In Konstantin Wecker

Konstantin WeckerKonstantin Wecker begründet, warum ab sofort keine Kommentare mehr freigeschaltet werden und erklärt, wie es mit HdS weitergeht.

Seit meiner Friedensreise in den Irak vor Ausbruch des Krieges 2003 habe mich mit erheblichem materiellem Aufwand bemüht, mit HDS ein wirkungsvolles Portal für Gegenöffentlichkeit aufzubauen. Dabei war unser Ziel, die Schnittstelle zwischen fortschrittlicher Politik, Gegenkultur und engagierter Spiritualität zu bewirtschaften.
Die Turbulenzen der letzten Wochen haben nun auch HDS erreicht. Das hat eine sehr erfreuliche Seite: die Zugriffe sind deutlich gestiegen, die Zahl der Kommentare ist explodiert und wir hatten insgesamt den Eindruck, dass HDS von vielen neuen Lesern entdeckt wurde.

Es gab aber auch sehr unerfreuliche Aspekte dieser gestiegenen Aufmerksamkeit: eine Giftspritzerei im Forum von HDS aus trüben Quellen unterschiedlichster Art – und auch das Gefühl, von einigen Leuten dringend und absichtsvoll missverstanden zu werden, ganz egal was da wirklich geschrieben steht.

Ich bin in erster Linie auf der Bühne wirksam. Dort will ich aufklären, Herzen und Köpfe erreichen, aber eben auch Menschen unterhalten. Dazu brauche ich die meiste Zeit, aber vor allem: meine Heiterkeit. So bin ich Kriegstreibern, neuen und alten Rassisten, Sozialabbauern und FinanzkapitalistInnen (hoffentlich) am wirksamsten im Wege.

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu vermuten, daß die zunehmenden Lähmungsversuche von HDS nicht ganz zufällig erfolgen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung unterhält z.B. eine ganze Abteilung dafür, kritische Portale, Wikipedia, soziale Netzwerke und Foren mit Shitstorms zu überziehen, Friedensbewegungen ins Zwielicht zu rücken, Linke zu skandalisieren und deren Medien handlungsunfähig zu machen. Von Geheimdiensten will ich hier gar nicht sprechen

Es gibt jedenfalls Kreise, die mehr oder weniger professionell und finanziell gut ausgestattet darauf aus sind, bei radikaldemokratischen, kritischen Menschen Arbeitskraft zu binden, damit die Gegenwehr gegen die Profiteure von Krieg und Finanzkapitalismus erlahmt. So nach dem Motto: Wenn Linke schon übrig bleiben, so soll wenigstens von der Zeit Linker und deren Nerven wenig übrig bleiben.

Unter diesen Angriffen aus dem „heldenhaften“ Incognito des Internets haben einige linke Medien schon aufgegeben. Andere hingegen haben durchgehalten, bis heute: das gute Periodikum „Ossietzky“ von Eckart Spoo und anderen; das Portal für kritischen Videojournalismus und scharfe Parodien www.weltnetz.tv; das Internet-PrintPortal „NachdenkSeiten“ von Albrecht Müller; die „Rationalgalerie“ von Uli Gellermann und einige wenige andere. Aber deren Foren und Leserbrief-Seiten sind nicht permanent offen, sondern sie sind redaktionell moderiert.

Auch wir haben versucht, diesen Weg zu gehen – auch um konstruktive Debattenteilnehmer vor den zum Teil unsäglich unflätigen Attacken digitaler Dreckschleudern in Schutz zu nehmen. Aber die Flut der Kommentare zu sichten, kostet viel Zeit und bindet Kraft. Kraft, die wir eigentlich einsetzen wollen, um HDS inhaltlich und optisch in naher Zukunft zu verbessern.

Konkret sind wir deshalb zu der Übereinkunft gekommen, bis zum geplanten Relaunch von HDS – mit einer neuen, stark verbesserten Webseite und einem noch schlagkräftigeren Team – die Kommentarfunktion zu schließen. Wir sind uns schmerzlich bewusst, dass wir damit auch diejenigen treffen, die hier eine Heimat gefunden haben für sachliche Diskussionen und den Austausch mit anderen, kritischen Geistern. Wir werden überlegen, ob und wie wir Eure Beteiligung in Zukunft wieder ermöglichen können und sind für Vorschläge dazu dankbar.

Wir wollen aber zunächst unsere Kraft darauf konzentrieren, HDS besser aufzustellen. HDS ist auch dem gegenwärtigen Ansturm und den daraus erwachsenden Aufgaben mit der gegenwärtigen Struktur nicht gewachsen.

Es ist also an der Zeit, uns entsprechend mit MitstreiterInnen enger zu verbinden und zu verbünden, redaktionelle Arbeitskraft zu bündeln und werbende Synergieeffekte zu nutzen. Das wollen wir in Zukunft auch mit HDS tun. Und darüber will ich in den nächsten Wochen mit den oben genannten Medien und MacherInnen sprechen. Wir wollen so zu einer gemeinsamen, kraftvolleren Gegenöffentlichkeit gelangen.

Wir geben nicht auf. Wir machen weiter, wie bisher.
Aber wir sind im Umbau! Nur wer sich ändert. bleibt sich treu.

Mit humanistischem Gruß

Konstantin Wecker

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