Verzweifelt gesucht: die Realität

Unsere Wirklichkeit ist nichts Gegebenes, sie ist im besten Fall ein Rätsel. Und, glaubt man grossen Philosophen, ein fast unlösbares. Wenn wir nach ihr suchen, finden wir, wie in einem Spiegel, immer wieder uns selbst. Ein Streifzug durch die Welten der Spiritualität, Wissenschaft, Filme und Computerspiele zeigt: Wir interpretieren, verzerren, ja erschaffen andauernd, was wir wahrzunehmen glauben. (Roland Rottenfußer)

Wirklich wahr: In Orleans, im Frühling 1969, war die Bevölkerung im Aufruhr. Es zirkulierte ein Gerücht, das niemanden unberührt lassen konnte: Einige Damenmodegeschäfte der französischen Stadt waren in den Mädchenhandel verwickelt. Kundinnen wurden in den Ankleideräumen überwältigt und betäubt. Durch unterirdische Gänge wurden sie ans Ufer der Loire gebracht und von dort nach Übersee verschifft. 28 Frauen galten als vermisst. Ihr grausiges Schicksal: erzwungene Prostitution. Am 31. Mai rottete sich eine entrüstete Menschenmenge vor den Geschäften zusammen. Die Ladenkette hatte wegen der dort verkauften Miniröcke ohnehin ein anrüchiges Image. «Erschwerendۚ» kam hinzu, dass die Besitzer Juden waren – auch im Frankreich der Nachkriegszeit scheinbar ein Problem. Pogromstimmung lag in der Luft. Die Polizei konnte mit Mühe eine Eskalation verhindern. Sie wunderte sich über die Macht dieses Gerüchts, denn sie kannte die Fakten: Keine einzige Frau wurde in Orleans vermisst – geschweige denn 28.

Dem Gerücht lag, wie sich herausstellte, nicht einmal ein Hauch von Wahrheit zugrunde. Niemand weiss, woher die Lüge ursprünglich kam, aber sicher ist: Sie entfaltete mehr Macht als manche Wahrheit. Die Erfindung wurde zu einer alternativen Wirklichkeit. Dieses Fallbeispiel stammt aus Paul Watzlawicks Buch «Wie wirklich ist die Wirklichkeit?». Der Kommunikationswissenschaftler entlarvt darin die Realität als menschliches Konstrukt. Er will zeigen, «dass der Glaube, es gäbe nur eine Wirklichkeit, die gefährlichste all dieser Selbsttäuschungen ist; dass es vielmehr zahllose Wirklichkeitsauffassungen gibt, die sehr widersprüchlich sein können, die alle das Ergebnis von Kommunikation und nicht der Widerschein ewiger, objektiver Wahrheit sind.»

Aber welche Wirklichkeit ist gemeint? Während die Geschichte mit dem Mädchenhandel offensichtlich gelogen war, sind einige Tatsachen doch unumstösslich. Die Existenz der betreffenden Boutiquen, der Stadt Orleans oder der Loire kann z.B. niemand bezweifeln. Hier hilft Watzlawicks Unterscheidung zwischen Wirklichkeiten erster und zweiter Ordnung. Wirklichkeitsaspekte, die sich auf die physische Realität oder auf überprüfbare Fakten beziehen, nennt er «Wirklichkeiten erster Ordnung». Die Bedeutung oder den Wert, die Menschen einem Gegenstand beimessen, nennt er dagegen «Wirklichkeit zweiter Ordnung». Ein Beispiel: Man kann die Entfernung vom Mond zur Erde objektiv messen (erste Ordnung); was der Mond einem romantischen Liebespaar bedeutet, bleibt dagegen subjektiv (zweite Ordnung).Watzlawicks Buch ist wertvoll, argumentiert aber nur innerhalb bestimmter Grenzen. Es untersucht menschliches Verhalten, Beziehungen und Kommunikation. Die scheinbar objektive Dingwelt wird nicht in Frage gestellt. Aber wie wirklich sind Wirklichkeiten erster Ordnung? Wie wirklich ist z.B. der Tisch, auf dem ich dies schreibe?

Hinter dem herkömmlichen Begriff der Wirklichkeit steht die Idee, es gäbe so etwas wie ein «Ding an sich». Der Philosoph Immanuel Kant prägte diesen sperrigen Begriff. Setze ich z.B. eine dunkle Sonnenbrille auf, erscheint der Himmel düster; setze ich die Brille ab, sehe ich: an sich ist er blau und strahlend. Unser Bewusstsein verzerrt die Realität durch allerlei Fehler der Wahrnehmung. Ja Kant behauptet sogar, dass wir ausserstande sind, das «Ding an sich» zu erkennen. Es liegt also nicht nur daran, dass einige zu dumm sind, die Wahrheit zu begreifen; unser Geist ist so beschaffen, dass wir das grundsätzlich nicht können.

Betrachten wir z.B. die schöne lachsfarbene Rose vor mit auf dem Tisch und fragen: Was an ihr ist Erscheinung, und was ist «Rose an sich»? Nicht zum Wesen der Rose gehören:

- ihr Name, der beruht auf kultureller Übereinkunft. Auf Chinesisch heisst die Rose «méiguī».
- mein Gefühl der Rose gegenüber: Ich finde sie schön, das muss nicht für jeden gelten.
- die Absicht, die ich mit ihrem Kauf verband (ich kaufte einen Strauss für meine Frau, eine Blume landete dann auf meinem Schreibtisch).
- die Symbolik der Rose (z.B. Dornen = Liebesschmerz), die kann kulturell verschieden sein.
- Erinnerungen, die jemand mit ihr verknüpft. Wer als Kind gestochen wurde, mag sie vielleicht nicht.
- Kulturelle Assoziationen (das Märchen «Dornröschen», die Kitschserie «Rote Rosen»).
- ihre Farbe: Diese wird von Blinden gar nicht, von Farbenblinden anders wahrgenommen.
- ihre Grösse: Ein Elefant beurteilt sie anders als eine Ameise.

Zieht man diese (und andere) Faktoren ab, die nicht ihr Wesen ausmachen, was bleibt von der Rose übrig? Am objektivsten scheint noch ihre Form zu sein. Aber auch die kann verschieden wahrgenommen werden. Für den Blinden ist die Rose nichts als Duft; für die Fliege im Zimmer ein riesiger Baum; der Boxer streift mit seinem dicken Handschuh über sie, ohne die zarte, kühle Beschaffenheit der Blütenblätter zu spüren. Die Rose an sich? Es mag sie geben, aber sie gleicht einen Kern, den man nach und nach freilegen muss wie das innerste Figürchen einer russischen Puppe. In dem philosophischen Hollywoodfilm «The Matrix» sagt Morpheus: «Wie definiert man Wirklichkeit? Wenn du darunter verstehst, was du fühlst, was du riechen, schmecken und sehen kannst, dann ist Wirklichkeit nichts weiter als elektrische Signale, interpretiert von deinem Verstand.» Reduziert auf «elektrische Signale», bleibt von der Rose noch weniger übrig als wir anfangs dachten.

Ein berühmtes Modell unserer Wirklichkeitswahrnehmung ist Platons «Höhlengleichnis»: Menschen sind von Kindheit an so an Stühle gefesselt, dass sie weder Kopf noch Körper drehen können und immer an die gegenüberliegende Höhlenwand starren müssen. Hinter ihrem Rücken brennt ein Feuer. Zwischen dem Feuer und den Menschen werden verschiedene Gegenstände vorbei getragen, die als Schatten auf die Wand vor ihnen fallen. Die Gefangenen kennen keine andere Welt als diese Schatten und halten sie daher für die einzige Wirklichkeit. Würde sich einer der Menschen befreien und die dreidimensionale, farbige Realität sehen, so würde er sie vielleicht für unwirklich halten und verstört auf seinen Platz zurückkehren. Nur starke Charaktere könnten die Wahrheit aushalten. Sie würden erkennen, dass ihr bisheriges Leben Täuschung war und versuchen, ihre Leidensgenossen aufzurütteln. Wie bestimmte erleuchtete Propheten in der Geschichte, würden sie von der dumpfen Masse verspottet werden.

Für Platon ist das Höhlengleichnis ein Bild unserer realen Situation als Menschen. Was wir wahrnehmen können, ist ein Schattenspiel, das von einer transzendenten, «wirklicheren Wirklichkeit» erzeugt wird. Auch Platon geht also davon aus, dass hinter der Scheinwelt eine «wirkliche» Welt steht, ein «Ding an sich». Sie wird sorgfältig vor uns verborgen, aber mit etwas gutem Willen können wir sie vielleicht schon jetzt sehen. Manche glauben auch, wir werden sie erst im Jenseits sehen, im «Reich Gottes». Paulus schrieb im Brief an die Korinther: «Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht.»

Im Film «The Matrix» erscheint die Frage nach der Wirklichkeit im modernen Gewand. Im Blockbuster der Brüder Wachowski (1999) begegnet Neo, der Held der Geschichte, einem Guru namens Morpheus. Dieser klärt ihn darüber auf, dass die Welt, die er bisher gekannt hatte, nicht real ist. «Du siehst aus wie ein Mensch, der das, was er sieht, hinnimmt, weil er damit rechnet, dass er wieder aufwacht», sagt Morpheus. «Ironischerweise ist das nahe an der Wahrheit.» Die Szene, in der Neo «eingeweiht» wird, wirkt wie die Beschreibung einer spirituellen Suche. Sie mündet konsequenterweise in ein Erwachen. Der unscheinbare «Bürohengst» Neo hat seinen Lehrer jahrelang gesucht, getrieben von einem diffusen Unbehagen an der Wirklichkeit. Irgendetwas an der Welt, die ihn umgab, erschien ihm nicht echt, und er hatte Recht. «Es ist eine Scheinwelt, die man dir vorgaukelt, um dich von der Wahrheit abzulenken», klärt Morpheus auf. «Welche Wahrheit?» «Dass du ein Sklave bist.»

In den «Matrix-Filmen» ist die Welt, die wir Realität nennen, eine computergenerierte Traumwelt. Sie wurde von seelenlosen Robotern geschaffen, um die Menschen unter ihrer Kontrolle zu halten. Die «wirkliche Wirklichkeit» sieht, wie eine drastische Filmsequenz zeigt, ganz anders aus: In einer vom Atomkrieg zerstörten Welt dienen menschliche Körper den Maschinen als Energielieferanten. Sie verdämmern ihr ganzes Leben in Wannen mit einer Nährflüssigkeit. Die «Matrix» als Ablenkungsprogramm wird in ihre Gehirne eingespeist und hindert die Gefangenen, sich ihrer wahren Situation bewusst zu werden. Die Welt, wie wir sie kennen, lautet die provokante These, ist die Matrix, ist Schein. Der Film hat natürlich eine starke politische Botschaft: Auch unsere Machthaber gaukeln der Masse eine Scheinwelt vor, um sie ausbeutbar zu machen.

Darüber hinaus erinnert die Botschaft des Films auch an das Konzept der «Maya». So nannten die hinduistischen Weisen unsere flirrende Scheinwelt der tausend Formen. Sie betonten, dass es Aufgabe des spirituellen Suchers sei, die Scheinhaftigkeit dieser Welt zu durchschauen und durch Meditation zur Wahrheit durchzudringen. Hermann Hesse hat die Maya-Philsophie unvergesslich in seinem Roman «Das Glasperlenspiel» beschrieben. Der Jüngling Dasa begegnet einem im Wald lebenden Yogi. Er berichtet ihm von seinem bisherigen Leben, das von Liebeslust, Kämpfen und Leiden bestimmt war. Der Weise lächelt daraufhin nur, schüttelt den Kopf und sagt: «Maya, Maya!» Hesse schreibt weiter: «Alles war in dieses alten Yogin Augen Maya, war etwas wie eine Kinderei, ein Schauspiel, ein Theater, eine Einbildung, ein Nichts in bunter Haut, eine Seifenblase, war etwas, worüber man mit einem gewissen Entzücken lachen und was man zugleich verachten, keinesfalls aber ernst nehmen konnte.»

Auch die These, die Wirklichkeit sei ein Traum, ist oft geäußert worden. Der Träumende ist der festen Überzeugung, dass sein Traum real ist. Der Erwachte weiss jedoch: Alles, was im Traum erscheint – Orte, Gegenstände, Personen – existiert nur im Bewusstsein des Träumers, wurde also von ihm erschaffen. Warum aber sollte das, was wir im Wachbewusstsein sehen, realer sein als die Welt unserer Träume? «Hattest du schon einmal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien?», fragt Morpheus in «The Matrix». «Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst? Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität?» Eine irritierende Frage. Was, wenn das ganze Leben eine Traum wäre, und der Tod (oder die Erleuchtung) unser Erwachen?

Die moderne Wissenschaft geht noch einen Schritt weiter. Die Quantenphysik hat die Idee eines «Ding an sich», einer objektiven Realität hinter unseren Wahrnehmungen, inzwischen verworfen. Experimente haben gezeigt, dass Elektronen keine «kleinen Kugeln», sondern wolkige Gebilde sind, für deren Aufenthaltsort man nur Wahrscheinlichkeiten angeben kann. Erst im Moment des Beobachtens und Messens durch ein wahrnehmendes Bewusstsein «entscheidet» sich das Elektron für eine bestimmte Position. Die Aufregende Schlussfolgerung: «Das Universum scheint ohne einen Betrachter nicht zu existieren» (Dr. Alan Wolf). Der Physiker und Philosoph Amit Goswami glaubt sogar, «dass alles (einschliesslich der Materie) im Bewusstsein existiert und vom Bewusstsein her manipuliert wird.»

Wie kann man sich das vorstellen? Ist es etwa so, dass der Tisch, auf dem mein Computer steht, nicht mehr existiert, sobald ich meine Augen schliesse? Die Wahrheit liegt wohl zwischen den Extremen: Der Tisch befindet sich, wenn ihn niemand wahrnimmt, in einem Schwebezustand zwischen Existenz und Nicht-Existenz, genannt «Potenzialität». Der Physiker Hans-Peter Dürr erklärt dies so: «Das Wesentliche der Potenzialität ist, dass sie nicht (dingliche) Realität ist. Sie enthält nur eine Kann-Möglichkeit einer Realisierung.» Im Schöpfungsvorgang treffen wir also eine Auswahl aus einem unendlichen Feld von Möglichkeiten. Trotzdem ist es nicht willkürlich, was erscheint, wenn wir die Augen öffnen. Die Realität besitzt eine relative Verlässlichkeit, und ziemlich sicher werde ich diesen Tisch morgen in derselben Weise «erschaffen» wie heute. Dies ist, so Dürr, die Natur unserer gesamten Wirklichkeit: Potenzialität, die auf Grund von Wahrscheinlichkeit zur Realität gerinnt.

Zur Veranschaulichung hier ein Beispiel aus der Welt der Computerspiele: Beim Fantasy-Spiel «World of Warcraft» wandert der Spieler durch eine virtuelle Landschaft, Azeroth genannt. Er sieht aber niemals das gesamte Land gleichzeitig, sondern nur einen Ausschnitt. Mit dem Weiterwandern der Spielfigur baut sich der Hintergrund mit Bergen, Wolken und Gebäuden schrittweise auf. Wo sind in der Zwischenzeit die anderen Bestandteile von Azeroth? Sie befinden sich im Zustand der Potenzialität und können, je nach Wahl des Spielers, nach und nach in die Existenz treten. Wendet sich der Spieler ab, «versinken» vorher sichtbare Landschaften wieder in die Potenzialität. Aber: Die Macht des Spielers/Schöpfers ist begrenzt. Er kann nur erschaffen, was programmiert wurde. In «World of Warcraft» kann man z.B. Zwerge und Untote ins Leben rufen, nicht jedoch Feen. In der «richtigen» Realität sind die Möglichkeiten weniger beschränkt, weil das «Spiel» ungleich grösser angelegt ist. Mit diesem Beispiel kommen wir dem Geheimnis der Wirklichkeit auf die Spur: Wahrnehmen heisst Erschaffen, und Erschaffen heisst Auswählen aufgrund vorgeprägter Wahrscheinlichkeiten. Manchmal, wenn auch selten, kann das Unwahrscheinliche gesehen bzw. erschaffen werden. Das nennen wir dann «Wunder».

Überspitzt könnte man sagen: Es gibt eine Wirklichkeit, nicht aber eine Realität. Hinter «Realität» steckt der lateinische Wortstamm «res» (= Ding). Ein Ding aber gibt es eigentlich gar nicht. Vielmehr besitzt das Universum die Struktur von Feldern, Beziehungsmustern, Möglichkeiten. Wirklich ist die Einheit all dessen, was existiert; unwirklich ist unsere Wahrnehmungsweise, die das Eine in getrennte «Gegenstände» zerlegt. Viel treffender ist dagegen der Begriff «Wirklichkeit». Etwas «wirkt» (erscheint) schön, gross oder wahr. Dies setzt eine aktive Mitarbeit des wahrnehmenden Bewusstseins voraus. Ausserdem hat das Verb «wirken» einen dynamischen Charakter. Etwas «wirkt» auf etwas anderes ein, nimmt darauf Einfluss, erschafft es. Wirklichkeit gibt es nicht als Ansammlung von Dingen, sondern als Muster von Beziehungen in Bewegung.

Vielleicht meint der Buddha etwas ähnliches, wenn er sagt: «Leer ist die Welt». Wo versteckt sich also, nach allem, was wir gehört haben, die «Rose an sich»? Sie gleicht eher dem, was von der Zwiebel bleibt, wenn man alle Schalen nach und nach entfernt. «Aber da bleibt ja gar nichts!» Eben.

(Dieser Artikel erschien erstmals im Schweizer Magazin «Der Zeitpunkt», www.zeitpunkt.ch)

12 Kommentare zu „Verzweifelt gesucht: die Realität“

  1. Sundaro sagt:

    Einen so komplexen Zusammenhang so verständlich und gleichzeitig lebendig zu beschreiben – Respekt!
    Und Dank!

    Es hat schon etwas Tröstliches, zu wissen, dass wir alle Nichts sind – aber große Wirkung haben können! ;-)

  2. Charlie sagt:

    Bei aller Liebe: Ich halte das für absurden, esoterischen, groben Unfug. Das Universum hält sicherlich noch viele Überraschungen für uns (und möglicherweise auch viele andere Lebewesen) bereit, aber es bedarf ganz sicher keiner menschlichen Gehirne oder deren Vorstellungskraft, um “dinglich” zu existieren. Eine solche Vorstellung überhöht das kleine menschliche Sein in eine groteske Dimension, in die es – als schlichter Teil der kleinen, irdischen Biologie – nicht gehört.

    Die Rose bleibt immer eine Rose – ganz egal, was unterschiedliche menschliche oder tierische Individuen auch in ihr sehen oder mit ihr verbinden mögen. Der zitierte Film “Matrix” macht das meines Erachtens auch sehr deutlich – denn es ist vollkommen egal, wie die handelnden Personen sich entscheiden: Die “objektive Realität” bleibt immer dieselbe – ganz egal, ob sie wahrgenommen wird oder nicht. Es ist nicht das Problem der Realität, sondern der einzelnen Personen, ob sie der Illusion erliegen oder aber die Realität erkennen.

    In diesem Zusammenhang (besonders in Bezug auf religiöse Varianten des Themas) sei auf Oskar Salas Vertonung eines Textes von Jean Paul verwiesen, die das, wie ich finde, ziemlich genial zum Ausdruck bringt: “Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei”. Angehört und/oder heruntergeladen werden kann das Werk hier:

    http://soundcloud.com/swooshy/oskar-sala-rede-des-toten

    Ich finde es immer wieder erschreckend, etwas so Großes, so Unfassbares wie das Universum auf menschliche Gehirne reduziert zu sehen. Die Menschheit auf diesem Planeten ist – aus kosmologischer Sicht – nichts als eine kleine Randnotiz, ein kurzes Atemhauchen, das in den kosmologischen Zeitmaßstäben einem Augenaufschlag entspricht, bevor es wieder in der Tiefe des Nichts verschwunden sein wird. Das Universum hat lange vor der Menschheit exisitiert und wird dies auch danach noch lange tun – und es ist ihm egal, was sich in der kurzen Zwischensequenz der menschlichen Existenz irgendwelche Gehirne dazu überlegt oder welche Gottheiten sie sich ausgedacht haben mögen.

    Vielleicht bräuchte es einen zweiten Galileo: Das Universum dreht sich nicht um den Menschen bzw. um seine Wahrnehmung – sondern der Mensch ist ein vollkommen belangloser, zeitlich kaum wahrnehmbarer Teil des Universums, das auch ohne Menschen nicht anders wäre.

    Solche Gedanken machen Angst, keine Frage … und da bleibe ich beim oben verlinkten Text von Jean Paul, der seinen Protagonisten nach der “Höllenfahrt der Erkenntnis” sagen lässt: “Meine Seele weinte vor Freude, als ich erwachte … und als ich aufstand, glimmte die Sonne tief hinter den vollen und purpurnen Kornähren und warf friedlich den Widerschein ihres Abendrotes dem kleinen Monde zu … und zwischen dem Himmel und der Erde streckte eine frohe, vergängliche Welt ihre kurzen Flügel aus.”

    Was im obigen Text ein Traum ist,, ist unsere Realität – wir sollten also tunlichst nicht erwachen, um der Höllenfahrt zu entgehen und weiter den trügerischen friedlichen Abendsonnenschein genießen zu können.

  3. Jakester sagt:

    Nur ein Beispiel zu diesem Unsinn: “Ist es etwa so, dass der Tisch, auf dem mein Computer steht, nicht mehr existiert, sobald ich meine Augen schliesse? Die Wahrheit liegt wohl zwischen den Extremen: Der Tisch befindet sich, wenn ihn niemand wahrnimmt, in einem Schwebezustand zwischen Existenz und Nicht-Existenz, genannt «Potenzialität».” …

    Nachdem du die Augen schliesst, knallst du deinen Unterarm mit voller Wucht in Richtung der <>/Tischkante und wirst feststellen, das auch im Schwebezustand heftige Schmerzen durchaus existieren.

    Auch ansonsten ist dieser Beitrag total verschraegt, areal und unwirklich.

  4. Roland Rottenfußer sagt:

    Die Kommentatoren Charlie und Jakester argumentieren hier aus einer Position des “gesunden Menschenverstands” heraus. In meinem Alltag erlebe ich die Wirklichkeit genauso. In der Quantenwelt muss man sich allerdings umgewöhnen, weil vieles, was man für “normal” und “logisch” hält, einfach nicht mehr gilt. Physiker beschäftigen sich tatsächlich mit Fragen wie: “Ist ein Gegenstand überhaupt noch da, wenn ihn niemand mehr wahrnimmt?” Siehe z.B. das Paradox von “Schrödingers Katze” (nachzulesen bei “Wikipedia”). Empfehlenswert ist auch das Buch “Das bewusste Universum” von Amit Goswami (Physiker, kein Esoteriker). Das Argument, dass ein Tisch objektiv vorhanden sein muss, weil ich mich an ihm stoße, sticht nicht. Ob ich etwas sehe, höre oder spüre – es könnte mit dem Wahrnehmungsvorgang aus der Potenzialität in die Existenz treten.

    Übrigens mag auch ich es nicht, wenn in seichten Esoterik-Büchern schlicht behauptet wird: “Wir erschaffen uns unsere Wirklichkeit selbst”, einfach, weil man das glauben will, nicht weil man von Physik eine Ahnung hat (siehe etwa das Buch “The Secret”). Das suggeriert eine beliebige Formbarkeit der Wirklichkeit durch unseren Geist, vor allem die Formbarkeit unseres Lebens, unserer Beziehungen, unseres Bankkontos usw. Daraus resultiert oft die Beschimpfung derer, denen es schlecht geht nach dem Motto: “Wer arm ist, hat sich Reichtum nur nicht intensiv genug vorgestellt.”

    Der Einzelmensch ist alles andere als allmächtig, und die Bandbreite dessen, was er wahrnehmend von der Potenzialität in die Realität überführen kann, ist sehr begrenzt. Andererseits ist Geringschätzung des Menschen (“wir sind so klein im riesengroßen Weltraum”) nicht angemessen. Gegenüber der Mikrowelt sind wir Giganten. Durch uns kann sich das Universum wahrnehmen, kann über sich nachdenken, kann sich selbst lieben. Die Erde ist klein, aber wir wissen nicht, wie viele wahrnehmungsfähige Wesen es im Universum gibt. Vielleicht ist es so: Alle wahrnehmungsfähigen, mit Bewusstsein ausgestatteten Wesen zusammen erschaffen das Universum, indem sie es aus der Potenzialität in die Realität rufen.

    Ein “totes” Universum ohne wahrnehmende Wesen hat es vielleicht nie gegeben. Es gab immer zumindest einen, der wahrnahm: der “große, überpersönliche Geist” oder “Gott” oder “die letzliche Wirklichkeit” (buddhistisch) oder “Haqq” (islamisch). Und Gott “fasst weder Schlaf noch Schlummer” (Koran). Das ist letztlich eine Glaubensfrage, aber Weltentstehungstheorien ohne Gott erscheinen mir noch viel unwahrscheinlicher. Vielleicht erschafft Gott wahrnehmend durch uns, sieht das Universum gleichsam durch unsere Augen, hört es durch unsere Ohren usw. Damit relativiert sich auch der Vorwurf, der Mensch wolle sich selbst eine übermäßige, gottähnliche Bedeutung zuschreiben. Er ist ja eher nur ein “Kanal”.

    Ich weiß, das alles ist sehr schwer zu fassen. Ich behaupte nicht, dass ich alles verstanden habe. Mit jeder (versuchten) Antwort stellen sich neue Fragen.

    Zum Schluss, um die Verwirrung komplett zu machen, noch das “Harry Potter”-Paradoxon:
    Harry: “Ist das hier real, oder findet es nur in meinem Kopf statt?”
    Dumbledore: “Es findet zweifellos in deinem Kopf statt. Aber was führt dich zu der Annahme, dass es deshalb nicht real wäre?”

    (Roland Rottenfußer)

  5. Jakester sagt:

    Ich will jetzt nicht allzu real und dadurch ‘unfreundlich, gar trollig wirken.

    ZB. “Durch uns kann sich das Universum wahrnehmen, kann über sich nachdenken, kann sich selbst lieben.”

    “Ein “totes” Universum ohne wahrnehmende Wesen hat es vielleicht nie gegeben.”

    Danach ist dann Gott dran (me Atheist) …. und zum Abschluss gibts Harry Potter/Dumpledore.

    Noe danke, mein erster&letzter LSD-Trip war Mitte/’80.

    Jake

  6. Clas Lehmann sagt:

    Moin, moin,

    hier scheint mir zu passen, aus dem Gedächtnis, von Christian Morgenstern:

    Der Meilenstein

    Tief im dunklen Walde steht er
    und darauf mit schwarzer Farbe
    dass des Wanderers Geist nicht darbe:
    23 Kilometer.

    Seltsam ist, und schier zum lachen,
    dass es diesen Text nicht gibt,
    wenn es keinem Blick beliebt,
    ihn durch sich zum Text zu machen.

    Und noch weiter vorgestellt:
    Was wohl ist er, ungesehen?
    Ein uns völlig fremd Geschehen…
    Erst das Auge schafft die Welt.

    Gruß Clas

  7. Charlie sagt:

    Lieber Roland, Du hast meinen Kommentar leider missverstanden, wenn Du meinst, er sei aus der Position des “gesunden Menschenverstandes” – also aus der Sicht der reinen Logik – geschrieben. Falscher könntest Du kaum liegen.

    Als Geisteswissenschaftler mit einem gewissen Hang zur Kosmologie bin ich wohl eher der gegenteilige Typus zum naturwissenschaftlichen Logiker. Daher auch mein Verweis auf Sala und Jean Paul. Fragen bleiben da wohl nicht offen, oder?

    Dein Verweis auf die Physik ist indes nicht schlüssig – denn natürlich gibt es auch unter Physikern (wenn auch nur vereinzelt) Esoteriker. Beispielhaft sei da Frank Tipler genannt, der ein Buch mit dem Titel “Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten” geschrieben hat, in dem er allen Ernstes behauptet, den mathematischen Beweis für die Existenz Gottes und die Auferstehung aller Menschen nach dem Tode geführt zu haben. Nach der Lektüre dieses Buches war ich indes immer noch Atheist – auch wenn ich einige Gedankengänge durchaus sehr interessant fand.

    All diesen Ansätzen liegt aber eine vollkommene, maßlose Erhöhung des Menschlichen zugrunde, die ich einfach nicht teilen kann. Ich habe dazu in meinem Blog eine Dokumentation über das bisherige menschliche Wissen über das Universum gepostet, die das verdeutlicht: Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, das Universum, das so ungleich viel älter ist als der Mensch und so ungleich viel länger existieren wird als der Mensch (unsere Zeitvorstellungen sind unzureichend, um sich das wirklich vorzustellen), habe auch nur entfernt irgendetwas mit eben dieser menschlichen Randexistenz zu tun?

    Um diese Dimension zu verdeutlichen, stelle man sich vor: Ein Mensch, der 90 Jahre alt wird, wird irgendwann in seinem Leben, vielleicht als 45jähriger, von einer Mücke gestochen. Das entspricht der kosmologischen Dimension der Existenz der Menschheit. Niemand käme auf den absurden Gedanken, diesem Mückenstich irgendeine tiefergehende Bedeutung für das Leben dieses Menschen zuzusprechen.

    Es kommt hinhu: Wir “kennen” nur einen winzigen Teil des Universums – von einer wirklichen “Wahrnehmung” will ich da gar nicht sprechen. Es kommen immer wieder neue Teile dazu, aber es bleiben Fragmente. Wie kann man da auf den Gedanken kommen, der Rest existiere nicht, weil wir ihn nicht wahrnehmen? Manche Teile entpuppen sich auch (vielleicht nach Jahrhunderten) als Falschwahrnehmung (wie z.B. die Frage, ob sich die Erde um die Sonne oder die Sonne um die Erde dreht) – wie ist dies dann zu bewerten? Hat sich die Sonne tatsächlich mal um die Erde gedreht, nur weil viele Menschen das lange glaubten?

    Es tut mir leid, aber diese ganze esoterisch-religiös erhöhte Glaubensfrage hat nichts, aber auch gar nichts mit unserer Wirklichkeit zu tun. Die Natur – und damit meine ich das ganze Universum – kratzt es nicht, ob es Menschen gibt oder nicht – es tut einfach weiterhin das, was es seit Anbeginn des Universums getan hat: Es dehnt sich aus und zieht sich vielleicht irgendwann auch wieder in sich zusammen, um neu zu beginnen. Den Mückenstich der menschlichen Existenz bemerkt es in dieser Zeit vielleicht gar nicht – und wenn doch, ist es nur eine Sekunde in einem sehr, sehr langen Leben.

    So kann nur ein Atheist argumentieren, ich weiß. ;-) Ich bin allerdings der festen Überzeugung, dass wir auch den Kapitalismus und andere katastrophalen Glaubensdinge längst überwunden hätten, wenn wir endlich den uns angemessenen Platz in der Historie des Universums eingenommen und akzeptiert hätten.

    Die Kosmologie lehrt uns vor allem eines: Demut. Dies ist ein Wort, das unsere Zeitgenossen der neoliberalen Bande nicht einmal buchstabieren können.

  8. Roland Rottenfußer sagt:

    Ich hatte wohl Glück, dass Charlie und Jakester bestimmte Artikel von mir gar nicht erst entdeckt haben, sonst hätte ich mich auf noch schärfere Verrisse gefasst machen können ;-) Ich muss dazu sagen, dass Konstantin Wecker und ich dieses Webmagazin durchaus als ein Forum konzipiert haben, das Artikel über Politik, Kultur UND Spiritualität bringt (anfangs wurde das Magazin ja federführend von Annik Wecker betreut). Die Spiritualität ist, um Charlie und Jakester zu beruhigen, allerdings chronisch unterrepräsentiert, weil es so viele gute Artikel zu dem Thema im Internet gar nicht gibt. Und ich kann auch nicht alle selber schreiben. Es sind aber nur deshalb so wenige Artikel, weil ich sehr wählerisch bin. Das heißt, seichte, zu leichtgläubige oder gar rechte Esoterik kommen nicht in die Tüte, ebenso Dogmatismus und Guru-Kult.

    Inhaltlich möchte ich sagen: Man kann Atheisten viele positive Eigenschaften zuschreiben, u.a. Mut (weil sie ohne unbewiesene, spirituelle “Tröstung” auskommen) und den Widerstand gegen Bevormundung durch religiöse Autoritäten. Beides schätze ich. Zwei Dinge kann man m.E. von Atheisten aber nicht behaupten: 1. dass sie demütig sind, 2. dass sie ungläubig wären.

    Wer in sich selbst (im Menschen) die am weitesten entwickelte Lebensform im Universum sieht und in der Erde gar den einzigen Schauplatz, wo sich Bewusstsein entwickelt hat, ist nicht demütig. Selbst dann, wenn er hinzufügt, der Mensch sei ja so klein im riesengroßen Universum, und seine Lebensspanne sei so kurz im Vergleich zur Ewigkeit.

    Und wer überzeugt ist, dass es keinen Gott gibt, dass sich das alles also “von allein” entwickelt hat – die Bahnen der Planeten, Pflanzen, Tiere, der menschliche Körper, die Gefühle, der Geist -, der muss extrem gläubig sein. Ein Beispiel: Wenn ich einen Affen auf einer PC-Tastatur herumhacken lasse, wie wahrscheinlich ist, es, dass ein geordneter Text dabei herauskommt, z.B. ein Text von Jean Paul ;-) ? Tatsächlich ist es so gut wie unmöglich, es sei denn, es steckt ein planender, ordnender Geist dahinter. Selbst die primitivste Lebensform, etwa eine Amöbe, braucht zu ihrer Morphogenese aber mehr strukturierte Information als ein literarischer Text. Von einem Universum mit unzähligen komplexen Lebensformen zu schweigen.

    Atheismus ist nicht etwa die Abwesenheit von Glauben, sondern eine spezifische Glaubenslehre, und m.E. eine der skurrilsten. Wenn die Hindus z.B. meinen, es existiere eine Gottheit mit Elefantenkopf (Genesha), so halte ich das für unwahrscheinlich, aber nicht für völlig unmöglich. Wenn Materialisten dagegen behaupten, Leben habe sich von selbst entwickelt (wofür es Hilfsbegriffe wie “Mutation” oder “Selbstorganisation” gibt), dann ist das eine so fantastische Behauptung, dass mir die Anbeter Ganeshas vergleichsweise wie Realisten vorkommen.

    Ich gebe aber auch zu, dass die Pauschalantwort “Gott” nicht ganz befriedigt. Man hat sich im monotheitischen Kulturkreis auf dieses Wort als Chiffre für ein großes, unfassbares Rätsel geeinigt. In Wahrheit ist “Gott” eher ein Komplex von Fragen als eine Antwort. Welcher Gott genau? Und wie interagiert er mit der matieriellen Welt? Hier keine vorschnelle Antwort zu geben, wäre für mich “Demut”.

    (Roland)

  9. Jakester sagt:

    Da muss ich jetzt die Segel streichen.

    Du ueberfaehrst mich da mit einem, zugegeben, dehnbaren Kreationismus, welchen du schon in deinem letzten Kommentar hast anklingen lassen: “Das ist letztlich eine Glaubensfrage, aber Weltentstehungstheorien ohne Gott erscheinen mir noch viel unwahrscheinlicher.”

    Ich bin, wovon du anfaenglich ausgehst, nicht zum Verreissen hier, … i just dropped in …

    Gehe ich von deiner, nahezu aggressiv verfochtenen Ueberzeugung aus, verstehe ich dies durchaus. Einem gigantisch religioesen Potential muss man ja nicht unbedingt die Tuer vor den Schaedel knallen.

    Aus meiner Sicht balanzierst du damit am Grad zur Extreme, was schon an deinem heftigen, unterstellenden Stiefel gegen Atheisten leicht erkennbar wird. (selbst die Genesha sind realistischer)
    Eine gar goettliche, auf Glauben basierende Arroganz.

    “Atheismus ist nicht etwa die Abwesenheit von Glauben, sondern eine spezifische Glaubenslehre, und m.E. eine der skurrilsten.”

    Ich Glaube nicht, dass es keinen Gott(großes, unfassbares Rätsel, .. In Wahrheit eher ein Komplex von Fragen als eine Antwort. …. etc. …) gibt, ich Weis es.

    Deine unnachgiebig, denunzierende Glaubensdiktatur hat mich mal wieder ueberzeugt mich besser nicht mit Glauebigen anzulegen.
    Geschichte und Gegenwart lassen mir nicht allzuviel friedlichen Spielraum in diesesm brutalen Monopol. …. and i Love Freedom.

    Solltest du meinen Beitrag als uebertrieben betrachten, geh einfach nochmal durch deine Kommentare/etc. .
    Fuer derart ‘Voodoo hab ich rein gar nichts uebrig!

    Jake

  10. Charlie sagt:

    Lieber Roland, auch wenn Du es aus mir unbekannten Gründen konsequent vermeidest, mich direkt anzusprechen und stattdessen offenbar lieber in der dritten Person mit mir kommunizierst, muss ich meinem Vorredner zustimmen: Ich lese dieses Blog nicht, um “Verrisse” zu posten, sondern weil ich es informativ und interessant finde – es befindet sich ja nicht zufällig in meiner Linkliste.

    Wenn ich nun erstmalig Kritik an einem Deiner Texte geäußert habe, hatte das konkrete, bereits benannte Gründe, und darin sehe ich nun wahrlich nichts Verwerfliches. Die in Rede stehende Thematik kann (und soll) kontrovers diskutiert und gesehen werden – es wäre geradezu fatal, wenn bei einem Thema wie “Spiritualität” (das für mich ein euphemistisches Ersatzwort für “Religion” ist) keine weit auseinander driftenden Meinungen existierten.

    Eine Richtigstellung muss ich aber noch loswerden: Ich habe deutlich gemacht, dass ich den Menschen gerade NICHT als höchste entwickelte oder gar einzige Lebensform mit Bewusstsein im Universum ansehe. Ersteres unterstelle ich ja gerade den Anhängern der Esoterik, die das menschliche Sein in eine “universelle” Dimension überhöhen, in der es völlig deplatziert ist.

    Es ist allerdings richtig, wenn Du den Atheismus ebenfalls als eine Form des Glaubens kategorisierst – denn letztendlich kann niemand von uns mit Gewissheit sagen, ob es nicht doch einen alten, bärtigen Mann im Himmel oder irgendein anderes göttliches Wesen im Hintergrund gibt, der/das unsere Geschicke leitet. Es ist eben eine Glaubens- und eine Indizienfrage. Und nicht zuletzt ist es die übliche Frage “Cui bono?” – Wer profitiert davon?

    Die Antworten muss sich jeder selbst geben, und es ist gut, dass dies so ist. Die Indizien aber, die sollten immer wieder kommuniziert und diskutiert werden, denn kaum ein anderes Gebiet ist so anfällig für Instrumentalisierungen durch interessengeleitete Gruppen wie die Religion. Und das ist nun alles andere als eine “vorschnelle Antwort”. :-)

  11. Roland Rottenfußer sagt:

    Lieber Charlie,

    mit allem einverstanden. Auch mit dem Punkt: Religionen wurden allzu oft für Herrschaftsinteressen instrumentalisiert. Ich muss dazu sagen: Ich diskutiere sehr gern auf diese Weise und bediene mich dabei der Stilmittel der Ironie, der Stichelei, sogar manchmal der Übertreibung. Ich sitze hier nicht geifernd vor Hass vor meinem Computer, sondern mit einem Schmunzeln. Und wenn mir jeder zustimmen würde, fände ich das bedenklich. Es würde es heißen, dass meine Artikel uninteressant sind, oder dass nur Ja-Sager den Blog lesen.

    Lieber Jakester,

    ich entschuldige mich, falls Du Dich durch meine Worte verletzt gefühlt haben solltest. Wie oben gesagt, habe ich ironisiert, gestichelt, übertrieben. Du hast das auch getan, aber es ist kein zureichender Grund, mich ebenso zu verhalten. Schließlich bin ich (angeblich) der Religiöse. Eine “Glaubensdiktatur” wollte ich keinesfalls errichten. Mir sind freiheitsliebende Atheisten allemal lieber als solche, die das tatsächlich wollen. Hier muss man einfach mal verschiedene Weltauffassungen nebeneinander stehen lassen. Ich biete Versöhnung an.

    Roland

  12. Jakester sagt:

    Die verlederten Wunden eines durchschnittlich verletzten Lebens, lassen sich durch triviale Worte im anonymen Cyberspace mit Sicherheit nicht mehr verletzen. … No Need for Excuse.

    “Wie oben gesagt, habe ich ironisiert, gestichelt, übertrieben. Du hast das auch getan, aber es ist kein zureichender Grund, mich ebenso zu verhalten.”
    Widerspruechlich? … oder hast du dich nur ungeschickt ausgedrueckt?

    “Schließlich bin ich (angeblich) der Religiöse.” …. Noe Noe, vom Glauben hat ichs … “Glaubensdiktatur” … Religioes ist, im Missbrauch, wesentlich Uebler .. und macht Es einen letztendlichen Unterschied??

    Versöhnung ?? … klar, von meiner Seite? … absolut … Unnotwendig!
    Aus religioes/glaubender Sichtweise mit Sicherheit nicht auch nur angedacht!

    Ich waere nur allzugerne in jeglichster Hinsicht mit Allem versoehnt.
    Dies ist, so dermassen speziell, in Bezug auf Glaube/Religion ueberhaupt gar keine Option.
    Da existiert kein Nebeneinander.

    Dazu traegst, gerade eben, auch du bei und dich mag ich noch, da du dich der Stilmittel der Ironie, der Stichelei, sogar manchmal der Übertreibung bedienst. … Danach kommt viel und wesentlich real Schlimmeres.

    Als ewige Gegebenheit nehm ichs hin und gar nicht mehr all zu Ernst(darf man denn Luegen) und vergebe dir(never) deinen, durch deines Gottes inducierten, Kampf gegen die Minderheit der Unglauebigen.

    Du musst und kannst mich weniger ernst nehmen wie ich dich, da du einen wesentlich groesseren Knueppel schwingst.
    Haette ich diesen Knueppel, wuerde ich …… aber das ist eine andere Geschichte :-)

    Jake

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