Ellen – Noch immer will sie die Welt verändern!

Ellen Diederich

Etwas ganz besonderes: Unsere Autorin und Mitstreiterin Ellen Diederich wurde von der renommierten und aufrechten türkischen Schriftstellerin Pinar Selek für eine türkische Frauenzeitschrift proträtiert. Ellen selbst beschreibt Pinar Selek so: „Pinar Selek, die wunderbare türkische Schriftstellerin, seit Jahren durch die türkische Regierung verfolgt, 2 Jahre Gefängnis, Folter, mehrfach Freisprüche in ihrem Prozess, immer wieder Berufung durch die Justiz. Pinar und ich sind uns sehr nahe gekommen. Obwohl wir sprachliche Verständigungsprobleme haben. Oft hatte ich das Gefühl: Wir verstehen uns auch ohne Worte. Ihr Buch: ‚Zum Mann gehätschelt, zum Mann gedrillt‘ ist eine sehr scharfe Analyse der Mannwerdung in der Türkei. Viele Menschen setzen sich für Pinar ein. Sie hat die Türkei vor längerem verlassen, war zunächst in Deutschland, Stipendiatin der Heinrich Böll Stiftung, dann des Schriftstellerverbandes und lebt jetzt in Frankreich und hat dort Asyl bekommen. (Pinar Selek)

Manchmal möchte ich an das Schicksal glauben oder ich würde sagen; die Welt ist so klein, obwohl ich daran glaube, dass die sehr groß ist.
Wahrscheinlich würde jeder sich so fühlen, wenn Ellen anfängt zu sprechen.

Laufende Geschichte, nein, nein lebende Geschichte. Nein, eigentlich ist sie eine Geschichte die fortfahren und nicht in Vergessenheit geraten werden will. Sie ist eine Geschichte, die für die Freiheit und Gerechtigkeit mit ihrem Leben einsteht.

Warten Sie, ich fange ganz von vorne an:
Ich habe sie vor 5 Jahren bei einer internationalen Frauen Konferenz in Triest zum Thema Gewalt gegen Frauen kennen gelernt. Etwa 200 Frauen waren aus aller Frauen Länder der Welt gekommen. Da haben wir uns gefunden und ohne viel zu sagen, viel voneinander verstanden. Mit dieser Frau, die zu der Zeit 64 Jahre alt war, habe ich mich sehr schnell in dieser Menschenmenge gefunden und verstanden gefühlt aber wie? Daran erinnere ich mich nicht mehr. Wir waren beide Referentinnen, haben uns manchmal von langatmigen Reden der Konferenz entfernt und sind zum Hafen gegangen. Unsere Verständigung war nicht gerade einfach. Sie spricht nicht Türkisch, ich nicht Deutsch, mein Englisch ist bescheiden, ihr Französisch noch mehr. Und doch: Drei Tage lang, während der Konferenz fühlten und erstaunten wir selber wie wir über das Gleiche dachten und sagten.

Danach habe ich Ellen Diederich, die gegen Armut, Krieg, jeglicher Ausbeutung, Sexismus und Diskriminierung mit einer 68‘er Seele ohne eine Pause kämpft, mit der Zeit kennen gelernt. Durch Internet hatten wir Kontakt.

Bei meiner letzten Reise nach Deutschland stand sie plötzlich vor mir. Sie war informiert über mein Schicksal.

Pinar Selek

(Zur Information: Pinar Selek wurde in der Türkei eines Anschlages auf einem Markt in Istanbul angeklagt. Sie war zweieinhalb Jahre im Gefängnis, wurde schwer gefoltert. In mehreren Gerichtsverhandlungen wurde festgestellt, es war kein Anschlag, sondern eine Gasflasche an einem Stand ist explodiert. Dreimal wurde sie freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft legte jedes Mal Berufung ein. Zuletzt wurde sie zu lebenslangem Gefängnis unter verschärften Bedingungen verurteilt. Sie hat kritische Bücher über die türkische Gesellschaft, das Militär, die Kurden, Frauen und Männer geschrieben, z.B. „Zum Mann gehätschelt, zum Mann gedrillt“, auch in Deutsch erschienen, ist Mitherausgeberin der türkischen Frauenzeitung „Amargi“. Um dem erneuten Gefängnis zu entkommen, ging sie zunächst nach Deutschland. erhielt ein Stipendium der Heinrich Böll Stiftung, anschließend eines vom Schriftstellerverband, später ging sie nach Frankreich ins Exil, beendete in Straßburg ihre Dissertation. Ihr Fall erhielt international große Aufmerksamkeit. Ohan Pamuk, Noam Chomsky, Günther Wallraff und viele andere setzen sich für sie ein. Die Türkei wollte sie mit einem internationalen Haftbefehl suchen lassen. Das wurde abgewiesen, in Frankreich bekam sie Asyl. E.D.)

Weiter Pinars Bericht:
Nach dem ich in das Heinrich-Böll Haus eingezogen war, hörte ich am Telefon ihre Stimme. “Ich komme zu dir“ sagte sie und ohne zu zögern kam sie – mit großen Koffern. Mich wunderte es, warum für eine Übernachtung so viele Koffer nötig waren. Ja, doch, sie hat einen Koffer auf gemacht; Käsesorten, Marmeladen, hausgemachte Kuchen und einiges zum Kochen. Sie hat zuerst für mich das Essen vorbereitet, den Tisch gedeckt. Wir unterhielten uns langsam aufgeregt und mit Tränen. Danach wurde der zweite Koffer geöffnet. Die große Frau kam mich im wahrsten Sinne des Wortes, zu füttern! Aus dem zweiten Koffer nahm sie ihre eigene Geschichte heraus. Sie fing an zu erzählen:

Ellen erzählte über ihr Leben, über ihre Sorgen, zeigte mir Bilder.
Sie zeigte mir: Du bist nicht allein. Sie kam, mir Kraft zu geben. Sie nahm aus dem Koffer viele Bilder heraus, zuerst von Angela Davis. Sie erzählte über Verschwörungen, das Verfahren gegen und Kampagnen für sie. Dann nahm sie die Frauenbilder aus El Salvador, Mexiko, Irland, Palästina und viele andere, an deren Leben sie teilgenommen hat. Sie erzählte ihre Geschichten. Sie nahm zwei große Aktenordner heraus, stellte ihren Rücken gerade, hielt meine Hand fest und sagte mir; „es gab eine Reihe Liebesgeschichten in meinem Leben. Zwei davon habe ich Dir mitgebracht.“

Ich schlug den ersten Aktenordner auf, heraus kam Rudi Dutschke. In dem zweiten Ordner war Fasia Jansen, die schwarze Sängerin der Friedensbewegung in Deutschland, eine feurige Stimme des Friedens- und Freiheitskampfes.

Neben ihren Kindern waren ein Mann und eine Frau im Mittelpunkt ihres Lebens, ihre Lieben. Ellen erzählte mir ihre Lebensgeschichte. Ihre Lebensgeschichte tanzte mit der Geschichte und Ellen erzählte sie mir.

Später ging ich zu ihr nach Oberhausen, in ihre Wohnung. Ihre Wohnung ist ein Ausstellungsort, fast ein Museum, ein Spiegelbild ihrer Erfahrungen. Das ist ein existentialistisches Bild, in dem ihre ganzen gedanklichen und seelischen Erfahrungen und Erinnerungen, was sie angefasst, was sie gesehen und womit sie sich beschäftigt, wofür sie gekämpft hat, am Leben gehalten wird.

In der Wohnung sieht man sofort große Bilder von Rudi und Fasia und eine Ecke mit Frida Kahlo.
Die Wohnung ist wie ein Schauplatz, auf dem sich die Erinnerungen vieler Kämpfe der Welt zeigen, nicht nur mit Fotos, Skulpturen sondern auch mit Büchern, Heften, Notizen, Fotos, Videos und vielen anderen Dingen… Im Hof sind die gemieteten Räume für die Öffentlichkeit, in denen Dokumente einer 50 jährigen Friedensarbeit und der Frauenbewegung in einem Archiv stehen. Ich fasste mit voller Aufregung einiges an, meine Augen staunten, umarmte die jung gebliebene, alte-junge Frau, die mich mit ihren fragenden Augen „na, was machen wir jetzt?“ erblickte.

Danach fingen wir an gemeinsam einiges zu machen und ich wurde Zeugin, wie sie unermüdlich oder ohne ihre Müdigkeit wahrzunehmen von einer Aktivität zu der Anderen, von einer Konferenz zu Anderen ging, über eine kleine positive Entwicklung auf der Welt sich freute, über die kleine negativen Dinge sich ärgerte, Sorgen machte.

Wer war diese Frau eigentlich? Ich habe mich damit auseinandergesetzt und was ich aus meiner Neugier herausgefunden und als seltsame wunderbare Geschichte gelernt habe, darf ich nicht für mich behalten.

Ellen ist im Ruhrgebiet in eine sozialistische Arbeiterfamilie im Jahr 1944 in einer Bergmannssiedlung geboren. Es war das Jahr der großen Angriffe auf das Ruhrgebiet. Jede Nacht Bunker, die Angst der Mutter. Der Anfang des Lebens also im Krieg, wird sie Zeugin des Elends in der Nachkriegszeit. Heute würde man einen solchen Zustand als Traumatisierung bezeichnen, versuchen, etwas dagegen zu machen. Zu der damaligen Zeit existierte da noch nichts dergleichen.
Hunger, Tod, Verletzungen, Durcheinander, immer das Leid, bestimmen die ersten Lebensjahre. Ihre Eltern waren sehr aktiv, kümmerten sich um heimatlose, straffällig gewordene Jugendliche, organisierten Zeltlager und Veranstaltungen. Sie konnten alles liegen lassen um den Kampf weiterzuführen. Zwischen Aktivitäten, Versammlungen wird Ellen groß. Ihre Mutter machte mit Kindern ein Theaterstück gegen den Krieg. Ellen war vier Jahre alt, spielte das Stück zuhause in der Küche nach.

Ihre Eltern bauten mit den Falken, der Jugendorganisation der SPD, eine im Krieg zerbombte Schule wieder auf. Sie zogen in den nach der Bombardierung einzig übrig gebliebenen Raum. Es gab keine Toilette, Mäuse hatten sich dort ihr Zuhause gesucht. Es wurde notwendig, Tag und Nacht Steine zu klopfen. Das heißt, die nach der Bombardierung übrig gebliebenen Steine vom Mörtel zu befreien, um sie wieder verwenden zu können. Die ganze Aktion war unter den Nachkriegsbedingungen sehr schwierig. Sie schafften es und öffneten danach das Tor für die elternlosen, heimatlosen, in den Nachkriegswirren straffällig gewordenen jungen Männer, um ihnen Kraft zu geben, wieder leben zu können und um gemeinsam die Kriegswunden zu überwinden. Als das Haus wieder aufgebaut war, lebte die Familie zusammen mit den Jugendlichen in diesem Haus.
Ihre Mutter kochte für 40-50 Personen das Essen, ihr Vater arbeitete bei diesen Arbeiten mit. Das Geld war immer knapp, so begann er Schweine, Hühner, Gänse zu züchten, wurde der Organisator für die notwendigen vielfältigen Aufgaben.
7 Jahre später wird dieses Haus zum Kongress- und Bildungszentrum für Falken und Gewerkschaften umgewandelt. Das drängende Problem mit den Jugendlichen war nicht mehr so groß.

Nach den ersten schwierigen Jahren der Kindheit aufgrund der Kriegserfahrungen wurden die Zeit bis zu ihrem 18. Lebensjahr eine gute, liebevolle und bewegte Kindheit und die Teenager Jahre. Ständige Begleiter waren Bücher und Lieder gegen Faschismus und Krieg. Sie lernte zuerst „Nie wieder Krieg“ zu sagen. Keine Phantasie, kein Vorhaben sollte dafür erfüllt werden um den Menschen dieses schreckliche Leben noch einmal zuzumuten.

Mit 13 Jahren las sie das Buch von Walter Poller: Der Arztschreiber von Buchenwald. Er, später Journalist, war dort gezwungen, die Protokolle über medizinische Versuche an den KZ-Häftlingen zu schreiben. Ellen las das Buch versteckt unter dem Schreibtisch ihres Vaters. Sie war tief erschüttert, kam unter dem Tisch heraus und sagte: „ Ich muss etwas tun damit so etwas nie wieder passiert.“ Sie fühlte sich nicht schuldig aber verantwortlich dafür, daß nie wieder solche Gräuel geschehen sollten. Sie würde alles dafür tun. Sie engagierte sich bei den Falken, der Jugendorganisation der SPD. Sie nahm an Seminaren, Veranstaltungen und Zelten der Organisation teil, lernte dadurch viele Orte und einige Länder, Grundformen von Demokratie kennen. Die Zeltlager waren als Dörfer mit BürgermeisterInnen organisiert, es gab ein Lagerparlament, für das VertreterInnen gewählt wurden.
Sie wird nie zusammen mit einer Gruppe den Besuch des Anne-Frank Hauses in Amsterdam vergessen. Sie liest viel. Böll, Brecht, Tucholsky, Kästner, Gorki…
Sie diskutieren über viele politische Fragen, auch über die zunehmende Gefahr der atomaren Rüstung. Die Leiden der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki sind ihr bewusst. Sie hört von den Auswirkungen der oberirdischen Atomtests auf das Leben und die Gesundheit. Sie lernt, was Strontium 90 ist, hört vom Bikini Atoll.
Mit 15 Jahren wird sie von einem Foto sehr beeindruckt. Das Foto zeigt den britischen Nobelpreisträger Bertrand Russell, wie er, über 80 Jahre alt, während einer Protest-Aktion vor dem Atomforschungszentrum Aldermaston, weggetragen wird. Sie hört von der britischen Anti-Atom Kampagne.
Die Atomgefahr wird ihr immer deutlicher. Sie nimmt mit 16 an dem ersten dreitägigen Ostermarsch gegen Atomwaffen durch das Ruhrgebiet teil. Im ersten Jahr gehen die Falken mit. Im darauf folgenden Jahr schwenkt die SPD auf die Bejahung zur NATO um, somit auch auf die Zustimmung zur atomaren Bewaffnung. „Uns wurde verboten, weiter an den Vorbereitungsausschüssen der Ostermärsche teilzunehmen.“ Ellen nahm trotz dieses Verbots teil und wird, zusammen mit vielen anderen, von der Organisation ausgeschlossen. Das tut ihr sehr weh, macht sie aber auch immun gegen jede Art von Hierarchie. Sie verspricht sich, dass sie nie in eine Partei gehen wird.

Sie sucht nach einer neuen Organisationsform. Sie findet eine etwas exotische, hierarchielose Gruppe, in der bislang nur männliche Teilnehmer waren, die dj.1.11, die Deutsche Jungenschaft vom 1.11.1929. Es war die einzige Gruppe der bündischen Jugend, die 1932 sich mit der Linken gegen die Erstarkung der Nationalsozialisten verbündete. Diese Gruppe orientierte sich u.a. an den Kollektiv Formen, wie sie Anton Semjonowitch Makarenko, der große sowjetische Pädagoge in seinem Pädagogischen Poem „Der Weg ins Leben“ beschrieben hat. Die jungen Leute in Deutschland versuchten, sich nach Prinzipien als Selbsterringende zu organisieren, also Neues zu gestalten, nicht zu wiederholen. In der Ästhetik orientierten sie sich an der Moderne, am Bauhaus. Sie waren jedes Wochenende unterwegs, lernten Bogenschießen, sammelten Lieder aus der ganzen Welt. Unter den Nazis verboten, erstanden nach dem Krieg wieder einige Gruppen. Sie waren aktiv gegen den Krieg, schrieben Gedichte, spielten Theaterstücke von Brecht, machten Musik. Sie nahmen keine normalen Zelte, sondern Kothen, Jurten, Zelte wie sie die Samen im ho-hen Norden haben, Zelte, in denen man Feuer machen kann. Die Kothen wurden auf dem Rücken transportiert, die Gruppe wanderte in die Welt mit Autostop, nahmen an den Aktionen teil in Schottland, Frankreich und Holland, gingen gemeinsam zum Ostermarsch gegen Atomwaffen, probierten alles, was neu war.
Sie besuchte das konservative Goethe-Mädchengymnasium in Dortmund-Hörde. In ihrer Klasse war sie das einzige Kind aus einer Arbeiter Tradition. Sie fand sich dort nicht zurecht, wurde von LehrerInnen und Mitschülerinnen diskriminiert. „Dein Pullover ist wohl das neueste Modell von C&A“!
„Wenn man nicht richtig Deutsch kann, sollte man nicht noch Französisch lernen wollen“. Französisch Lehrer.
„Und für so was wie dich, zahlt der kleine Mann auf der Straße Steuern, damit so etwas wie du hier zur Schule gehen können!“ Mathematik Lehrer.
Sie hat schlechte Noten, geht von der Schule ab, beginnt eine Lehre in einem Anwaltsbüro.

Nach der Schule beginnt sie zu lernen. In der VHS lernt sie Sprachen, Geschichte und Politik, Leo Kofler lehrt dort, sie ist begeistert vom Film Programm. Für 50 Pfennig Eintritt werden wöchentlich die besten Filme der Filmgeschichte gezeigt. Sie lernt die Werke von Eisenstein, Tati, Bunuel, Antonioni and anderen kennen.

Ellen trifft in der dj.1.11 Jerken, den späteren Vater ihrer Kinder. Sie wird schwanger, will ihren Eltern davon erzählen. Die Mutter fragt: „Was ist denn?“ Der Vater sagt: „Ja, weißt du das denn nicht?“ Am nächsten Morgen geht er los und besorgt eine Wohnung. Ellen und Jerken heiraten sehr jung, sie ist 19, er 20 Jahre alt. 13 Monate nach der Geburt des ersten Kindes, Kati, wird Falk geboren. Ellen wird Hausfrau und Mutter. Jerken arbeitet als Schriftsetzer Nachtschicht bei einer Zeitung. Wenn der Vater Nachtschicht arbeitet, müssen alle am Tag möglichst still sein. Mit zwei kleinen Kindern ist das nicht einfach zu machen.
Sie haben beide die Traditionen der dj.1.11 verinnerlicht, singen viel, Lieder aus der ganzen Welt. Sie hören vom Song Festival auf der Burg Waldeck, fahren jedes Jahr dort hin. Dort treffen sie auf eine Atmosphäre, die sie sehr mögen und Sänger und Sängerinnen, die später sehr bekannt wurden. Auch die Ostermärsche gegen Atomwaffen bleiben für beide Aktionen, an denen sie sich beteiligen.

Die 68er Bewegung war die politisch wichtigste Erfahrung in ihrem Leben. Sie ist keine Studentin, sondern Hausfrau und Mutter. Diese Bewegung bedeutet Befreiung im Denken und Handeln. Unzählige Aktionen gegen die Notstandsgesetze, den Vietnam Krieg, für andere Kindererziehung, Arbeitsbedingungen, theoretische Erkenntnisse kamen hinzu. Wichtig war aber auch die Musik von deutschsprachigen LiedermacherInnen wie Konstantin Wecker, Franz-Josef Degenhardt, Fasia Jansen, Walter Mossmann, die Schmetterlinge und von internationalen politischen SängerInnen wie ihr Lieblingssänger Ali Primera aus Venezuela. Unter Hugo Chavez wurde Ali Primera zum Nationalerbe von Venezuela erklärt. Weiter waren es Miriam Makeba aus Südafrika, Bob Dylan, Joan Baez und Pete Seeger aus den USA, Mikis Theodorakis und Maria Farantouri aus Griechenland, José Alfonso aus Portugal, Victor Jara und Inti Illimani aus Chile, die Pop MusikerInnen wie Beatles und Stones, Janis Joplin, die Doors, Frank Zappa, die Reggae MusikerInnen Bob Marley und Peter Tosh und viele andere.

Später, in der 68er Bewegung machten sie Versuche, Sexualität nicht nur mit einem Menschen zu leben, um den Besitz an Menschen im Rahmen der bürgerlichen Kleinfamilie zu zerstören. Ellen erzählte, daß dies theoretisch verständlich war, die Gefühle aber Jahrhunderte hinterhinkten.

Nachdem Ellen hintereinander 2 Kinder bekam, blieb sie einige Zeit zu Hause. An den 68‘er Aktionen nahm sie als Mutter und Hausfrau teil. Ihre Erfahrungen des Mutter-Seins zeigte ihr die Wertigkeit der Alternativerziehung von Kindern. Sie las viel, nahm an Diskussionen mit ihren FreundInnen teil. Um die neuen Wege der antiautoritären Erziehung für Kinder diese frei aufwachsen zu lassen, initiierte sie „den ersten antiautoritären Kinderladen im Ruhrgebiet“. Diese Kinderläden wurden mit der Zeit sehr verbreitet. Die große Debatte um Erziehung trug viel dazu bei, daß sich Kindererziehung in Deutschland insgesamt veränderte.

Als Ellen für ihre Kinder einen Weg geebnet hatte, engagierte sie sich wieder mehr für die allgemeinen politischen Fragen.
Ihr Ehemann, Grafiker von Beruf, orientierte sich immer stärker an der Künstlerszene, probierte auch Drogen aus. Die allzu frühe Heirat brachte mit sich, dass sich beide in starke Veränderungsprozesse begaben. Die Entwicklung ging auseinander. Ihre Wege trennten sich.

Ellen wollte mit den Kindern in eine Kommune mit Eltern und Kindern ziehen. Die Liebe kam dazwischen. Sie verliebte sich in einen Wissenschaftler von der Universität Marburg, entschied sich, mit ihren Kindern nach Marburg zu gehen. Die Universität war ein völlig neuer Erfahrungszusammenhang. Fremd, theoretisch, doch auch mit dem Versprechen, lernen zu können. Sie entschied sich, das Abitur nachzumachen und begann, Sozialwissenschaften zu studieren. Langsam verschwand die Fremdheit sie wurde eine sehr engagierte und erfolgreiche Studentin und schloss ihr Studium mit bestem Examen ab.

Der Professor, ihr Freund und damaliger Lebenspartner, lernte nach fünf Jahren eine andere Frau kennen und verliebte sich in sie. Er machte den Vorschlag eine neue Kommune zu gründen, zusammen mit seiner neuen Freundin, aber Ellen lehnte dies in Erinnerung an alte Negativ Erfahrungen ab.

Plötzlich stand sie wieder allein, mit zwei Kindern und ohne Geld. Es war eine bittere Zeit, sie hat diesen Mann sehr geliebt. In dieser Zeit schloss sie sich sowohl einer linken Studentengruppe an, gründete eine Gruppe von allein erziehenden Müttern, arbeitete in beiden aktiv mit. Mit der Zeit erkannte sie es als Vorteil an, sich von dem Professor getrennt zu haben. Endlich konnte sie sich ohne auf ihn zu starren, selbständig weiter entwickeln. In der Frauengruppe lernte sie Frauen unterschiedlichster Herkunft und Erfahrung kennen, aber das Zusammengehörigkeitsgefühl war dort stets vorhanden und es ging dort sehr warmherzig im Unterschied zu der linken Studentengruppe, in der die Beziehungen kalt waren. Ellen erinnerte sich mit Sehnsucht an diese Zeit mit der ihr liebgewordenen Frauengruppe zurück. Überhaupt wurde die Frauenbewegung der nächste wichtige Zusammenhang, in dem sich tief gehende Lernprozesse, Aktionen und ein anderes Verständnis von Gesellschaft entwickelten.

Die Finanzsituation verbesserte sich, Eine Zeitlang unterstützte sie der Professor noch, dann erhielt sie ein Stipendium der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung, das reichte aber nicht für 3 Menschen. Also arbeitete sie neben Studium, Kindern und Haushalt. Der Vater zahlte keinen Unterhalt. Ein Freund gab 200 DM im Monat zum Haushalt hinzu. Dieses Geld mußte nicht zurückgezahlt werden, sondern später, wenn Ellen verdienen könnte, würde es von ihr weiter ge-geben werden.

Längerfristig gründete sie eine Wohngemeinschaft mit anderen Frauen, so konnten die Bedürfnisse nach lernen, politischer Arbeit und der Kinder besser befriedigt werden.

Die 68er-Generation würde kämpferisch die Welt verändern, das war ohne jede Frage und Zweifel. Sie hatten es sich vorgenommen und waren überzeugt, wir werden das schaffen. In Paris taten sich StudentInnen und ArbeiterInnen zusammen. Am 19. Mai legten in Frankreich über 2.000.000 ArbeiterInnen die Arbeit aus Protest nieder. Ähnliche Prozesse gab es auch in Italien. In Deutschland gab es in dieser Zeit keine Arbeitsniederlegungen, aber auch hier war der Protest unüberhörbar. Angetrieben von Studentengruppen wurde für mehr Freiheit und gesellschaftliche Veränderungen gekämpft.

Mit diesen kämpferisch eingestellten Studentengruppen war Ellen die ganze Zeit zusammen. Es gab Idole: „Che Guevara für den subjektiven Willen und die Bereitschaft zur Revolution, Ho Chi Minh für die Aussicht der Armen auf den Sieg, Mao-Tse Tung für die Gleichheit.“ (Rossana Rossanda)
Über diese Symbolgestalten wurde in den Studentengruppen lebhaft diskutiert. Die Bewegung spaltete sich in Gruppen, die sich eher an Peking orientierten, andere an Moskau, dritte einen undogmatischen Sozialismus wollten.

Diese Zeit war durch Männer geprägt. Männerköpfe waren auf den Plakaten. Doch den Kopf einer Frau gab es, die zum Symbol für den Slogan: „Black is beautiful“ wurde: Die Afro-Amerikanerin Angela Davis. Ihr Gesicht wurde zum Symbol für den Widerstand der Schwarzen gegen das herrschende weiße kapitalistische System. Angela wurde unter falschen Beschuldigungen angeklagt. Ihr drohte die Todesstrafe oder lebenslanges Gefängnis. Weltweit gab es Aktionen für ihre Freilassung, an denen Ellen sich beteiligte. Zum Glück wurde Angela Davis in allen Anklagepunkten freigesprochen. Bei der Weltfrauenkonferenz in Nairobi lernte Ellen Angela Davis kennen. Sie trafen sich bei internationalen Aktionen, Ellen lernte sie, ihre politische Arbeit kennen und schätzen. Nach dem Tod von Ellens Freundin Fasia lud Angela Ellen ein, zu ihr nach Kalifornien zu kommen.

„Die HeldInnenverehrung der Linken war mir immer sehr fremd. Ich wollte nie eine(n) HeldIn haben. Im Englischen ist im Wort Heldin –heroine – das Wort Heroin. Also eine Droge. Als ich das kapiert habe, habe ich gesagt: In diesem Leben will ich keine HeldInnen haben. Hätte ich eine gehabt, so wäre das Angela Davis. Sie hat mich beeindruckt in ihrer Kontinuität, ihrer Standhaftigkeit. Ich schätze sie sehr.“

In dieser Zeit wurde viel diskutiert. „Was ist Sozialismus, was Kommunismus“; „Ist im westlichen Europa Kommunismus möglich?“; „Lassen sich Sozialismus, Freiheit und Feminismus vereinbaren?“ „Was ist mit Deutschland?“; „Wie soll künftig das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Parteien gestaltet werden?“; „Wie kann man anfangen für Unabhängigkeit zu kämpfen?“. Mit all diesen Fragen beschäftigte sich auch Ellen täglich. Es war eine Zeit des Auf- und Umbruchs und Ellen nahm aktiv Anteil daran. Linke politische Gruppen waren in dieser Zeit sehr stark, hatten Einfluss auf das allgemeine politische Klima, auch auf politische Parteien.

Zu dieser Zeit fasste Ellen für sich persönlich den Vorsatz stets unabhängig zu bleiben, und sie blieb auch unabhängig. Tätig wurde sie sowohl gewerkschaftlich wie auch in Studentengruppen. Sozialistische Ideen waren in dieser Zeit überall stark vertreten. Ellen sah die Begrenzungen, auch über ihre Reisen in die sozialistischen Länder. Es blieb ein stark kritisches Verhältnis.

Als der 68er-Wind vorbei war spaltete sich die linke Bewegung in verschiedene kleinere Gruppen, der Zusammenhalt zerbrach.

1975 hörte sie Rudi Dutschke an einer evangelischen Akademie und war davon sehr beeindruckt. Rudi war das Symbol der Studentenbewegung, kritisierte den Kapitalismus, trat kämpferisch für jede Art von Freiheit ein.

„Sich selbst zu verändern,
glaubwürdig zu werden,
andere Menschen zu überzeugen
und allen möglichen Formen
von Ausbeutung und Terror entgegen zu wirken
das mag in manchem Augenblick
ungeheuer schwer erscheinen,
und dennoch gibt es dazu keine Alternative.“

Rudi Dutschke

In Rudis Worten findet Ellen sich selbst wieder, ist auch sehr angetan von seiner Wärme und Menschlichkeit.

In der BRD hatte sich die Rote Armee Fraktion (RAF) gebildet, die versuchte, mit Waffengewalt und Ermordungen das System anzugreifen. Ellen war immer strikt gegen diese Art der politischen Aktion. Der Deutsche Herbst 1976 war gekennzeichnet durch die Ermordung verschiedener Repräsentanten des politischen und wirtschaftlichen Systems der BRD.

Die Staatsmacht reagierte. Berufsverbote, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen, Polizeigewalt, Prozesse und Gefängnisstrafen wurden durchgesetzt.
Das Russell Tribunal zur Situation der Menschenrechte in der BRD wurde installiert. Dort wurde das ganze Ausmaß der politischen Veränderung analysiert und öffentlich gemacht. Ellen arbeitete im Sekretariat des Tribunals, Rudi Dutschke interessierte sich für das Tribunal. Ellen und er kamen sich hierüber nähe
r und verliebten sich. Rudi war mit einer Amerikanerin verheiratet, sie haben zwei Kinder. Sie hatten ihren Wohnsitz in Dänemark, seit dem Attentat 1968 auf Rudi, das er nur knapp überlebte, hatten sie Angst, sich in Deutschland niederzulassen. Bei dem Attentat, das von einem jungen Rechtsradikalen ausgeführt wurde, hatten Rudi drei Kugeln getroffen sein Sprachzentrum zerstört. Er mußte wie ein Kind wieder sprechen lernen. Bei Rudi setzte sich der Wunsch, nach Deutschland zurück zu kommen, nach und nach immer mehr fest. Rudi Dutschke und Ellen gingen ein Stück weit gemeinsam durchs Leben, die Beziehung war sehr widersprüchlich. „Rudis Priorität war die Politik. Musik, Kultur, Genuss waren ihm fremd. Als das Militär in Chile putschte, die Regierung Allende vernichtete und unzählige Menschen ermordet wurden, lernten wir u.a. viel über die chilenischen Musikgruppen wie Inti Illimani und Sänger wie Victor Jara, Schriftsteller wie Pablo Neruda. Rudi war eine solche Aufnahme von politischer Information fremd.“ Ellen dis-kutierte mit ihm, dass, wenn man die Musik, die Poesie eines Landes nicht verstünde, man auch seine Politik nicht verstehen könne. Rudi lernte dazu, änderte sich auch. Als der große griechische Musiker, Komponist und Sänger Mikis Theodorakis nach Frankfurt kam, gingen beide in sein Konzert und durften ihn kennen lernen. Die Interessen der beiden näherten sich auf verschiedenen Gebieten einander an. Es gab viele kontroverse Diskussionen über Feminismus und Sozialismus. Es war nicht so einfach, Rudi die Sache der Frauen klar zu machen.

1979 starb Rudi an den Spätfolgen des Attentats auf ihn. Als Folge des Attentats litt er unter Epilepsie. Er ertrank bei einem solchen Anfall in der Badewanne. Am Heiligen Abend 1979 erfuhr Ellen von seinem Tod aus dem Radio. Deprimiert klagte sie diesen absurden Tod an. Monatelang fand sie nicht aus ihrer Trauer heraus. Sie erinnerte sich immer wieder an die sehr lebendigen Unterhaltungen, lebhaften Diskussionen und die Erfahrungen der Liebe mit ihm. Die fünf gemeinsamen Jahre mit ihm kamen ihr wie ein ganzes Leben vor.

Aber Ellen blieb nicht stehen. In dieser Zeit begann sie nach Abschluss ihres Studiums in der feministischen Zeitschrift Courage in Berlin zu arbeiten. Aber diese Arbeit dauerte nicht lange. Die dort existierende Männerfeindlichkeit und die dort herrschende verdeckte Hierarchie passten nicht in Ellens Gedankenwelt. Es wurde auch wenig Rücksicht auf Frauen mit Kindern genommen.

Später nahm Ellen eine Arbeit in der undogmatischen, intellektuellen Gruppe „Sozialistisches Büro“ in Offenbach auf. Hier hatten sich viele namhafte Intellektuelle organisiert, die Aktionen machten und Bücher herausgaben. Ellens Diskussionszentrum war der Club Voltaire in Frankfurt und sie gab Kommentare in Zeitungen.

Aber auch hier bekam sie Schwierigkeiten. Sie war die einzige Frau, die im Büro arbeitete. Trotz großen Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens konnte sie die Interessen der Frauen dort kaum einbringen. Frustriert gab sie die Arbeit dort nach zwei Jahren wieder auf. Die feministischen Gruppen und die links eingestellten Männer waren scheinbar unvereinbar für gemeinsame Arbeit. Sie las und las, erneuerte ihre Mitarbeit in den feministischen Gruppen und Aktionen wie die gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen. Es war sehr viel Arbeit und Ellen engagierte sich mit großem Eifer und viel Zeitaufwand.

Zum Zwecke des Geldverdienens nahm sie die unterschiedlichsten Tätigkeiten und Arbeiten an. Sie machte Bildungsveranstaltungen, nahm mit vielen engagierten Frauen an den Frauen-Friedensmärschen teil, u. a. 6 Wochen lang von Kopenhagen nach Paris, von Berlin nach Wien, von Dortmund nach Brüssel. Die Märsche wurden von Frauen organisiert, Männer und Kinder waren eingeladen, teilzunehmen. Der Marsch von Kopenhagen nach Paris begann mit 500 TeilnehmerInnen, als sie in Paris ankamen, waren sie 10.000. Das Ziel war, überall über die Atomgefahr zu informieren und zu fordern: Macht Eure Stadt, Euren Landkreis zur atomfreien Zone. Das Zusammenkommen und Zusammenfinden dieser Gruppen gestaltete sich teils sehr schwierig, aber alle waren mit Begeisterung und Enthusiasmus dabei. Als Beispiel sei genannt: Eine der Frauen verkaufte, als der Marsch mit Schulden abschloss, ihre Wohnung zum Zwecke der Finanzierung dieses Friedensmarsches. In der Sowjetunion wurde das publiziert, dort wurde Geld gesammelt, die Frau konnte ihre Wohnung wieder erstehen.

Ellen erinnert sich, wie zufrieden sie sich in diesen Gruppen fühlte. Es hat sich für sie gelohnt, daran teilzunehmen, meint sie auch noch heute. Bei dieser Gelegenheit traf sie auch Fasia wieder. Sie kannte sie als Sängerin der frühen Ostermärsche gegen Atomwaffen. Fasia war „die“ Sängerin der Friedensbewegung. Sie verliebten sich ineinander. Fasia lebte in Oberhausen, sie machten eine große Frauenaktion am großen Festtag 1. Mai bei den Ruhrfestspielen, arbeiteten und lebten dann 16 Jahre bis zu Fasias Tod zusammen. Es war eine sehr produktive Beziehung, die auch viel Streitlust kannte. Ellen mit ihrem antiautoritären Denken und Fasia als klassische Sozialistin kamen aus unterschiedlichen Erfahrungszusammenhängen und mußten manchmal mühselig lernen, sich zu verständigen. Beide organisierten gemeinsam mit anderen zusammen die internationalen Friedensmärsche, und gleichzeitig bemühten sie sich, die in dieser Zeit im Ruhrgebiet stattfindenden Arbeitskämpfe gegen die Schließung von Stahlwerken, bei Hoesch, dem Schalker Verein, bei Krupp in Rheinhausen zu unterstützen. Mit diesen Tätigkeiten und der Liebe zu Fasia war das Leben ausgeglichen. Sie arbeitete vorübergehend in verschiedenen Stellen. Sie hatten nie viel Geld, das war aber auch nicht wichtig. Die gemeinsame Friedensarbeit war der Motor ihres Lebens.

Im Jahre 1983 wurden beide zusammen zur Welt-Friedenskonferenz nach Prag eingeladen, und Fasia und Ellen packten begeistert ein Auto mit vielen Postern und Plakaten und fuhren gemeinsam nach Prag.

Als sie zur Konferenz kamen, trafen sie dort u.a. die erste Frau im Weltraum, die Astronautin Valentina Tereskova. Sie war das Idol für die Frauen aus den sozialistischen Ländern, Sinnbild dafür, daß Frauen alles erreichen konnten. Sie war die Leiterin der sowjetischen Delegation. Diese hatten Fotos über die Arbeit der sowjetischen Frauen mitgebracht. Zu viel offizielle Belobigung, fand Ellen. Fasia und sie hatten die Aufgabe übernommen, das Frauenzentrum bei der Konferenz zu gestalten. Sie hingen Fahnen, Banner, Fotos und Plakate auf. Ellen und Fasia liefen in Arbeitskleidung herum, hantierten mit Hammer und Nägeln. Die sowjetischen Frauen kamen in Kostüm und hochhackigen Schuhen. Beide schauten sich an. Die sowjetischen Frauen gingen weg, kamen in Hosen wieder und sagten: „Wir wollen auch!“ Nun wurde das Zentrum gemeinsam gestaltet, allmählich entwickelten sich konstruktive Gespräche und die Gruppen arbeiteten nun effektiv zusammen. Die Diskussionen bei der Friedenskonferenz waren sehr formal, im Unterschied dazu gab es im Frauenzentrum Lachen und Weinen, emotionale Diskussionen und Lieder, Hierarchien waren ausgeschaltet, es war der Versuch, auf egalitärer Ebene miteinander umzugehen. Zu der Zeit war in den sozialistischen Ländern der Feminismus sehr kritisch gesehen. Das Treffen in Prag war der erste Durchbruch von einer intensiven Diskussion zwischen Feministinnen und traditionell sozialistisch ausgerichteten Frauen. Von hier aus gingen Versuche der Kommunikation und Verständigung weiter. Das nächste größere Treffen war in Bulgarien. Frauen aus allen sozialistischen und NATO Ländern kamen zusammen, um über Abrüstung zu sprechen. Ein sehr lebendiger Versuch.

1984 wurde Reagan zum zweiten Mal in den USA wiedergewählt. In Europa kritisierten viele Menschen, insbesondere die aus der Friedensbewegung, die Regierung Reagans, der die Atomrüstung so hoch geputscht hatte. Ellen diskutierte mit anderen, welche Aktionsform den Widerstand am besten ausdrücken könne. Sie entschieden sich, nach Washington zu gehen und das längste Foto der Welt mitzunehmen. Das Foto ist über 2 km lang und zeigt eine Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu Ulm, die 1982 dort stattgefunden hat. Die Professorin Angela Neuke und 40 StudentInnen der Folkwangschule hatten es hergestellt. Die Menschenkette war gegen die Stationierung der neuen atomaren Mittelstreckenraketen in Europa ausgerichtet. Das Foto zeigt die 200.000 Menschen, die an der Aktion teilnahmen und die Menschenkette schließen konnten. Sie bauten das Foto um den Reflecting Pool vor dem Lincoln Memorial in D.C. auf und gaben an die Presse: 200.000 EuropäerInnen im Widerstand gegen die Wiederwahl Reagans hinter dem Weißen Haus.

Diese Aktion wurde von Genevieve Vaughan finanziert. Sie kommt aus einer Öl Familie aus Texas und hatte viel Geld geerbt. Genevieve Vaughan gab in den folgenden Jahren den größten Teil ihres Geldes in die internationale Frauenfriedensbewegung. Sie gab aber nicht nur das Geld, sondern war sehr aktiv in den verschiedenen Bewegungen dabei.
Sie unterstützte von da an viele Aktionen, die Ellen und Fasia organisierten. In El Salvador arbeiteten sie mit dem Komitee der Mütter der Verschwundenen, Oscar Romero. Diese Frauen waren sehr mutig. Sie intervenierten und fragten nach ihren verschwundenen Angehörigen und unterstützten die Angehörigen von Gefangenen. Das Komitee erhielt den Robert Kennedy-Menschenrechtspreis, konnte ihn aber nicht entgegennehmen, die US Regierung unter Reagan verweigerte ihnen das Einreisevisum in die USA.

Mit der Unterstützung von Gen Vaughan war es möglich, drei der Frauen nach Europa einzuladen. Sie reisten in 9 Länder Europas, Ellen organisierte die Fahrt, sie versuchten, die Frauen Europas zu erreichen, Frau Mitterand, Frau Papandreou, trafen Coretta King in Stockholm, die Pasionaria in Madrid, Bischöfe, die UNO-Menschenrechtskommission in Genf, ParlamentarierInnen, Willy Brandt, dutzende Solidaritätsgruppen. Das Ziel war, über Europa Informationen über El Salvador und die Unterstützung der USA für das faschistische Regime dort, zurück zu bringen. Die Reise dauerte zwei Monate. Ellen lernte hierbei sehr viel. Die Salvadorianerinnen waren Analphabetinnen. Ellen lernte, was es bedeutet, nicht lesen und schreiben zu können, abgeschnitten zu sein vom geschichtlichen Wissen, z.B. daß es in Europa möglich war, den Faschismus zu überwinden. „Diese Frauen kannten zwar keine Nuklearprobleme die die Linken in Europa so besonders brennend interessierten, aber sie konnten mir viele Problemfelder aufzeigen von denen ich keine Ahnung hatte“, erinnert sich Ellen.

Ellen nahm an den Weltfrauenkonferenzen der UNO in Nairobi und Peking teil. In der Erinnerung daran lachen und strahlen ihre Augen noch heute. Für westliche Frauen waren Friedensprobleme die besonders interessierenden Probleme. „Die afrikanischen Frauen lehrten uns: „Ja“, sagten sie, „die Sache mit den Atomwaffen ist groß. Bei uns ist eine andere Waffe gefährlich. Sie ist da, jeden Tag, diese Waffe heißt Hunger. Jeden Tag sterben daran etwa 40.000 Kinder, also in drei Tagen so viele Kinder, wie Menschen beim Abwurf der Atomwaffe auf Hiroshima gestorben sind.“

In Nairobi war das Friedenszelt von Ellen und ihren Freundinnen auf dem Campus der Universität aufgebaut worden. Es war ein Ort, an dem Frauen aus so genannten Feindesländern in den Dialog kommen konnten. In Nairobi nahmen 14.000 Frauen aus aller Welt teil, darunter etwa 60 % mit dunkler Hautfarbe. Es war die bewegendste Erfahrung, die Ellen und Fasia gemacht haben.

Nach Nairobi ging dieses Zelt weiter. Sie brachten es nach Deutschland, nach Nordirland, nach Stuttgart als Zentrum der deutschen Rüstungsproduktion, nach Essen ins Ruhrgebiet, nach Kopenhagen, nach Nevada, nach Murmansk. Ellen sagt, dass diese Tätigkeit die glücklichste Zeit in ihrem Leben war. Diese Zelte wurden im Laufe der Zeit von vielen, vielen Frauen und Männern unterschiedlichster Herkunft und Bildung aufgesucht. Bei all diesen Tätigkeiten die die beiden Frauen ausübten, war Fasia die Seele von allem. Mit ihrem Gesang half sie, besonders dann, wenn die Erfahrungen auf beiden Seiten so schmerzhaft waren, daß es schien, als könne es keine Verständigung geben. Fasia nahm dann ihre Gitarre, sang dazu ihre Friedenslieder und lud alle ein, mitzusingen.

1985 stiftete Gen Vaughan den beiden Frauen das erste große Wohnmobil, 1987 das zweite. Es wurden die Friedensbusse. In den USA gab es einen Schwesterbus, der zu einem „Museum, das Atomzeitalter zu beenden“, umgebaut war. Sie fuhren insgesamt 250.000 km durch Europa und die USA, durch Ost und West, auch vor dem Fall der Mauer. Sie hatten einen guten Namen auch in den sozialistischen Ländern, weil sie sich international für Frieden sehr profiliert hatten. Die Kritik an den autoritären, unterdrückerischen Strukturen, an der Wissenschaftsgläubigkeit und anderen politischen Zuständen wurde stets geäußert. Auf diesen Reisen trafen sie tausende Frauen und Männer, erfuhren in lebhaften Diskussionen deren Probleme und nahmen daran teil. Die erste Fahrt dauerte 6 Monate. Sie begann in England, in Greenham Common, wo Frauen seit Jahren die Cruise missile Basis belagerten, ging über die Niederlande in die BRD. Von da aus durch die Länder des realen Sozialismus („wo alles real ist, nur nicht der Sozialismus!“ Rudi Dutschke), durch die DDR, Polen, Weißrussland, Russland, die Ukraine, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Italien, der Abschluss war im Europaparlament in Straßburg.

Später gab es eine Reise durch die skandinavischen Länder, Schweden, Norwegen, Finnland über den Polarkreis bis Murmansk.

Etwa 120 Frauen beteiligten sich direkt an der ersten Fahrt. Sie erreichten durch ihre Arbeit tausende von Menschen, bildeten Netzwerke und versuchten, die im kalten Krieg aufgestellten Feindbilder abzubauen und das, was man ihnen als Feindesland vorgeben hatte, anders kennen zu lernen.

Als sie dann nach Oberhausen zurückkamen, wollten sie die Dokumentation über die Tour erarbeiten. Daraus wurde erst mal nichts. In ihrer Nachbarstadt Duisburg hatte der Arbeitskampf gegen die Schließung des Stahlwerkes in Rheinhausen begonnen. Beide Frauen stürzten sich aktiv in die Unterstützung der Streikenden. Fasia hat gesungen und Ellen war die Organisatorin von vielen Aktionen. Nach Streikende zogen die beiden dann mit ihrem Zelt von einem Ort zum anderen, wo ähnliche Arbeitskämpfe stattfanden.

Zum Zwecke des Protestes gegen laufende Atomtests ging Ellen mehrfach nach Nevada in das US-amerikanische Testgebiet, um dort zu protestieren. Dort, 200 Meilen von Las Vegas entfernt, ist die 14tausendfache Sprengkraft von Hiroshima getestet worden. Das Land gehört der indianischen Nation der Western Shoshone, ihnen wurde das Land (etwa so groß wie Dänemark) widerrechtlich enteignet.

Ihre Proteste gingen weiter, jetzt gegen bestehende und brutal ausgeführte Unterdrückung, sie setzte diese in El Salvador, Palästina, Bosnien, Nordirland, und Mexiko fort. Sie versuchte, sich dort zu solidarisieren, über die Zustände Öffentlichkeit herzustellen, machte Fotoausstellungen, schrieb für Zeitungen, machte Rundfunksendungen. Filme wurden über Fasias Leben und über ihre gemeinsamen Aktionen gedreht. Sie unterstützten Frauen, deren Kinder und Männer verschleppt und entführt worden waren. Damit ihre Stimme überall gehört wurde arbeiteten sie mit internationalen Frauenradiosendern eng zusammen.

Neben diesen Arbeiten hatten die beiden Oberhausen nicht vergessen. In dem Haus, in dem sie wohnen, hatten die beiden dort ein Geschäft aufgemacht „Die vier Himmelsrichtungen“, verkauften Erzeugnisse, die sie von vielen Frauen bekamen die sie überall auf der Welt kennen gelernt hatten. Sie wollten die Schönheit der anderen Kulturen zeigen. Der Gewinn aus dem Laden ging an politische Frauenprojekte.

Als der Krieg im ehemaligen Jugoslawien begann, fuhr Ellen 1991 zu einer Frauenfriedenskonferenz nach Zagreb. Sie sah die Schwierigkeit, daß bosnische, kroatische und serbische Frauen schon ein paar Wochen nach Kriegsbeginn kaum noch miteinander reden konnten. Sie war sehr schockiert, versuchte, immer wieder eine Brücke zu schlagen.

Sie organisierte für die Frauen, die zum Teil vergewaltigt worden waren, in Lagern lebten, Frauen die alles verloren hatten, Medikamente und Kleidung, Geld und Nahrung, fuhr selber viele Male dort hin. Bei der Rückkehr war sie jedes Mal krank, traurig und verzweifelt. Die Trauer war so tief, daß Ellen die Lieder verlor, nicht mehr singen konnte,

Aber darunter litten nicht ihre systematischen Arbeiten für Palästina, Irland, Bosnien, Mexiko und El Salvador und ihr Kampf gegen Krieg und Unterdrückung. Um an der Weltfrauenkonferenz in Peking teilzunehmen, reiste sie mit einem Sonderzug und 240 Frauen aus 40 Ländern von Helsinki aus drei Wochen lang über 11 Staaten nach Peking. In Peking wurde das Friedenszelt wieder aufgeschlagen.

In dieser Zeit hatten die beiden es schwer. Ellen bekam nur zeitweise Honorare, war zwischendurch erwerbslos, lebte dann vom Erwerbslosengeld. Fasia hatte ihre kleine Rente und beide hatten natürlich auch keine finanziellen Rücklagen. Außerdem war Fasia krank. In den Jahren des Naziregimes hatte man medizinische Versuche an ihrem Körper vorgenommen an deren Folgen sie immer noch litt. Es war genauso mit ihr geschehen wie Ellen es als Kind in dem Buch von Walter Poller: „Der Arztschreiber von Buchenwald“ gelesen hatte. Hinzu kam, daß Fasia noch an Brustkrebs erkrankte. Fasia starb 1997 an den Spätfolgen dieser an ihr unternommenen medizinischen Versuche.

Über diesen Verlust ihrer Freundin kam Ellen lange Zeit nicht hinweg. Hilfe boten ihr Gen Vaughan und Angela Davis an. Sie luden Ellen in die USA ein, um sie in ihrem schmerzlichen Verlust zu trösten. Sie starteten dort erneut ihre friedenspolitischen und feministischen Diskussionen. Diese Gespräche und die gemeinsamen Aktionen gaben Ellen Kraft, weiterzukämpfen. In all diesen jahrelangen Kämpfen auf den verschiedensten Feldern die alle mit unendlich viel Schweiß und Mühe verbunden waren, stand Ellen wie ein Fels in der Brandung. Unbeirrbar in ihrer antiautoritären, antihierarchischen, dem Frieden verpflichteten Geisteshaltung, war Ellen immer-fort eine starke, in sich ruhende Persönlichkeit.

Ellen sagt heute: „Die Welt muss sich ändern. Aber trotz all dieser Mühen, die so viele Menschen auf sich genommen haben, sie zu ändern, die Welt hat sich wenig geändert. Ich frage mich ständig: Was können wir wirklich ändern?
Viele meiner ehemaligen Weggefährten haben sich in das System integriert oder sind davongegangen. Alte Freundinnen arbeiten in verschiedenen Verlagen, in Gesellschaften und ersticken dort in der Tagesordnung. Im politisch kulturellen Zentrum hier im Hof, das seinerzeit ein Zentrum der 68er-Bewegung war, wird heute Jazz gespielt, manchmal gibt es Lesungen. Ich mag Jazz, aber für ein politisch kulturelles Zentrum ist es zu wenig.“

Die Perspektive für das Alter war: Dass dort, in Texas, wo die Stiftung ihren Sitz hatte, eine Internationale Schule aufgebaut würde, in denen Frauen, die in vielen Ländern aktiv gewesen sind, ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben sollten. Die Stiftung von Gen Vaughan ging aus Finanznöten ein. Ellen wurde dauerhaft erwerbslos und Hartz IV abhängig, heute ist sie abhängig von der so genannten Grundsicherung mit all den würdelosen Kontrollmechanismen. Mit Friedensarbeit kann man, im Unterschied zu der Arbeit mit dem Krieg, nicht viel Geld verdienen. Die Rente zusammen mit der Grundsicherung liegt 200 Euro unter dem, was als Zustand der Armut bezeichnet wird. Das Phänomen der Altersarmut betrifft immer mehr Menschen in Deutschland. Sie isoliert die Menschen, beschämt sie. Schafft einen Zustand, in dem man sich keine Zeitung mehr leisten kann, keine Zugfahrt, keine Teilnahme an politischen Aktionen, wenn sie in einer anderen Stadt sind. Bücher, Kino, Theaterbesuche, Essen gehen sind unerfüllbare Luxusdinge.
Sie hat alle Erfahrungen dieser Misere erlebt.

Sie versucht, so einfach wie möglich zu leben. Um ihr widerständiges Leben fortführen zu können und unabhängig von Supermärkten zu sein versucht sie, so viel wie möglich ihre eigenen Lebensmittel herzustellen, backt ihr eigenes Brot, macht ihre Marmelade, züchtet Gemüse und Obst im Interkulturellen Frauengarten, verweigert sich innerlich und äußerlich dem sonst üblichen Konsum.

Parallel dazu unternimmt sie den Versuch, Migrantinnen, Erwerbslose, Frauen aus dem Frauenhaus, Deutsche und Frauen aus verschiedenen Ländern zusammenzuführen. Hierzu startete sie in Oberhausen das Projekt: „Interkultureller Frauengarten“, der Gestalt angenommen hat. In ihrem Stadtteil leben 48% der Kinder unterhalb der Armutsgrenze. Sie versucht in der dortigen Grundschule Kinder über die verschiedenen Kulturen zu informieren, mit ihnen zu kochen, zu spielen, ihnen ein Stück Kindheit ohne Notendruck und mit viel Freude zu ermöglichen. Der Mensch „Ellen“ der so viele unterschiedliche Aktivitäten fortlaufend wahrnimmt, an politischen Konferenzen teilnimmt und aktiv gestaltend eingreift, ist einzigartig.

Die feministische Grundeinstellung Ellens hilft ihr tagtäglich Frauen hilfreich unter die Arme zu greifen. In der ganzen Welt hat Ellen Spuren hinterlassen. Auch heute noch interessiert sie sich immer noch für alles und für jeden. Als Beispiel sei genannt: der Nachbarin unten, einer unter Duldungsstatus lebende Migrantin, Mutter von drei Kindern, organisierte sie ein Fahrrad, brachte ihre das Fahrradfahren bei, damit sie beweglicher sein konnte. Sie besorgte ihr eine Arbeitsstelle, half, daß der Mann Arbeit bekam, den im Garten spielenden Kindern ist sie eine Freundin. Ellen vereinbart in sich wie viele Personen?

Ellen ist allein. Ihre Kinder sind schon seit langem eigene Wege gegangen. Jetzt wohnt sie allein in der Wohnung mit ihren vielen Erinnerungen. Diese Wohnung sollte sie verlassen, weil sie für die Hartz IV Bedingungen zu groß und teuer ist. Der Hausbesitzer, Knut Köpper, aber kürzte die Miete um 50%, so dass sie erst mal bleiben konnte.
Sie interessiert sich für neue Bewegungen, ist, so gut es geht, aktiv, aber mit dem Gedanken, die Welt ändern zu können, fühlt sie sich oft allein.

An ihrer Wand hängen Bilder von Fasia und Rudi, beide lachend, in Fröhlichkeit und Schönheit. Es sieht so aus als wollten beide sagen: „Es ist schön wenn man die Welt ändern will.“ Und Ellen antwortet ihnen mit Augenzwinkern.

Pinar Selek, Artikel in der türkischen Frauenzeitung amargi, Dezember 2009
Übersetzt von Saniye Özkaya, Sakine und Dietmar Thomas
Ergänzungen und Überarbeitung: Ellen Diederich

Showing 2 comments
  • ert_ertrus

    Ellen, die Tapfere! Vor Jahren las ich (weiß nicht mehr wo …) einen ihrer
    Texte (Ich muss hier raus – JC-ordermäßig aus ihrer Wohnung) – und ich bin heilfroh, dass sie offensichtlich an einen Ausnahmevermieter geraten ist!!

    Ellen – Nebenform von Helene (griech. die Leuchtende) Und ob Ellen leuchtet!!!

  • Bettina Beckröge

    Unglaublich, was für ein bewegtes Leben voller Engagement und Tatkraft, was für ein Leben aus innerer Überzeugung, was für ein Leben in Höhen und Tiefen.
    Ich hätte etliche Fragen an Ellen Diederich, viele Punkte und Zeiten ihres Lebens, von dem ich gerne mehr hören würde. All die Fragen hier zu stellen, würde jedoch zu weit führen.
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    Es ist traurig und beschämend zu lesen, dass sich Ellen Diederich, die sich ein Leben lang für andere eingesetzt hat, nun von der Grundsicherung leben muss. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an einen Vortrag von Nancy Fraser. Sie sprach u.a. über Umverteilung und allgemein bessere Anerkennung von sozialem Engagement. Warum, so frage ich mich, wird Ellens Diederichs Lebenswerk nicht besser honoriert? Ich wünschte mir, die Forderungen von Nancy Fraser könnten sich eines Tages durchsetzen, sodass Menschen wie Ellen Diederich künftig einen, ihrem Lebenswerk angemessenen Lebensabend verbringen können.
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    Eine Frage bleibt mir an Ellen Diederich: wird es irgendwann eine Autobiografie von Ihnen geben? Ich kann mir vorstellen, dass ihr Leben nicht nur mich, sondern viele Menschen bewegen wird, entführt es uns doch in ein offensichtlich sehr engagiertes, und erfülltes Leben, voller Tatendrang, Einsatz und Mitmenschlichkeit, in ein Leben, gefüllt mit dem Weitblick für unterschiedlichste Nationen, Kulturen, Persönlichkeiten und politischer Geschehnisse.

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