Die Wahrheit über Asylheime

Asylbewerber

Das Thema “Asyl” scheint heute nicht mehr auf der politischen Tagesordnung zu stehen. Die Lage hat sich auf einem niedrigen Niveau von Humanität stabilisiert, und man spricht nicht mehr darüber. Menschenrechtsverletzungen und Entrechtung in den Asylunterkünften gehen aber weiter – ebenso wie die Gründe, die Menschen immer wieder bewegen, ihre Heimat zu verlassen, nicht plötzlich verschwunden sind. Eindrücke und Reflexionen von Mazyar Rahmani und Nina Postweiler

Was unterscheidet den Mensch vom Menschen? Nationalität, Herkunft, Hautfarbe, Ausbildung, Familie und etc. sind Eigenschaften, wegen denen bisher viele Kriege geführt wurden und noch immer für viele Gründe, ihre Heimat zu verlassen zu müssen. Nun, in der schönen neuen Welt, in der Zeit der Globalisierung und Telekommunikation sehen wir weniger Kriege, was aber nicht heißt, dass es keine Diskriminierung gibt.

Jeder muss nur ein paar Schritte gehen und für einige Stunden ein Asylheim besuchen um die Definition von Ignoranz zu verstehen. Asylheim, ein Ort der Minderheiten, der Flüchtlinge, der vormals Andersdenkenden und der jetzigen Vernachlässigten. Anstatt ein Buch über Afrika, Mittelost, Südasien zu lesen, genügt es, dorthin zu gehen und sich z.B. zu einer Mutter setzen, deren Sohn vor ihren Augen geköpft wurde und deren Tochter irgendwo auf dem Fluchtweg zurückblieb. Man kann die Lebensgeschichte von einer Frau, deren Körper übersät Folter- und Brennspuren ist, hören.

Das Durchgangswohnheim von Karlsruhe sieht von außen gut aus. Natürlich darf kein Ort in einem so reichen Bundesland die Bürgeraugen optisch beleidigen. Wir überwinden unfreundliche Security und gehen hinein; dann sehen wir die vor sich hinstarrenden Kinder und Frauen, die sich zwar z.B. aus unerträglichen bzw. gefährlichen Umständen befreien konnten, hier aber in ganz neuen Katastrophen landeten. Das Familiengebäude stinkt furchtbar und Kinder spielen einfach überall. Ein Zimmer verfügt je nach Zahl der Familienmitglieder oder alleinstehender Personen über drei bis zwölf Betten. Es gibt einen kleinen Kühlschrank und eine Heizung. Jede Etage hat eine Toilette mit Bad, gemeinsam für die Frauen und Männer. Die meisten benutzen ihre eigene Seife, weil normalerweise keine da ist. Diese Kleinigkeiten hören sich vielleicht auf den ersten Blick nicht schlimm an aber sie nur zu hören ist etwas anderes als sie selbst zu erfahren und damit zu leben. Das Essen istnicht nur schlecht sondern es gibt davon auch noch so wenig, dass die meisten abgenommen haben. Normalerweise gibt es keine Kontrolle über den Zustand der Zimmer. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist deswegen sehr hoch.

Dank des Kapitalismus werden in den Industrienationen nur Rohstoffe von der dritten Welt gebraucht, nicht Menschen. Es gibt viele Leute aus Mittelost wie Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak usw. Jeden Tag wird eine riesige Menge Öl von Mittelost nach Europa transportiert. Deutschland und Frankreich profitieren jeden Tag mithilfe von Waffenlieferungen nach Afghanistan, Irak und Afrika, sie machenMilliarden Euro an Umsatz. Aber die Flüchtlinge aus diesen Ländern sind richtige Underdogs der westlichen Gesellschaften. Instabile Zustände in diesen Ländern verschaffen bessere Möglichkeiten, einerseits leichter und billiger an Öl zu kommen und anderseits mehr Geld durch Vernichtungsmittel zu verdienen. Viele Rohstoffe werden aus Afrika ohne Kontrollen verschifft. Menschen jedoch, die bspw. aus Sudan oder anderen Ländern kommen, werden nach 6 Monaten dorthin zurückgeschickt. Viele rechnen damit schon im Voraus, weil sie ahnen, dass ihre Probleme nicht für ein Asyl genügen werden. Trotzdem empfinden sie diese Situation als eine Möglichkeit , für kurze Zeit ein Leben mit Mindeststandards zu führen und vom Bürgerkrieg in europäische Länder zu fliehen, die beiden Seiten (sowohl den Massenmörderrebellen als auch den dreckigen Staaten) jedes Krieges in afrikanischen Ländern Waffen verkaufen.

Es ist weitverbreitete Meinung, dass viele ohne richtigen Grund fliehen, um von den Möglichkeiten in Europa zu profitieren. Ein dümmeres Argument gibt es nicht.
Erstens: Ja, natürlich geht jeder Mensch dorthin, wo er besser leben kann. Das ist nichts anderes als die Unternehmen , die in anderen Ländern Vorteile sehen und davon profitieren wollen. Jeden Tag werden viele neue Fabriken in den verschiedensten Orten der Dritten Welt gebaut und die Rohstoffe ausgebeutet um daraufhin die beschädigten Produktionsstätten zu verlassen und neue profitversprechende Orte aufzusuchen.
Zweitens: Vielleicht haben einige keine ausreichenden Gründe bei den diskriminierenden Gerichte der Industrienationen vorzuweisen, wie etwa politische Probleme und bedrohliche Situationen. Entschließt sich jedoch jemand dazu, z.B. mit einem Boot durch das Meer oder zu Fuß durch den Wald illegal zu fliehen, ist ganz bestimmt ein wichtiger sozialer Grund da. Vor 4 Monaten ist ein Boot, beladen mit mehr als 100 Flüchtlingen (die Mehrheit aus Afghanistan) nach Australien, mit gekentert. Vielen Frauen und ihren Kindern droht die Gefahr der Vergewaltigung auf der Flucht in andere Länder. Dies sind nur einige Beispiele neben der zusätzlichen Brutalität der Polizei, wenn sie eine Fluchtlinge festnehmen. Am schlimmsten soll die Polizei in der Türkei und in Griechenland sein. Einmal verhaftet ist die Chance auf Asyl gleich Null.

Trotz allem was erwähnt wurde, wagen viele die Flucht und haben bestimmt triftigere Gründe, als der bürgerliche Gedanke sich vorstellen kann und damit die Flüchtlinge gleichzeitig verurteilt.
Wenn die Flüchtlinge Glück haben, erreichen sie ihre Zielländer und dann fängt erst das bürokratische stressige Verfahren an, in dem es auch möglich ist, dass sie mangels Sprachkenntnissen oder nicht ausreichenden Kenntnissen für die Beantragung von Asyl ihre Chance verlieren. Ein Asylsuchender (auch in Karlsruhe bzw. Baden-Württemberg ) erzählte , dass ihm beim Interview direkt der Deportationsantrag vor gelegt wurde; ein anderes Mal wurde er zu seiner Konfession befragt. Alle müssen sich zu einer Religion bekennen, obwohl viele in ihren Ländern aus religiösen Gründen verfolgt werden. z.B. können Atheisten oder diejenigen, die sich vom Islam abgewendet haben , in Afghanistan, Iran oder Pakistan hingerichtet werden.

Die Asylsuchenden werden zudem schlecht behandelt und es gibt verhältnismäßig schlechte Zustände im Asylheim. Viele betrinken sich aus Angst, Nervosität und Enttäuschung und natürlich werden andere geärgert. Normalerweise macht die Security in diesen Fällen nichts; sieht sie jedoch ein „Vergehen“, wird es notiert, damit es gegen die Asylsuchenden bei ihrer Gerichtsverhandlung benutzt werden kann. Ein grob und platt verstehender Beamter wird natürlich sagen, dass sie selbst schuld sind. Wie so oft eine Verwechslung von Ursache und Folge. Jede hysterische Reaktion von einem Menschen der aus seiner Heimat geflohen ist, der sich auf der der langen Suche nach einem sicheren Ort zum leben befindet, und in einem übernervösen Zustand lange darauf warten muss, ist nachvollziehbar. Es muss sofort und unbedingt alle Möglichkeiten geben, den Flüchtlingen bzw. Asylsuchenden ein besseres Leben, auch im Durchgangsheim ein besseres Mindestleben zu ermöglichen. Es muss sofort dazu aufgefordert werden, Kontrollen über rechtliche Verfahren vom Asylsuchende einzuführen. Jeder Asylsuchende, der sich natürlich mit dem Prozess und auch der Fremdsprache nicht gut auskennt, muss neben demBeamten jemanden haben, der abhängig vom Staat und natürlich zuverlässig ist. Es muss in Bezug auf die Definition von Menschenwürde Unterschiede zwischen den Ländern geben, aus denen viele geflohen sind und den Ländern, die vorgeben, eine Demokratie zu sein. Es muss mit der Diskriminierung von Ausländern aufgehört werden.

4 Kommentare zu „Die Wahrheit über Asylheime“

  1. Bojan Dzombic sagt:

    Hallo,

    mit großem Interesse habe ich eueren Artikel gelesen. Auch ich bin mit meiner Familie als Asylsuchender nach Deutschland gekommen (Bosnien-Bürgerkrieg). Inzwischen lebe ich in Deutschland und bin hier erwachsen geworden. Ich möchte euch für eueren Artikel danken. Ich werde in den nächsten Tagen zu dem Asylheim fahren indem meine Familie und ich 1994 über ein Jahr verbracht haben. Dort werde ich die Zustände untersuchen, dokumentieren und mich gegebenenfalls an die zuständigen Kommunalpolitiker wenden. Sollte von diesen keine Reaktion kommen werde ich meine Erkenntnisse veröffentlichen + die Namen der Personen die ich informiert habe, welche jedoch untätig geblieben sind.

    mfG Bojan

  2. hannes brunner sagt:

    hallo Bojan nun ich denke das sollten sie wirklich tun,der weg zum asylheim wird wohl nicht einfach werden,da kommen wieder einige erinnerung hoch! tatsächlich veröffentlichen,, JA..
    nun habe drei jahre im nahen-osten gelebt kenne das wenn man schlechter wie ein tier behandelt wird,wobei ein tier auch mit würde behandelt werden sollte,was ist der mensch wert???
    Ihnen viel erfog und kraft mit ihren vorhaben

    mfg Hannes

  3. Stefan M. sagt:

    Hallo!
    Aufgrund meiner politischen Einstellung, habe ich sehr viel Verständnis für die og. Schilderungen! Ich kann gut nachvollziehen, warum Menschen einen weiten, beschwerlichen Weg auf sich nehmen, um in einem anderen Land Asyl zu beantragen. In diesem Zusammenhang finde ich es ein Schande, was an den EU-Außengrenzen (Frontex) passiert! Aber: Ich kenne aus eigenen Berichten, was es heißt, eine Asylunterkunft sauber zu halten. DieMenschen, die hier ankommen, sind total andere Kulturen gewöhnt, andere Sitten etc. Eine Unterkunft wird teilweise mehmals täglich gereinigt! Die Verunreinigung kommt von denen, die dort wohnen. Leider werden auch immer wieder Fenster zertrümmert, das Essen aus dem Fenster geworfen, obwohl das Essen recht ordentlich ist, zumal auch auf die speziellen Essgewohnheiten Rücksicht genommen wird. Es gibt sicher Unterkünfte, die menschenunwürdig sind, das sie so sind, liegt also teilweise an den Bewohnern selbst, aber auch an der Ignoranz der Länder bzw. an den Sparmaßnahmen. Wichtig wäre aber grundsätzlich für eine Außenpolitik zu kämpfen, die Fluchtgründe erst gar nicht entsehen lassen würde!!

  4. Bojan Dzombic sagt:

    Hallo Stefan,

    dein Einwand kann ich sehr gut nachvollziehen und ich kann mir vorstellen was du alles in deiner Tätigkeit dort als Reihnigungskraft erlebt hast. Auch ich habe dort heftiges erlebt ich war zwar jung ca. 10 jahre kann mich aber bspw. an Frauen erinnern die täglich mit großen tüten diebesgut zurück kamen es war fast immer laut und einmal wurde uns sogar das Essen samt Backblech aus der Gemeinschaftsküche geklaut. Meiner Meinung nach ist es aber wichtig jeden Menschen idividuell zu betrachten und zu beurteilen. Nur weil es in Deutschland Nazis gibt gehe ich noch lange nicht davon aus dass jemand der sich mir als Deutscher vorstellt fremdenfeindlich ist! Selbst wenn in diesem Heim nur eine “gute” Familie lebt hat sie unser Handeln und unsere Hilfe verdient.
    Mein Interesse gilt nicht Verschmutzungen die von Heute auf Morgen passieren es geht mir um Zustände wie überfüllte Zimmer, ungerecht behandelte Bewohner, Gefahrenquellen für Kinder usw.
    mfG Bojan

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