Konstantin Weckers Brief an Obama

Konstantin WeckerIst es sinnvoll, offene Briefe an Politiker zu schreiben, die diese wahrscheinlich nie zu sehen bekommen? Die Frage ist falsch gestellt. Da die NSA buchstäblich alles überwacht und liest, warum sollte ihr ausgerechnet dieser Brief Konstantins entgehen? Die Frage, die er stellt, können sich die Observierenden gern zu Gemüte führen: Besitzen die USA die moralische Glaubwürdigkeit, um Kriege aus „ethischen Gründen“ zu führen?

Sehr geehrter Herr Obama,

die USA sind eine extrem polarisierte Gesellschaft. Das Beste und das Schlechteste im Menschen scheint hier voll entwickelt, und eine Geschichte des Landes Amerika, die ich liebe, gibt es selbstverständlich auch. Es ist die Geschichte von Janis Joplin und Joan Baez, die Geschichte von Rosa Parks und Martin Luther King, Sacco und Vanzetti und Noam Chomsky und viele, viele andere mehr. Die Amerikanische Verfassung war mit ihrem radikalen Gleichheitsversprechen der Welt ein demokratisches Vorbild. Und ich hätte gehofft, Sie, Barack Obama, seien ein Teil dieser fortschrittlichen US-Geschichte und würden ihr einen neues, stolzes Kapitel hinzufügen. Ich habe mich leider getäuscht.

Nun schreibe ich diese Zeilen als Deutscher. Und ich glaube sicher nicht, dass dieses Land und seine Machthaber irgendwie besser wäre als das ihre. Keine Nation der Erde hat mehr Grund als wir, sich auf alle Zeiten aus allen Kriegen auf der Welt herauszuhalten. Aber auch die US-Amerikaner hätten Gründe genug.

Völlig zu Recht sind Sie, Barack Obama, der Meinung, dass in Syrien mit der Ermordung vieler Zivilisten durch Giftgas eine rote Linie überschritten wurde. Auch wenn ich persönlich glaube, das passt nahtlos in die endlose Reihe manipulierter Kriegsgründe – beweisen kann ich das natürlich nicht. Unabhängig davon allerdings wäre diese Erkenntnis doch ein guter Anlass, die jüngere Geschichte Ihres Landes daraufhin zu untersuchen: Wann wurde die rote Linie in den Kriegseinsätzen der USA überschritten?

Die amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vom 6. und 9. August 1945 waren der erste und bislang einzige Einsatz von Atomwaffen in einem Krieg.

Die Atombombenexplosionen töteten insgesamt etwa 92.000 Menschen sofort. Weitere 130.000 Menschen starben bis Jahresende an den Folgen des Angriffs, zahlreiche weitere an Folgeschäden in den Jahren danach. Bis heute hat keine Regierung der USA eine offizielle Entschuldigung gegenüber den zivilen Opfern der Abwürfe und ihren Angehörigen abgegeben.

Wurde mit dem Einsatz von Napalm im Koreakrieg und in Vietnam keine rote Linie überschritten? Der Gebrauch von Brandwaffen gegen die Zivilbevölkerung wurde durch Protokoll III der Konvention der Vereinten Nationen zur Ächtung unmenschlicher Waffen im Jahre 1980 verboten.

Millionen Vietnamesen waren der Chemikalie Agent Orange ausgesetzt. Heute weiß man, dass die Bevölkerung ein genetisches Erbe mit sich herumträgt. Etwa 150.000 Kinder leiden noch heute unter den Spätfolgen von Agent Orange, dessen giftiger Hauptbestandteil Dioxin ist.

Uranummantelte Munition, die zu schrecklichen Missbildungen unzähliger Menschen im Irak führte – wurde da eine rote Linie überschritten?

Das Abschießen von Zivilisten in Afghanistan wie im Videospiel? Das Aufdecken dieses Kriegsverbrechens durch Chelsea Manning wurde gerade mit 35 Jahren Gefängnis belohnt.

Die Ermordung von „Staatsfeinden“ durch Drohnen, nebst Kollateralschaden an Zivilisten – keine rote Linie in Sicht?

Herr Obama, ich spreche ihrem Land die moralische Kompetenz ab, Angriffskriege aus angeblich ethischen Gründen zu führen.

Gehen Sie in sich und arbeiten Sie die Geschichte ihres eigenen Landes auf.

Das würde vermutlich wirklich zum Wohle der Menschheit gereichen.

Ihr
Konstantin Wecker

P.S:
Herzlichen Glückwunsch dem britischen Unterhaus!!
***EINE HISTORISCHE NIEDERLAGE DER KRIEGSFRAKTION***
British Parliament Votes Against Syria Strike +++ The first time a Prime Minister has lost a vote for war since 1782!!!!!

Showing 39 comments
  • Kassandra

    Ich danke Ihnen, lieber Konstantin Wecker, für diese offenen Worte, die so wahr sind und aus einem großen Herzen kommen. Endlich ein Prominenter, der sich traut. Es entsetzt mich, wenn ich immer wieder höre, wie zynisch viele Politiker und Journalisten für den Angriff auf Syrien plädieren. Haben die nicht das Leid der Menschen von Vietnam bis Libyen und ihre zerstörten Ländere vor Augen, die alle vom Westen überfallen wurden? Bleiben Sie stark!

  • Sonja Rothweiler

    Lieber Konstantin, vielen Dank für deine klare Sprache und für dein Engagement in allen
    Bereichen, wo andere schweigen und oder wegschauen.

    In solidarischer Verbundenheit
    Sonja

  • eulenfeder

    GROSSARTIG – geehrter Konstantin –
    ich hoffe sehr dass dieser friedensappell nicht in den vorzimmern der macht hängenbleibt.

  • Michael Rateike

    Lieber Konstantin Wecker,

    Danke für Deine klaren Worte, Du bringst es mal wieder auf den Punkt.
    Solcher Worte sollten sich die blassen Politiker doch einmal bedienen – klar und deutlich…!

  • GrayLynx

    Bravo!
    Davon und vor allem sicht-, les- und hörbare Bekenntnisse dazu sollte es noch viel mehr geben.

  • Heli

    Ja, genauso muß man es zusammenfassen. Danke,danke, danke!

    Der Brief ist wie wir alle wissen, aber an den falschen Adressaten gerichtet. Die amerikanischen Präsidenten sind nur die Puppen, die uns als Projektionsfläche zu dienen haben. Der nächste Präsident, scheingewählt in einem gigantischen Brot – und Spiele-Spektakel, wird die Politik seiner wahren Herren – und die sind im Gegensatz zu den Präsidenten immer dieselben- weiter auftragsgemäß erfüllen. Nur wenn das Volk in großer Zahl etwas merkt, ändert man die Taktik , um vielleicht auf anderem Wege zum Ziel zu kommen.

    Stefan Kornelius von der SZ, einer „seriösen“ Zeitung konnte den Syrienkrieg gar nicht schnell genug herbeischreiben,obwohl man genaues nicht weiß, aber vermutlich der Übeltäter doch anscheinend klar feststeht. Welch ein medialer Tiefpunkt! Liest man dagegen gut verlinkt über die Nachdenkseiten, was dieselbe Zeitung heute für Töne anschlägt, dann vermute ich stark, daß eine doch nicht mehr so leicht zu linkende Leserschaft, einiges zu diesem Umschwenken beigetragen hat.

    Wir lassen uns verstärkt kein X für ein U vormachen und sind für Beiträge wie den offenen Brief von Konstantin Wecker motivierte Multiplikatoren.

    Nochmals danke!

  • ellen diederich

    Lieber Konstantin,

    danke für Deinen Brief an Barack Obama. Er spricht mir aus dem Herzen.
    Für mich ist seine Politik eine ähnliche Enttäuschung wie die Entwicklung der Grünen in Deutschland. Sie konnten zum Glück weniger über Krieg und Frieden entscheiden.

    Das Überschreiten der „Roten Linien“ im Sinne von besonders perfiden Massenvernichtungswaffen, die du aufzählst, kann nicht genug kritisiert werden.

    Die Entwicklung von Atomwaffen in den USA z.B. geht bis heute weiter. Ich war häufig im Atomtestgebiet in Nevada, um dort zusammen mit den Shoshone, die die Urbevölkerung in diesem Teil der USA sind, gegen die Tests zu protestieren. In diesem Testgebiet ist etwa 14.000 mal die Sprengkraft von Hiroshima getestet worden, zunächst oberirdisch dann unterirdisch, später subkritisch, d.h. die atomare Kettenreaktion läuft zwar an, wird aber vor der Explosion abgebrochen, Kleinere Mengen von Radioaktivität als bei den früheren Experimenten wird freigesetzt. Milliarden und aber Milliarden sind hierfür ausgegeben worden.
    Das Testgebiet ist etwa so groß wie Dänemark. Von den oberirdischen Tests gibt es dort eine Reihe Krater wie auf der Mondoberfläche. Von daher nutzten die US Astronauten das Testgebiet als Übungsgeländer für die Mondflüge. Das Testgebiet ist etwa 250 Meilen von Las Vegas, dem größten Vergnügungszentrum der Erde, entfernt. In Las Vegas sind bei der dort ansässigen Bevölkerung die Krebserkrankungen signifikant höher als sonst in den USA.

    Insbesondere trifft dieses auch besonders auf die indianische Nation der Western Shoshone zu, die dort seit tausenden von Jahren leben.

    Ich habe einen großen Teil meines Lebens damit zugebracht, gegen den Wahnsinn der Atomwaffen Aktionen zu machen. Ich bin gegen die Entwicklung von Atomwaffen wo immer. Es wundert mich nur manchmal, daß gerade diejenigen, die so unverfroren Atomwaffen immer weiter bauen, meinen, sie seien diejenigen, die das größte Recht hätten, der Entwicklung durch andere Länder entgegenzutreten.

    An einem Punkt stimme ich nicht mit Deinem Brief überein. Du sagst: “Die Amerikanische Verfassung war mit ihrem radikalen Gleichheitsversprechen der Welt ein demokratisches Vorbild.“
    Die Verfassung bezog AfroamerikanerInnen und die indianische Urbevölkerung nicht in die Gleichheitsvorstellungen ein. Den Shoshone ist, wie allen anderen indianischen Völkern, das Land widerrechtlich enteignet worden, hier, um es zu zerstören. Die Ermordung unzähliger AfroamerikanerInnen und IndianerInnen durch die weißen „Demokraten“, ihre Versklavung, das Zusammenpferchen in Reservaten ist ein sehr trauriger Teil der US Geschichte.

    Die anderen Waffengattungen, die du aufzählst entstammen kranken Gehirnen. Ich stelle mir manchmal vor, was für ein Leben das ist, wenn man morgens zur Arbeit fährt und sich den ganzen Tag neue Tode ausdenkt.

    Die meisten Menschen aber sind neben der Waffe, die täglich tötet, der Hunger, durch die „normalen“ Waffen im Krieg umgebracht worden, Kleinwaffen, Bomben, Landminen, Sprengstoff.

    Im den Kriegen gegen Irak und Afghanistan zusammen sind in den letzten 20 Jahren etwa 1.5 Millionen Menschen getötet worden. Für mich sind da bereits unzählige Male rote Linien überschritten worden.

    Ich möchte noch mal den Vorschlag, der inzwischen von verschiedenen Seiten kommt, aufgreifen:

    Einen Appell an das Nobelkomitee in Stockholm zu richten, Obama den Friedensnobelpreis abzuerkennen.

    Liebe und Frieden
    Ellen Diederich

  • Holdger Platta

    Ein großartiger Text, den ich in allen Punkten unterschreibe. Außerdem bin ich dankbar für den Hinweis von Ellen Diederich, daß es Bestrebungen gibt, Barack Obama den Friedensnobelpreis zu entziehen. Ellen, wenn es dazu einen Aufruf/Text oder dergleichen gibt, bitte zuschicken! Er sollte m. E. hier veröffentlicht werden. Am besten mit entsprechender Möglichkeit, sich dieser Aufforderung anzuschließen.

    Vielleicht nur eine kleine Korrektur (wenn es denn eine ist, und mich jetzt nicht meine Erinnerung täuscht):

    Wenn ich die us-amerikanische Unabhängigkeitserklärung richtig im Kopf habe, war von dieser keine ‚Ethnie‘ ausgeschlossen. Insofern hat Konstantin Wecker zutreffend geschrieben, daß diese eine Gleichheitsversprechen an alle enthielt und enhält. „All people are created equal…“ Um so schlimmer ist es ja, daß dieses Gleichheitsversprechen die US-Amerikaner nicht an ihren Menschheitsverbrechen hinderte, an den Indianern nicht, an den Afroamerikanern nicht, auch nicht an den Vietnamesen.

    Abschließend noch ein wichtiger Lesehinweis auf den oben von Heli dankenswertweise erwähnten SZ-Redakteur Stefan Kornelius. In der letzten Wochenendausgabe der „jungen welt“ kann man über diesen „eingebetteten“ Journalisten (wie über andere entsprechend gebettete Journalisten) einiges mehr erfahren (auch ZEIT-Journalist Joffe gehört zu diesen Herren – tatsächlich, ich glaube, es sind ausschließlich „Herren“). Da gehen einem die Augen auf über diese bestvernetzten „Kollegen“.“Bestverhedderte Kollegen“ wäre wohl zutreffender formuliert…

  • Martina Taruttis

    Lieber Konstantin Wecker,

    Sie sprechen mir aus der Seele! Ich denke, dass es weltweit genug ist mit all‘ dem Neid und Hass! Es ist auch genug, ständig mit dem Finger auf andere zu zeigen und andere für eigene Unzulänglichkeiten verantwortlich zu machen. „Du musst …, damit ich … kann!“ Was für ein Schwachsinn! Veränderung fängt immer bei uns selbst an: Arsch huh, Zäng ussenander!
    Sie haben mich schwer enttäuscht, Präsident Obama!

    Martina Taruttis

  • Waltraut

    Danke lieber Konstantin für diese offenen worte und den Mut. Hochachtung!!!!
    Liebe Grüße
    Waltraut

  • Piranha

    „Dieser Brief leuchtet deshalb so sehr, weil die Düsternis so groß ist.“

  • Andrea Rupp

    Lieber Konstantin Wecker, das sind doch mal klare Worte und mir, wie sicher ganz vielen aus dem Herzen geschrieben. Auch ich hatte mich gefreut als BO die Wahl gewann. Endlich ein Stück Gerechtigkeit, dachte ich und knüpfte große Hoffnungen an diesen Präsidenten – leider zu große, wie mir scheint, denn er scheint miese Berater zu haben. Ich stelle mir immer wieder die Frage ethische Angriffe oder Kriege, ist das nicht ein Widerspruch in sich?
    Danke,

    Andrea

  • Thore

    Danke Konstantin, ganz sachlich auf den Punkt gebracht.
    Die rote Linie wird bereits dann überschritten, über Leben anderer zu entscheiden.

    Grüße
    Thore

  • Thomas Rihm

    Danke für die Worte Konstantin,

    Hammer – Nagel – Kopf!
    Wer wie der Amerikaner so tief in der Sch…. sitzt sollte nicht noch nicken!
    Wir sollten es nicht so handhaben, wie unsere Großeltern und sagen – wir haben von allem nichts gewusst…

    „Free people don’t want to be governed from the left, right, or center; free people want to govern themselves.“ (Ronmamita)

    Nachdenkliche Grüße
    Thomas

  • Michael Aquarius

    Vielen Dank für die Initiative, dem Inhalt und den anderen Beiträgen ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen, außer: Seit 30 Jahren schreibe ich immer wieder derartige Briefe an Poilitiker und Institutionen auch Firmen, wenn mir was auf den Nägeln brennt. Das wünsche ich mir von vielen Menschen. Manch einer oder eine denkt: „Da sollte man eigentlich mal hinschreiben!“, viele machen es dann doch nicht. Meine Erfahrung ist durchweg positiv, auch wenn die Antworten manchmal standarisiert scheinen. Doch es ist immer ein Mensch, der das Schreiben liest und es hinterlässt immer eine Spur. – So habe ich vor 2 Monaten auf einer Plattform dazu aufgerufen, Herrn Seehofer im Falle Mollath zu schreiben. Viele haben dies gemacht – er ist frei! Natürlich weiß ich, dass nicht alleine wir das waren, doch viele Puzzlesteine ergeben das gesamte Bild. In diesem Sinne herzlichen Dank für das Schreiben lieber Konstantin und heiter – weiter!! ♥ Michael Aquarius

  • Gerhard Krause

    Lieber Konstantin,
    Vielen Dank für die klaren Worte an Obama, hat der nicht den
    Friedensnobelpreis? ich kann mir nicht mehr erklären wofür.
    Ich als älterer Bürger habe als Kind den Krieg noch erleiden dürfen,
    was gäbe ich dafür, wenn unsere uneinsichtigen Politiker einmal die
    Angst verspüren würden die man durch den Krieg erleben darf.
    Im Mai 2012 wollte ich mir Deinen Gesang an der Paulskirche in Frankfurt,
    der Wiege deutscher Demokratie, anhören, aber das Verständnis unserer
    derzeitigen hessischen Regierung hatte etwas dagegen. Hoffen wir auf
    eine Abwahl.
    Alles Liebe und Gute und weiter so.
    Steter Tropfen höhlt den Stein.
    Wer in der Demokratie schläft, erwacht in der Diktatur.
    Es grüßt Dich und auch den Stoersender
    Dein G. Krause

  • Christel Plüm

    Hallo Konstantin, das ist ein großartiger Brief!
    Weiter so !
    Herzlich:Christel

  • Martina Ida Bartosch

    Herzlichen Dank!
    Wenn jemals Unterschriften hierzu geammelt werden- ich bin dabei! Und meine tief empfundene Hochachtung an all jene Helden, die es wagen, endlich für den Frieden aufzustehen, den Kriegstreibern den Rücken zu kehren!
    Martina IDA

  • Peter Heyckendorf (Hamburg)

    Lieber & geschätzter Konstantin,
    Deine Worte sind richtig. Selbst wenn es sich rausstellt, dass Schuld bei Assad liegt, haben die USA null Recht und Moral ihre Militärharke dort reinzuhauen. Deine Aufzählung der Verbrechen der USA ist sehr wichtig, denn wer erinnert sich noch ? Und junge Leute wissen schon gar nix von gar nix. Eine Lösung, um aus der ökonomischen & Finanzkrise und damit Vermögensreduzierung bei vielen „normalen Menschen“ anzuwenden, ist der Krieg und damit die Ablenkung und Buhmannfindung. Höre hierzu einen Beitrag von Prof.Dr. Brocker
    http://www.youtube.com/watch?v=56vAXcb8r88

  • Sigrun M. Spindler

    Auch mir spricht Dein Brief, lieber Konstantin Wecker, aus dem Herzen. Kritik und Aufmerksamkeit, den Finger in die Wunde legen, das sind Aktionen, die immer wieder zum Aufrütteln der Menschen beitragen. Ich unterschreibe hiermit Deinen Brief gleichermaßen, herzlichst Sigrun Marianne S.

  • Thomas Löwer

    Lieber Konstantin,

    zu weit ausgeholt.

    Es genügt die Antwort auf die Frage, WER in Syrien mit Giftgas rumgemacht hat.

    Wenn Obama und Kelly da Beweise hätten, lägen die lange auf dem Tisch.

    Und damit bleibt die Androhung, mit einem Militärschlag gegen Syrien der langen Liste der amerikanischen Aggressionen eine weitere hinzuzufügen.

  • derdereinsaufsmaulkriegtwennereinennamenhat

    Lieber Konstantin,
    – falls ich Dich noch so nennen darf – für eine Forderung nach Anklage gegen Bush hatte ich Dich um eine Unterschrift für meine Internetseite gebeten. Da standen wir auf einer Seite. Heute nicht! Ich fühle mich als Linker heimatlos, denn ich habe das Gefühl, die Linke hat alle ihre einstigen Werte verraten.
    Den Kampf für gleichgeschlechtliche Liebe habt ihr in Russland aufgegeben, den Kampf für die Emanzipation der Frau bei Eurem Multikultismus, der Islamisten Ehrenmorde und Kinderheirat durchgehen lässt, den Kampf gegen Unterdrückung durch Kirche und Staat habt Ihr spätestens mit Eurem eisigen Schweigen aufgegeben, als die Pussy Riots in Straflager gesteckt wurden, den Kampf gegen den Faschismus habt ihr aufgegeben, als ihr dem Antizionismus der Rechten das Wort geredet habt, den Kampf gegen Diktatoren, Völkermord und Vergasung von Menschen habt Ihr auf dem Balkan aufgegeben, in Libyen und in Syrien. Und Ihr habt sogar den Kampf gegen den Kapitalismus aufgegeben. Denn der Kapitalismus der in China und vor allem in Russland herrscht, ist um ein vielfaches menschenverachtender und skrupelloser als der in den USA. Russland ist ein Mafiastaat, dessen Oligarchen sich einen kleinen Ex-KBG-Macho als pseudodemokratisches Schutzmäntelchen umgehängt haben. Sie haben sich mit dem Ende der Sowjetunion das Volksvermögen zusammengeraubt. Die Mordrate dort ist dreimal so hoch wie in den USA. Aber man muss Euch nur wie Herr Putin etwas von den bösen USA erzählen und schon setzt der Pawlowsche Reflex ein. Alles richtet sich geifernd und bellend gen Westen aus.

    Sorry wenn ich unhöflich bin. Ich bin unhöflich, weil ich wütend bin. Und ich bin wütend, weil ich ein Mensch bin. Einer, der jeden Tag zusehen muss wie Menschen ermordet werden und sich machtlos dagegen fühlt. Im wahrsten Sinne des Wortes MACHT-los! Denn die, die die Macht haben das zu beenden, haben ihre Menschlichkeit gerade ad acta gelegt!

    Auch wenn der Begriff schwer belastet ist, die Politiker eines Staates müssen nicht nur administrieren, sondern auch „führen“. Von ihnen werden nicht nur Visionen erwartet, sondern auch das Fortführen von Visionen anderer. Von „Vordenkern“. Und die Vision in der sich die meisten Menschen einig sind, ist die eines global Village. Die gleichberechtigte, gemeinsame, kosmopolitische Welt, zu der uns nicht zuletzt das Internet, aber auch das Bewusstsein gemeinsamer Bedürfnisse, knapper gemeinsamer Ressourcen, der Kampf gegen die Zerstörung unseres Planeten und die weltweit geteilte Hoffnung auf Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit näher zusammengebracht hat. Diese Hoffnung kann sich nur erfüllen, wenn wir ein gemeinsames internationales Regelwerk für das Zusammenleben auf diesem Planeten vorantreiben. Dieses tun bilaterale Verträge, aber vor allem die UN. Zu den gemeinsam erklärten Zielen dieser Gemeinschaft aller Staaten gehören auch Demokratie und Völkerrecht. Auch über das Völkerrecht hinausgehende Vereinbarungen, wie die Responsibility to protect. Sie ist eine gemeinsame Erklärung, die alle Staaten dazu verpflichtet, gravierende Völkerrechtsverbrechen auch von Regierungen am eigenen Volk zu verhindern. Und sie legitimiert als Ultima Ratio auch kriegerische Mittel.

    Die syrische Regierung verletzt das Völkerrecht in bisher selten dagewesenem Umfang seit über 2 Jahren. Sie schoss auf friedliche Demonstranten. Sie bombardiert Wohngebiete in denen sich überwiegend oder sogar ausschließlich Zivilisten aufhalten. Sie bombardiert systematisch Krankenhäuser und Bäckereien. Sie lässt von ihren Milizen Massaker an Zivilisten begehen. Und sie greift Wohngebiete mit Giftgasgranaten und -Raketen an. Für all das gibt es überwältigende Belege von UN, Menschenrechtsorganisationen, anderen NGOs, tausenden von Augenzeugen und Betroffenen, internationalen Journalisten und zahlreichen Geheimdiensten. Es kann keinen Zweifel daran geben. Aber selbst wenn nur 10 Prozent davon stimmen würden, gehören Assad, seine Helfer und Hintermänner vor Gericht oder zumindest tot oder lebendig aus dem Amt entfernt. So schnell wie möglich! Jeden Tag sterben für seine, Irans und Russlands Interessen einige hundert Menschen. Meist auf bestialische Weise. Daraus erwächst der Weltgemeinschaft eine Verantwortung. Die Verantwortung dieses zu beenden.
    Unabhängig davon, ob ein Staat, der sich durch Waffenlieferungen und militärisches Training zum Mittäter macht, versucht dieses in der UN zu verhindern.

    Diese Verantwortung der Weltgemeinschaft beinhaltet nicht nur, diese Verbrechen so schnell wie möglich zu verhindern. Sie beinhaltet auch die Prävention. Also die Abschreckung möglicher anderer Täter. Und diese Weltgemeinschaft versagt dabei auf ganzer Linie. Ihre „Führer“, die für Einhaltung und Durchsetzung internationaler Vereinbarungen zu sorgen hätten, sind zu feige, die ihnen übertragene Verantwortung zu schultern und befragen lieber ihre Parlamente. Und die jeweiligen Medien befragen das Volk. Und, oh Wunder, keiner will Krieg! Denn es geht ja ihn persönlich nichts an, wenn in Syrien gestorben wird. Und wenn die andere Seite nicht koscher ist, wie praktisch! „Es geht doch nicht um nationale Interessen.“ Nein, liebe Nur-bis-zum-Tellerrand-Denker! Es geht nicht um nationale Interessen. Es geht um ein globales Interesse! Um das globale Interesse, dass so etwas nicht mehr passieren darf. Unter keinem religiösen und keinem politischen Vorzeichen. Heute sind es Ägypter und Syrer. Und ich garantiere, es kommt der Tag, da geht es um Euch! Wenn man es durchgehen lässt, wird es wieder passieren und es wird schlimmer passieren. Und vor allem, es wird jetzt, heute, morgen, übermorgen, überübermorgen weiter passieren! Wer als Politiker nicht die Verantwortung übernehmen will, das zu verhindern, egal in welchem Parlament oder in welchem Regentenpalast er sitzt, der sollte einen Tritt in den Arsch, sorry, in das Back-End bekommen!

    Von Feuerland nach Moskau facebooken oder whatsappen zu können ist nett. Oder von Alaska nach Damaskus. Aber es ist nichts wert, wenn man nicht auch füreinander einsteht, wenn es ums Überleben geht!

    Du hast recht, wenn Du der Meinung bist, dass die USA kein moralisches Vorbild sein sollten. Aber wer ist es dann? Du? Wir? Dann muss Deutschland sich erinnern, dass es schon einmal beim Vergasen weggesehen hat!

  • derdereinsaufsmaulkriegtwennereinennamenhat

    Oder, um es lyrischer auszudrücken:

    Wie zwei US-Kids eine alte ausländische Frau ermordeten

    Die dekadenten Kids von Eltern, die eine Führungsrolle im industriell-militärischen Komplex des faschistischen Staates haben, hatten gehört, dass tief im Wald eine alte arabische Frau leben solle. Alle sagten, sie gäbe sich als arme Frau aus, hätte aber wertvollen Schmuck unter dem Boden ihrer Hütte versteckt.
    Die Kids machten sich also mit Navisoftware auf dem IPhone, ein paar kalten Hamburgern und Energy-Drinks auf den Weg in den Wald. Nach einigem Suchen fanden sie die Hütte, die noch ärmlicher aussah, als sie gedacht hatten. Schäbige Backwaren waren an der Wand der Hütte zum trocknen angebracht. Sie probierten von den wenigen Vorräten der armen Frau und fanden es widerlich. Trotzdem rissen sie noch mehr ab und warfen es achtlos in die Gegend.
    Als aus der Hütte eine Stimme erschall, wer sich denn da an den Vorräten vergreife, grinsten die Kids und brüllten im Chor: „der Wind, der Wind, das himmliche Kind!“
    Die Frau, die dicke Brillengläser trug und kaum etwas sehen konnte, kam mit ihrem Rollator aus dem Haus und sagte: „Ich freue mich über jeden Gast hier in meiner Einsamkeit. Ich habe zwar kaum etwas zu essen, aber das Wenige will ich mit Euch teilen.“ Die Kids folgen ihr ins Wohnzimmer und zogen ein angewidertes Gesicht. Aber sie taten so, als würde ihnen das ärmliche von Hand zubereitete Essen schmecken und taxierten die alten Möbel, ob sie möglicherweise als Versteck für die Reichtümer der alten Frau in Frage kämen.
    Der Junge hatte gehört, dass die Frau ihre Wertsachen in einem Raum des Hauses versteckt haben sollte, der vergittert war. Ein alter Stallanbau. Um dort hinein zu gelangen, warf er seinen Ipod auf dem Weg zum Klo durch das Gitter und rief dann die alte Frau, um sie zu bitten, ihn dort hinein zu lassen. Das tat die Frau. Aber als sie hörte, dass die Schwester inzwischen im Wohnzimmer randalierte, wurden der Frau ihre Besucher unheimlich und sie sperrte den Jungen in diesem Raum ein, um zunächst im Wohnzimmer für Ruhe zu sorgen.
    Die Frau, die wegen ihrer Armut und ihres Einsiedlerdaseins das Essen für die Kids noch mit einem großen alten steinernen Backofen im Garten der Hütte zubereitet hatte, fand das Mädchen damit beschäftigt, alle Schubladen herauszureißen und zu durchwühlen. Als sie das Mädchen zur Rede stellen wollte, hielt dieses ihr das Küchenmesser an den Hals, das auf dem Tisch gelegen hatte und schrie: „Halts Maul, du alte Votze!“ Die Frau zitterte am ganzen Leib und war kurz vor dem Zusammenbrechen. Das Mädchen zerrte sie wieder hoch und in den Garten. Es befahl ihr, in den großen Ofen zu steigen. Als die Frau in Tränen ausbrach, stach sie ihr in den Arm. Schließlich stieg die alte Frau in den Ofen. Das Mädchen schlug die eiserne Ofentür zu und rief: „Verreck da drin!“
    Sie holte ihren Bruder aus dem Stall, der sich dort die Zeit mit Ballerspielen auf dem Iphone vertrieben hatte. Dieser hatte die Idee, den Ofen wieder zu befeuern. Wenn sie der Alten ordentlich Feuer unter dem Hintern machen würden, würde sie bestimmt verraten, wo sie ihren Schmuck versteckt hat. Im Hof fanden sie noch einiges an Feuerholz. Sie mussten also nicht noch in den Wald, suchen gehen. Während die alte Frau im Ofen um ihr Leben winselte, legten sie Scheit auf Scheit und entzündeten schließlich das Feuer im Ofen. Die Frau schrie und schrie. Aber es war ihr nichts über den Schmuck zu entlocken. Sie beteuerte unter den schlimmsten Qualen, nie Schmuck in ihrer armseligen Hütte gehabt zu haben. Langsam erstarben ihre Schreie und ein widerlicher Gestank nach verbrannten Chicken Wings trieb die Kids nach Hause.

    Copyright: Wladimir Putin

  • eulenfeder

    naja – wütend bin ich auch völlig zurecht und krieg auch aufs maul weil ich mich dazu äussere…
    aber hier ist Konstantins einsatz zu loben und nur darum gehts hier !
    eben weil er verhindern will dass wiedermal gemordet wird !

  • derdereinsaufsmaulkriegtwennereinennamenhat

    Ich halte Konstantin für streitbar und nachdenklich und glaube nicht, dass er nur gebauchpinselt werden will. Dann wäre mein Kommentar sicher nicht freigeschaltet worden. 😉

  • eulenfeder

    freigeschasltet wird hier alles – siehst es ja an meinen kommentaren …. haha….

  • Bernhard Schülke

    Hallo Konstantin,

    Deinen Text habe ich in mein Blog übernommen:
    http://bernhardsweblog.blogspot.com/2013/09/konstantin-weckers-brief-obama.html.

    Etwas Kritik zur Überschrift: Von … an … ist ganz nett, doch fehlt der Bezug. Wie wäre es mit „Stichwort Syrien: Konstantin Weckers Brief…“ oder mit „Konstantin … an Obama (anläßlich der drohenden Bombadierung Syriens)“ oder so ähnlich…

  • martini ralph

    Endlich mal jemand der die Wahrheit sagt. Ich kann mich voll und ganz mit demInhalt identifizieren. Oh Mister Präsident, sind sie nicht Friedensnobelpreisträger? Geben sie den Preis zurück es ist eine Schande! DIE WELT HAT SICH GEIRRT, SIE SIND NICHT ANDERS ALS IHR VORGÄNGER.

  • Sabine Schneider

    Lieber Herr Wecker,
    ja, endlich ein Prominenter auf der richtigen Seite und der seinen Standpunkt, Standort differenziert öffentlich bekundet. Hört man den offiziellen Verlautbarunge aus St.Petersburg zu, scheint es ein Spielchen und nicht womöglich Massenmord an unzähligen Menschen und Zerstörung wunderschönener alter Städte und Landschaften zu sein. Wo sind wir um Gottes willen gelandet?! Die US-Regierung, die den Begriff Demokratie auf Ihre Fahnen geschrieben und inflationär im Munde führt, beschmutzt das Wort, denn auch die Amerikaner wollen diesen Krieg gegen Syrien nicht. Giftgas sollte es schon im Irak gegeben haben. Nichts gab es außer machtpolitischer Kalküle. Wie jetzt.
    Ich wollte mich bei Ihnen für die Courage bedanken und ausdrücken, dass ich geistig mitmache und Ihnen folge: sind die Menschen noch bei Trost???
    Herzlich,
    Sabine Schneider

  • Piranha

    Master of Desaster

    Hinter dem ach so wohlwollenden Großtantengehabe und unter den üblichen Sprechblasen verbirgt sich nichts anderes als 2002.

    Wer 2002 mit „uneingeschränkter Solidarität“ eilends nach Washington gereist ist um sich als BushZäpfchen zu betätigen, was kann heute von so jemandem erwartet werden.
    Zwei Wochen vor der Wahl.
    Eine kleine Prise Zucker „sei still, Volk, ich mach das schon für euch“.
    Was bleibt von G 20?
    Die Lieblingssprechblase: „Da müssen wir uns mal zusammensetzen und eine gemeinsame Lösung finden“.
    Klar – demnächst im Theater Vilnius.

    Die BRD ist weltweit der zweit- bzw. drittgrößte Waffenexporteur.
    Hauptabnehmer Griechenland (!) und Türkei.
    Das hat natürlich überhaupt nichts mit Syrien zu tun, gelle?
    Die Türkei ist auch nicht in der EU.
    An das Geschwafel von der „privilegierten Partnerschaft“ erinnere man sich jedoch.
    Und so ein Partner… war da nicht mal etwas von Giftgas gegen Kurden???
    Frau Merkel: wollten Sie seinerzeit keine UN-Truppe zur Beweissicherung?
    Nein? Warum nicht?
    Herr Obama: welche Menschen sind schützenswert, welche nicht?

    Friedensnobelpreis! Is klar!

    Die Dynamit Nobel AG mit Sitz in Troisdorf wurde nach Skandalen 2004 aufgelöst und die Firmenanteile an andere Waffenhersteller verkauft.
    Die letzte Bilanzsumme in 2003: 2,5 Milliarden Euro.

    Um mit Max Liebermann zu sprechen:
    „Ach, wissen se, ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte“

  • eulenfeder

    ja Piranha-

    das ist politik – ein dreckiges und verlogenes gescvhäft.
    warum also immer nach politischen lösungen suchen !?

    mich erzürnt momentan wiedermal die scheinheiligkeit und doppelmoral des weltpolizisten.
    nachdem man jahrelang einem krieg in seiner ganzen grausamkeit untätig zugeschaut hat – keine moralischen bedenken hatte – weil nur konventionelle waffen benutzt wurden – wird nun die nase gerümpft, plötzlich.
    also: das töten, enthaupten, foltern, vergewaltigen, abschlachten bis hin zu den kindern – das alles war ein eingreifen nicht wert bisher.
    die politischen hintergrund-interessen waren nicht verlockend genug.
    solche stehen auch hinter putins haltung natürlich.

    über obamas kommode hängt der nobel price of peace als schmückendes beiwerk neben der gerahmten verfassung der usa –
    jedoch fehlte noch ein letzter beweis für einen guten präsidenten, die fähigkeit und bereitschaft als kriegsherr dieses von gott so gesegnete land zu verteidigen.
    da kommt nun das giftgas gerade recht….

  • Agent Lemon

    Hallo Konstantin.
    wir haben uns vor 20 Jahren mal in Heidelberg kennengelernt. Freut mich, das du dich diesen Initiativen anschliesst. Schon sehr bedenklich, wie viele kriegstreiber es in D noch(wieder) gibt.
    Gratuliere zu deinem Brief
    Agent lemon

  • TanteElfriede

    Moin,

    wow…sehr gut geschrieben und sehr nah an meinem Gedankengut. Gleich mal bei FB geteilt… kann nicht schaden, wenn ein paar mehr das lesen…und die NSA…nun, da hab ich wenig Hoffnung, dass es dort verstanden wird…falls ja, dann würde es auf jeden Fall eine Beobachtung Wert sein, denn Kritik ist ja leider nicht mehr so ohne weiteres erlaubt.

    Ich weiß noch, als ich nach dem 11ten 9ten und den Bomben in Afganistan einem Amerikanischen Freund sagte, ich hätte Sorgen, dass Hamburg das nächste Ziel sei…immerhin waren wir hier ebenso „beteiligt“…zufälliger Studienort… diese eine kritische Bemerkung hat die Freundschaft beendet…und noch heute halte ich den Vergleich für zulässig.

    gruss

  • Jan G. aus M

    Es ist schon bemerkenswert, dass so ein pointierter Text so ein Nischendasein auf einer mehr oder minder unbekannten Internetseite fristet. Derartige Artikel würde ich mir weltweit in den „systemrelevanten“ Medien wünschen.

    Allerdings teile ich die eingehende Auffassung, dass die Adressaten derartige Briefe zu Hauf bekommen und sämtlich nicht lesen.

    Letztlich sollte man sich auch keinen Illusionen hingeben. Es geht hier nicht um „Ethik“. Politisches Handeln orientiert sich an „Mehrwerten“. Es sind aber nicht die „Mehrwerte“ sondern die Eigenen.

    Solange nicht irgendwelche eigene Interessen berührt sind, ist es schlicht nicht relevant.

    Viel wichtiger erscheint mir aber die unsägliche Suche nach Highlights. Dies gilt im Positiven wie leider auch im Negativen und als Perversion des Ganzen auch in kriegerischen Auseindersetzungen.

    Der Giftgaseinsatz war so ein „pevreses Highlight“.

    Sysrien ist aber auch ohne diesen Einsatz kein Garten Eden. Es sterben dort täglich Menschen durch kriegerische Auseindersetzungen. Wenn erst der Einsatz von Giftgas eine überschrittene rote Linie ist, was ist dann die Tötung eines Menschen durch eine banale Schußwaffe. Lustiger Alltag ?

    Entweder Syrien ist relevant oder nicht.

    Wir sollten aber nicht so tun, als wäre diese Frage erst zu beantworten, seit Giftgas im Einsatz ist.

    Das wäre verlogen.

    Offene Briefe sind insofern eine feine Sache. Sie sind aber wirkungsvoller und glaubwürdiger (Empfängerbezogen), wenn Sie nicht im so einer allgemeinen Hysterie geschrieben werden.

    Syrien ist im Moment einfach Thema Nummer 1 in den Sytemmedien, demächst ist es vermutlich wieder irgendeine Vogelgrippe und dann könnte ein Amoklauf mal wieder Thema für Verschärfungen der Waffengesetze sein. Jedes Thema hat etwa ein Halbwertzeit von einem Monat. Dann ist es verbraucht.

    Vielleicht sollten wir alle etwas nachhaltiger in unserer Kritik sein und nicht nur dem allgemeinen Massentaumel folgen.

    Wenn das so wäre, wären Regimes wie das von Assad gar nicht möglich. Nur mal so zur Erinnerung: In 2011 war Assad beim damaligen Kanzler Schröder noch auf Staasbesuch….

  • mof

    Gut wie IMMER!
    Dazu den richtigen Schmäh …

    Aber ein Feler dennoch: DU-Munition ist nicht mit Uran ummantelt sondern der Kern
    der Geschosse besteht aus abgereichertem Uran – einem Abfallprodukt der Kernkraftwerke und der Wiederaufbereitungsanlagen.

    Ansonsten: weiter so!!!!

  • Gerd Lange

    Sehr geehrter Herr Konstantin Wecker,

    mit Ihrem offenen Brief sprechen Sie mir aus der Seele.

    Ich bin mittlerweile fast fertig mit Herrn Obama. Yes we can Change waren seine maßgeblichen Worte. Heute gesehen alles nur Schall und Rauch.

    In diesen Tagen der politischen Hetze gegen Syrien, der Androhung von Gewalt gegen einen souveränen Staat, ist Ihr offener Brief ein gutes Dokument, dass nicht alle sich dieser Hetze anschließen. Wie traurigerweise ein Großteil der Medien. Die Vereinten Nationen verbieten ja gemäß der Charta, Gewalt gegen Staaten und auch die Androhung derselben.

    Wie Sie schreiben, gab es in der Geschichte schon viele traurige Beispiele, wie man mit Lügen und Unwahrheiten einen Kriegsgrund heranzuzüchten versucht. Das war im 2. Weltkrieg so, das war im Vietnamkrieg so und nicht zuletzt beim Krieg gegen Saddam Hussein. Ich nehme auch sehr stark an, dass dies im Syrienkonflikt so ist.

    Welches Land hat seit dem 2. Weltkrieg am häufigsten Kriege geführt? Die angebliche Demokratie USA.

    Ihr Satz, Herr Wecker, dass man der USA die moralische Kompetenz abspricht, aus angeblich ethischen Gründen Angriffskriege zu führen, spricht mir aus der Seele.

    Freundliche Grüße

    Gerd Lange

  • klein manfred

    Ich finde das als eine gut Sache, es müssten mehr solcher Menschen sich einmischen!
    M. Klein

  • heinz szabo

    Hallo Herr Wecker,
    100 %-ige Zustimmung. Der US-Präsident hat die Hoffnungen vieler Millionen Meschen bitter enttäuscht. Ihr offener Brief war eine sehr gute Idee und bringt hoffentlich viele Menschen zum Nachdenken, die Ihren Brief lesen.

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  • […] P.S: Herzlichen Glückwunsch dem britischen Unterhaus!! ***EINE HISTORISCHE NIEDERLAGE DER KRIEGSFRAKTION*** British Parliament Votes Against Syria Strike +++ The first time a Prime Minister has lost a vote for war since 1782!!!!! Quelle: Hinter-den-Schlagzeilen […]

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