Surfen ohne Ende

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In Medien

Drogenbeauftragte warnt vor zunehmender Onlinesucht unter Jugendlichen. Experte zieht Parallelen zum Alkoholmissbrauch. (Quelle: Junge Welt)
http://www.jungewelt.de/2016/11-10/020.php

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  • Manfred

    Es ist fast schon egal um welche Sucht es sich handelt, damit will man doch nur aus der eigenen ungeliebten Welt entfliehen. Aber Grundvoraussetzung dafür ist letztlich immer nur die Sehnsucht nach Liebe und dass man mit all seinen Sorgen und Nöten gesehen wird.

  • Bettina Beckröge

    In meiner langen Zeit als Schulelternratsvorsitzende in der Käthe-Kollwitz-Schule Hannover haben wir im 5- er Team viele Projekte angeschoben, Projekte, die erfreulicherweise z.T bis heute Bestand haben. Ein wichtiger Bestandteil war die Medien – und Internetsucht, wohl wissend, wie viele Jugendiche und auch Erwachsene dieser Sucht erliegen. In der Zeit grassierte ein Online- Spiel, das Jugendliche regelrecht in Abhängigkeit brachte: “ World of Warcraft“. Schon allein der Titel ist Programm. Wir haben, in Zusammenarbeit mit dem hannoverschen Verein „Smiley- E.V.“ eine Vorteagsreihe in der Schule initiiert, zu denen sehr viele Schüler und auch deren Eltern kamen. Die Vorträge des Herrn Moritz Becker waren sehr eingehend, klar und unmissverständlich aufgebaut, sodass die Botschaft, der Vorteil und die Gefahren des Netzes bei Jugendlichen als auch bei den Eltern ankam. Für die Jugendlichen war es wichtig zu verstehen, dass das Internet eine Form des Austausches ist, das reale Leben sich jedoch draußen, in der Realität abspielt. Für uns Eltern war es wichtig, zu begreifen, wenn wir mit unseren Kindern über dieses Thema kommunizieren wollen und im Rahmen unserer Möglichkeiten auf das Internetverhalten unserer Kinder Einfluss nehmen wollen, dann müssen wir uns mit diesen Medien befassen. Ich habe mit meinem Sohn intensive Gespräche geführt, wir haben Abmachungen und Regeln getroffen mit einem schriftlich bindenen Vertrag zwiswchen ihm und mir. Vetragsbestandteil waren nicht nur Einschränkungen, sondern auch Bewilligungen. Ein Teil der Bewilligungen war z. B. die „Social- games-Meeting“ (der handelsübliche Begriff unter Jugendlichen ist mir soeben entfallen), bei dem sich mein Sohn mit einer Traube an Freunden bei uns zusammenkamen, jeder mit seinem eigenen Laptop / PC im Schlepptau, sie sich miteinander vernetzten und bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam eins der tausenden PC- Spiele spielten. Als Beiprogramm elterlicherseits gab es jede Menge Cola, Chips und zum Höhepunkt des Abends Joe’s Pizza nach Wahl. Wir Eltern haben in dem Sinne mitgespielt.
    Diese Abende fanden reihum , mal in dem einem, mal im anderen Haus statt. Ich gewann im Laufe der Jahre eine gute Beziehung zu den Freunden meines Sohnes und zu dessen Eltern. Wir Eltern stimmten uns regelmmäßig über Häufigkeit und Intensität dieser „Social- games-Meeting“ ab. Irgendwann, das fand ich sehr interessant, verlor sich bei den Jugendlichen das Interesse an diesen Abenden, wie von selbst. Sie hatten ausgespielt: Les Jeux sont faits, rien ne va plus.
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    Warum ich all das erzähle? Ich halte es für wichtig, sich mit dem Thema “ Surfen ohne Ende“ im Hinblick auf die Gefahren der Internetsucht auseinanderzusetzen, nicht auf einer imaginären Plattform, sondern direkt im Austausch mit unseren Kindern. Wir sollten mit ihnen ins Gespräch kommen, ihnen dabei auf Augenhöhe begegnen, und nicht einfach nur Verbote aussprechen. Ich habe dabei viel gelernt, von meinem Sohn und ich denke, er auch von mir. Wir sind uns durch das Thema, das eigentlich gar nicht meins ist, ein großes Stück näher gekommen.
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    Für alle Interessierten aus dem nordischen Raum rund um Hannover:
    http://www.smiley-ev.de/index.php?id=tdwte1453395516
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    Nun komme ich zu einem anderen Punkt. Wo fängt bei uns Erwachsenen Internetabhängigkeit an, wo hört sie auf, worauf sollten wir achten, wenn wir uns tagtäglich im social-net, wie z. B. hier, im HDS bewegen? Ich führe regelmäßig intensive Auseinandersetzungen mit meiner Freundin und Mitbewohnerin. Sie versteht nicht meine Afinität zum HDS und meinen wenigen anderen Social-Net Communities. Sie bezeichnet mich als Internet- abhängig. Ich halte ihr entgegen: Für mich hat das Internet eine wichtige Funktion: die Vernetzung. Über die Vernetzung kann ich meine Ideen besser und gestreuter in die Weltgeschichte tragen, als in einem Duo Gespräch unter Freunden. Eins ist mir dabei immer bewusst, und danach lebe ich:
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    Meine wahren Freunde lebe und erlebe ich im hier und jetzt, im Alltag, im persönlichen Gespräch, im Teilen von Freud und Leid. Im world wide-net habe ich, bis auf wenige Ausnahmen, keine “ Freunde“. Den Menschen, denen ich da begegne, über Kommentare, oder Artikel, sind Menschen einer gemeindsamen Interessengruppe. Noch nie hat sich daraus ein persönlicher Kontakt ergeben, wenngleich immer mal wieder Kontaktanfragen an mich kommen. Für mich gilt als Lebensgrundsatz:
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    Draußen, im wirkliche Leben spielt die Musik, live.

  • Bettina Beckröge

    „Draußen spielt die Musik, live“, ein kleiner Nachsatz dazu:
    wenn die Seele von Musikern murwillig zerstört wird, wie erst vor wenigen Wochen in der Türkei, von der türkischen Polizei, auf Anweisung von Erdogan geschehen, bei der Musiker Gruppe “ Grup Yorum“, dann blutet mir vor Schmerz das Herz. Ich kenne die Gruppe nicht, aber ich kenne das Gefühl, wenn das eigene Musikinstrument kaputt ist. Es ist wie ein Stück Seele, das man dabei verliert.
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    Grup Yorum – Kırılan Enstrümanlar – Haklıyız Kazanacağız Klibi
    https://youtu.be/O-tWg1kg3Es

  • Bettina Beckröge

    P.S: „Lan Party“ ist die korrekte Bezeichnung für „Social- games-Meeting“, ist mir zum Glück wieder eingefallen.

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