Wer gar nicht wählt, wählt trotzdem mit!

Nichtwähler (blau) bilden die größte "Partei". Wenn aber gerade rot Empfindende blau wählen, hilft das vor allem den Schwarzen.

Nichtwähler (blau) bilden die größte „Partei“. Wenn aber gerade rot Empfindende blau wählen, hilft das vor allem den Schwarzen.

Von der Freiheit zur Wahlenthaltung und den leidigen Zwängen der Mathematik. Holdger Platta plädiert dafür, am 22. September wählen zu gehen – nicht aus naivem Vertrauen in unser System, sondern aus ganz pragmatischen Gründen. Da Leser dieses Webmagazins überwiegend eher dazu neigen, die Linken zu wählen, wäre Wahlenthaltung gerade in diesen „Kreisen“ fatal. Die Stimmen, die nicht abgegeben werden, verschwinden ja nicht wirklich, sondern werden proportional den übrigen Parteien zugesprochen. Und wer profitiert davon am meisten? Die Union. Und wer könnte dadurch ganz knapp über die 5-Prozent-Hürde gehievt werden? Raten Sie!

Ich weiß, ich weiß: mit den folgenden Überlegungen werde ich wenig Erfreuliches zu bedenken geben. Und außerdem werde ich das mit Argumenten der Mathematik tun. Was zum einen nicht angenehm zu lesen ist – zu schreiben übrigens auch nicht! – und zweitens ohnehin nicht zu den verbreiteten Lieblingsfächern zählt. Aber ich befürchte: wat mutt, da mutt (= norddeutsche Redensart)! Und damit zur Sache:

Daß viele von uns die Nase voll haben vom Wählen, ist nur allzu verständlich. Mir selber ergeht es nicht anders. Vermutlich existiert für keinen von uns die Wunschpartei – nein, auch die Linkspartei ist es nicht (dazu später noch was). Zweitens scheint das Wahlergebnis vom 22. September mehr oder minder schon festzustehen (ob wir auf Schwarzgelb zusteuern oder auf eine Neuauflage der ‚Großen Koalition’: ist das wirklich von Belang?). Und drittens sind wir ja schon seit langem gewohnt, dass Wahlversprechen und tatsächliche Politik nach dem Wahltag zweierlei sind. Man hat einen Strauß Rosen gewählt und danach eine Kaktus bekommen. Bestenfalls! Ich denke nicht, dass ich hier an den Steuerskandal von 2005 erinnern muss: CDU/CSU wollte zwei Prozentpunkte Erhöhung bei der Mehrwertsteuer, die SPD null, beschlossen wurden dann von CDU/CSU und SPD drei. Dankeschön! Und schließlich noch: Dass irgendeine Koalition nach dem 22. September das Menschenverelendungsmachwerk Hartz IV abschaffen wird: ich befürchte, das wird selbst bei einer rotrotgrünen Regierung nicht passieren, selbst dann nicht, wenn die Linkspartei mit 14 Prozent in den Bundestag einziehen würde (was man wohl für ausgeschlossen halten muss).

Wieso plädiere ich dann trotzdem für Wahlbeteiligung, nicht fürs Zuhausebleiben am Wahlsonntag? Wieso schadet uns aus meiner Sicht auch ein Ungültigmachen von Wählerstimmen oder die Wahl einer wunderbaren linken Kleinstpartei (für die ich – by the way – eine MLPD mit ihrer Stalinverehrung nach wie vor nicht halten kann: der Archipel Gulag hat mit Marxismus etwa so viel zu tun wie ein Schlachthof mit der freien Natur)? Hier meine – leiderleider – mathematische Zusammenhangsanalyse. Ich verdeutliche sie an den Zahlen von Forsa (veröffentlicht am 29. August). Demnach hätten die BundesbürgerInnen in diesen Tagen folgendermaßen gewählt:

CDU/CSU: 41 Prozent
SPD: 22 Prozent
Grüne: 11 Prozent
FDP: 5 Prozent
Die Linke: 10 Prozent
Sonstige: 11 Prozent

Also: diesem Umfrageergebnis zufolge hätte die angepeilte Fortsetzung der schwarzgelben Koalition, rückprojiziert auf den vergangenen Sonntag, 46 Prozent aller WählerInnenstimmen bekommen, Rotrotgrün hätte bei 43 Prozent gelegen. Erfreulich ist das wahrlich nicht. Aber ein doppeltes „Aber“ ist an dieser Stelle vonnöten (und beim ersten „Aber“ bin ich zumindest unsicher, ob alle LeserInnen das wissen – ich bitte gegebenenfalls um Nachsicht):

1. Alle Prozentwerte weisen eine Unsicherheitsmarge von plus/minus 1 Prozentpunkten auf, zusammen also 2 Prozentpunkte!
2. Wie hätte dieses Wahlergebnis ausgesehen, wenn alle Linken als Wahlverweigerer dieser Abstimmung ferngeblieben wären? – Vereinfacht gesagt, um die Sache nicht unnötig zu komplizieren (natürlich gibt’s auch noch unter SPD- und Grünenwähler ‚echte’ Linke!): alle WählerInnen der Linkspartei hätten von ihrem Wahlrecht auf Nichtwahl Gebrauch gemacht? Genau dieses streben ja die Verfechter einer linken Wahlverweigerung an?

Nun, was das erste „Aber“ betrifft: die Zahlen von Forsa schließen überhaupt nicht aus, dass die FDP am vergangenen Sonntag mit 4 Prozent Wahlergebnis an den Urnen gescheitert wäre. Ergo: die CDU/CSU hätten mit ihren 41 Prozent (oder auch 42 Prozent!) dagestanden ohne ihren Wunschpartner FDP, Fortsetzung Schwarzgelb wäre also unmöglich gewesen, und die deutliche Mehrheit mit 43 Prozent (oder auch 44 Prozent!) für eine neue Regierungskoalition hätte Rotrotgrün gehabt. Wäre das wirklich nur derselbe Mist gewesen wie Schwarzgelb?

Ich lasse diese Frage ausdrücklich offen – siehe oben: Dass die SPD, statt Rotrotgrün zu „riskieren“, wieder mit den Schwarzen ins Bett gegangen wäre, halte auch ich für so ausgeschlossen nicht! Doch wenden wir uns dem zweiten „Aber“ zu, dem eigentlichen Thema meines Plädoyers gegen eine Wahlenthaltungsstrategie ausgerechnet der Linken. Also: Wie hätte bei Erfolg dieser Strategie – ist es eine? – das Ergebnis ausgesehen?

Hier zunächst die entsprechend veränderten Zahlen (= alle Linksstimmen fallen weg, entsprechend erhöhen sich die Anteilsziffern der anderen, von dieser Enthaltungsstrategie nicht betroffenen, Parteien):

CDU/CSU: 45,6 Prozent (statt 42 Prozent) Stimmenplus: 3,2 %
SPD: 24,4 Prozent (statt 22 Prozent) Stimmenplus: 2,4 %
Grüne: 12,2 Prozent (statt 11 Prozent) Stimmenplus: 1,2 %
FDP: 5,5 Prozent (statt 5 Prozent) Stimmenplus: 0,5 %
Sonstige 12,2 Prozent (statt 11 Prozent) Stimmenplus: 1,2 %

Welche Veränderungen hätten wir also aufgrund einer erfolgreich durchgezogenen Wahlenthaltungskampagne (ausgerechnet der potentiellen Linkswähler!) festzustellen gehabt?

Erstens: Die CDU/CSU hätten erneut die alte Kanzlerin Angela Merkel inthronisieren können. Denn selbst wenn die FDP – auch bei totaler Wahlenthaltung der Linken – an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert wäre, die CDU/CSU hätten mit ihren rund 46 Prozent mehr Mandate für sich errungen als die beiden anderen im Bundestag verbliebenen Parteien Grüne und SPD mit ihren 36,6 Prozent. Zwischenfazit eins mithin: Linke Wahlenthaltung, das garantierte die Fortsetzung der Kanzlerschaft Merkels, womöglich sogar mit absoluter Mehrheit. Na großartig!

Zweitens: Der Wiedereinzug der FDP, dieser unsäglichen Partei, in den neuen Bundestag wäre nahezu sichergestellt worden durch eine konsequente Wahlenthaltung aller Linken an diesem famosen Sonntag. Was ja jeder echte Linke nur von ganzem Herzen wünschen kann (Vorsicht Ironie!).

Drittens: Eine linke Wahlenthaltungs’strategie’ hätte am stärksten die bislang schon stärkste Parteienformation, die CDU/CSU, begünstigt; nur mit abnehmendem Grad hätten auch die kleineren Parteien – SPD also und Grüne sowie FDP – von diesem grandiosen Askese-Konzept der Linken profitiert. Tja, wollen das die ‚Enthalter’ wirklich: ihr Großprofiteur wird das schwarze Parteienbündnis?

An dieser Stelle muss endlich das mathematisch-unvermeidbare Zwangsgesetz erläutert werden, das bei solcher Wahlenthaltung wirksam wird. – Nun, die Sache verhält sich so:

Selbstverständlich ist richtig: wer nicht wählt, gibt seine Stimme nicht ab. Doch ebenso richtig ist: wer nicht wählt, gibt zwar keine Stimme ab, doch er verschenkt stattdessen seinen Stimmenanteil! Wer auf ein Stück des Kuchens verzichtet, sorgt dafür, dass der große Rest der Gesellschaft das gute Stück bekommt. Denn leider: mit dem eigenen Verzicht auf den Kuchen, verschwindet der Kuchen keineswegs. Es verschwindet nicht mal das eigene kleine Stück. Die anderen bekommen stattdessen dieses Stück Kuchen zu fressen. Punkt eins. Und Punkt zwei: die mathematische Gesetzmäßigkeit will es so, dass anteilig derjenige am stärksten vom Verzicht profitiert, der eh schon über das größte Stück vom Kuchen verfügte. Und Punkt drei: dieser Verzicht macht mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar noch einen Platz frei für die FDP. Nochmal also: wollen wir das? Herabsinken zum Wahlhelfer der FDP? Geben wir bei einer solchen Enthaltsamkeits’strategie’ also einfach unseren Verstand an der Garderobe ab und lassen stattdessen unserer Magensäure ihren Lauf? Na, guten Appetit!

Apropos: hätten wir das letzte Mal, bei den Bundestagswahlen 2009, schon genauso getickt, hätten wir damals bereits, wie von manchen jetzt empfohlen, auf Wahlenthaltung gesetzt: die CDU/CSU wären mit über 39 Prozent im bisherigen Bundestag vertreten gewesen statt nur mit knapp 34 Prozent, die FDP mit fast 17 Prozent statt ‚nur’ mit 14,6 Prozent. Tatsächlich, dies meine ich: linkes Wahlverhalten sieht anders aus. Eines ist linkes Wahlverhalten auf keinen Fall und sollte es auch niemals sein: CDU/CSU/FDP-Begünstigungspolitik! Oder ganz deutlich gesagt: Protektion des menschenverachtenden Neoliberalismus nunmehr auch von unserer Seite aus!

Und abschließend auch noch anderer Rückblick – ein Rückblick auf die deutschen Reichtstagswahlen vom 14. September 1930. Ich spreche von jenen Wahlen, bei denen die NSDAP nach der SPD mit deren 21,1 Prozent aufstieg zur zweitstärksten Partei, nämlich mit einem WählerInnenanteil von 18,3 Prozent. Also, stellen wir uns einen Moment lang vor, bereits damals hätte es eine derartige Kampagne für Wahlenthaltung gegeben, und diese Kampagne hätte sich damals gerichtet an die WählerInnen der (kapitalismusfrommen!) „Weimarer Koalition“, an die AnhängerInnern also von SPD, Zentrum/Bayerische Volkspartei sowie DDP bzw. Deutsche Staatspartei. Und stellen wir uns vor, diese – weißgott sehr verstehbare! – Kampagne zur Wahlenthaltung hätte Erfolg gehabt! Dann wäre die NSDAP bereits am 14. September 1930 zur stärksten Partei im Deutschen Reichstag avanciert, mit 30,4 Prozent, und sie hätte bereits 1930 mit der DNVP (11,6 Prozent Stimmenanteil statt ‚eigentlich’ 7,- Prozent) die sogenannte „Machtergreifung“ durchexerzieren können!

Natürlich, von Verhältnissen dieser Art sind wir meilenweit entfernt. Insofern stellt das Wahlergebnis von 1930 nur für spezielle Situationen eine Warntafel gegenüber einer totalen Wahlenthaltung auf. Aber einzuräumen ist, dass im konkreten Falle jetzt durchaus manche Gründe existieren, nicht mehr zur Wahl zu gehen. Für Linke jedenfalls. Ganz persönlich gesprochen: auch mich hat die Linkspartei während der letzten vier Jahre allzu häufig enttäuscht. Dass sie in ihr Wahlprogramm zu Hartz IV als Nahziel die „Heraufsetzung“ des Regelsatzes auf 500,- Euro hineingeschrieben hat: erbärmlich! Ein Regelsatz von 500,- Euro jetzt oder demnächst läge weit unterhalb des Realwerts, den der Regelsatz mit seinen 345,- Euro im Jahre 2005 besaß. Hier wird Verschlechterung als Fortschritt verkauft, was eine Partei mit derart klugen Köpfen wie Sahra Wagenknecht nun wirklich wissen sollte. Nicht minder erbärmlich zum zweiten, was die Linkspartei in manchen Kommunen angerichtet hat, in Duisburg etwa oder in Berlin (gemeinsam mit der SPD). Ich spreche von der Wohnungspolitik dort, von Sozialwohnungen, die aus fiskalischen Gründen einfach umgewidmet wurden zu Spekulationsobjekten. Auch ich meine deshalb, dass diese ‚Einzelfälle’ ernstzunehmen sind. Sie verstärken die Befürchtung, dass auch diese Linkspartei, kommt sie einmal im Bund an die Macht, sofortest alles vergessen könnte, was sie uns vorm Wahltag noch versprochen hat.

Aber mir scheint: die Gegengründe wiegen schwerer. Konkret: unsere Demokratie per Wahlenthaltung von vorneherein dem politischen Gegner zu überlassen, das wäre eine ‚Strategie’, die schon jetzt die Linkspartei den Hartz IV-Parteien gleichstellt. Und das wäre identisch mit einem Totalverdacht gegenüber dieser Partei und würde uns zu einem Verhalten bewegen, das uns jene eingeblasen haben könnten, die auf jeden Fall und heute schon unsere Gegner sind.

Wir sollten nicht so bekloppt sein, uns selber zu verkloppen, meine ich! Linke sollten die Linke stärken im Bundestag, nicht die entsetzlichen Hartz IV-Parteien, die Grünen also und die SPD, die CDU/CSU und die FDP. Dies jedenfalls mein Plädoyer.

Nachbemerkung zu einem erwartbaren Einwand: Nun kann man meiner Modellrechnung entgegenhalten, dass eben jenes, was die Wahlenthaltungskampagne für Linke empfiehlt, in Wirklichkeit auf keinen Fall eintreten wird, die Tatsache nämlich, dass am 22. September niemand mehr die Linkspartei wählen wird. Ich stimme zu. Schlimmstenfalls wird die Linkspartei ein paar tausend WählerInnen aufgrund dieser Kampagne verlieren. Aber dieser Einwand gegen meine Darlegungen ist so realistisch wie bar jeder Logik! Ich kann eine ‚Strategie’ – hier: die Wahlenthaltung – nicht mit Fakten und Argumenten verteidigen, die darauf beruhen, dass sich nahezu keiner an diese ‚Strategie’ hält. Dies käme der ‚Logik’ gleich, ein Konzept deshalb für tauglich zu erklären, weil es eh keiner befolgen wird. Es bleibt also dabei: subjektiv mag Wahlenthaltung sehr befriedigend sein, objektiv schadet sie uns. Sie spielt mit arithmetischem Zwang den Neoliberalen aller Couleur in die Hände. Uns hilft diese ‚Strategie’ überhaupt nicht. Und das bedeutet:

Wer gar nicht wählt, wählt trotzdem mit! Er verscherbelt seinen Stimmenanteil an Parteien, die uns gar nicht passen, vor allem an CDU/CSU.

Tja, wollen wir das?

Showing 96 comments
  • Mirko

    Nichtwählen ist eine wahre Aussage. Falsch wählen ist eine Lüge. Man ist dadurch nicht besser wie die Lügner, die unsere Politik machen.

  • fiver

    @Eulenfeder
    „euer “dauer-alibi-argument “: auch wenn nur 10 % wählen u.s.w dann wird regiert… ist schwachsinn, wie sollen denn 90 % nichtwähler regiert werden wenn sie sich dem system verweigern.. !?“
    Das eine ist Wahlboykott, dass andere ist aktiver Systemboykott. Ich würde das nicht gleichsetzen.
    Andererseits ist schon etwas daran, dass Wählende durch das Handeln (wählen), wohl eher zum System halten. Die Frage bleibt offen, was neben dem Verhalten zur Wahl noch politisch getan wird.

    Würdest Du, so Du Perversionen hättest, diese an Anderen ausleben, so keine „Aufsicht“ da ist? Wenn nicht, warum sollten dies Andere tun?

    Ich liebäugel derweil noch mit dem Wählen von DIE PARTEI, da sie drauf und dran ist, Inhalte zu überwinden. So würde zumindest rechte Kleinstparteien der Einzug erschwert und mein „Kuchenstückchen“ nicht CDU&Co zugeteilt.

  • Schildbürger

    Zunächst einmal kriege ich das Kotzen, wenn ich höre, dass dieses System überwunden werden muss durch nichtwählen. Das ist der größte Scheiß, den ich heute abend gehört habe. In welchem System leben wir denn bitteschön? Wer an nichtwählen als Form eines Protestes glaubt, setzt die demokratischen Strukturen dieses Landes mit einer reinen Diktatur durch ein pseudogewähltes Parlament. Eine Totalverweigerung/ NichtBeteiligung an den momentanen Strukturen, ist ein Scheitern der Demokratie und erleichtert Wirrköpfen emotionale Themen für sich zu nutzen (ProDtl./ AvD). Was wäre denn mal „richtig“ Revolution machen? Dinge im eigenen Wirkungskreis versuchen, zu verändern? Richtig! Gründe ein Verein, ein Gruppe, weiß der Geier was und werde aktiv. Was die Scheiß Rechten mit ihrer „PlemPlem“ Partei hinkriegen, sollte doch jeder können. Bloß bitte mit menschenfreundlichen Themen. Und wenn man mit seinen Themen dann auch noch richtig liegt, dann kommt die Revolution ganz leise und auch völlig von selbst. Aber bitte nicht so tun, als ob man der Bestrafte ist und alle anderen daran Schuld wären. Demokratie heißt, sich zu integrieren und nicht zu verweigern.

  • eulenfeder

    <hans – es ist die menschenkenntnis, wer glaubt dass der mensch gut sei irrt gewaltig !

  • eulenfeder

    Lalilola –
    in deinem speziellen fall zitiere ich mal ausnahmsweise einen der alten echten denker – ganz einfach weil du mich völlig falsch einschätzend beurteilst und angreiftst:

    „die männer der frösche müssen glücklich sein, denn deren weiber sind stumm !“

    es gibt da eine ausnahme: eine chinsische baumfrosch-art, aber zu jenen weiterentwickelten gehörst du nicht !!“ lol

  • Sonnensegel

    Nun habe ich mich durch den Artikel und die Kommentare gewühlt 😉
    Eine Frage, welche mich immer wieder bewegt ist, wie kann man eigentlich ein solches wahlmanipulierendes Gesetz seit Jahrzehnten durchsetzen. Wieso war dieses „demokratische“ Westdeutschland nie in der Lage, dieses zu ändern? Wieso wird immer über Symptome diskutiert, statt die Ursache mal zu analysieren und zu bekämpfen. Warum Parteien wählen und keine Bürger, warum wird der Kanzler (in) oder der Bundespräsident (in) nicht vom Volk gewählt? Und hier spreche ich dann die fehlende Verfassung an, die m.E. 1990/91 spätestens in Kraft hätte treten müssen. Dafür bin ich ´89 u.a. auch auf die Zonenstraße gegangen.

    Was wäre eigentlich, wenn jeder Nichtwähler, eine von den „sonstigen Parteien“ wählen würde? Wäre das nicht die Klatsche für die SED 2.0 ? Wäre das nicht die Möglichkeit, dem Einheitsbrei die Stirn zu bieten? Wie würde die aktuelle Kamera darauf regieren ?

    In Erwartung einer sachlichen Antwort wünsche ich einen schönen Sonntag :)

    @Eulenfeder: Ich bin nicht dumm, dämlich oder sonst geistig minderbemittelt. Ich bin eine Bürgerin, die täglich versucht, das Beste aus dem Leben in diesem Lande zu machen. Das bitte ich zu respektieren.

  • Piranha

    Kurt Wagner sagt:
    31. August 2013 um 12:24

    beim lesen des textes kam mir der gedanke eines freundes in den sinn. statt nur “ja-stimmen” sollten auch “nein-stimmen” zugelassen werden. für welche von den vorhandenen parteien man sich entscheiden soll, wissen viele nicht, welche man auf gar keinen fall haben mag, wissen sie jedoch sehr genau…

    Lieber Herr Wagner,
    unser Wahlrecht entsprechend der Idee Ihres Freundes zu ändern wäre eine gute Sache; ich bezweifle nur, dass dies so kommen könnte.
    Die Erfahrung zeigt sich auch in anderen Lebensbereichen: frag jemanden, was er essen will und er weiß es auf Anhieb nicht, mach ihm Vorschläge und er wird nach dem Ausschlussprinzip antworten.

    Auf der WebSeite des Bundeswahlleiters stehen 30 wählbare Parteien.
    Ich bin sicher, dass jede/r sehr schnell die ersten (sorry) Rotzparteien wegstreichen können wird, dann die nächsten… usw.

    Leider treffe ich immer wieder Menschen, die über Inhalte wenig wissen.
    Die Meinungs- und Definitionshoheit über weite Teile der wahlberechtigten Bevölkerung hat BILDDIRDEINEMEINUNG.
    Dieses „Schmierblatt, mit dem man toten Fisch beleidigt, wenn man ihn darin einwickelt“ (Pispers), schreibt Politiker rauf oder runter – ganz wie es beliebt.
    Aus Dankbarkeit entblödete Fipsi sich nicht, Diekmann öffentlich um den Hals zu fallen. Bei dieser Partei wundert einen nichts.Ich würde mich herzlich freuen, wenn sie bei der Wahl auf 4,9 % kämen.

    Friede Springer, Liz Mohn und nun Blome beim Spiegel… oh je oh je

    Mir fällt das Lied „Lieb Vaterland…“ ein.
    Hier singt es Udo Jürgens.
    http://www.youtube.com/watch?v=m96LCDrMirI

    Der Text von 1970 ist ebenfalls dort nachzulesen.

  • Holdger Platta

    Lieber Michael,

    herzlichen Dank für Deine Mail, die enorm wichtige Informationen über die Linkspartei in Hamburg mitgeteilt hat! Ich kann nur hoffen, daß Dein Leserbrief von sehr, sehr vielen Mitgliedern der Linkspartei gelesen wird und – und daß ihnen die Ohren klingen mögen.

    Wenn die linken Mitglieder der Linkspartei – es gibt sie noch, aber wie traurig ist es, inzwischen auch von ‚rechten‘ Mitgliedern der Linkspartei sprechen zu müssen! – nicht endlich aufwachen und begreifen, daß sie dabei sind, jegliches Vertrauen in sie aufs Spiel zu setzen, dann gehört die Linkspartei tatsächlich dorthin, wohin sie von den WählerInnen in Niedersachsen Anfang dieses Jahres bereits geschickt worden ist: zurück in die parlamentarische Wirkungslosigkeit.

    Ansonsten aber sehe ich mich doch von einigen Kommentatoren hier – nicht von Dir, aber von einigen anderen – gründlichst mißverstanden. Und mein Eindruck ist, daß einige der Gefahr erlegen sind, den Boten abzustrafen für die schlechte Nachricht, die er mitzuteilen hatte. Also noch einmal aufs deutlichste gesagt:

    Ich habe hier nicht eine Partei – die Linkspartei – empfehlen wollen. Ich habe aufklären wollen über eine Illusion, und zwar aufklären wollen über den Irrtum, daß Nichtwahl tatsächlich Nichtwahl ist. Wahlenthaltung ist Pseudowahlenthaltung, weil wir damit ausgerechnet jene Parteien unterstützt würden, die wir gar nicht zurückwünschen können auf den Sesseln der Macht. Und die in unserer Nichtwahl enthaltene Kritik bliebe auch völlig virtuelle und unwirksame Kritik, weil die Häme der meisten Medien doch jetzt schon bereit steht, der Öffentlichkeit gegenüber unsere Kritik als etwas ganz anderes zu verkaufen: als Zufriedenheit nämlich der meisten WählerInnen mit der herrschenden Politik und als Abnippeln der Kritiker an dieser Politik. Da hilft – leider – auch ein Toben in der heimischen Wohnküche nicht! Oder hier auf dieser Website!

    Ich kann die Beschissenheit der Situation, vor der wir am 22. September stehen werden, nicht weganalysieren und schon gar nicht ins Gute umintepretieren. Wir befinden uns an diesem tollen Wahlsonntag vor der miesen Alternative,

    entweder durch Wahlenthaltung (oder Ungültigmachen unserer
    Stimmen, oder Wählen irgendeiner linken Kleinstpartei) den
    Hartz-IV-Parteien den Rücken zu stärken,

    oder durch Wahl der Linkspartei einen Verein in den Bundestag
    zu befördern, der zunehmend seine vormaligen AnhängerInnen
    zu frustrieren beginnt, zumindest mit einer erklecklichen
    Anzahl seiner BundestagskandidatInnen.

    Dieses als Plädoyer für die Linkspartei zu interpretieren, dürfte nun doch ein ganz gewaltiges Mißverständnis sein. Allerdings füge ich eine Bemerkung noch hinzu:

    Die oben erwähnten linken Mitglieder der Linkspartei sollten wir nicht nach Hause schicken wegen der ‚rechten‘ Mitglieder in dieser Partei. Eine Frigga Haug, eine Sahra Wagenknecht, einen Gerd Nier (unser Linken-Kandidat hier in Südniedersachsen), der keine Gelegenheit ausläßt, die Abschaffung von Hartz-IV zu verlangen, sie alle nicht zu wählen, weil es anderswo Armleuchter gibt, die phasen- und phrasenverschoben der SPD hinterherzuschleimen beginnen – sagen wir: mit rund 10 Jahren Zeitabstand (= 2003 hielt Gerhard Schröder seine berüchtigte Rede zu Agenda 2010 im Bundestag) -, das träfe nun wahrlich die Falschen und unterstützte eben ausschließlich, wie ausführlichst von mir dargelegt, ausgerechnet die eigentlichen Zerstörer unserer vormals einigermaßen sozialen Demokratie.

    Und ein letztes noch (von mir in meinem Artikel leider nicht erwähnt, ich hätte es tun sollen):

    Durch linke Wahlenthaltung befördern wir auch die Chancen, daß neo-rechtstreme Parteien in den Bundestag gelangen, etwa die AfD. Aus denselben von mir durchanalysierten mathematischen Gründen.

    Da kann ich eigentlich nur nochmals fragen:

    Tja, wollen wir das?

    Danke nochmals für Deinen wichtigen Brief!

    Dein Holdger

  • Piranha

    @ eulenfeder,

    Du hast vorgestern u. a. diesen Satz an Holdger Platta geschrieben:

    „ich habe keine politische lösung weil ich unpolitisch bin…“

    Ein „homo politicus“ ist jeder, der eine politische Einstellung vertritt; das kann sich mit oder ohne Stereotypien zeigen, mit oder ohne Parteibuch, mit oder ohne öffentliche Aktivität…

    Also eine „unpolitische“ Einstellung ist mir bei Dir jetzt noch nicht so aufgefallen.

    Der Soziologe Max Weber (1864-1920) definierte den Begriff Politik so:
    „Politik ist das Streben nach Machtanteil oder nach Beeinflussung der Machtverteilung“
    An anderer Stelle definierte er auch den Begriff „Macht“.

    In jedem Fall aber, sind diese Begriffe zunächst einmal wertneutral.
    Und dann kommt erst die persönliche Bewertung rein, wie z. B.
    Idi Amin fand ich grausam, Gandhi menschenfreundlich.
    Beide hatten Macht, beide waren Politiker.

    Natürlich hat jeder Mensch das Recht der Totalverweigerung.
    Sie bleiben jedoch Teile der Gesellschaft, Teile einer Ganzheit die aufeinander bezogen ist – also eines Systems.

  • eulenfeder

    Piranha –

    ein stempel der mir aufgedrückt wird – ich weiss – aus sicht aller die sich irgendwie politisch engagieren, eine sytembedingte politische meinung haben u.s.w –
    da werde ich quasi zwangspolitisiert, kaum eine möglichkeit dies abzuwehren, –
    auch werde ich meist in eine schublade gesteckt…
    da wäre ein persönliches kennenlernen eine vorraussetzung, viele flaschen härterer „stoff“ nötig um diesbezüglich in eine „philosophische“ tiefe zu gehen –
    dann würde der tatsächlich unpolitische alte graue wolf sichtbar.
    ich kann nur folgendes hierzu sagen:
    alles was ich hier auskotze und phrasiere – entspringt reiner lebenserfahrung und meiner ethisch-moralisch-sozialen einstellung !
    einer festen überzeugung dass durch und innerhalb politischer strukturen
    der mensch immer auf der stecke bleibt, seine tatsächlichen sorgen und nöte in allen belangen unterdrückt werden.
    also war mein anspruch immer eine lösung ausserhalb politischer strukturen. die vehemenz in vielen meiner äusserungen entspringt einem stets starken mitfühlen und mitleiden mit allen von einer politik mißhandelten, ausgestossenen, entrechteten, ausgbeuteten, vergewaltigten…. human beeings universal.
    was mich betrifft – so musste ich mich von klein an immer wieder gegen das versuchte totschlagen eines freigeistig geborenen wehren.
    die individuelle freiheit ist das höchste gut – niemals gebe dies auf !
    politik ist zwang – zwangsläufig – daher immer schon abzulehnen von mir.
    dieses höchste gut wird durch politik immer mehr beschnitten – kaum mehr vorhanden – aber unzerstörbar fest in mir trotzdem.
    wenn Du hier politik und gesellschaft in einen topf wirfst dann eben weil gesellschaften politischen strukturen unterworfen werden.
    ich trenne das nachwievor !
    wahrlich harte zeiten für freigeistige menschen !

  • hollahoppla

    Prima Artikel, um einfach mal das eigene (Nicht-) Wahlverhalten zu reflektieren! Nun, dass die Qual der Wahl oder die Wahl der Qual inzwischen für einige (viele) Menschen eine vierjährige Strafe bedeutet ist sehr traurig – ein Jammer, die Regierungsergebnisse der letzten zwanzig Jahre! Allerdings ist das meiner Meinung nach schon auch deswegen, weil sich die diversen linken Strömungen (und damit meine ich nicht Parteilinke) nicht mehr aktiv an kollektiven gesellschaftlichen Prozessen, unter anderem an den Wahlen, beteiligen. Nun müsste aber vor allem der doch meistens Intellektuell ausgerichteten Basislinken nach 60 Jahren Systemwechsel- und Revolutionsübung ein bisschen selbstkritisch aufgefallen sein, dass statt der angekündigten Revolution die Verhältnisse für einen Großteil der Menschen richtig übel geworden sind. Lebensmittel, Miete, Strom und Wasser sind ein Luxusgut – nicht nur Geringverdienende kämpfen täglich ums Überleben.
    Das ist das Ergebnis falscher politischer Entscheidungen. Kein Wunder, dass manche nicht mehr wählen gehen möchten.
    Statt sich für effektivere Proteste zusammenzuschliessen betreiben linke Gruppierungen eher die Pflege der eigenen Nischeninteressen, zum Beispiel: wir sind für Blockupy, wir sind gegen Nazis, die da machen nur Flüchtlingspolitik und die neu gegründete Gruppe ist für Tierrechte und gegen Tierversuche.
    Vertreten von Partikularinteressen ist natürlich richtig und wichtig, aber ist es zur Zeit angebracht?

    Und einen Aspekt in der Diskussion vermisse ich nämlich leider. Das Parteien- und Parlamentssystem repräsentiert ja unsere Gesellschaft, regelt das Zusammenleben im weiteren Sinne, ist zumindest demokratisch konzipiert. Und immer, wenn mir jemand sagte „Der Wechsel muss her“ und ich frage „wie sieht das in der Praxis aus“ konnte mir kaum jemand eine konkrete Antwort darauf geben, außer Begriffe wie sozialistisch, anarchistisch, kommunistisch oder Ähnliches.
    Ja, aber wie sieht das in der Praxis aus? Dafür muss es doch in einer Gesellschaft auch eine Mehrheit geben – und dafür muss mit allen kommuniziert werden (im schlimmsten Fall auch mit Nazis). Und wollen wir warten bis das Elend so groß ist, dass Menschen nichts mehr zu Essen haben und automatisch kapitalismuskritisch werden und den Systemwechsel wollen?
    Leider gibt es diesen Automatismus nicht – im Gegenteil, wenn die Verzweiflung groß ist greifen Menschen nach dem Naheliegendsten, was vorübergehend die Not lindert. Aus (nicht nur deutscher) Geschichte lernen wir, dass diese Lösungen manchmal ziemlich bescheiden bis besch***** ausfielen.
    Um den kleinsten gemeinsamen Nenner oder das größte Gemeinsame Vielfache zu finden muss vor allem diskutiert werden. Ein Ausklinken aus den bescheidenen demokratischen Möglichkeiten halte ich nicht für förderlich.

    Mein Motto dieses Jahr: „Wie komme ich hier zum Kreuz? -Vorne links abbiegen!“

  • Stefan

    Tolle Rechnung! Zu Ende gedacht: wenn nur einer zur Wahl geht und CDU wählt, dann hat die 100 %! Na und. „Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten.“ hat ein deutscher Dichter mal gesagt. Wenn Du also glaubst, die Politikerdarsteller im Bundestag würden die Politik bestimmen, dann ist Dein Weg noch weit. :-( Ob die bezahlte Opposition reinkommt und wer die Mehrheit im BT hat? So lange die Menschen an den Weihnachtsmann glauben, warten sie am 24.12, darauf dass er Geschenke bringt. Wählt nur weiter. Ihr Demokraten.

  • eulenfeder

    hallo sonnensegelchen…
    mit erstaunen und auch einer gewissen bewunderung lese ich gerade deinen „einwurf“ von der seitenlinie – hab den ball angenommen – und nach anfänglicher „verwunderung“ über die „fussnote“- die ja direkt an mich gerichtet ist – spiele ich gerne mit – gebe dir eine flanke !
    als psychologe und vielosof in einem war es nicht allzu schwer hinter die taktik zu blicken…
    hast dir die vielfältig- bunten comments hier angeschaut und dabei meine gefürchteten steilvorlagen in mögliche angriffe auf deinen einsatz hier abstrahiert…
    in einer mischung aus angriff und vorsorglicher abwehr mir den ball zugespielt. ein schachspiel vielleicht ? – gerne ! also ziehe ich den turm 2 felder vor, nicht um dich zu bedrohen sondern um meinen königin zu schützen, die hüterin meines souveränen stolzes !
    jedoch war der zögerliche angriff umsonst und auch nicht notwendig – denn ich hatte dich nicht bedroht.
    nach etwas grübeln über mögliche sonstige beweggründe mir aus reiner vorsicht einen tomahawk auszugraben – verschliesse ich weise die arme und ziehe freundlich an meiner friedenspfeife – reiche sie Dir – kenne dich ja nicht und habe keinerlei gründe Dich zu missachten oder irgendwie negativ einzuschätzen !
    offen sich zeigende wesen sind mir sympathisch – eine daraus ersichtliche berechenbarkeit der absichten mag ich – kurzum :
    ich reiche dir die hand – ein hand die einem häuptling gehört zwar – aber gerade deshalb eine ehrliche und vertrauenswürdige !
    and by the way – dear sunship – dein mutiger vorstoss aus einer ganz anderen richtung ist erfrischend und bemerkenswert !
    mit vorzüglicher hochachtung und freudiger erwartung weiterer beiträge empfehle ich mich freundlichst !
    deine eulenfeder….

  • freezethefire

    grad den Wahl-O-Mat getätigt – und siehe da es gibt einen Ausweg aus dem mathematischen Dilemma: Es gibt tatsächlich eine „Partei der Nichtwähler“ – Ist das nicht aller Mathematik zum Trotz eine Möglichkeit ein Statement zu setzen ohne den großen Parteien zu helfen? Problematisch wäre nur, wenn diese ohne richtiges Parteiprogramm ausgestattete „Partei“ plötzlich absolute Mehrheit hätte 😉

    Viele Grüße und Danke für diese anregende Diskussion
    freeze

  • Wolf

    Danke Schildbürger, Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund!

  • eulenfeder

    schildbürger
    eine demokratie in gefahr bringen würde bedeuten dass wir eine hätten !
    du scheinst das zu glauben – dann glaubst du sicher auch daran dass der rammler zu ostern eier legt….

  • Holdger Platta

    Toll, welch exzellente Weber-Zitate Piranha ausfindig gemacht hat. Sie passen meines Erachtens prima.

    Daß Eulenfeder schreibt, daß er ‚unpolitisch‘ sei, gleicht einem Sänger, der auf der Bühne steht und singt „Ich singe nicht!“. Also, irgendwie solltest Du mal mit Dir selber einig werden, großer Häuptling! 😉

  • eulenfeder

    Holdger..
    dann hast du nicht verstanden was ich versucht habe zu differenzieren !
    für menschenrechte und würde, gegen rassismus und unterdrückung, das gesamte soziale elend u.v.m – sich einzusetzen hat mit politik nichts zu tun !
    es ist die rein menschliche seite die sich auflehnt und dagegen protestiert !
    es gibt noch was anderes als politik !
    das scheint ihr vergessen zu haben oder ihr habt dafür kein wahrnehmungsvermögen mehr weil ihr euch ständig politisiert !
    diese verstrickung einer gesamten denkweise in politischen maßstäben
    ermöglicht euch eben nur noch eine politische sichtweise.
    nach deiner aussage hier sollte ich – weil unpolitisch – den mund halten – stimmts ?

  • Holdger Platta

    Lieber Mit-Indianer,

    beim Manitu, n a t ü r l i c h sollst Du hier n i c h t den Mund halten. Du hast diesen Verdacht schon einmal geäußert, bereits da war er falsch, und lät den Verdacht aufkommen, Du witterst sofort Verbote, wo andere nicht deiner Ansicht sind. Merkwürdig, gefiederter Freund!

    Es ging um weitere Aufklärung eines Selbstmißverständnisses – dürfen wir es so sehen? -, um deren Beseitigung sich schon Piranha bemüht hat. Aber gerne nochmal:

    Was Du zu Deinem – verdienstvollen – Engagement oben schreibst, Eintreten für Menschenrechte, Kampf gegen Rassismus, Unterdrückung, gegen soziales Elend -, das ist (ich vermute für jeden hier!) doch ebenfalls politisch! I c h habe aus diesen Gründen vor drei Jahren hier eine „Initiative für eine humane Welt“ gegründet, und meine Mitbegründer und ich hielten und halten das für überaus politisch. Wäre ja noch schöner: Rauswurf der Menschlichkeitskatetorie aus dem eigenen Politikverständnis und Rauswurf des Politischen aus unserem Menschlichkeitsbegriff! Gleiches galt und gilt für unsere Sympathisanten (die sich selber oft so verstanden und verstehen): für Stéphane Hessel zum Beispiel, aber auch – frag ihn! – für Konstantin Wecker!

    Könnte meine Vermutung zutreffen, und Du verwechselst „politisch“ und „parteipolitisch“? Oder Du hast eben einen ganz eigenen Politikbegriff? Den Du – aber selbstverständlich – haben dürftest! Der aber leider nicht sofort von jedem verstanden würde. Und auch nicht von jedem geteilt werden müßte. Kein Zwang hüben wie drüben also, o.k.?

    Und was nun das ggf. existierende Mißverständnis betrifft, wir verstünden unter „Politik“ ausschließlich „Parteipolitik“:

    Da müßte ich Dir mitteilen, daß meines Wissen keiner der Genannten (mich eingeschlossen!) Mitglied irgendeiner Partei waren oder sind (wobei es nicht schlimm wäre, wenn’s auf den einen oder den anderen zuträfe!).

    Also, mein lieber roter Bruder, sieh lieber Old Shatterhand in mir, nicht aber den Ölprinzen oder sonst einen Ganoven. Hugh, ich habe gesprochen.

    Und nun gib mal das Kalumet rüber!

  • Piranha

    Lieber Holdger Platta,

    ein paar Semester Soziologie gehen selten spurlos an einem vorbei 😉
    Dennoch muss ich sagen – Hut ab vor Dir – Du hast gute Worte gefunden!

    Beste Grüße,
    Piranha

    Frage an alle:
    wer hat das sog. Kanzlerduell gestern gesehen und unbeschadet überstanden?
    Ich freu mich jetzt schon auf bissig-böse-entlarvende Worte unserer Polit-Kabarettisten.
    :-)

  • eulenfeder

    hahaaaa… nicht schlecht Holdger -du beginnst die weisheit des alten häuptlings zu erahnen…
    aber vorab noch mal ein notwendiger nachschlag zu meiner letzten abwehr deiner äusserungen auf meine person>:
    politik ist ein verlogenes und dreckiges geschäft – schon deshalb abzulehnen und kann kein weg sein deswegen – politik erzeugt eine gesinnung – gegen gesinnungszwang ( ist schon einer wenn jemand versucht seine politischen masßstäbe an anderen anzulegen oder jemand deshalb abzulehnen ) – bin ich resistent weil ich autark freigeistig bin – mit einem versuch eines gesinnungszwangs ( ist chon einer wenn….. ) beginnt ein faschismus und eine diktatur.
    meine ansichten liegen meist ausserhalb konventioneller denkweisen und das mag für andere nicht einfach sein, die in solche konventionen hineinwachsen.
    warum es für dich so schwer ist einen solchen einfach zu akzeptieren ( mitsamt seiner unpolitischen denk- und verhaltensweise ), das muss in dir begründet sein.
    und ich kann dir versichern dass ich eins mit mir bin – auf meine weise.
    in meinem persönlichen umfeld leben wir eine freiheit im denken handeln und fühlen.
    und es gibt ein denkweise ausserhalb politischer ansichten und ansprüche !
    daran störst du dich ja immer wieder – warum ?
    du solltest nicht versuchen mich auf ein politisches gleis zu bringen und das war ja der hintergrund mich wegen meiner unpolitischen haltung zu kritisieren.
    Hau – ich habe gesprochen – das steht nur mir zu, denn ich bin der häuptling ! ( smile )
    deine absicht mich hier etwas als dümmlichen indianerverklärer hinzustellen ist unter deinem niveau eigentlich – richtig ?

  • eulenfeder

    hier david graebers klasse-beitrag ( auszug ) zu diesem leidigen thema politik

    Revolution des Bewusstseins

    Die ersten Anzeichen eines solchen Paradigmenwechsels sind in fast allen Bereichen des modernen Lebens unübersehbar. Aber die Vorstellung, dass eine andere Welt nicht möglich ist, wurde uns tief eingeimpft. Einfache Ideen, wie Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit, die spätestens seit der französischen Revolution jede große Revolution angetrieben haben, sind mittlerweile zu utopischen Ideen erklärt, die man kaum noch zu denken wagt. Dabei sind sie ein Grundbedürfnis, das im Herzen jedes einzelnen Menschen schlummert.

    Der Hippie-Traum von Liebe, Frieden und Glück, von einer auf Selbstverwirklichung und kreativer Co-Kreation ausgerichteten Gesellschaft, darf heute wieder von seinem Image als naive Träumerei befreit werden. Er ist keine Spinnerei, sondern die eigentlich realistische Grundlage einer wirklich menschlichen Gesellschaft.

    Es ist an der Zeit, diese Dinge nicht nur öffentlich zu träumen, sondern als menschliches Grundrecht selbstverständlich einzufordern. Kosmetische Korrekturen an den funktionalen Bestandteilen unseres Systems haben wenig Aussicht auf Erfolg – und sind die eigentlich utopische Idee. Es braucht eine Revolution, welche die Werte unseres gesamten politischen und gesellschaftlichen Denkens neu definiert und die Grundlage unserer Gesellschaft wieder in unseren tiefsten Träumen verwurzelt. Eine Revolution, die das Undenkbare zum Selbstverständlichen macht. Diese Revolution kann nur im Bewusstsein jedes einzelnen Menschen beginnen.

  • Piranha

    Mal abgesehen davon, dass David Rotter diesen Artikel geschrieben hat und sich bei seinen Analysen auf David Graeber bezieht…

    Was – Herr Eulenfeder – war die französische Revolution anderes als eine hochpolitische Angelegenheit … mit viel Licht und entsprechend viel Schatten. Darf man das so sagen?

    Aber sei es drum: niemand der Kommentatoren hier (so meine ich) maßt sich eine Definitionsmacht an, und erst recht niemand will irgendjemanden missionieren.

    Wer Frieden propagiert, darf den Respekt für Andersdenkende nicht missen lassen.
    Und wenn hier jemand freimütig bekennt, dass sie CDU wählen wird (war es Monika?), dann kann ich mich wundern, ich kann Unverständnis äußern, ich könnte argumentieren, bis mir schwindlig wird… aber ich habe verdammt nochmal die Pflicht, Entscheidungen anderer Erwachsener zu respektieren.
    Es würde zum friedlichen Miteinander beitragen.

    Ich fühle mich auch so oft erinnert an den Satz des islamischen Sprechers der Gemeinde, in der ich lebe; sinngemäß sagte er:
    „Einem Muslim ist ein guter Christ hundertmal lieber, als ein schlechter Muslim. Im Koran wird Jesus als ein Prophet geehrt, dessen Name nicht verunglimpft werden darf.“

    Wenn Herr Rotter schreibt, dass eine „…Revolution … nur im Bewusstsein jedes einzelnen Menschen beginnen (kann)“ – dann meine ich, denkt er ganz sicher nicht an Gleichmacherei oder gar Gleichschaltung. Das wäre der Tod jeder Kreativität, gleichviel, wie der einzelne diese für sich definiert.

  • eulenfeder

    naja – prima Pyra – freilich askzeptiere ich deine meinung – oder nicht ?
    nur habe ich das gefühl dass meine meist nicht akzeptiert werden will – ein gewisser erhobener zeigefinger meist auf mich deutend.
    mit dem respekt halte ich es so dass ich respektiere oder achte wer mich achtet.
    wie sieht es da mit deiner bereitschaft aus meine entscheidungen oder meinung zu akzeptieren ?
    du bist ja seit einiger zeit stets dabei mir in irgendeiner weise eine art maßregelung angedeihen zu lassen und das nur aufgrund meiner meinungsäusserungen.
    dass ich das wort politik anders definiere wie du scheint dir ja auch nicht zu passen – immer wieder streichst du mir das aufs brot.
    mit der kritik halte ich es so dass ich es einfach mache wenn ich es für richtig halte – und zwar jedem gegenüber.
    als 61-jähriger sehr lebenserfahrener der von a bis z alles durchgemacht hat – brauche ich auch keine ratschläge für eine verhaltensweise.
    den rat von freunden dagegen nehme ich sehr gerne an…

  • eulenfeder

    und — die bereitschaft entscheidungen anderer zu respektieren muss grenzen haben – oder ist es denn für dich o.k. wenn ein despot ganze volksgruppen abschlachtet ( nur als beispiel ) weil er so entschieden hat ?

  • Piranha

    Schade, eulenfeder, dass du so empfindest.
    Alles Gute dir.

  • Michael Lange

    Arm wählt seltener – Bundestag unbeliebt

    Nichtwähler finden sich in allen sozialen Schichten. Viele fühlen sich dem politischen Geschehen dennoch verbunden, heißt es in einer Studie des Forsa-Instituts im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Forscher sprechen von »Wählern auf Urlaub«, die zeitweise unzufrieden mit Politik und Politikern seien. Sie lassen sich überzeugen – zum Beispiel durch weniger schnarchnasige Wahlkämpfe.

    Daneben aber gibt es laut Forsa einen guten Teil »Dauer-Nichtwähler«, die sich von Wahlen überhaupt verabschiedet haben. Sie finden sich auffällig häufig in den »nicht privilegierten« Schichten mit niedrigem Einkommen – und im Osten der Republik. Dort leben 17 Prozent der deutschen Wahlbevölkerung, aber 36 Prozent jener, die gar nicht mehr wählen. Von den 20 Wahlkreisen, in denen 2009 die Beteiligung am niedrigsten war, liegen nur drei nicht im Osten.

    Weiterlesen im Neuen Deutschland vom 04.09.2013

    http://www.neues-deutschland.de/artikel/832234.arm-waehlt-seltener.html

  • eulenfeder

    nothin for ungood Pyra
    aber musste gesagt werden, du hattest begonnen mir einen maßstab vorzuhalten…
    ansonsten is nix passiert….

  • Markus

    Also ich wähle 2013 die AfD? Warum wähle ich so? Weil diese Partei mir im Gegensatz zu den anderen „kleineren“ Partei auch Lösungswege anbietet. In meinen Augen betreiben z.B. die Grünen und Linken mehr „Hetze“ als politischen Wahlkampf. Und wer am lautesten schreit hat nicht immer den besten Lösungsvorschlag.

    Wer mit Vernunft wählt wird nicht viele Alternativen zur AfD finden.

  • eulenfeder

    von meiner gerade spontan erlebten begegnung mit einem wahlbetrugs-plakat muss ich euch erzählen –
    geht spurlos an mir vorüber, les ich nicht eigentlich – aber dieses plakat hat mich irgedwie genötigt hinzusehen, es war das wort „ehrlich“, denke ich.
    „ehrliche politik ist wählbar “ stand da –
    HAHAAAHAAHHHAAHHHH…lol
    das ging mir auch spontan einer ab…

  • Uli

    eine „echte Demokratie“ kann langfristig nur funktionieren, wenn es freie u. unabhängige Medien gibt, da Wähler hauptsächlich anhand der Informationen wählen, mit denen sie gefüttert werden.
    Eine Kanzlerin, die etliche Betrüger zu Ministern ernannte, eine Stasivergangenheit hat, als Umweltministerin Atommüllfässer in Bergwerke stürzen ließ und Politik für maximal 5% der Menschen macht, würde ohne Schützenhilfe der Medien nicht wiedergewählt werden.

    Auch Volksentscheide müssen in die Hose gehen, wenn die Entscheider von den Medien manipuliert sind (siehe S21).

  • rundertischdgf

    Richtig, wer nicht wählt, der wählt immer die Falschen!
    http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/09/12/der-nichtwahler-wahlt-immer-die-falschen/

  • us

    bild hat gestern den wahlhelfer kostenlos an die haushalte verteilt!!!

    (die obeen erklärten mathematischen gesetzmäßigkeiten treffen zu. Jedoch: bei jeder wahl wird die wahlbeteiligung ermittelt. werden die stimmen nicht hierzu ins verhältnis gesetzt? – eigentlich kann man nur sagen dass z. b. 5% der wahlbeteiligten einen gewählt haben!

  • eulenfeder

    .. nun – ihr wahlüberzeugungstäter –
    je höher die wahlbeteiligung desto schwärzer wird das land…

  • Scratch

    Die Gründe eines Humanisten nicht zur Bundestagswahl zu gehen hier als Video: http://www.youtube.com/watch?v=7-YND9ryxzc

  • eulenfeder

    hallo Scratch –

    Bravo ! Bravo ! Bravo !
    ich könnte mich überschlagen vor freude und genugtuung !!

    endlich !! einer der durchblickt !

    genau das sage ich seit 45 jahren und es ist niederschmetternd wie allein man mit dieser wahrheit dasteht.
    es gab noch nie einen grund zu wählen !
    jeder für sich ein beispiel nach seinen möglichkeiten – die einzige lösung !
    die dummheit durch wählen ein krankes system ändern zu können ist die wohl am weitesten verbreitete krankheit.
    nur druch ein fernbleiben, ein sich ausklinken kann das geändert werden, allerdings darf nicht der fehler gemacht werden sich wieder politisch zu organisieren !! da liegt die gefahr, ich weiss es !!
    und dieser fehler fängt schon mit einem organisieren an!
    deshalb ignoriere ich hier angegebene kontonummer und organisationsemblem.

  • Holdger Platta

    Ist ja richtig ein Dauerbrenner geworden, dieses Thema „Wählen oder nicht“! – Was wahrlich das Schlechteste nicht ist.

    Zum Thema „Nichtwahl ist trotzdem Wahl“ ist hier alles gesagt worden. Mit mathematischer Zwangsläufigkeit gibt es kein „Nichrwählen“, weil jedes Nichtwählen indirektes Mitwählen der jeweils stärksten Parteien ist oder indirekte unvermeidbare Mithilfe, daß unerwünschte Parteien den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Gestern um ein Haar bei der AfD passiert. An diesem mathematischen Zwangszusammenhang ändern eigene Protestgefühle nichts. Leider.

    Stellung nehmen möchte ich aber noch zu dem von Scratch empfohlenen Mitschnitt einer Ansprache auf Youtube. Empfehlenswert. Aber: auch in dieser fast alles ungenau oder falsch. Ich greife nur drei Hauptargumente aus den Darlegungen dieses Humanisten“ auf:

    1. Alle Parteien sind Lobbyvertreter.

    Das ist – bei all meiner Kritik an der Partei der Linken beharre ich an diesem Punkt auf anständige Argumentation – falsch: die PDL ist keine Lobbypartei. Könnte mir jemand mitteilen, überprüfbar/nachweisbar, welche Lobby die PDL am Gängelband führt? Sorry, aber diese Behauptung ist Unfug!

    2. Tu alles selber! Überlasse nichts den Politikern!

    Richtig und falsch zugleich: selbstverständlich sollen wir nicht alles den Politikern überlassen, nichtmal das meiste, selbstverständlich ist „Wählen“ nicht alles, selbstverständlich sollen wir selber aktiv werden, in unserem eigenen Alltag undsoweiter. Doch dieser richtige Appell wird falsch, wenn daraus das ‚Argument‘ gebastelt wird, deshalb solle/dürfe/könne man nicht zusätzlich auch wählen. Zusätzlich! Beides müssen wir tun, das eine und das andere. Hier wird uns eine falsche Alternative aufgeschwätzt. Sorry!

    3. Wenn die Mehrheit nicht mehr wählen würde, würde das System „implodieren“ (nahzu wörtliches Zitat aus dem Mitschnitt).

    Ja, wirklich? Selbst wenn nur noch die Parteimitglieder wählen würden – geschätzt nichtmal drei Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung -, würde gar nichts „implodieren“. Man würde Krokodilstränen vergießen, in den Medien, in den Parlamenten, in den Wissenschaften (but by the way: sicher nicht in den Vorstandsetagen der Weltkonzerne!), aber „implodieren“ würde gar nichts. Man würde weiter Regierungen bilden, Gesetze verabschieden, deren Durchsetzung in der Realität absegnen, Polizisten losschicken undsoweiterundsofort. Welch das System verharmlosende Denkweise ist das!?!

    Merkwürdig oder auch nicht: gerade letztere These unterstellt den Herrschenden eine Gutherzigkeit, die man diesen Herrschenden realistischerweise gerade nicht unterstellen kann, Reue, Einsehen, Nachgeben, was auch immer.

    Bedenken wir doch: genau dort, wo nicht gewählt“ wird, von Anfang an nicht, genau dort, wo aber täglichüber das Wohl und Wehe von Milliarden von Menschen weltweit entschieden wird, herrscht Demokratie gerade nicht, gibt es kein Wählen und dergleichen: in der Wirtschaft (egal, ob in der Realwirtschaft oder in der Finanzwirtschaft).

    „Implodiert“ da deswegen was, ist da jemals schon etwas wegen Nichtwahl/Niochtdemokratie „implodiert“? as genaue Gegenteil ist richtig: dieses System existiert unangefochten seit Jahrzehnten, es funktioniert störungsfrei seit Jahrzehnten. Und wenn da mal was „implodiert“ – siehe die letzte Finanzkrise! -, dann steht eine von uns nur unzureichend kontrollierte Politik bereit, uns, die Bürgerinnen und Bürger, die Zeche zahlen zu lassen. Einzelne Firmen und Banken gehen über den Jordan, richtig, aber das „System“ funktioniert prima weiter. Wo beglaubigt sich hier diese wunderbare „Implosions-Prophezeiung“? Tut mir leid, hier ist Wunschdenken zu registrieren, sonst nichts.

    Ich glaube, der humanistische Redner hat womöglich eines nicht begriffen: unser Kampf gegen dieses System hat an vielen Frontabschnitten stattzufinden, und zwar deshalb, weil dieses System viele Frontabschnitte hat: einer dieser Frontabschnitte sind die Parlamente. Also muß m. E. auch dort – ich sage: auch dort! Auch!!! – gekämpft werden.

    Alles andere ist Schattenboxen. Wir gingen nicht dorthin, wo sehr viel Macht ist, um uns auf den entschiedenen demokratischen Kampf einzulassen, sondern wir machten einen Riesenbogen ausgerechnet um diesen Kampfplatz herum, wir ließen diejenigen, die gegen uns Politik betreiben, ausgerechnet dort, wo sie das tun,völlig unbehelligt ihren Mist machen. Und gingen stattdessen umweltbewußt einkaufen oder führen Rad, wie der „humanistische“ Appellredner aus dem Mitschnitt uns anrat.

    Fast bin ich geneigt, diese „Radfahren“ für eine Metapher zu halten!

  • Piranha

    Nicht zuletzt unterscheidet den Menschen vom Tier, dass ersterer des Zweifels und der Reflexion fähig ist. (sinngemäß nach Wecker)

    Wie schade, dass es Menschen gibt, die sich dieser Stärken nicht, oder nicht immer bewusst sind.

  • eulenfeder

    naja – Holdger
    jedenfalls bin ich sehr froh dass ich nicht der einzige bin der durchblickt !
    bei dir ist das politische denken so stark eingefressen dass Du nicht mehr anders denken kannst –
    dies meine ( nicht despektierlich gemeinte ) meinung und da schwimmst du auf der allgemeinen irrtums-welle.

  • Piranha

    @ Scratch:
    Du willst damit sagen, dass aktive Wähler inhuman sind?

  • Scratch

    @ Piranha:
    Nein.

  • stille G.

    Hallo allerseits : -)

    Vielen Dank an einen Nachbarn aus einem Nachbarforum (www.hartz.info) der auf diesen Blog und das Thema
    „wer gar nicht wählt, wählt trotzdem mit“
    hingewiesen hat.

    Ich gehöre zu den Nichtwählern, und zwar aus dem Grund:

    mit meiner Stimme kann dann kein Schindluder getrieben werden

    ich behalte die Wahlbenachrichtigung, mir ist klar, daß nachverfolgt werden kann, daß ich nicht wählen war.

    Bei der letzen großen Wahl:

    Mein Landkreis mußte sparen:

    eine einzige Wahlbenachrichtigung für Europawahl, Kreistag, ehrenamtlichen Bürgermeister, Gemeindevertretung und Ortsbeirat
    durch alternativen Briefzusteller …

    die Wahlbenachrichtigung wurde dem Wähler wieder mitgegeben, da schon abzusehen war, daß es eine Stichwahl zum Bürgermeister gibt.

    und anschließend gingen freie Wahlvereinigungen und Feuerwehr zusammen mit der SPD und nannten sich SPD und Freunde und die Einzelkandidaten mit den meisten Stimmen wurden ausgebootet.

    Bei dieser Wahl sind so viel Unregelmäßigkeiten aufgetreten und im Nachhinein die im Internet veröffentlichten Listen verändert worden …

    ich könnte Bücher schreiben ….

    stille G. grüßt : -) : -)) : -)))

  • Der Souverän

    @ Holdger

    Zitat: „Ich habe aufklären wollen über eine Illusion, und zwar aufklären wollen über den Irrtum, daß Nichtwahl tatsächlich Nichtwahl ist. Wahlenthaltung ist Pseudowahlenthaltung, weil wir damit ausgerechnet jene Parteien unterstützt würden, die wir gar nicht zurückwünschen können auf den Sesseln der Macht.“
    *
    Vorab, ich habe in der Rubrik Themen gestöbert und las die Überschrift, dann Artikel und Beiträge.
    *
    Seit ca. 15 Jahren kläre ich immer wieder über die falschen Behauptungen bezüglich Wahl auf. Eigentlich gibt es da keine Behauptung die noch nicht aufgestellt wurde. Alle haben eines gemein – sie sind völlig falsch.
    *
    Das ist auch ganz einfach zu erklären und völlig logisch. Da es IMMER 100% Wähler gibt – unabhängig davon wieviele Wahlberechtigte wählen – haben Nichtwähler KEINERLEI Einfluß auf das Ergebnis insgesamt. Nichtwähler bleiben somit auch Nichtwähler und begünstigen keine Partei, wie sie auch keine Partei „Abwerten“ können.
    *
    Oder anders ausgedrückt: NUR WENN MAN UNTERSCHIEDLICHE ANNAHMEN VORAUSSETZT, lassen sich Behauptungen aufstellen, die mit Fakten, Realität und Wissenschaft nichts zu tun haben.
    *
    Die einzige Annahme die „zulässig ist“, daß die Nichtwähler nach feststehendem Wahlergebnis prozentual entsprechend auf oder zugeteilt werden. Das aber bedeutet, daß alle Parteien prozentual genau das gleiche Ergebnis hätten wie sie ohne Einrechnung der Nichtwähler auch haben.
    *
    Wenn ich also behaupte, mehr (potentielle) Wähler der Linken bleiben bei Regenwetter zuhause als Wähler der CDU, nur dann kann man zu anderen Ergebnissen kommen – aber das ist reine Kaffeesatzleserei.

  • Der Souverän

    P.S:

    Es gäbe theoretisch nur eine einzige Ausnahme bei der Nichtwähler eine Rolle spielten, die nicht außer acht gelassen werden könnte. Wenn die Anzahl der Nichtwähler z.B. 75% beträgt, könnte man argumentieren, daß der Wille des Volkes nicht aus 25% der Wahlberechtigten abgeleitet werden kann. Es gibt da aber (in deutschland) weder ein Gesetz, noch ein Exempel.
    Solch ein Fall würde/müsste wohl ein Gericht entscheiden. Es gibt jedenfalls sowas wie eine „natürliche Grenze“ der Anzahl der Nichtwähler, ab der eine Wahl keine Gültigkeit mehr hat, weil sie quasi den Sinn nicht erfüllt.

  • Wer die Wahl hat hat die Qual

    Für die Nichtwähler (wenn diese schon nicht wählen) eine Alternative….
    Wie wäre es mit einer ungültigen Stimme. Seit 2013 !könnte! es eine Auswirkung auf die Parteienfinanzierung haben. Für jede Stimme bekommen sie eine Maximalsumme pro Jahr und Legislaturperiode. Es gibt nur einen kleinen Haken. Die staatlichen Parteienfinanzierung ist auf eine absolute Obergrenze limitiert und diese wird zur Zeit immer noch erheblich überschritten. So muß nur weniger gekürzt werden und somit bleibt mehr Geld für andere Wahlen sowie für Zuschüsse zu Mitgliedsbeiträgen als auch Spenden übrig.
    .
    Ich fände es gut, wenn hinter/unter jedem zu wählenden VOLKLSverTRETER auf diesem Comikblatt (genannt Wahlzettel) all die Konzerne stünden, die diese Lobbyisten vertreten. So weiß ich wenigstens, welche/welchen Konzern ich mein Land anvertraue und ob es Krieg gibt oder nicht. Aufgrund der C(Crash) D(Der) U(Ungläubigen)/CSU/F(Für) D(Dekadente) P(Politiker) und ihren ROTen Anhang und natürlich die Magendagelben, die „F(Für) D(Dekadente) P(Politiker)“ müssen die Wahlurnen dann wohl in ihrem Volumen um ein VIELFACHES vergrößert werden, da die Wahlzettel große Ausmaße annehmen. Und auch die Wahlkabinen…ohoh!
    .
    @eulenfeder / Hier ein Gedicht eines Unbekannten Autors
    .
    Liebe

    Du sagst
    Du liebst Blumen
    Doch Du pflückst Sie
    Du sagst
    Du liebst Tiere
    Doch Du isst Sie
    Du sagst
    Du liebst Menschen
    Doch Du führst mit Ihnen Krieg
    Darum habe ich Angst
    Vor dem Tag
    Wenn Du mir sagst
    „Ich liebe Dich“
    ……….
    .
    Dieses gibt es auch in Abwandlungen.
    .
    .
    „Das Tier ist gefährlich“. Worte, deren Menschen sich SCHÄMEN sollte!

  • riepichiep

    Danke für die ausführliche und deutliche Erklärung, warum „Nichtwählen“ vor allem den großen Parteien hilft

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