China und die USA – Heimtückische Eroberungspolitik

Ist der aber aggressiv!

Ist der aber aggressiv!

Die NATO hat ihren Einflussbereich in 25 Jahren von der hessischen Ostgrenze bis nach Warschau und Riga ausgeweitet und greift nun auch nach der Ukraine, die tief ins Herz der ehemaligen Sowjetunion hineinreicht. Wer ist folglich der Agressor? Richtig: Russland. Dererlei Doppelmoral entblößt Wolfgang Bittner mit seinem satirischen Gedankenspiel. Was wäre, wenn alles umgekehrt liefe? (Wolfgang Bittner)

Aus vertraulichen Geheimdienstquellen wurde bekannt, dass China beabsichtigt, in nächster Zeit ein Verteidigungsbündnis mit einigen südamerikanischen Staaten und Mexiko einzugehen. Als Abwehrmaßnahme gegen einen möglichen Raketenangriff des Iran oder Nordkoreas ist geplant, ein Raketenabwehrsystem an der mexikanischen Grenze zur USA zu stationieren. In Folge sollen dann Mittelstreckenraketen, die mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden können, in das Abwehrsystem einbezogen werden. Des Weiteren beabsichtigt China, Militärstützpunkte in mehreren mittelamerikanischen Ländern, in Kanada sowie auf Kuba zu errichten. Außerdem sollen in Kooperation mit Russland Raketen-Schutzschilde und Langstreckenraketen an der nordsibirischen Grenze aufgestellt werden, um eventuellen Angriffen aus Schurkenstaaten wirkungsvoll begegnen zu können.

Die US-Regierung hat diese Vorhaben als ernsthafte Bedrohung und Aggression verurteilt und scharf dagegen protestiert. Aus Washington war zu vernehmen, man werde unverzüglich entsprechende Abwehrmaßnahmen gegen eine militärische Einkreisung der USA ergreifen. Ebenso werde man die seit Längerem zu registrierenden Versuche, die Vereinigten Staaten durch Subversion zu destabilisieren, unterbinden. Eine erste Reaktion war die Ausweisung von Vertretern mehrerer Nichtregierungsorganisationen, die sich angeblich ständig in innerstaatliche Angelegenheiten einmischten. Aus dem US-Innenministerium war zu erfahren, dass zudem im Auftrag fremder Mächte Spionage sowie eine Abspaltung Alaskas, Kalifornien, Floridas und Hawaiis aus dem nordamerikanischen Staatenbund betrieben werde.

Bekannt ist, dass Mexiko schon länger eine Rückgabe von Gebieten fordert, die vor Jahren von den USA völkerrechtswidrig annektiert wurden. Das sind Texas, Kalifornien, Arizona, New Mexiko, Utah, Nevada und Teile von Colorado und Wyoming. Dazu erklärte kürzlich der US-Präsident vor Offizieren der Militärakademie in West Point, das sei Geschichtsklitterung und ein völlig unakzeptables Ansinnen. Nicht die USA hätten diese Gebiete annektiert, vielmehr habe bereits vorher eine widerrechtliche Inbesitznahme durch Mexiko im Wege eines Genozid an der einheimischen indianischen, also amerikanischen Bevölkerung stattgefunden. Sollte es zu Grenzstreitigkeiten kommen, werde man militärisch antworten.

In den mexikanischen wie auch den US-amerikanischen Medien tobt jetzt seit Tagen eine Propagandaschlacht. In Mexiko heißt es, die „räuberischen Gringos“ reagierten auf die Raketenstationierungen und die Rückgabeforderungen hysterisch, statt zu verhandeln. Sie bildeten sich ein, sie könnten ihren Einflussbereich ständig weiter ausdehnen und andere Völker unterjochen. Allein zu diesem Zweck unterhielte „God’s Own Country“ mehr als Tausend Militärbasen in aller Welt. Gegen diese Anschuldigungen wenden sich die US-Medien in geschlossener Phalanx, wobei von einer heimtückischen Eroberungspolitik der „Schlitzaugen“, „Chicos“ und „Russenbastarde“ die Rede ist.

Die genauen Ursachen des sich immer mehr zuspitzenden Konflikts werden sich wohl kaum noch klären lassen. Nun hat sich die Europäische Union und damit auch Deutschland an die Seite der USA gestellt. Die deutsche Bundeskanzlerin hat inzwischen mehrere Telefonate mit dem chinesischen und dem russischen Präsidenten geführt, um zu vermitteln. Und die Präsidenten von Bolivien und Venezuela haben vor einer weiteren Eskalation gewarnt, die zu einem dritten Weltkrieg und damit zu einer Konfrontation der Atommächte mit unabsehbaren Folgen führen könnte.

Wolfgang Bittner ist Schriftsteller und Jurist. Kürzlich erschien sein Buch „Die Eroberung Europas durch die USA“.

Showing 3 comments
  • Helge Mannteuffel

    Wolfgang Bittner, klasse!

    Ich bin ein überzeugter Multiplikator ihrer Veröffentlichungen !

  • Angela Ebert

    Nur ein paar Gedanken:

    Das erinnert mich an territoriale Streitigkeiten mehrerer Affen-Horden, die Silberrücken (weibliche und männliche) machen ganz großen Alarm und ALLE Stammes-Mitglieder sind ganz aufgeregt. In Anbetracht dessen das Atom-Waffen zum Einsatz kommen könnten, berechtigt aufgeregt!

    Hier geht es nicht um regionale kleine Stammes-Gebiete, hier geht es um den Planeten Erde, unserer Welt auf der wir alle leben. Einer wunderschönen Welt, die kaputt-missbraucht wird, aus „wirtschaftlichen Gründen“.

    Das ist schon extrem pathologisch, mit Verlaub!

    Und wir alle sehen dabei zu, werden permanent durch die Leit-Medien vom „Welt-Geschehen“ unterrichtet. Die gesamte „Intelligenz“ dieser Welt beteiligt sich, diskutiert in den einschlägigen TV-Talk-Schau Veranstaltungen rege, öffentlich, ausgiebig, bis zum Erbrechen. Ist das noch intelligent???

  • Krysztof

    Diese Glosse wäre was für den „Postillon“. Allerdings greift sie m.E. zu kurz, was ich kurz erläutern möchte.

    Diese Kritik, dass das eigene Handeln anders bewertet wird als das Handeln anderer, selbst wenn es in Absicht und Folgen völlig identisch ist, würde in weiten Teilen der US-Öffentlichkeit gar nicht verstanden. Das hängt damit zusammen, dass das Bewusstsein in weiten Teilen durch ursprünglich religöse Vorstellungen geprägt ist, die auf Calvinismus und Täufertum zurückgehen.

    Galt im Mittelalter das Leben als eine Art Mischkalkulation, in der jeder mal Gutes und Schlechtes tut und die Seligkeit davon abhängt, was überwiegt, hat der Calvinismus dies durch Vorherbestimmung ersetzt (im Täufertum ist das ähnlich, nur ist dies ein Angebot, das jeder einmal bewusst annehmen kann, um zu den Auserwählten zu gehören). Das bedeutet, nicht *Taten* sind gut oder böse, sondern *Menschen* als ganze sind gut oder böse. Dies spiegelt sich auch in US-Filmen wieder (z.B. James Bond, oder der Spruch „Keine Angst: wir sind die Guten“).

    Um eine alte Frage von Sokrates zu persiflieren: „Ist jemand gut, weil er Gutes tut, oder tut jemand Gutes, weil er gut ist?“ (Sokrates bezog das auf göttliche Gebote). Hier tendiert man im stärker katholisch geprägten Europa eher zum ersten Teil, währen man in den USA eher den zweiten Teil bejaht.

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