Es werde Schuld! – Wie Schuldgefühle gemacht werden

1935 von Hitler zum Straftatbestand erklärt: die "Rassenschande" (Nazi-Propaganda-Plakat)

1935 von Hitler zum Straftatbestand erklärt: die „Rassenschande“ (Nazi-Propaganda-Plakat)

Ein Gefängnissystem „braucht“ Gefangene, so wie ein Feuer darauf angewiesen ist, dass beständig Holzscheite nachgelegt werden. Es „muss“ also immer Straftaten geben. Nicht wegen des unausrottbaren Bösen in den Köpfen der Menschen, sondern wegen der Arbeitsplätze derer, die an eben diesem Bösen Lohn und Brot haben. Nach dieser Logik sind nicht die Straftäter für eine Gesellschaft schädlich, sondern jene, die sich weigern, der Gefängnisindustrie als Zielgruppe zur Verfügung zu stehen. Schuld wird, wo sie nicht unabweisbar ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, in sehr vielen Fällen „gemacht“. Man kann dabei auch – parallel zur Geldschöpfung – von Schuldschöpfung sprechen. Bei Strafen und Schuldzuschreibungen ist immer das „Cui bono?“ zu beachten: Wem nützt es? (Roland Rottenfußer)

Leonie fuhr in die Innenstadt von Augsburg ohne eine entsprechende Feinstaubplakette ein. Die Strafe: 67 Euro und ein Punkt in Flensburg. Dabei war ihr Auto nur zwei Jahre alt und natürlich ASU-zertifiziert. Die Strafe entsprach der, die einem wirklichen Umweltverschmutzer gedroht hätte, der mit einer alten Dreckschleuder in die Innenstadt eingefahren wäre. Für die Augsburger Verkehrsbehörden war diese Vorgehensweise folgerichtig. Leonie, die Delinquentin, hatte niemanden geschädigt oder gefährdet. Sie hatte lediglich nicht sichergestellt, dass ihr gesetzeskonformes Verhalten mühelos von den Behörden kontrolliert werden konnte.  Schuld und Strafe werden vielfach losgelöst von ihrem ursprünglichen Anlass: der Verursachung eines Schadens. Eine Schuld ohne Opfer, das ist wie ein Geschenk ohne Empfänger. Vielerorts braucht es beträchtliche Geistesgegenwart, um dem überall lauernden Bestraftwerden zu entgehen.

Wirkliche Schuld setzt immer einen Geschädigten und meistens die Absicht zu schädigen voraus. Dem gegenüber steht Schuld, die ungerechter Weise zu einer solchen erklärt wurde – eine vermeintliche moralische Verfehlung ohne Geschädigten. Jemand ist z.B. auf einer Demonstration maskiert herumgelaufen, ohne die Absicht, Gewalt auszuüben. Er hat in der S-Bahn Alkohol getrunken, ohne etwas zu verschütten, zu grölen und zu randalieren. Noch immer werden in vielen Ländern auch Geschwisterpaare juristisch verfolgt, deren einzige Sünde darin besteht, sich zu lieben. All das ist Schuld, die nicht natürlicherweise gegeben  ist, sondern, die „gemacht“ wurde: von Personen, die die Macht hatten, ein Verbot zu erlassen.

Das Verbot erzeugt eigentlich erst die Übertretung. Vor 80 Jahren war „Rassenschande“ verboten, also z.B. die Liebe zwischen einer Jüdin und einem nicht-jüdischen Deutschen. Vor 50 Jahren war Homosexualität verboten. Vor 40 Jahren gab es den Kuppelparagrafen, wonach eine Vermieterin sich schuldig machte, wenn sie Geschlechtsverkehr zwischen Unverheirateten unter ihrem Dach duldete, usw. Die Taliban in Afghanistan verboten u.a., Musik zu hören, Filme anzuschauen und Drachen steigen zu lassen; nur für Frauen war es verboten, Sport zu treiben, Fahrrad zu fahren und öffentlich laut zu lachen. Die Geschichte der Verbote ist ein Kuriositätenkabinett, über das man im Grunde lachen könnte, wäre die Gesetze nicht oft mit grausamen Strafen bewehrt gewesen. Oscar Wilde, selbst übrigens ein Justizopfer und wegen Homosexualität mit Gefängnis bestraft, schrieb: „Liest man die Geschichte (…), so ist man angewidert, nicht von den Verbrechen, die die Bösen begangen, sondern von den Strafen, die die Guten verhängt haben; und eine Gesellschaft verroht viel mehr durch die gewohnheitsmäßige Anwendung von Strafen als durch das gelegentliche Vorkommen von Verbrechen.“

Schuld wird also, wo sie nicht unabweisbar ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist – z.B. Mord oder Vergewaltigung –, in sehr vielen Fällen „gemacht“. Man kann dabei auch – parallel zur Geldschöpfung – von Schuldschöpfung sprechen. In der Geldtheorie spricht man auch von „Fiat-Geld“. Mit der charmanten italienischen Automarke, die auch uns mit einem kleinen fahrbaren Untersatz beglückt, hat das nichts zu tun. „Fiat“ kommt vom lateinischen Satz „Fiat Lux“ (es werde Licht), der bekanntlich aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel stammt. Beim Fiat-Geld haben einige Leute, die die Macht haben, das zu entscheiden, bestimmt: „Es werde Geld“. Die Zentralbank bedruckt ein rechteckiges Stück Papier mit hübschen Bildchen und Zahlen. Infolgedessen können wir uns mit dem eigentlich wertlosen Stück Papier 2 kg. Erdbeeren kaufen (10 Euro-Schein) oder einen großen Flachbildfernseher (500 Euro).

Was verstehen wir nun also unter „Fiat-Schuld“? Personen, die mächtig genug sind, um so etwas zu entscheiden, sagen einfach „Es werde Schuld“. Und es wird Schuld. Diese Schuld ist eigentlich aus dem Nichts erzeugt, d.h. sie ist ohne reale Substanz. Im nächsten Jahr (2017) könnte es z.B. zu einer schuldhaften Handlung erklärt werden, ohne ein Mautpickerl auf deutschen Autobahnen zu fahren. Etwas zuvor Normales und Legitimes wird in Schuld verwandelt – die schwarze Magie der Macht sozusagen. Diese Art von Schuldschöpfung erfolgt immer aus dem Nichts. Genauer gesagt: der Rohstoff, aus dem sie sich bedient, ist das reiche Repertoire menschlichen Verhaltens. Dieses ist grundsätzlich fehleranfällig. Außerdem ist es vielfach Einschätzungssache, was man unter einem „Fehler“ versteht. Daher gibt es immer ein reiches Reservoir an Strafvorwänden. Aber auch ohne dass der geringste Fehler vorläge, können staatliche Institutionen fast nach Belieben „Schuldtatbestände“ kreieren.

Nicht nur der Staat erschafft jedoch Fiat-Schuld. Auch die Kirchen und anderen Religionen sind Meister darin. Man denke nur an den berüchtigten „Beichtspiegel“, der den Begriff „Sünde“ so weit fasst, dass auch noch das harmloseste Kind den Menschenfischern ins Schleppnetz geht:  Unkeusches getan, gesprochen, gedacht…  Schließlich wird natürlich auch im Privatleben fleißig Fiat-Schuld erzeugt. Wenn etwa  Haustyrannen von eigenen Gnaden Regelkataloge entwerfen, Zuwiderhandlungen aufspüren, Verstöße ahnden. Überall, wo Mächtige versuchen, andere Menschen zu kontrollieren, stößt man auf die Dynamik von Regel, Verstoß und Strafe. Die „Zuwiderhandlung“ erscheint nach dieser Logik als die böse Handlung schlechthin.

Dabei bedeutet Zuwiderhandlung nur: Eine Person entscheidet sich, anders zu handeln als es eine zweite Person von ihr verlangt hat. Diese zweite Person ist jedoch mächtiger als die erste, verfügt also z.B. über die Mittel körperlicher Gewaltanwendung, der Beraubung und Verschleppung in Gefängnisse. Mit Moral, die dem Schuldbegriff immer anhaftet, hat das nicht immer etwas zu tun. Es gibt Verbrechen, die tatsächlich welche sind; Mord an erster Stelle. Nicht selten aber ist die Strafe, die die „Guten“ verhängen, das größere Verbrechen. Man denke etwa an die Zustände in Saudi-Arabien, wo der Blogger Raif Badawi aufgrund des Vorwurfs, er habe Muslime, Juden, Christen und Atheisten als gleichwertig bezeichnet, zu 1000 Peitschenhieben verurteilt wurde – wahrscheinlich also zum Tod. Strafen sind Machtmittel, die mit einem Schuldvorwurf vergiftet wurden.

Wer über Schuld schreibt, sollte sich mit Psychologie befassen, und zwar mit der des „Schuldigsprechers“. In ihm finden wir oft die Ursache des Schuldgeschehens. Personen, die einen Schuldvorwurf erheben, möchten sich nur zu gern der Analyse entziehen und sich als neutrale Beobachter darstellen. Insbesondere Staatsanwälte und Richter leiten von dieser Neutralität ihren „Strafanspruch“ ab. Ihr unausgesprochener Leitsatz ist: „Wer ich bin und was ich empfinde, tut nichts zur Sache. Es geht einzig darum, was der Verbrecher getan hat und wie das Gesetz die Tat beurteilt.“

Tatsächlich ist eine solche Neutralität aber reine Fiktion. So berichtete Florian Rötzer für das online-Magazin „Telepolis“ von folgendem erschütternden Fall: „Zwei Richter in den USA haben zunächst die Privatisierung des Jugendstrafvollzugs in ihrem County ermöglicht und die privaten Haftanstalten dann durch Urteile mit Häftlingen versorgt. In den USA haben sich zwei Richter am Donnerstag schuldig bekannt, Hunderte von Kindern in privatwirtschaftlich geführte Gefängnisse geschickt zu haben, weil sie dafür Geld bekommen haben. Der ungeheuerliche Fall (…) zeigt anschaulich, wohin manches Outsourcing staatlicher Aufgaben führen kann.“ Bis zu 2000 Jugendliche wurden auf diese Weise wegen Bagatelldelikten eingelocht und durch die Haftstrafen in ihrer Entwicklung schwer geschädigt. Die Richter, die sich für ihr Tun zum Glück inzwischen selbst vor Gericht verantworten mussten, halfen dem privaten Gefängnis-Betreiber PA Child Care sogar dabei, für den Bau der Haftanstalten eine Baufirma zu finden. Für so viel Fürsorge erhielten sie von der Firma fast eine Million Dollar Vermittlungsprovision.

Natürlich kann man dieses Beispiel nicht verallgemeinern und gar allen Richtern unlautere Absichten unterstellen. Dabei ist aber zu bedenken, wie hoch die Gefängnispopulation in den USA ist (ca. jeder hundertste erwachsene Bürger „sitzt“, in Deutschland ist es nur jeder tausendste) und dass der Trend zur Privatisierung dort fortschreitet. Dies kann nicht ohne Auswirkungen auf die „Moral“ der Menschen bleiben, die vom Gefängnisbetrieb profitieren. Es könnte sein, dass der berichtete Fall nur die Spitze eines Eisbergs ist. In Kalifornien gab es 2008 einen Volksentscheid, der darauf abzielte, nicht gewalttätigen Drogenkonsumenten das Gefängnis zu ersparen. Die meisten sitzen in den USA nämlich wegen Besitzes weicher Drogen wie Marihuana hinter Gittern. Der Gesetzesvorschlag wurde bekannt unter dem Namen „Nonviolent Offender Rehabilitation Act“. Daraufhin startete die „California Prison Guard’s Union“, die Gewerkschaft der Gefängniswärter, eine PR-Kampagne mit einem Budget von mehreren Millionen Dollar gegen die geplante Gesetzesentschärfung. Mit Erfolg, denn die Mehrheit der Wahlbürger, denen der Vorschlag zur Entscheidung vorgelegt wurde, stimmte mit „Nein“.

Die Gründe für das Verhalten der Wärtergewerkschaft liegen auf der Hand: Sie wollten ihre Jobs nicht verlieren. Menschlich verständlich, oder? Was wir im Umkehrschluss daraus ableiten können, ist jedoch beklemmend: Ein Gefängnissystem „braucht“ Gefangene, so wie ein Feuer darauf angewiesen ist, dass beständig Holzscheite nachgelegt werden. Es „muss“ also immer Straftaten geben. Nicht wegen des unausrottbaren Bösen in den Köpfen der Menschen, sondern wegen der Arbeitsplätze derer, die an eben diesem Bösen Lohn und Brot haben. Nach dieser Logik sind nicht die Straftäter für eine Gesellschaft schädlich, sondern jene, die sich weigern, der Gefängnisindustrie als Zielgruppe zur Verfügung zu stehen.

Es geht uns hier zunächst darum, ein gesundes Misstrauen gegen jede Art von „Schuld-Industrie“ zu wecken. Ja in letzter Konsequenz gegen den Akt des Schuldigsprechens überhaupt. Bei Strafen und Schuldzuschreibungen ist immer das „Cui bono?“ zu beachten: Wem nützt es?

Bearbeiteter Auszug aus dem Buch von Roland Rottenfußer und Monika Herz: „Schuld-Entrümpelung. Wie wir uns von einer erdrückenden Last befreien“, Goldmann Verlag, 254 Seite, € 9,99

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  • Volker

    Spontan fiel mir dazu eine Überleitung zu Hartz 4 ein – die Hartz 4-Schuld. Danke für den Anstoss, mich damit gedanklich etwas näher zu beschäftigen, ob sich solche Schuldzuweisung als gesellschaftlicher Automatismus erst infolge verfestigte, oder als psychologisch-perfides Machtinstrument einer Bestrafungspolitik bei der Planung der Agenda 2010 schon eine entscheidende Rolle zur Implementierung spielte. Letzteres sicherlich.
    .
    Holdger hatte in einem Kommentar einmal die „Angst vor dem Briefkasten“ erwähnt. Etwas weitergedacht, könnte man durchaus auch von einer politisch-injizierten Schuldzuweisungsangst sprechen, die sich in der gesellschaftlichen Wahrnehmung leider widerspiegelt. Sich dabei abzugrenzen erscheint mir kaum mehr möglich. Schuldzuweisung und drohende Bestrafung – eine erschreckende Symbiose.

  • Aufgewachter

    Der Mensch ist nicht dazu da, um 60 Jahre zu arbeiten, um mit ca. 75 Jahren zu versterben. Wer 60 Jahre lang gearbeitet hat und noch stolz darauf ist, hat vom Leben als Mensch gar nichts verstanden oder ist mit sich selbst überfordert. Geld und Konsum können keine persönlichen Defizite ersetzen ***

    Laßt Euch doch nicht in Konkurrenz zu einander setzen und habt Euch endlich lieb! 😉

    Nie wieder Massnahmen !!!
    Nie wieder 1-Euro-Jobs !!!
    Nie wieder Sanktionen !!!
    Nie wieder Zeitarbeit !!!
    Nie wieder Arbeiten unter dem Mindestlohn !!!

    Ohne Sozialgerichte!

    Eine übersichtliche Sammlung der effektivsten 209 Tipps
    Hartz-IV / Das Kompendium / ULTRA Pack Version 4.6 (complete)
    Release Date 23.12.2016 16:46:13 Uhr MEZ

    Das Inhaltsverzeichnis ist zu erreichen unter
    folgender Internetadresse
    http://hartz4-forum.com

    *** Ein Fischer sitzt am Strand und blickt auf das Meer, nachdem er die Ernte seiner mühseligen Ausfahrt auf den Markt gebracht hat. Warum er nicht einen Kredit aufnehme, fragt ihn ein Tourist. Dann könne er einen Motor kaufen und das Doppelte fangen. Das brächte ihm Geld für einen Kutter und einen zweiten Mann ein.

    Zweimal täglich Fang hieße das Vierfache verdienen. Warum er eigentlich herumtrödele. Auch ein dritter Kutter wäre zu beschaffen; das Meer könnte viel besser ausgenutzt werden, ein Stand auf dem Markt, Angestellte, ein Fischrestaurant, eine Konservenfabrik – dem Touristen leuchteten die Augen.

    „Und dann?“ unterbricht ihn der Fischer.

    „Dann brauchen Sie gar nichts mehr zu tun. Dann können Sie den ganzen Tag sitzen und glücklich auf ihr Meer hinausblicken!“

    „Aber das tue ich doch jetzt schon“, sagte der Fischer.

    +++

    „Viele scheinen aufgrund vielleicht unbewusster erlernter Grausamkeit gegen sich selber, auch gegen andere grausam zu sein. Wenn Menschen ihre Bedürfnisse und ihr Inneres nicht genug leben durften und dürfen (oft wurden sie mit seelischer und/oder psychischer Gewalt zum reinen Funktionieren erzogen), entwickeln sie oft eine intensive Feindseligkeit gegen jeden, der nicht so hart gegen sich selber ist. Gegen jeden der für die anderen Menschen nicht so harte Lebensbedingungen schaffen will. Gegen jeden, dem es besser geht und der nicht diesen Zwängen ausgesetzt war usw.

    Oft konnte dieser Mensch vor lauter Unterdrückung nicht einmal ein Gefühl für sich selber entwickeln, so dass er wirklich wüsste , was er möchte, wenn man ihm einmal plötzlich die totale Freiheit lassen würde. Vielen Menschen geht es so. Sie haben Angst sozial aus der Reihe zu tanzen und lassen sich unter Anderen deshalb oft in ihren Jobs erpressen und unterdrücken, ohne das Gefühl zu haben sich wehren zu können …

    Also lasst euch nicht gegeneinander aufhetzen und euch alles missgönnen und neiden und seid selber auch großzügig. Aber „geht Arbeiten“ ist auch keine Lösung. Jeder der Arbeiten geht hält doch kurzgesagt nur das Dreckssystem noch länger am leben !!!

    Bleibt mal nen Monat ALLE zu Hause und schon ist Weltfrieden! Kapiert das denn keiner ??? Alles was wir so erarbeiten dient doch mehr oder weniger direkt dem System …“

  • heike

    Schuldzuweisungen sind ein machtinstrument zur aufrechterhaltung sozialer ordnungen. Bei menschen, die noch ein gewissen besitzen, besonders wirksam.
    Wenn jemand eine schuld auf sich geladen hat oder sie ihm aufgeladen wurde, weil ihm in diesem moment/dieser zeit der überblick oder die persönliche macht, dies zu verhindern fehlten, dann muss es eine möglichkeit geben, diese schuld wieder gutzumachen. Aber viele menschen werden in ihrer schuld gefangengehalten. Es ist gut, wenn man das erkennt. Ein menschliches system würde den menschen beim erkennen ihrer schuld helfen und wege gewähren, es besser zu machen. Ein solches system hätte das ziel aufgeklärter menschen. Menschen, die ausreichend geliebt werden, deren energie nicht für profit-und machtinteressen angezapft wird, werden, glaube ich, nicht mit absicht anderen schaden zufügen. Ich denke, wie müssen alle lernen genauer hinzusehen, von wem wir nehmen, wer uns gibt – auch wenn gerade diese personen es oft nicht explizit betonen oder darauf hinweisen (oft, weil sie es für selbstverständlich halten oder es ihnen selbst gar nicht bewußt ist) und diesen menschen auch unsere anerkennung und unseren dank zurückgeben – (anstatt mit dieser energie z.b. brad pitt anzuhimmeln oder sie anderwärtig zu verschleudern).

  • heike

    @ den Aufgewachten

    Arbeitsverweigerung als systemkritik- das geht eben nur in einem staat, der dir dafür noch ein paar pfennige gibt.

    Eine andere lösung wäre es, nach einer arbeit zu suchen, sich einer arbeit zu widmen, die dir die freiheiten deines fischers lässt und trotzdem ihren mann ernährt. ( bekommt man aber nicht geschenkt und nach ordnungsgemäßer ausfüllung der anträge aufs konto überwiesen)

  • heike

    Ich habe vor ca. 20 jahren auch mal sozialleistungen in anspruch genommen und mochte die damen auf dem amt auch nicht besonders. Wenn die auszahlung von geld mit einer gleichzeitigen degradierung und abwertung der eigenen person verbunden wird, halten sich auch die dankbarkeitsgefühle dafür in engen grenzen.
    Ein schönerer zustand ist es, nicht davon abhängig, und darauf angewiesen zu sein.

  • Bettina Beckröge

    Bei dem Begriff Schuld fällt mir spontan der Titel eines Romans ein: „Schuld und Sühne“ von Dostojewski. Gleichzeitig fallen mir die Begriffe „Moral“ und „Kollektivschuld“ ein. Den Begriff „Kollektivschuld“ sehe ich in Verbindung mit der Ermordung tausender Juden, Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus, eines der größten und schlimmsten Verbrechen der Menscheitsgeschichte.
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    Wie steht der Begriff Schuld zur Moral?
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    Hätte es die Judenverfolgungen überhaupt geben können, wenn ein kollektiver Begriff der Moral und der eigenen Verantwortung gegenüber allem Leben existiert hätte? Hätte unter dem Begriff der Moral nicht ein jeder sein bestes gegeben, um dem Begriff der Rassenideologie entschieden entgegenzutreten?
    Was können wir heute aus dem dunkelsten Kapitel der deutschen Vergangenheit lernen?
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    Schuld laden wir auf unseren Schultern auf, wenn wir bei ausgeübten Unrecht bewusst wegschauen. Ein KZ Holocaust, Bergen-Belsen, Buchenwald und Treblinka darf es nie mehr geben! Es darf auch nie wieder ein Atombombenangriff geben, wie auf Hiroshima. All dieses Verbrechen fallen unter den Begriff „Kollektivschuld“. Denkmale sind Orte gegen das Vergessen. Wir sollten unsere Denkmale achten, bewahren und schützen. Unsere Aufgabe ist es, aus unserer Vergangenheit zu lernen.
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    https://plus.google.com/collection/clfxME?hl=de
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    Wenn wir uns die grausamen Konsequenzen der Rassenideologie im Zeitalter des Nationalsozialismus vergegenwärtigen, werden wir nie wieder dazu kommen, einer Rassenideologie hinterherzulaufen. Wir werden lernen, uns allem vermeintlich Fremden zu öffnen, und wir werden feststellen, dass wir, egal ob schwarz oder weiß, ob jung oder alt, ob klein oder groß, ob dick oder dünn, ob wohlhabend oder arm wie eine Kirchenmaus, ob bedeutend oder unbedeutend, ob gesund oder krank… alle im gleichen Boot sitzen, dass wir alle Menschen auf einem gemeinsamen Erdenball sind, dass keiner das Recht der Existenz des anderen verwehren darf.
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    An dieser Stelle setzt der Begriff der Verantwortung ein. Wir können keine Verantwortung für das ganze Weltgeschehen tragen, aber für unser direktes Umfeld. Da haben wir die Möglichkeit, zu gestalten und uns zu engagieren.
    Das dicke Gesetzbuch der Juristiktion ist eins. Das eigene Gesetz, geboren aus dem Verantwortungsbewusstsein allem Leben gegenüber, ist ein anderes und viel wichtigeres. Das Verantwortungsbewusstsein und die Achtsamkeit vor dem begriff Leben sprengt die Gitter aller Gefängnisse.
    .
    EL GENIO DE GANDHI EN SUS 10 MEJORES FRASES
    https://youtu.be/hg81jc-6P3g

  • Bettina Beckröge

    Anbei ein Lied, dass ich am Ende meines Caminos (den Camino frances) hörte, einer Pilgerreise, die mit vor Augen führte, dass wir Menschen vor dem Auge des Universums alle gleich sind,unabhängig welcher Herkunft oder Hautfarbe, einer Pilgerreise, die mir vor Augen führte, dass wir uns in einer Gruppe tragen lassen, aber auch mitgestalten dürfen, die mir vor Augen führte, dass unsere Verantwortung im solidarischen Geben und Nehmen liegt.
    .
    Vois Sur Ton Chemin- Les Choristes
    https://youtu.be/P-Zz_bSCsBE

  • heike

    Martin Walser sagt in einem Interview in der gestrigen Bild-Zeitung, dass sich die Gesamtgesellschaft durch die Flüchtlinge in einer in sich kranken Bewegung befindet.
    Das ist auch eine sehr geschickte und irreführende Schuldzuweisung. Das Gewicht dieser Aussage wird durch die Popularität und Bekanntheit Martin Walsers und der vorherigen Erwähnung, dass er vom „Cicero“ zum führenden Intellektuellen gewählt wurde, verstärkt.
    Die Wahrheit, dass die Flüchtlinge nicht Ursache sondern die Auswirkungen einer in sich kranken Bewegung der Gesamtgesellschaft sind, ist offensichtlich noch nicht einmal im Oberstübchen von Martin Walser angekommen.

  • heike

    Warum ist das so? Weil die Zulassung dieser Erkenntnis an den Wurzeln dieses Systems rüttelt. Was sind die Wurzeln? Ausbeutung anderer Nationen und Schüren von Kriegen, Konflikten und Verwirrungen in anderen Regionen der Erde zur Destabilisierung dort ansässiger Machtstrukturen und wirtschaftlicher Einflußgewinnung. Was ist die Lösung? Aufbau patnerschaftlich ausgewogener wirtschaftlicher und menschlicher Beziehungen zu anderen Nationen auf der Grundlage von Respekt, gegenseitiger Wertschätzung und Fairness.

  • Bernie

    Denen die Hartz IV als totalitäres Schuldsystem anprangern schließe ich mich gerne an, aber die Sache fängt schon viel früher an, und zwar mit dem ersten Tag der Arbeitslosigkeit, und zwar ganz egal ob man unverschuldet wegen eines privaten Schicksalsschlages arbeitslos wird, wie ich, oder nicht. Ich weiß von was ich schreibe, da ich auf dieses Unrechtssystem der Arbeitsagenturen, und für 2 Monate, als „Aufstocker“ mit Hartz IV, angewiesen bin/war. Ich bin derzeit so verzweifelt, dass ich sogar wegen mittelschwerer Depression in psychiatrisch psychotherapeutischer Behandlung bin – wie bereits erwähnt, die Arbeitsverwaltung und die Arbeitsvermittler, nicht alle aber manche schon, sind auch an meiner Erkrankung – nicht allein, aber zum großen Teil. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich, wenn es nach mir gegangen wäre, schon direkt nach der Arbeitslosmeldung eine Umschulungsmöglichkeit gefunden hätte, mir dies aber, aus rein finanziellen Gründen, Finanzierung des Lebensunterhaltes während der Umschulung durch die Arbeitsagentur, verweigert wird. So kann man auch sparen. Dank meiner Erkrankung kann ich evtl. eine Umschulung über die REHA machen – Drückt mir mal die Daumen, dass diese Bürokratie nicht so gnadenlos ist wie die Arbeitsagentur/Jobcenter-Bürokratie. Noch was Generelles über den Text, er ist aktualisiert, und es wurde Zeit dafür, aber es gab bereits 1975 einen französischen Philosophen der mit dem Buch „Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses“ in dieselbe Bresche schlug – Foucault. Vielleicht findet der im Text ja auch Erwähnung? Ich finde es auch erschütternd, dass sich daran bis heute nichts geändert hat wie der obige Buchauszug zeigt.
    Gruß
    Bernie

  • Bernie

    Ergänzung, da nicht ganz geklappt.

    Der Philosoph hieß: Michel Focault.

    Meine REHA übrigens kann ich nicht nur wegen der „mittelschweren Depression“ machen sondern auch wegen eines zweifachen Bruches, einer ist etwas älter, meiner Lendenwirbelsäule – Wie bereits erwähnt, drückt mir mal die Daumen, dass es klappt, denn die derzeit für mich zuständige Arbeitsvermittlerin beschied mir, dass sie mein Vorhaben eine Umschulung in einem klassischen kfm. Büroberuf zu machen, nicht unterstützt, und sie denkt, dass auch die REHA nichts wird – Ich muss die aber, trotz meines fortgeschrittenen Alters von 46 Jahren, beginnen und durchziehen, denn ansonsten sieht es dunkeldüster für meine Zukunft aus – auch ganz ohne Depression.
    Gruß
    Bernie

  • rr

    Lieber Bernie,

    Foucaults „Überwachen und Strafen“ ist wirklich ein großartiges Buch, ich habe es zuhause und es gehört zu meinen Vorbildern für das Buch bzw. den Artikel. Foucault denkt die Psychologie des Überwachens und Strafens von den Überwacher und Strafern her und bricht so eine propagandistisch gefärbte Schein-Kausalität auf („Ich musste dich stafen, weil du gegen die Regeln verstoßen hast“). Das Individuum in modernen Gesellschaften, so Foucault, „findet sich in einem Universum von Strafbarkeinen wieder“.

    Glück, Mut und seelische Erholung wünsche ich Dir, Bernie, für Dein persönliches Schicksal und den Umgang mit den Behörden.

  • Illoinen

    Wenn ich mir heute so überlege, dass seit Kant, Voltaire und Lessing mehr als 250 Jahre vergangen sind, und wir uns noch heute im Kreis drehen? Ich dachte dass 250 Jahre, eigentlich hätten ausreichen müssen, dass eine gefestigte, Demokratie entstanden wäre, statt dessen muss ich heute wieder erneut erleben, wie hauch dünn, diese doch ist, sobald es schwierig wird, ist sich wieder jeder mehr oder minder selbst der nächste? Alleine seit dem Mauerfall, haben wir schon wieder mehr als 170 Opfer rechter Gewalt in Deutschland, und das ob unserer schlimmsten Erfahrungen in der NS Zeit? Es wurden und werden wieder Opfer der westlichen aggressiven außen und Wirtschaftspolitik zu Tätern gestempelt, um die „legitimation“ davon abzuleiten, mehr als 1000 Angriffe auf Flüchtlingsheime und Flüchtlinge zu rechtfertigen.

    Das der Westen mit seinen gerade einmal 10% der Weltbevölkerung, seit Jahrzehnten wenn nicht schon seit Jahrhunderten, als seine Kolonien betrachtet und auch so behandelt, wird wo erklärt? Dass alleine seit dem Ende des 2 WK der Westen mehr als 40 illegale Kriege auf Grund von Lügen führt, wird wo im Westen diskutiert? Wie viele Millionen Getötete seit dem? Interessiert im Westen wen? Terrorismus ist die Antwort auf unsere illegalen Kriege. Wie viele Getötete auf dem westlichen Drohnen, Bomben und Wirtschaftsterror? Was haben wir nach der NS Diktatur gelernt? Wenn man heute diese zum Teil unterirdischen und menschenverachtenden Kommentare liest, dann muss man feststellen, wir sind der NS Ideologie viel näher, als daraus gelernt zu haben. Aber ist es nicht so, die „Demokratie“ wurde uns in Westdeutschland aufgezwungen, deshalb tun wir uns so schwer, daraus zu lernen.

  • Bernie

    Hallo Roland,

    danke für die aufmunternden Worte, die ich sicher benötige.

    Mich freut, dass Du das Buch von Focault auch kennst, und dies auch in deinen Artikel und dein Buch, als Vorbild, mit einfließt – Ich werde dein Buch sicher besorgen, da ich schon deinen Artikel für aufklärerisch halte.

    Ich denke manchmal, so auch heute, an ein angebliches Tucholsky-Zitat „Wo Unrecht zu Recht wird, da wird Widerstand zur Pflicht“ – Zur großen Erzählung unserer Zeit paßt nämlich auch, dass man Unrecht einfach totschweigt, oder nicht wahr haben will – Hier mal kurz erwähnt, dass der psychologisch psychiatrische Psychotherapeut, dem ich mein Problem ausführlicher als hier schilderte, meinte, dass mir derzeit großes bürokratisches Unrecht geschieht. Andere sehen dies anders, aber „mein“ Therapeut kennt meine ganze, traurige, Lebensgeschichte, und den schweren Schicksalsschlag der mich arbeitslos gemacht hat. Nur soviel, ich half 12 Jahre lang ein Kleinstunternehmen im Tourismussektor am Leben zu erhalten, dass nun endgültig geschlossen wurde, weil die Hautpgesellschafterin, meine Mutter, schwer an Parkinson in Verbindung mit Demenz erkrankt ist, und keines der vier Kinder will, dass ein anderes das Geschäft alleinverantwortlich weiterführt (=Erbengemeinschaft, sogenannte gesetzliche, mit meiner Mutter als, schwer demente, Haupterbin). Ich bin dann im Frühjahr direkt ans Bewerben gegangen, und hatte Hoffnung, da ich ja eine Berufsausbildung hatte, dass ich bald Arbeit finden werde – es wurde nichts draus, denn meine Berufsausbildung ist zulange her, und ich hätte jahrelang „berufsfremd“ gearbeitet – im verwaltenden Tourismusbereich statt in einer Öffentlichen Verwaltung, bin gelernter Verwaltungsfachangestellter. Lt. SGB III gelte ich als „Wiederungelernt“, und dies führte zu obigem Plan eine Umschulung aus nichtgesundheitlichen Gründen anzustreben, die mir, seitens der Arbeitsagentur seit Frühjahr 2016 verweigert wird. Seit kurzem weiß ich, dass ich auch eine Umschulung über die REHA machen kann, und hoffe, dass zumindest dieser Plan, ebenso wie ein Antrag auf Schwerbehinderung, den ich lt. Hausarzt stellen kann, klappt – Vielleicht hilft mir die Einstufung als Schwerbehinderter sogar bei meinem Plan mit der REHA-Umschulung? Mal sehen.
    Gruß
    Bernie

  • Bettina Beckröge

    Lieber Bernie,
    ich drücke dir all meine Daumen, dass sich dein persönliches Schicksal bald zum Guten wenden möge. Über eine Reha- Maßnahme entscheidet deine Krankenkasse, nicht deine Arbeitsvermittlerin. In jeder Reha gibt es i.d. Regel geschulte SozialarbeiterInnen, die dich sehr wahrscheinlich besser beraten, als die Stolpersteine in den Weg legende Uferschnepfe vom Arbeitsmamt.
    .
    Herzlichen Gruß,
    Bettina

  • Bernie

    @ Illoinien

    Sehe ich ganz genauso, aber was die Aufklärung angeht, da muss ich eine Ergänzung hinzufügen, denn irgendwo, ich glaube es war in einem religionskritischen Forum, las ich einmal, dass Aufklärung ein Dauerprojekt ist, und genau dies ist der Fehler in unserer westlichen Zivilisation – Wir berufen uns auf ein Zeitalter, dass historisch 250 Jahre her ist, und sollten eigentlich die heutigen Zustände bekämpfen statt an Kant, Voltaire und anderen festzuhängen. Anders ausgedrückt, uns fehlen heute Menschen vom Schlage dieser Größen – Die Frage ist: Warum? Sind wir auf dem Weg eines alten US-Film-Titels „Der Idiocraty“? Was ich übrigens über die Aufklärung schreibe gilt auch für die „Demokratie“, die wurde auch immer wieder neu erkämpft, und sehr wahrscheinlich erleben wir gerade wieder so eine Zeit. Die Zeit vor 250 Jahren war eine völlig andere als heute, und an heutige Zustände sollten wir uns festkoppeln, um für die gleichen Ziele zu kämpfen für die damals Kant, Voltaire, und andere Größen dieser Zeit, gekämpft haben. Interessant übrigens auch, man kann es nicht oft genug erwähnen, dass das „Zeitalter der Aufklärung“ nur an Religionskritik festgemacht wird, dabei waren die Aufklärer die Anbahner der Demokratie in unserer westlichen Welt. Die Frage ist hier: Wer hat eigentlich was davon, dass man das berühmte Zeitalter der Aufklärung, auch in manchem Schulunterricht, rein als Religionskritik beschreiben will?
    Was den Faschismus/NS-Denken angeht, da wundere ich mich auch schon seit Jahren über so manchen Punkt, denn die Vorgeschichte des Faschismus in Europa wird z.B. im Alltag und im Schulunterricht total totgeschwiegen. Nur wer sich Bücher leisten kann, der weiß, dass Hitler und Mussolini, nicht einfach so „vom Himmel“ gefallen sind sondern, dass die Entwicklung zum Faschismus in Europa eine lange Vorgeschichte hat, und nach dem Ende des Faschismus in Europa jahrelang in Südamerika weiterexistiert hat – der Neoliberalismus, die Wirtschaftsideologie unserer Zeit, lenkt übrigens auch davon ab, dass er selbst faschistische Elemente hat, und seinen Praxistest in der massenmörderisch-faschistischen Diktatur Chiles und Argentiniens erlebt hat. Auch hier die Frage erlaubt: Wem nützt diese Verschweigen?

    Man sollte vielleicht auch noch erwähnen, dass auch hierzu die Versuche zählen Faschismus mit Sozialismus/Kommunismus gleichzusetzen…zwei grundverschiedene Systeme, die sich bis auf den Tod hinaus bekämpft haben, im realen Leben….Wem nützt diese widersinnige Gleichsetzung?….

    Gruß
    Bernie

  • Bernie

    @Bettina

    Auch dir danke für dein aufmunternden Worte.

    Ich war bereits bei der Krankenkasse, und die haben meinen Antrag an die Rentenversicherung weitergereicht – Ich habe mich vielleicht falsch ausgedrückt, denn ich strebe eine sogenannte „Wiedereingliederung ins Arbeitsleben“ nach Formular 130, eben die Umschulung aus gesundheitlichen Gründen, die hoffentlich schnellstmöglich genehmigt wird, da ich die sprichwörtliche Schn…. gestrichen voll von Arbeitsagentur/Jobcenter habe. Interessant übrigens auch, dass man hier, auch mit anderen Betroffenen, über eine sogenannte Potentialanalyse nach Madleine Leitner, so gestellt wird als wüßte man nicht was man beruflich arbeiten will.

    Fazit: Der Betroffene ist immer selbst schuld wenn er arbeitslos wird, ist „zu faul zum Arbeiten“ oder „weiß nicht was er will“, und daran ändert sich, aus Arbeitsagentur/Jobcenter-Sicht so schnell nichts.

    Manchmal wünscht man sich, dass die Sachbearbeiter/-innen mal die andere Seite des Schreibtisches sehen sollen auf der man als sogenannter „Kunde“ „sitzen darf“.

    Gruß
    Bernie

  • Bettina Beckröge

    Im Zuge der Flüchtlingsbewegung und der offensichtlichen Überforderung einer scheinbar geeinten EU, im Zuge der zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft in Menschen, die im Überfluss leben und Menschen, die als Harz IV- Empfänger oder Bettler inmitten unserer Gesellschaft überleben und im Zuge eines fortschreitenden Neokapitalismus mit all seinen bedenklichen Randerscheinungen war es mir ein Anliegen, politisch- gesellschaftliche Zusammenhänge aufzuzeigen, beginnend mit der legendären Rede von Martin Luther King. Diese Zusammenhänge nicht in einem Buch, sondern anhand von Beiträgen aus dem großen Netz des YouTubes aufzuzeigen, ist vielleicht eine ungewöhnliche Herangehensweise, doch es lässt Sie, als Hör-Seh-Leser den Freiraum, Ihre eigenen Betrachtungsweise daraus zu entwickeln.
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    Hinter diesen Songs, Reden, Interviews und Konzertausschnitten befinden sich eine Reihe an „unbequemen Wahrheiten“, schockierende Wahrheiten, die das Blut in den Adern gefrieren lassen. Gleichermaßen sind Aktionen und Stellungnahmen aufgeführt, die Hoffnung und Mut machen. Das sind die positiven Wahrheiten. Schnell gerät eine fast noch druckfrische Wahrheit in den Abläufen des Alltags in Vergessenheit. Wir Menschen neigen dazu, zu verdrängen. Die Zusammenstellung dieser Playlist soll an Vergangenes erinnern und zum Nachdenken und positivem Handeln anregen. Es macht Mut, dass kluge Denker, Redner, Musiker und Künstler sich nicht scheuen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und sich für eine bessere Welt einsetzen. Es macht Mut, wenn Menschen in Zeiten größter Sorgen und Not zusammenhalten und sich gegenseitig stützen. Möge jeder von uns diesem Beispiel folgen und seinen Teil dazu beitragen, die krakenhafte Ausbreitung von Verleumdung, Hass und Gier zu unterbinden. Wir können etwas bewegen, schon allein wenn wir unserem Nächsten auf Augenhöhe begegnen und zuhören, was er zu sagen hat, indem wir achtsam mit unserem Umfeld umgehen und uns einsetzen, wo unser Einsatz gefragt ist. Ich bin der Überzeugung, jeder kann etwas zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen, nur handeln müssen wir! Wer seine Hände in den Schoß legt und sich auf seine eigenen Befindlichkeiten ausruht, bewegt nichts. Wir brauchen in unserer Zeit Visionäre, die am Glauben an eine besseren Welt festhalten und sich dafür einsetzen. Eine Demokratie ist nur gelebt, wenn wir sie leben. Wir haben nur eine Erde, der Mensch hat nur ein Leben. Beides gilt es zu schützen und nachhaltig zu bewahren. Der Traum von einer besseren Welt steht nicht still, er kann nicht still stehen, solange die Menschen nicht verstehen, dass die Basis für ein Miteinander der Frieden ist.

    Ich danke allen Künstlern, Sängern, Philosophen, Psychoanalytikern, Politikern, Rednern, Friedensaktivisten, Fotografen, Filmern, Veranstaltern, Youtubern, Mediensendern, und v.a. den Veranstaltern von YouTube, die sich ungefragt an dieser Playlist beteiligt haben und damit diese Playlist überhaupt ermöglicht haben.

    Die Playlist ist nicht für kommerzielle Zwecke gedacht.
    Einzig bitten möchte ich Sie um eine Spende für Griechenland.
    Unter dem Aufruf „Helfen wir den Menschen in Griechenland“ hat der Autor und Publizist Holdger Platta ( Buch: Kaltes Land- Rudolf Bauer und Holdger Platta) in Kooperation mit dem HDS- Team, der Göttinger Menschenrechtsinitiative IHW (Initiative für eine humane Welt e.V.) und mit Unterstützung von Konstantin Wecker einen großangelegten Aufruf zur Unterstützung der derzeitig extrem notleidenden griechischen Bevölkerung gestartet. Vor-Ort- Berichte zur derzeitigen Situation in Griechenland finden Sie in dem Internet-Politik- und Kulturforum „Hinter den Schlagzeilen“ , unter der Headline: „Helfen wir den Menschen in Griechenland“. Das Konto, auf das Sie unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ spenden können, lautet:

    Inhaber: IHW
    IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
    BIC: NOLADE21GOE

    Ich möchte das Vorwort zu dieser Playlist beenden mit der Kernaussage des des 2. vatikanischen Konzils – Nostra Aetate – aus dem Jahr 1965, mit einem Zitat, das die die Aufforderung zur Bewahrung des Friedens in aller Deutlichkeit zum Ausdruck bringt:

    „Die Kirche verwirft jede Diskriminierung eines Menschen
    und jeden Gewaltakt gegen ihn
    um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder Religion willen,
    weil dies dem Geiste Christi widerspricht“.

    Eine nachdenkliche Zeitreise
    wünscht Ihnen
    Bettina Beckröge, alias ANNAANNA
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    https://www.youtube.com/playlist?list=PL3XFIsqQkKuv81dctYPCas2D_wyNvQEF_

  • heike

    Ein sicheres Mittel, sich von seinen Mitmenschen auf die Listen “ Ignorieren“, „Ausgrenzen“ oder „Abschießen“ setzen zu lassen, ist zu bekennen, dass man links und dazu noch arm ist. Deshalb werden diese Themen auch nicht gern diskutiert. Sich aus dieser unrühmlichen, wenig erheiternden und eher doch ins Depressive mündenden Position seinen Mitmenschen mit Liebe zu begegnen, ist eine echte menschliche Herausforderung, die man aber durchaus annehmen kann. Wenn allerdings diese Liebe als Schwäche interpretiert wird, hat sie die ihr ursprünglich zugedachte Wirkung verfehlt. Einen Menschen spontan und ohne höhere geistige Ziele liebt man in der Regel, wenn man sich zu diesem Menschen aus irgendeinem Grund hingezogen fühlt und ihn eben gern hat. Man kann Liebe zum anderen nicht verordnen, aber man kann darum kämpfen und dabei lernen.

  • heike

    Das Gebot der Stunde ist also nicht mehr Gesellschaftskritik, sondern Nächstenliebe. Man kann durchaus auch das eine mit dem anderen verbinden.
    (Bettinas Kommentar war noch nicht zu sehen, als ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe, der sich auf Einträge von Bernie und Illoinen bezog – deshalb jetzt dieser Nachtrag)

  • heike

    Und Bettina, wir können vielleicht nicht die Weltpolitik verändern, aber wir dürfen uns Gedanken darüber machen und versuchen Zusammenhänge zu verstehen.

  • Bettina Beckröge

    Lieber Bernie,
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    du hast bestimmt alles richtig gemacht. In dieser Situation hilft dir allerdings die Frage nach der Schuldzuweisung weniger weiter, als die Frage danach, wie du bei der Rentenversicherung deinem Antrag auf Umschulungsmaßnahme ein gebotenes Maß am Nachdruck verleihen kannst, damit sich die quälende Wartezeit verkürzt.
    Ich denke, deine Krankenversicherung und dein Therapeut wären in dem Fall die richtigen Anlaufpunkte. Beide müssten ein großes Interesse daran haben, dass dein Antrag auf Umschulungsmaßnahme zeitnah bewilligt wird.
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    Beste Grüße,
    Bettina

  • ert_ertrus

    Schuldgefühle sind Schundgefühle!

  • heike

    Weil ich einfach meine Klappe nicht halten kann: ich würde gern wissen, wieviel des wohlstandes unserer gesellschaft wirklich durch ehrliche Arbeit und fairen Handel erwirtschaftet wird und wieviel davon auf unsauberen Geschäften beruht. Gibt es dazu Zahlen von einem der Wirtschafts- und Finanzexperten der Linken?

  • heike

    Schundgefühle?

  • heike

    Und um es mir noch mit restlos allen zu verderben, möchte ich euch noch eine wahrheit mitteilen: man muss die welt nicht poetisieren – die welt ist bereits poetisch – man muss es nur sehen können…und in den allermeisten fällen sieht man es am besten allein oder gemeinsam mit einem geliebten.
    So einfach, banal und dumm ist auch wieder das.

  • heike

    Ich bin im Prozess der Meinungsbildung und in der glücklichen Lage, die mir dazu notwendigen Freiheiten nehmen zu können, auch wenn mir die dafür notwendig erscheinenden Informationen nicht sofort zu Verfügung stehen bzw. Zur Verfügung gestellt werden.
    Noch ein kleiner Nachsatz zu Martin Walser: Er sagte, dass sich seiner Meinung nach die AfD bald todlaufen würde, weil ihr ein Programm fehlt und ihr Zulauf vor allem aus noch vorhanden Ressentiments ihrer Anhänger fließt. Wut ist eine Kraft, die im Inneren brodelt. In welche Kanäle diese Wut gelenkt oder gespeist wird, entscheidet über Ausdruck und letztendlich auch Ziel der Wut.

  • heike

    Der Friedenslauf nach Aleppo hat einen völlig anderen Ansatz.

  • rr

    Lieber Bernie,

    vielen Dank für die ehrliche Darstellung Deines „Falls“. Ich finde es immer gut, wenn hier konkrete Schicksale auftauchen, es bleibt dann nicht bei überfliegerhaften Meinungskundgebung, und man erfährt viel über Deutschland heute. Das gilt natürlich auch für andere, die etwas aus ihrem persönlichen Leben erzählt haben. Es keine Seltenheit, wenn Krankheit in die Verarmung führt und Verarmung – im Zusammenhang mit den nervenaufreibenden Kämpfen mit den Behörden – in Krankheit, was dann zu einem Abwärtssog führen kann. Man schafft es nicht mehr Formulare auszufüllen oder auch nur zu ertragen, versäumt Termine…

    Zum Buch „Schuldentrümpelung“ ist zu sagen: Ich möchte keinen falschen Eindruck erwecken: Es ist ein Buch, das überwiegend psychologisch argumentiert – mit vielen poltischen Seitenhieben und auch einer spirituellen Komponente. Man darf sich das nicht als einen „zweiten Foucault“ vorstellen, obwohl dieser meine politischen Abschnitt beeinflusst hat. Im Grunde ist das Problem auf der politischen und ökonomischen, auf der psychologischen und spirituellen Ebene das gleiche: es wird Schuld (ökonomisch: Schulden) kreiert und auf andere projiziert, um Macht über die „Schuldigen“ auszuüben. Auch die Lösung ist auf allen Ebenen eine ähnliche: Selbstvergebung oder die Erkenntnis, dass es nie etwas zu vergeben gab. Wenn es jemand aufgrund dieser Beschreibung oder der Artikel kaufen möchte, freue ich mich natürlich. Es sollte nur nicht der Eindruck enstehen, es sei HAUPTSÄCHLICH eine politische Kampfschrift.

    Die Illustration zu diesem Artikel zeigt im Übrigen: Es gibt auch wirkliche Schuld: das Verbrechen der Nazis, eine einfache und liebenswerte „Tätigkeit“ (z.B. Liebe zwischen einer Deutschen und einer Jüdin) zum Verbrechen zu erklären und barbarisch zu bestrafen. In vielen Fällen ist die Strafe das größte Verbrechen.

  • Holdger Platta

    Liebe Heike,
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    wenn mein Eindruck nicht täuscht, scheinst Du den politischen Denker Martin Walser ebenso zu schätzen wie ich: nämlich gar nicht!
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    Ich werde und kann Martin Walser die Paulskirchenrede nicht vergessen, in der er mit vorgetäuschtem Pseudomut die Bemühungen mancher (längst nicht aller) Menschen in Deutschland, Lehren aus dem Holocaust zu ziehen, umzuinterpretieren versuchte in bloße Kriecherei, Anpassung oder Geschäftemacherei. Ignaz Bubis, mit dem ich damals im Briefwechsel stand und der bei dieser eitlen Veranstaltung des Herrn Walser mit dabei war, in einer Paulskirche, die immerhin Tagungsstätte der ersten deutschen Revolutionsbemühungen war (natürlich noch recht bürgerlicher, da muß mich keiner belehren), Ignaz Bubis jedenfalls war entsetzt, versteinert, aufgewühlt, wurde damit nicht fertig – und ich schließe nicht aus, daß diese Erfahrung mit beigetragen hat zum viel zu frühen Tod von ihm, dem damaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland. Gratulation dann, Herr Walser, zu dieser großartigen Heldentat! Sie dürften dann mit dazu beigetragen haben, daß ein jüdischer Mitbürger vorzeitig unter die Erde kam!
    .
    Damit habe ich über den Schriftsteller Martin Walser gar nichts gesagt. Man möge ihn mögen! Seine Paulskirchenrede war für mich aber nichts anderes als kultiviert daherkommende Barbarei. Und auch diese – gerade diese! – hat in der deutschen Antisemitismusgeschichte lange Tradition, das menschenfeindliche Gefasel in den höchsten Tönen der Hochkultur: von Martin Luther (achja: noch ein Martin!) über Richard Wagner und den Historiker Treitschke, über Hofrat Stoecker und, nicht zuletzt, einen Martin Heidegger (Donnerwetter, noch ein Martin obendrauf!) und einen politischen Besoffenheitsquatscher Gottfried Benn (ja, genau der – der mit den wunderbarsten Gedichten neben denen von Brecht, seinem Zeitgenossen, im zwanzigsten Jahrhundert, sieht man mal von den Exressionisten Georg Heym und Georg Trakl ab!).
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    Mit herzlichen Grüßen
    Holdger

  • eulenfeder

    …da mir hier im offenen vollzug nur eine halbe stunde pc erlaubt wird, als baumschüler zudem nur langsam lesen kann – bitte ich um ein exemplar des ‚Schuldbuches‘ – am liebsten natürlich handsigniert und persönlch an den Comandante übergeben…
    auch ich bin ja ein Schuldiger, von geburt an und weitere schuld auf mich zu laden würde die höchststrafe nicht mindern,( also passt auf ihr Potentaten ), wäre gehupft wie gesprungen

  • heike

    Hallo Holdger, vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.
    Mir hilft das weiter, ich fühle mich nicht im Regen stehengelassen und bekomme Ansätze, mich mit den Ansichten, Denkgebäuden und Schlußfolgerungen anderer Menschen zu beschäftigen.
    Das geistige Ringen um Menschlichkeit ist ein über Jahrhunderte geführter anstrengender Kampf.

    Es gibt ein Streben und Leben von Menschlichkeit, das an und für sich friedlich und gut ist. Und es gibt den Widersacher, dessen Sinn mir eigentlich nicht erklärbar ist, außer damit, dass der Mensch eben für das Paradies noch nicht bereit ist. Im konkretem Fall führt das leider zu sehr realen Verletzungen ( bis zum Tode) guter und aus diesem Grunde verletzlich gebliebener Menschen. Mein Gerechtigkeitssinn kann das nicht hinnehmen und möchte das ändern. Man hat Wut und möchte zumindest die Hinterhältigkeit und Gnadenlosigkeit der Täter entlarvt wissen, was ich auch für völlig richtig halte.

  • Manfred

    Wir brauchen Wissenschaftler für die Menschheit, nicht für die Konzerne.
    Bei allem woran geforscht wird müssen wir fragen: Nützt es den Menschen? Nützt es der Umwelt? Nützt es dem Frieden?

  • heike

    Zu Rolands Kommentar:
    Ja, die Strafen sind barbarisch. Es ist fürchterlich, was Menschen anderen Menschen antun – und das oft noch mit einem Grinsen und unverhohlener Schadenfreude. Das ist Sadismus. Das ist eine Katastrophe und es wäre gut, wenn so etwas nie wieder passieren könnte.
    Im Grunde genommen ist das Leid nicht zu ertragen, man muss es vergessen oder nicht in seinem vollem Ausmaß zur Kenntnis nehmen, um weiter leben zu können.

  • rr

    Es ist doch selbstverständlich, dass der inoffzielle Revolutionsführer ein Exemplar bekommt. Es wird dann offizielle Lehre im zu gründenden gerechteren neuen Staatswesen. Kinder müssen es in der Schule lernen, und bei Mai-Parade weht die Flagge mit den Profilen der Gründerväter: Eulenfeder, Platta, Rottenfußer, edelgesichtig Richtung Sonnenaufgang blickend.

  • heike

    Ja Manfred, das brauchen wir. Dazu braucht man menschen, die ein gewissen haben und sich nicht dem diktat des geldes beugen wollen. Dazu braucht man menschen, die erkennen können, welche macht sie eigentlich haben.

  • Bettina Beckröge

    „Eulenfeder, Platta, Rottenfußer, edelgesichtig Richtung Sonnenaufgang blickend.“
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    So gestalten sich honorige, lauschige Abendstunden, aber sicherlich keine Revolution.
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    🙂

  • heike

    Ich habe Martin Walsers politische Meinungen bisher nicht verfolgt, meine erste zukenntnissnahme ebendieser war der in der bild-zeitung. Er
    Ich verfüge erst jetzt über den zu etwas umfassenderen politischen und intellektuellen bildung nötigen zeitlichen freiraum, da ich in den letzten jahren als alleinerziehende mutter und selbstständige bis an meine grenzen mit arbeit und auch beruflicher weiterbildung (die in meinem fall nichts direkt mit politik zu tun hat) vollgepackt war.
    Die Kinder sind aus dem Haus und ich hoffe, da geht esmir wie wohl allen eltern, dass es ihnen in ihrem weiteren leben gut ergehen wird und sie selbst richtige und gute entscheidungen treffen. Ich liebe sie sehr.
    Jetzt habe ich also etwas zeit, mich intensiver mit politik und den schönen künsten zu beschäftigen und hoffe darauf, eine angenehme zeit verbringen zu dürfen. ich vrrspüre in mir keinen „kampfzwang“, im grunde genommen hätte ich es am liebsten auch ohne kampf gern endlich mal etwas schön.

  • Holdger Platta

    Darf ein Redakteur seinen Mitredakteur loben? – Ich kämpfe meine Schuldgefühle nieder und tue es hiermit:
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    Roland hat mit Monika Herz eine Klasse Analyse vorgelegt, die außerdem Klasse geschrieben ist. Hier wird der Gesellschaft ihre eigene Melodie vorgespielt, sodaß deren Verhältnisse zum Tanzen kommen. Und daß ich’s erst heute schreibe, hat ausschließlich damit zu tun, daß ich erst jetzt dazu gekommen bin, diesen Text zu lesen.
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    Da begrüßenswerterweise auch ein Literaturhinweis bereits gegeben worden ist, von „Bernie“ (dem ich auch ansonsten sehr danke für seine Darstellungen hier), möchte auch ich noch zwei wichtige Bücher zum Thema nennen (beide bestimmt im „modernen Antiquariat“ auch für ’nen Appel und’n Ei zu erwerben, hoffe ich jedenfalls):
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    Einmal „Die Gesellschaft und das Böse“, von Arno Plack, erschienen so um 1968 herum. Dieses Buch bestätigt (dito glänzend geschrieben) so manches, was Roland hier dargestellt hat, wobei Roland manches durchaus noch besser auf den Punkt bringt als seinerzeit Arno Plack.
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    Und dann „Geständniszwang und Strafbedürfnis“ von Theodor Reik, einem Psychoanalytiker, der zur ersten „Schülergeneration“ von Sigmund Freud zählte und bei dem, nach Reiks Emigration in die USA, kein Geringerer als Arno Gruen promovierte, wohl so um 1961 herum. Reik vermag zu zeigen, daß von – gar nicht mal wenigen – „Delinquenten“ die Schuldproduktion, die eigentlich von außen her kommt, selber „nachproduziert“ wird, in deren eigenem Inneren, mit der Wirkung – unter anderem -, daß manches Verbrechen sogar aus Strafbedürfnis heraus begangen wird: der Abweichler sehnt sich nach dem Stock, der ihn wieder auf Linie bringen soll. Und da dieses unbewußt vonstatten geht, ist dieses Bedürfnis besonders stark, oft sogar übermächtig, wirksam. So oder so:
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    Roland zeigt sehr plausibel auf, daß unsere Gesellschaften nicht nur „Schutz“ vor Kriminalität produzieren, sondern aus diversen Gründen sogar die Kriminalität selber. Ich meine sogar: zur eigenen Entlastung von Schuld. Der Kapitalismus braucht Verbrechen und Verbrecher – diese ‚wunderbare‘ Außenfront, an der man Kriminalität hochhonorig bekämpfen kann -, weil er selber in seinen Grundstrukturen verbrecherisch ist, nämlich aufgebaut ist auf alltäglichem Diebstahl (= der Wertproduzent, die Arbeitskraft, bekommt nicht das, was er an Werten herstellt, sondern nur einen Teil dieses Wertes; den größeren Rest streicht der Kapitalbesitzer ein; und noch schlimmer, inzwischen, die – hier paßt das Wort einmal – parasitäre Finanzwirtschaft!), aufgebaut ist auch auf der permanenten Herstellung von Konkurrenz und Gegnerschaft als Strukturmerkmale unserer Gesellschaften bis tief in die Psyche vieler vereinzelter Menschen hinein. Schon in den Kitas geht’s heute oft los mit dem Antrainieren des Konkurrierenmüssens! Fast immer aus der Angst der Eltern heraus, anderenfalls „Verlierer“ zu produzieren (als die sich womöglich die Eltern selber schon wahrnehmen müssen).
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    Danke also Roland, mit Monika, für diesen glänzenden Text! Und Danke auch den vielen hochqualifizierten Kommentaren hier!

  • rr

    Lieber Holdger,

    vielen Dank für diese hoch interessanten Ergänzungen, die für mich großenteils neu waren. Interessant finde ich vor allem den Gedanken der „Schattenprojektion“ eine schuldigen Staatssystems. Ohne Zweifel könnte man über das Thema 2, 3 oder 10 Bücher schreiben.

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