InHumankapital

Szenenfoto aus dem Film "Pink Floyd: The Wall" v. Alan Parker

Szenenfoto aus dem Film “Pink Floyd: The Wall” v. Alan Parker

Menschen in kapitalistischen Gesellschaften sollen nicht nur Waren konsumieren, sie sollten auch ihrer eigenen Umformung zu Waren im Sinne der ökonomischen Verwertbarkeitslogik zustimmen. Dies geschieht im Zuge einer gnadelosen Umerziehungskampagne, die uns dazu bringen soll, jene “Werte”, die uns kaputt machen, zu verinnerlichen. Besonders schlimm ist dies bei Kindern, deren Prägung auf Konsum, neue Medien und Markentreue schon im Kleinkindalter beginnt – ohne dass Eltern oder irgendeine Art von Jugendschutz dem Treiben Einhalt gebietet. (Georg Rammer)

Bei den Koalitionsverhandlungen ist Armut kein Thema und schon gar nicht der soziale Graben, der die Gesellschaft in Profiteure und Verlierer teilt. Die neoliberale Ideologie, die dem Kapitalismus in 25 Jahren einen enormen Schub verliehen hat, beherrscht die Politik. Vor allem ist es gelungen, diese Ideologie in den Seelen sehr vieler Menschen zu verankern; sie prägt Erziehung und Beziehungen ebenso wie die Identität von Kindern und Jugendlichen.

In Umfragen äußern zwar sehr viele Menschen massive Kritik an diesem System der marktkonformen Demokratie – aber sie wählen es mit überwältigenden Mehrheiten. Diese „kognitive Dissonanz“ ist das Ergebnis einer beispiellosen Umerziehung der Gesellschaft, die sich zunehmend mit den Werten und Normen identifiziert, die ihr eigentlich großen Schaden zufügen. Die Werte und Normen sind Erfolg und Effizienz und die Wege dorthin sind Wettbewerb und Selbstmanagement. Mächtige Instanzen arbeiten daran, der jungen Generation global eine neue Identität einzupflanzen.

Die allermeisten Familien haben „Super-Nannys“ in die Familie geholt, die ihnen zwar nicht die Arbeit mit den Kindern abnehmen, deren Einfluss aber auf die seelische Entwicklung, auf Denken und Fühlen, auf Geschmack und Ideale, Lebensziele und Selbstdarstellung beträchtlich ist: TV und Internet, Smartphone und Facebook. Bereits von klein auf sind Kinder Adressaten eines Sperrfeuers von Verführung und Manipulation. Die Agenten bombardieren sie mit allen Tricks, denn sie wissen um den Einfluss der Kleinen auf die Kaufentscheidungen der Eltern. Wie Benjamin Barber einen dieser Agenten zitiert, wird in dieser Schlacht jenes Unternehmen siegen, „das die Kids am besten versteht, ihre emotionalen Bedürfnisse, ihre Phantasien, ihre Träume, ihre Wünsche. Dieses Wissen ist die mächtigste Waffe im Arsenal des Vermarkters, der das Herz der Kinder gewinnen will.“ Die Kinder sind die Opfer dieser Schlacht und weit und breit ist keine Kinder- und Jugendhilfe, die diese Schlacht anprangert und unterbindet.

Agenturen sind damit befasst, die emotionalen Bedürfnisse und Träume der Kinder auszuforschen. Die KidsVerbraucherAnalyse hat schon Vierjährige im Visier, um ihre Rolle als Konsumenten und Kaufentscheider zu analysieren und die Ergebnisse für Marketing- und Werbeplanung zur Verfügung zu stellen. Der Konzern Facebook ist milliardenschwer – nicht durch Produkte, sondern durch den Verkauf persönlicher und intimer Daten von meist jungen Leuten; mit Hilfe dieser Persönlichkeitsprofile können Konzerne auf jedes einzelne Kind zugeschnittene Werbung im Netz einblenden.

Kinder als Konsumenten sind Ziel dieser umfassenden Manipulation mit Hilfe raffinierter emotionaler und Sinne stimulierender Botschaften. Häufig stellt aber nicht der Gebrauchswert der Markenklamotten und süßen Verlockungen oder des Elektrospielzeugs das eigentlich Attraktive dar. „Konsumieren bedeutet heute nicht mehr, sich Genussmittel verschaffen, sondern in gesellschaftliche Zugehörigkeit investieren – was in einer Konsumentengesellschaft bedeuten muss: in die eigene `Verkäuflichkeit´“, sagt der Soziologe Zygmunt Bauman (Blätter, 13/10).

Wenn die Kinder von einer Marke abhängig geworden sind, ist das Ziel der „Dealer“ erreicht. Und der Prozess der Abrichtung zum Konsumenten hat sie dabei innerlich verändert: Sie konsumieren nicht nur Waren, sie haben vielmehr akzeptieren gelernt, dass alles und alle nicht an sich, sondern nur als Ware einen Wert haben. Der Konsum wird quasi als Investition in die Selbst-AG vorgenommen, um die Selbstverwertung effektiver managen zu können. „Ein verkaufsfähiges Produkt zu werden und zu bleiben“ ist nach Bauman die Hauptsorge der Nutznießer, wobei sie selbst zum Konsumgut werden. Alle Produkte, einschließlich der Zahl der Beziehungen, haben das Ziel, den eigenen Marktwert zu erhöhen. Die Kinder und Jugendlichen müssen sich selbst in ein nachgefragtes Produkt verwandeln, um nicht exkommuniziert zu werden.

Wenn diese Beeinflussung Erfolg hat, stehen junge Leute nicht nur der Produktion zur Verfügung, sie akzeptieren sich selbst und ihre Fähigkeiten als Humankapital. Von ihnen ist kein Protest zu erwarten. Diejenigen aber, die in diesem Prozess der Produktwerdung und der Selbstvermarktung nicht mithalten können, haben keine Gnade zu erwarten. Der neoliberale Kapitalismus sorgt nicht für soziale Gerechtigkeit und Ausgleich, für Chancengleichheit und Förderung der Benachteiligten, sondern für Training der Starken und Effektiven, für Belohnung der „Exzellenz“. Die Abgehängten bekommen danach gerade so viel, wie ihnen nach diesem Prinzip zusteht: sie sollen nicht verhungern, wir leben schließlich in einem sozialen Rechtsstaat. Würde und Entfaltung der Persönlichkeit? Sie sollen sich gefälligst anstrengen, um ihre Selbstvermarktung effektiver zu gestalten. Der Trick der die öffentliche Meinung beherrschenden politisch-wirtschaftlichen Elite besteht darin, die Ergebnisse ökonomischer Entscheidungen und massiver Beeinflussung (Armut und Ungleichheit, Konsumverhalten und Lebensstile) als „natürliche“ Tatsachen, Produkt autonomer Entscheidungen oder als feste Eigenschaften zu individualisieren und zu entpolitisieren.

So schließt sich heute der Kreis: Die Anhänger des neoliberalen Welt- und des sozialdarwinistischen Menschenbildes sind am Ziel ihrer Wünsche. Die Markt-Menschen konsumieren nicht nur, sie haben das Prinzip der Vermarktung internalisiert. Sie haben sich zueigen gemacht, dass sie ein Produkt sind, das verwertet werden muss. Für auf Ausgleich bedachte Sozialpolitik ist da weder Raum noch Bedarf. Die Sozialpolitik schafft sich ab. Wieso sollen Loser gefördert, wieso Gewinner durch höhere Steuern belastet werden? Genauso wie für Banken das Kunst- und Sport-Sponsoring immer auch Public Relations ist, genauso wie Konzerne Spenden an Parteien als Gewinn bringende Investition betrachten, genauso betreibt die Regierung (und die EU) nicht Sozialpolitik für menschenwürdiges soziales Zusammenleben, sondern investiert in Humankapital, um es Konzernen zur profitablen Verwertung zur Verfügung zu stellen.

Blauäugig erscheint auf diesem Hintergrund die Forderung von Wohlfahrtsverbänden und UNICEF nach Bildungsgerechtigkeit. „Bildung sollte frühzeitige und gezielte Förderung für benachteiligte Kinder umfassen“, rät Unicef den Regierungsparteien. Diese werden den Rat nicht beherzigen. Bildung ist für sie Förderung zukünftiger Leistungsträger und sie ist eine Ware wie alles, was uns umgibt und was wir sind. Allerdings ist Deutschland durchaus bereit, den jungen Menschen anderer Länder – besonders der verarmenden Staaten in Südeuropa – zu helfen: Wenn sie gut ausgebildet und top motiviert sind, dürfen sie hier arbeiten.

Die Bundesanstalt für Arbeit will spanische Ärzte und griechische Ingenieure anwerben; ihre zentrale Auslands- und Fachvermittlungsstelle sucht auch IT-Spezialisten und Pflegekräfte. Das zuständige Bundesministerium unterstützt deutsche Anbieter von Aus- und Weiterbildung bei der Erschließung des schnell wachsenden internationalen Bildungsmarktes. Auch Großkonzerne wie SAP wollen Südeuropas Fachkräfte anlocken – „Ihr Griechen und Spanier, kommet doch all“, karikiert die SZ die Anwerbebemühungen. Die deutsche Politik fremdenfeindlich? Nicht, wenn es um gut verwertbare Arbeitskräfte geht. Dass deren Ausbildung für uns kostenlos war und ihre Qualifikation in den Heimatländern zu weiterem Ausbluten führt, das ist zwar bedauerlich, aber marktkonform. Und das ist die Hauptsache.

(aus: Ossietzky 25/2013 – Zweiwochenschrift für Politik, Kultur, Wirtschaft)

36 Kommentare zu „InHumankapital“

  1. PeWi sagt:

    Alle Bevölkerungsschichten mehrheitlich haben sich von diesem inhumanen Weltbild anstecken lassen. Auch ältere Leute, die es doch besser wissen müssten, lassen sich verhilflosen, in dem sie nur noch mit Smarthpones herumhantieren. Jede App muss man downloaden, damit man auch die richtigen Dinge kaufen kann. Dass dahinter ein Geschäftsmodell steckt, dass jeden Müll an den Mann bringen will, wird nicht mehr erkannt bzw. will man nicht erkennen. Denken ist ja anstrengend und wir lassen immer mehr denken. Nur, in welche Richtung? Den meisten ist das egal. Hauptsache ihr Konsum rollt und sie sind dabei. Was soll man von Kindern erwarten, wenn nicht mal mehr die Großeltern gewillt sind, hinter die Fassaden der Verwerter zu schauen, wenn sie sich von Konsum einlullen lassen.

  2. eulenfeder sagt:

    …sehr gut dargestellt – Herr Rammer – den menschen der zukunft, der gegenwart schon sogar. jegliche individualität wird zerstört, ich fürchte das ist nicht aufzuhalten . wenn man schon älter ist und zurückblickt – dann erkennt man den niedergang so klar und deutlich, muss mehr und mehr konservativ sein um nicht völlig zu verblöden.
    ich bin mmer wieder erstaunt wie die zeit die science-fiction von früher einholt, bestätigt.

  3. Clemens sagt:

    Lieber Georg,
    du hast das (mal wieder) hervorrragend analysiert und prägnant auf den Punkt gebracht. Nur: wo ansetzen mit der gegenwehr, was tun (sprach Lenin) ? Außer natürlich im persönlichen, individuellen Umfeld anzusetzen, was ich auch für sehr wichtig halte, sehe ich zur Zeit wenig gesellschaftlich relevante Gegenbewegung dazu.
    Aber: die Hoffnung stirbt zuletzt …..

  4. Heidrun Mohr sagt:

    PeWi`s Kommentar umfaßt meiner Meinung nach den Großteil der Gründe, wie es dazu hat in immer schneller aufeinander folgenden Phasen kommen können:
    – Nicht selbst denken und entscheiden, vermeintlich komfortabel Fertigprodukte kaufen, spart Überlegung, wann und wo frisch, vor allem was fällt weg, einmal durch einen überdimensionierten Supermarkt, und Zubereitungszeit geht gegen Null. Kinder lernen durch Zuschauen…… – Alle Produkte des tgl. Lebens gibt es in billig und sofort konsumierbar.
    Wo diese herkommen, aus was sie bestehen, ob gesund oder nicht, wo produziert, ob gerechte Entlohnung für billig-Produkt, – boah, wer will das wissen…
    Die eingesparte Zeit ist für TV, Telefon und PC.
    Gemeinsame Familienabende ohne PC und TV, dürften Vielen mittlerweile wie eine Geschichte aus einer vergangenen Epoche vorkommen.
    – Und vor allem Opa und Oma wollen hipp sein, jugendlich forevever, alt ist keine Auszeichnung für gut gelebtes Leben und entsprechende Erfahrung,
    – fügen sich ein ohne Bedenken, mit Freude und Trotz, dem Strom derer, das Konsum die allein glückseligmachende Volkslebensart ist.

    Teilweise, wenn ich das irre Gewusel um mich mitbekomme, was “man/ frau” heute alles so angeblich haben muß, und fast entsetzte Rückfragen z.B. wegen meinem 11 Jahre alten handy bekomm, das alles tut, was ich von ihm erwarte, oder warum ich nicht schon längst dies oder jenes angeschafft habe, ist es schon eigenartig, Puritaner-Gedanken zu haben. aber ein Zeitstromverweigerer in Bezug auf den allgemeinen Konsumterror, für mich eher eine ganz heftige Hysterie: “Schau mal, was ich/ wir alles haben, uns leisten können…und nicht mehr tun müssen”:

    So nach und nach wird die eigene Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit immer konsum- und allgemein-orientierter, alle haben und tun auf diese Art und Weise, ist Standard, muss ich auch. Sich selbst zu einem Konsumroboter, der in einer Standardumgebung wohnt, einen entsprechenden Arbeitsplatz hat und die Freizeit auch entsprechend verdödelt. Die Industrie freut sich, wenn es so weitergeht, gibt es keine individuellen, kleineren Mengen mehr, die ja in der Produktion teurer sind.

    Drei Tage kein Strom im ganzen Land würde kriegsähnliche Zustände ergeben. Alle vergessenen Fähigkeiten, die die kleinen tgl. Helferchen erledigen, die dann daliegen stumm und starr, Bevorratung ist altmodisch, hat kaum Jemand, Und wenn kein Strom, kein PC/ Computer, der die Lageristik der Supermärkte, Tankstellen etc. pp., weiter wie aus böser Zauberhand erledigt. Und da aus dem Bereich schon seit mehreren Jahren die letzten Menschen wegrationiert wurden…..läßt sich nicht mal so eben ein Notfallprogramm umsetzen. Geheime Vorratslager, das hier Niemand verhungert, gibt es ja. Aber der Rest liegt brach. Ein Hoch auf den Fortschritt….. und ein danke an den Wettergott, das die Strromtrassen nicht z.B. durch Schnee oder Sturm länger lahm gelegt wurden, seit alles über Technik und Strom läuft.

    Nur dunkel denken und aufzeigen ist nicht mein Herangehen:

    Mein Zauberwort ist Zeit:

    Ich suche selbst, zwar auch im Internet, nicht “draußen”, wenn ich anfange zu sondieren, etwas Neues, was erforderlich ist, anzuschaffen.
    Dauert länger, aber ich bekomme das, was ich möchte, und bin mir recht sicher, genau hingesehen zu haben, ob Gegenstand x alles kann und vllt. gar etwas mehr, die Qualität stimmt und der Preis. Und wenn prüfbar, das Niemand dafür sklavenähnlich gearbeitet hat.

    Ich simse, maile äußerst ungern- und verabrede lieber “live und in Farbe-Gespräche”, Telefon ist besser als nix, wenn live nicht geht.
    Und vor allem, überall und immer erreichbar- ist nicht human und wer auch mal eigene Gedanken zu einem Teppich spinnen möchte, braucht Zeit und altmodisch anmutend Muße, der Kopf darf mal auf normal herunterschalten, kein Hochleistungs-multitasking. Mehrere Sachen gleichzeitig sollte m.M. eh die Ausnahme sein.

    Kurzum: Die Ausgewachsenen haben es selbst in der Hand, ob oder ob nicht, die allgemeine Verflachung nach ihnen greifen kann oder darf.

    Sobald aber Kinder im Spiel sind, sollte jeder sich darauf besinnen, daß die allgemeine Tendenz zu Verflachung und Verblödung und Konsum wohl alles Andere als menschliche Umgebung und Art zum Aufwachsen ist, wenn über kurz oder lang nicht nur o.g. Konsumroboter hier herumgeistern sollen.

    So lange noch soviel erleb- und genießbare Natur da ist, ist dies wohl für Eltern, Lehrer, Erzieher und alle Erwachsenen ein Leichtes den Gedanken ausreifen zu lassen und in Handeln umzusetzen, daß Einbindung ins Leben Lebensqualität gibt – und für Kinder ein Paradies.

    Zeit für das, was wichtig ist (bei Jedem unterschiedlich) sich nehmen und geben und schenken.

    Zurück zu menschlichen Identitätsmerkmalen: Familie und Freunde, Bekannte, gute Nachbarschaft, alltägliche Rituale in Familien wieder beleben und die Technikgeister auf Rang hinter 4 verbannen. Es gruselt doch, sich vorzustellen, im Jahr z.B. 2013 geboren zu sein, und zwanzig Jahre später zu hören, Alle waren am PC, smartphone, TV. Reden und richtig kennen, mein engstes Umfeld, nö…….Wünsche und Träume der Engsten will ich erst gar nicht mehr näher hinzuziehen.

  5. Thomas 571 sagt:

    Tut gut, solche Artikel und Kommentare zu lesen.

    Wir bräuchten mehr davon, ist wie ein Therapeutikum, eine Art “Impfung” gegen den Wahnsinn, der Normalität zu werden droht.

    Weiter so!

  6. Tiefrot sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Artikel !
    Ich kann mich noch an die Konsumterror-Diskussion in den 80ern erinnern.
    Heute wäre sowas nötiger denn je !
    Ob aber jemand seine Konsequenzen daraus zieht, steht auf einem ganz anderen Blatt.

  7. MacPaul sagt:

    Man kann es auch kürzer formulieren: die Menschen werden selbst zu der Projektion, die die Industrie auf sie projiziert. Trägt du die und die Klamotten, bist du cool, haste ein iPhone, biste hip und so weiter. In Ermangelung eines eigenen Egos und eigenen Erlebens werden die Menschen zu dieser Projektion, die sie dann natürlich mit Klauen und Zähnen verteidigen, weil sie nichts anderes mehr haben. Sie werden zu Sektenanhängern ohne Eigenleben.

  8. eulenfeder sagt:

    …raushalten – liebe Heidrun – kann sich der arme in vielerlei hinsicht nicht, hat auch keine möglichkeiten ein leben anders zu gestalten, kann nicht auswählen, … ich tendiere immer mehr zu einem endgültigen fallenlassen in die obdachlosigkeit – hart und lebensgefährlich besonders im winter – aber frei dann von fast allem…

  9. Heidrun Mohr sagt:

    liebe eulenfeder, du machst mir richtig angst. freiwillig in die endgültige obdachlosigkeit – das darf nicht ausgereift überlegt dein ernst sein. als kurzzeitiger oder phasiger, mutloser, bitterer und des kämpfens müde um die wenigen dinge des tgl. lebens, die unter hartz4 als gütige heilsgabe gepriesen werden, kann ich aus eigenem erleben in allen bösen spielarten absolut nachvollziehen. aber ich habe schon für mein gefühl für ein kleines leben zu oft wuträusche gehabt, wegen unseren ach so netten mitmenschen, die durch einen sekundenbruchteilblick andere in die – bitte festhalten, tief einatmen- auswurfecke sortiert, mit blick bedacht und impulsiven riesenbogen laufen, nur keinen mm zu nah- empört, angewidert den kopfschütteln von dannen eilten. bei einem dieser schocker war ich zum glück nicht allein. auf dem nicht kleinen vorplatz des neusser nebeneingangs des hbf, richtung innenstadt, lag damals busstopp um ins umland zu kommen. nach der schule dort gerade ehemaigen klassenkameraden getroffen, vertieft in weißt du noch und bauchweh vor lauter dönnekes, sahen wir beide gleichzeitig einen schlohweißen kopf mit langen haaren und bart fallen nach taumeln und dann sich schlapp auf dem kalten boden winden, kopf immer wieder auf den boden hauend. wir waren etliche meter entfernt und obwohl so schnell wie möglich laufend, auch nicht wie der blitz da. und die einzelnen, wartenden taxifahrer, tür offen, beine halb herausgeflätzt schauten cool, gelangweilt zu. alle in den bahnhof strömenden stoppten in sicherer entfernung um zu sehen, wie sie mit großmöglichstem abstand ins gebäude kamen. der alte herr bekam neue schultasche von roland, dem ex-schulkamerad unter den kopf, “obwohl”** durch das weitere winden alle sekrete das leder näßten- ** ihm genauso egal wie mir, die jacke als polster in den nacken gelegt hat. er war bei nahsein weder betrunken, noch berber= obdachlos, sondern krank! die epilepsie hat ihn von den füssen geholt. glaub bloß nicht, das die kutscher, taxileute das coole glotzen beendet hätten. Og Schulkamerad war mir nicht massiv genug, für das was überfällig fehlte. mit frohlocken wohldosiert meine wut an den richtigen addressaten bringen zu können, habe ich den zähen coolen ersten dauerglotzer ungelogen 10 minuten bearbeiten müssen, bis er per funk endlich einen rettungswagen geholt hat. der kann von glück reden, das 16 jährige mädels nicht an anzeige wg. unterlassener hilfeleistung denken. inhaltlich zwar alles erwähnt und betont, ist das eh an dem wie an einem taucheranzug abgeperlt.

    deshalb vehement nein, nicht, wenn man seine würde gelassen bekommt, freiwillig vogelfrei.

    und wenn doch, nur da, wo naturnahes leben und überwintern ohne schäden geht. vorübergehend mut- und kraftlos sein, solch böse gedanken wälzen ist ok, aber nicht freiwillig auf die zensurbühne der mitmenschen. sorry für wechsel in kleinschreibung, aber seit gestern pinne ich viel mehr als meine hände freiwillig hergeben.

  10. Heidrun Mohr sagt:

    ergänzend zu obigem kommentar, den ich prompt durch eulenfeders ausführungen zu impulsiv geschrieben habe, nehme ich zurück, daß option vogelfrei, obdachlos überhaupt freiwillig, und wenn es auch nur kurz- dehnbarer zeitraum…-zum regenerieren und frei atmen- ohne damoklesschwert der evtl- schikanen u.ä. sei, in ordnung wär. ohne krankenversicherung ? Nein, nicht jede stadt hat täglich ehrenamtliche ärzte am start.
    – wenn eine gewisse geldsumme den krankenversicherungsschutz für eine auszeit in eigenfinanzierung erlaubt, auch nur zähneknirschend, da evtl. hemmsteine den rückkehr in die grundversorgung , wer weiß, wie lang das evtl. dauert, abblockt.
    – wenn das eintritt, womit ja jeder mittlerweile rechnen muß, ob neu-antragsteller oder weiterbewilligungs-antragsteller, ist die verschnauf- erholpause ratz-fatz für den dutt.

  11. eulenfeder sagt:

    hallo Heidrun – möhrchen ….
    ich kenne das alles – ja – könnte Dir auch genauestens beschreiben wie das erfrieren so vor sich geht…
    es geht darum ob würde in einer bürgerlichen existenz mit diesen allgegenwärtigen fesseln – oder würde als endgültig ausgestiegener !
    schon viele dunkle stunden darüber nachgedacht.
    die würde nimmt mir niemand – dazu bin ich zu stolz. aber ist es ein würdiges leben mit nur noch arbeiten um es erhalten zu können – oder würdiger in der freiheit, also davon befreit zu sein !?
    für viele stellt sich diese frage weil sie trotz strampeln eigentlich kein leben mehr haben, weil von diesem system in den dreck gedrückt !
    das leben geht so schnell vorbei und du hast nicht gelebt weil du die gesamte lebenszeit nur für das dach über den kopf und die heizung opfern musst.
    ich bewundere viele obdachlose hier in diesr reichen stadt – viele sind zufrieden auch, alle last und fesseln abgeworfen.
    philosophen dabei – die letzten jahre in freiheit oder in einer bürgerlichen existenz die erbärmlich ist und die würde angreifend .
    hätten wir ein klima wie in californien – schon lange wär ich frei, besitzlos glücklich anstatt mit etwas besitz unglücklich !
    those r the facts my dear….
    and thx for participatin’

  12. terence sagt:

    wäre es dann nicht vielleicht erstrebenswerter, ein autonomes leben zu führen? ich habe nicht das gefühl, das obdachlose zwingend ohne jegliche hilfe (zb obdachlosenunterkünfte, freie speisen, aber auch um geld bitten) auskommen. man befreit sich von einigen dingen, aber wälzt sich gleichzeitig eine andere abhängigkeit auf. zumindest stell ich mir das gerade so vor.

    ich erinner mich an einen abend unter freunden, wo es in einem gespräch darum ging, wie man aus dem system ausbrechen kann (ohne sich mittels unsäglich viel geld praktisch “darüber zu stellen”). dort kam der gedanke auf, dass es statt obdachlosigkeit womöglich sinnvoller ist, zb eine hütte zu errichten und diverse lebensmittel selbst anzubauen. evtl sogar eine art kleine gemeinde mit gleichgesinnten. oder andere dinge in dieser richtung, du erkennst sicherlich was ich ansprechen will.

    naja, nur so ein gedanke ;)
    lg

  13. eulenfeder sagt:

    ja – terence – ich weiss was Du meinst und ist erstrebenswert auch – aber – für eine hütte ( die ich selbst bauen würde als tischler mit zimmererwissen ) und den grund brauchst Du geld, auch um unabängig zu sein, auch unabhängig von weiteren staatlichen repressionen wie steuern u.s.w – unabhängigkeit wenn noch möglich geht nur mit geld oder besitz- denke da bin ich kein träumer. es geht aber auch um das ausradieren jeglicher individualität – als feigeistiger mensch heutzutage eine tägliche qual – diese zwänge und fesseln, – dies abwerfen mit dem aussteigen wird zumindest ein durchschnaufen sein, ein mehr an unblastet sein und gefesselt sein, ein frei sein wo vorher sklave von banken, konzernen und versicherungen und gesetzen und politischen idioten….. was ist der mensch eigentlich !? – ein sklave oder ein idividuum mit einem recht auf einen platz auf diesem planeten auf welchem er sein leben leben darf. dürfen wir noch leben ?

  14. ThomasWhiteFace sagt:

    liebe eulenfeder, lieber terence,
    es ist notwendig, über alternativen nachzudenken, dies sind im wahrsten sinne des wortes not-wendige existentielle fragen.
    @eulenfeder: für viele stellt sich diese frage weil sie trotz strampeln eigentlich kein leben mehr haben, weil von diesem system in den dreck gedrückt !
    das leben geht so schnell vorbei und du hast nicht gelebt weil du die gesamte lebenszeit nur für das dach über den kopf und die heizung opfern musst.
    -> das ist in der tat die ungeschminkte wahrheit, das sind die fesseln, das ist die diktatur.
    @ terence: ich erinner mich an einen abend unter freunden, wo es in einem gespräch darum ging, wie man aus dem system ausbrechen kann (ohne sich mittels unsäglich viel geld praktisch “darüber zu stellen”). dort kam der gedanke auf, dass es statt obdachlosigkeit womöglich sinnvoller ist, zb eine hütte zu errichten und diverse lebensmittel selbst anzubauen. evtl sogar eine art kleine gemeinde mit gleichgesinnten.
    -> halte ich für den richtigen weg. diskutieren wir weiter?

  15. eulenfeder sagt:

    ..sehr gerne – Thomas – können wir weiter darüber diskutieren – momentan bin ich mal wieder ziemlich leer im kopf weil ich mich ja auch immer wieder mit der situation ‘arrangieren’ muss um nicht depressiv zu werden.
    in gewisser weise bin ich längst ausgestiegen – schon als kind – müsste also nicht mehr aussteigen – jedoch lässt Dich der staat nicht in ruhe, zwingt dich immer wieder in existenzbedrohende situationen, es ist eine agressivität gegen alle die sich einer sklaverei zur wehr zu setzen versuchen.
    bisher waren immer noch schlupflöcher zu finden, also trotz staatlicher gewalt einigermassen ein indivueller mensch bleiben zu können, aber diese schlupflöcher werden enger und rarer, die möglichkeiten ein freigeistiger mensch zu bleiben totz allem – weniger.
    es geht immer mehr in richtung mitlaufen oder verrecken !
    lg
    eulenfeder- wolfsrabe

  16. Falkenauge sagt:

    Der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm bringt das anschwellende Problem des Humankapitals in seinem Buch “Gerechtigkeit; Eine Kritik des Homo oeconomicus” in bemerkenswerter Weise auf den Punkt:
    “Wir haben es mit einer Wirtschaft zu tun, die sich anschickt, totalitär zu werden, weil sie alles unter den Befehl einer ökonomischen Ratio zu zwingen sucht. (…) Aus Marktwirtschaft soll Marktgesellschaft werden. Das ist der neue Imperialismus. Er erobert nicht mehr Gebiete, sondern macht sich auf, Hirn und Herz der Menschen einzunehmen. Sein Besatzungsregime verzichtet auf körperliche Gewalt und besetzt die Zentralen der inneren Steuerung des Menschen.“
    Nachweis auf:
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/01/17/wie-die-eu-mit-dem-bologna-prozess-die-hochschulen-okkupiert/

  17. eulenfeder sagt:

    hallo Falkenauge ( ein name der mir sympathisch ist… )
    es geht ja auch um die ausgrenzung und ächtung durch jene ‘bürger’ die ‘besser’ gestellt sind, ist also auch eine brutalität durch und innerhalb der gesellschaft selbst. staatlicher zwang wird geduldet solange ein gewisses abgesichertes leben möglich – die angst die untersten könnten jenen was wegnehmen – insgesamt ist es ein ausbeutungs-system von oben nach unten, jeder tritt nach den jeweils weiter unten ‘angesiedelten’ und die untersten müssen bluten für alles.
    ein bischen freier von staatlicher gewalt und vereinnahmung ist jener der es sich leisten kann. das ganze ausmass und die hintergründe sind weitaus komplexer und grausamer, es geht tatsächich in richtung ausradierung jeglicher individuellen freiheit und dieses inhumane system hat sich längst verselbständigt.
    von der politik bewusst geschaffen und geduldet damit eine elitäre sonderklasse ihre freiheiten weiter ausleben kann.
    dazu werden immer mehr die ‘rechte’ ausgehebelt, werden nicht mehr angewandt oder zugestanden in einem automatismus des unterdrückens.
    ‘sein’ recht in anspruch nehmen kann eher jener des es sich leisten kann. diesbezüglich hat auch eine in richtung sich bereichern entwickelnde ‘rechtsanwaltskultur’ erheblich beigetragen.
    dazu meine gedanken aus viel erfahrung in nächstem kommentar…

  18. eulenfeder sagt:

    RECHT – hahahaaaa…. sorry, aber alles was recht ist – da kann ich nur noch lauthals lachen ! – sowieso ein künstlicher begriff, was recht oder unrecht wäre bestimmen jene die die macht haben darüber zu bestimmen…, wird gebeugt zum wohle und absicherung des systems, untergraben und gedehnt, missachtet und parteipolitisch-eigennützig seziert, von politikern, um die ausbeutung der blutenden unterschicht rechtlich abzusichern – dabei wird das grundgesetz mit füssen getreten von jenen die sich zur einhaltung mittels eid verpflichtet haben ! die unteren das-recht-ausübenden beamten, richter und staatsanwälte – sind nichts anderes als befehlsempfänger, rechtsbeugung zugunsten des staates – an der tagesordnung ! – bei schwierigen fällen hilft das bundesverfassungsgericht, – wer nun glauben würde dieses wäre unabhängig und würde entscheidungen gegen essentiell wichtige interessen der politik treffen – der wäre ein leichtgläubiger narr ! zudem: recht bekommt ( vielleicht ) wer sich einen rechtsanwalt leisten kann – jedoch genügt es längst nicht mehr dafür die letzten ersparnisse zusammenzukratzen, es hat sich eine anwaltskultur entwickelt, innerhalb jener kaum ein anwalt mehr einen finger rührt wenn nicht zusätzlich ein couvert mit gewissem, angemessenen inhalt über den tisch geschoben wird – eine abrechnung über die nackte honorartabelle wird als beleidigend empfunden ! – ( will er überhaupt dass ich mich für ihn einsetze ? – warum gibt er mir dann nicht mehr ? ), letztendlich hast Du Deine ersparnisse zum fenster rausgeschmissen, hast daran geglaubt – auch weil einem anwalt ausgeliefert – dass er sich für Dich einsetzt, hast ihn ja schliesslich dafür bezahlt ! – aber ohne extra wird er, der anwalt, sich nicht interessieren für Dein persönliches schicksal ! staatsanwälte, die ja insbesondere an eine einhaltung des rechts gebunden wären – sonnen sich geradezu in einer (un)rechtskultur des erpressens: “bei zahlung von ….euro zugunsten der polizeigewerkschaft wird das verfahren eingestellt – andernfalls kommt es zur anklage, das strafmass wird das angebot weit übersteigen, zusätzlich gerichtskosten, – wer sich erlaubt diesen erpresser-methoden zu widersprechen ( wie ich es schon mehrmals getan ), wird in einer art erziehungsmassnahme zu einem vielfachen des angebots verdonnert ! der vorwurf im gerichtssaal. ” justizwillkür ” – kostet dem richter nur ein lächeln !

  19. ThomasWhiteFace sagt:

    Liebe Eulenfeder. Kenne ich, diese sich ‘Arrangieren mit der Situation’, sprich entgegen besserem Wollen die Haut zu Markte zu tragen. Es ist eine gottverdammte Scheiße. Als Kind habe ich schon gemerkt, daß hier etwas nicht stimmt, und je mehr ich mich als Erwachsener damit beschäftige, weiß ich, es stimmt: Kinder bemerken die Lüge instinktiv. Klar, die stopfen die Löcher und setzen die Leute immer mehr unter Druck. Indes: Ich bin kein Humankapital, die können mich mal.
    Hatte mich in der Vergangenheit mal mit alternativen Lebensgemeinschaften beschäftigt wie mit Tempelhof oder 7 Linden. Du musst Dich halt überall einkaufen, und ob das dann das ‘Gelbe vom Ei’ ist, weiß ich auch nicht. Außerdem finde ich die Einstiegspreise z.T. auch horrend hoch, bei Tempelhof liegen die bei EUR 30.000,-.
    Hast Du Dich schonmal damit beschäftigt, was meinst Du dazu?

  20. eulenfeder sagt:

    servus Thomas –
    kenne solche projekte nicht. wenn das mit kapital verbunden ist dann sowieso von anfang an nicht gut, – aber klar- irgendwer muss besitz haben, haus und grundstück.

  21. eulenfeder sagt:

    ..da hab ich aus versehen zu früh abgeschickt – sorry.

    ich war in den ende 60er jahren lange in kommunen, hippies und studenten, nie wirklich #sesshaft#, ohne jeglichen besitz, kein geld… aber sehr glücklich.
    dann war diese fantastische zeit plötzlich vorbei und seidem habe ich keine solche seelische heimat mehr gefunden, seitdem ein einziger aussichtslosr kampf um diese erbärmliche existenz. damnt meine ich nicht ein fehlen von besitzgütern, luxus oder ähnlich unsinnigem, sondern die erbärmlichkeit eines sklavenlebens, das staatliche und gesellschaftliche erdrücken jeglicher individuller freiheiten, die absolute menschliche kälte …..
    und dass es einem nicht einmal erlaubt wird ein bescheidenes eigenes leben zu haben, zwang und unterordnung von allen seiten gefordert, ..
    ich kann mich aber nicht unterordnen – und deshalb eine endloses aufreiben deiner kraft und seele.
    ich will nur noch 1: eine einöde am waldrand oder meinetwegen im wald und nur noch mit den füssen voran dort wieder weg…. –

    hau – ich habe gesprochen

  22. ThomasWhiteFace sagt:

    Liebe Eulenfeder,
    wem sagst Du das? Ich komme quasi aus der anderen Richtung, man mag es die ‘bürgerliche’ (welch schreckliches Wort) nennen: Mehr oder weniger behütet aufgewachsen und doch schon in der Pubertät gemerkt, wie faul und verlogen dieses Schnöselsystem. Und dann hab ich nochmals ein paar Jahrzehnte gebraucht, um das voll zu schnallen, so ungeschminkt und brutal. Unterordnen will ich mich ganz sicher nicht unter diesen Scheiß. Wobei ich glaube: Das eigene bescheidene Leben, das läßt sich schaffen, ich hab zumindest die Hoffnung noch nicht aufgegeben, in so einer Art urdemokratischen Kommune. Von der Einöde am Waldrand träume ich manchmal auch, wenn ich an den Waldrändern umherschweife wie Thoreau. Oder wie ein Indianer. Klare Luft, die Natur, ein Bach, klares Wassser. Ein Traum. So wenig und doch so viel. Man will uns das nehmen. Holen wir es uns zurück!

  23. eulenfeder sagt:

    yes – chief whiteface – bruder bleichgesicht ! – 1 of these days when theres nothin’ left but naked heart and soul, pure naked life – werden wir uns zurückholen was uns gehört – raus aus dem zwangsreservat – die starken brüder rabe, wolf und eule wieder begrüssen und mit ihnen teilen, aber auch mit dem leben verteidigen….
    wie man pfeil und bogen, ein blasrohr macht habe ich nicht verlernt- und wehe euch, ihr die ihr mir die freiheit dann nehmen wollt…

  24. ThomasWhiteFace sagt:

    ? Aha. Ich dachte, das wäre ein ernsthafte Diskussion ? Da hab ich ich ja wohl getäuscht. Sei’s drum, dann noch’n schönes Leben.

  25. eulenfeder sagt:

    …oh jeh – so wars nicht gemeint – ist ernsthaft, auch diese aussage, ich bin indianer im zwangsreservat – kein scherz !!
    also – bleib und vertiefen wirs !

  26. ThomasWhiteFace sagt:

    Naja, Zwangsreservat ist wohl eher Pine Ridge, eine tragische Geschichte. Anfang des 19. Jahrhundert lag meines Wissens unsere Population noch bei 4 Mio., in den 1960 bei 212.000. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hätte fast geschafft, unsere Kultur vollständig auszurotten. Letztes Jahr sind im Winter von South Dakota (in der Prärie wird es nachts bis -40°C kalt) ca. 400 Indianer erfroren; man hatte ihnen den Strom abgestellt. Die imperialistische Geschichte ist immer die gleiche: Raub von Land, Kultur, Freiheit, Sprache, Tradition. Letztendlich Zersetzung und Zerstörung von Individualität.
    How kola, Bruder!

  27. eulenfeder sagt:

    ..ich nenne es so weil ja aufgezwungen, die bewegungsfreiheit oder die freiheit dort zu leben wo es noch weitgehendst möglich wäre mit der natur zu leben – ist ja bei uns an geld, besitz gebunden. ich bin also gezwungen in einer stadt zu leben. jene – die grundbesitz haben draussen am wald – verstehen es meist nicht dort in einem einklang zu leben, sehnen sich nach mehr ‘action’ oder sind ebenso gezwungen in städten zu leben weil dort keine finanzielle überlebensmöglichkeit. für mich war die erfüllung immer schon das eingebundensein in alles was lebt, dies zu achten und zu schützen, ein gegenseitiges nützen aber ohne zu töten. also wäre ich unter indianern auch ein aussenseiter als vegetarier, doch sie würden es verstehen, respektieren denn dieser verzicht gilt ja dem erhalt allen lebens.

    der genozid an den native people ist eines der grössten verbrechen an der menschheit und wurde begangen von uns europäern – das ist mir bewusst – und geht weiter bis heute – das ist furchtbar grausam. dabei wäre in diesem grossen land mit so viel atemberaubender natur für alle genug platz, doch die herrenrasse vernichtet bewusst, moderne sklaverei zur bereicherung an bodenschätzen, vertreibung, landraub – man macht die eigentlichen besitzer des landes zu abhängigen von sozilalleistungen und alkohol, zwingt sie in casinos und junkyards, beraubt sie an sprache und kultur insgesamt, ja – ich weiss das und bin sehr wütend, deshalb auch meine bereitschaft zu kämpfen, zu verteidigen. das gezielte vernichten von menschen die den erhalt der natur seit jeher vorleben, sich nicht nur bedienen sondern auch zurückgeben.

    du hast es natürlich gemerkt. ich bin kein native, bin hier geboren am oberpfälzer wald – aber diese verbindung zu einer mythologie der indianer war schon in meiner kindheit da wegen deren achtung vor der natur. mir ist sehr bewusst dass es nicht gut ist sich der kultur der native people zu bedienen, beleidigend sein kann auch – aber das ist nicht meine absicht. diese krafttiere – wolf, rabe, eule haben mir vor allem in meiner kindheit viel schutz und kraft eben gegeben und ist kein spleen, sonder fester bestandteil meiner persönlichkeit – auch wenn ich hier in einer ‘toten’ stadt diesen bezug nicht leben kann – sicher verstehst Du es. in gewisser weise bin auch ich meiner identität beraubt durch staatlichen und auch gesellschatlichen zwang.
    wer hier als freigeistiger mensch geboren wird – dem wird seine idividualität ‘ausgetrieben’ die mittel sind vielfältig, – es gibt also durchaus eine verbindung zu jenen in amerika oder canada.

    wenn ich mich indianer nenne dann weil es eine innere einstellung ist, die seele und das herz betreffend – nichts äussrliches selbstverständlich.
    auch ein vereehrung, aber der ehrlichen art, vorbildlich sind jene die ihre kultur noch leben können. ich glaube es gibt einen ‘trend’ hin zu einer rückbesinnung auch dort wo die zerstörung schon weit fortgeschritten ist – also der grandpa oder die grandma erzählen wieder den enkeln bewusst….

    war mal bei den Seneca östlich von den great lakes und war beindruckt davon dass man mit dem problem auch etwas anders umghen kann – ein gebiet denke so gross wie halb bayern das sie selbstverwalten können und damit einigermassen sich erhalten können. das überleben durch tourismus und verkauf von ‘indianer-kitsch’ nicht unbedingt gut – aber eine lösung zumindest. auch gute handwerkliche kunst wird ja hergestellt. die weiteren möglichen negativen hintrgründe sind mir natürlich nicht bekannt, hatte den eindruck dass es eine lösung ist zumindest.

    gerne und interessiert lese ich weiteres von Dir – und hoffe Du empfindest es nicht als anmassung dass ich mich indianer nenne, das ausradieren des individuums mensch ist ja kein örtliches problem, geschieht welteit, alo müssen wir uns erheben weltweit auch.

    sei gegrüsst Buder

  28. ThomasWhiteFace sagt:

    Liebe Eulenfeder,
    ich bekomme nach diesem Tag leider keinen vernünftigen Gedanken mehr zusammen. Ich melde mich wieder, der Schlaf ruft.
    How kola, Bruder!

  29. ThomasWhiteFace sagt:

    Deine Bestandsaufnahme ist korrekt, das zeigt, Du bist sehr fortgeschritten in Deinen Erkenntnissen, das muß man sich erst einmal erarbeiten …
    Könntest Du Dir mal das ansehen:
    http://www.siebenlinden.de/
    alt.schloss-tempelhof.de/infomaterial_video.php
    Wie denkst Du darüber?
    Kann ich Dich irgendwie erreichen außerhalb dieser Seite?

  30. eulenfeder sagt:

    hallo Thomas –
    …fortgeschritten ( man bedenke den eigentlichen wortsinn ) in meinen erkenntnissen – ja – da hast Du recht, man könnte auch weggetrieben sagen, auch entfernt von gesellschaftlichen gemeinschaften.
    hab mirs angesehen – sieht gut aus- das ‘dorf’, bist Du da engagiert ?
    die gefahr solcher prioekte ist immer der staat im staate, der da mit viel herzblut geschaffen wird und in der euphorie erkennt man oft nicht den alle betreffenden ‘zwang’ des mitmachen müssens von allem. also – wer sich dem konzept nicht unterordnet ist nicht tauglich am ende.
    wenn eine freiwilligkeit in allem gegben ist – dann wäre es schon in meinem freigeistigen sinne.
    es kristallisieren sich meist ‘lenker und denker`heraus, eine hirarchie wird geschaffen und diese will ein unterordnen !
    da alles möchte ich nicht unterstellen – meine erfahrung und mein eingebauter ‘seismograph’ in bezug auf formen der hirarchie zeigen mir das immer sofort an.
    ein freiwiliges anerkennen von anderen auf grund ihres wissnens, könnens, menschlicher qualitäten – ja, das kann ich, jedoch nicht was richtung zwang geht.
    aber wie gesagt ich weiss nichts vom innenleben dieses projektes.
    jeder ein häuptling für sich – freiwilligkeit in allen belangen – das ist meine für mich notwendige philosophie.
    meine email kannst Du vom büro wecker bekommen, werde dem Roland grüne rauchzeichen schicken ( smile ).
    aufschlussreich – vielleicht – was mich betrifft – meine biographie ‘hundslump’, hier auf hds eingestellt.
    von häuptling zu häuptling..
    liebe grüsse

  31. ThomasWhiteFace sagt:

    Liebe Eule,
    die grünen Rauchzeichen scheinen nicht angekommen zu sein, bekomme keine Antwort auf meine Mail. Kannst Du nochmal :-)
    Liebe Grüsse, schöne Abend, TWF

  32. eulenfeder sagt:

    hallo Chief –
    werde nochmal bescheid sagen – das team hat viel zu tun, kann schon mal untergehen !
    lg
    eulenfeder

  33. ThomasWhiteFace sagt:

    Das ist nett. Möchte die Eule nicht aus den Augen verlieren :-), you know.
    Gute Nacht, TWF

  34. eulenfeder sagt:

    hallo Chief –
    bitte nochmal ans team schreiben und nach meiner email fragen, der roland weiss bescheid…
    lg

  35. ThomasWhiteFace sagt:

    Yes! Habe ich heut morgen gemacht. Bis bald!

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