Der steile Aufstieg (fast) bis zum Gipfel

Polizist/innen schenkten Monika und Roland Äpfel, Birnen und Müsliriegel. Alles ist gut.

Polizist/innen schenkten Monika und Roland Äpfel, Birnen und Müsliriegel. Alles ist gut.

Monika Herz und Roland Rottenfußer wohnen in Bayerischen Oberland, kaum eine Autostunde von Schloss Elmau entfernt. Natürlich wollten sie sich das historische Event in ihrer Heimat nicht entgehen lassen. Viel Unsicherheit hing an der Luft an diesem schönen Sonntag, nicht nur wegen des drohenden Gewitters. Darf man da überhaupt hin? Wird man da verhört und verhaftet? Und wenn nicht, wie weit kann man bis zum Schauplatz dieses erhabenen Ereignisses vordringen? Letztlich lief es auf die Erkenntnis hinaus: Nur besonders harte, gut trainierte und bergtaugliche G7-Gegner dürfen ihr Demonstrationsrecht wahrnehmen. Immer dieses Wort „dürfen“! Seit dem Kindergarten haben wir es nicht mehr so oft gehört. Ob das HdS-Heroenpärchen Monika und Roland bis zum Zaun vordringen und die G7-Politiker durch ihre eindrucksvolle Präsenz zum Einlenken bewegen konnte, lesen Sie in diesem Bericht. (Monika Herz)

Wie schaut’s eigentlich aus mit unserem Grundgesetz? Artikel 20, Absatz 2 oder Artikel 5, Absatz 3 erregen seit Jahren mein besonderes Interesse. In dem einen heißt es, alle Staatsgewalt ginge von mir, also vom Volk aus und zwar durch Volks- Abstimmungen. Im anderen heißt es, dass ich meine Meinung frei äußern dürfe, also völlig frei und ganz ohne Einschränkung, weil ich eine Künstlerin bin. So wie ich GG 5.3 verstehe, dürfte zum Beispiel ein Demonstrationsverbot für mich nicht gelten. Eben wegen der Freiheit der Kunst. Zu Testzwecken hab ich extra eine Ode verfasst, wie meine abertausende Fans ja wissen. http://hinter-den-schlagzeilen.de/2015/05/18/elmau-2015-eine-ode-und-vier-esel

Vor einiger Zeit habe ich detailliert geschildert, wie die Ode vor den G7-Gästen verlesen werden soll und wie zur feierlichen Inszenierung der Unterzeichnung des Welt-Friedensvertrages eine Gruppe von Freidenkern, Eseln und zwei Päpsten (bzw. Papst-Darstellern) zum Schloss Elmau wandern würden. Ganz frei und ungehindert.

Die Kunst, der Motor meines Künstlerinnendaseins, hatte sich merkwürdig zurückgehalten in letzter Zeit und keine weiteren Aufforderungen an mich gerichtet. Doch prompt am Sonntag, dem 7. Juni morgens um 8 Uhr, bekundete die Kunst frohgemut, ich möge doch bitte sofort nach Klais nahe Schloss Elmau fahren, um dort die Ode vorzutragen. Die Sache mit den Eseln und den zwei Päpsten habe sie sich anders überlegt. Es wäre sowohl für die Esel als auch für die Päpste zu viel Stress. Der amtierende Papst habe allerdings zu unserer Unterstützung zeitlich passend ein paar sehr wahre Worte gesprochen, die umgehend weltweit verbreitet wurden. Er sagte nämlich, dass wir uns in einem neuen Weltkrieg befänden und er verurteile diejenigen, die ein Klima des Hasses schüren und sich am Verkauf von Waffen bereichern. Der Papst sei auf jeden Fall ein Verbündeter, meint die Kunst. Ob er nun bei der Verlesung der Ode anwesend sei oder nicht. Für die Esel sei es heute eh zu heiß. Und nach Klais müsse ich, weil dort die kürzeste jemals genehmigte Demonstrationsstrecke der Welt zu finden sei. 70 Meter vom Bahnhof Klais bis zur Bahnhofstraße 18. 70 Meter für 500 genehmigte Demonstranten. Das sind 14 Zentimeter pro Demonstrant. So viel wie der Platz pro Flüchtling auf einem Boot. Dort solle ich hin. Roland solle mich begleiten.

Verurteilt hat der Papst also. Hat so eine Verurteilung irgendeine Rechtskraft? Wen hat er eigentlich verurteilt? Wer hetzt denn z.B. gegen „die Muslime“ und wer verkauft Waffen? Sind das nicht zufällig die Typen von der G7, die gerade bei uns in Bayern auf Schloss Elmau weilen und zu deren Schutz insgesamt 30.000 Polizisten im Dienst sind. Etwa 40.000 Demonstranten waren an diesem Wochenende in München und im Raum Garmisch aktiv. Zusammen also 70.000 Menschen – also 70.007, wenn man die sieben Politiker mitzählt.

Am Sonntag war ein Sternmarsch zum Schloss aus insgesamt 6 Richtungen vorgesehen. Einer davon sollte in Klais starten. Aber nach dem Start sollte er bereits nach 70 Metern wieder enden. Ich schaue mir die Bahnverbindung an. Normalerweise wäre ich in einer guten Stunde mit der Bahn in Klais. Ich könnte also bequem anreisen, unterwegs meinen Auftritt noch etwas planen, am Bahnhof aussteigen, 70 Meter laufen bis zur Bahnhofstraße 18, die Ode als Welturaufführung vortragen und anschließend wieder mit dem Zug nach Hause fahren. Doch leider, leider: „Wegen des G7-Gipfels in Elmau ist kein Zugverkehr zwischen Garmisch und Mittenwald möglich“, so die Ansage der Deutschen Bundesbahn.

Wir müssen also mit dem Auto fahren, obwohl wir doch viel lieber CO2 gespart hätten. Also auf nach Garmisch, mitten hinein in die Hochsicherheitszone und von dort nach Klais! Die Straße nach Garmisch ist auffällig wenig befahren. Das heißt, andererseits ist sie auffällig stark befahren, nämlich von Polizeiautos. Das erste Mal werden wir etwa 30 km vor Garmisch von Polizisten zum Schritttempo gezwungen und dann weitergewunken. Auch am Orteingang von Garmisch: durchgewunken. Als wir auf die B2 Richtung Mittenwald einbiegen, werden wir richtig angehalten. Fenster runterkurbeln. Frage und Antwort stehen. Wo wir hinwollen? Wahrheitsgemäß antworten wir: nach Klais. Der Polizist sagt: Die Straße ist gesperrt. Ich antworte: Dort findet eine genehmigte Demonstration statt, und wir müssen da hin. Der Polizist: Sie haben das Recht an dieser Demonstration teilzunehmen, aber Sie haben nicht das Recht, mit dem Auto zum Ort der Demo zu gelangen. Die Strasse ist gesperrt. Sie können zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Hier an der B2 am Straßenrand.“ Also parken wir das Auto, wobei wir wieder an einer Horde Polizisten vorbeikommen.

Als wir zu Fuß zur B2 einbiegen wollen, stellen sich uns einige Polizisten in den Weg. Die B2 sei auch für Fußgänger gesperrt. „Was ist mit meinem Recht auf freie Meinungsäußerung Artikel 5?“ frage ich. Die wirklich sehr freundliche Polizistin meint, ich könne mein Recht wahrnehmen. Ich müsse halt zu Fuß über die Berge nach Klais gehen. Falls ich den Weg kenne. Sie wisse ihn nicht. Sie kommt nämlich aus Nordrhein-Westfalen, wie ich im weiteren Verlauf des Gesprächs erfahre. Ich lasse mir genau erklären, welche Gegenstände an der dick gepolsterten Uniform baumeln: Der Knüppel heißt nicht Knüppel sondern Einsatzmehrzweckstab. Eine Pistole im Halfter. In den Taschen befänden sich Handschuhe, Taschenlampe, Mehrzweckleinen und Pfefferspray. Viel Pfefferspray, kleinere und größere Dosen. „Das ist doch das Zeug, von dem man erblindet?“ frage ich. Ob die junge Dame ihre Waffen einsetzen wird, wenn ich meinen Weg zur B2 weiter verfolge? „Sie werden das nicht versuchen“, meint das Mädel höchst freundlich. Ein Kollege, nicht minder freundlich, bereichert unser Gespräch mit der Geschichte von einem klatschnassen T-Shirt unter der winterlich anmutenden Uniform bei 30 Grad im Schatten, während man in der prallen Sonne steht. Außerdem erzählte er von seinem Gefühl, als etwa 30 junge, gewaltbereite Männer mit hoher Geschwindigkeit und mit Styropor-Steinen „bewaffnet“ auf ihn zugerannt waren. Das war am Tag zuvor in Garmisch gewesen.

Wir einigen uns darauf, dass es besser wäre, die 360 Millionen Euro Kosten für den Gipfel in ein „Demonstrations-Belohnungs-System“ zu investieren. Die Politiker könnten ja, statt sich alle an einem Fleck zu treffen, eine Telefonkonferenz abhalten. Ich rechne laut vor: Wenn alle 30.000 Polizisten und 40.000 Demonstranten für ihr vorbildliches Verhalten je 1000 Euro bekämen, dann wären immer noch 290 Millionen Euro vom Gipfel-Budget für weitere gute Zwecke übrig. Der Polizist findet, auch friedliche Demonstranten sollten 1000 Euro bekommen. Ich finde, auch freundliche Polizisten sollten 1000 Euro bekommen. Nur Randalierer, die kriegen nichts. Meint der Polizist.

Wir machen uns auf den Weg. Ums Eck kaufen wir eine Wanderkarte in einem ansonsten leeren Restaurant. Wieder ein freundlicher Mensch, der uns geduldig erklärt, dass wir am besten den Weg über Wamberg nehmen sollen. Am Schwimmbad vorbei, dann rechts rauf. Wir begegnen weiteren Straßensperren und Polizisten, die in höchster Alarmbereitschaft eher gelangweilt herumstehen. Am Eingang zum Bergwanderweg: Polizeikontrolle. Wir werden durchgewunken. Scheinbar schauen wir nicht aus wie gewaltbereite jugendliche Randalierer.

Anne und Nadine demonstrierten etwas verloren auf einem Wanderweg

Anne und Nadine demonstrierten etwas verloren auf einem Wanderweg

Es geht steil bergauf. Nach einer halben Stunde fällt uns ein, dass wir noch nicht gefrühstückt haben. Wir setzen uns auf die Bank und essen ein Brot. Ein einsamer Demonstrant kommt uns entgegen. Er schaut müde und erschöpft aus. Wir fragen, ob er sich zu uns setzen will. Er heißt Willi. Er murmelt: „Hier zieht jeder sein Privat-Event ab“. Zwei Mädels kommen dazu: Anne und Nadine. Nadine trägt ein Schild, das Anne gemalt hat. Die beiden haben auch etwas gegen TTIP, genau wie wir. Anne und Nadine sind schon früh morgens zusammen mit einem Zug von ein paar Hundert Demonstranten bis Wamberg gelaufen. Sie seien umgekehrt, die anderen seien zum Schloss weiter gelaufen. Ich erzähle den beiden, was ich von einer Freundin gehört hatte: Leute in Krünn, bei denen Obama heute zum Weißwurst-Fressen eingeladen sei, hätten gewitzelt: „Dann blasen wir ihm halt einen.“ Gemeint war natürlich bayerische Blasmusik. Anne meint, das erinnere sie an die letzten Tage in der DDR. Da hätten die Leute auch hintenrum vieles beschissen gefunden. Aber vorne herum hätten sie die Fahnen rausgehängt, wenn Honecker auf Besuch kam. Man müsse aufpassen, dass man nicht zum Mitläufer verkomme. Dass man nicht den angeblich schönen Schein scheinheilig wahre. Dass man hinterher nicht schon wieder behaupten müsse, man habe nichts gewusst. Die Zahl der Opfer des globalen dezentralen Krieges, von dem der Papst zeitgleich in Sarajevo sprach, übersteige die Opfer des 2. Weltkrieges bei weitem, meint Anne. Die Mittel und Methoden seien nur anders und subtiler. Und gemeiner. Gerade die G7 sei es, die diese Methoden steuere. Nadine meint: „Leute, die an Mutti glauben, werden tief fallen!“

Ein Fahrzeug der Bergwacht kommt den steilen Pfad heruntergedonnert, hält an und fragt, ob wir Wasser brauchen. Ja. Danke! Diese freundlichen Menschen! Aber dieser Lärm der Hubschrauber immerzu! Sind wir wirklich mitten im Krieg? Dem Lärm nach schon.

Wir machen uns wieder auf den Weg. Willi, der obdachlos ist, wie sich herausgestellt hat und die Mädels bergab, Roland und ich weiter bergauf. Nach einer Weile kommt Wamberg. Viele Polizisten und Polizeiautos. Roland fragt, ob wir vorbeidürfen. „Sie können überall hingehen!“, sagt eine Polizistin und beachtet uns nicht weiter. Um nach Klais zu kommen, müssen wir an Schloss Elmau vorbei. Wir studieren die Karte, fragen Einheimische, wie wir zur Wamberger Hütte kommen. Wir passieren ein wegen G7 geschlossenes idyllisches Gasthaus und überlegen, wie sich das für den Wirt wohl anfühlen muss, wenn er an einem richtig schönen Wochenende, das auch noch von Donnerstag bis Sonntag dauert, seinen Laden zumachen muss. Wegen der G7. Weil eh kein Tourist vorbeikommt. Man ist ja gewarnt worden von allen Medien: „Garmisch und Umgebung ist Hochsicherheitszone. Es ist mit Straßensperren, langen Wartezeiten und Ausschreitungen wegen Demonstrationen zu rechnen. Meiden Sie Garmisch und Mittenwald!“ Wer fährt da freiwillig nach Garmisch?

Wir marschieren tapfer an einem kleinen Bach entlang im Schatten ziemlich steil bergauf, lassen die Wamberger Hütte hinter uns, trinken köstlich kühles, frisches Wasser aus der Viehtränke und kommen schließlich auf die Forststraße. Dort begegnet uns eine Münchner Gruppe, die es bis zur Elmauer Alm geschafft hat. Von dort habe man einen wunderbaren Ausblick auf das Schloss, auf den Zaun und auf die ganze Szenerie, erklären die Wanderer. Wir müssten nur mit zunehmend stärkeren Polizeikontrollen rechnen, könnten aber bis zum Zaun weitergehen, wenn wir wollten. Nach Kais würden wir es heute wohl nicht mehr schaffen. Wanderern sei der Zutritt bis zum Zaun nicht verboten. Nur demonstrieren dürfe man wohl nicht. Also Schilder aufstellen und lauthals grölen. Aber die eigene Anwesenheit am Zaun demonstrieren, das ginge wohl. Einer der drei ist ein junger Journalist. Er war gestern auch an der Front. Auf der anderen Seite als der Polizist. Ich verspreche, seinen blog zuhause anzuschaun.

Und weiter. Roland spricht vom „Marsch nach Mordor“, ins Herz der Finsternis. Fans des „Herr der Ringe“ kennen das. Berittene Polizei kommt uns entgegen. Sehr eindrucksvoll! Endlich die Abzweigung zur Elmauer Alm. Dort stehen, wer hätte das gedacht, mehrere Polizeifahrzeuge. An der ersten Sperre werden wir durchgelassen. Ja sicher, der Weg zur Elmauer Alm sei frei begehbar. Die zweite Sperre, etwa 10 m entfernt, hält uns an und will unsere Papiere sehen. Wir kommen ins Gespräch. Die Polizeiautos haben Rosenheimer Kennzeichen. Ob die Jungs den „Chiemgauer“ kennen, die Regionalwährung? Der Polizist, mit dem ich spreche, kennt den Chiemgauer. Er habe aber schon lange nichts mehr davon gehört. Die Polizistin hat unsere Ausweise im Auto gecheckt und gibt sie zurück. Ja, wir könnten zur Elmauer Alm gehen. Dort würden uns noch sehr viel mehr Polizisten erwarten. Und ja, wir könnten auch bis zum Zaun gehen. Beinahe wäre es sogar gelungen, dass 50 Demonstranten ganz offiziell hinter den Zaun hätten gehen können, um dort durch stumme Präsenz ihren Protest zu bekunden. Aber wegen eines Vorfalls mit den Styropor-Kugeln habe der Richter die Genehmigung gleich wieder kassiert.

Einer der wirklich freundlichen Polizisten rät uns, umzukehren. Der Wetterdienst habe schwere Unwetter prophezeit. Tatsächlich ist der Himmel inzwischen mit ziemlich schwarzen Wolken bedeckt. Es wäre unsere freie Entscheidung. Aber Gewitter in den Bergen seien nicht besonders witzig. Ob wir etwas zu trinken bräuchten? Eine Polizist und eine Polizistin bieten uns Äpfel, Birnen und Schokoriegel an. Wir greifen dankend zu. Es fühlt sich an wie Solidarität. Wir machen ein Erinnerungsfoto und begeben uns nach kurzer interner Beratung auf den Rückzug. Der Weg zum Schloss hätte sicher noch mehr als eine Stunde (einfach) gedauert – die Zeit für Polizeikontrollen nicht eingerechnet. Ist es Feigheit vor dem Feind, jetzt umzukehren? Roland bezeichnet sich selbst als Fleisch gewordene Vernunft angesichts des zunehmend schwarzen Himmels.

Wir entdecken auf dem Rückzug ein idyllisches Marterl (eine überdachte Statue von Jesus am Kreuz über einer Brotzeitbank). Dem Gekreuzigten heften wir einen kleinen Anti-TTIP-Aufkleber ans Holz. Ich verlese unter dem Marterl einen offenen Brief an die Kanzlerin, in dem ich sie auffordere, meinen Rat zu beherzigen. Artikel 20 Absatz 2 umsetzen! Grundgesetz von uns legitimieren lassen! Und dann ran an die Arbeit: Weltfriedensvertrag ausarbeiten!

Der nächste Programmpunkt ist die Ode selbst. Im Geist untermale ich sie mit Liedern:

Uns schickt der Himmel
Leuchtend in Indigoblau
Weltfrieden? Wo? Wann?

Weltfrieden! Hier! Jetzt!
Yeah, no freedom without love
Ich singe mein Lied!

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Friedensverträge
Wo sind sie geblieben
Weltfrieden! Hier! Jetzt

Hier noch ein anderes Lied aus dem Jahr 1966, das sehr gut passt. Wie zeitlos doch die Kunst ist.

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Oh Gott, Deine Ode…
Oh Gott, Deine Ode…

Roland schmunzelt.

Dann erhebe ich die Hand zum Schwur und unterzeichne feierlich den Eid! Roland unterzeichnet den Eid ebenfalls. Dann singen wir noch ein paar Strophen von Schillers Ode an die Freude. Die Vertonung von Beethoven ist übrigens die Europahymne.

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Der Gekreuzigte hängt stumm unterm Marterl.

Wir gehen nach Hause.

Das war die Welturaufführung der Ode anlässlich des G7-Gipfels anno 2015 auf Schloß Elmau.

Showing 20 comments
  • Andreas

    Vielleicht haben wir uns ja wirklich eingerichtet und machen nur noch das uns zugedachte Spiel mit. So richtig schlecht geht es uns ja auch nicht in unserer „freien Demokratie“.
    Naja, eine Hoffnung bleibt: das es die Afrikaner oder auch die Griechen oder Spanier ändern. Aber ob die dann unterscheiden, wer die Schuldigen und wer die Passiven waren…
    Traurige Grüße

  • Angela Ebert

    Von so einer „Wanderung“ heil und gesund zurückzukehren ist keine Selbstverständlichkeit mehr, so sehe ich es. Ich gratuliere!

    Gewalt gebiert Gewalt, und ANGST, aus diesem Grunde:

    Mir wäre es nicht mehr möglich mich unter „Wölfe“ zu begeben, mich einer solchen Gefahr auszusetzen, so empfinde ich es.

    Traurig und ohnmächtig

    Nach Arno Grün, würde jede/r seine persönliche Verantwortung übernehmen hätten wir weniger Probleme, meine Überzeugung.

    Für das Wagnis dieser Wanderung herzlichen Dank!

  • Andreas

    Liebe Angela, ich bin an Deiner Seite. Wie wir es uns versprochen haben.
    Es hilft aber alles nichts, die Wanderer müssen mehr werden. Nicht die (verständlicherweise!!!) Verängstigten, aufgrund der vielen tausend Jahre Vorgeschichte.
    Gründe bekommst Du auch von mir: trotz 2 Millionen Unterschriften dagegen wollen die G7 TTIP jetzt noch schneller vorantreiben (das können wir natürlich auch positiv sehen: sie müssen es beschleunigen, weil der Widerstand wächst), oder vielleicht dieser Grund: G7 war im Blickpunkt, aber was ist mit der Bilderberg-Konferenz, die jetzt vom 10.-14. Juni im Hotel Interalpen in der Nähe von Buchen in Tirol stattfindet? Und wo wahrscheinlich wirklich entschieden und gelenkt wird! Oder die jetzt so gelobten Einigungen auf z.B. 2 Grad Erderwärmung, die sind doch schon sooo lange „Versprecher“ (ich sage LÜGEN) gewesen. Aber wir fallen ja so gern immer wieder (wie gesagt, Jahrtausende) darauf herein.
    Auch wenn ich gern ruhiger wäre (Danke Holdger für Dein Vorbild) aber diese Ignoranz der Macht gegenüber den Menschen, die sie ANGEBLICH vertreten, ist nicht hinnehmbar. Dann habe ich doch SELBST mein Recht auf Menschsein verwirkt.
    Hier dazu noch ein „2 Uhr Nacht Gedicht“:
    Weil das Böse mächtig ist
    braucht es Herzen die es spüren.
    Aber die auch widerstehn
    um uns in das Licht zu führen.
    Wenn du sagst: „Sei nicht so zart,
    dann hältst du schon das Böse aus.“,
    kann das Herz sich nicht vermehren.
    Dann geht seine Flamme aus.
    Schwarz wird alles, leer und kalt.
    Es fehlt das Licht, das gut uns leitet.
    Und ob du’s wolltest oder nicht
    du hast mit den Weg bereitet!
    Liebe Angela, ich kenne Deine Lebensgeschichte nicht. Ich verurteile Dich daher nicht. Im Gegenteil, aufgrund unserer Gespräche hier bin ich gern an Deiner Seite. Aber verstehe bitte auch meine Gedanken.
    Liebe Grüße

  • eulenfeder

    Danke ! – Monika und Roland – für diesen wunderbaren beitrag, mal ganz anders, individuell, mit gefühl und hoffnung, auch warnung und kritik versehen… wunderbar zu lesen, sehr schöne musikbeiträge.
    beim spontanen künstlerischen happening am marterl wäre ich gerne dabeigewesen, das beeindruckt mich sehr.
    Friede und Freiheit – als künstlerische Ode mit einem ‚papperl‘ ans Marterl im schönen Werdenfelser Land ! – blanke friedlichkeit als spiritueller protest.
    das erinnert mich auch sehr an die hippiezeit damals… ich bin erfreulich überrascht wie er in Dir – Monika – noch weiterlebt.

  • Gabriele Jocher

    Liebe Monika, lieber Roland,

    danke für diesen echten „Herzfußer“, in dem euer Witz ebenso sichtbar wird, wie der Freigeist und die Lust zu Tat und Wort!
    Ich hatte auch das Bedürfnis, an meinem Heimatort Garmisch Flagge (oder besser Transparent) zu zeigen und war auf der Demo am Samstag…ebenfalls an jeder Kontrolle durchgewunken (ein Grund zum Freuen oder Erschrecken über meine scheinbar grundsolide Ausstrahlung??). Die Demo: 20.000 schwitzende Polizisten in Ritterrüstung, 4000 gut gelaunte Demonstanten, darunter ein paar Leute aus meiner ersten Klasse, mit denen mich seither noch viel mehr verbindet als unser gemeinsamer Jahrgang. Die Polizei verteilte frisches Wasser; heute höre ich in der Presse. „wir haben die Demonstranten mit Freundlichkeit zermürbt“ und ärgere mich, davon getrunken zu haben.
    Ich habe erfahren, welchen Preis manche Garmischer für die Veranstaltung gezahlt haben und in welcher Atmosphäre sie seit Wochen lebten. Mir ist noch bewusster, welche Gefahren TTIP birgt und wie Politik uns mit eitel Sonnenschein einlullt. Ich habe großen Respekt vor den Organisatoren des Camps, die trotz aller Ungewissheit die Wiese und die Demo auf die Beine gestellt haben und vor den Einheimischen, die (der Ur-Garmischer-Mentalität und dem Risiko der Ächtung entgegen) den Fremden Kuchen und Freundlichkeit gebracht haben.
    Kurz: so ganz schwarz-weiß ist die Welt nicht und ich versuche wieder vermehrt mein Hirn und den verbliebenen kritischen Vertand einzuschalten. Dabei auch mal eine wirkliche Aktion zu machen, erfrischt, verbindet und ist wichtig! Deshalb noch mal danke für eure inspirierenden Zeilen und solidarische Grüße

    Gabriele

  • Harald

    Vielleicht war ja das geistige Darbringen der Ode sowas wie den Ring in Mordors Feuern zu versenken. Hoffentlich! Dieser Irrsinn ist ja nicht mehr auszuhalten. Klar, die Polizisten sind im Gegesatz zu Orks megafreundlich, trotzdem dienen sie einer Macht, die die Welt mit Schatten überzieht, um mal im Bilde zu bleiben. Und mit der Freundlichkeit ist es genau dann vorbei, wenn man dieser Macht (in welcher Form auch immer) zu nahe kommt. Aber was solls, es ist, wie es ist. Ganz starke Aktion jedenfalls von euch und megaguter Artikel!

  • Gerold Flock

    Sind das hier die Rebellen des Wohlstandsbürgers & „Revoltenaufrufer´s“ – des smarten Herrn Konstantin Wecker und dem anderen großartigen Schloßherren, die zur REVOLTE aufgerufen haben?
    Wenn das die Rebellen der Revolte von diesem „Spießbürgerrevoltenaufruf“ sind…???…
    Ja. Dann wird das sicher ein tolles Happening!
    …und die schmierigen Staatsoberhäupter lachen sich auf Schloss Elmau hoffentlich tot!!!
    Die lieben Polizisten haben also Wasser verschenkt und alle Spießbürger brav durchgelassen? – Den Eindruck hatte ich nicht. Da gab´s eine Menge Verhaftungen und etliche Knüppelprügel von eurer lieben Polente…ich hab´s life miterlebt!
    Die werten Wanderer waren offensichtlich am Freitag, nicht vorne an der Spitze der Demo?
    Das wird so eine spießige „TV-Sofarevolution“ wenn die Staatsoberhäupter den Konzernherren TTIP und Ceta genehmigen und den Millionären und Milliadären in den Arsch kriechen für noch mehr Macht und noch mehr Prestige und noch mehr Parteispenden usw.
    Herr Wecker? Ihr „Hinter den Schagzeilen“ ist für mich der „Reader´s Digest“ für revolutionäre Cops die Wasser verteilen und die „Hör Zu“ für revoltierende Oktoberfestrevoluzzer!
    Ich verpiss mich hier…Weiter so! Immer schön friedlich zur Revolte aufrufen und die Fans verarschen. Thanks.
    mfg. G.F.

  • Mo

    Danke für die ermutigenden Rückmeldungen. Das macht Mut, sich weitere „sinnlose“ Kunstaktionen ans Bein zu binden.
    Eulenfeder: Wir hätten dich gern dabeigehabt. Zu kurzfristig entschieden. Nächstes Mal. Man könnt ja ein kleines Filmchen drehen… und du spielst den Blues dazu…
    Gabriele: Hi, hab an Dich gedacht, als gebürtige Garmischerin! Ich glaub, die Polizisten haben wirklich unser Recht geschützt. Es gibt viele Polizisten, die aus Idealismus den Beruf wählen. Die Schwachen schützen und so – leider sind sie halt Befehlsempfänger in so einer Situation. Ich glaub, viele denken ähnlich wie wir. „mit Freundlichkeit zermürbt“ ist ein blöder Spruch für die Presse, der mit der inneren Wirklichkeit der Polizisten nicht übereinstimmt. Davon bin ich seit der Aktion überzeugt. Systemisch sind sie genauso Opfer des Wahnsinns wie wir alle. Bloß: Die eigentlichen Strippenzieher sind ja nicht die Politiker, diese austauschbaren Marionetten…
    Harald: Schöner Gedanke. Eine Ode in Mordors Feuer geworfen… 😉

  • Angela Ebert

    Arno Grün sprach davon, Menschen verachten die Hilfebedürftigen, diejenigen ohne Macht und Einfluss UND es ist die Angst die die Abwehr hervorbringt, man/ich kann es fühlen.

    Es ist ein mühsamer Weg den Berg der Erkenntnis zu erklimmen und hoch-ge-tragen werden geht da nicht, das wäre geschummelt 😉 Selbst ist die Frau/der Mann und bei den Gewalten hat es auch Erkenntnis gegeben, mit Freundlichkeit geht es auch und effektiver als mit Knüppeln, schön.

    Freundlichkeit gebiert Freundlichkeit, wir sind alle auf dem Weg.

    Das wollte ich gerne auch noch einmal sagen.

  • eulenfeder

    hallo Gerald –

    …ich selbst bin extrem gefährdet – nehme ich an protesten teil die von der polizeigewalt überwacht und eingekesselt sind, ‚fürsorglich‘ staatsgewalt-belagert, waffenstrotzend gebietend, meiner grundrechte beraubt, meiner bewegungsfreiheit beraubt u.s.w… das ganze ausmass diktatorischer gewalt also…
    …fühle mich dann angegriffen und fange an mich zu wehren, sehe ein ‚recht‘ dazu auf meiner seite.
    ja – die provokation für entstehende gewalt geht von der polzei aus – keine frage !

    ABER ! – vorrangig muss gelten, dass wir uns nicht provozieren lassen dürfen – dass wir friedlichkeit trotzdem vorleben müssen ! – das ist für mich selbst auch sehr schwer, weil ich wie ein seismograph auf jedwede einschränkung meiner freiheit reagiere, – jedoch, wie gesagt, die friedliche grundausrichtung müssen wir letztlich vorleben, seis noch so schwer durchführbar – wenn wir uns den Frieden auf die fahne schreiben, dürfen wir keine gewalt anwenden.

    solange die polizei, die staatsgewalt insgesamt derart massiv in überzahl agiert – bleibt auch kein anderer weg – mehr noch: sie wartet nur darauf das ganze arsenal an gewalt gegen friedliche demonstranten einsetzten zu können, auch eine rechtfertigung dafür dann künstlich zu schaffen.

    bei einer zahl von – sagen wir mal mehreren hunderttausen demonstranten ( die ebenfalls aber freidlich bleiben müssen ) sieht die sache schon anders aus – ganz einfach ausgedrückt: wir müssen in der ‚masse‘ überlegen sein – keine staatsgewalt kann millionen ( im günstigsten fall )einkesseln, – dann werden nötige verbesserungen insgesamt friedlich erzwungen.

    nur so kann dann auch eine revolte, eine revolution gelingen, – und NUR auf einem friedlichen weg. alles andere wäre eine weiterführung gegebener gewaltstrukturen, ein misslingen aller bemühungen dann – logischerweise.

    millionen hand-in-hand friedlich trotzen, das wäre im geiste der Freiheit und des Friedens.

    umsomehr sind solche für mich wunderbaren aktionen in diesem geiste zu beachten und zu bewundern, auch wenn sie nicht den grossen umsturz bringen – beispielgebend auch.

  • Andreas

    Mo, „Systemisch sind sie genauso Opfer des Wahnsinns wie wir alle.“ Und weil es besser ist als Hartz IV, über das hier auch immer wieder diskutiert wird, schicken wir unsere Kinder lieber zur Polizei, weil es ein sicher bezahlter Job ist.
    DANKE an alle, das sich noch ein paar Meinungen ergeben haben. Sie bestärken mich in meinem traurigen 2-Uhr-Nacht-Gedanken, das wir uns alle schön eingerichtet haben im System. Solange der Kapitalismus uns Freiheiten zugesteht, sind wir nicht so wirklich dagegen. Vielleicht ist es auch einfach so, das vor lauter „Überlebenskampf“ (sag das mal einem Syrer oder im Mittelmeer Ersaufenden), vor lauter Alles-könnenden-Smartphones und vor lauter Kino 3- und Mehrteilern die Phantasie darüber, was diesen Kapitalismus ablösen könnte, verkümmert ist.

  • Andreas

    Eulenfeder, Respekt! Da kann ich Dir zustimmen. Und ich hoffe, wir alle hier leben und schreiben, das der KAPITALismus durch einen HUMANismus abgelöst wird.

  • Mo

    Andreas, „wir“ schicken unsere Kinder nicht zur Polizei wegen eines angebich guten Jobs. Unsere Kinder haben freie Berufswahl, ein klassisches Grundrecht, Artikel 12.
    Und ich hoffe mit dir, dass der Kapitalismus durch Humansimus, Pazifismus und Gemeinwohl-Ökonomie abgelöst wird.
    Übrigens haben „die Chiemgauer“ gleich mit- und weitergedacht und unsere Aktion weitergezwitschert:
    1000 Chiemgauer (!) für jeden Demonstranten und Polizisten statt G7!
    https://twitter.com/chiemgauer/status/608509189745483776

  • Andreas

    Mo, Danke für Deine Meinung. Ich wünsche Deinen Kindern, das sie von ihrer freien Berufswahl auch leben können. Meine Tochter, auf die ich sehr stolz bin, hat sich für einen sozialen Beruf entschieden. Ich trete mit meiner Meinung dafür ein, das sie dafür gut bezahlt wird und die Jains und Fitchens, Bilderberger und G7er dieser Welt verschwinden.
    Aber da haben wir alle noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns. Und es wäre zu wünschen, das es „nur ein Bergspaziergang“ wird.
    Liebe Grüße

  • Mo

    Andreas, ich wünsche allen Kindern, dass sie leben können und dass sie freie, sinnvolle Arbeit tun können. Auch Polizisten tun unter normalen Umständen sinnvolle Arbeit, zum Beispiel den Laternenzug vom Kindergarten begleiten oder bei Verkehrsunfällen helfen… Wir sind doch im Großen und Ganzen einer Meinung und wissen doch, dass genug für alle da ist, wenn fair-teilt.
    Sogar neue Wirtschaftssysteme sind bereits konzipiert z.B. Felbers Gemeinwohl-Ökonomie. Alles ist da. Und es wird auch umgesetzt. Und wir werden es noch erleben!

  • Inge

    Liebe Monika, lieber Roland,
    vielen Dank dass ihr mutig stellvertretend auch für mich gegangen seid. Euer Bericht hat mich sehr berührt und auch betroffen gemacht. Ja, die „Protestsongs“ der 68 sind wieder voll gültig.
    Herzlichst Eure Inge

  • Andreas

    Liebe Mo, ich wünsche ja, das ich Unrecht habe und das positiv denkende (oder gutgläubige???) Menschen Recht haben.
    Allein mir fehlt der Glaube, wenn ich JEDEN TAG neue Meldungen wie die von HEUTE im ARD-Text lese:
    „Laut NATO kann ein Cyberangriff (aktuell Bundestag, Anm. Andreas) den Bündnisfall mit gemeinsamer Verteidigung auslösen. In einer bestimmten Größe sei er gleichzusetzen mit einem bewaffneten Angriff, so Vize-NATO-Generalsekretär Shea auf der Sicherheitskonferenz des Hasso-Plattner-Instituts.“
    Wir TRÄUMEN hier von einer schönen Welt, reden uns förmlich festen Boden unter die Füße und die Anderen fegen mit einer Macht und Kaltherzigkeit alles jeden Tag hinweg.
    Bin gespannt, was ihr dazu sagt.

  • Harald

    @ eulenfelder:

    Was soll denn passieren, um hier Hunderttausende auf die Straße zu bringen? Flächendeckender TV-Ausfall? Sorry, soll kein Angriff sein. Aber ich glaube, wir sind in der Masse mittlerweile so sediert und demotiviert, dass ich solche Ausmaße von Protest für völlig illusorisch halte. Neulich gabs hier in HH den „March against Monsanto“, da ist ein versprengter Haufen von vielleicht hundert Leutchens mitmarschiert. Jeden Tag werden wir medial zugeballert mit empörenden Tatsachen, von denen jede einzelne so protestwürdig ist, dass in D eigentlich die Leute mehr auf der Straße als zuhause sein sollten. Stattdessen (oder vielleicht auch gerade deshalb) herrscht Verdrängung und Tiefschlaf. Man möchte eigentlich in Ruhe gelassen werden und nicht dauernd neue Hiobsbotschaften orwellschen Ausmaßes um die Ohren geknallt bekommen. – „Vielleicht regelt sich doch noch alles. Und die anderen tun ja auch nichts. Und was will man auch tun? Ach, komm wir grillen lieber, Wetter ist schön!“ – etc.

    Nichtsdestotrotz gärt es in der Bevölkerung, das spüre ich ganz deutlich. Und ich hoffe inständig, dass wenn der Druck sich irgendwann entläd, es dann auch die richtigen (Themen) trifft. Wirklich glauben tue ich daran jedoch nicht. Ich halte uns als Volk für äußerst schwach und form- und lenkbar, sodass wir uns vermutlich mit Gebrüll auf die Sündenböcke stürzen werden, die uns vor die Nase gehalten werden. Nun gut, mein diesbezüglicher Pessimismus soll nicht ansteckend sein, deshalb an dieser ein Schlussstrich (aus dem h wollte gerade ungelogen zweimal ein k werden). LG @ all & viel Mut, Glauben, Optimismus und die richtigen Gedanken und Worte im richtigem Moment … Yeah! 😉

  • eulenfeder

    hallo Harald – ja ! – ich sage oft: ‚der deutsche'( blödes wort zwar ) will erst eine revolutionsversicherung, eine rückversicherung falls es nicht klappt…
    von derart materiellem denken wäre ich frei – aber auch ich kann alleine nix machen.
    deshalb komme ich zu dem wohl richtigen schluss: je mehr desto besser – desto weniger mächtig die staatsgewalt.
    aber wie nur schafft man es dass es genügend viele werden ?
    nützt nix – alles spekulieren – jeder muss sich einbringen, irgendwie…
    die kleinen schritte der einzelnen – wie Roland richtig sagt – bringen einen grossen schritt weiter, insgesamt.

  • rr

    Ich weiß nicht, ob das eine passende Antwort auf einige pessimistische Kommentare hier ist, aber ich finde, dass es eher verwirrt und demotiviert, wenn wir uns die Wahrscheinlichkeit eines „Sieges“ über die Staatsmacht ausrechnen. Es ist besser, das Tun zwar nicht von jeder Hoffnung abzukoppeln, es aber auch nicht von wahrscheinlichen „Siegen“ abhängig zu machen. Von Hannes Wader hat Wecker erzählt, dieser habe seine beharrliche Liedermachertätigkeit damit begründet, dass er „nicht anders kann“. Es ist ist nicht nur kindlicher Trotz, weiterzumachen in scheinbar aussichtsloser Lage; es stärkt auch das Beharrungsvermögen, nicht auf „Siege“ fixiert zu sein, weil deren Ausbleiben uns dann nicht jedesmal emotional ins Bodenlose sinken lässt.

    Ich schreibe „Siege“ hier in Anführungszeichen, mit etwas Distanz, weil ich an eine Überwältigung einer überwiegend uneinsichtigen Bevölkerungsmehrheit durch eine linke Avantgarde nicht glaube. Ein Sieg, der die Demütigung der Verlierer beinhaltet, ist immer eine sehr zweischneidige Sache. Es erzeugt Wut und das Verlangen nach Rache. Deshalb auch ist es so wichtig, auf das Meinungsklima insgesamt Einfluss zu nehmen, nicht in erster Linie auf „Strukturen“.

    Drei Dinge müssen wir uns, glaube ich, vor Augen halten (und das sind Punkte, die mich immer ermutigt haben, ohne hochfliegend-unrealistisch zu sein):
    1. Du kannst nicht nichts bewirken. Das meint: Mit jedem wahren Wort, mit jeder freundlichen, unterstützenden und widerständigen Tat nimmst du unweigerlich Einfluss: zunächst auf deine nächste Umgebung, dann vielleicht auch auf einen größeren Kreis.
    2. Ohne dich wäre es schlimmer. Wer meint, er selbst und all die guten Leute wie Wecker und Wader hätten „nichts“ bewirkt, der möge sich eine Welt ohne sie vorstellen, ohne die tausenden, die immer wieder demonstriert, widersprochen,gesungen, geschrieben und gehandelt haben. Diese Menschen – auch wir – durchöchern ständig den Mantel der scheinbaren Selbstverständlichkeit, den das „alternativlose“ System über den Globus zu breiten versucht. Durch „uns“ bleiben immer zumindest Denkalternativen, manchmal auch Handlungsalternativen sichtbar.
    3. Der Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit wird nie endgültig gewonnen und nie endgültig verloren sein. Wir werden uns in dieser Unruhe, dieser Unsicherheit, dieser Unbefriedigtheit – lebenslang – einrichten müssen. Nie hat ein Unrecht so total geherrscht, dass es auch die letzte Seele bis in den letzten Winkel einzuschwärzen vermochte. Das ist eine gute Nachricht. Andererseits: Im Falle eines Sieges „unserer“ Weltanschauung wäre nicht Ruhe im Karton; die Auseinandersetzung ginge weiter: gegen „konterrevolutionäre“ Kräfte wie auch gegen innerparteiliche Gegner und Verfälschungen unserer ursprünglichen Absicht. Es hört nie auf. Es gibt keinen „Siegfrieden“ – außer dem relativen Frieden, den wir inmitten des Sturms in uns selbst finden können.

    Es gilt also zunächst, sich selbst zu bewahren und sich mit anderen „Selbstbewahrern“ zu verbinden. Und dies ist – unter dem Ansturm höchst destruktiver,sinnverdrehender Propaganda und im Umfeld einer massiv auftretenden Normalität des Wahnsinns – nicht etwa eine Selbstverständlichkeit oder eine nur „kleine“ Leistung, es ist schon etwas Großes, Seltenes und Tapferes. Wer soll denn „siegen“, wenn wir – siegend – nicht einmal mehr wir selbst sind? Weder sollten wir uns abfinden und weltanschaulich einfärben lassen von gegnerischen Kräften noch sollten wir uns ihnen in den Mitteln – z.B. im Umgang miteinander – angleichen.

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