In Allgemein, Holdger Platta, Über diese Seite

62. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ „Europa kann nur stark sein, wenn die Menschen dran glauben müssen!“, sagt Autor Holdger Platta hier in Anlehnung an einen Satz von Außenminister Gabriel. Das ist sarkastisch, trifft aber sehr gut den gefährlichen Irrsinn, der derzeit von den EU-Machthabern betrieben wird. Die Schäbigkeit von deren Politik „leuchtet“ besonders hervor, wenn man sie in Konstrast setzt zu der großen Hilfsbereitschaft, die Menschen anderswo unter Beweis stellen. Das gilt für unsere Spenderinnen und Spender, aber auch für viele GriechInnen. Hierzu erzählt Holdger im heutigen Teil seiner Serie von einem besonders berührenden Fall von Nachbarschaftshilfe. (Holdger Platta)

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

nun ja: zum Monatsende hin – öfters schon von uns bemerkt – war leider ein deutlicher Spendenrückgang festzustellen. In der Vorwoche gingen 1.320,- Euro auf unserem Hilfskonto ein, überwiesen von 7 Unterstützerinnen und Unterstützern, während der letzten sieben Tage jedoch lediglich 215,49 Euro, bei gleichgebliebener SpenderInnenzahl 7. Dennoch bedanke ich mich sehr herzlich für diese Beharrlichkeit, auch im Namen der anderen Aktiven aus unserem Team! Bei der Gelegenheit: auch unsere Facebook-Seite „Helfen wir den Menschen in Griechenland“ wird inzwischen häufiger besucht. Was deren „wöchentliche Reichweite“ betrifft, gab’s gegenüber der Vorwoche einen Anstieg von 214,7 Prozent. Ich denke, auch weiterhin ist das Frequentieren dieses Facebook-Accounts empfehlenswert, denn immer mal wieder gibt es dort Nachrichten zum Thema Griechenland auch weit über unsere HdS-Berichte zu unserer Hilfsaktion hinaus.

Ansonsten, was Informationen zu unserer Initiative betrifft, ist hin und wieder doch etwas Vorsicht geboten. Nicht immer halten Nachrichten, die zwischen uns Akteuren hin- und hergehen, einer endgültigen Überprüfung stand. In den letzten Tagen galt das – leider! – für die Mail von Tassos, die unsere aktive Unterstützerin Bettina Beckröge Euch HdS-LeserInnen in einem Kommentar zu meinem letzten Hilfsbericht mitgeteilt hat. Nein, leider ist es nicht so, dass für Panagotia K. aus Megara mit ihren Töchtern bereits eine Wohnung gefunden worden ist (zu einem monatlichen Mietpreis von 180,- Euro). Die Sache ist noch unklar, die Suche hält noch an, und vorbildlich ist – ich betone: nicht nur hier! – die immense Sorgfalt, die unser „Außenhelfer“ Tassos Chatzatoglou bei all seinen Hilfsaktivitäten an den Tag zu legen pflegt. Gleiches gilt für Evelyn Chatzatoglou sowie für unsere „Außenteamer“ Karl-Heinz Apel mit dessen Ehefrau Ursula. Details erspare ich Euch, aber in Kurzform doch dieses: Noch ist nicht alles klar, was den neuen Mietvertrag für Panagotia K. aus Megara betrifft. Auf gesicherter Basis bewege ich mich aber mit den folgenden Informationen für Euch:

• Der kleinen Maria aus der Familie Panagotia K./Megara scheint es wieder besser zu gehen. Die Computer-Tomografie (CT) zur Untersuchung ihres schwankenden Blutdrucks konnte erstmal aufgeschoben werden und wird womöglich sogar überflüssig sein – damit ist auch Überweisung der 320,- Euro für diese CT nicht erforderlich, bis auf weiteres jedenfalls. Die Ärzte vermuten nun, dass eine Schilddrüsenüberfunktion für die Arhythmien und den unregelmäßigen Puls verantwortlich ist. Diese Untersuchung aber soll kostenfrei sein, und für die Behandlung dieser Krankheit gibt’s auch gute Medikamente. Des weiteren:

• Der Nachbar der Familie K., der Panagotia mit ihren Töchtern den gesamten Winter über mit Strom aus seiner eigenen Steckdose versorgt hat – kostenfrei – will keinerlei Nachzahlung von uns dafür. Er habe dies gern getan, hörten wir von ihm. Und er hält an dieser Nachbarschaftshilfe fest, obwohl er vom staatlichen Elektrizitätswerk DEH prompt seine Bestrafung erhielt für dieses Zeichen mitmenschlicher Solidarität. Hintergrund: Der Pistazienbauer hatte seinen Strom bislang zu einem verbilligten Tarif für Landwirte bezogen. Als nun seine Nachbarschaftshilfe „aufflog“, flatterte ihm unverzüglich ein Nachforderungsbetrag von 1.300,- Euro ins Haus, verbunden mit Rückstufung seines Strombedarfs in den „Normaltarif“. Merke: wer seinen Mitmenschen hilft statt nur sein Pistazienlager trocken zu halten, wird halt zur Kasse gebeten. Ich jedenfalls ziehe vor einem solchen Nachbarn den Hut, verbeuge mich ganz tief vor ihm und sage ihm vom fernen Deutschland her meinen Dank! Möge Tassos diesen Dank weitergeben an ihn, mit dem Ausdruck meines größten Respekts!

• Und schließlich, als letztes für heute, zur Familie K. aus Megara auch diese gute Nachricht noch: Die drei ältesten Töchter von Panagotia haben inzwischen einen Job gefunden, unweit von Megara beziehungsweise Athen, und zwar in der Tourismusbranche, im Servicebereich. Nunja, das klingt noch nicht nach dauerhafter Beschäftigung statt Arbeitslosigkeit, das entspricht auch keinesfalls Weiterbildungsplänen für sie – wir Helfer bleiben da also am Ball. Aber wenn ich Tassos richtig verstanden habe, empfinden es die K.s trotzdem als kleine Befreiung. Mag’s also auf jeden Fall ein Atemholen sein!

Unsere nächste, ganz konkrete, Hilfsaktion steht demgegenüber schon fest, und das Geld dafür geht noch in diesen Tagen raus an unser Helferteam Evi und Tassos Chatzatoglou in Graz:

Die 560 von der Sozialstation „Korydallos“ betreuten Familien erhalten, anlässlich des bevorstehenden griechischen Osterfestes, 2.000,- Euro von uns. Die Beauftragte dieser Institution, Frau Lambrini Manou, seit längerem eine Vertrauensperson für uns, hat um diese Hilfe gebeten, und wir kommen gerne dieser Bitte nach.

Zur „großen“ Politik gegenüber dem kleinen Griechenland sollen heute einige wenige Worte genügen:

Noch immer halten die Eurostaaten an ihrem Drangsalierungskurs gegenüber der griechischen Regierung fest. Es wird auch weiterhin eine Absenkung der Renten in Griechenland verlangt, weiterhin auch die gesetzgeberische Erleichterung von Massenentlassungen gefordert. Man besteht auch weiterhin auf der Privatisierung des größten griechischen Stromversorgers PPC – was nicht mal Bestandteil des Knebelvertrags vom 12. Juli 2015 war! –, und zwar, wie der griechische Innenminister Panos Skourletis formuliert hat, zu einem „demütigenden Preis“.

Schließlich steht nach wie vor auf der Tagesordnung der Euro-Gewaltigen die Privatisierung der Wasserwirtschaft in Griechenland, zumindest der beiden größten Wasserwerke in Thessaloniki und Athen – und dieses im Widerspruch zum erklärten Willen der Bevölkerung in Griechenland und entgegen einer früheren Zusage der EU-Kommission, die Wasserversorgung – in der gesamten EU! – auszunehmen vom Privatisierungskurs (deswegen sehr, sehr wichtig für Euch: weiterer Protest gegen diese Pläne der Euro-Staaten nach wie vor möglich unter www.griechenlandsoli.com!). All das und weiteres mehr soll die Regierung Syriza nunmehr bis spätestens 7. April zugesagt haben, um weitere Kredittranchen erhalten zu können. Aber wie sagte doch unser aller Außenminister Sigmar Gabriel so schön bei seinem Besuch letzte Woche am Mittwoch und Donnerstag in Athen: Europa könne nur stark sein, „wenn die Menschen an Europa glauben“?! – Er hätte wohl besser so formuliert:

„Europa kann nur stark sein, wenn die Menschen dran glauben müssen!“

Das wäre mal ein ehrlicher Satz gewesen, Herr Außenminister Gabriel!

Und damit zu meinen obligaten Schlusshinweisen:

Wer uns bei unserer Hilfe für Menschen in Griechenland unterstützen will, unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“, wer das spezielle Hilfsprojekt in Megara mitfinanzieren möchte (dann bitte zusätzliches Stichwort „Megara“!) und wer auch uns Akteure wieder mal mit Organisationsgeldern helfen will (dann bitte unter dem Stichwort „HDS“), der überweise uns bitte Spendengelder auf das folgende Konto:

Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE

Und hier nochmal die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):

Peter Latuska
Theodor Heuss Str. 14
37075 Göttingen
Email: latuskalatuska@web.de
Mit herzlichen Grüßen
Euer Holdger Platta

Showing 5 comments
  • Bettina Beckröge
    Und darum heißt es, weiterkämpfen, in Sinne einer freiheitlich rechtlichen Grundordnung für mehr MENSCHLICKEIT.
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    https://www.change.org/p/europ%c3%a4ische-zentralbank-ver%c3%b6ffentlichen-sie-thegreekfiles?utm_content=petition&utm_medium=email&utm_source=51854&utm_campaign=campaigns_digest&sfmc_tk=offp54O8E8O87TUW9fDdiWiMX1xg8R5ts6cQTQGrs%2fSvlTaVYQiHWU%2fIuz7LGTbJ
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    „Zorba o Grego“ Ballet de Santiago en Rio de Janeiro 2016
    Final completo (2da función)
    https://youtu.be/wygMxDixKV4
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    Mikis Theodorakis & Anthony Quinn – Munich, 1995
    https://youtu.be/0jXiQs091As
  • Peter Boettel
    Natürlich habe ich gegen die Wasserprivatisierung unterschrieben.
  • Bettina Beckröge
    Es tut mir leid, dass mir im letzten GriechInnenhilfe- Bericht ein unüberlegter, voreiliger Kommentar rausgerutscht ist und ich möchte mich dafür entschuldigen. Ich hatte es mir innerlich so gewünscht, dass die Familie K. eine neue Wohnung findet. Beim Lesen der Email hatte ich Wunsch und Wirklichkeit vertauscht. Zurück bleibt mir nun die Hoffnung, dass die Familie K. zeitnah eine neue adäquate Wohnung finden wird.
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    Nachbarschaftshilfe
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    Es tut mir sehr leid für den Nachbarn. Er hat sich selbstlos für die Familie K. eingesetzt, indem er sie mit Strom versorgt hat, einem der Grundvoraussetzungen zum wohnen. Wofür wird er nun bestraft? Für seinen selbstlosen Einsatz. Es ist traurig, das zu erfahren. Ich hoffe und wünsche ihm sehr, dass er nun wiederum nachbarschaftliche Unterstützung bekommt. 1300,-€ Nachforderungsbetrag ist ein ungerechtfertigter und hoher Betrag für einen selbstlosen Einsatz für die Ärmsten der Armen.
  • Holdger Platta
    Liebe Bettina,
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    um Himmels willen 😉 , Du mußt Dich nicht entschuldigen! Erstens einmal passiert so etwas jedem von uns – wahrlich auch mir! -, und zweitens liegt das Motiv für diese – leider sich als voreilig erwiesene – frohe Botschaft auf der Hand: sehr gerne – ich vermute: noch jeder von uns! – wäre froh gewesen, wenn sich diese Nachricht als wahr herausgestellt hätte. Du jedenfalls warst es. Und Du bist nicht Schuld daran, daß sich diese Hoffnung als trügerisch erwiesen hat – zunächst jedenfalls!
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    Zum Nachbarn der Panagotia K.: wir hätten keine Schwierigkeiten gehabt, ihm den „Schaden“ zu erstatten, der ihm aus seiner mitmenschlichen Hilfe erwachsen ist. Aber selbst darin blieb er der gute Nachbar: er wollte sich das nicht von anderen bezahlen lassen, einfach deshalb, weil er sein Handeln für selbstverständlich hielt (und immer noch hält). Ich kann nur nochmal sagen (nebenbei: selber durchaus ‚gesegnet‘ mit guten Nachbarn!!!): Bewunderung für dieses humane Handeln im Alltagsverhalten!
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    Vielleicht sollten wir ja Schäuble die Rechnung zuschicken!? Den Falschen träfe es nicht. Und wenn’s einer bezahlen könnte: dieser Herr bestimmt!
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    Doch ich befürchte: dieser Christ zieht stattdessen einen Kirchgang vor und hält lieber in einem kalten Gemäuer seinen „Gottesdienst“ ab als bei den „Geringsten seiner Brüder“ (Du weißt: Matthäus-Evangelium, Kapitel 25, Vers 40)!
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    Mit herzlichem Gruß
    Holdger
  • Bettina Beckröge
    Lieber Holdger,
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    ich gebe dir vollkommen recht, Schäuble darf sich ruhig mal erkenntlich zeigen. Schließlich hat ER die Griechenland- Misere maßgelbich mitzuverantworten. Ich weiß auch schon, aus welchem Pool er die 1030,-€ nehmen kann. Schau mal, was ich durch Goolgen zufällig entdeckt habe: eine Übersicht über die Parteispendeneingänge für die Bundes-CDU 2017.
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    https://www.bundestag.de/parlament/praesidium/parteienfinanzierung/fundstellen50000#url=L3BhcmxhbWVudC9wcmFlc2lkaXVtL3BhcnRlaWVuZmluYW56aWVydW5nL2Z1bmRzdGVsbGVuNTAwMDAvMjAxNy8yMDE3LWluaGFsdC80ODgyMzY=&mod=mod462002
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    Allein in nur drei Monaten haben sich in der Bundes- CDU durch Parteispenden ein „bescheidenes“ Sümmchen von: 1.094.426 ,-€ angesammelt, das sind über eine Millionen Euro in nur drei Monaten!!! Da wird sich doch wohl ein kleines Sümmchen abzwacken lassen, oder?
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    Hanns Eisler – Bertolt Brecht
    Lied von der belebenden Wirkung des Geldes
    Sängerin: Gisela May
    https://youtu.be/SFmnMCANTB8
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    🙂
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    Mit herzlichen Grüßen
    Bettina

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