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	<title>Hinter den Schlagzeilen &#187; CD-Tipp</title>
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	<description>Konstantin Weckers Webmagazin //  Kultur - Gegeninformation - Philosophie</description>
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		<title>CD-Kritik: Die Bandbreite: Reflexion</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 09:07:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rr</dc:creator>
				<category><![CDATA[CD-Tipp]]></category>
		<category><![CDATA[Roland Rottenfußer]]></category>

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		<description><![CDATA[„Wojna“ ist das russische Wort für Krieg, und Marcel Wojnarowicz, Spitzname Wojna, befindet sich im Dauerkrieg. Vor allem mit der Gruppierung der „Antideutschen“, die seit Jahren eine Kampagne gegen die Band führen. Angeblich wegen antisemitischer und frauenfeindlicher Äußerungen. Dies müssen aber nicht die wirklichen Gründe sein für den Hass, der Wojna und seinem Bandgefährten DJ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/11/Bandbreite-Reflexion.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/11/Bandbreite-Reflexion-150x150.jpg" alt="" title="Bandbreite-Reflexion" width="150" height="150" class="alignleft size-thumbnail wp-image-7030" /></a>„Wojna“ ist das russische Wort für Krieg, und Marcel Wojnarowicz, Spitzname Wojna, befindet sich im Dauerkrieg. Vor allem mit der Gruppierung der „Antideutschen“, die seit Jahren eine Kampagne gegen die Band führen. Angeblich wegen antisemitischer und frauenfeindlicher Äußerungen. Dies müssen aber nicht die wirklichen Gründe sein für den Hass, der Wojna und seinem Bandgefährten DJ Torben mancherorts entgegenschlägt. Die Bandbreite verarbeitet in ihren Liedern brisante Themen und behauptet Dinge, die in den großen Medien nicht gesagt werden dürfen – z.B. dass die Anschläge vom 11.09. 2001 vom amerikanischen Establishment inszeniert wurden („Habt ihr das vielleicht selbst gemacht?“). (Roland Rottenfußer)<span id="more-7029"></span></p>
<p>Tatsächlich konnten Antideutsche manche Konzertveranstalter dazu bewegen, die Bandbreite wieder auszuladen. 2009 wurde ein Auftritt der Band im Club Voltaire (Frankfurt) durch heftige Gegendemonstrationen gestört. Interessanterweise war es aber gerade Voltaire, von dem der Satz überliefert ist „Ich verabscheue Ihre Meinung, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie sie äußern dürfen.“</p>
<p>Genau diesen Spruch zitiert Wojna im ersten Lied der neuen CD, betitelt „Lieber Veranstalter“. Es ist eine Bitte, die Band wegen zu erwartender Proteste nicht fallen zu lassen. „Wenn wir auf dem Flyer stehen, kann es sein, dass dir danach paar Leute auf die Eier gehen.“ Deshalb der Appell: „Es ist Zeit sich zu entscheiden, willst du uns den Rücken stärken oder lieber feige weichen?“ Das Argument ist schlüssig: Es geht gar nicht darum, ob man jeder Zeile der Bandbreite zustimmt oder ob man ihre Musik mag. Die Frage ist, ob man zulässt, dass unter dem Banner der Correctness de facto Zensur ausgeübt wird. Und gerade alternative oder linke Veranstalter und Medien sind anfällig für die Rufmordstrategie, die gegen die Bandbreite gefahren wird. Wer möchte schon im Verdacht stehen, „sich nicht deutlich genug von rechten und frauenfeindlichen Elementen abzugrenzen“?<br />
<strong><br />
Gegen Kapital und Völkermord</strong></p>
<p>Vorab: Ich finde es schade, dass solche Fragen oft den Blick auf die wirklich gute Arbeit der Bandbreite trüben. Ginge es nach dem Einfallsreichtum der Texte und der sehr professionellen Musikproduktion, könnte man in Wojna gar einen zweiten Xavier Naidoo sehen. Manche Songs wie „Alles was ich will“ erinnern auch etwas an den Sound der „Söhne Mannheims“. Jemand rappt auf einen regelmäßigen Beat, die Refrains sind süffige Popmusik, die Texte engagiert mit einem manchmal predigthaften Tonfall. Am Aufstieg in den radiotauglichen Mainstream hindert Wojna aber seine kompromisslose Radikalität. Und hier ist erst mal ein großes Lob angemessen: Selten bekommt man eine so perfekte Produktion bei gleichzeitig so gutem Textniveau zu hören. Die Lieder packen Themen an, die uns unter den Nägeln brennen. Es sind lang vermisste, sogar notwendige Lieder.</p>
<p>Angriffspunkt sind z.B. die Medien und ihre gleichgeschaltete Berichterstattung. „Ein Gespenst geht um“, heißt ist im Lied „Wo ist die Wahrheit“. Dieses Gespenst ist die „Wahrheitsbewegung“, der sich Wojna selbst zurechnet. Neben der Verdrehung der Tatsachen in Orwell-Manier („Unwissenheit ist Stärke“), wird vor allem der Versuch des Establishments angeprangert, die Bürger zu spalten. Das Zeug zu Klassiker hat aber vor allem der Song „Was ist los in diesem Land“. Während sich frühere Hits der Bandbreite wie „Der Vertrag von Lissabon“ mit Einzelthemen befassten, ist „Was ist los“ ein Rundumschlag. Mir sind nur wenige neuere Lieder bekannte, die die politischen Missstände so scharfsinnig und zugleich umfassend porträtieren. Zu Afghanistan heißt es z.B.: „Wir Deutsche sind beteiligt wieder mal an einem Völkermord.“ Und zur Wirtschaftspolitik: „Wir haben sie verhundertfacht, unsere Produktivität, weshalb mich verwundert macht, dass nicht jeder hier im Wohlstand lebt.“ Oder: „Kapital und Zinseszins sind nicht von Gott gemacht, und doch werden wir von den Banken und Bonzen damit kaputt gemacht.“ Nur was den lyrischen Feinschliff betrifft, ist manches, wie man sieht, nicht perfekt.</p>
<p><strong>Parodie und Schnellsprechorgie</strong></p>
<p>Zumindest interessant ist auch das Lied „Ich hab heut Morgen ein Kind getötet“. Als Hörer meint man zunächst, es gehe um einen Verkehrsunfall. Später stellt sich aber heraus: Wir allen töten Kinder, weil wir „unseren Reichtum aus dem Elend all der anderen ziehen“.  Denn Kinder in der dritten Welt sterben „im Sekundentakt“ an Hunger. Das „Wir“ in dieser kollektiven Selbstbezichtigung scheint übertrieben, weil es vom Konzernboss bis zum Dritte-Welt-Aktivisten alle in Haftung nimmt. Aber man horcht unwillkürlich auf und denkt nach. Mehr kann ein Lied kaum erreichen. Schade ist, dass das mutmaßlich sehr kritische Lied „AIDS“ fast unverständlich ist. Wahrscheinlich hatte Wojna, weil das Thema so umfassend ist, einen Text für ein 12-Minuten-Lied geschrieben. Um es auf vier Minuten zu bringen, entschloss er sich einfach, den Rap dreimal so schnell zu sprechen. Bei einem Lied, das etwas zu sagen hat, ist Unverständlichkeit kein Kavaliersdelikt. </p>
<p>Etwas weniger überzeugen auch die Liebeslieder oder Lieder zu unpolitischen Themen wie „Bitte trenn dich nicht“ oder „Zu wertvoll“. Vielleicht bin ich hier von den Liedermachern und anspruchsvollen Popballaden auch einfach zu verwöhnt. Das Werk der Bandbereite hat wenig mit einem Hip Hop zu tun, der aus dem „Ghetto“ bzw. aus dem Bauch zu kommen scheint (etwa von Bushido). Stattdessen knüpft es an den intelligenten, gar analytischen politischen Hip Hop eines Torch um die Jahrtausendwende an. Musikalisch gibt es auf „Reflexion“ im Wesentlichen drei Stile: Reinen Pop wie in „Was ist los mit diesem Land“; Rap mit Poprefrain (oft mehrstimmig und recht schön); und, als drittes, das Lied „Sauerland“, das musikalisch eine gelungene Parodie auf die Volkstümliche Hitparade darstellt. Der Text ist dem Bürgermeister von Wojnas Heimatstadt Duisburg gewidmet, der nach der Love Parade-Katastrophe keine gute Figur machte.</p>
<p><strong>„Antideutsche“ im Visier</strong></p>
<p>Schließlich muss noch das Lied „Hobbykommunisten“ erwähnt werden. Es ist mindestens das dritte, in dem die Erbfeindschaft der Bandbreite mit den Antideutschen ihren Niederschlag fand. Das Lied enthält einige recht krude Stellen. Man muss dabei aber natürlich berücksichtigen, dass man sich im Kontext des internationalen Hip Hop befindet, bei dem die Texter selten zimperlich sind. „Geschlechterrollen sowieso ja, die sind böse. Du kannst auch ein echter Kerl sein mit ’ner Riesenmöse“. Lässt sich bei diesem Lied etwa nachweisen, dass an den Vorwürfen gegen die Bandbreite doch etwas dran ist? Jedenfalls erweist sich der Dichter als nicht völlig trittsicher und schert sich nicht darum, ob bestimmte Passagen zu Missverständnissen führen könnten. „Du klatscht ab und zu mal ein paar Nazis, doch gibt es mal ’ne Demo mit Sinn, bist du auf  Partys.“ Wie, ist eine Demo gegen Nazis etwa nicht „mit Sinn“?</p>
<p>An einer Stelle heißt es: „Ich schwör, dass ich jeden meiner jüdischen Brüder lieb“ und an einer anderen: „In der Knesset sitzen Faschos“. Das zeugt zumindest nicht von einem unverkrampften Verhältnis zur Antisemitismus-Frage. Aber wo soll diese Unverkrampftheit auch her kommen, wenn man seit Jahren mit ungerechten Antisemitismus-Vorwürfen verfolgt wird? Texter Wojna teilt nicht exakt das Meinungs- und Taburepertoire, das wir etwa bei der älteren Liedermachergeneration finden. Aber ist er dazu verpflichtet? Darf eine neue Generation nicht neue Formen der Gesellschaftskritik entwickeln? Und ist es so entscheidend, ob wir jede von Wojnas Meinungen teilen (siehe auch Voltaire-Zitat)?</p>
<p><strong>Keine präventive Selbstzensur</strong></p>
<p>Ich sehe das so: Da ist jemand, der sich als weltoffen und eher links betrachtet und der sich nicht von der Angst beherrschen lassen will, andere könnten ihn (zu Unrecht) für „rechts“ halten. Dies wäre schon der Beginn einer inneren Selbstzensur, der Anfang vom Ende der Meinungsfreiheit. Wenn man Wojnas Texte unvoreingenommen, ohne Negativlupe liest, stellt man fest, dass auch „schockierende“ Formulierungen einen wahren Kern haben. Selbst diese: „Alle reden von der NPD, doch Extremisten sitzen längst im Bundestag.“ Die Bandbreite ist auf Anti-Nazi-Demonstrationen aufgetreten, steht also der NPD fern. Es bleibt die richtige Feststellung, dass im Bundestag neoliberale Betonköpfe sitzen. Der Turbokapitalismus, die „Banken- und Spekulantendiktatur“ (Konstantin Wecker) ist so extrem geworden, dass jeder, der sich nicht mit extremen Formulierungen von ihr distanziert, zum Mitläufer wird. Vielleicht wird man nach dem Zusammenbruch des Kapitalismus sagen: „Die Bandbreite gehörte zu den wenigen, die wirklich verstanden und klar benannt haben, was Anfang des 21. Jahrhunderts lief.“ </p>
<p>Als Anhang veröffentliche ich hier noch mal den Kommentar, den ich im Juli als Reaktion auf einen „antideutschen“ Brief an dieses Webmagazin geschrieben habe.</p>
<p>„<strong>Anmerkung der Redaktion:</strong> Mehrere Lieder von „Die Bandbreite“ wurde nicht von Konstantin Wecker, sondern von mir (Roland Rottenfußer) hier eingestellt. Ich finde diese Entscheidung bis heute richtig, denn die ca. 10 Lieder der Gruppe, die ich kenne, zeichnen sich durch einen engagierten, provokanten und aufklärerischen Geist aus, den ich schätze. Dies schließt nicht aus, dass es im Werk der Band Zeilen gibt, die ich nicht unterstützen würde, vor allem wenn man tief wühlt und eventuelle Ironiesignale übersieht. Zahlreiche Aussagen der „Bandbreite“ geben wahrscheinlich nicht die tatsächlich Meinung des Texters wider, sondern sind eher Karikaturen auf die Denkweise seiner Gegner. Grundsätzliche Wertschätzung für „Die Bandbreite“ schließt auch nicht aus, dass man über bestimmte Behauptungen streiten kann, etwa die Anschläge vom 11. Sept. seien von den Amerikanern „selbst gemacht“. Die Stigmatisierung der Band wäre aber keine adäquate Antwort auf die Fragen, die die Lieder der Bandbreite aufwerfen. Z.B. die israelische Regierungspolitik. Sie wird von vielen sehr glaubwürdigen Persönlichkeiten kritisiert, die sich Zeit ihres Lebens im antifaschistischen Kampf engagieren und gerade deshalb Menschenrechtsverletzungen anprangern, wo sie vorkommen, u.a. eben in Israel. </p>
<p>Ich stelle fest, dass „Auftritte“ der Bandbreite in unserem Webmagazin oft von kampagnenartigen, jeweils rhetorisch sehr geschickt geführten Angriffen aus der Ecke der sog. „Antideutschen“ begleitet werden. Zwischen den Antideutschen und der Bandbreite besteht eine auf beiden Seiten erbittert geführte Fehde, die meist darin gipfelt, dass die jeweils andere Seite in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt wird. Ich finde das in beiden Fällen übertrieben. Siehe etwa dieses Lied: http://www.youtube.com/watch?v=ElzvWQhMyGI Ich stelle außerdem fest, dass mit dem Antisemitismusvorwurf immer wieder Personen und Gruppierungen stigmatisiert werden sollen, die sich grundsätzlich kritisch mit der herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung auseinandersetzen, etwa die Partei Die Linke oder Zinskritik nach Silvio Gesell. Es ist eine Taktik, diejenigen in die Ecke zu stellen, derer man sonst nicht Herr wird – vielleicht auch, weil sie sehr oft Recht haben. Wer allerdings den Nazi-Vergleich inflationär verwendet, verharmlost die Geschehnisse des Dritten Reiches, bewirkt einen Übersättigungseffekt und erschwert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit.</p>
<p>Aufforderungen an Webseiten und Veranstalter, Die Bandbreite zu boykottieren, appellieren an den Konformismus der Menschen, die Angst, aus der Herde der „Anständigen“ ausgestoßen zu werden. „Um Gottes Willen, wenn ich jetzt die Bandbreite bringe, wie stehe ich dann da?“ Hinter der Kritik steht meiner Meinung nach auch das biedere Idealbild, jemand müsste sich mit jeder Handlung und jeder Textzeile sein ganzes Leben lang völlig lupenrein und unmissverständlich verhalten. Wie könnte man auch erwarten, dass jemand unmissverstanden bleibt, der sich poetisch ausdrückt und dass jemand unumstritten ist, der die Fundamente des herrschenden Weltbilds in Frage stellt?“</p>
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		<title>Satirischer Biss, rebellischer Geist, menschliche Poesie</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Sep 2011 10:51:57 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[CD-Tipp]]></category>

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		<description><![CDATA[Schöne Zusammenfassung zu Konstantin Weckers neuer CD &#8220;Wut und Zärtlichkeit von Thomas Schubert. (Quelle: Zoolamar) http://www.zoolamar.com/2011/09/26/konstantin-wecker-satirischer-biss-rebellischer-geist-menschliche-poesie/]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/09/WutundZärtlichkeit1.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/09/WutundZärtlichkeit1-150x150.jpg" alt="" title="WutundZärtlichkeit" width="150" height="150" class="alignleft size-thumbnail wp-image-6443" /></a>Schöne Zusammenfassung zu Konstantin Weckers neuer CD &#8220;Wut und Zärtlichkeit von Thomas Schubert. (Quelle: Zoolamar)<br />
<a href="http://www.zoolamar.com/2011/09/26/konstantin-wecker-satirischer-biss-rebellischer-geist-menschliche-poesie/">http://www.zoolamar.com/2011/09/26/konstantin-wecker-satirischer-biss-rebellischer-geist-menschliche-poesie/</a></p>
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		<title>CD-Tipps: Oper zweimal anders</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Jun 2011 09:06:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rr</dc:creator>
				<category><![CDATA[CD-Tipp]]></category>

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		<description><![CDATA[Konstantin Wecker und die Oper – und von dort zu den aktuellen CDs von Barbara Moser und Alois Mühlbacher (von Alexander Kinsky). Dass Konstantin Wecker die Oper liebt, speziell Puccini, ist vielfach bekannt. Er hat schon als Kind seinen Vater, den Tenor, am Klavier begleitet und bald mit seiner reinen Sopranstimme die großen italienischen Frauenpartien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_5444" class="wp-caption alignleft" style="width: 180px"><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/06/Belcanto-Pianistico.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/06/Belcanto-Pianistico.jpg" alt="" title="Belcanto Pianistico" width="170" height="150" class="size-full wp-image-5444" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Belcanto Pianistico&quot;, Barbara Moser</p></div>Konstantin Wecker und die Oper – und von dort zu den aktuellen CDs von Barbara Moser und Alois Mühlbacher (von Alexander Kinsky).<span id="more-5443"></span></p>
<p>Dass Konstantin Wecker die Oper liebt, speziell Puccini, ist vielfach bekannt. Er hat schon als Kind seinen Vater, den Tenor, am Klavier begleitet und bald mit seiner reinen Sopranstimme die großen italienischen Frauenpartien in Duetten mit dem Vater zusammen gesungen. Hin und wieder wird speziell das in den frühen 60ern aufgenommene Sohn-Vater-Duett „Parigi, o cara“ aus Verdis „La Traviata“ zu Radiogesprächen mit Konstantin eingeblendet. Erfahrung auf den Brettern die die Welt bedeuten sammelte Konstantin damals durch die Mitwirkung an einer Kinderoperproduktion im Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz, Benjamin Brittens „Der kleine Schornsteinfeger“. Kenner der Wecker Diskografie wissen, wo man (neben frühen Schallplatten mit dem Rudolf Lamy Kinderchor sowie Ausschnitten daraus in der Bear Family Box „Zwischenräume“) Konstantin mit Knabenstimme hören kann – man lege die CD „Vaterland“ ein und lasse nach dem letzten Titel („Willy III“) die CD weiter laufen …</p>
<p>Um 1990 meldeten einige Zeitungen, Konstantin werde bei den Schlossfestspielen Ludwigsburg den „Papageno“ in Mozarts „Zauberflöte“ singen. Das kam letztendlich nicht zustande. Hin und wieder überraschte Konstantin aber doch auch in Konzerten, im Fernsehen und im Radio mit live vorgetragenen Opernausschnitten, so etwa im SWR am 1.4.1989, als er in „Auf der Couch“ zusammen mit der Sopranistin Sylvia Geszty ein Duett aus Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ zum Besten gab (am Klavier Peter Schindler), oder erst neulich, am 11.2.2011 in Schwäbisch Gmünd beim „Studiobrettl“, mit dem schon genannten „Traviata“-Duett, diesmal mit der Chanteuse, Opernsängerin und Opernparodistin Annette Postel zusammen (und verständlicherweise mit einem Rollenfachwechsel Konstantins), zu hören gewesen in SWR 2 Radio am 19.2.2011 (am Klavier Jo Barnikel). So mancher im Publikum schmunzelt auch bei den Konzertzugaben, wenn Konstantin im Rahmen des ausufernden „Klavierduells“ zusammen mit Jo Barnikel plötzlich in die Rolle des Protagonisten einer modernen Oper schlüpft und an der Rampe zu einer atonal impulsiven Neufassung des Kinderliedes „Ein Männlein steht im Walde“ ausholt.</p>
<p>Hier werden nun zwei neuere CD-Produktionen vorgestellt, die vieles von dem einfangen, was auch Konstantin Weckers Erfahrung mit der Oper ausmacht, einerseits als ausübender Musiker am Klavier (der auch gerne Opernausschnitte aus Klavierauszügen spielt), andererseits das Kindheitsgeschenk eines außergewöhnlich begabten Knabensoprans, bei dem es jenseits von Gedanken zur Vermarktung schade wäre, gäbe es diesen nicht auch akustisch dokumentiert.</p>
<p>„Für meinen Vater“ – diese tief bewegende Liebeserklärung in Gedichtform hat Konstantin 1994 mit Puccinis „Nessun dorma“ aus der „Turandot“ unterlegt und danach unzählige Male auch selbst am Klavier vorgetragen. Die erste CD ist ohne Oper nicht denkbar. Und sie spielt ein Klavier.</p>
<p>Die 1970 geborene Wienerin Barbara Moser, international hoch anerkannte Pianistin, Kammermusikerin und Liedgestalterin, nahm im Dezember 2010 in Wien auf einem Steinway Flügel eine CD auf, der sie den Titel „Belcanto pianistico“ gab (CD Gramola 98918). Neben Lied- und Opernparaphrasen finden sich darauf auch einige Raritäten des Klavierrepertoires. Im 19. Jahrhundert, als es noch keine Tonträger gab, setzte sich Musik egal welcher Art vor allem durch, indem sie in Arrangements für Klavier übertragen wurde und somit „wohnzimmergerecht“ aufbereitet war. Virtuosere Gemüter bauten dann auch Opernmelodien zu pianistischen Glanzstücken aus. Barbara Moser, eine erklärte Opernliebhaberin, „singt“ sich mit ihrem Klavierspiel, für Kenner durchaus zum inneren oder äußeren Mitsingen geeignet, für Nichtkenner auf die Originalwerke neugierig machend, vielfach pianistisch durchaus demonstrierend, dass dies nicht nur technisch leicht nachzuspielende Literatur ist, durch Giordanos „Fedora“, Donizettis „Lucia di Lammermoor“ (Liszt-Bearbeitung), Verdis „La Traviata“ (Bearbeitung von Ignace Leybach, ergänzt von Barbara Moser), durch einen Querschnitt mit Melodien aus mehreren Rossini-Opern und schließlich durch Bellinis „La Sonnambula“ (wieder von Liszt bearbeitet). </p>
<p>Dazu gibt es Liedbearbeitungen für Klavier solo von Bizet, Liszt (am berühmtesten hier der „Liebestraum Nr. 3“ in As-Dur) und Gounod (von dem auch Konstantin als Knabensopran das „Ave Maria“ über Bachs Präludium C-Dur gesungen hat, aber das ist nicht auf Barbara Mosers CD enthalten). Besondere Raritäten auf dieser CD mit Klavierrepertoire jenseits des Gängigen sind die Phantasie „Die Brandruinen von Wiener Neustadt“, geradezu eine „kleine Oper für Klavier“ des Liszt-Lehrers und berüchtigten Etüdenkomponisten Carl Czerny sowie eine reizvolle Serenade von Pauline Viardot-Garcia. Barbara Moser weiß pianistisch genauso in den Melodien zu schwelgen wie virtuos aufzudrehen. Dabei verhehlt sie in ihrem musikantisch-melodiös-virtuosen Spiel nicht, aus Wien zu kommen. Sie bewahrt immer den großen Überblick. Man hat nicht den Eindruck, dass sie an ihre pianistischen Grenzen geht. Es ist ihre Welt, und in der ist sie souverän zu Hause. Im ausführlichen Begleittext liefert Barbara Moser allerhand aufschlussreiche Informationen zu den Komponistinnen, Komponisten und Kompositionen. Wer Oper mag und wer Klaviermusik mag die man nicht so oft hört, findet hier eine wertvolle diskografische Ergänzung.</p>
<p>Für die Kinderklangwolke 2009 in Linz komponierte Konstantin Wecker „Die Kinder im Spiegel“. Die Texte schrieb Christa Koinig. Aufhorchen ließ damals das anspruchsvolle „Lied für Felix“, gesungen vom Solisten der St. Florianer Sängerknaben Alois Mühlbacher. Bei der CD Aufnahme dieses Liedes wirkte übrigens auch das Spring String Quartet mit. Im Konstantin Wecker Konzert im Linzer Brucknerhaus am 17.4.2010 gab es dann bei den Zugaben das „Lied für Felix“ mit Gast Alois Mühlbacher als besonderen Konzerthöhepunkt. Die zweite CD ist ohne Oper nicht denkbar. Und sie singt ein Knabensopran.</p>
<p>Die Aufnahmen für „Alois unerhört“ (CD Preiser Records PR 91185) entstanden 2009 und 2010 im Stift St. Florian in Oberösterreich. Chorleiter Franz Farnberger selbst begleitet Alois Mühlbacher am Bösendorfer Flügel, bei einigen Nummern wirken auch andere Chormitglieder mit, bei einer kurz der ganze Chor der St. Florianer Sängerknaben. Alois Mühlbachers Knabensopran ist zu ausdrucksstark, zu vielseitig, zu talentiert, einfach nur zu staunenswert einmalig, um so eine Chance nicht zu nutzen. Er singt eine Stunde lang große Frauenpartien aus Oper, Operette und Theatermusik. Es war naheliegend, und es wurde durchgezogen. Das nährt den Verdacht auf Ausbeutung eines Kindertalents, aber man ist nicht zuletzt aufgrund des akustischen, enorm beseelten Ergebnisses versucht, dem herzlichen Begleithefttext Franz Farnbergers zu folgen, der suggeriert, hier wurde ganz sicher nicht die natürliche Entwicklung eines pubertierenden Jungen mit der diese eventuell behindern könnenden „Verantwortung dem künstlerischen Talent gegenüber“ erdrückt.</p>
<p>(Ein paar Jahre nach Konstantin Weckers grundsätzlich künstlerisch anspruchsvollen Herausforderungen als Knabensopran und mittlerweile auch schon 40 Jahre vor Alois Mühlbachers Knabensopranzeit füllte sich mit Heintje eine gewinnbringende Marktlücke dieses „Genres“ im deutschsprachigen Raum höchst erfolgreich. Rein kommerziell wäre damals bei Wecker wie heute bei Mühlbacher durchaus mehr drin gewesen. Man denke nur an die Branche der volkstümlichen Musik. Es spricht für die jeweilige Umgebung, dies nicht ausgeschlachtet zu haben.) Keine Zirkusdressur also, sondern Sopran-Hits, verblüffend ausdrucksstark und unglaublich stilsicher vorgetragen: Alois Mühlbauer schlüpft in die Rollen der Königin der Nacht, der Pamina, der Rusalka, der Marietta (Korngolds „Die tote Stadt“), der Solvejg (Griegs „Peer Gynt“), der Lauretta (Puccinis „Gianni Schicchi“), der Butterfly, der Wally (von Catalani), zweimal der Adele und einmal der Rosalinde (Johann Strauß, „Die Fledermaus“) und sogar der Zerbinetta („Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss). Er vermittelt dabei Zorn, Verzweiflung, Sehnsucht, flehentliches Bitten, Hoffnung, resignierende Abschiedsgefühle, aber auch das Selbstbewusstsein einer hoffnungsvoll frechen jungen Theatersängerin und das Temperament einer feurigen Ungarin sowie im die CD abschließenden berühmten Duett aus „Lakmé“ von Delibes sanften Trost. Eine verblüffende Talentprobe.</p>
<p>Links:</p>
<p>Barbara Moser</p>
<p>https://www.gramola.at/de/shop/101196/?showtracks=1</p>
<p>Alois Mühlbacher</p>
<p>http://www.amazon.de/Unerh%C3%B6rt&#8211;Boy-Voice-Alois-M%C3%BChlbauer/dp/B004GVYG7C/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1305210077&#038;sr=8-1</p>
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		<title>CD-Tipps: Hagen Quartett, Spring String Quartet</title>
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		<pubDate>Thu, 12 May 2011 09:31:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rr</dc:creator>
				<category><![CDATA[CD-Tipp]]></category>

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		<description><![CDATA[WER FÜRCHTET SICH VORM STREICHQUARTETT? Aktuelle Streichquartett-CDs des Hagen Quartetts und des Spring String Quartet widerlegen einmal mehr das Klischee, Streichquartettmusik sei nur etwas für eine intellektuelle Elite. (Von Alexander Kinsky) Streichquartette gibt es seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sowohl die Besetzung (zwei Violinen, Viola und Violoncello) als auch Kompositionen für diese Instrumentenkombination werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>WER FÜRCHTET SICH VORM STREICHQUARTETT?</p>
<p>Aktuelle Streichquartett-CDs des Hagen Quartetts und des Spring String Quartet widerlegen einmal mehr das Klischee, Streichquartettmusik sei nur etwas für eine intellektuelle Elite. (Von Alexander Kinsky)<span id="more-5040"></span></p>
<p>Streichquartette gibt es seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sowohl die Besetzung (zwei Violinen, Viola und Violoncello) als auch Kompositionen für diese Instrumentenkombination werden so genannt. Vielfach gilt Musik für Streichquartett als elitär, eine gewisse Scheu vor möglicherweise zu intellektueller, zu verkopfter Kunst, die nur Zugang über umfangreiche Vorkenntnisse erlaubt, steht einer größeren Verbreitung im Massenbewusstsein im Wege. Man sagt andererseits: Wer Streichquartette komponiert, könne sich nicht verstellen, diese Musik verlange pure Authentizität. Insofern gehören Streichquartette durchwegs zu den ambitioniertesten Kompositionsversuchen überhaupt, von Joseph Haydn bis Jörg Widmann. Hier wird nun behauptet, man kann sich in Streichquartettmusik genauso emotional hineinfallen lassen wie in jede andere Musik. Von Vorteil sind natürlich hier wie sonst auch exemplarisch gute Werke und Interpretationen. Zwei CD Beispiele seien als Plädoyer für das Streichquartett vorgestellt, gleichzeitig für die unglaubliche Bandbreite, die selbst hier möglich ist.</p>
<p>Im Jahr 2011 feiert das Salzburger Hagen Quartett sein 30jähriges Jubiläum als professionelles Streichquartett. Zusammengespielt haben die vier Geschwister Lukas (Violine 1), Angelika (Violine 2), Veronika (Viola) und Clemens (Violoncello) schon seit der Kindheit. Beim internationalen Durchbruch 1981 beim Kammermusikfest Lockenhaus war aber schon Annette Bik statt Angelika (die sich zurückgezogen hatte) dabei, ab 1987 ersetzte der Deutsche Rainer Schmidt Annette Bik. Seither ist die Besetzung unverändert. Das Hagen Quartett gilt als eines der besten Streichquartette der Welt. Es zeichnet sich durch fesselnde Präzision im Zusammenspiel, Klangklarheit, Differenziertheit und dazu totale Intensität der Interpretation aus. Da wird die Streichquartettmusik zur „Klangrede“ (wie von einem ihrer Lehrmeister in jungen Jahren, Nikolaus Harnoncourt, gewünscht), zu zeitloser Musik, mit der man sich selbst außermusikalische Inhalte beim Hören einfallen lassen kann, wenn man das möchte, zu einfach spannender, abwechslungsreicher Musik, jenseits musikwissenschaftlicher Grundvoraussetzungen des Hörens (die natürlich trotzdem bereichernd sein kann.</p>
<p>Die im Februar 2011 veröffentlichte, im Mai und Dezember 2010 in der Berliner Siemens-Villa eingespielte neue CD des Quartetts (CD myrios classics MYR006) bietet Werke von Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart und Anton Webern. Beethovens 1806 erstveröffentlichtes Quartett e-moll op. 59/2 (das zweite der drei nach dem Widmungsträger genannten „Rasumowsky“ Quartette) hat vier Sätze und dauert knapp über 30 Minuten. Allein der zweite Satz, Molto Adagio, ist die ganze CD wert, das ist ungemein innige Musik, ein vertieftes Innehalten sondergleichen. Die Musik wirft den Hörer auf sich selbst zurück, sie kann zu einem Seelenspiegel werden. Mozarts Quartett Es-Dur KV 428 (421b), erstmals gedruckt 1785, ist knapp über 25 Minuten lang und weist ebenfalls vier Sätze auf. Das Hagen Quartett befreit diesen Mozart völlig von allfällig möglichen Klischees, hiermit könne man nebenbei leichte Unterhaltungsmusik genießen, dazu Mozartkugeln essen und ans Glockenspiel in Salzburg denken. Es wird vielmehr zeitlose, spannende, ja geradezu aufwühlende Musik voller Überraschungen geboten. Wo anderswo ein Tanz vorbeizieht, stockt hier der Ansatz zum Tanz bereits zu einer Frage von Sein oder Nichtsein. Der am wenigsten populäre Komponist dieser CD ist Anton Webern, neben Alban Berg der bekannteste Schüler von Arnold Schönberg. Musik vom Anfang des 20. Jahrhunderts also, Fünf Sätze op. 5 (1909) und die sechs Bagatellen op. 9 (1911/13) – das sind vielfach nur ganz kurze Stücke, von 26 Sekunden bis knapp über vier Minuten kurz. Man hört unheimlich konzentrierte Momentaufnahmen, extreme Gefühlswelten tun sich auf, von kurzen, ekstatischen Ausbrüchen bis zu völlig weltfern wirkenden Klang-Stillständen. Unglaublich spannend zu hören, egal ob man die Werke strukturell und analytisch erfassen oder einfach nur von spannender Musik, irisierend intensiv gespielt, genial verblüfft werden möchte. Das ist im besten Sinn „schräge Musik“ – womit der akustische Boden bereitet wäre für die zweite hier zu besprechende Streichquartett CD.</p>
<p>Wieder zwei Violinen (Christian Wirth und Marcus Wall), eine Viola (Julian Gillesberger) und ein Violoncello (Stephan Punderlitschek), ebenfalls österreichische Wurzeln, diesmal aus Linz (das Quartett wurde 1997 gegründet, seither Zusammenarbeit mit Lee Konitz, Konstantin Wecker u.v.a.), aber welch völlig anderer Musikansatz: Erdige, vielfach raue Streichquartettmusik, interpretiert von vier Langhaarigen, mit Jazzfeeling und Rockgroove, mit improvisierten Soli, Lebenslust pur, die mit ansteckender Spielfreude total ausgekostet wird. Das Korsett des elitär-klassischen Musikbetriebs aufbrechend mit speziell für sie konzipierten Werken und Arrangements (vor allem von Rockklassikern), mit Möglichkeiten zu poetischen bis exzessiven Soli, mit teilweiser Umfunktionierung der Streichinstrumente zu Schlaginstrumenten und sogar manchmal mit Gesang (Beispiel „Time“). Sie haben schon mehrere CDs aufgenommen, im März 2011 wurde mit „HighwayStar“ (CD ATS Records CD-0733) eine neue vorgestellt. Der österreichische Musiker Michael Radanovics, der schon viel für das Quartett arrangiert und komponiert hat, steuerte auch diesmal einen Großteil der Vorlagen bei. Seine Coverversionen von „Highway Star“ (nach Deep Purple), „Time“ (nach Pink Floyd), “Root Bear Rag” (nach Billy Joel) und “Roxanne” (nach Police) geben den Klassikern neue, spannende Farben. So hat man diese Titel noch nicht gehört, und so wird man sie sicher wohl nicht wieder hören, weil sie bei Konzerten garantiert völlig andere Improvisationsauflösungen erhalten werden und diese Mischung aus Wiedererkennen, Umdeuten und „Rausimprovisieren“ alle mitreißen wird.</p>
<p>Drei Titel sind Originalkompositionen von Radanovics, das reizvoll-überraschende Stimmungsbild „Wide, Wide, Wide“, das groovige „Peggy, The Rubber Duck“ und das schräge Westernstück „A Neopolitan Sixth Chord“. Roland Keil ist als Komponist mit „Almost Waltz“ vertreten, und hier versteht sich das Quartett auch deutlich hörbar (zumal gegen Ende hin) auf den Wiener Schmäh. Die sensible „Mazurka For Sentimental Cowboys“ wiederum stammt von Herwig Neugebauer. Aufgenommen wurde die CD im Sommer 2010 im ATS Studio Molln (Österreich). Zwei Hits aus früheren Programmen, „Human Error“ (nach Roland Neuwirth) und „Blue Smoke On The River Danube“ (die Michael Radanovics-Melange aus dem Donauwalzer und dem Deep Purple Klassiker), runden in den schmissigen Liveversionen vom 23.4.2007 aus dem Linzer Brucknerhaus die CD furios ab.</p>
<p>Das Hagen Quartett sucht und findet individuelle interpretatorische Freiräume aus den Vorlagen der großen Werke vom 18. bis zum 21. Jahrhundert, das Spring String Quartet sucht und findet sie aus dem Jazz- und Rockbereich in Form von Neufassungen der Klassiker dieses Genres und mit speziell auf sie zugeschnittenen Kompositionen. Beides führt zu unglaublich spannender, lebendiger Musik.</p>
<p>Links:</p>
<p>Hagen Quartett:</p>
<p>http://www.myriosmusic.com/de/proddetail_myr006.html</p>
<p>Hörbeispiele:</p>
<p>http://www.amazon.de/Streichquartette-Op-59-2-KV-428/dp/B004IWP6MS/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1305109544&#038;sr=8-1</p>
<p>Spring String Quartet (mit Hörbeispielen):</p>
<p>http://www.ssq.at/de/cds_sounds.php</p>
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		<title>CD-Tipp: Eloas Lachenmayr</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Apr 2011 10:13:42 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[CD-Tipp]]></category>

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		<description><![CDATA[Alexander Kinsky empfiehlt &#8220;Ich-Botschaften&#8221; von Eloas Lachenmayr &#8211; ein authentischer neuer Barde mit spiritueller Botschaft. In Zeiten hemmungsloser Egozentrik neoliberaler Karrieristen ein CD Album mit dem Titel „Ich-Botschaften“ zu veröffentlichen, wie es der als Leiter der Gruppe „Die Neuen Barden“ bekannt gewordene Eloas Lachenmayr im Oktober 2010 praktiziert hat, grenzt auf den ersten Blick an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/04/Lachenmayr.png"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/04/Lachenmayr.png" alt="" title="Lachenmayr" width="134" height="133" class="alignleft size-full wp-image-4870" /></a>Alexander Kinsky empfiehlt &#8220;Ich-Botschaften&#8221; von Eloas Lachenmayr &#8211; ein authentischer neuer Barde mit spiritueller Botschaft.<span id="more-4869"></span></p>
<p>In Zeiten hemmungsloser Egozentrik neoliberaler Karrieristen ein CD Album mit dem Titel „Ich-Botschaften“ zu veröffentlichen, wie es der als Leiter der Gruppe „Die Neuen Barden“ bekannt gewordene Eloas Lachenmayr im Oktober 2010 praktiziert hat, grenzt auf den ersten Blick an Übermut. Wenn man allerdings auch nur ansatzweise Lachenmayrs Weg bis dahin mitverfolgt hat, weiß man sofort, dass dies alles andere als eine Motivations CD für Überflieger des Kapitalismus sein kann – allenfalls damit diese in sich gehen, ihr Leben hinterfragen und sich darauf besinnen, was das Leben eigentlich ausmacht.</p>
<p>Vielfach sanft treibend bis schwebend, mit Gitarren, Klavier, Sounds, Perkussion, durchaus gefällig zusammen mit versierten Sudiomusikern arrangiert, vor allem auch mit einigen sehr schönen Saxophonsoli aufwartend, schafft Lachenmayr akustisch ein wohliges, wirklich angenehmes Hörklima. Gleichwohl verzichtet er darauf, mit möglicherweise die Wirkung verstärkenden billigen Effekten zu arbeiten. Bereits die Musik allein umreißt also das Ich-Bild dieses authentischen Liedermachers. Im Vorwort zur CD schreibt er von den Veränderungen des Jahres 2010, die alle Menschen betreffen. Auch Lachenmayrs ohnedies schon sehr spiritueller Lebensansatz erfuhr mit dem Tod der Mutter in diesem Jahr einen bedeutenden Einschnitt. </p>
<p>Wichtig ist ihm, Veränderungen in sich selbst zuzulassen. Die Lieder „Erwacht“ und „Nun“ schildern Selbstfindungsmomente, „Friedvolle Krieger“ ist ein Aufruf zur Selbstfindung, das „Mut-Mach-Lied“ einer zur Zivilcourage. „Ich-Sein“ kann man, so ein weiteres Lied, indem man die anderen Menschen respektiert. Musikalischer Höhepunkt der CD ist das über zehn Minuten lange „Fire &#038; Ice“, das (großartig subtil arrangiert!) in die eisige Welt Grönlands, in die herrlichen Naturlandschaften dort führt. Das englisch gesungene Lied selbst, in dieses irisierende Klangbild eingebettet, ist vom irischen Folkstil beeinflusst. Ein zweites englisch gesungenes Lied ist „After the night“. Es ist ein Plädoyer fürs Loslassenkönnen. Seiner Mutter hat Lachenmayr „Dein Wille geschehe“ gewidmet. Es handelt davon, den Tod zu akzeptieren. Am Ende der CD findet sich übrigens noch eine alternative Duettversion dieses Liedes. </p>
<p>Trennungslieder sind immer in Mode, aber auch hier findet Lachenmayr eine ganz persönliche Form, er plädiert in „Liebe kann nicht wirklich verloren gehen“ dafür, sich in Würde und Respekt miteinander zu arrangieren. Das Titellied „Ich-Botschaften“ schließlich wartet mit einer bewusst einprägsamen Melodie auf, nach Spielmannsart zum Nachsingen. Das liebevoll aufwändig gestaltete Begleitheft zur CD bietet zu jedem Lied den kompletten Text und kurze einführende Anmerkungen. Vom Grundton Dunkelblau ausgehend, gibt es zu den Liedern passende, feinfühlig gewählte Fotomotive. Anders als bei Motivations-CDs von professionellen Marketingfirmen hat man bei Lachenmayr nie den Eindruck einer penetranten, pseudo-esoterisch und pseudo-spirituell marktschreierischen Anbiederung. Hier singt ein einfacher Musikant seine Selbstfindungsprozesse hinaus in die Welt. Im Grunde sind es simple, auch in Schlagern tausendmal durchgekaute Weisheiten, durch die Authentizität des Künstlers verströmen sie aber eine sympathische Wahrhaftigkeit. Da muss keiner auf Jesus Christus oder Barack Obama machen, da bleibt einer Eloas Lachenmayr.</p>
<p>Infos und Bestellmöglichkeit: http://www.eloaslachenmayr.de/</p>
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		<title>CD-Tipp: Klaus-André Eickhoff: «Halbwegs gelassen»</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Feb 2011 09:51:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rr</dc:creator>
				<category><![CDATA[CD-Tipp]]></category>

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		<description><![CDATA[Alexander Kinsky präsentiert einen zu wenige bekannten deutschen Liedermacher, dessen Spezialität erheiternde Sprachkunststücke à la Reinhard Mey sind, der aber mit seiner neuen CD eine Wendung zu Ernsthaftigkeit und Melancholie genommen hat. Zählt man seine Advent CD „Ach, du fröhliche“ und einen mit einigen „Aktualisierungen“ verfeinerten Sampler nicht als „ganz reguläre“ Produktionen, ist die Anfang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/02/HalbwegsGelassen.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/02/HalbwegsGelassen.jpg" alt="" title="HalbwegsGelassen" width="163" height="158" class="alignleft size-full wp-image-4125" /></a>Alexander Kinsky präsentiert einen zu wenige bekannten deutschen Liedermacher, dessen Spezialität erheiternde Sprachkunststücke à la Reinhard Mey sind, der aber mit seiner neuen CD eine Wendung zu Ernsthaftigkeit und Melancholie genommen hat. <span id="more-4124"></span></p>
<p>Zählt man seine Advent CD „Ach, du fröhliche“ und einen mit einigen „Aktualisierungen“ verfeinerten Sampler nicht als „ganz reguläre“ Produktionen, ist die Anfang 2011 erschienene CD „Halbwegs gelassen“ (cap!-music 52 07005) des 1972 in Celle geborenen Liedermachers Klaus-André Eickhoff die erste Folgeproduktion nach „Schafspelz“ (2006). Fast fünf Jahre sind also vergangen, in fünf Jahren erlebt man viel, passiert viel, man wird älter, man verändert sich. Ein Künstler könnte sich im kommerziellen Sinn treu bleiben, aber auch auf (s)einem eigenständigen Weg. (Bei manchen greift das eine ins andere.)</p>
<p>Eickhoffs vom Publikum seiner zahlreichen Konzerte nur allzu gern angenommenen charmant-verschmitzten aus dem Alltag gegriffenen Lieder, die sich durch all seine Alben ziehen, stehen in der Tradition von Reinhard Mey (mit dem Unterschied, dass Eickhoff seine Lieder am Klavier interpretiert) – ihm steht ein Sprachwortschatz sondergleichen zur Verfügung, aus dem er mit seinem ganz eigenen Charme die Reime purzeln lässt, und ähnlich wie bei Mey lässt sich zu jedem möglichen oder unmöglichen Thema ein Lied basteln, diesmal zur politischen Phraseologie („Im Himmel sind wir alle Kommunisten“), zum Fußball („Danke, Fußball“ und „Rot-Weiß-Ahlen“), zum „Casting“, zur ultimativen Schuldfrage („Mittelstreifenschleicher“) oder zum Positivismus („Kannaumaleichtsein“).</p>
<p>Diese „Schiene“ setzt Eickhoffs bisherigen „einen“ Weg konsequent fort, hier erfüllt er die Erwartungshaltungen. Der „andere“ Eickhoff, der einerseits sehr ernste, dem immer wieder ganz herausragende sehr tiefgehende Lieder von hoher Authentizität gelingen und der andererseits großen Wert legt auf eine ausgefeilte musikalische Gestaltung seiner Studioalben, hat hier einen Quantensprung zu einer Art „Winterreise“ vollzogen, er hat nahezu ein eigenes „Album im Album“ entworfen.</p>
<p>Wie schon bei seinem ambitionierten Konzeptalbum „Courage“ (2004) baut er vielfach auf den sensiblen Arrangeur Wolfgang Zerbin, und es ist der Produktion hoch anzurechnen, dass sie sich ein Kammerensemble leistet, welches den Liedern (durchaus auch den „Mey-epigonalen“, aber noch viel tiefer unter die Haut gehend bei den anderen) ganz eigene Klangfarben einverleibt. Das Album erhält einen Rahmen mit zwei Liedern des Innehaltens, mit Lebensbilanzliedern („Ein bisschen Zeit“ bzw. „30 plus“), wobei vor allem das erste gleich mit seinem ausgefeilten Arrangement verblüfft. Indem der zweite Titel „Warum schneit es jetzt?“ die melancholische Schwere des Openers beibehält, wird der Mut, sich zur persönlichen Wandlung (hin zu einer „Winterreise“, auf jedem Fall zu einem neuen Lebensabschnitt) zu bekennen, deutlich. Hätte Eickhoff als zweiten Titel eines seiner “Mey“ Lieder gewählt, also die Konvention, wäre der Bogen verkaufsträchtiger gespannt worden. Zappt man nur in die Titel hinein und springt vom ersten zum zweiten, wähnt man sich mit der Schwere, die sich über die Welt legt, aber eben nahezu in Schuberts „Winterreise“, man muss zum dritten Titel „Im Himmel sind wir alle Kommunisten“ weiter zappen, um „endlich“ wieder den augenzwinkernd-charmanten Eickhoff zu finden, „den man erwartet“. </p>
<p>„Frühling oder Herbst“, das sechste Lied der CD, setzt bei dieser „Winterreise“-Schwere fort, und das darauf folgende Lied „Wie ein Tropfen in der Kurve“ ist Eickhoffs „Menschenjunges“ (um schon wieder den Vergleich mit Reinhard Mey zu strapazieren), aber so wie er dieses Thema auf seine Art musikalisch aufbereitet, so nachdenklich und demütig, so ganz eigen authentisch (auch wenn er ja nun wirklich nicht der erste Mensch ist, der in die Vaterrolle schlüpft), fügt es sich kongenial zu seinen ganz herausragenden Liedern, die den Hörer ins ganz Persönliche mitnehmen, ohne der Situation den liebevollen Respekt zu nehmen. „Kleines Licht“ setzt auf dieser „Winterreise“ noch eins drauf, so einfühlsam haben wohl bisher nur wenige denen in Liedform ein Denkmal gesetzt, die es im Leben nicht schaffen und daran zu knabbern haben – ein neuer „Hoffnungsschimmer“ von Eickhoff, ein weiteres ganz persönliches Lied von ihm, und ganz gewiss nicht nur für alle Nachdenklichen, Melancholischen, Weltvergessenen, Weltverlassenen, Außenseiter – es mag auch als Innehalt-Lied für die im Mainstream Schwimmenden taugen, wenn sie sich im „perfekten Augenblick“ (schlag nach bei Eickhoff!) damit erwischen lassen. (Es täte ihnen auf jeden Fall unendlich gut.)</p>
<p>Eickhoff nimmt uns auf dieser seiner „Winterreise“ aber noch weiter auf den Weg fünfjähriger Erfahrung seit „Schafspelz“ mit. Tausende Schlager haben die Problematik der persönlichen Trennung in die Beliebigkeit vereinfacht, Eickhoff ist einer, der sie ins schmerzvoll Substanzielle zurückführt, und der Respekt, der hier stets präsent bleibt, zeugt von hohem moralischen Ethos. Zu hören in den beiden Liedern „Es tut mir unendlich leid“ und „Wie geht´s?“. Solche Lieder können (hoffentlich) Selbsthilfe sein und gleichzeitig Tröster für die, die Ähnliches erlebt haben oder gar aktuell durchmachen. Mit der sorgfältigen musikalischen Einkleidung einerseits dank des Kammerensembles, andererseits dank sparsamer Arrangement etwa nur mit Klavier oder mit Klavier und Violoncello, erreicht „Halbwegs gelassen“ auch jenseits der Texte und Themen eine sehr schöne, abgerundete, außergewöhnliche Geschlossenheit. Man wünscht Klaus-André Eickhoff, der ja die meisten seiner Konzerte mit Klavier, manche mit Torsten Harder am Cello bestreitet, diesmal auch die finanziellen Möglichkeiten, ein paar Konzerte mit dem großartigen Ensemble durchführen zu können. Und auf jeden Fall dieser CD viel Erfolg.</p>
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		<title>CD-Tipp: Sebastian Lohse, «Erfolg»</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Nov 2010 10:15:03 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[CD-Tipp]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der Liedermacherszene ist es ja wie mit dem deutschen Tennis: Wer sich auskennt, weiß, dass es neue, gute Kräfte gibt, aber den Glanz der Altmeister erreicht vorerst noch niemand. Bei einer Reihe von Liedermachern fehlen nicht gute Texte, sondern ein gleichwertiges musikalisches Talent, eine eigenständige und differenzierte Musiksprache. Es macht insofern Mut, dass mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2010/11/SebastianLohseErfolg.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2010/11/SebastianLohseErfolg-150x150.jpg" alt="" title="Erfolg-CD-Europack-CDDG4T1-002-LAy2:ERFOLG-12x12-Booklet" width="150" height="150" class="alignleft size-thumbnail wp-image-3262" /></a>Mit der Liedermacherszene ist es ja wie mit dem deutschen Tennis: Wer sich auskennt, weiß, dass es neue, gute Kräfte gibt, aber den Glanz der Altmeister erreicht vorerst noch niemand. Bei einer Reihe von Liedermachern fehlen nicht gute Texte, sondern ein gleichwertiges musikalisches Talent, eine eigenständige und differenzierte Musiksprache. Es macht insofern Mut, dass mit Sebastian Lohse nun ein junger Liedermacher durchstartet, der eine romantische Klangsprache mit dichten Arrangements, einem vollen Klangkörper und einer großer stilistischer Bandbreite vereint. <span id="more-3261"></span><br />
Ironie und musikalische Parodie kommen zwar vor, Zynismus herrscht aber nicht als Grundhaltung. Lohse besitzt Wärme und Pathos. Er versteht es, ein Lied unscheinbar zu beginnen und die Intensität gegen Ende gegen Ende noch einmal gewaltig zu steigern, so dass das Lied einen Sog ausübt, fast wie bei Brels Crescendos.</p>
<p>Die Band nennt sich „Die feine Gesellschaft“. Die Künstler geben sich auf dem CD-Cover wie in ihren youtube-Videos „Das Brunnenlied“ und „Kleiner Mann“ einen nostalgischen Anstrich. Der Look scheint vor allem auf die 20er-Jahre zu verweisen, die Zeit der letzten großen Wirtschaftskrise. Dennoch ist die „Feine Gesellschaft“ kein Retro-Projekt, das Nostalgie wie etwas Max Raabe als Selbstzweck betreibt. Vielmehr dient das Historische immer dem indirekten Verweis auf die Gegenwart. So dichtet Lohse: „Kleiner Mann, fang nicht zu jammern an. Sieh dir den Großen an, der hat auch seine Sorgen“. Offenbar ein Seitenhieb auf aktuelle Manipulationsstrategien, mit denen Normalverdiener zum Stillhalten aufgefordert werden, während die großen Vermögen ins Unermessliche  wachsen.</p>
<p>Die Band ist mit der Besetzung Gitarre, Bassgitarre, Piano, Akkorden und Cello (nebst Gastmusikern) optimal augestellt und weckt gerade für den Chanson-Fan eine Fülle von Assoziationen. Man fühlt sich an Brels Akkordeonisten Marcel Azzola ebenso erinnert wie an den warmen Ton von Konstantin Weckers Ex-Cellistin Hildi Hadlich. Die Gitarren machen Anklänge an das klassisch-minimalistische Lied eines Mey oder Brassens möglich. Das Piano ermöglicht in einigen Fällen gar eine spätromantische Klangsprache mit differenzierter Harmonik. Lohse nähert sich hier dem Kunstlied. Vielfach sind bei ihm die instrumentalen Nebenmelodien und Zwischenspiele absolute Höhepunkte (etwa im Lied „Und wieder“) – ungewöhnlich für jemanden, der auch gut textet.</p>
<p>Allenfalls könnte man kritisieren, Sebastian Lohse habe seinen ureigenen Tonfall noch nicht vollständig gefunden. Oft hat man das Gefühl: „Es klingt wie …“. „Männer vor halbvollen Gläsern“ klingt etwa wie ein Walzer von Schostakowitsch, „Die Rädchen“ klingen ein bisschen wie Weckers „Hexeneinmaleins“, „Ach Vögelein mein“ wie Reinhard Mey, wenn er versucht, Minnelieder nachzuempfinden, und „Kleiner Mann“ liegt ohnehin irgendwo zwischen den Comedian Harmonists und Zarah Leander. Auch Varieté, Kabarett und Musical blitzen auf. Am ehesten findet sich das „Ureigene“ bei Liedern, die kein bestimmte musikalisches Genre bedienen wie „In Deiner Hand“. Es macht aber einfach Spaß jemandem zuzuhören, der ganz offensichtlich musikalisch gebildet ist und virtuos verschiedene Register zieht. </p>
<p>Angefangen hat Sebastian Lohse mit dem Projekt „Letzte Instanz“, von dem es ebenfalls einige Videos auf youtube zu bewundern gibt. 2007 trat er dann zum ersten Mal mit Soloprogramm (Gesang und Klavier) an die Öffentlichkeit. Da ist ihn noch nie live gesehen habe, kann ich hier nur auf sehens- und hörenswerte Chansons wie „Dr. Faust“ im Internet verweisen. Das Lied (nicht auf „Erfolg“ enthalten) aktualisiert den „Faust“ auf eigentlich nahe liegende und überfällige Weise, denn auch der Mensch des 21. Jahrhunderts ist einen Teufelspakt eingegangen. Wie an diesem Beispiel zu sehen, transportiert Lohse seine Botschaften nie direkt, sondern immer als Geschichte, Märchen, ironische Paraphrase.</p>
<p>„Das Brunnenlied“ ist eine Parabel auf Verführbarkeit und Kollektivismus. Wer einmal vom „Brunnen hinterm Tor“ getrunken hat, ist verdammt, immer wieder zu trinken, er wird süchtig. Die Trinkerei breitet sich wie eine Epidemie aus, und am Ende tanzen alle nach der Pfeife einer anonymen Macht. „Das Rädchen“, das sich im Kreise dreht, sind natürlich wir Bürger, integriert in einen gnadenlosen Arbeitsprozess: „Ja alles greift ineinander. Ein jeder ist hier integriert. Damit das Ganze funktioniert wird der Prozess oft optimiert. Und wer den Dienst blockiert, der fliegt.“ „Chloris oder die Göttin der blühenden Natur“ funktioniert als schlichtes Liebeslied ausgezeichnet. Wieder aber erweist es sich als doppelbödig, Chloris ist die Allegorie der Natur selbst, die der Mensch nicht zerstören darf, wenn er sie liebt. Die Forderung nach Umweltschutz wird bei Lohse märchhaft-poetisch verkleidet. Etwa in Gestalt eines „Vögleins“, von dem es heißt: „Der König sendet Schützen aus, die dich erschießen wollen“.</p>
<p>Den Künstler scheint insgesamt ein tiefes Unbehagen über Zeitphänomene zu motivieren, die Mensch und Natur auf ihre ökonomische Verwertbarkeit reduzieren. Ein Unbehagen auch über die manipulativen Phrasen der Verführer, der Einpeitscher und der Gleichschalter. Dahinter steht, wie bei allen guten Liedermachern, letztlich Liebe: zur Wahrheit, zur Freiheit und zum Lebendigen. Immer scheint unter Lohses Texten ein „Subtext“ vor, der sich jedoch nicht aufdrängt, sondern zum freien Assoziieren ermuntert. Gerade das unterscheidet ja Poesie vom gereimten Journalismus.</p>
<p>Der Titel der CD „Erfolg“ scheint nicht gänzlich passend, weil es dafür im Text zu wenige Anknüpfungspunkte gibt. Eine Reihe von Klassikerzitaten sind in dem Booklet vereinigt, die ein uneinheitliches Bild vermitteln. Max Frisch etwa wird zitiert mit „Erfolg verändert den Menschen nicht, er entlarvt ihn.“ Man kann nur ahnen, dass Sebastian Lohse den Erfolg nicht als perfektionierte Anpassung an die Erwartungen der Mächtigen versteht. Vielmehr schwingt eine Aufforderung zur Selbstermächtigung mit: „Und warte nicht auf Donner. Nein werde selber laut“. Auf jeden Fall ein Album und Künstler, dem Erfolg zu wünschen wäre.</p>
<p>Weitere Informationen unter www.sebastianlohse.de<br />
Sebastian Lohse ist derzeit auf Tournee (siehe „Termine“ auf obiger Webseite)</p>
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		<title>Rezension der CD &#8220;Mairegen&#8221; von Reinhard Mey</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 08:06:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rr</dc:creator>
				<category><![CDATA[CD-Tipp]]></category>

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		<description><![CDATA[Thomas Schubert hält die neue Veröffentlichung des bedeutenden Liedermachers für die beste seit &#8220;Farben&#8221;. Ungewöhnlich ist, dass sich auf  &#8220;Mairegen&#8221; auch eine Komposition von Konstantin Wecker befindet. (Quelle: Zoolamar) http://www.zoolamar.com/2010/05/15/mairegen-ein-meysegen-groser-liedkunst/]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2010/05/mairegen1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1783" title="mairegen1" src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2010/05/mairegen1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Thomas Schubert hält die neue Veröffentlichung des bedeutenden Liedermachers für die beste seit &#8220;Farben&#8221;. Ungewöhnlich ist, dass sich auf  &#8220;Mairegen&#8221; auch eine Komposition von Konstantin Wecker befindet. (Quelle: Zoolamar)</p>
<p><a href="http://www.zoolamar.com/2010/05/15/mairegen-ein-meysegen-groser-liedkunst/" target="_blank">http://www.zoolamar.com/2010/05/15/mairegen-ein-meysegen-groser-liedkunst/</a></p>
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		<title>Götz Widmann: Hingabe</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Dec 2009 13:13:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogger auf HdS]]></category>
		<category><![CDATA[CD-Tipp]]></category>
		<category><![CDATA[Donna San Floriante]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Götz Widmann wird dort, wo man das Lied zur Gitarre erfunden und gepachtet zu haben glaubt, mit einer gewissen Beharrlichkeit ignoriert. Ein Fehler, findet Donna San Floriante.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-289" title="goetzwidmann2" src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2009/12/goetzwidmann2-150x150.jpg" alt="goetzwidmann2" width="150" height="150" /></div>
<p>Götz Widmann wird dort, wo man das Lied zur Gitarre erfunden und gepachtet zu haben glaubt, mit einer gewissen Beharrlichkeit ignoriert. Ein Fehler, findet</p>
<p>Donna San Floriante</p>
<p>Rebellische Kifferlieder kannte ich als Bayern-Kid schon aus den 80ern vom Hans Söllner. Folglich war mir, als ich irgendwann in den 90ern in Hamburg ein Konzert des Liedermacher-Duos Joint Venture erlebte, durchaus nicht klar, einem historischen Ereignis beizuwohnen. Das war es aber. Fernab von <span id="more-287"></span>den traditionellen Wegen der Liedermacherei, im Herzen der Jugendkultur, hat Joint Venture inzwischen eineinhalb Generationen inspiriert. Götz Widmann agiert seit dem Tod seines Kollegen Kleinti solo auf der Bühne, und als liebevoller Künstler-Gärtner einer ganzen Szene darf er sich mit voller Berechtigung als Godfather des Liedermaching bezeichnen.</p>
<p>Liedermaching?! Die Vielfalt dieser Szene ist groß genug, Urgesteinen wie John Banse oder dem russisch-jüdischen Sänger herrlicher Ganovensongs, Ganef, eine Heimat zu bieten. Sie hat mit den Monsters of Liedermaching eine Formation am Start, die auch auf den großen Sommerfestivals funktioniert, und mit Johanna Zeul das seltene Phänomen einer profilierten Liedermacherin in ihren Reihen. Die besten Köpfe des Liedermachings, etwa der wunderbare Rüdiger Bierhorst aus Berlin, schreiben ganz exzellente Songs. Auch Heinz Ratz kommt aus diesem Stall.</p>
<p>Die durchschnittlichen Fähigkeiten an der Gitarre übersteigen das Niveau der 70er bei weitem. Textlich, lyrisch, gesanglich ist die Sache vielleicht noch am ausbaufähigsten. Auf jeden Fall darf man sich verwundert die Augen reiben, wenn Hunderte von Jugendlichen die Hallen füllen, um Leuten beim Vortrag selbstgeschriebener Lieder zur Gitarre zu lauschen.</p>
<p>Jubel also über der Burg Waldeck? Erleichterung beim Folker-Magazin? Endlich neue Lieder neuer Leute? – Nix da. Man wird auch die neue CD von Götz Widmann in diesen Breiten genauso ignorieren, wie alle vorangegangenen und bestenfalls einmal, wie der Folker über die Monsters of Liedermaching, einige Passagen lang die Nasen rümpfen. Der Grund ist klar: die allermeisten Songs aus der Liedermaching-Szene mögen sich ästhetisch als Liedermacherei qualifizieren, fallen aber ganz sicher nicht in die Kategorie <em>politisches</em> Lied.</p>
<p>Spätestens „Hingabe“, die neue CD von Götz Widmann, wirft die Frage auf, ob diese Einschätzung eigentlich korrekt ist, soweit vom Godfather des Liedermachings die Rede ist. Das Lebensgefühl, welches Götz Widmann vermittelt, ist trotzig, rotzig, fordernd, frivol, von einer unbezwingbaren Liebe zur Freiheit und zum Exzess bestimmt, aber auch durchdrungen von zwischenmenschlicher Klugheit („streiten und liebe machen“), robuster Weltweisheit („Hingabe“) und anrührender Verliebtheit („Wolke 7“).</p>
<p>Die Stimme ist tief und viel reibeisiger als der sehr ruhige, freundliche Mensch dahinter. Die Arrangements sind ausnahmslos: Gesang &amp; Gitarre. Die Gitarrenbegleitung ist meistens sehr rhythmisch und kraftvoll. Es geht auch sanft und langsam, insgesamt aber ist Götz Widmann das Kunststück gelungen, Lieder zur Gitarre auch in Deutschland tanzbar zu machen. Dem Live-Künstler Götz Widmann darf man erst recht attestieren, die Liedermacherei auf ein neues Niveau gehoben zu haben. Widmann kann rocken, Widmann kann grölen und toben, Widmann ist eine waschechte Bühnensau, einer, der im Laufe des Singens und Spielens abhebt und die Leute dabei mitreisst!</p>
<p>Natürlich beisst Widmann live immer noch kräftige Bissen von den alten Joint-Venture-CDs runter. Er verwaltet hier ein Erbe, sein Publikum kann diese Klassiker über Drogenspürhunde, Süffelmänner und den Dockarbeiter Hank auswendig. Nicht erst „Hingabe“ aber zeigt einen Widmann mit Tiefgang und Substanz, der sich von der reinen Kiffer-Thematik längst emanzipiert und Wesentliches mitzuteilen hat.</p>
<p>Dazu ist Widmann sauwitzig, was auch auf der für seine Verhältnisse eher nachdenklichen CD „Hingabe“ immer wieder durchscheint – etwa in einem sehr gelungenen Song über seine Schwangerschaft, einem sehr ehrlichen Lied über die Abgründe männlicher Gehirne, in der Dada-Nummer „bubble bubble blablabla“ – oder wenn Widmann über seine chancenlose Liebe zu einer Christenlady singt: „Jesus war mein Nebenbuhler – aber Jesus war cooler!“</p>
<p>Tanzbar und witzig – das sind natürlich zwei absolute No-Go’s im politischen Lied! Da hilft es überhaupt nichts, wenn der Mann gegen Internet-Überwachung („Laptopwebcammann“), über fehlgeleitete Helfersyndrome („Sozialberuf“) und „Babylon“ singt, sich selber produziert und verlegt, keinen Manager hat, nicht mal einen Booker – und damit sämtliche Anforderungen an einen Independent-Künstler erfüllt. Widmann und Waldeck, das wird also voraussichtlich niemals zusammengehen. Über die Relevanz Götz Widmanns ist damit keine negative Aussage getroffen.</p>
<p>Hingehen, kaufen: Hingabe!</p>
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