsumenten! Aber Gott schuf den Konsumenten nicht, damit es ihm wohl ergehe auf Erden, sondern zu einem Höheren: damit es dem Händler wohl ergehe auf Erden.“
    Kraus kommentierte den Beginn des 1. WK ja auch sehr einsichtig: „Ich weiß genau, daß es zu Zeiten notwendig ist, Absatzgebiete in Schlachtfelder zu verwandeln, damit aus diesen wieder Absatzgebiete werden.“ Das hätte er unseren Demokratieverbreitern heute sicher auch gesagt…

  • nur Gast

    Mubarak … mit 70 Milliarden reichster Mann der Welt… lächerlich. Dann hast du immer noch nicht alles vestanden … leider.

  • Teja552

    Ein sehr lesenswerter und nachdenklich machender Beitrag den ich gern gelesen habe.
    Ich teile viel von dem was hier angeführt wird mit den Autor und es ist richtig, wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf!

    Ich sehe hier zig Millionen die Schafen und die die Zeichen der Zeit nicht erkennen können, naja anderseits herrscht die Angst und Angst kann bekanntlich lähmen.

    Danke für den Beitrag und einen schönen Samstag noch!

  • pecas

    Eine profunde – selbstverständlich sofort niedergeschlagene, aber noch immer um ihr Leben kämpfende -, „europlurale“ Lösung für die in gewisser Weise auch spezifisch deutsche, tatsächlich schon seinerzeit mit dem „Schwarz-Rot-Gold von 1848″ national zementierte Variante dieses globalistischen, sich jetzt (noch einmal – denn so war es zwischenzeitlich mit dem von anglo-amerikanischen Geldgebern finanzierten Hitler ja auch schon gewesen – von den USA bzw. von den US-Neokonservativen aus) über Europa hermachenden Syndroms findet sich auf der Webseite http://www.z-e-i-t-g-e-i-s-t.eu, auf der eine künstlerische Neufassung dieser deutschen, ehedem reichsdeutschen, und dort nunmehr „europluralen“ Farben vorgestellt wird.

  • Steffen

    Vielen Dank für diesen Beitrag !

    Man könnte die Aufzählung div. Untriebe auch noch erweitern.

    Mit der Einführung der H4-Gesetzgebung durch SPD und Grüne wurde übrigens noch ein Tabu gebrochen. Zum ersten Mal in meinem Leben hörte ich das Wort „Unterschicht“, „Schmarotzer“ usw. aus dem Munde eines Herrn Müntefering (SPD-Politiker) und Volksvertreter … kurz danach gehörten diese Worte zum Umgangston in Öffentlichkeit und Politik.

    Ab da fing es an das man Menschen, Volksgruppen, Minderheiten, Menschen die nicht ins Schema oder eigene Weltbild passten diffamierte, stigmatisierte und ihnen alle möglichen Übel andichtete. Besonders betroffen Arbeitslose, Ausländer, Arme, Kranke und auch Alte.

    Diese Gesinnung fand bekanntlich ihren Höhepunkt im 3. Reich, der radikalsten Form des Faschismus.

    Das heute Faschismus wieder zum „guten“ Ton gehört ist erschreckend, vorallem wenn das zur „Leitkultur“ einer angeblich demokratischen Volksvertretung wird.

    Heute ist es wieder üblich Menschengruppen zu diffamieren und verächtlich zu machen um zb. für Sanktionen gegen diese Menschen Rückhalt in der Bevölkerung zu erlangen.

    Was lehrt uns die Geschichte der Menschheit ? … das man aus ihr nichts lernt und das auch sogenannte Demokratien nicht vor Faschismus, Verfolgung, Unfreiheit, Elend, Gesinnungsdiktatur und Co schützen sondern diese Entgleisungen nur verschleiern.

    Einen Vorteil haben Demokratien nur für die wahren Machthaber, die können sich besser verstecken und legitimieren als in einer direkten Diktatur. Auch die Elite ist nicht dumm und weiss das „Scheindemokratien“ stabiler sind, Macht, Einfluss und Kontrolle zuverlässiger sichern.

    In einer Diktatur wissen die Menschen das sie nichts zu sagen haben, werden unzufrieden …. in einer Demokratie glaubt man etwas zu sagen zu haben und hat es nicht …. der „Pöbel“ bleibt ruhig.

    Und bildet sich doch mal eine Partei die dem Volk aufs Maul schaut oder tatsächlich etwas verändern will an den Machtverhältnissen dann läuft die ganze Abwehr- und Behinderungsmaschinerie auf Hochtouren und über alle Kanäle. Das alleine ist schon ein Thema für sich.

    Man braucht zb. garnicht nach Italien schauen wenn man alles in der eigenen Wohnstube hat.

  • M. Albert

    Alfred Kerr nannte das Dritte Reich „Die Diktatur des Hausknechts“.

    Was wir heute erleben ist eine schleichende „Diktatur des Kpitalknechts“.

    Deutsche, wollt ihr ewig buckeln?

  • Der Duderich

    Nette neue Hardware der Demokratieunterdrückung:

    http://www.politik.de/forum/innenpolitik/228581-brand.html

  • glaubdir

    hi zusammen,

    ein guter artikel, wie ich finde.

    wie kann es z.b. sein, daß fast alle menschen in deutschland noch nie etwas von der brd finanzagentur gmbh gehört haben, warum findet das jährliche bilderbergtreffen seit über 50 jahren nicht in den öffentlichen medien statt?

    die einzige erklärung ist, daß es nicht gewollt ist. wollt ihr das? ich nicht.

    informiert euch und andere, damit sie auch aufwachen können. übernehmt verantwortung und laßt euch nicht verarschen.

    sonnige grüße
    glaubdir 😉

  • Maria-Theresia

    Hallo Fussvolk,

    danke für den guten Beitrag.
    Man darf nicht vergessen, dass es die bürgerlichen Eliten waren, die Adolf Hitler nicht nur finanziell unterstützt haben. Auch der Verleger Hugenberg hat ihn erst populär gemacht. Vor 1933 gab es lediglich paramilitärische Aufstände, die von den Arbeitern, Gewerkschaftern, Sozialisten und Kommunisten zerschlagen wurden. Jahrelang wurde Propaganda für Hitler und seine Partei gemacht, um das Volk in die Nationalsozialistische Denkweise zu „integrieren“ und zu verhindern, dass die Sozialisten und die Kommunisten keine Mehrheit erlangen.
    Heute ist es beinahe wurscht, welche Partei die Mehrheit gerade hat (Hauptsache, es gibt keine Linke-Mehrheit), denn die Konzerne und Bänker schreiben sich ihre Gesetze sowieso schon selbst. Nur das Fussvolk hat keine Lobby, ganz zu schweigen von den Hartz-IV-Empfängern. Seit Jahren wird hier eine Politik gegen das eigene Volk betrieben und wir wählen die Volksabtreter auch noch selbst.
    Und was machen unsere Medien? Informieren sie uns? Klären sie uns hintergründig auf? Nein, sie spielen mit. Wir sind auch auf dem Wege der Berlusconisierung. Sind es hier die „drei Damen vom Grill“?

  • ohjeee
  • ohjeee

    Passend zum Thema ein Artikel in einem anderen Blog:

    Auslaufmodell Demokratie:
    http://www.neue-wirklichkeit.de/?p=77.html

  • alfred

    Und was machen wir nun konkret?

  • glaubdir

    @alfred, eine berechtigte, aber irgendwie komische frage. wonach ist dir denn vom gefühl her? was wär dir wichtig und was kannst du selbst alles tun? ich wette, da kommt eine ganze menge zusammen. und dann könntest du einfach anfangen, ein teil einer gegenöffentlichkeit zu sein. alleine dadurch, daß du dir die frage nach dem „was wir nun machen sollen/können“ ist teil (d)eines entwicklungsprozesses, der zur zeit bei immer mehr menschen weltweit stattfindet. esrte nicht asuf antworten von „oben“, die antwort liegt in dir selbst und du gibst dir die antwort selbst. da kommt keiner von irgendwoher und erzählt dir die lösung. die lösung liegt schon in deinen gedanken und deiner fragestellung. glaub an dich.

    sonnige grüße
    glaubdir 😉

  • ebse

    @sundaro:
    es handelt sich um „Bhutan“, welches das „Brutto-Glücklichkeits-Produkt“ als Maßstab nimmt … Myanmar / Burma / Birma ist eine Militär-Diktatur unter dem General Than Shwe (jetzt abgedankt), in der „Glück“ nur für die Elite zählt…. obwohl es ein mehrheitlich buddhistisches Land ist. Und darüber hinaus ein sehr schönes Land mit wunderbaren Menschen, eben ausser „der Elite“… ähem: fast wie in Deutschland…. je höher man kommt, desto „höher wird auch der Arschloch-Faktor“, so scheints mir.

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  • Blogwarte.de

    Demokratiedämmerung…

    Im günstigsten Fall übertreibe ich maßlos, und gewisse antidemokratische Tendenzen in Europa gehen vorbei wie die McCarthy-Ära in den USA. Im schlimmsten Fall befindet sich die europäische Diktatur derzeit in ihrer Erprobungsphase. Die „Post-Demokratie…

  • […] Konstantin Wecker: Demokratiedämmerung Im günstigsten Fall übertreibe ich maßlos, und gewisse antidemokratische Tendenzen in Europa gehen vorbei wie die McCarthy-Ära in den USA. Im schlimmsten Fall befindet sich die europäische Diktatur derzeit in ihrer Erprobungsphase. Die „Post-Demokratie“ dämmert herauf, die Herrschaft von Machtcliquen, die allein durch ihre Vasallenfunktion gegenüber der Geld-Elite legitimiert sind. Nochmals: Die Tatsache, dass wir in unserem Alltagsleben kaum einer Veränderung spüren, bedeutet nicht, dass „nichts Schlimmes“ im Anflug wäre. Wir haben weiter das Recht, unbeachtet und folgenlos zu nörgeln, so lange wir das, was uns zugemutet wird, als Faktum hinnehmen. Gäbe es wegen der zunehmenden finanziellen Ausplünderung der Gering- und Normalverdiener einen Aufstand, wäre das Volk nur sehr schlecht darauf vorbereitet, der Staatsapparat dagegen sehr gut. Quelle: Hinter den Schlagzeilen […]

  • […] – so beschreibt der Sachbuchautor Jens Wernicke die Lage. Die „Demokratiedämmerung“ http://hinter-den-schlagzeilen.de/2011/02/07/demokratiedammerung/, die ich in einem meiner letzten Artikel beschrieben habe, ruht auf zwei Säulen: Einerseits ist da […]

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