Wolfgang Streek: Erodiert der Kapitalismus die Gesellschaft?

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streeckGekaufteZeitDer deutsche Soziologe und Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln sagt in diesem Podcast sehr deutlich, dass der Kapitalismus seiner Systemlogik gemäß Kriege „brauche“. Banken seien die gefährlichsten Institutionen des Planeten. Auch das „Matthäus-Prinzip“ ist zu beklagen: „Wer hat, dem wird gegeben“. Marktkräfte treiben Ungleichheit hervor, wie Streek in seinem neuen Buch „Gekaufte Zeit“ erklärt. Einfach Audio auf der Webseite des WDR anklicken.
http://www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr5/redezeit104.html

Comments
  • Falkenauge

    Eine wenig beachtete, aber entscheidende Quelle des Kapitalismus, die ihn ständig am Leben hält, ist die herrschende neoklassische Theorie des totalen Marktes, die an den westlichen Hochschulen dominiert. Sie beruht im Wesentlichen auf einigen wenigen „Axiomen“, also Grundsätzen, die nicht weiter hinterfragt, sondern einfach als richtig vorausgesetzt werden. Die wichtigsten sind: 1. Unbegrenztes Eigentum an Grund und Boden, Unternehmen und Geld. 2. Die aus diesen Eigentumsarten resultierenden leistungslosen Einkommen, die eine ständige Vermögensverteilung von Fleißig nach Reich bewirken.

    Das System schottet seine Herrschaft ab. Um Professor der Volkswirtschaftslehre in den USA, Europa und Teilen Asiens zu werden, erreicht man die dazu nötige Habilitation nur, wenn man in der Regel mehrere wissenschaftliche Aufsätze in führenden englischsprachigen Ökonomie-Zeitschriften der neoklassischen Schule veröffentlichen konnte, deren Richtung also alle auf den beschriebenen unhinterfragbaren dogmatischen „Axiomen“ beruhen. Das bedeutet, dass ohne deren Anerkennung eine Wissenschaftskarriere unmöglich ist. Mit diesen Glaubenssätzen beginnt das Studium im ersten Semester an den Universitäten und Hochschulen, und auf ihnen beruht das ganze Bachelorstudium, das Masterstudium, die Promotion und am Ende die Habilitation.

    Die Professoren sind auch vielfach über von der Wirtschaft finanzierte Stiftungslehrstühle und Forschungsprojekte vom Kapital abhängig.
    „Ganz offensichtlich profitiert vom gegenwärtigen System eine kleine Minderheit von sehr reichen und einflussreichen Menschen. ´Die Wirtschaftswissenschaft hat seit Jahrhunderten die Interessen der jeweils herrschenden Klasse verteidigt`, sagt der Ökonom und Unternehmensberater Wolfgang Berger.“ Und auch der Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz beantwortet die Frage, wem die gängigen ökonomischen Theorien nützen, lapidar mit: „Of the 1 %, for the 1 %, by the 1 %.“

    Siehe näher:
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/01/31/503/

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