Alexanders CD-Tipp der Woche: Karla Karumms – Wir schaffen das

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Der markante Satz der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Flüchtlingsthema, von ihr erstmals bei einer Bundespressekonferenz am 31.8.2015 ausgesprochen, wird von Karla Karumms und Matthias Matzke (Klavier und Akkordeon) in einem im Juli 2017 auf einer Maxi CD veröffentlichten Kabarettchanson auf seine Wirkung und Chancen hin interpretiert. (Alexander Kinsky)

Ein Satz wie ein Slogan, als markantes Stichwort, aber er ist bitte abzugrenzen vom Oberflächlichen etwa eines „Wir sind Papst“, dazu ist er viel zu sensibel auslegbar.

Wie ernst der Satz, ausgesprochen von professionellen Politikern, im Hinblick auf die Willkommenskultur gemeint ist, sei dahingestellt. Er kann ganz allgemein ja auch als kapitalistischer Antreiber verstanden werden. Hier sei er vor allem als Motivation, mitmenschlich zu fühlen und zu handeln, verstanden. Wir schaffen das, indem wir, um es mit den von Konstantin Wecker in seinem Lied „Ich habe Angst“ aus dem Jahr 1993 zitierten Worten Petra Kellys leicht erweitert zu sagen, jedem Menschen gegenüber egal von wo er kommt und welche Ausgangsbasis er hat „mit dem Herzen denken“.

Das von Winfried Bellgardt geschriebene, von der klassisch ausgebildeten, bei ihren Auftritten mit Eurythmie arbeitenden Künstlerin Karla Karumms (2011 Siegerin Sologesang bei „Jugend musiziert“, 2012 und 2013 Siegerin Kategorie Sopran beim Wettbewerb der „Neuen Liszt Stiftung Weimar“) gesungene und vom Akkordeonisten und Jazzpianisten Matthias Matzke produzierte und am Klavier gespielte Chanson listet mit musikalisch-kabarettistischen Mitteln und in knappen Worten auf: die Not der Menschen die gezwungen sind zu flüchten, die furchtbare Politik der Ersten Welt mit ihren Waffendeals, die besser durchzudenkenden logistischen Lösungsmöglichkeiten und den Wunsch nach einer europäischen Solidarität im Mitmenschlichen.

Auf der Maxi CD (HEY!BAND LC 28535) finden sich neben der Kabarettfassung mit Gesang und Klavier auch eine Chansonfassung mit Gesang und Akkordeon, als Bonus zum Abspielen am PC das Musikvideo zum Lied und außerdem ein weiteres Lied „Alte Wunden“, das sich (kompositorisch provokant als heiteres Tanzlied daherkommend und damit den Zynismus der auf die Flüchtlinge Herabschauenden subtil entlarvend) in einen Flüchtling hineinversetzt und dessen Situation schildert sowie ein kurzer „Epilog“, ein Nachklang des Akkordeons.

Hoffentlich verpufft der Satz, der Liedtitel nicht so wie Barack Obamas „Yes We Can“ als opportunistischer, raffiniert eingesetzter und irgendwann zu einem als historischer Werbeslogan abgehakten Stehsatz.

Wikipedia listet die Historie des Satzes und seiner Zitierung und Interpretation von Gabriel über Gauland bis Lindner sowie durch Presse und Wissenschaft sehr genau auf.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_schaffen_das

 

Das Chanson mag ein Anreiz sein, sich weiter der Solidarität zu besinnen und mit all den Möglichkeiten die die Einzelne, der Einzelne haben, mit dem Herzen denkend, weiter daran zu arbeiten: Wir schaffen das.

Weitere Infos zu Karla Karumms: http://www.matthias-matzke.de/karla-karumms.html 

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