Entfesselte Grausamkeit

Sind sie nicht cool? Waltz und Foxx auf Menschenjagd

Sind sie nicht cool? Waltz und Foxx auf Menschenjagd

US-amerikanische Filme wie Quentin Tarantinos „Django Unchained“ vermitteln unter dem Vorwand, der Humanität und Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen, ein zutiefst reaktionäres Menschenbild. Im Sinne eines „Anti-Mitgefühlstrainings“ bewirken sie – ästhetisch verbrämt – außerdem eine Gewöhnung an abstoßende Gewalt und schnoddrig-beiläufig vollzogene Grausamkeit. Anstatt dass sich kultureller Widerstand regt und die impliziten ideologischen Muster analysiert werden, huldigen selbst intelligente Medien und Zuschauermassen den Protagonisten einer gewaltpornografischen Spaßkultur. Das Massenbewusstsein gleitet bedrohlich auf einer abschüssigen Ebene in Richtung Entmenschlichung. (Roland Rottenfußer)

„Django Unchained“ ist ein ungewöhnlich abstoßendes, ja perverses und fragwürdiges Werk. Freundlicher ausgedrückt, könnte man sagen, dass Herr Quentin Tarantino und ich völlig verschiedene Geschmäcker haben. Er steht auf Italo-Western (auch die trashigen), auf Martial Arts und auf Serien der 80, aus denen er dann seine „Schauspiel-Legenden“ rekrutiert (früher David Carradine, diesmal Don Johnson – „Miami Vice“ – als Nebendarsteller). Tarantino tritt ja in „Django“ kurz auf, und schon sein Gesichtausdruck bringt mich unweigerlich zu der Hypothese, dass er eigentlich ein großes, brutales Kind ist. Sein Film bestätigt das. Nebenbei ist er auch noch ein Genie in einem ähnlichen Sinn wie Sergio Leone eins war: grandios in Dramaturgie und Bildgestaltung, tolle Schauspielerführung, ausgefeilte Dialoge. Aber, um ein etwas drastisches Beispiel zu wählen – bekanntlich hatte der Film „Triumph des Willes“ auch „ästhetische“ Qualitäten.

Dieser Vergleich scheint nur ungerecht, da sich ja Tarantino in „Inglourious Basterds“ als Antifaschist und in „Django“ als Rassismus-Gegner profiliert hat. Es mag sein, dass er beides tatsächlich ist, aber den Humanismus nehme ich ihm in keiner Weise ab. Die Nazis und Sklavenhalter in den Filmen Tarantinos sind vor allem „Orks“, d.h. untermenschliche Kreaturen, deren blutige Hinrichtung Teil einer gewaltpornografischen Spaßkultur ist. Rache ist Tarantinos Leib- und Magenthema – d.h. das Bestreben, sich dem Niveau der Täter durch Imitation ihrer Mittel quasi nach unten anzupassen, eine Art Anti-Christentum, das sich als Gerechtigkeit tarnt. Rachedramen sind in jedem Fall der Vorwand für zweifache Gewaltdarstellung, indem nämlich zuerst der Anlass für die Rache, dann die Rache selbst blutig zelebriert werden – beides unter dem Vorwand betroffenen Mitgefühls für die Opfer. Diese gutmenschliche Hilfskonstruktion funktionierte in „Basterds“ noch besser, weil in der schönen Shosanna (Mélanie Laurent) eine wirklich sympathische Identifikationsfigur zur Verfügung stand und weil die Ermordung Hitlers selbst unter Pazifisten gelegentlich als denkbare Option gehandelt wird. In „Django“ wird jede Identifikation allerdings dadurch erschwert, dass die beiden Helden Django (Jamie Foxx) und Dr. King Schultz (Christoph Waltz) beruflich als Kopfgeldjäger arbeiten.

Django als befreiter Sklave kann die Sympathie des Zuschauers anfangs noch auf sich ziehen, bis er unter der Anleitung von Schultz eine Art Kopfgeldjäger-Ausbildung absolviert, d.h. ein Anti-Mitgefühlstraining, das es ihm möglich macht, Fremde aus der Ferne ohne Skrupel abzuknallen. Dies wird besonders deutlich und abstoßend gezeigt in einer Szene, in der Django zögert, einen Fremden in Gegenwart seines kleinen Sohnes aus dem Hinterhalt abzuknallen. Lehrmeister Schultz erklärt ihm aber, da müsse man als Kopfgeldjäger durch. Das durch gemeinsames Morden zusammengeschweißte Helden-Duo macht sich nun im Finale auf, die schöne Frau Djangos (Kerry Washington) aus den Klauen eines berüchtigten Sklavenhändlers (Leonardo diCaprio) zu befreien. Um der Frau willen hofft man trotz allem, dass dies gelingt. Schultz und der Sklavenhändler liefern sich nun ein Duell sadistisch-langgezogener, gestelzter Dialoge. Das hat seinen Reiz, zumal bei zwei so guten Schauspielern, wird jedoch dadurch getrübt, dass Dialogkunst bei Tarantino nur die Funktion eines retardierenden Moments vor dem Ausbruch von Gewaltexzessen hat. Die werden dann vor allem durch das Stilmittel spritzenden Blutes ausagiert, so als träfe die Kugel jedes Mal nicht menschliches Fleisch, sondern prall gefüllte rote Farbbeutel. Die Kultiviertheit der Sprache, speziell von Waltzs Figur, hilft dabei, der Gewalt den Anstrich kultfähiger Coolness zu verleihen. Im Kern wird eine Ideologie transportiert, die menschlichem Leben nicht mehr Wert beimisst als computergenerierten Moorhühnern, die von degenerierten Wohnstandskindern zu dutzenden virtuell abgeknallt werden – den Blick immer stolz auf das eingebaute Zählwerk gerichtet: schon 70 Leichen, mein Rekord!

Ich würde Lesern nicht unbedingt vom „Genuss“ des Films abraten, wenn sie Waltz und DiCaprio mögen, die hier wirklich auf der Höhe ihrer Kunst agieren – ebenso übrigens wie Samuel L. Jackson als sadistischer (natürlich!) Verräter seiner eigenen „Rasse“. Ich finde es allerdings höchst bedenklich, dass man in der Presse gegen den Film kaum Vorwürfe im Sinne meiner Ausführungen gelesen hat. „Django Unchained“ ist kultureller Ausdruck einer kollektiven Psyche, die schwerstens erkrankt ist. Dies gilt natürlich in erster Linie für das Urheberland, die USA, aber auch für uns, die „Satellitenstaaten“ und alle, die einer derartigen Entmenschlichungskultur, Eintritt zahlend, Popkorn kauend, feixend und fiebernd huldigen. In den Weihnachtsferien habe ich mir ja zudem bewusst eine selbst zusammengestellte Mainstream-Trilogie angeschaut, weil auch ich mir nicht ununterbrochen korrekte und intellektuell hochwertige Kost à la Bergmans „Schweigen der Erdbeeren“ reinziehen kann. Die Trilogie bestand aus dem Zombie-Streifen „World War Z“ mit Brad Pitt, „Man of Steel“, dem jüngsten Superman-Film, sowie „Star Trek: Into Darkness“, in der die Kirk-Spock-Crew mit jungen Darstellern wiederbelebt wird.

Mein Eindruck von den Filmen ist: Meine ohnehin schon geringen Erwartungen wurden – vor allem was das ethische und politisch-weltanschauliche Niveau betrifft – noch unterboten. Alle drei Filme sind Dokumente eines Phänomens, das Thomas Mann einmal besorgt den „Abfall der Epoche vom Humanen“ genannt hat. Der Zombie-Film thematisiert den gerechtfertigten Genozid an einer Untermenschen-Spezies zum Zweck der Selbstverteidigung. Der Feind, die Zombies, wird als Ekel erregend wimmelnd dargestellt. In einer besonders drastischen Szene überrennt er die Mauern der Zivilisation durch die pure Masse des zum Einsatz kommenden Untermenschenmaterials. Interessanterweise handelt es sich dabei um die Mauer, die Israel vor den Palästinensern schützt. Ich glaube nicht, dass die Filmemacher um Regisseur Marc Forster damit einen Kommentar zum Israel-Palästinenser-Problem abgeben wollten. Erkennbar schürt der Film aber die Angst der „Ersten Welt“, von den Menschenmassen der armen Länder überrannt zu werden.

„Man of Steel“, ein tricktechnisch aufgeblähtes, ohnehin erwartungsgemäß seichtes Machwerk, spiegelt erkennbar die Angst des US-Bürgers vor der Übernahme seiner Kultur durch das bedrohliche Fremde, dem wiederum nur durch Gewalt begegnet werden kann. Die Übelwichte von Supermans Heimatplaneten „Krypton“ setzen eine Megamaschine, den „Weltenwandler“ ein, der die Erde in kurzer Zeit den Lebensbedürfnissen der Aliens anpasst. Nach vollzogener Wandlung wäre die Erde für „einheimische“ Menschen unbewohnbar und könnte von den Ausländer, äh: Außerirdischen „übernommen werden.“ Zum Glück gibt es da den wohlmeinenden Übermenschen, hart wie Kruppstahl, der sich der Überfremdung im Alleingang entgegen stemmt. Eine ähnlich xenophobe Fabel hatte Steven Spielberg schon in seinem Film „Krieg der Welten“ präsentiert. Aliens werden darin von Bakterien getötet, die die Immunabwehr des heimatlichen Wirtskörpers gegen alles Fremde symbolisieren. In der Sprache bayerischer Stammtische lautet die Botschaft: „Da hockan de, de wo oiwei do hockan, und de, de ned dazua ghörn, soin wegbleibn.“

„Star Trek: Into Darkness“ ist eine Parabel auf den Terrorismus und auf das Recht einer Nation, zur Selbstverteidigung auch auf das Territorium anderer Länder überzugreifen. Hier ist es Bösewicht Khan, der sich nach vollendetem Bombenanschlag auf eine hochrangige Sternenflotten-Konferenz im Luftraum der Klingonen versteckt. Die allen Star-Trek-Fans bekannte „Oberste Direktive“, also das Gebot, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Planeten einzumischen, wird im Film durch die autokratischen Space-Heroen massiv in Frage gestellt. Sie repräsentieren somit auch die USA und die ihr ergebene westliche „Wertegemeinschaft“, die beansprucht, jeden Winkel der Welt nach Belieben mit werteorientierten Kriegen überziehen zu dürfen. Die Rüstungsfirmen freut’s.

In diesen und vergleichbaren Filmen zeigt sich das ur-amerikanische Dilemma, das schon im grandios gespielten, aber rechtslastigen Drama „Die Fremde in mir“ mit Jodie Foster angedeutet war: Inwieweit ist das Gesetz zur Abwehr des Bösen hilfreich, und inwieweit ist es nur ein lästiger Hemmschuh, der von moralisch überlegenen Einzelkämpfern abgestreift werden darf oder sogar sollte. Arbeiten die Mühlen des Gesetzes nicht allzu langsam und ineffizient? Müssen ganze Kerle (und Kerlinnen) das Gesetz des Handelns nicht unter Berufung auf eine gefühlte höhere Gerechtigkeit selbst in die Hand nehmen? Gehören Verbrecher nicht einfach abgeknallt, anstatt ihnen in zähen, betulichen Gerichtsverhandlungen auch noch die Gelegenheit zu larmoyanter Selbstdarstellung zu bieten? Wer aufpasst, wird dieses implizite Argumentationsmuster in vielen, vor allem US-amerikanischen Filmen wiederentdecken.

Man kann und sollte nun einen Zusammenhang herstellen zu solch infantil-patriotischen, fahnenselig in Gewalt schwelgenden Machwerken wie „Olympus has fallen“, in dem ein bewaffneter Good Guy im Alleingang das von Terroristen besetzte Weiße Haus (!) befreit. Man kann und sollte auch eine gedankliche Brücke schlagen zu der unerträglichen Mode der so genannten „Torture Porns“, Streifen wie „Saw“, die das explizite und anhaltende Quälen von Menschen kult- und mainstreamfähig gemacht haben. (Ich gebe zu, dass ich die Filme nur vom Hörensagen kenne, mich ihnen verweigert haben, um nicht unauslöschlich solche Bilder in mein Gehirn zu pflanzen.) Wer hier nicht abschaltet oder das Kino verlässt, sieht sich unvermeidlich einem Anti-Mitgefühlstraining ausgesetzt. Er muss seine Emotionen abschalten, muss leugnen, mit dem publikumswirksam Gefolterten Teil ein und derselben fühlenden, leidensfähigen Spezies zu sein, um das Gezeigte überhaupt ertragen zu können. Da Mitgefühl nicht aushaltbar wäre, muss es eben auch ohne Mitgefühl gehen. Und so sitzt der Zuschauer wie eingefroren da: glotzend, Bier trinkend, gegenüber gleichermaßen coolen Kameraden mit seiner Unberührtheit durch derartige Gewaltexzesse prahlend.

Man kann und sollte schließlich auch eine Verbindung herstellen zum unerträglich abstoßenden und ekelhaften „Dschungelcamp“. Erschreckend ist dabei nicht nur die bloße Existenz dieses sadistischen Torture-Big-Brother-Formats. Erschreckend ist weniger, dass sich am unteren Rand der Niveauskala ein geschmacks- und ethikfernes Publikum für dergleichen findet. Wirklich erschreckend finde ich, wie viele willfährige Zubringermedien diesen Stuss durch kritiklose PR hofieren – dabei den gleichen flapsig-schadenfroh-gefühlskalten Ton anstimmend, der in der Sendung selbst vorherrscht. Auf Seiten wie t-online.de oder web.de werden Neuigkeiten aus dem Dschungelcamp mit gleicher Frequenz und Selbstverständlichkeit vermeldet wie Fußball-News zu WM-Zeiten. Wenn Weihnachten ist, sind alle Medien auf Weihnachten gepolt; läuft gerade „Dschungelcamp“, scheint es auf allen Kanälen nichts wichtigeres zu eben. Fast alle – auch leidlich intelligente – Medien, versuchen ihren Frieden mit dem „angesagten“ TV-Format zu machen, kuschen vor der voyeuristischen Lust, Menschen entwürdigt zu sehen. Larissa im Kakerlakenbad – Dschungel-Zicke versagt bei Ekel-Prüfung. Dezent kritische Untertöne mischen sich witzelnd-verharmlosend mit einem resignierten Gruß vor dem Gesslerhut, zumindest mit einem impliziten Bekenntnis zur Relevanz des Themas und zur Existenzberechtigung derartiger Sendungen.

Betrachtet man das ganz Panorama – die hier angesprochenen Filme und Sendungen wie auch andere, die ich „genießen“ durfte – so kann einen freilich das Grauen packen. Aber es ist kein wohlig-zustimmendes Gruseln mehr. Ich schwanke diesbezüglich zwischen verschiedenen Gefühlsregungen: Abscheu, die Lust am satirischen „Zerlegen“ derartiger Kulturschöpfungen, auch ein bisschen Hoffnung noch, dass es möglich sein könnte, eine Art geistiger Brandmauer dagegen zu errichten. Aber all diese Regungen verdecken wohl auch bei mir eine noch tiefer liegende. Konstantin Wecker hat es einmal sehr schön ausgedrückt: „Da ist zwar ein Sehnen in mir …

… aber eigentlich habe ich Angst.“

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  • eulenfeder

    …ein journalist und/oder redakteur, zudem oder erst recht einer der sich für das gegenteil von allem hier so umfassend beschriebenen negativen einsetzt – muss sich wohl solchen scheiss reinziehen um ihn zerlegen, aufdecken, anklagen zu können.
    wahrlich ein gutes abwehrsystem musst Du da haben – geehrter Roland – denn es bleibt immer etwas hängen oder versucht einzudringen.
    kriegsberichterstattung muss wohl sein – das grauen muss bekannt gemacht werden, es muss aufgedeckt werden – auch die massaker an tieren müssen öffentlich ‚gemacht‘ werden.
    ich kann mir solche filme in denen der überwiegend amerikanische heroismus alles rechtfertigt, nicht mehr anschauen – auch jene nicht mehr in denen ‚kulturelle errungenschaften ‚als das grauen rechtfertigend gezeigt werden – : beim ersten treffen mit ausserirdischen im sternbild lyra stellt man überraschend fest dass man gemeinsame kulturelle wurzeln hat -: shakespeare und schweinebraten ! – ‚gott‘ bewahre uns davor dass sich dieser mensch im universum ausbreitet !
    auch habe ich mir nie ein ‚dschungel-camp‘ angesehen – muss ich nicht um zu wissen dass es ganz einfach scheisse ist, daran kann auch ein langhans nix ändern, der ja als zeichen seiner reinweissen seele in reinweisser kluft das antimaterielle verkörpert.
    eine starke abneigung gegen amerikanische action-filme hatte ich schon als 14-jähriger, musste ich doch mit anhören wie gi’s sich am biertisch köstlich darüber amüsiert hatten wie sie aus mit nägeln gefüllten schrotflinten auf kinder geschossen haben, die um nahrung bettelnd hinter den trucks herliefen ( vietnam und kambodscha ).

    ein krasses gegenbeispiel solcher schlechten filme, ein mich fesselnder guter film lief letzte woche im fernsehen ( titel weiss ich nicht weil nicht ganz von anfang an gesehen , wohl französischer film ) ein maler und ein gärtner – völlig unterschiedliche typen und charaktäre – nähern sich und es entsteht eine freundschaftliche liebe zwischen ihnen, eine gegenseitige fürsorglichkeit.

    man stelle sich vor solche und ähnliche filme würden den gesamten action-scheiss verdrängen, solche bekämen die auszeichnungen… die gesellschaft aber spiegelt sich lieber in der brutalität und grausamkeit, für sie werden solche filme gemacht.

  • ellen diederich

    Lieber Roland,

    danke für Deinen Beitrag „Entfesselte Grausamkeit“. Es tat gut zu lesen, wie du an die Sache herangegangen bist, die detaillierte Beschreibung und gleichzeitig die Darstellung Deines tiefen Abscheus vor dieser Form der Gewaltschau.

    Ich habe keinen dieser Filme gesehen, allein schon der Gedanke, mich in Bilder von solchen Grausamkeiten zu begeben, lässt das nicht zu. Dafür habe ich zu viele reale Grausamkeiten gesehen und von Menschen, die dem ausgesetzt waren, über sie gehört.
    Die Worte Mit – Leid, Mit – Gefühl oder das englische Wort compassion haben eine große Bedeutung. Diese Gefühle abzutrainieren, ist ein kriminelles Unterfangen.

    Ich habe während des Krieges in El Salvador tagelang Aussagen von Folteropfern aufgenommen. Zwischendurch sind wir in Situationen gekommen, wo wir dachten, jetzt sind wir dran. Das ist eine Angst, die ich nicht beschreiben kann.
    Dann gibt es die Berichte aus dem Chile Pinochets, aus den iranischen Gefängnissen, über Vergewaltigungen als Kriegsstrategien in Bosnien und vielen anderen Ländern, Grausamkeiten und Gewalt sind tägliche Realität. Oder die Grausamkeit des Hungertodes der vielen Tausend Kinder pro Tag, der Schmerz der Eltern ist ja nicht weniger, weil sie arme Leute sind!

    Oder wenn ich mir die Trainings in der SOA, der „School of the Americas“ vergegenwärtige, die heute , Western Hemisphere Institute for Security Cooperation heißt, kurz WHINSEC, 1946 bis 2001 hieß sie School of the Americas. Die Schule ist ein Trainingscamp der US Army in Fort Benning in Columbus, USA, wo Männer aus Lateinamerika zum Töten und zum Foltern ausgebildet werden.

    Es sind u.a. die Männer der Contras, die die revolutionären Bewegungen in Nicaragua, El Salvador und anderen lateinamerikanischen Ländern bekämpft haben, die dort ausgebildet wurden. Es ist ein ungeheurer Drill, ein Niedermachen jeder Menschlichkeit in dieser „Ausbildung“. (Siehe den Dokumentarfilm: „Die Mörderschule“, ausgestrahlt im WDR)
    Ärzte werden trainiert, bei Folterungen anwesend zu sein und zu testen, wie lange die Folteropfer bestimmte Maßnahmen von den physischen Möglichkeiten aushalten können.

    Es gibt eine Dokumentation, sie heißt: Beruf Folterer, wo einige Männer aus verschiedenen Ländern über ihre „Arbeit“ berichten.

    Wenn ich um die Grausamkeiten unserer heutigen Realität weiß, dann sträubt sich alles, mir noch Filme oder Sendungen anzuschauen, in denen Grausamkeit zelebriert wird. Und seien es auch noch so gute Schauspieler.

    Die Realität ist eine größere Lehrmeisterin als das all diese Filme je sein können.
    Mir ist immer verborgen geblieben, was an solchen Filmen, in denen eine künstlich hergestellte Gewalt und Grausamkeit zelebriert wird, unterhaltsam sein soll.

    Noch mal
    Danke für die Eröffnung dieser Diskussion!

    Ellen Diederich

  • Britta Singer

    Ein Hoch auf die Selbsgerechten. Man kann diese Filme ja finden, wie man will. Aber einzig aus den eigenen Gefühlen beim Betrachten auf die Gefühle und Motive aller anderen zu schließen, um dann moralisierende Urteile zu fällen …. irgendwie sehr selbstgerecht.

    Die völlig überzeichnete und überstrapaziert, wahnwitzig absurde Gewalt in Tarantinos Filmen macht sich – meiner Meinung nach – lustig über all die, die Gewalt in Filmen „herrlich“ finden.

    Und genau so könnte man auch über die Sehenswürdigkeit des Dschungelcamps diskutieren.

  • eulenfeder

    hallo Ellen –
    diese folterer machen es ja auch zur eigenen befriedigung perverser lust daran einen menschen zu brechen. das ‚moderne‘ foltern ist ein quälen und streicheln -abwechselnd ‚wir meinen es doch nur gut mit dir… ‚ – das ist unsagbar grausam. die lust einen mensch völlig zu zerstören, das gefühl der uneingeschränkten macht über einen menschen macht diese knechte geil und sie sind scharf drauf.
    auch wenn einer aus unbeschreiblicher angst sofort alles gesteht wird trotzdem schrittweise gequält weil ein folterer grundsätzlich nichts glaubt und es auch nicht will.
    der verbrecher bush hat von ca. 12 ‚methoden‘ nur das händeabhacken nicht genehmigt, alle anderen bestialischen grausamkeiten unterschrieben und damit rechtlich gemacht.

  • Heidrun Mohr

    den letzten satz, eigentlich habe ich angst,bestätige ich mit ich eigentlich auch. doch diesmal wettere und schimpfe ich nicht auf zuviel fortschritt und technik ala turmbau zu babel im megaturbo, sondern bin erleichtert, daß durch sichtbarwerden, wer und wieviele sich für blut-metzel-niedermach-zerstör-demütigungsfilme begeistert, den blick ins innere erlaubt und so manche fassade und oberfläche, der nicht entnehmbar war, wie inhuman das innenleben ist, den nicht so kalten menschen eine chance gibt, sich zu wappnen: „gefahr erkannt, gefahr gebannt“. zwar auch nicht absolut, aber als diese ganzen technischen möglichkeiten noch nicht existierten, hätte der weg bis zum erkennen und verstehen, mit wem man es zu tun hat, eine menge energie gekostet und womöglich einen großen vermeidbaren schaden, d.h. enttäuschung, verletzung, engere beziehung etc. bis zum durchblick bedeutet. dann laß ich mir lieber kurz vor schock die luft und sprache nehmen, grusel und frier mich weg und mach dann avanti galoppi kehrt und schütze die zu empfindlichen stellen vor diesen eispickeln. traurigsein über die so grosse masse bleibt, aber danke der technik, daß mr. und mrs doc jackel & hide und jack the ripper heute evtl. früher auffielen, da dunkle ecken selten werden.

  • terence

    der text könnte von mir sein, nur schlechter formuliert….;)
    ich habe leider diesen kranken scheiss wie saw, hostel usw zum teil auch noch gesehen, manche bilder vergisst man nicht. wer es nicht getan hat, sollte es auch niemals tun…so ein gestörter..unsinn..usw
    teile solcher filme sind mit sicherheit auch irgendwo auf der welt realität. ein abstoßender, sehr trauriger gedanke 🙁 obwohl das mein gefühl dazu nicht akkurat beschreibt..

  • Charlie

    Lieber Roland, als leidenschaftlicher Cineast muss ich nach dem Lesen Deines Beitrages feststellen, dass Du hier offenbar Ursache und Wirkung verwechselt hast und zudem mehrere völlig verschiedenartige Dinge in einen Topf wirfst, in den sie gemeinsam gar nicht passen und erst recht nicht gehören.

    Zunächst ist es ja ein alter Hut, dass die menschliche Faszination des Gruselns, des Grauens und Schreckens so alt ist wie die menschliche Kultur des Geschichtenerzählens selbst – es gibt aus jeder Epoche massenhaft Beispiele dafür und nicht wenige davon gehören heute selbstverständlich zur Weltliteratur (E.T.A. Hoffmann, Edgar Allan Poe, Mary Shelley – um nur drei Namen zu nennen). Es kann also nicht verwundern, dass sich dies auch in dem vergleichsweise jungen Medium des Films widerspiegelt.

    Hier liegt auch mein erster Kritikpunkt: In der Literatur gab und gibt es selbstverständlich eine deutliche Unterscheidung zwischen so genannter „ernster“ Literatur auf der einen und einer heute völlig vergessenen Unterhaltungsliteratur auf der anderen Seite – diese beiden Bereiche hatten und haben einen völlig verschiedenen Anspruch und Zweck. Sie miteinander vergleichen oder in eine Reihe stellen zu wollen, ist daher unsinnig.

    Für Filme gilt das natürlich gleichermaßen – irgendwelche Unterhaltungsschinken beispielsweise mit Tarantino zu vergleichen, ist für mich – entschuldige die Formulierung – haarsträubend absurd. Tarantino „formt“ oder „gestaltet“ das inhumane Weltbild unserer Zeit in seinen Filmen doch nicht, sondern bildet es ab – wie andere Künstler das vor ihm auch getan haben (George Grosz z.B. oder Max Ernst, deren Bilder oftmals auch nicht „schön“, „lieblich“, „humanistisch“ anzusehen sind, eben weil sie das Böse, Schlimme, Perverse dieser Welt zeigen).

    Ein gutes Beispiel dafür beschreibst Du in Deinem Text ja sogar selbst: „Dies wird besonders deutlich und abstoßend gezeigt in einer Szene, in der Django zögert, einen Fremden in Gegenwart seines kleinen Sohnes aus dem Hinterhalt abzuknallen. Lehrmeister Schultz erklärt ihm aber, da müsse man als Kopfgeldjäger durch.“ – Genau das ist doch heute die böse Realität vieler SoldatInnen, die in einen der vielen Kriege geschickt werden – Tarantino „verharmlost“ oder „verherrlicht“ dieses Szenario doch nicht, sondern er zeigt den Zuschauern anhand dieses Beispiels, was heute immer noch – und zwar in dramatisch zunehmendem Maße – reales Erleben und Erleiden so vieler Menschen in Kriegsgebieten ist. Er tut das ungeschminkt, brutal und auf seine ganz eigene Weise – und genau deshalb bildet er der Realität besser und wahrheitsgetreuer ab als das viele seiner Kollegen tun.

    Später schreibst Du in Bezug auf Filme wie „Saw“: „Wer hier nicht abschaltet oder das Kino verlässt, sieht sich unvermeidlich einem Anti-Mitgefühlstraining ausgesetzt.“ – Da musste ich doch arg schlucken, denn nach meinem Empfinden ist das genaue Gegenteil richtig: Gerade durch die Konfrontation des Zuschauers mit solcher bösartiger Gewalt, solchen Foltereien und Unmenschlichkeiten entsteht doch erst ein flammendes Meer voller Mitleid und Mitgefühl. Jemand, der einen Film wie „Saw“ gesehen hat, wird niemals mit ruhigem Gewissen wegschauen oder gar zustimmen können, wenn er von Folter Kenntnis erlangt. Dieses Prinzip der „Katharsis“ ist seit der Antike bekannt – Du solltest es eigentlich auch kennen.

    Ein weiteres Beispiel, diesmal zu „World War Z“: „In einer besonders drastischen Szene überrennt er die Mauern der Zivilisation durch die pure Masse des zum Einsatz kommenden Untermenschenmaterials“, schreibst Du. Das ist völlig korrekt – aber zeigt letztlich doch nur genau das, was zur Zeit sowohl in Nordamerika, als auch in Europa stattfindet. Der Film „schürt“ doch keine Ängste, sondern bildet die menschenfeindliche kapitalistische Unterscheidung in „wertvolle“ (= gut ausgebildete Arbeitssklaven) und „wertlose“ (= Arme) Menschen lediglich ab – wenn auch in drastischer Form. Das Schüren der (völlig irrationalen) Ängste übernehmen Politik und Medien. – Als geniale filmische Parabel zu diesem Thema empfehle ich Dir den Streifen „Land of the Dead“ von George A. Romero – nach dem Ansehen dieses Films wirst Du das vielleicht besser nachvollziehen können.

    Abstrus wird Dein Text aber, als Du plötzlich den Bogen zum „Dschungelcamp“ ziehst. Das ist wiederum ein völlig anderes Thema, das mit den vorherigen im Grunde nichts zu tun hat. Hier handelt es sich um eine für die Endphase des kapitalistischen Zyklus typische Massenunterhaltungsshow, die tatsächlich der Entmenschlichung und Ablenkung dient. So etwas ist nicht neu: Auch in den 20er und 30er Jahren gab es Vergleichbares, etwa „Fress-Wettbewerbe“, bei denen die Teilnehmer vor einem großen Publikum so viel essen mussten, wie sie konnten – bis hin zum Erbrechen; oder auch „Tanzmarathons“, auf denen Paare ebenfalls vor Publikum solange tanzen mussten, bis sie zusammenbrachen. Das hat indes mit den erwähnten Filmen nichts zu tun, sondern gehört zum großen Komplex der Unterhaltungs- und Ablenkungsindustrie, der in der Endphase zu immer drastischeren Mitteln greift, um noch die gewünschten Ziele zu erreichen.

    Um noch einmal eine Lanze für Tarantino zu brechen: In seinem Film „Pulp Fiction“ von 1994 gibt es die Figur des Auftragkillers, der ständig ausschweifend aus der Bibel zitiert, bevor er Menschen erschießt. Mir fällt auf Anhieb keine bessere oder sinnhaftere Art ein, wie man die amerikanische Politik – damals noch bezogen auf Clinton und dessen Vorgänger – filmisch darstellen könnte. Inhuman und mitgefühlstötend sind dieses System und diese Politik – wie sollte eine ernstzunehmende Kunst darauf anders reagieren als sie es schon immer getan hat, nämlich indem sie einen Spiegel erbaut, in dem wir dann natürlich auch größtenteil Hässliches und Widerwärtiges erblicken können?

    Ich finde es merkwürdig, dass Du dich heute in die wenig erfreulichen Reihen derer stellst, die genau diesen Spiegel zur Ursache und damit zu so etwas wie „entarteter Kunst“ erklären. Sonst sind es doch vornehmlich irgendwelche Hohlbirnen aus der CSU oder CDU, die beispielsweise „Killerspiele“ für Gewaltexzesse verantwortlich machen – und nicht etwa die ausufernde Rüstungsindustrie, die kriegslüsterne Regierung und deren „Bundeswehr“ oder die vielen Kriege, in denen längst auch deutsche Soldaten wieder mitmorden.

    Liebe Grüße!

  • Holdger Platta

    Zu Charlie:

    Mir scheint, Du redest in einer Hinsicht an Roland Rottenfußers Beitrag vorbei, in anderer Hinsicht sprichst Du eine Frage an, die nicht per Ordre de Mufti von oben her erledigt werden kann (manches klingt bei Dir leider so).

    Zu Punkt eins: Nirgendwo macht Roland aus der von ihm geschilderten und analysierten Filmwelt die Ursache der in der realen Welt zunehmend zu registrierenden Brutalitäten. Ich bin sicher: Roland Rottenfußer kann Deiner These zustimmen, daß diese Filme (und anderes) insofern ’nur‘ spiegeln – freilich: was heißt hier ’nur‘? -, was draußen in der realen Welt eh passiert. Mein Eindruck ist also, Du konstruierst hier einen Meinungsgegensatz, der nicht existiert.

    Zu Punkt zwei: wie wirken diese Filme bzw. was bewirken sie? Hier stehen zwei Thesen gegeneinander, für die jeweils so manches spricht. Entweder erzeugen diese Filme das Erschrecken, von dem eher Du, Charlie, ausgehst, oder sie stellen eher ein Desensibilisierungsprogramm dar, was eher die These von Roland Rottenfußer ist. Über diese Frage kann und sollte diskutiert werden (ohne daß man den anderen gleich „unsinnige“ Äußerungen und dergleichen unterstellt).

    Meine Doppelthese – Doppelt t h e s e ! – wäre dazu: es hängt zum einen von den Rezipienten ab – Brutalitätsaffine wird’s entzücken und bestärken, die anderen eher mit Entsetzen erfüllen -, und zum anderen von der jeweiligen Machart des Films selber, konkret: wieweit der betreffende Film einen hineinzieht in die Identifikation mit den Brutalos. Und dieses – den Identifikationssog, der von Filmen ausgehen kann – sollte man wahrlich nicht unterschätzen.

    Mir fehlt die Zeit, hier nun selber diese Frage zu klären. Ich kann nur konstatieren, daß es eine Frage ist, die nicht dadurch beantwortet ist, daß man Roland Rottenfußer unversehens in eine Reihe gestellt sieht mit „Hohlbirnen der CSU und CDU“. Da hat sozusagen ein Charlie viel zu früh den Colt gezogen, gefeuert – – – und vorbeigeschossen.

  • eulenfeder

    Charlie ist mit diesem aufsatz am ziel vorbeigeschossen und hat den inhalt, die absicht Rolands richtiger darstellung auch gar nicht verstanden, zudem die eigentliche absicht jener regisseure und macher nicht, nämlich sich an der darstellng der grausamkeit zu bereichern, wohlwissend um den geschmack des publikums. grausamkeit auf teufel komm raus – und dies nicht zur abschreckung sondern zur vermehrung schon in hinsicht auf weitere folgen !
    würde solch primitiver scheiss eine abschreckende wirkung haben dann gäb es solche filme nicht mehr, inzwischen !
    ‚full metal jacket‘ – schon mit einem anspruch auf anti-kriegsfilm gemacht, durchaus – zieht aber überwiegend leute ins kino die sich an der real dargestellten brutalität ergötzen, es geil finden, den kick suchen darin, und weil ja ’nur‘ ein film – gefahrlos. aber die gefahr ist real dass viele sich bestätigt fühlen dadurch.
    labile menschen, vor allem die haltlosen, in der seele leeren unserer zeit, die jungen leute überwiegend – sind das zielpublikum und jene werden stark beeinflusst, das wiederum die absicht der filmindustrie, da werden konsumenten gezüchtet.
    Ellen hat es richtig gesagt: wer die tatsächlichen kriegsschauplätze kennt der braucht da keinen anschaungsunterricht mehr, der ist ‚geheilt‘ von solchem mist und verurteilt ihn selbstverständlich. auch ist es eine verhöhnung der opfer jeglichen krieges und der folter.
    der realitätsverlust durch das reinziehen von solchem mist ist ebenso gegeben und insgesamt sind solche filme schädlich, das gegenteil sollte als anschaung auch gezeigt werden, eine meinungs- und gefühlsbildung für das gegenteil von krieg und grausamkeit sollte der anspruch und die absicht sein – bringt aber keinen profit in diesem ausmass !
    realer anschauungsunterricht in bezug auf die grausamkeit an tieren – z.b. in schlachtfabriken und massentierhaltungen würde viele sofort bewegen eine achtung, ein mitfühlen zu entwickeln.
    ein durch spielfilme dargestelltes gemetzel wird kaum eine wirkung haben denn ‚es ist ja nur ein film‘ und ich kann mit gutem gewissen nachher zum mc.donalds gehen.
    Charlies anmerkung – in der absicht einer rechtfetigung grausamer filme – in bezug auf die kunst des Max Ernst ist falsch – er war heroinsüchig und von anderen drogen (LSD)auch abhängig und hat überwiegend SEINE phantasien dargestellt .
    die in filmem bewusst zum erhalt einer filmindustrie dargestellte grausamkeit insgesamt – ist schädlich, hat auch nicht den anspruch eines entgegenwirkens, nicht die absicht für mehr frieden und gewaltlosigkeit zu werben.
    die filmische darstellung von grausamkeiten bis ins mark – schreckt überwiegend nicht ab – weil ja ’nur‘ ein film und damit wird verharmlost sogar.
    filme, die anrühren, gefühlvoll sind, zum weinen bringen, gegensätze überbrücken und verbinden, annäherung und verständnis zeigen, liebe, achtung, tiefe gespräche, intellektuellen anspruch u.v.m – würden mehr nützen als schaden, wären vorbildlich auch.
    der mainstream – lacht natürlich über derart ‚gefühlsduselei’…..
    der mainstream ist längst involviert und gekauft für heroischen schwachsinn – gut und böse – dabei das ‚gute‘ mit aller härte und grausamkeit zu verteidigen bereit, — in solch schwachsinnig und überwiegend das grausame glorifizierenden filmen findet er seine bestätigung und diese wird gefestigt.
    so gut wie jeder alte ’schmalzfilm‘ wie z.b. ‚Heidi‘ hätte mehr ‚wert‘ und inhalt. aber es gibt auch genug ‚zeitgenössische‘ filmemacher die einen wirklich intellektuellen und/oder sozialen und humanistischen anspruch haben…..

  • Piranha

    Mehr Georg Schramm braucht das Land:
    Oberst Sanftleben:
    http://www.youtube.com/watch?v=u76z79vGd0c

    Hätte ich auch bei Herrn Gauck einstellen können, denn um mit Schramm zu sprechen:
    „Schlechtes Herrchen, böser Kampfhund“

  • eulenfeder

    meine behauptung dass max ernst heroinsüchtig war ist so nicht zu halten, ( da ist mir eine verwechslung passiert, eine vermutung auf süchtigkeit allenfalls) aber lsd und andere drogen mit dieser wirkung hat er genommen.

  • rr

    Hier nur zu einigen Punkten, die Charlie angeregt hat. Es ist ja interessant, hier zur Differenzierung gezwungen zu sein:

    1. Ich greife hier keine Unterhaltungskultur an, sondern nur solche, die desensibilisiert, verroht. Die andere – meinetwegen leichte Romantic Comedies – mag es ruhig weiter geben.

    2. E.T.A. Hoffmann oder Georg Grosz sind arg hoch gegriffen als Vergleich zu den hier angesprochenen Filmen. Ich bin ein großer Fan von Orwell, Kafka oder Saramago, düstere Literaten, deren Werk eher als Warnung dienen kann und die die Atmosphäre der Entmenschlichung einfangen. Ebenso schätze ich intelligente Thriller wie „Rosemarys Baby“ von Polanski. Sie überzeugen durch Atmosphäre und eine gewisse symbolische Qualität, nicht durch die Menge des verspritzten Kunstbluts. Auch Kunstwerke mit depressiver Grundausstrahlung weiß ich zu schätzen: Lars von Trier, Edvard Much … man könnte viele nennen. Der Vorwurf, dass ich quasi nur Gutmenschen- und Heile Welt-Filme zulassen würde, trifft mich nicht.

    3. Es gibt einen Unterschied zwischen der Gewalt in „Django Unchained“ und der Gewalt in „Schindlers Liste“. Mitunter kann sogar die Darstellung von Folter im Film der Aufklärung und der Sensibilisierung (!) für das Thema dienen, es immunisiert dagegen, Folter jemals als Mittel zur politischen Auseinandersetzung zu akzeptieren. „Django“ dagegen lässt Gewalt cool und ästhetisch aussehen, das Töten beiläufig.

    4. Selbstverständlich haben „Killerspiele“ und gewaltpornografische Filme einen Anteil an realer Gewalt. Diesbezüglich könnten CDU und CSU sogar Recht haben. Diese „kulturellen“ Erzeugnisse sind aber natürlich nicht die erste Ursache, diese liegt eindeutig in der realen Welt, ihren Kriegen, ihrer Hartherzigkeit und Grausamkeit.

    5. Es wäre wünschenswert, wenn alle Zuschauer „Django“ oder „World War Z“ so rezipieren würden wie Charlie: gar als subtile Parabeln, die den Zuschauer vor der gezeigten Brutalität warnen wollen, den Nord-Süd-Gegensatz beleuchten usw. Leider befürchte ich, dass das die wenigsten so sehen. Dafür sind die „Helden“ zu sympathisch und cool gezeichnet, das Töten ist zu beläufig und verharmlosend gezeigt, es hinterlässt keine Spuren in der Seele der Täter. Die Bilder sind zu schön. Die Getöteten werden vorher zu entmenschlicht gezeigt, so dass im Zuschauer Befriedigung über den Tötungsvorwurf erzeugt wird. Wenn ich die Äußerungen meiner Mitmenschen über derartige Filme anschaue, so meine ich, dass“Spaß“ an der voyeuristischen Betrachtung der Brutalität vorherrscht. Der Jubel von Intellektuellen wie Charlie über Tarantino, die Widerstandslosigkeit, mit der ihm auch anspruchsvollere Feuilletons huldigen, finde ich bedenklich. Dass Dschungelcamp-Freude das Edel-Gemetzel toll finden, war ja nicht anders zu erwarten.

    6. Dank an Charlie für seinen ja sehr nahe liegenden Vergleich zwischen mir und dem Kulturbegriff der Nazis, mit Bücherverbrennung und der gewaltsamen Verfolgung missliebiger Künstler. („Entartete Kunst“). Man freut sich ja doch immer wieder, wenn aufrechte Antifaschisten den Nationalsozialismus auch dort aufzuspüren vermögen, wo ihn niemand sonst vermutet hätte. Josef Joffe („Die Zeit“) verglich die Unterzeichner der Anti-Lanz-Petition (also auch mich) ja unlängst mit den Urhebern der Kampagne „Kauft nicht bei Juden“. Die Indizien gegen mich häufen sich also.

  • eulenfeder

    ..ich habe immer mehr das gefühl – Charlie – es geht Dir nicht um die ’sache‘ eigentlich, den inhalt, die aussage – wie hier in diesem falle einer anprangerung der gewaltverherrlichung nebst wirkung und ursachen – eine notwendige und auch berechtigte kritik daran – sondern um das beziehen einer gegendarstellung allein, einer anti-haltung nur um der anti-haltung selbst willen, ähnlich einer huldigung des streitens nur um einer notwendigkeit einer streitkultur gerecht zu werden – auch da wo es ohne streit ginge. ( wau ! was für ein satz – ich staune selbst über meine intelligenz ).
    ich bin ja selbst einer der schnell mal übers ziel hinausschiesst – keine frage – ( blame it on my fightin‘ spirit ) aber ich bin doch manchmal wenigsten in der lage die richtigkeit und notwendigkeit einer aussage zu begreifen, zu verstehen auch und bereit dies untertützend dann zu kommentieren !
    ich muss dann also nicht krankhaft nach fehlern suchen um einen gegenangriff zu starten, dort wo eine aussage nicht einmal mir gilt, sondern einer notwendigen kritik an missständen, zudem oder zumal solche aussagen ja von einem kommen der jederzeit für berechtigte kritik ‚zu haben‘ ist, bereit ist auch für eine auseinandersetzung in der sache.
    mit dieser unbegründeten anti-haltung ( was Du da in die waagschale wirfst hat ja mit der ’sache‘, der eigentlichen aussage in vielerlei hinsicht nichts mehr zu tun ) leistest Du dir auch unterstellungen die nicht nur haltlos sind, sondern auch beleidigend.
    umsomehr verwunderlich wenn man doch weiss oder wissen sollte dass wir eigentlich das selbe ziel haben – eine humanere welt !
    ich nehme an Du bist noch jung !? – so i just blame it on your youth…

  • Heidrun Mohr

    hi Eulenfeder,
    hi Charlie,

    an die liebe Eulenfeder zuerst: Dein letzter Satz „noch jung“ hat mich innerlich arg heftig zucken lassen. Mit diesem „Ober- und Unterlippe bitte schließen“-Aufforderung, da ja noch Reife fehlt-…..?? -….-, wurde mir als wirklich ganz jung versucht, den Wind aus den Segeln zu nehmen, weil mein Gegenüber bockbeinig sich vor anderen Sichtmöglichkeiten sperren wollte. Komischerweise gingen dem immer ellenlange Diskussionen über Gott und die Welt voraus, wo die Köpfe erst rauchten und dann in Eintracht herunterkühlten. Aber als kein Konsens zu finden war, und ich immer wieder neue Ansätze ins Spiel brachte, hieß es nicht nett von meinem Schwager: „Wart mal ab, wenn Du 20 Jahre älter bist, dann siehst Du das auch anders!“ Das ist ein Satz, der Dir die Motivation absolut nimmt, einen weiteren Versuch zu starten, da Du ja eh auf einmal, aus heiterem Himmel, von einer sec. auf die andere noch zu unreif, und somit sichtbehindert, d.h. nicht allumfassend und weitsichtig genug bist. Doppelt frustig, wenn ganz offen auf dem Tisch und in der Luft hängt, das es dem ach so Weisen an Lust fehlt, eingefahrene Denkgleise zu verlassen. Hier will ich nicht damit sagen, das Du Charlie ausbremsen willst, er ist auch für meinen Geschmack zu schnell zu hoch und weit geflogen, aber er wird in eine Ecke geschoben, wo Denkfreudige nicht hin sollten, sich rechtfertigen zu müssen o.ä… Angriff und Beleidigungen haben nix in einer Diskussion zu suchen, wenn sie gut bleiben soll, aber auch nicht Ab- oder Wegstufen.
    -Alle symbolisch an einem Tisch- auf gleicher Sitzhöhe, mit gleichem Gewicht, dürfte allen Beteiligten bessere Ergebnisse und auch Gewinn bringen, etwas mitzunehmen, was Neu ist.

    Hi Charlie,
    bei Deiner Argumentatition, hinsichlich „Entarteter Kunst“ habe ich genauso heftig gezuckt, wie bei Eulenfeders Mundstopfzu-Satz.
    Ich versuche immer, manchmal durch x-mal noch einmal Lesen, herauszufinden, wenn es sich mir nicht erschließt, wie oder was der Jenige genau meint. Und auch um die Ecke, die ich nicht bevorzuge, um zu ergründen, wie die Argumente entstanden.
    Aber diesen Haudrauf-Satz, wenn, wie hier, Filme in die Kritik geraten, die keinen wirklichen Sinn haben, außer Gewalt zu verharmlosen und den Gewaltakt auch noch herunterspielen, es mit entarteter Kunst in Bezug zu bringen, und somit Intoleranz zu unterstellen und eigentlich indirekt vehement einzufordern, so etwas muß es unbedingt auch geben, macht mich etwas unruhig.
    – Aus meiner Sicht dürfte es nur noch Aufarbeitungen geschichtlicher Ereignisse, in denen massive Gewalt Bestandteil ist, geben. Und da dies bis heute leider der Fall ist, dürfte es noch genug Stoff geben, aus dem Mann/ Frau sehr gut lernen könnte, wie krank Gewalt doch nun mal ist.

    – Nicht nur bezweifelnd, sondern ablehnend stehe ich dem Denken gegenüber, durch Ansehen von Gewaltszenen friedlicher gepolt zu werden. Jeder, der nicht wenigstens ein bisschen in sich zusammensinkt, wenn es anfängt, richtig brutal zu werden, und vielleicht gar am liebsten kurz impulsiv wegsehen zu wollen, hat für meine Anschauung schon zuviel von dem – entschuldige, meine Meinung, Mist gesehen.
    – Ich bin fest davon überzeugt, das es abstumpft, ganz leise und langsam, und ein gewisser Gewöhungseffekt ins Spiel kommt.

    Allen einen schönen, friedlichen, vielleicht auch sonnigen Sonntag.

  • Holdger Platta

    Ich freue mich sehr, daß hier weiter über den Beitrag von Roland diskutiert wird – mit sehr vielen wichtigen und guten Argumenten (von alle Seiten aus, von Roland, von Eulenfeder, von Heidrun).

    Was ich allerdings ausgesprochen bedauerlich finde, ist die Tatsache, daß Charlie auf nichts mehr eingegangen ist. Das finde auch ich recht enttäuschend.

    Bei derart heftigen Vorwürfen sollte der krönende Abschluß nicht einfach nur das anschließende Beschweigen sein. Man könnte den Eindruck gewinnen, das geschieht deshalb, weil Dir, Charlie, die anderen nicht folgsam nur Recht gegeben haben.

    Solches Kanzelpredigertum haben wir bereits zu APO-Zeiten an den Hochschulen – vor allem im Zusammenhang mit der Vorlesungspraxis damals – abzuschaffen versucht. Soll das hier von ‚links her‘ unfröhliche Urständ feiern?

    Merkwürdig wäre das.

    Leben wir das, was wir vertreten, und vertreten wir das, was wir leben: in Augenhöhe mit den MitstreiterInnen!

  • Piranha

    Ich glaube nicht, dass Charlie sich aus der Debatte verabschiedet hat.
    Vielleicht ist er verreist oder nimmt sich die Zeit, die eigene Meinung zu überdenken.

    Im Übrigen habe ich den Film seinerzeit gemeinsam mit meinem Sohn gesehen.
    Es sind durchaus erschreckende bis schockierende Bilder und Szenen (filmisch eben sehr gut gemacht), aber innerlich waren wir beide distanziert und wenig beeindruckt.

    Sollen wir an Gewalt gewöhnt werden?
    Mir scheint die massive unangebrachte Polizeigewalt eher dorthin zu führen.
    Friedliche Demonstrationen, die durch einige wenige Gewaltbereite (von denen gemutmaßt wird, sie seien absichtlich „geschickt“), eskalieren, wird zur Legitimation, Wasserwerfer, Schlagstock, Verhaftungen … einzusetzen, um dann entsprechende Demos verbieten zu können.
    Und die Springerpresse, die stets objektiv, überparteilich, unbestechlich weiß, wer die Guten und wer die Bösen im Lande sind, während sie die halbe Regierung schon prostituiert haben… die andere Hälfte von den Banken… Überschneidungen inbegriffen.

    Ja, wir werden an Gewalt gewöhnt, auch indem man uns als „Pöbel“ bezeichnet, wenn wir unsere bürgerlichen Rechte in Anspruch nehmen.
    Und nebenbei: Seit wann werden wir nicht mehr als Büger-/innen bezeichnet.
    Fr. Merkel spricht von „Menschen“ – wie gut, dass mir das mal gesagt wird, ich hätte es glatt vergessen.
    „Der Mensch steht im Mittelpunkt“ hat sie gesagt.
    Die Ergänzung dieses Satzes hat sie vermutlich nur gedacht: „… und da steht er mir voll im Weg.“

  • eulenfeder

    yes … Heidrun … das war eine ebgedroschene generationswetendherabwürdigende phrase die mir da am ende entfahren ist , da hat Du recht !
    wahrscheinlich in dem hochgefühl dass mir doch weiter oben ausnahmsweise mal ein halbwegs intelligenter gelungen ist… noch einen draufzusetzen versucht.
    noch ein kleines zusätzchen zu meinen auführungen:
    auch ich habe natürlich keinen anspruch an ein gutmenschdenken, diesbezüglich gibt es esoterische prediger die mich zum kotzen bringen – die realität ist ja alles andere – und selbsverständlich rein gar nix gegen ein auseinandersetzen mit konflikten, gar nix gegen spannung und nervenkitzel – trotzdem fage ich mich immer mehr: muss in einem krimi immer gemordet werden ? wahrscheinlich ist das so weil ohne mord und totschlag inzwischen langweilig dann, auch da eine gewöhnung an mord und totschlag.
    auch mit dem thema TOD kann man anders umgehen –
    ein wunderbares beispiel dafür der wirklich köstliche streifen: ‚wer früher stirbt ist länger tot ‚
    den würde ich empfehlen – Dir – weil Du ja filme magst, so nehme ich an.
    bis dann – Möhrchen zart…

  • Kashmir

    Klasse Artikel, erklärt gut, warum meine Jugendliche neugier auf Splatterfilme mit Saw und Hostel ein jähes Ende gefunden haben.

    Als dann im Film „Green Hornet“ der Held sich eine Szene später darüber mockiert, wie er einen Bösewicht „in die Fresse“ getretten hat, wusste ich das propagandistisch irgendwas nicht in Ordnung ist mit der Hollywoodwelt.

    Das Thema lässt sich auch sehr gut auf Videospiele, bzw. Musik erweitern.

  • Holdger Platta

    Liebe Piranha,

    nunja, Verreistsein, auch Krankheit und dergleichen, sind natürlich nie auszuschließen.

    Nur irritiert mich etwas, daß Charlie immerhin Zeit gefunden hat, seinen Kommentar, den er hier abgegeben hat, auch auf seiner eigenen Website zu veröffentlichen. – Natürlich, ohne die Gegenkommentare hier dort mitabzudrucken. ‚Natürlich‘?

    Ehrlich gesagt, finde ich das so ‚pralle‘ nicht, obwohl das natürlich einzig und allein Charlies Entscheidungsrecht ist.

    Doch hier geht’s um gute Debatte in ernstnehmender Augenhöhe zu den anderen, nicht um ‚Rechtsfragen‘. Da vermisse ich halt etwas, um so mehr, als Charlie reichlich harsche Vorwürfe erhoben hat.

    Ich jedenfalls finde gar nicht gut, Roland in die Nähe von „Hohlbirnen“ zu rücken und sogar Assoziationen herzustellen zur NS-Kampagne gegen „Entartete Kunst“.

    Das hat mit der guten alten Devise von Ernst Bloch – „zur Kenntlichkeit entstellen“ – nichts zu tun, sondern verzerrt nur zur Unkenntlichkeit, und es erinnert mich eher an ganz furchtbare Diskussionpraktiken aus der K-Gruppen-Zeit. Nix gelernt?

    Gerade, weil ich Charlies Debattenbeiträge bislang zumeist als sehr klug und fundiert empfunden habe, enttäuscht mich das sehr. Erst ballern und dann nur noch schweigen, das ist für mich – um ein Modewort zu benutzen – nur noch ’suboptimal‘.

  • Piranha

    Lieber Holdger,

    ich teile voll und ganz Deine Auffassung, dass Charlie in Bezug auf die Person Roland eine Ansicht vertritt, die ich als (sorry) idiotisch empfinde.

    Also bleibe auch ich ebenso gespannt wie Du, ob und was Charlie dazu noch sagen will.

  • Heidrun Mohr

    Hi Eulenfeder,
    hi Piranha,

    @liebe Eulenfeder:

    Hab da in Bezug auf Thema Tod auch einen aber englischem schwarzem Humor sehr bedienenden Favoriten, komme aber, obwohl schon 2 x gesehen, nicht auf den Titel.

    In einem englischen, abgelegenen sehr kleinen Dorf, wo die Zeit ziemlich stehen geblieben ist, mit echter gelebter Gemeinschaft, wo alle entweder verwandt, verschwägert oder ebenso miteinander vertraut, weil halt ewig kennend, hat einer der schön schrulligen Charaktere wie immer Lotto gespielt, und alle Spieler und auch Nichtspieler, waren angespitzt durch den heftig und häufig beworbenen dicken Lottopott, also regelrechtes Dorffieber. Ich nenne ihn mal den Schrulligen (sein Name ist Teil des Filmtitels…-), verstirbt, und nu geht’s los, er war der Abräumer/ Hauptgewinner. Das ganze Dorf will, das er als lebend registriert bleibt, um den Pott aufzuteilen, aber ausnahmslos Jeder, der Pfarrer macht auch mit. Dabei werden alle wirklich schrägen und lustigen Charaktere aber auch ernst und menschlich näher beleuchtet, damit es nicht in gequirlten Blödsinn entgleitet ,z.B. wieso Einzelne ihre Skrupel überwinden, und aus Geldnot mitmachen. Die Verwicklungen, die sich da ergeben, sind, wenn man schwarzen Humor mag, nicht nur zum Brüllen komisch, die Oberschenkel bekommen auch massig Klopfer. Ha, langsam funktioniert meine Streusel-Erinnerungskiste: Ned Divine heißt der Lottokönig, wenn ich jetzt nicht arg daneben liege.

    @ Piranha;
    Völlig werftreie Frage: Warum bist Du mit Deinem Sohn in diesen Film gegangen?

    Die zunehmende Gewalt von Polizei, Mobbing und was es leider da noch alles hinzuzufügen gäbe, sehe ich aber nicht mit dem freiwillig Ansehen von Gewalt in Zusammenhang.

    Und auch wenn Gewalt ausgeübt wird, gewöhnt sich Niemand daran, er/ sie reagiert vielleicht irgendwann reflexartig auch mit Gewalt, obwohl immer noch friedlich, weil er/ sie sich nicht mehr schlagen, demütigen o.ä. lassen will und ist danach gefrustet, das die „Umstände“, Situation oder auch nur eine/r Einzelne/r ihn seine Haltung kurzzeitig hat verlieren lassen.

    Wenn man/ frau es darauf anlegt, ob bewusst oder unbewusst, kannst Du Jeden mit Dauerbearbeitung oder wenn der „Beschossene“ eh schon ganz dünnhäutig durch andere Umstände ist, jeck machen, d.h. ver-rückt-, ganz anders handelnd/ reagierend als er es sonst täte.

  • Piranha

    @ Heidrun

    Du stellst mir ernsthaft eine „Warum-Frage“ ?

  • Heidrun Mohr

    @ piranha:

    Etwas arg irritiert, um nicht zu sagen, blöd aus der Wäsche schauend,
    …… – j a – warum sollte es mich nicht interessieren, wieso Du in diesem Film warst, das ist doch das eigentliche Thema.

    Charlie`s genaue Sicht, wie er diese Filme einordnet, wurde doch auch von Dir mitdiskutiert. Aus meiner Sicht, wie ich diese Filme einstufe, habe ich auch keinen Hehl gemacht und mehr als ausführlich dazu etwas geschrieben.

    Ich masse mir keinerlei Urteil an, und auch wenn mir diese Filme nix sagen und geben, und ich sie absolut nicht mag, drücke ich Niemanden, auch nicht versuchsweise meine Denke auf. Jeder so wie er will und meint.

    Was spricht gegen diese einfache „Warum-Frage“, gar mit dem Zusatz „ernsthaft“?
    Verstehe ich wirklich nicht, freue mich über Aufklärung, wenn denn möglich.
    Nu erstmal schönen Rest-Sonntagabend.

    PS: Wenn Du glaubst, ich will irgendetwas hervorkitzeln, was ich dann zerlegen kann, irrst Du. Perfides Gemetzel dürfte hier nix zu suchen haben und generell bekommt mein Magen dann Lust, sichtbar auch etwas beizutragen, will also Keiner. Bin wirklich total irritiert, was Dich bei der Frage so reagieren läßt.

  • Piranha

    Heidrun, ich möchte Dir keinesfalls irgendetwas unterstellen. Deine Gedanken muten mich etwas seltsam an.

    Hier also mein Rechtfertigungsgrund:
    Ich war gemeinsam mit meinem Sprößling in dem Film, weil wir diesen sehen wollten.

  • Heidrun Mohr

    @ piranha;

    Gedanken sind ja. Gottlob frei, und insofern darfst und sollst Du meine finden wie Du möchtest.

    Aber Deine Antwort bestätigt meine Befürchtung,
    Zu einem Rechtfertigungsgrund wollte ich Dich bestimmt nicht bringen, da mir wirklich Niemand Rechtfertigung schuldet. Entweder erhalte ich freiwillige Antworten, oder nicht.
    – Aber einen Zwang oder wie auch immer aussehenden Druck ausüben,, etwas beantwortet oder tun zu müssen, zu erwarten, ist mir ein Graus..

    – Das dahinter befindliche, was Euch 2 zum sehen wollen des Filmes gebracht hat, war mit meiner Frage gemeint.

    Aber da Du ja schon auf die einfache „warum“-Frage wie eine Schnapp- und Klapp-zu-Muschel reagierst, verliere ich ehrlich gesagt das einfache, natürliche Interesse, es zu erfahren, weil es mit zuviel drum-herum-erklären usw. ein Schüppchen zu kompliziert für diese kleine und nochmal betonend, h a r m l o s gemeinte Frage wird.

    Nochmal schönen Abend wünschend.

  • Heidrun Mohr

    @ piranha: Da ich nachtaktiv durch zuviel Tagschlaf bin, einfach Butter bei die Fische: Ich hätte als Antwort erwartet, Werbung für den Streifen und insbesondere z.B. Christoph Waltz wurde vom Filius als megacool und lustig eingestuft, und Mum konnte nicht nein sagen, also rein ins Geballer. Alles gut. Mehr nicht. Du würdest aus dem grinsenden Kopfschütteln nicht herauskommen, welche Serien, Helden, Kampfsportarten und kinofilme in meinem Umfeld alles im Laufe der Jahre erst mehr als tierisch hochgelobt und unanfechtbar waren, wo heute keiner der Befürworter gern zu steht und etwas beschämt aus der Wäsche guckt. Bishin zu einer Oma, die still und heimlich mit einer 12-jährigen Friedhof der Kuscheltiere geschaut hat, als der Opa endlich schlafen ging. Das Buch hat mir morgens in einer tropfenden leeren Tiefgarage einen leichten Verfolgungstick in Form von über Schulter schauen verursacht. Der Film wurde mir als triumphierend grinsend von der 12- jährigen als gar nicht schlimm untergejubelt, sich daran labend, wie ängstlich ich doch sei.
    Vielleicht frage ich die Besagte in 10 Jahren, wenn ihre Tochter 12 ist, ob sie dann mal bei mir schläft und auch den Friedhof schauen möchte….Lustiger Gedanke, das entsetzte sprachlose Gesicht der jungen Mum, mehr nicht. (Und kleine Retourkutsche, ich bin nicht ängstlich, doch zuviel Phantasie und solche Bücher überdrehen und ziehen Nerven unnatürlich). – So, jetzt bin ich den Satz Rechtfertigung…- der mir ewig und immer wieder durch den Kopf wanderte, hoffentlich los und gut iss.

  • Charlie

    Es hat mich überrascht, dass meine kleine „Verteidigungsrede“ für Tarantino hier solche Irritationen ausgelöst hat – aber sei’s drum: Ich weiß nur leider nicht so recht, wie ich das noch ausführlicher oder klarer formulieren sollte, damit das, was ich schon geschrieben habe, verständlicher wird.

    Auf die beiden Kernpunkte meiner Kritik ist Roland leider nicht weiter eingegangen – zum ersten hat er in seiner Replik einfach nur geschrieben: „Ich greife hier keine Unterhaltungskultur an, sondern nur solche, die desensibilisiert, verroht.“ – Das stimmt gleich in mehrfacher Hinsicht nicht – schließlich sind unter den genannten Filmen gleich mehrere Unterhaltungsproduktionen, deren Vergleich mit den Werken ernsthafter Filmemacher schlicht unsinnig ist (die Gründe habe ich ja angerissen). Des weiteren zeigt der Bogenschlag zum „Dschungelcamp“ ja überdeutlich, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen und in einem Topf geworfen werden.

    Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Natürlich kann man beispielsweise Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Roman „Im Westen nichts Neues“ (1929) mit irgendwelchen Unterhaltungs-Kriegs-Romanen dieser Zeit, die es damals massenhaft gab, vergleichen – der Erkenntnisgewinn zu den Themen „Krieg“ oder „Gewalt“ bleibt dabei aber gleich null. Das Beispiel taugt auch gut für den Bereich des Filmes – denn es gibt selbstverständlich gewisse Überschneidungen zwischen ernsthaften Anti-Kriegs-Filmen auf der einen und dümmlichen, kriegsverherrlichenden filmischen Machwerken auf der anderen Seite. Auch hier führt ein Vergleich aber nicht weiter, sondern verbietet sich aufgrund der völlig verschiedenen Intentionen der Macher von vorn herein. Und wenn hier nicht klar – und für LeserInnen nachvollziehbar – unterschieden wird, löst sich der ganze Text in sinnlosen Schall und Rauch auf.

    Auch beim zweiten wichtigen Kritikpunkt verbleibt Roland im Nebulösen und wiederholt einfach: „Selbstverständlich haben ‚Killerspiele‘ und gewaltpornografische Filme einen Anteil an realer Gewalt.“ – Auch das ist unrichtig – es gibt keinerlei belastbaren Erkenntnisse zu dieser meist von ultrakonservativen Kreisen gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung – auf Nachfragen wurde zumindest bislang nie eine ernstzunehmende, also zumindest halbwegs wissenschaftlich fundierte Quelle genannt. Für das Gegenteil gibt es allerdings gleich mehrere Ansätze, wie ich das mit der Nennung des Begriffs „Katharsis“ anzudeuten versucht habe: Die Theorie der altgriechischen Trägödie fußt ja nun auf diesem Prinzip, dass der Zuschauer durch das möglichst authentische „Miterleben“ des Schreckens eine solche geistige „Reinigung“ durchlebt, die ihn nach dem Anschauen der Tragödie mit all ihren Morden, Intrigen und Schlachten als „geläuterten“ Menschen wieder entlässt und damit eine positive Wirkung entfaltet (das ist nun die schriftliche Kürzestform – mehr kann und will ich dazu jetzt und hier nicht ausführen).

    Roland schreibt weiter: „‚Django‘ dagegen lässt Gewalt cool und ästhetisch aussehen, das Töten beiläufig.“ – Ich weiß nicht, welche Vorstellung von „Coolness“ Roland hat, aber auf mich wirkt jeder einzelne gezeigte Gewaltakt in diesem Film abstoßend und bis ins Mark widerlich. Gerade diese „Beiläufigkeit“ trägt doch wesentlich dazu bei – es ist doch kein Zufall, dass Tarantina das genau so inszeniert hat – ebenso „beiläufig“ tötet die us-amerikanische Regierung heute Menschen: Die willkürlichen, entmenschlichten Drohnenmorde, von irgendwem befohlen, von keinem Gericht bewertet, und dennoch ständig stattfindend – wie könnte man diesen Irrsinn anders oder „besser“ kritisch darstellen als Tarantino es hier getan hat? Ich finde es da schon eher befremdlich, wenn jemand beim Ansehen solcher Szenen keine abgrundtiefe Abscheu empfindet. Abscheu ist doch das Ziel Tarantinos – nicht Sympathie oder „Coolness“ (wobei man dem Regisseur auch hier durchaus eine gewisse Tiefe abseits der reinen Schwarz-Weiß-Zeichnung unterstellen darf, denn all diese Täter sind ja letztlich auch nur Menschen, die auf Befehl handeln, die nicht die Urheber der perversen Ideologie dahinter sind und daher auch den einen oder anderen menschlichen Charakterzug tragen dürfen). Alberne Schwarz-Weiß-Charaktere wie sie beispielsweise in dem meiner Meinung nach aus künstlerischer Sicht völlig wertlosen Spielberg-Streifen „Schindlers Liste“ nur dem üblichen unterirdischen Hollywood-Niveau entsprechen, kommen bei Tarantino fast nie vor.

    Es ist ja nun beileibe keine neue Frage in der Kunst jeder Gattung, ob nun eher das „Subtile“, das „Angedeutete“, das „Atmosphärische“ zu bevorzugen sei oder vielleicht doch lieber das „Drastische“, das „Überzeichnete“, das „Radikale“. Diese Kontroverse wird es wohl geben, solange es die Kunst gibt. Für mich persönlich haben beide Sichtweisen ihre Berechtigung und könnten (und sollten!) einander durchdringen und ergänzen, anstatt gegeneinander ausgespielt zu werden – aber mit dieser Meinung stehe ich hier wohl relativ einsam da.

    Letztlich zeigt Rolands Antwort aber nur, wie er es ja auch selber schreibt, dass er seinen Text einzig auf seinen persönlichen Geschmack gegründet hat. Daraus aber eine so umfassende und keineswegs auf individuelle Geschmacksfragen begrenzte Rundum- und Haudraufkritik bei gleichzeitiger (auch künstlerischer) Abwertung des kritisierten Gegenstandes abzuleiten, fand und finde ich befremdlich, was mich zu meinem ersten Kommentar bewogen hat. Allein Rolands Formulierung „E.T.A. Hoffmann oder Georg Grosz sind arg hoch gegriffen als Vergleich zu den hier angesprochenen Filmen“ zeigt schon, dass ich mit meiner – durchaus sehr provokativen – Erwähnung der „entarteten Kunst“ so ganz falsch nicht lag. Wieso bitte sollten Hoffmann oder Grosz auf gleicher Augenhöhe wie Tarantino nicht genannt werden dürfen? Was macht die einen zu unangefochtenen Künstlern und den anderen zu einem „niederen“ oder sogar gar keinem Vertreter der Kunst?

    Und zu guter Letzt: Wer aus einem Satz wie „Sonst sind es doch vornehmlich irgendwelche Hohlbirnen aus der CSU oder CDU, die beispielsweise [XY behaupten]“ den Schluss zieht, dass ich damit eigentlich schreiben wollte: „Der Autor ist eine Hohlbirne“, sollte das Lesen lieber noch einmal neu lernen. Jeder Schuh passt letztlich nur dem, der ihn sich auch anzieht. 😉

    Liebe Grüße!

  • eulenfeder

    ..es mag ja sein – Charlie – dass Du solche gewaltfilme und gewaltverherrlichende magst, solche Dein geschmack sind – aber man sollte doch trotzdem in der lage sein gewalt insgesamt als verwerflich zu sehen. mag auch sein dass Dich solche filme nicht zu einer gewaltbereitschaft animieren können, aber es ist doch ganz einfach eine tatsache dass der überwiegende teil jener konsumenten solcher filme eine gewisse befriedigung darin finden, es wird gewalt vorgelebt und ergötzlich angenommen von einem publikum das sich darin spiegeln will auch. welchen kuklturellen und künstlerischen wert sollten denn solche gewaltdarstellenden- und verherrlichenden filme haben die zudem nur darauf abzielen eine möglichst grosse masse in die kinos zu bringen, gezielt auch auf ein solches publikum zugeschnitten sind !? Du verteidigst ja den künstlerischen wert, einen gewissen hohen anspruch sogar. ist zum wohle der kunst dann alles erlaubt ? jede grausamkeit wäre dann vielleicht sogar gut – wenn ein künstlerischer anspruch dahintersteht ? soll die kunst vielleicht sogar auf einem altar geopfert werden ? freilich eine geschmackssache – die kunst – aber bei mir erzeugt brutale gewalt einfach nur ekel und abscheu – und das ist gut so.
    gerade weil ja krieg, gewalt, folter in seiner furchtbaren grausamkeit real ständig passiert, sollte dies doch nicht zusätzlich in spielfilmen verherrlicht werden, das wäre doch kein notwendiges entgegenwirken sondern ginge in richtung zusätzlicher rechtfertigung.
    welchen anspruch an gewaltlosigkeit und frieden haben denn solche gewaltverherrlichenden filme ? – keinen !
    müsste nicht ein kontrastprogramm laufen, also eine aufklärung auch !?
    es geht um profit, um bereicherung durch solche gezielt auf ein gewisses publikum zugeschnittenes filmmaterial, nicht um eine abschreckende wirkung !
    den meisten schauspielern ist es ebenso egal – hauptsache die gage stimmt !
    tatsachenberichte über das reale grauen in jedweder form sind notwendig – aber in spielfilme verpackt eben spielerisch und leicht verdaulich deshalb, eine unterhaltung, ein zeitverteib – ‚ geiler film ! ‚
    sich die zeit mit gewaltverherrlichung vertreiben ? aus langeweile sogar ?
    das gegenteil von abstossend dann – zugleich abstumpfend und immer wieder die opfer realer gewalt verhöhnend, die reale grausamkeit in allen formen regt nicht mehr so auf, man hat es in filmen zum zeitvertreib ‚ kompensiert. damit tragen solche filme sicherlich zur verrohung bei, zu einer abstumpfung, in einem sogenannten anti-kriegsfilm hat man in gewisser weise auch sein gewissen beruhigt !
    aber – wie gesagt – einen künsterischen oder sogar kulturellen wert mag der eine oder andere ja für seinen geschmack darin entdecken – der anspruch an kunst oder kultur sollte aber in richtung gewaltfreiheit und frieden gehen wenn ein solcher erreicht werden will.
    das heroische ‚gut und böse‘ schema amerikanischer couleur sollte für jeden halbwegs intelligenten menschen leicht zu durchschauen sein, ein künstlerischer wert darin nicht zu finden sein.
    warum man Rolands notwendige und eine verrohung anprangernde kritik
    mit einer verteidigung künstlerischer werte widerlegen sollte- das begreife ich nicht.

  • epikur

    Quentin Tarantino benutzt Gewalt ausschließlich als Unterhaltungs-Stilmittel. Es ist ein Gewalt-Porno, die Leute finden es geil, wenn gemetzelt wird, Körperteile durch die Luft fliegen und viel Blut fließt. „Kill Bill“ ist so ein Film. Ich konnte nie verstehen, warum viele Leute den so unglaublich toll fanden. Außer Hype und viel Gewalt hat der Film nichts zu bieten. Die meisten Verteidigungs-Argumentationen sollen doch genau diese Blutdurst nur verstecken helfen.

    „Die fabelhafte Welt der Amelie“ hingegen, steckt voller Menschenliebe und Humanismus. Wetten, dass Tarantino-Fans solche Filme nicht mögen? 😉

  • rr

    Charlies Brief ist schon interessant, vor allem der Aspekt der „Katharsis“. Ich wünschte, die Zuschauer würden nach Tarantinos Film „geläutert“ aus dem Kino entlassen werden, weil sie durch den dort erlebten Schrecken „gereinigt“ wurden. Ich bezweifle, dass es so ist, aber ich wünschte es. Der Deutungsansatz, den Charlie hier bezüglich „Pulp Fiction“ vertreten hat, ist spannend: Nach Bibelsprüchen kommt kaltblütiger Mord. Gäbe es eine treffendere Satire auf die US-amerikanische Rechte? In „Django“ ist es geschwollenes Bildungsgeschwafel von Christoph Waltz, danach ebenfalls kaltblütiger Mord. Die Doppelbödigkeit so genannter Kulturnationen, die äußerste Brutalität mit Bildungsbeflissenheit paaren. Ja, man kann es so sehen, wenn ich auch bezweifle, dass die meisten Kinozuschauer so tief analysieren. Ich glaube, die wollen nur, dass es kracht und ihr schlechtes Gewissen über ihre tiefe Befriedigung angesichts des Gemetzels damit beruhigen, dass die Getöteten ja „nur“ Sklavenhalter oder Nazis sind.

    Ich räume ein, dass solche Fragen Spekulation sind. Was geht wirklich in Tarantino vor? Wie viele Zuschauer werden auf welche Weise auf den Film reagieren? Ich weiß es nicht, im Grund „schwimmen“ wir da alle ein bisschen. Es ist auch klar, dass die Wertschätzung für solche Filme Geschmacksache ist. Charlie hat sich auf mich eingeschossen und so hohe Kriterien an die „Seriosität“ von Artikeln angelegt, dass ich, würde ich sie erfüllen, wohl aus Zeitgründen überhaupt keine Artikel mehr würde schreiben können. Selbst die schädliche Wirkung von Killerspielen müßte ich beweisen, da es diesbezüglich keine „belastbaren Studien“ gibt. Nun trotz wissenschaftlicher Mängel meines Artikels gehe ich nicht davon ab, dass ich glaube und für offensichtlich halte, dass Killerspiele schaden und die Gewaltbereitschaft erhöhen. Und ich glaube und halte für offensichtlich, dass Filme wie „Django“ eher verrohende als kathartisch-läuternde Wirkung haben.

    Ich sage dennoch, was mir gefallen hat: der erste „Akt“ von „Inglourious Basterds“, in dem Waltz als SS-Offizier eine Bauernfamilie verhört, während unten im Keller versteckte Juden um ihr Leben bangen. Hier wird Mitgefühl mit den Opfern geweckt und die bildunsbürgerliche Maske mancher Nazis entlarvt. Es soll ja tatsächlich so gewesen sein, dass KZ-Kommandanten privat Schöngeister waren und klassische Musik gehört haben. Die Szene war gut, ebenso wie andere Dialoge im Film. Dann aber gleich: „Die Rache ist mein, sprach Tarantino“. Die „Bastards“ unter Brad Pitt ritzen Nazis Hakenkreuze in Stirnen und schlagen ihnen die Köpfe mit Baseball-Schlägern ab. All diese Vorgänge werden überdeutlich gewaltpornografisch gezeigt. Wer würde nicht tiefe Befriedigung ob dieses Gemetzels empfinden, denn es sind ja nur Nazis, oder? Ich muss leider vermuten: Die Nazis sind austauschbare Baller-Opfer für Tarantinos cineastische Moohuhn-Jagden, und sein Antifaschismus hat so wenig Substanz wie der von Steven Spielberg in seiner „Indiana Jones“-Reihen. D.h. beide sind wohl privat wirklich gegen Nazis, aber darum geht es in den Filmen nicht. Sie produzieren Futter für Action-geile Jugendliche von geringerer Intelligenz, und die intelligenten Cineasten wie Charlie können sich damit trösten, dass es ja irgendwie auch Filmkunst ist.

    Der kühl-sezierende, in der Tiefe aber mitfühlende und gesellschaftskritisch gesinnte Chronist menschlicher Abgründe – diese Ehre, die Charlie Tarantino zugestehen möchte, würde ich eher Michael Haneke („Das weiße Band“) angedeihen lassen. Und nebenbei gesagt: Dass Charlie „Schindlers Liste“ für künstlerisch völlig wertlos hält, erscheint mir schon merkwürdig. Denn hier finde ich alle Merkmale guter Filme: tolles Filmhandwerk, ein wichtiges Thema, ein sensibilisierender, Mitgefühl weckender, ja erschütternder Effekt. In der Figur des Amon Göth wird das Thema Machtlust und Grausamkeit ausgezeichnet verkörpert. „Interessant“ ist, dass Göth in dem Film von seinem Balkon aus Juden abschießt, was an Killerspiele und an Tarantinos Baller-Orgien erinnert. In „Schindlers Liste“ wird aber unmissverständlich Abscheu vor einem solchen Verhalten geweckt, hier entsteht „Katharsis“. Bei Tarantion bleibt dies zumindest vieldeutig.

    Ich glaube, man muss grundsätzlich die Frage der Gewaltverherrlichung und Verrohungswirkung trennen von der Frage des künstlerischen Niveaus. Deshalb ist es für mich auch nur am Rande interessant, ob Tarantino ein ebenso großer Künstler ist wie E.T.A. Hoffmann. Selbst wenn dem so wäre, es wäre hier nicht mein Hauptthema. Ich weiß auch, dass es einen Unterschied zum „Dschungelcamp“ gibt: Das eine ist eine Show, das andere ein Film. Das eine ist nur Schwachsinn, das andere hat immerhin ausgefeilte Dialoge, ein tolles Regiehandwerk und ästhetische Bildgestaltung. Diese beiden äußerst unterschiedlichen Kunstwerke gleichen sich nur in einem Punkt: in ihrer Wirkung der Verrohung, des „Anti-Mitgefühlstrainings“, der Gewöhnung des Publikums an Grausamkeit. Nur darum ging es mir in dem Artikel. Und ich sehe da auch keinen Grund von meinen Hauptthesen abzugehen.

    Im übrigen: Warum setzt Tarantion seine Begabung nicht mal ausnahmsweise für einen gewaltfreien Film ein, ganz ohne spritzendes Blut, aufgeritzte Körperteile und Rachefantasien? Anmerkung: Sein nächster Film wird „The hating Eight“ heißen, ein Rache-Western im Stil der „Glorreichen Sieben“. Was man da zu sehen bekommt, kann man sich ja denken. (Roland Rottenfußer)

  • Holdger Platta

    Lieber Charlie,

    gute Sprüche erfinden, das muß man schon können. Dein Schlußsatz „Jeder Schuh passt letztlich nur dem, der ihn sich auch anzieht“ ist leider völlig sinnfrei. Meine Schuhgröße ist 44/45, ich komme aber auch noch in 43 rein. Daß ich damit die betreffenden Schuhe angezogen haben kann, stimmt. Daß sie demzufolge passen, leider nicht. Die „Belastbarkeit“ der Logik in Deinem Schluß-Spruch sollte also nochmal überprüft werden von Dir.

    Aber ernsthaft: Du schreibst, ganz zu Beginn, Du habest doch nur eine „kleine Verteidigungsrede“ gehalten. Dein Beitrag war weder „klein“ noch lediglich „Verteidigungsrede“, sondern über weite Strecken Angriff. Daran, an dieser Angreiferei, neben allzuviel Gewißheitstönen, haben sich viele gestoßen, mich eingeschlossen. Denn D u hast Roland – so wörtlich! – „in die wenig erfreuliche Reihe“ derjenigen gestellt gesehen, die entweder „Hohlbirnen“ sind und/oder mit der Propagandaformel „entartete Kunst“ ihr furchtbares Unwesen getrieben haben. Mir da einen Lesefehler zu unterstellen, bei derart kräftigen GROSSBUCHSTABEN, das hat schon was!

    Das war und ist maßlos, und man könnte auf den Gedanken kommen, das empfindet man nur dann nicht mehr und kann es nur dann nicht mehr wahrnehmen, wenn man zuviel einschlägige Filme gesehen hat. Ist freilich nicht meine These. Aber das Folgende meine ich sehr wohl:

    In der Sache und in der Logik liegt diese Äußerung von Dir auf einer Linie mit Herrn Broder, der Merkels zaghafte Kritik am Sarrazin-Buch (= „nicht hilfreich“) mit nicht überbietbarer Frechheit in die „übelste Tradition der Reichsschrifttumskammer des Dritten Reichs“ gestellt hatte. Im Falle Merkel wurde allzu zarte Distanzierung von einem Buch mit volksverhetzenden Potential eingereiht in die unterdrückerische Praxis des Nationalsozialismus, bei Roland dessen Brutalitätskritik – die meinetwegen auch verkehrt sein könnte (was meine Ansicht allerdings nicht ist) – reichlich herablassend als entweder hohlköpfige Verirrung ‚diagnostiziert‘ oder äußerst fahrlässig als ideologische Nachgeburt von NS-Kampagnen ‚enttarnt‘.

    Und das ist nur eine „kleine V e r t e i d i g u n g s r e d e „?

    Ich möchte nicht wissen, wie dann Deine A n g r i f f e aussehen!

    Mein Schlußspruch: Du hast geballert und behauptest nun, lediglich mit einem Schutzschild hantiert zu haben.

  • Clas Lehmann

    Moin, moin,

    ich selber gehe da noch weiter und schaue überhaupt keine Filme im Kino mehr an, seit ich die ersten Minuten von Clockwork Orange gesehen habe. Das ist über 30 Jahre her, und ich habe mich noch nicht davon erholt. Der Film gilt auch als Kunstwerk und Herr Kubrick als Künstler…

    Mir ist das Medium einfach zu wenig freilassend. Ich halte diese riesigen Bilder nicht aus. Ich habe Gewaltverherrlichung gesehen und das Publikum als in einer gewaltkultischen Handlung begriffen erlebt. Ich habe Monate gebraucht, um wieder halbwegs meinen Alltag geregelt zu bekommen, danach. Ich gehe in kein Kino mehr.

    Und ja, ich halte Thriller und ihre Verfilmungen für absichtsvolle Verrohungsprojekte. Ob es sich dabei um Kunst handelt, entzieht sich meiner Wahrnehmung.

    Gruß Clas

  • harastos

    Immer wieder die Katharsis-These, die Spiegelbildtheorie o. Ä. herauszuholen ist wenig hilfreich. Dass Aristoteles der Katharsistheorie anhing, beweist nicht, dass sie stimmt. Dass Literaten des 19. Jahrhunderts der Meinung waren, ihre Literatur bilde die Wirklichkeit ab und kritisiere sie allein deswegen – ebenfalls geschenkt. Ist ja nun wirklich schon so viel zu Medien und ihrer Wirkung gesagt worden, dass solche Einbahnargumentationen einfach nur langweilig sind. Natürlich gibt es keine empirischen Belege dafür, dass Gewaltfilme oder -spiele bei den Spielern oder Zuschauern zu Gewaltexzessen führen. Wer das glaubt – da stimme ich Charlie zu -, leidet an einem zu simplen Menschenbild. Wer aber glaubt, man könne schön säuberlich zwischen künstlerisch wertvoller Gewaltdarstellung und affirmativer Gewaltdarstellung in Unterhaltungsfilmen trennen, pflegt ein genauso schlichtes Menschen- und Medienbild.

  • Piranha

    Dieser Tage sah ich einen Bericht über Syrien, über die Zustände in Homs, über Mütter, die ihren Kindern Gras auskochen, weil es keine Lebensmittel mehr gibt, über Flüchtlinge die aus der Luft angegriffen werden, sehe sterbende Menschen…
    Innerlich zieht sich alles zusammen in mir und die Augen laufen über… DAS ist das Grauen, real und nah.
    Schon im letzten Oktober schrieb die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“, dass sie wegen der fehlenden Sicherheit für ihre Ärzte in Syrien nicht mehr, bzw. nur noch an der syrisch-irakischen Grenze helfen können.
    Ein UN-Appell hat nichts ergeben.

    Ich finde es sehr gut, dass Menschen wie Ellen Diedrich hier ihre sehr informativen Berichte einstellen können, die aufgrund der sachlich gehaltenen Abfassung umso erschreckender und schmerzlicher wirken.

    Nein, der Tarantinofilm hat mich nicht beeindruckt; ich bin erwachsen.
    Eine andere Meinung habe ich, wenn Mütter und Väter ihre 6-8-jährigen Kinder mit in die Hobbit-Filme schleifen in der Meinung, es seien doch Kinderfilme.
    Was macht eine Kinderseele mit Szenen aus „Herr der Ringe“, wenn bspw. die Orkköpfe fliegen und die Leichen von ihresgleichen gefressen werden und die Mama plappert: „siehst du, so ist das richtig“

  • eulenfeder

    …sechtane film san niad mei levl – dou schaui läiwa da lisbeth beim wäschaufhänga zou…

  • Piranha

    Gerade wird gemeldet, dass die UN humanitäre Hilfe nach Homs bringt.

  • Heidrun Mohr

    seit samstag hatte ich einen undefinierbaren klumpen, den ich nichts zueignen konnte, im magen. etwas kleineren hatte ich beim regelmäßigen lesen der ganzen kommentare auf der konstantin-wecker-facebook-seite im vergangenen frühherbst, kurz vor und nach den wahlen. zwei mehr als obskure vögel haben dort in einer kurz eloquent und eklig von immens weit oben verachtung, häme, gnadenlose überheblichkeit ausgedrückt. nach ansehen derer seiten und eingestellten bilder war klar, aus welcher ecke diese menschen, herren… kamen. an dem wochenende der großveranstaltung der spd hat der eine vogel arg übertrieben, und auf meine frage, was er denn auf der seite dann wolle, bei seiner einstellung, bekam ich die sinnfreie antwort zur erbauung käme er

    nach dem zweiten posting von charlie – der mein grund für den magenklumpen war, bin ich fest davon überzeugt, daß er haargenauso wie der sich erbauende auf fb, der sinnigerweise hauschild als nickname hatte, sich daran kalt grinsend ergötzt, hier zig leute mit seiner verdrehten auffassung, seinen pöbeleien, beleidigungen. in aufruhr zu bringen und machtspielchen mit uns allen gespielt hat, incl. stimmung verdüstern, fühle mich selten sauertöpfisch, gallig. –
    wäre dem nicht so, hätte er eulenfeders zurückrudern hinsichtlich zu jung deshalb zu weit gegangen, meine faust in der tasche und freundliches aufzeigen seiner haudrauf- und mach was ich will erpressung und die anderen, die willig weiter wissen wollten, was er zu allem sagt, mit einer zivilisierteren form des schreibens belohnt und vor allem seine mehr als heftigen hiebe, beleidigungen zurückgenommen. nö- statt dessen wird er noch frecher, die nummer mit den schuhen, gekrönt von einem noch provozierenderen grinse-smile. habe ich schonmal auf fb geschrieben, nach den aktionen würde er auf meiner seite einen sofortigen gratis-turboflug- one-way, never come back-airline erhalten. sowas muß sich niemand antun..

  • Heidrun Mohr

    nachtrag

    die gallig sauertöpfische mohr hatte beim auftauchen des videos der zitzenzutzler eine immens hochgeschraubte wunscherwartungshaltung, jetzt den oberknaller geliefert zu bekommen, wo der mutantenstadl arg durch den kakao gezogen wird und durch befreiendes lachen der fremdklumpen im magen zumindest kleiner wird. das hätte kein noch so gutes sonst brüller produzierendes stück geschafft, weil solche wesen wie charlie die anonymität des internets im wahrsten sinne des wortes waidlich ausnutzen und eiskalt genießen.

  • eulenfeder

    ..Du meinst – Zartmöhrchen – das wort zitznzuzler wars das Dich in erwartung brachte ?? lol — nun vertragen wir uns alle wieder – und kämpfen für eine bessere welt !!
    letztendlich reden wir ja nur – das wortgefecht ersetzt die waffen – ( auch wenn ich immer einen pfeil im köcher habe – für alle fälle – smile )…

  • Heidrun Mohr

    hi eulenfeder,

    klar, natürlich hat mich der name der boys zum heftig-grinsen gebracht. wer doch irgendwie fad und dröge, wenn nich. das die keine leibhaftigen kühe meinen, dürfte dem größten einfaltspinsel doch einleuchten. höchstens indirekt, sich benehmen wie eine 2-beinige…

    da sie aber lustig-frivol ältere, gern geifernde damen, die es gut verstecken, wie sie glauben, war mal was wirklich neues, echt lustiges. da es ja stimmt.

    bei einem witzeaustausch mit einer kegelschwester meiner mutter bei uns vorm haus, wo ich irgendwann wie ein wiedehopf vor lachen auf der miniterasse rumjumpte, kam u.a. von ihr der drüsche kommentar: „auch auf einer alten fregatte ist gut segeln“.

    hier gab es bis vor wenigen jahren eine diskothek, „moonlight“, wo alle offen sagten, wochenende, mumien-schieben gehen.
    – mal geschaut, was das heißt:

    theke, sehr lang, frauenstützpunkt- von dem sich viel männliches jungvolk alles ab 35 bis mindestens mitte 60 pflücken konnte, aber die frauen waren auch alles andere als zurückhaltend oder passiv, halt auf der pirsch. – nicht nur zum tanzen…… aber alle altersklassen männer durften mitspielen. augenfällig war, daß die jungen immer am schnellsten verschwanden.

    zurück zu deinem obigen Kommentar;

    aber wieso der satz „jetzt vertragen wir uns alle wieder?“
    hatten wir punke?

    du hast aus sicherheitsgründen einen pfeil im köcher, und ich sag in richtigen not- und stress-zeiten, auf dem kriegspfad bin ich, feder symbolisch auch im haar, aber zur kriegsbemalung bekommt mich keiner.
    möchte ich auch nicht mehr ändern, mit bewußt verbal oder physisch oder wie auch immer, verletzen anzufangen.

    aber bei gespaltene zunge bist du dir mit mir 100%-ig einig, das weiß ich:

    in einem minidorf im umland von berlin, heißt wirklich so, derwitz, sagt man/ frau: „ach man nich“, wenn etwas asolut abgelehnt wird.

  • eulenfeder

    ..war auf die ausartende auseinandersetzung zum thema gewaltverherrlichung bezogen….
    nicht auf Dich – Möhrchen..
    viel glück bei der pirsch….
    lg

  • Heidrun Mohr

    Hi eulenfeder,

    wer sich zeit beim lesen nimmt, ist im vorteil, wenn er ernsthaft und komplett verstehen möchte, was dort steht.

    auch wenn es ein gag sein sollte, mag ich nicht mit den hormongesteuerten weibsen, die auf die pirsch gehen, in eine schublade.

    Ich wollte sehen, wie es dort zugeht, stand nicht dort um erst gar nicht miteinbezogen werden zu können.

    nehme es zwar nicht übel, aber da ich es eigentlich etwas arg seltsam finde, wildfremde abzuschleppen, bin ich verwundert, dachte. ein bißchen lernt man sich auch durch schreiben kennen.

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