Mystik: Erbarme dich meiner

Christusikone, Katharinenkirche, Sinai, 6. Jh.

Christusikone, Katharinenkirche, Sinai, 6. Jh.

Im Christentum gibt es eine lange Tradition der Versenkung, der Kontemplation und des innigen Gebets. Auch wenn diese Übungen nur noch von wenigen praktiziert werden, eröffnen sie eine Erfahrung des innersten Glaubens. (Quelle: Spuren)
http://spuren.ch/content/magazin/single-ansicht-nachrichten/datum////mystik-erbarme-dich-meiner.html

Showing 9 comments
  • Bettina Beckröge

    Erbarme dich meiner – und lass mir bitte die eisernen Kirchenregeln aus dem Spiel!
    .
    Passagen aus dem Text leuchten mir ein, aus eigenen Erfahrungen heraus. Und doch bin ich alles andere, als eine „Beterin“ im christlichen Sinne zu bezeichnen. „Beten“ im christlichen Sinne ist verbunden mit der unterwürfigen Haltung im Gebet, auf brettharten Holzbänken, im Knien, meist in einer unterkühlten und dunklen Kirche. Alles andere, als gute Voraussetzungen für ein meditatives Gespräch unter vier Augen. Die Steigerung dessen ist der Beichtstuhl. All das ist mir seit meiner Kindheit ein für alle mal vergrault.
    Wenn ich mit jemandem rede, sei es auch virtuelle an eine universelle Kraft gerichtet, dann möchte ich es in einer Athmosphäre tun, in der ich überhaupt reden kann. Eine harte Kirchenbank und eine Litanai an vorgesetzten Regeln verschließen mir die Sprache.
    Meine “ virtuellen Reden“ finden sich am besten beim Gehen in der ungestörten Natur. Da finde ich zu mir, da stört mich keiner, da lenkt mich nichts ab. Die Antworten erhalte ich i.d. Regel auf dem Weg. Irgendwo finde ich sie, am Wegsrand, in einem Baum, in einer Blume, in einer Lichtspiegelung im Wasser, in einem Vogelzwitschern oder im Rauschen des Blätterwindes.
    Das ist für mich Mystik.

  • Lesermeinung

    Sprach die Maus zur Katze: „Ich bete für dich, dass du mich nicht fressen wirst.“ Sprach ein Sünder zum Herrn: „Bete für mich, damit ich nicht gefressen werde.“ Sprach ein Feind zum Feinde: „Lass uns beten und glücklich werden.“

    Die Katze frass die Maus, der Herr sah zu, und der Feind frass seinen Feind, bevor er selbst gefressen wurde.

  • heike

    Zwischen Heilung und Verdammnis liegt heute nur ein schmaler Grat. Man darf sein Zuhause nicht verlieren, das ist das Wichtigste.
    Mögen alle guten Menschen ankommen.

  • heike

    Ich hätte nie gedacht, wie nah totale Überwachung un Knechtung der Seele sein können.

  • Bettina Beckröge

    “ Man darf sein zu Hause nicht verlieren “
    .
    Das sehe ich genauso, wie du, Heike.
    Ich gehe sogar noch weiter:
    Hast du ein Stück zu Hause für dich gefunden, dann hat keiner das Recht, daran zu rütteln. Das wäre so, als würde man der Schnecke das Schneckenhaus entfernen, oder der Muschel das Muschelgehäuse.
    Unser Zuhause, unser Rückzugsbereich ins „Ich“ ist ganz wichtig zum Überstehen.

  • heike

    Nicht jeder, der den anderen kalt und leer erscheint, ist es , weil er ein schlechter Mensch war oder ein schlechtes Leben geführt hat. Manche haben auch über ihre Maße anderen von sich gegeben oder wurden von anderen aus-, leergesaugt (man spürt den Sog).
    Ich kenne das Schneckenbild sehr gut.

  • maria

    Weise Zitate eines Mystikers

    Wäre das Wort „Danke“ das einzige Gebet, das du je sprichst,
    so würde es genügen.

    Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige;
    immer ist der wichtigste Mensch, der dir gerade gegenübersteht;
    immer ist die wichtigste Tat die Liebe.

    Willst du den Kern haben, so mußt du die Schale zerbrechen.

    Meister Eckhart (1260 – 1327)
    deutscher Mystiker und Provinzial der Dominikaner, starb unter der Anklage
    der Ketzerei

  • Bettina Beckröge

    Ich kenne das Schneckenblid zu genüge, nur möchte ich mich nicht weiter in Szene rücken. Also tue ich, was die Gesellschaft erwartet und schweige.
    .
    Wo Schiffe ferne lautlos gleiten,
    verlieren sie sich in den Weiten..
    .
    Le Silence de la Mer.

  • heike

    So ist der dumme mensch, wenn an den wurzeln seiner macht- und lebensstrukturen gesägt wird oder er den glaube hat, das dies getan wird, werden die entsprechenden menschen ganz schnell als ketzer entfernt und unschädlich gemacht. „Es geht um’s tun, und nicht um’s siegen…“, nicht wahr. Ich finde schon das es um das siegen von menschlichkeit und natürlicher menschlicher freiheit geht – aber besser man hat etwas getan, als man hätte etwas getan.
    Ich danke „meinem Meister Eckard“ und entschuldige mich für meine Schwä he – ich habe mein möglichstes getan. Gegen einen Ozean konnte auch ich nicht mehr anpfeifen und gegen Erpressung und Folter ist man machtlos.
    Viele reden zwar von der glei hen Sache, haben aber die dinge innerhalb ganz verschiedener positionen verfolgt oder real durchlebt. „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“

Hinterlasse einen Kommentar