Guttenberg – der Scheinriese wankt

Es war ja nicht mehr zum Aushalten: Der smarte Verteidigungsminister von edlem Geblüt wurde uns zwei Jahre lang als der „natürliche“ nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland verkauft. Ausgeschlossen ist das noch immer nicht, aber der Lack ist ab. Eine tote Soldatin auf der Gorch Fock, ein Vergewaltigungsfall in der Bundeswehr, Zitateklau bei der Doktorarbeit – die Fehlleistungen häufen sich. Und die Vorfälle sind bedeutungsvoller als es oberflächlich scheint. (Roland Rottenfußer)

Es gibt Ereignisse, die nur scheinbar harmlos sind, aber große symbolische Kraft besitzen. Sie verweisen über das, was konkret geschehen ist, hinaus auf einen größeren Zusammenhang. „Pars pro Toto“ könnte man es nennen: Ein Teil steht für das Ganze.

Nehmen wir zum Beispiel folgendes Ereignis: Ein Techniker vertauschte 1987 das Videoband von Kanzler Helmut Kohls Neujahrsansprache mit der Ansprache vom Vorjahr. Viele Zuschauer bemerkten den Fehler nicht. Hinterher gab es großes Geschrei, Kohl zeigte sich brüskiert. Unbewusst hat der Techniker damit eine bedeutsame Aussage gemacht: Helmut Kohls Reden sind auswechselbar, er bedient sich eines so verwaschenen Phrasenrepertoires, dass man nicht merkt, auf welche Zeit sich das Gesagte bezieht.

Noch ein Ereignis: Silvio Berlusconi lässt sein Gesicht liften. Symbolische Bedeutung: Dieser Mann ist nur noch Maske. Er will etwas darstellen, was er nicht ist. Etwas Hässliches schminkt sich als Schönes. Er ist ein Großkotz und Blender. Die gesamte von ihm repräsentierte Fernsehlandschaft und nicht zuletzt seine Politik basieren auf Künstlichkeit, auf Lifting.

Nun schlage ich den Bogen zu unserem Verteidigungsminister zu Guttenberg. Wie ist es zu verstehen, dass Deutschlands beliebtester Politiker bedeutende Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat? Hat sich da jemand geistig liften lassen? Zwei Deutungsmöglichkeiten bieten sich an:
1. Die Politikersprache der Neuzeit ist eine Ansammlung von Plagiaten. Politiker sind nur selten Selbstdenker, sie bedienen sich vorgefertigter Sprach- und Inhaltsmodule und geben diese als eigene Geistesblitze aus. „Für Frieden und Freiheit“, „Sozial ist, was Arbeit schafft“ oder „Der Standort Deutschland darf nicht Schlusslicht bleiben“ – Warum selbst formulieren, wenn die Phrasendreschmaschinen der Think Tanks ständig Brauchbares auswerfen? Die Politikersprache ist nicht inspiriertes „Gemälde“, sondern eher „Montage“.
2. Karl-Theodor zu Guttenberg will etwas darstellen, was er nicht ist. Nach außen hin brillant und nahezu makellos, zeigen sich hinter der Fassade peinliche Defizite. Auf den Punkt gebracht: Er ist nicht echt, er betrügt. In welchen Bereichen könnte er uns noch etwas vormachen? Schärfen wir künftig unseren Blick dafür – und nicht nur bei zu Guttenberg!

Ich bin ja Germanist und liebe es deshalb, zu interpretieren, die verborgene Bedeutung hinter der offensichtlichen aufzuspüren, den „Subtext“ hinter dem „Text“. Daher hier noch ein paar Deutungen zu jüngeren Ereignissen der Militärgeschichte.

Zu Guttenberg besucht mit seiner Frau und einem Talkshowmoderator die Front. Wäre das ein Roman, würde ich fragen: „Nun, was wollte uns der Verfasser damit sagen?“ Politik ist Show, speziell die des Herrn zu Guttenberg. Soldaten töten und sterben; die Guttenbergs lächeln Bunte-kompatibel. Die Truppe sah es größtenteils als „Würdigung“, ich betrachte es eher als Verhöhnung, wenn der Minister Soldaten als Kulisse für seine Selbstdarstellung nutzt.

Ein Soldat wird mehrmals von seinem Vorgesetzten vergewaltigt. Ein Hauptfeldwebel aus Regen im Bayerischen Wald soll einen Feldwebel vergewaltigt haben – eine Nachricht, die erst am 12.02. durch den Newsticker ging. Das Opfer soll aus Angst vor Schikanen und dienstlichen Nachteilen lange geschwiegen haben. Deutung: Nicht ein Soldat wurde vergewaltigt, Militär ist Vergewaltigung – ihrem Wesen nach. Hinter dem Prinzip Befehl und Gehorsam steht die Grundhaltung: „Es ist mir egal, wie es dir dabei geht, ich will jetzt, dass du das tust. Wenn nicht, lasse ich dich noch mehr leiden“. Das ist die Mentalität von Missbrauchstätern. Sie gehen über das explizite oder implizite „Nein“ ihrer Opfer hinweg, brechen seinen Willen. Es ist anzunehmen, dass nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch der antrainierte Gehorsam gegenüber einem Vorgesetzten zu dem Vorfall in Regen geführt hat. Wie könnte man jemandem einen Wunsch abschlagen, der nicht nur ein Häkchen, sondern eine Schleife auf der Schulterklappe hat? Umgangssprachlich sagen Soldaten auch gern, ein Vorgesetzter habe sie „gefickt“, wenn sie meinen: er hat mich schikaniert. In diesem Fall gilt wirklich: „Pars pro Toto“ – ein Teil für das Ganze.

Ein Soldat in Afghanistan erschießt sich beim Waffenreinigen selbst. So geschehen Ende letzten Jahres. Vielleicht war auch ein Kamerad an dem Vorfall beteiligt, und die Soldaten haben „spielerisch“ mit geladenen Waffen herumgefuchtelt. Deutung: Bei Soldaten staut sich durch die Kampfsituation, aber auch durch die Demütigungen, denen sie durch Drill und Zwang ausgesetzt sind, viel Aggression an. Da sie diese emotionale „Ladung“ nicht gegen ihre Urheber richten können, richtet sie sich gegen Kameraden oder wird autoaggressiv entladen. Gegenseitige Bagatell-Gewaltanwendung unter Soldaten ist eher die Regel als die Ausnahme. Harmlosere Formen sind Schläge auf den Oberarm aus nichtigem Anlass oder die Gewohnheit, Neuzugänge den Mülleimer ausleeren zu lassen. Aber auch grausame Initiationsrituale, etwa bei den Mittenwalder Gebirgsjägern, sind bekannt geworden. Mitverantwortlich dafür ist m.E. stets der durch Vorgesetzte und das Militärsystem erzeugte Druck. Wer ihn nicht an schwächere Leidensgenossen weitergeben kann oder will, lässt sich schon mal zu autoaggressiven Handlungen hinreißen. Selbst Depressionen oder Fingernägel kauen können Akte der Gewalt gegen sich selbst sein. Eine versehentliche Selbsterschießung ist da nur die Spitze eines Eisbergs.

Auf der Gorch Fock fällt eine Soldatin aus den Masten in die Tiefe – tot. Außerdem wurde in der Presse von katastrophalen Zuständen auf dem Schulschiff der Bundeswehr berichtet. Von Demütigungen und Diebstählen seitens der Stammbesatzung war die Rede, auch von sexueller Belästigung der Offiziersanwärterinnen. Deutung: Auch hier gilt „Pars pro Toto“. Militär verleiht dem Ranghöheren eine in Zivilleben unbekannte Machtfülle. Nicht alle können damit umgehen. Unreife Charaktere nutzen ihre Stellung immer wieder, um Untergebene entwürdigend zu behandeln. Macht scheint etwas „Geiles“ an sich zu haben. Und sie agiert sich ihrer Natur nach gegen den Willen des ihr Unterworfenen aus. Sonst wäre es ja keine Macht, sondern Überzeugungsarbeit. Sarah Lena S. wurde in die Takelage geschickt, Höhe: 27 Meter – eine lebensgefährliche Situation. So etwas sollte niemals gegen den Willen oder das Gefühl des Betroffenen „befohlen“ werden. Sarah Lena soll vorher geäußert haben, sie wäre lieber nicht hoch geklettert. Aus welchem Grund auch immer – es hätte respektiert werden müssen. Bei Lebensgefahr hört der Spaß auf. Beim Militär allerdings fängt er dort offenbar erst an. Militär ist ein System, das auf Menschen so viel Druck ausübt, dass sie lieber ihren Tod riskieren als den Ungehorsam. Der Gehorsam wird so weit automatisiert, dass der natürliche Selbsterhaltungstrieb im Kriegsfall versagt. Ein perverses System der Gehirnwäsche, das auf der Gorch Fock exemplarisch vorgeführt wurde. Zum Glück steht endlich eine Mutter gegen den Staat Deutschland auf und verklagt diejenigen, die ihre Tochter für ihren Machtwahn verheizt haben.

Hier noch ein paar grundsätzliche Anmerkungen: Ungehorsam als strafbarer Tatbestand hat in einer modernen Demokratie nichts mehr zu suchen. Die Erfahrungen aus dem Dritten Reich sollten uns zur Genüge deutlich gemacht haben, wohin blinder Gehorsam führt. Das bedeutet nicht, dass es keine Disziplin, keine Autorität geben darf. Es gibt Situationen, in den es hilfreich ist, wenn alle Ausführenden die Dienstanweisungen einer Autoritätsperson befolgen, ohne zu fragen und zu diskutieren. Beispiele dafür sind Schiffe, und dort besonders akute Notsituationen. Es kann zielführend sein, wenn Matrosen ihre Autonomie teilweise an einen Vorgesetzten delegieren – im Vertrauen auf seine Kompetenz und menschliche Integrität. Diese Machtbefugnis ist aber immer vorläufig, sie ist dem Vorgesetzten auf Probe verliehen und gilt nur, solange er sich des Vertrauens als würdig erweist. Verlangt der Vorgesetzte Unzumutbares oder gar etwas, was für den Untergebenen lebensgefährlich ist, sollte „Befehlsverweigerung“ jederzeit möglich sein. Dies kann zwar, wie in Privatfirmen, zur Entlassung führen, darf aber auf keinen Fall strafrechtliche Folgen haben. „Aber wie können wir unter solchen Umständen sicher gehen, dass Soldaten töten oder sterben, wenn sie sollen?“, werden Militärs einwenden. Eben: Das Töten und Sterben würde sich stark reduzieren. Sarah Lena z.B. könnte noch am Leben sein, und auch die ca. 140 Toten des Massakers von Kundus, wenn in Deutschland endlich eine Kultur des Ungehorsams gepflegt würde. Meuterei auf der Gorch Fock? Na hoffentlich! Was wir angesichts des ganzen militärischen Wahnsinns brauchen, sind mehr Meutereien.

Zum Schluss noch einmal zu Karl-Theodor zu Guttenberg: Viele der Vorgänge, die hier beschrieben wurden, gehen nicht auf sein persönliches Verschulden zurück. Sie liegen in der Natur des Prinzips „Militär“. Zu Guttenberg hat die Strukturen von seinen Vorgängern „geerbt“, er hat sie aber auch nie ernsthaft in Frage gestellt. Dies ist auch wegen der internationalen Verflechtung militärischer Demütigungsstrukturen nicht so leicht möglich. Befehl und Gehorsam „müssen“ im Nato-Verbund gelten. Offiziere aus einem Land müssen Untergebenen aus einem anderen Land Befehle geben können, ohne sich dabei durch Reste von Würde und Eigenwillen gestört zu fühlen. Guttenbergs Schuld besteht also – abgesehen von der Plagiator-Affäre und übertriebenem Selbstdarstellungsbedürfnis – „nur“ darin, in einem vorhandenen System mit geschwommen zu sein.

Endgültig Schluss sein muss nach dieser Kette von Fehlleistungen aber mit jeglichem „Gutti-Kult“. Es war nicht mehr zu ertragen, dass uns der Baron als politisches Schwergewicht verkauft wurde, der quasi automatisch demnächst als Kanzler über uns herrschen wird. Sicher zeichnet er sich durch „Stehvermögen“, „Charisma“ und eine gewisse Effizienz aus. Die Abschaffung der Wehrpflicht kann ich gerade auf der Basis der eben angestellten Überlegungen nur begrüßen. Allerdings dürfte den Minister kaum Menschenfreundlichkeit dazu motiviert haben dürfte, sondern finanzielle Erwägungen und der Drang, eine „professionelle Eingreiftruppe“ zu schaffen, die die halbe Welt mit deutschen Patronenhülsen sprenkeln wird. Guttenberg wirkte streckenweise wie ein „Großer“, was ihm insofern erleichtert wurde, als man unter lauter Zwergen leicht wie ein Riese wirken kann. Der Polit-Riese allerdings ist ein Scheinriese – und zwar buchstäblich im Sinn von Michael Endes famosem „Herrn Tur Tur“. Die Figur aus dem Kinderbuch „Jim Knopf“ wurde umso kleiner, je näher man sie betrachtete.

Es braucht schon viel publizistische Skrupellosigkeit und extrem unkritische Konsumenten, um einem Volk diesen Mann über Jahre als kommenden Heiland aufschwatzen zu können. Jemanden, der ökonomisch erkennbar die Interessen seiner eigenen privilegierten Klasse vertritt und der den Luftschlag auf Kundus als „angemessen“ bezeichnet. Wenn 140-facher Mord „angemessen“ ist, fühle ich mich mehr in der Welt des „Unangemessenen“ zu Hause. Wenn dieser Mann Hoffung repräsentiert, bin ich lieber verzweifelt. Und selbst auf die Gefahr hin, dass die nächste Kanzlerschaft zwischen Ursula von der Leyen, Norbert Röttgen und Sigmar Gabriel ausgekartelt wird – ich wäre froh, wenn der Alptraum von einem „Kanzler zu Guttenberg“ nun endlich ausgeträumt wäre.

19 Kommentare zu „Guttenberg – der Scheinriese wankt“

  1. Sundaro sagt:

    Schein statt Sein – das ist inzwischen das Motto mit breitester Konsenzfähigkeit.
    Nicht die Frage “Wer bin ich?”, sondern “Wie müsste ich sein?” treibt die Menschen um. Man geht zum “Schönheitschirurgen” und lässt sich so modellieren, dass man gut ankommt.
    Man schaut dem Volk aufs Maul, damit man Sätze plappern kann, die garantiert niemand zum Nachdenken bringen.
    Das Ziel ist immer nur Erfolg und Macht. Ob Superstar oder Superpolitiker. Und wenn man das erreicht hat, meint man, nichts mehr falsch machen zu können. Folglich kann man auch auf dem Weg dahin nichts falsch machen – der Zweck heiligt die Mittel.
    Und wenn das RTL-verdummte Volk mal jemanden als Helden anerkannt hat, muss schon gewaltig viel passieren, bis sich das ändert!
    Vielleicht wird das bei Guttenberg erst der Fall sein, wenn sich heraus stellt, dass seine Dr.-Arbeit eine gekaufte Auftragsarbeit war…

  2. Feliks_Dzerzhinsky sagt:

    “Helmut Kohls Reden sind auswechselbar” Ja, gewiss, aber es gibt nur ein Rudi Völler und einen Herrn Dr. zu Guttenberg mit Doktortitel, darum:
    Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!

  3. Charlie sagt:

    Das sind schöne und wahre Überlegungen und Schlussfolgerungen zum Wesen des Militärs – aber in einem Punkt muss ich vehement widersprechen: Eine Abschaffung der Wehrpflicht macht nur Sinn bei gleichzeitiger Abschaffung des Militärs. Ansonsten führt das nur dazu, dass vornehmlich Menschen aus ärmeren Schichten “freiwillig” zur Bundeswehr gehen und die niedrigen Ränge besetzen, um ein wirtschaftliches Auskommen zu haben. Eine solche “Berufsarmee” ist in Deutschland weder notwendig, noch sinnvoll, und erst recht nicht erstrebenswert.

    Was den gegelten Freiherrn betrifft: Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie das nun weitergehen wird. Einerseits hat die neoliberale Bande diesen Kerl ja mit viel Einsatz über eine lange Zeit hochgeschrieben und medial aufgebaut, andererseits wird die bröckelnde PR-Fassade und die sich dahinter befindliche schäbige Realität langsam für allzu viele Menschen offensichtlich … Ich denke, dass wir am Beispiel Guttenberg sehr gut werden ablesen können, wie weit die Orwell’schen Verflechtungen in diesem Staat schon fortgeschritten sind: Wenn der Mann weiterhin im Amt bleibt, ist das ein deutliches und schrilles Alarmzeichen – wenn er den Hut nimmt, ist das kein Zeichen für Hoffnung, aber ein Hinweis darauf, dass der Tiefpunkt noch nicht ganz erreicht ist.

    Denn letzten Endes gilt auch weiterhin: In diesem korrupten System sind nahezu alle Figuren austauschbar. Es ist eine “Diktatur der Unsichtbaren” – denn die, die wirklich entscheiden und profitieren, treten nicht vor Fernsehkameras und Mikrofone. Ob Guttenberg nun also abtritt oder nicht, ist bloß eine Detailfrage, die für uns alle eher nebensächlich ist, solange das System als solches weiter bestehen bleibt. Der nächste Aktenkofferträger scharrt schon mit den Hufen, um Guttenbergs Platz einzunehmen – ohne dass es irgendeine spürbare Veränderung für uns hätte.

    Allmählich – und gerade auch angesichts der jüngsten Wahl in Hamburg, wo der Hartz- und Agenda-2010-Verfechter Olaf Scholz das Rennen gemacht hat, was rational nicht mehr erklärbar ist – müsste auch dem Letzten klar werden, welches Theater da gespielt wird. Ob es nun um Guttenberg, Scholz, von der Leyen, Merkel, Westerwelle oder Roth (oder wen auch immer) geht: Man wählt immer nur die politische Linie, nicht irgendwelche austauschbaren Personen. Und diese Linie ist deckungsgleich – egal, welche der neoliberalen Parteien man sich auch ansieht. Wie lange dauert es wohl noch, bis sich diese simple Erkenntnis herumgesprochen hat?

  4. Maverick sagt:

    Zuerst wurde dieser Typ in der Presse gepusht, als hätte er außerirdische Fähigkeiten. Aber bald wird wohl kaum noch jemand ein Schokoladeneis von ihm kaufen wollen. – Die Erdenmenschen, die sind halt noch weit zurück.

  5. Sundaro sagt:

    Charlie spricht oben einen wichtigen Aspekt an: die Wehrpflicht.
    Solange es eine Armee gibt, ist der “Bürger in Uniform” sicher das kleinere Übel (ich sage das mit großen Schwierigkeiten, habe ich doch selbst den Kriegsdienst verweigert).
    Aber der Unterschied zwischen Ägypten und z.B. Libyen sollte zu denken geben: in Kairo standen sich Bürger gegenüber – die einen in Zivil, die anderen in Uniform; darunter teilweise eigene Verwandte.
    In Libyen stehen sich Bürger und Söldner gegenüber. Da gibt es keine eigenen Interessen, Gefühle und Überlegungen, die an der Ausführung des Schießbefehls hindern.

  6. Clas Lehmann sagt:

    Moin, moin!

    Zwei Aspekte:

    Herr Tur Tur erwies sich bei näherer Bekanntschaft als freundlich, bescheiden und hilfsbereit und hatte die Einsamkeit der Wüste gesucht, um seine Mitmenschen vor dem eigenen Anblick zu bewahren.

    Diese Eigenschaften sehe ich bei KT(…)vuzG bisher nicht.

    Bei deutschen Befehlsempfängern bin ich mir nicht sicher, ob die nicht im Falle eines Falles auch auf unbewaffnete Menschen schössen, die ihnen als Ziel genannt werden, wenn es nur alternativlos ist. Man hat historische Beispiele…

    Eine Aufzucht der Soldaten oder Polizisten mit Privatfernsehn und Spielekonsole bessert da sicher auch wenig, unabhängig von der Frage, ob sie nun verpflichtet oder berufstätig sind. Die Befehlenden sind jedenfalls Profis. Wenn die nun sich und andere nicht mehr staatsbürgerlich verstehen, ist Enge jedenfalls zu befürchten.

    Gruß Clas

  7. Heike S sagt:

    Guttenberg ist ein Produkt von Leuten die ein bestimmtes Ziel haben. Es klingt wie eine Verschwörungstheorie aber anders ist es nicht zu erklären. Sein ganzer geschönter Lebenslauf und auch die getürkte Doktorarbeit gegeben dazu den Anlass. Auch ist es sehr interessant wie Medien (Bild, Welt, Zeit, etc) ihn, obwohl er politisch erledigt ist, immer weiter pushen.

    Das Ziel des BW Umbaus zu einer Berufsarmee macht mir jetzt schon Angst.

  8. André H. sagt:

    Er will einfach nicht zurücktreten. Nun setzt er auch noch Scharfschützen und Kampfjets ein. Er wolle kämpfen bis zur letzten Patrone.

  9. André H. sagt:

    Ach ja, und dann war da noch diese Gesschichte:

    http://www.youtube.com/watch?v=Sb4Qkg0ihlM&feature=related

    Passt irgendwie zum Ganzen.

  10. Alias Je sagt:

    Guttenberg scheint neuer Hoffungsträger der Andenpaktler zu sein
    Seine Eingeständnis-Rede zu den Plagiatsvorwürfen hielt er im hessischen Kelkheim im Taunus unter den Augen der „Andenpaktler“ Bouvier, Koch und Co., welche triumphal aufbereitet wurde von der FAZ:
    http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E314A95BCBECA41B897D1610078FA2822~ATpl~Ecommon~Scontent.html.
    Kelkheim liegt nicht weit entfernt von Bad Homburg, Königstein und Kronberg, die Städte mit der höchsten Millionärsdichte bundesweit. Im Taunus um Frankfurt herum, lebt der Frankfurter Geldadel auf Anwesen zurückgezogen, um die Geschicke der Republik zu bestimmen. Dass Herr zu Guttenberg ausgerechnet dort seine medienwirksame Rede hielt verwundert mich nicht. Plagiarist, Blender, Betrüger zu Guttenberg und der Frankfurter Geldadel, der sich durch Erpressung und Betrug auf Kosten des Staates – also dem Mittelstand und der Unterschicht – im Zuge der Finanzkrise um Milliarden bereichert hat, sind der gleiche Schlag von Leuten. Stehende Ovationen soll es dort gegeben haben. Kein Wunder, dass Koch und Co. ihren Hoffnungsträger zu Guttenberg nicht aufgeben wollen, nachdem “Mutti”(Angela Merkel) sie nacheinander am langen Arm hatte verhungern lassen (vgl. Spiegelartikel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-75261458.html
    ). Plagiarismus ist ein ernstzunehmender Sachverhalt, nämlich Betrug, den man nicht einfach so zur Seite schieben kann, wie die FAZ-Autoren und das Andenpack es so gerne hätte. Am Fall zu Guttemberg, da stimme ich den Kommentaren zu, wird sich zeigen, wie tief die Republik schon im Sumpf versunken ist.

  11. Charlie sagt:

    @ Sundaro:

    Ich bin ebenfalls Kriegsdienstverweigerer, teile Deine Meinung aber, nicht nur angesichts der jüngsten Beispiele aus Ägypten und Libyen. Allerdings ist der Einwand Clas Lehmanns auch nicht von der Hand zu weisen – eine Garantie dafür, dass die “Bürger in Uniform” nicht auf die eigene Bevölkerung schießen würden, gibt es nicht. Auch die Polizei hat ja schon hinreichend bewiesen, dass sie kaum Bedenken kennt, massiv und brutal gegen protestierende Menschen jeden Alters vorzugehen.

    Aber zurück zum Militär: Wozu um Himmels Willen braucht Deutschland eine Armee? Es ist nahezu ausgeschlossen, dass dieses Land in absehbarer Zeit von Frankreich, Polen, Dänemark, Österreich oder irgendeinem anderen Nachbarstaat “überfallen” wird – und damit entfällt die grundgesetzlich definierte Notwendigkeit einer Armee. Anders als die SPD (und der Rest der neoliberalen Bande) meint, wird Deutschland nämlich nicht am Hindukusch oder sonstwo “verteidigt” – dort geht es um rein wirtschaftliche, private Interessen, die nichts mit dem Grundgesetz zu tun haben.

  12. Sundaro sagt:

    @ Charlie:
    Ich würde noch einen Schritt weiter gehen: die meisten Armeen, darunter die der EU-Staaten und der USA, dienen nahezu ausschließlich privaten Interessen, nämlich Wirtschaftsinteressen.
    Das wird ja inzwischen auch immer unverblümter gesagt.
    Dazu gehören:
    1. Sicherung des Zugangs zu Ressourcen
    2. Sicherung von Absatzmärkten
    3. Sicherung hoher Renditen im Rüstungssektor
    4. Schaffung von Wachstumspotenzial durch Zerstörungen

  13. Clas Lehmann sagt:

    Moin, moin!

    Tschä. So ist es.

    Aber:

    Struck hat diese Fakten noch hinter der Lüge von der Verteidigung am Hindukusch versteckt.

    Als Horst Köhler diese Fakten andeutete, war es Grund, sein Amt dem Wulff zu geben. Und die Rücktrittsdebatte genau zu analysieren…

    Als KT(…)vuzG sowas sagte, war es diese herzerfrischend offene Art, zu sagen, was ist.

    Wenn unsereiner seit Jahren sowas sagt, war, ist und bleibt das eine linksradikalpazifistische Propagandalüge und Grund, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden.

    Wir sehen diese Fakten kritisch und sind dagegen, eine Armee zu unterhalten, die solchen Interessen dient.

    Wen oder was schützt also demzufolge der Verfasssungsschutz?

    Und falls er nun implodiert, der KT(…)vuzG: Gilt dann wieder Struck?

    Gruß Clas

  14. panda sagt:

    Das Guttenberg-Dossier (Teil 1)

    http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html

    Das ist v.u.z. Gutti

    Bitte aufmerksam lesen!

  15. rr sagt:

    “Witzig” ist ja auch dies: Guttenberg beansprucht die Tatsache, dass zeitgleich drei Soldaten in Afghanistan gestorben sind, als Argument zu seinen Gunsten. Nach dem Motto: “Jetzt mal Schluss mit dem Kleinkram. Gerade die drei Toten zeigen, dass unser Land in harten Zeiten einen starken Verteidigungsminister braucht. Ich bin bereit, mich dieser Verantwortung zu stellen und verlasse die Brücke nicht bei ein bisschen Gegenwind. Jetzt müsst ihr mich aber auch endlich in Ruhe lassen.” Und dies obwohl klar ist, dass jeder, der an führender Stelle die Fortsetzung des Kriegs betreibt, für jeden weiteren Toten mitverantwortlich ist.

  16. EuroTanic sagt:

    Ein Politiker der betrügt und lügt ist eines öffentlichen Amtes unwürdig. Ein Wähler der einen lügenden und betrügenden Politiker wie auch immer verteidigt ist einer Demokratie unwürdig. Das ist der eigentliche Skandal.

  17. Sundaro sagt:

    @ EuroTanic:

    Da sagst es: wir haben die Politiker, die wir verdienen!
    Ist jemand erst einmal zur “Lichtgestalt” überhöht (offenbar gibt es da immer noch großen Bedarf!), kann er noch soviel Dreck ansammeln und betrügen – seine Fans bringen offenbar genügend Selbstbetrug, um selbst im dunkelsten Arschloch noch das Licht am Ende des Tunnels zu sehen!
    Guttenberg – Berlusconi – wer sich so etwas nicht nur bieten lässt, sondern sogar noch gut findet, braucht sich später über nichts zu beklagen!

  18. Clas Lehmann sagt:

    Moin, moin!

    Ich habe hier leider keinen Ton, aber wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, beschreibt dieses Lied auch einen Teilaspekt…

    http://www.youtube.com/watch?v=jlk0ieS2FMI

    Ob wir sie verdíenen, diese Politiker? Verantwortlich damit umgehen müssen wir.

    Gruß Clas

  19. Sundaro sagt:

    @ Clas Lehmann:

    Noch besser passt einanderes R. Mey-Lied: Zeugnistag!

    http://www.youtube.com/watch?v=Y0WGUzhs2Vk&feature=related

    Offenbar kennt auch Merkel diesen Song und kommt nur ihrer Mutterrolle nach, indem sie sich hinter Gutti-Bad-Boy stellt.

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