«Wir fordern ein Menschenrecht auf Frieden»

Konstantin Wecker berichtet von einem bewegenden Treffen zwischen dem iranischen Literaturwissenschaftler Bahmann Nirumand und dem Holocaustüberlebenden Reuven Moskovitz. Deren Botschaft: Gegeneinander Aufgehetzt werden die Menschen meist von „oben“. Daher muss Vertrauen von „unten“ wachsen.

Als ich gestern an einer Veranstaltung der Gesellschaft Kultur des Friedens in der Stiftskirche Tübingen teilnahm, erlebte ich, neben vielen bewegenden Momenten, die innige geistige und körperliche Umarmung zweier großartiger Männer, die eigentlich Feinde sein müssten, folgte man den gängigen Hetzparolen einer kriegslüsternen Welt.

Der aus Teheran stammende Literaturwissenschaftler Bahmann Nirumand und der Holocaustüberlebende Reuven Moskovitz reichten sich die Hände und versicherten uns, dass sich die iranische und die jüdische Bevölkerung nie bekriegen wollten. Es seien – so Nirumand – stets die Bestrebungen der Herrschenden den Hass zu schüren. Und Moskovitz, der sich schon sehr lange für die israelische Friedensbewegung engagiert, unterstrich die Notwendigkeit eines „Menschenrechtes auf Frieden“.

Ich hatte heute Morgen noch einmal die Gelegenheit, mit diesen unermüdlichen Kämpfern für Aussöhnung und Frieden zusammen zu sitzen und konnte die Warmherzigkeit dieser so jung gebliebenen alten Männer spüren. Solche Begegnungen machen mir Mut, Mut nicht aufzuhören den Waffenherstellern und ihren Dealern – unter anderen unseren Politikern – weiterhin auf die Nerven zu gehen.

In unserer gemeinsamen Erklärung, die ich noch vollständig auf „Hinter den Schlagzeilen“ veröffentlichen werde, heißt es:

Vertrauen muss von unten wachsen, bei den Menschen, durch Unterstützung von Initiativen für das friedliche und solidarische Zusammenleben der Völker. Wir wehren uns gegen Rüstungsproduktion und Rüstungsexporte, die nur Krieg und Leid in die Welt tragen und unterstützen die Aktion:
„Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ Keine U-Boote nach Israel und keine Panzer nach Saudi–Arabien – überhaupt keine Waffen in irgendeine Region dieser Welt.
Wohlstand darf nicht durch Tod erkauft werden.
Wir fordern ein Menschenrecht auf Frieden.
Wir mischen uns ein und arbeiten an der Entwicklung einer Kultur des Friedens, mit Alternativen zu einer an Wirtschaftsinteressen orientierten Außenpolitik.
Die deutsche und europäische Außenpolitik braucht eine Erneuerung durch eine kommunale Friedenspolitik, die sich an den Lebensinteressen aller Menschen orientiert im Sinne Arthur Rimbauds :
„Nur mit Brennender Geduld werden wir in die strahlende Stadt einziehen, die allen Menschen Licht, Gerechtigkeit und Würde gibt.“

Showing 2 comments
  • Sergej

    Lieber Konstantin,

    vielen Dank für dein Konzert in Tübingen!

    Ich fand es sehr schön, dass du dein visionäres Lied
    „Wenn unsre Brüder kommen“ gesungen hast.
    Ich bin auf ein wunderbares Zitat gestoßen aus dem Lied
    „Die Mundharmonika“ von Gerhard Schöne über Reuven Moskovitz:
    „Doch wer einen Feind sich zum Freund macht,
    Den preisen, viel mehr unsre Weisen als Held“.
    Dies ist ein jüdischer Weisheitsspruch, der sehr gut zu
    deinem Lied passt!

    Hier sind zwei Gedichte von Anakreon, von denen besonders das
    zweite die Essenz deines Liedes und den Ausspruch von den jüd.
    Weisen bestätigen…

    1) Auf die Liebe

    Nicht zu lieben, und zu lieben,

    Alles beydes ist was hartes;

    Aber dieß das allerhärtste:

    Ohne Gegengunst zu lieben.

    Kein Geschlecht gilt in der Liebe;

    Witz und Sitten sind verachtet,

    Und man sieht allein auf Reichthum.

    O daß der doch sterben müßte,

    Der das Geld zuerst geliebet!

    Denn darum verläßt man Eltern;

    Darum trennt man sich von Brüdern;

    Drum entstehen Krieg und Morden;

    Und wir Liebende, wir müssen

    Seinetwegen gar verderben.

    2) Auf die Pfeile der Liebe.

    Cythereens Ehmann schmiedet

    Einst in Lemnos Feueressen

    Pfeile für die Liebesgötter,

    Aus dem allerschönsten Stahle.

    Und derselben Spitzen tauchet

    Venus in den süssen Honig,

    Den ihr Sohn mit Galle mischte.

    Da kommt Mars aus einem Treffen;

    Schwenket eine schwere Lanze,

    Und verlacht den Pfeil des Amors,

    Als zu leichte. Da spricht Amor:

    Dieser dünkt mich, ist nicht leichte!

    Nimm ihn nur! du wirsts erfahren.

    Mavors nimmt ihn in die Hände;

    Aber Cytherea lächelt;

    Und der Kriegsgott seufzt, und saget:

    Er ist schwer! – – da! nimm ihn wieder!

    Aber Amor sprach: du hast ihn,

    Und du sollst ihn auch behalten!

    Sonnige Grüße aus Tübingen,
    sergej

  • Dr. rer. Nat. Harald Wenk

    „Vertrauen muss von unten wachsen“ Sehr schön, Nur wird „von oben“ (Staat, Wirtscaft, Kirche) sofort auf das zartesrte Vertrauensknöspchen eingedroschen, sobald es „sichtbar“ wird.

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