Anstelle einer Wahlempfehlung

 In FEATURED, Konstantin Wecker, MUSIKVIDEO/PODCAST, Politik (Inland)

Konstantin Wecker zur Bundestagswahl am 24.9.2017 (Text und Video):

Liebe Freunde,

ich werde euch natürlich keine Wahlempfehlung geben, denn ihr wisst selbst, um was es geht bei dieser Wahl.

Und dass man den Nationalisten und Rassisten dringend Einhalt bieten muss.

Ihr werdet selbst entscheiden, wie wichtig eure Stimme ist.

Immer häufiger höre und lese ich von Menschen, die mir eigentlich politisch nahe stehen, dass auch das Nichtwählen eine durchaus politisch bewusste Handlung sei.

Das bleibt natürlich jedem selbst überlassen, aber ich persönlich stehe dieser Haltung in diesen gefährlichen Zeiten skeptisch gegenüber.

Dennoch – anstelle einer Wahlempfehlung möchte ich euch mein jüngstes Lied „Den Parolen keine Chance“ ans Herz legen.

„Lasst uns jetzt zusammen stehen

es bleibt nicht mehr so viel Zeit,

lasst uns lieben und besiegen

wir den Hass durch Zärtlichkeit.“

P.S.:

Gerade habe ich bei Erich Fried in seinem Gedicht an Rudi Dutschke folgende wunderbaren Zeilen wiederentdeckt:

„…Aber ich hätte vielleicht von dir schon genug gelernt

Wenn ich nichts von dir gelernt hätte außer das eine:

Dass Freiheit Güte und Liebe sein muss und dass Güte und Liebe

Freiheit sein müssen – und wirkliche Güte und Liebe

Nicht nur ein Begriff von Güte und Liebe.

Denn sonst bleibt auch die Freiheit nur ein Begriff –

Und dass der Kampf um Freiheit und Güte und Liebe

Nicht ohne Freiheit und Güte und Liebe geführt werden kann…“

(Das Video ist ein Mitschnitt meines Geburtstagskonzertes vom 1. Juni in München. Es wurde realisiert von meinen Freunden von der Film- und Medienproduktion “planen – machen – gucken“, Dietramszell.)

Anzeige von 8 kommentaren
  • Claudia Urbaczka
    Antworten
    Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie schon längst verboten. (War das nicht Tucholsky )
  • eulenfeder
    Antworten

    Es ist ja nicht so dass man die Faschisten, Nazideppen und Geldsäcke mittels Wahl hindern oder gar ganz verhindern könnte, leider ist das so und auch den Brachial-Kapitalismus kann ‘Der Bürger’ nicht abwählen, denn diese ‘Volksvertretung’ ( das Parlament also ) dient ihren Geldgebern und das sind die Deutsche Bank und die Automobilkonzerne, Pharmaindustrie, Waffenhersteller u.u.u.

    Und wer sind die gefragtesten Leute in den Aufsichtsräten dieser tatsächlichen Herrscher ? – Politiker eben !

    Geld und Faschismus gehen brüderlich Hand-in-Hand, das Parlament ist diesem Gespann untergeordnet – funktioniert nach dessen Befehlen und Politiker haben es sich in diesem Triumvirat der Ausbeutung und Unterdrückung bestmöglich zur Eigenbereicherung eingerichtet.

    Freilich bedarf es immer wieder einer ‘Legalität’ zur Weiterführung einer diktatorisch geführten Staatsform und deshalb wird alle 4 Jahre dieses ja so leicht zu durchschauende Spektakel abgehalten, man braucht lediglich Wählerstimmen dazu um dann eben sagen zu können: ” Der Bürger hat so entschieden ! “.

    Damit ist es der Bürgerwille ja und alles was in den nächsten 4 Jahren an ihm verbrochen wird, ist legitim.

    Trickreich allerdings schon, dass man dem Bürger zu vermitteln versteht, er hätte ja ‘die Wahl’ – aber dem ist in keiner Weise so. Das Triumvirat wird weiter herrschen, in allen Farben des Regenbogens und Variationen daraus.

    Verkauft wird all diese Diktatur als ‘Demokratie’. Jedoch sind ‘die Bürger’ selbst lediglich ‘Wirtschaftsdemokraten’, jene Partei die den größtmöglichen Wohlstand verspricht, wird gewählt. Und wer könnte ‘Wohlstand’ am ehesten garantieren ? – die Geldmacht natürlich.

    Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit vor allem sind niemals das Interesse der Herrscherklasse, gäbe es doch niemanden mehr auszubeuten dann und ergo werden auch die Huren der Geldmacht, die Politiker eben, solches nicht zulassen. 

    Ein beherrschtes Volk ist der Garant für den wirklichen Wohlstand einiger Wenige , das beherrschte Volk erarbeitet diesen und möglichst kurz gehalten soll es werden, dass dumme Volk.

    Nun also – was glaubt Ihr denn was es zu ‘wählen’ gäbe in einem diktatorisch durchgeführten Herrschaftssystem ? – ein Parlament das die Interessen der Bürger vertreten würde ? – ich möchte wirklich niemanden persönlich angreifen wenn ich sage, dass dies reine Dummheit wäre.

    Dieses System, wie es nun mal ist und seit Jahrzehnten sich als Garant für Ausbeutung und Unterdrückung ‘bewährt’ hat, kann man nicht abwählen, das ist nicht möglich. Politisch weisungsgebundene Verfassungsrichter sorgen schon dafür, als ‘rechtlicher’ Arm des Triumvirats. Und da ist die Täuschung am Raffiniertesten gelungen, dieses Gericht würde die ‘Verfassung’ wahren.

    Nun – Lieber Konstantin – am Nähesten bist du mir und vielleicht auch ich Dir, wenn Du den Ungehorsam, die Rebellion, die Revolte und damit auch die Verweigerung ( des Systems) mit Recht forderst – 

    denn das wird der einzige Weg für Veränderungen sein, außerparlamentarisch muss das selbstredend geschehen, mit jeder Stimme die man diesem Trugbild gibt, hält man es am Leben. Man wählt die Fortführung des Unrechts, gibt diesem furchtbaren Dreigespann immer wieder eine ‘Legitimität’ dafür und ganz egal in welchen Farben es politisch daherkommt.

    Macht ist auch bunt gekleidet lediglich Macht und der Wohlstand den man verspricht ist das Gift.

    Eine grenzenlose Welt kann man nicht beherrschen oder durch Beherrschung erreichen. Die Anarchie wäre ein Allheilmittel, unnötig zu sagen eigentlich, dass die Anarchie kein System verträgt, erst recht kein Wahlsystem das lediglich einem Herrschaftssystem dient.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • eulenfeder
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    …und warum steckt man seine ‘ politisch – motivierte ‘ Energie ( sagen wir besser: Bemühen für Menschlichkeit und Frieden ) –

    nicht in die Unterstützung alternativer Formen des Zusammenlebens, jenseits staatlich kontrolliertem Wahnsinns –

    möglichst frei gemacht von dieser Zwangsjacke BRD

    und dieses Bemühen ist da, jung noch, aber wächst –

    die “Föderation Deutschsprachiger Anarchist*innen”  bemüht sich.

    Da auch ( oder leider ) die Anarchie irgendwie in Organisationsformen wachsen ‘muss’, wird eben auch grenzüberschreitend organisiert, zusammengeschlossen, ausgetauscht, Ziele erarbeitet….

    naja – widerspricht ja schon wieder dem eigentlichen anarchistischen Gedanken, eigentlich – 

    ( so wie es dem revolutionären Gedanken widerspricht, wenn man das System bekämpft und sich gleichzeitig von ihm auszeichnen lässt ( smile )) –

    jedoch ist es doch trotzdem der richtige Weg in eine wirklich humane und friedliche Gesellschaft.

    Schwer zu erkunden, was es eigentlich ist, was die Leute geradezu magnetisch immer wieder zu einem System hinzieht ( und dessen Befehle ausführt ), das sie zum Kotzen finden, das sie zu durchschauen glauben, das sie inhuman, diktatorisch, polizeistaatlich und gewalttätig, allüberwachend, ausbeutend, unterdrückend, kriegstreibend u.u.u. finden –

    trotzdem man dann immer wieder und trotz ausschließlich schlechter Erfahrungen in einer Art fiebrigem Anfall mahnt: ” Leute, seid vernünftig und geht zur Wahl !! “

    Das zu verstehen bin ich seit mindestens 50 Jahren nicht in der Lage – obwohl nicht gerade dumm oder begriffsstutzig.

     

     

     

     

     

     

  • Piranha
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    Wolfgang Bittner zum möglichen  Ausgang der Wahl:

    https://www.youtube.com/watch?v=Z87zTlCBblo

  • Cw
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    Was man sich so traut zu sagen in einer Diktatur! Ich würde mich verstecken, denn darauf folgt meist die Inhaftierung !
  • Bettina
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    Allen Zugverspätungen zum Trotz hatte die deutsche Bundesbahn ein Ensehen und mich heute rechtzeitig vor dem Schließen der Wahllokale wieder zurück nach Köln zu transportieren. Nun kann ich aufatmen, ich habe meine beiden Wahlstimmen soeben abgegeben, Eureka!

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    Das Gedicht von Erich Fried an Rudi Dutschke ist wirklich ein besonderes, so sehe ich es auch. Die übergeordneten Werte, Freiheit, Güte und Liebe, treten in einen lyrischen Dialog. es sind Werte, die sich gegenseitig bedingen. Hätten wir diese Werte nicht in uns verankert, würde uns etwas im Leben fehlen. Unsere Werte rufen uns zum Handeln auf, unabhängig von Ideologien, Status, Partei- oder Religionszugehörigkeit, einfach durch unser Mensch sein. Jeder von uns trägt auf der tieferen Ebene seines Seins eine gesellschaftliche Verantwortung, die der Liebe und Achtsamkeit gegenüber Mensch, Naur und Tier entspringt. Unsere Werte sind die Basis für gesellschaftlich verantwortliches Handeln, sowie Ausgangspunkt zur Entwicklung von gesellschaftlichen Visionen. Unsere eigenen Werte finden wir nicht auf einem Wahlprogramm, nicht in wissenschaftlichen Abhandlungen und nicht in Dekreten wir finden sie nur auf der spirituellen Suche nach uns selbst.

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    „Hanbletscheyapi“ ist der „Schrei nach einer Vision“, der in die indianische Kultur eingebettet ist… Dieses Weinen um der Vision willen wird auch einfach „Klagen“ im Sinn eines religiösen Selbstausdrucks genannt… Im Klagen oder Rufen bereiten sich Menschen in ritualisierter Form auf die Vision vor….Es gibt viele gute Gründe, auf einen Berggipfel zu gehen, um zu ‚klagen‘… Aber vielleicht ist der wichtigste Grund für das Klagen, dass es uns hilft, unser Einssein mit allen Dingen zu verstehen, zu wissen, dass alle Dinge unsere Verwandten sind; und dann beten wir im Namen aller Dinge zu Wakan-Tanka, dass ER uns Weisheit gebe, die die Quelle aller Dinge ist, noch größer als alle Dinge.

    (Auszug aus Mystik und Widerstand,  „Du stilles Geschrei“  Dorothee Sölle)

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    DALAI LAMA – Schwestern und Brüder
    https://youtu.be/5lJwnSGROtg

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    All diese Stimmen sind mir wichtig, sie haben mich getragen bei meiner Stimmenabgabe zur Bundestagswahl 2017.

     

  • Musil
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    ich wähl ja nur noch um das Establishment zu ärgern. Aber sicher nicht rechts!!

    Links wählen macht den Mächtigen und ihren Hilfskräften in Politik, Medien, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft viel mehr Angst – denn diese Wahl stellt auch die bestehenden Besitzverhältnisse und Verteilung des (von allen) erwirtschafteten Wohlstands in Frage.

  • Volker
    Antworten
    Jo, habe heute gewählt, sogar mit Verantwortung – ich Held. War gar nicht so schlimm wie befürchtet, eher eine lockere Leibesübung zur Erhaltung meiner Leibeigenfähigkeit.

    Schließlich sehe ich mich als Lastenträger demokratischer Schwerlasten, werde in den folgenden Jahren noch schwer daran zu schleppen haben, ein klares Ziel vor Augen: die Ausweitung meiner Schmerzgrenze mitgestalten zu dürfen.

    Der entscheidende Trick dabei ist, gelassen wie hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken, einen Apfelbaum ohne Fruchtfolge zu pflanzen.
    Bis zur nächsten Riesengaudi nach fünf, vieleicht auch erst nach zehn Jahren, oder gar nicht mehr. Zwischenzeitlich beerdigen wir standesgemäß die Früchte kapitalistischer Fäulnis, gegärt und nochmals aufbereitet.

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