Narrative Legenden

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In Medien

Nebelkerzen, Alibi-Diskussionen, Trash-TV, Symbol-Politik, Boulevard-Meldungen, Teile-und-Herrsche-Diskurse sowie Nebenkriegsschauplätze, sollen uns regelmäßig von dem ablenken, was wirklich wichtig ist. Also von den Interessen der Eliten, von Reichtums-Verteilungsfragen und den wahren Hintergründen von Kriegen. Zwar weiß eigentlich jeder (mindestens gefühlt), dass es immer und überall primär nur ums Geld geht, dennoch lässt man sich immer und immer wieder auf Halb-Wahrheiten, Legenden und Mythen ein, die unsere Hirne vernebeln und unseren Verstand ausschalten sollen. (Quelle: Zeitgeistlos)
http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2016/narrative-legenden/

Showing 9 comments
  • Mabuse

    Hallo allerseits,
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    zu den Nebelkerzen im öffentlihen Diskurs zähle ich auch den exzessiven Gebrauch des Wortes „fühlen“, wenn es um die Beschreibung der heutigen Probleme und deren Ursache(n) geht, die, genau betrachtet, eher mit der Verteilung des erwirtschafteten Reichstums zu tun haben.
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    So wird in den Medien fast ausschließlich von „gefühlten [sic] Globalisierungsverlierern“ geredet und diejenigen, die mittlerweile ihren Unmut durch Proteste (z.B. teilweise Pegida) und bei Wahlen und Referenden kundtun, werden als diejenigen bezeichnet, die „sich abgehängt fühlen“ [sic].
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    Ich fand die Verwendung dieses Wortes „fühlen“ schon damals falsch und unpassend, als es vor etlichen Jahren plötzlich durch die Wetterfeen und -Kobolde für die Beschreibung des Wetters in der Kalten Jahreszeit benutzt wurde: Die Temperatur sei 0°C aber „gefühlte“ -5°C. Hier wusste man aber, dass die „gefühlten“ -5° falsch waren; eben nur „gefühlt“, da die tatsächliche, die wirkliche Temperatur 0°C betrug, was ja auch(!) angegeben wurde. Es war also jeder über die wahren Wetterverhältnisse unterrichtet.
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    Indem von „gefühlten“ Globalisierungsverlierern und „sich abgehängt Fühlenden“ gesprochen wird, wird implizit gesagt, dass es nicht stimmt, dass die so bezeichneten Menschen Verlierer der Globalisierung sind (=Verlierer der wirtschaftlichen Verhältnisse, die die Politik so gestaltete), dass es nicht stimmt, dass sie „abgehängt“ wären.
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    Man umgeht mit diesem Sprachkniff so geschickt die eigentliche Diskussion. Solange das „gefühlt“ nicht hinterfragt und angezweifelt wird, wird auch nicht über die Wirklichkeit gesprochen, nämlich, dass tatsächlich ein großer Teil der Gesellschaft verarmt ist und kaum mehr über die Runden kommt. Würde das endlich mal als Wirklichkeit anerkannt und dann auch diskutiert, so müsste zwangsläufig auch darüber gesprochen werden, was man tun muß, damit es diesem großen Teil der Bevölkerung wieder besser geht. Zwangsläufig käme man so zur Verteilungsfrage. Daran haben aber die Allermeisten – abgesehen von den notorisch Linken 🙂 -, die den öffentlichen Diskurs führen, nämlich die sogenannten Eliten in Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, kein Interesse. Denn die Antwort auf die Verteilungsfrage könnte nur sein, dass der gesellschaftliche Reichtum anders als bisher verteilt werden müsste. Das aber würde den meisten der Diskutannten im öffentlichen Diskurs sehr mißfallen. Denn die bisher betriebene neoliberale Politik lud den erwirtschafteten Reichtum vor allem bei ihnen ab. Die Eliten, oder besser, das Establishment hat nicht das geringste Interesse, daran etwas zu ändern. Deshalb scheut es das Establishment, so wie der Teufel das Weihwasser, diese Frage, die Verteilungsfrage überhaupt zu stellen.
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    So wird mit dem Sprachtrick „gefühlt“ ganz einfach und wirkungsvoll die eigentliche Diskussion umgangen. Der Normalo, der die Diskussionen in den Medien verfolgt, „fühlt“ sich immer mehr – völlig zu Recht – ‚verarscht‘. Denn er, der normale Michel erlebt via Medien, wie das Establishment seine Lage überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt, sie quasi verneint (nur „gefühlt“) – und das seit Jahren. So wird der Normalo ob der Abgehobenheit des Establishment zunehmend wütender auf diese Etablierten, die er dann, den Sprachgebrauch der Rechtspopulisten aufgreifend, als „Volksverräter“ und „Vertreter der Lügenpresse“ ausmacht.
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    U.a. aus dem Beschriebenen rührt meiner Meinung nach auch die Hilfslosigkeit des Establishments, sei es in Politik oder auch der Medien, dem zunehmenden Rechtspopulismus entgegen zu treten. Denn um dies glaubwürdig machen zu können, müsste das Establishment erst einmal die Verarmung eines großen Teiles der Bevölkerung überhaupt anerkennen, was gleichzeitig bedeuten würde, ernsthaft als Lösung die Verteilungsfrage anzugehen. Aber wie schon gesagt: Daran hat das Establishment aus egoistischen Gründen überhaupt kein Interesse. So müssen die Etablierten zwangsläufig den Rechtspopulisten das Feld überlassen.
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    Wahrscheinlich ist das Establishment sogar insgeheim froh, dass die ‚blöden Normalos‘, diese „ungebildeten Trump-Wähler“ (in Deutschland kann man Trump mit AfD ersetzen) den Rechtspopulisten hinterherlaufen und nicht den Linken. Warum war Sanders fast noch unbeliebter beim Establishment als Trump? Warum wird vom Establishment seit vielen Jahren so vehement gegen Wagenknecht und Lafontaine geschossen? Da sind die Rechtspopulisten dem Establishment doch bedeutend lieber. Denn die Rechtspopulisten haben ja ebenfalls nicht die Absicht, an der Verteilungsfrage zu rühren. Im Gegenteil: Da treffen sich die wirklichen Interessen! Da sind die Gemeinsamkeiten! Denn die Rechtspopulisten machen als Ursache der Misere (Verteilung des Reichtums) den Ausländer, das Ausland aus, was „uns“, den Deutschen den schwer erschufteten Reichtum kostet. Eine ‚Begründung‘, die dem deutschen Establishment und Nutznießer der Verteilung des gesellshaftlichen Reichtums eigentlich sehr sympathish ist. Es lenkt von der Wirklichkeit ab (Sündenbock). Eine Ablenkung, die dem Establishment ja gar nicht fremd ist. Ein Sündenbock, den das Establishment in der Vergangenheit auch sehr gerne und exzessiv immer wieder nutzte: „Wer betrügt, der fliegt!“ … „Keine Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme.“ … „Mehr Kinder statt Inder.“ … „Wirtshaftsasylanten“ … „Die faulen Griechen.“ etc., etc. — Auch hier hat das Establishment mit den Rechtspopulisten eine nicht gerade kleine Gemeinsamkeit.
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    Kurzum, es ist für mich keineswegs überraschend, dass man gerade von konservativer ‚bürgerlicher‘ Seite, CDU/CSU immer wieder Stimmen vernimmt, die sich eine Zusammenarbeit mit der AfD vorstellen können, dass man diese nicht rundweg „verteufeln“ dürfte, es wären ja nicht alle AfD-ler Höckes.
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    Da bleibt mir – leider – nur zusagen: „Es wächst zusammen, was zusammen gehört!“ Oder: „Es wird jetzt geerntet, was seit Jahren gesäät wurde.“
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    MfG

  • Mabuse

    Nachtrag:
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    Eigentlich ist alles bekannt. Jeder sollte sich fragen, warum liest man dann Artikel wie folgender nicht immer wieder in den sogenannten „Qualitätsmedien“?
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    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19549
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    Butterwegge wäre der bessere Bundespräsident. Steinmeier, der es höchstwahrscheinlich wird, ist für folgendes maßgeblich als Kanzleramtschef unter Schröder verantwortlich. Er war sozusagen der ‚Mastermind‘ des Hartz-Regimes:
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    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21086
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    Wer wäre für Euch der bessere Bundespräsident? Meines Wissens nach, stehen nur diese beiden demnächst zur Wahl. Für wen würdest Du stimmen? Und Warum?

  • Bettina Beckröge

    „Für wen würdest du stimmen? Und Warum?
    Na ganz klar würde ich für Butterwege stimmen. Der Mann hat vernünftige Ansichten und einen guten Überblick über die politisch sozialen Zusammenhänge, das geht aus den hier verlinkten Artikeln, als auch aus seinen, bereits hier reingestellten Artikeln hervor. Butterwege hat ein soziales Gewissen und ein gutes Gespür dafür, wie man die soziale Tretmühle zum Wenden bringen kann.
    Genauso jemanden braucht unser Land derzeit als obersten Repräsentanten, als Gegenpol zur derzeitig vor sich hin schnarchenden Regierung und als Gegenpol zur zunehmenden Entsozialisierung unserer Gesellschaft.
    Schade nur, dass wir Ottonormalverbraucher, als nicht RegierungsvertreterInnen, keinen Einfluss auf die Wahl des Bundespräsidenten haben.
    Oder kennst du, lieber Mabuse, eine Stellschraube, an der wir drehen könnten?

  • Holdger Platta

    Lieber „Mabuse“,
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    ich möchte mich ganz herzlich für Deine ausgezeichnete Analyse in Deinen beiden Kommentaren oben bedanken! Dieses Wegpsychologisieren realen „Abgehängtsein“ in ein lediglich „gefühltes Abgehängtsein“ kann man nicht besser auf den Punkt bringen als Du.
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    Vielleicht überlegst Du es Dir ja einmal, und Du steigst bei uns auch als ‚regulärer‘ Mitautor ein!
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    Dich übrigens, liebe Bettina, sollte die Linke in NRW als Mitwählerin von Butterwegge in Berlin benennen. Können vermöchte sie es schon, die Linke, aber ob sie auch wollen mag? Ich rege das hier einmal in aller Öffentlichkeit an. Und, hallohallo, bringe mich hiermit als ausgewählter Wahlbürger auch für die Linke in Niedersachsen aufs kräftigste ins Gespräch. Selbstverständlich würde auch ich in Berlin Butterwegge wählen – und ganz bestimmt nicht nur deshalb, weil er in meinem Buch gegen Hartz-IV, in „Kaltes Land“, einer der wichtigen MitautorInnen ist.
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    Wäre doch was: eine HdS-Fraktion wählt in Berlin mit und verhindert am Ende den Hartz-IV-Miterfinder Steinmeier! Auch die Konstantins und Rolands und Eulenfedern und Mabuses der Welt sind herzlich miteingeladen!;-)
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    Herzliche Grüße an alle
    Holdger

  • Bettina Beckröge

    Lieber Holdger,
    da muss ich aber schmunzeln :). Der HDS wählt Butterwege frontal, ich schleiche mich von links hinten an und dann kommt Feldomma + Co. (der Berliner Kietz) mit erhobener Handtasche und Stock, like Miss Marpel, und besorgt den Rest. Das gibt ein Späßchen
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    Butterwege for Pesident- Was nicht passt, wird passend gemacht 🙂

  • nachfrager

    Mabuse: Glaube nicht, dass der etablierten Politik wirklich eine starke AFD lieber wäre als eine starke Linkspartei!Die LInken sind angekommen und koalieren, bei der AFD ist dies noch weit weg, will es nicht auschließen!Butterwegge wird nicht gewinnen, aber als Kandidat, warum nicht!?

  • ert_ertrus

    … „gefühlten [sic] Globalisierungsverlierern“…

    Auch so ein Neusprech-Trick: falsch, unbegründet, den Fakten hohnsprechend mit gefühlt
    substituieren/ surrogieren zu wollen. Wen wundert´s denn? In der eiskalten Welt des
    Neoliberalismus haben Gefühle keinen Platz zu haben. Und pathologische Gefühls- (=
    Empathie)losigkeit wird zum Karrierevorteil und kann zu Milliardenvermögen führen …

  • eulenfeder

    klar – Lieber Holdger
    bin ich dabei wenns darum gehen muss Idioten zu verhindern –
    denke auch noch über eine radikalere lösung nach,
    die ein wählen oder durch wahl verhindern überflüssig macht…
    gerade in dieser zeit und gerade hier juckt es mich sehr in den fingern
    tatkräftiger zu werden…

  • ert_ertrus

    … Hartz-IV-Miterfinder Steinmeier! …

    Alternative: den H IV-Mittelfinger St.! Denn als das erleben ihn Alle von dieser Heimsuchung Versehrten …

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