Trotz aller Tristesse: mit guten Nachrichten ins neue Jahr!

griechenlandhilfelogo-300x19450. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Die „Weihnachtspause“ war für unsere Leserinnen und Leser zumindest keine Spendenpause. Eine besonders hohe Summe ging in diesen Tagen auf unserem Vereinskonto ein. Davon abgesehen bleibt die Lage – natürlich, muss man mittlerweile fast sagen – in Griechenland desolat. Nahezu 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit, woher soll unter diesen Umständen denn die Motivation junger Leute kommen, etwas für sich und für das Land aufzubauen? Und Arbeitslosigkeit – da soll man sich keine falschen Vorstellungen machen – bedeutet in Griechenland nicht, es sich mit einem mittleren, „geschenkten“ Einkommen bequem zu machen. Es bedeutet das rasche Abrutschen ins finanzielle und soziale Nichts. Da verwundert es nicht, dass eine Auswanderungswelle das Land erfasst, gerade auch bei den gut ausgebildeten Kräften. „Armutsflüchtlinge“ muss man dazu wohl schon sagen, und man kann von Glück reden, dass die AfD (noch) nicht regiert sonst wären demnächst vielleicht die Abschiebeknäste und Friedhöfe griechisch „überfremdet“. Da hilft nur, wie unser Autor es treffend nennt, „unerbittliche Mitmenschlichkeit“. (Holdger Platta)

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

ein Bericht der dpa – der „Deutschen Presseagentur“ – brachte es wenige Tage vor dem letzten Weihnachtsfest aufs deutlichste auf den Punkt: Griechenland verelendet in einem unfassbaren Ausmaß! Und den meisten Massenmedien in der Bundesrepublik waren diese Informationen nicht mal eine Zeile wert. Ich zitiere hier Ausschnitte aus diesem dpa-Bericht, veröffentlicht am Montag, den 19. Dezember 2016, um 12:35 Uhr:

„Arbeitslosigkeit in Griechenland Hunderttausende. Familien ohne Stütze
In Griechenland bekommen laut einem Zeitungsbericht 90 Prozent der Arbeitslosen kein Geld mehr vom Staat. In mehr als 350.000 Familien hat niemand einen Job.
Weihnachten ohne Geld in der Tasche: 90 Prozent der Arbeitslosen in Griechenland müssen ohne staatliche Unterstützung auskommen.
(…)
Arbeitslosengeld gibt es in Griechenland höchstens ein Jahr lang. Danach ist nur noch für ein weiteres Jahr eine monatliche Unterstützung von 200 Euro vorgesehen. Wer länger ohne Arbeit bleibt, erhält kein Geld mehr und ist auf die Hilfe humanitärer Organisationen, der Kirche und der Kommunen angewiesen. Die seit mehr als sechs Jahren anhaltende Krise hatte viele Arbeitslose zu Langzeitarbeitslosen gemacht.
Dem Bericht zufolge gibt es mehr als 350.000 Familien, in denen kein Mitglied mehr Arbeit hat. Die Arbeitslosenquote (letzter Stand September 2016) beträgt 23,1 Prozent. Das ist der höchste Wert in der EU.
Wegen der dramatischen Lage am Arbeitsmarkt sind in den vergangenen sechs Jahren mehr als 300.000 gut ausgebildete Menschen ausgewandert. In der Altersgruppe bis 24 Jahre sind 46,9 Prozent ohne Job.“

Einige Leserinnen und Leser unter Euch erinnern sich ganz bestimmt noch: ich selber habe in meinem Zweiteiler für die Zeit „zwischen den Jahren“, in meinem Beitrag „Sollen die Menschen doch krepieren!“, hier auf HdS, vieles an zusätzlichem Informationsmaterial zur Situation in Griechenland veröffentlicht, und unser Leser „Mabuse“ hat in seiner wichtigen Ergänzung auch auf das sogenannte „braindrain“ hingewiesen, auf den Verlust gut ausgebildeter Menschen, die Griechenland seit Beginn der Krise (roundabout) im Jahre 2010 verlassen haben. Auch im Kurzbericht der dpa – wahrlich keine kommunistische Nachrichtenagentur! – taucht im letzten Absatz diese Tatsache noch einmal auf. Und ich ergänze hier nur – in Erinnerung an einen früheren Bericht von mir auf HdS –, dass allein 5.000 Ärzte unter diesen griechischen „Wirtschaftsflüchtlingen“ sind und nunmehr im Herkunftsland an allen Ecken und Enden fehlen.

Sollen die nun auch, den AfD-Parolen folgend, an den bundesdeutschen Außengrenzen abgeknallt werden? Wenn schon Frauen und Kinder, zum Schutze unseres christlichen Abendlandes, die Kugel bekommen sollen: wieso dann nicht auch die sogenannten „Halbgötter in Weiß“? Oder fängt für bundesdeutsche Rechtsextremisten wenigstens beim „Dr. med.“ das Menschsein an – und die Gültigkeit unseres Grundgesetzes? Mich interessiert jedoch noch mehr als das unmenschliche Gefasel einer Frauke Petry und einer Beatrix von Storch das „Beschweigen“ all dieser unmenschlichen Verhältnisse in Griechenland seitens praktisch aller Mainstream-Medien bei uns. Was ist los in unserem Land, lautet also meine Frage, nicht nur: was ist los in Griechenland? Wenn ich einmal auf den Titel dieser Website hinweisen darf – jawohl, nicht ohne Eigenlob! -: selten erweist sich der Name unseres Webmagazins als zutreffender als in diesem Fall – im Fall des mehr und mehr verfallenden Griechenlands: Wir berichten auch über das, was ansonsten „hinter den Schlagzeilen“ bleibt! Und das, genau das, werden wir auch weiterhin tun! Konsequent, ohne Angst, mit – ich riskiere diese kühne Wortkombination – unerbittlicher Mitmenschlichkeit! Ihr könnt Euch darauf verlassen! Und alle von der EU kaputtdrangsalierten Griechinnen und Griechen können das auch. Versprochen!

Weswegen, zu diesem Bemühen um konsequente Mitmenschlichkeit, auch das Eingeständnis von Fehlern gehört, die uns unterlaufen sind (oder auch noch unterlaufen werden; Menschen, die Fehler machen, sind auch wir! Niemand von uns erhebt den Anspruch – gerne mal den sogenannten „Gutmenschen“ von anderen unterstellt! –, vollkommen zu sein). Also konkret:

In den Berichten 31 ff. des Vorjahres (= 2016) glaubte ich berechtigt zu sein, über einen gravierenden Fehler auch der griechischen Regierung berichten zu müssen. Gleich von mehreren – glaubwürdigen! – Mitmenschen (zum Teil direkt aus Griechenland) hatte ich die Nachricht bekommen, dass die Syriza-Regierung dazu übergegangen sei, sogar Spendengelder zu besteuern, und zwar mit 25 Prozent! Giorgos Chondros, Sprecher der Syriza, bestritt dies zwar sofort, und ich berichtete darüber, ohne Verzögerung, wie sich von selber versteht. Doch eine endgültige Klärung dieses Sachverhaltes stand auch für mich – bis vor einigen Wochen – noch aus. Urlaub der einen, Missverständnisse der anderen, Erkrankungen von Dritten taten ein übriges. Doch nunmehr ist der Sachverhalt klar, und ich nehme mit großem Bedauern diese Fehlinformation zurück: nein, eine solche Besteuerung von Spendengeldern gibt es in Griechenland nicht!

Das wird im übrigen auch uns beziehungsweise unserer Hilfsorganisation die Arbeit wieder erleichtern, zum Beispiel (wie ja bereits vor Weihnachten geschehen, ich erinnere an unsere Geschenkaktion für Kinder!) auch mit Geldmitteln notleidenden Menschen in Griechenland helfen zu können, nicht nur mit Sachleistungen der verschiedensten Art! Und die Missverständnisse, die es da auf Informantenseite gegeben hat, bei einigen jedenfalls, die begraben wir lieber in der – immer noch kurzen – Geschichte unserer Hilfsaktion! Akkuratesse und Freundlichkeit haben auch hier den Weg zur Klärung der Sachverhalte gebahnt. Allen Beteiligten sei Dank! Und Giorgos Chondros, so hoffe ich, wird’s mir nicht übelnehmen, dass ich in dieser Angelegenheit nachgefragt hatte bei ihm.

Bleibt für heute „nur“ noch – zu mehr reicht die Schreibzeit heute nicht mehr –, Euch mitzuteilen, was in der Zwischenzeit, seit dem letzten Berichtstag (= einen Tag vor Weihnachten), bei uns an Spendengeldern eingegangen ist.

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser, ich habe es selber kaum geglaubt! Befangen im Irrglauben, nun hätten aber wirklich einmal alle Spenderinnen und Spender die Nase vom Spenden voll, befangen im Irrglauben auch, nunmehr sei für die meisten erstmal Rückzug ins Eigene angesagt, ins Ausruhen und Feiern und Pausemachen bei Kerzenschein, Christstollen und Marzipanverzehr, ging ich natürlich auch von einem großen und spürbaren Pausemachenwollen beim Geldspenden aus. Doch weit gefehlt! – Während dieser knapp vierzehn Tage gingen 2.631,47 Euro an Spendengeldern bei uns ein, 34 Spenderinnen und Spender griffen zum Teil noch einmal sehr tief ins Portemonnaie (bis über 500,- Euro an Einzelspenden waren dabei), und so wurde selbst der kleine Rekord vor Weihnachten mit seinen 1.304,61 Euro noch einmal sehr deutlich gebrochen! Nein, HdS-Leserinnen und HdS-Leser haben auch während der Feiertage der Welt nicht den Rücken zugekehrt, sie haben selbst während dieser Zeit der Privatpause von allem, was ansonsten draußen in der Welt geschieht, eben diese Welt nicht vergessen und vor allem nicht die Notleidenden auf dieser Welt! Ich danke Euch allen, im Namen des gesamten Teams, sehr herzlich dafür!

Und darf ich an dieser Stelle sogar ein ganz persönliches Dankeschön anfügen an diesen Dank? Anonym, lediglich mit einer Kurznachricht in Arial versehen „All das Gute, das Du anderen tust, kommt auf irgendeine Weise zurück“, konnte ich mich durch einen Brief mit eingereiht sehen in den Kreis derjenigen, denen Hilfe zuteil geworden ist (irgendwer muss da genau gelesen haben und auf den Trichter gekommen sein, dass ich als „Hartz-Vierer“ nun auch nicht gerade zu den Begüterten zähle). Vielen, vielen Dank auch für dieses ganz persönliche Zeichen der Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit – sozusagen ins Anonyme hinein!

Tja, und damit bin ich am Ende meines ersten Berichts zu unserer GriechInnenhilfe im neuen Jahr angelangt, und ich beende ihn zum Anfang dieses neuen Jahres so, wie ich den letzten Bericht zum Ende des letzten Jahres beschlossen habe – mit den obligaten, den gewohnten, den altvertrauten Hinweisen zu den Spendenmöglichkeiten bei uns:
Wer uns bei unserer Hilfe für Menschen in Griechenland unterstützen will, unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“, und wer auch uns Akteure wieder mal mit Organisationsgeldern helfen will (dann bitte unter dem Stichwort „HDS“), der überweise uns bitte Spendengelder auf das folgende Konto:
Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE
Und hier nochmal die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):
Peter Latuska
Theodor Heuss Str. 14
37075 Göttingen
Email: latuskalatuska@web.de
Mit herzlichen Grüßen
Euer Holdger Platta

Showing 4 comments
  • Bettina Beckröge

    Dieses ist der 50. (!) Bericht, der die Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland“ begleitet. Zu diesem Jubiläum möchte ich zunächst Holdger PLatta an dieser Stelle ganz herzlich gratulieren und meinen großen Dank aussprechen!
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    Die Berichte über die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in Griechenland sind erschütternd, wissend, das es dort inzwischen über 350.000 Familien gibt, in denen niemand mehr einen Job hat. Eine offizielle statistische Studie von Mai 2016 (das ist die aktuellste, die ich finden konnte) belegt den Leidensweg Griechenlands.
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    https://de.statista.com/themen/1333/griechenland/
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    Der „Braindrain“, die Auswanderung der geschulten Kräfte, der jungen Menschen mit qualifizierter Ausbildung, aus dem Land ist eine nur nachvollziehbare Entwicklung. Der braindrian ist nachvollziehbar, und doch zieht er etwas nach sich, was für die Griechen besonders schmerzhaft ist: das Auseinanderreißen von gewachsenen Familienstrukturen. Die Familie ist ein wichtiges Band für den Griechen, das in Notzeiten besonders zum Tragen kommt.
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    Nach wie vor ist es mir vollkommen suspekt, warum in den öffentlichen Medien das Thema der zunehmenden Verarmung in Griechenland, und die erforderliche Suche nach einem gemeinsamen EU- Lösungsweg nach wie vor verschwiegen wird. Manchmal beschleicht mich das ungute Gefühl, es sei eine verschwiegene Informationssperre verhängt worden, seit Mitte 2015, von ganz oben, vielleicht sogar direkt vom Bundesfinanzministerium der deutschen Bundesregierung.
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    Um so wichtiger, dass wir hier wöchentlich einen neuen Bericht über den Verlauf des Geschehens in Griechenland erhalten dürfen. Es freut mich sehr, dass die Zahl der SpenderInnen vor Weihnachten noch einmal so nach oben geschnellt ist. Möge dieser Trend beibehalten bleiben.

  • Josef

    Lieber Holdger,

    vielen herzlichen Dank für deinen Bericht. Besonders gefreut habe ich mich über den Fehler vom letzten Jahr, genauer, dass die Besteuerung der Spendengelder durch die griechische Regierung eine Falschmeldung war. So kommen die Spenden komplett dort an wo sie gebraucht werden.

    Wo keine Fehler unterlaufen wird nicht gehandelt, wobei das der größere Fehler wäre.

    Frage: Benötigen Helfer hier oder vor Ort (Reisen Griechenland) mehr Unterstütung in Form von Geldmittel?

    Bleibt mir nur, dir und dem gesamten Team der Griechinnenhilfe Gesundheit und viel Erfolg für das neue Jahr zu wünschen!

    Josef

  • Holdger Platta

    Lieber Josef,
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    um ganz ehrlich zu sein: Geldspenden sind uns im Prinzip lieber als Sachspenden. Das liegt einfach daran, daß unsere fachkundigen Außenmitarbeiter – das Team Apel und das Team Chatazatoglou – am besten wissen, was am stärksten benötigt wird. Und da Deine Frage vielleicht noch etwas anderes meint:
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    Geldspenden auch für ‚uns‘, für’s Organisieren also und für’s Reisen, wären inzwischen auch mal wieder hochwillkommen (= damit dieses Geld dann nicht abgezogen werden muß von den Beträgen, die doch eigentlich – möglichst zu einhundert Prozent! – den Hilfsbedürftigen und nur den Hilfsbedürftigen zugutekommen sollen). Ganz konkret: der von uns im vergangenen September zu Rate gezogene Göttinger Notar riet uns juristisch-verantwortlichen Organisatoren dringend an, im angelaufenen Jahr 2017 – tjajaja, so lautete das! – eine ‚Kontrollfahrt‘ nach Griechenland zu unternehmen, um selber prüfen und feststellen zu können, daß alle Spendengelder den Hilfszwecken zugeführt worden sind Das können wir Vorstandsleute der IHW, der „Initiative für eine humane Welt e. V.“, aber nicht aus eigener Tasche finanzieren (so gerne wir’s auch täten), weil wir selber „Hartz-Vierer“ sind, also über keinerlei eigene Gelder verfügen, mit deren Hilfe wir das bewerkstelligen könnten.
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    Ich werde in einem meiner nächsten Bericht nochmal ausdrücklich hinweisen darauf. Hier nur: es war und ist großartig, daß bislang die meisten Fahrkosten (eben die der beiden Außenteams!) von diesen selber aufgebracht worden sind – mit Beträgen, nebenbei, die nichtmal in unsere Spendenstatistik eingegangen sind, obwohl die Geldsummen zum Teil nicht gerade mickrig waren (mal über 1.000,- Euro, mal sogar über 2.000,- Euro; bei letzterem waren es geradezu Großtransporte, von Norddeutschland aus, mit hohen Frachtkosten für die Fähren Ancona bzw. Bari nach Korinth).
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    Dank für Deine Nachfrage, für Deine guten Wünsche und auch Dir alles, alles Gute fürs neue Jahr!
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    Herzlich
    Holdger

  • Peter Boettel

    Und einen Zynismus sowie Schamlosigkeit besonderer Art leistete sich Bundesinnenminister de Maizière, indem er Flüchtlinge von Deutschland nach Griechenland schicken will, obwohl er wissen sollte, dass sein „christdemokratischer“ Parteifreund Schäuble Griechenland mit seiner unmenschlichen Austeritätspolitik bereits ausgehungert hat.

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