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	<title>Hinter den Schlagzeilen &#187; Vermischtes</title>
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	<description>Konstantin Weckers Webmagazin //  Kultur - Gegeninformation - Philosophie</description>
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		<title>2012 – auf der Schwelle</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 07:20:30 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Roland Rottenfußer]]></category>
		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir dürfen hoffen, aber noch nicht ruhen, denn das kommende Jahr wird heftig. Auch wenn sich esoterische Prophezeiungen nicht bewahrheiten, dürfte 2012 durch beschleunigte Entwicklungsprozesse geprägt sein, durch Eskalation und Enthüllungen. Während die Untauglichkeit der alten Systeme überdeutlich wird und sich die Wut der Missbrauchten in Protesten entlädt, baut eine Avantgarde schon an den Modellprojekten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_7389" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/12/maya-kalender.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/12/maya-kalender-300x290.jpg" alt="" title="maya-kalender" width="300" height="290" class="size-medium wp-image-7389" /></a><p class="wp-caption-text">Maya-Kalender</p></div>Wir dürfen hoffen, aber noch nicht ruhen, denn das kommende Jahr wird heftig. Auch wenn sich esoterische Prophezeiungen nicht bewahrheiten, dürfte 2012 durch beschleunigte Entwicklungsprozesse geprägt sein, durch Eskalation und Enthüllungen. Während die Untauglichkeit der alten Systeme überdeutlich wird und sich die Wut der Missbrauchten in Protesten entlädt, baut eine Avantgarde schon an den Modellprojekten einer neuen Wirklichkeit. (Roland Rottenfusser)<span id="more-7387"></span></p>
<p>Das Jahr 2012 hat schon begonnen, genauer gesagt am 11.11.2011. Kein Faschingsscherz! Etwa 400 Menschen aus aller Welt sind aus diesem Anlass in die peruanische Andenregion, nahe dem Titicacasee, gereist, um eine einzigartige Zeremonie zu begehen. Sie findet nahe einer eindrucksvollen Felsformation statt, die «Gottes Tor» genannt wird – der Legende nach die Pforte in eine andere Dimension. Peruanische Priester sind zugegen, die das heilige Wissen der Mayas hüten. </p>
<p>Es ist ein uralter Kraftort, zu dem die Teilnehmer aufsteigen: auf 4000 Höhenmetern, was das Atmen schwer macht. Reiseleiterin Carolina Hehenkamp ist Bestsellerautorin («Das Indigo-Phänomen») und mit spirituellen Ritualen wohl vertraut. Dieses Erlebnis ist aber auch für sie nicht alltäglich. «In unseren Köpfen drehen sich unterschiedliche Galaxien und weit entfernte Planetengruppen», beschreibt sie ihre Gefühle. «Uralte Portale öffnen sich, während wir in Bussen zu Gottes Tor ‚Amaru Muro’ fahren. (…) Wenn wir uns in die drei Portale stellen, spürt jeder sofort die Verbindung mit den Göttlichen Ebenen des Seins.» </p>
<p><strong>Ritual hoch in den Anden. </strong>Warum wurde dieser Ritualort gewählt? Dort, in der Andenregion hat sich die «Schlange des Lichts» verankert. Einem Mythos zufolge hat die Erde, wie der menschliche Körper, bestimmte feinstoffliche Energiezentren (Kundalinizentren). Das wichtigste wird «Schlange des Lichts» genannt und war bis vor kurzem in Tibet zentriert. Es «wanderte» jetzt jedoch zum Titicacasee und verströmt von dort aus eine «weibliche elektrische Energie». Sie berührt die Herzen und macht sie bereit für die Ankunft des neuen Zeitalters, in dem «Pacha Mama» (Mutter Erde) und Vater Himmel in Harmonie leben werden. Der 11.11.2011 ist ein Schwellendatum, mit dem dieser Prozess in seine heisse Phase tritt.</p>
<p>Carolina Hehenkamp schildert das Herzstück des Rituals: «Nach eine Zeremonie mit Cocablättern, um Mutter Erde zu danken, formen alle Teilnehmer eine Spirale. Um genau 11 Uhr 11 senden sie die Herzschwingungen von Liebe, Frieden und Einheit an Mutter Erde, die Elemente, die vier Richtungen und die Menschheit aus. Andenmusik, Flöten und Didgeridoos begleiten uns. Danach startet eine laute, fröhliche Feier. Alle umarmen sich.» Für Carolina Hehenkamp hat das Jahr 2012, das nun anbricht, gewichtige Bedeutung: «Die Trennung zwischen den Dimensionen wir aufgehoben und jeder kann erkennen dass er ein wertvoller Teil Gottes ist, immer gewesen ist.»</p>
<p>2012 – im Hype um das geheimnisvolle Jahr verschmelzen traditionelle und moderne Mythen. Schliesslich ist die Jahreszahl selbst zum Mythos geworden. Lange schon spüren wir die «Bugwelle» von Gerüchten und Ängsten, die 2012 beim Näherkommen vor sich her treibt. Und wir erschrecken fast, wie nahe es uns schon gerückt ist. Carolina Hehenkamps Zeremonie in den Anden ist dabei nur eine von vielen Ausdrucksformen des «2012-Fiebers».</p>
<p><strong>«Das Vermächtnis der Maya wird sich erfüllen.»</strong> Die Seminarleiter Leniel und Jophiel Nebrig (Selbstbeschreibung: «Mitglieder der Lichtfamilie») präsentieren auf ihrer Webseite die Essenz aus neun Prophezeiungen der Geistesgeschichte. U.a. von Nostradamus, Johannes, Pater Pio sowie aus «eigener Befragung der Akasha-Chronik». Ihr Resümee: «Die Menschheit wird zu ungeahnter Grösse reifen, und ab 2012 wird ein neues Zeitalter (Das Goldene Zeitalter) beginnen.» Statt «Apokalypse» verwenden sie lieber den Begriff «Spirituelle Reinigung der Erde.» Auch vom Aufstieg in die 5. Dimension ist die Rede. Die Krise soll sich auf drei Tage verdichten, in denen die Erde an einen anderen Platz im Kosmos gerückt wird. Sogar Überlebenstipps gibt es. Lichtarbeiter sollen während des Übergangs unbedingt in ihren Wohnungen blieben und die Fenster abdunkeln. «Denn was sich draussen in der Zeit abspielt, übersteigt extrem unser Fassungsvermögen. Es würde bei uns Todesangst erzeugen.»</p>
<p>Zum Glück gibt es auch moderatere Prophezeiungen. Einige besonders populäre sollen hier in der Kürze beschrieben werden.</p>
<p><strong>Der Maya-Kalender endet:</strong> Hier liegt der Ursprung des Booms um «2012». Der Maya-Kalender betrachtet Zeit nicht wie einen Pfeil aus der Vergangenheit in die Zukunft, er berechnet sie in Zyklen. Verschiedene Zyklen (Teilkalender) greifen wie Zahnräder ineinander. Bekannt sind der Tzolkin-Kalender, der Haab-Kalender und die «Lange Zählung», die mehr als 5000 Jahre dauert. Am 21.12.2012 endet nicht nur ein solcher langer Zyklus, sondern auch eine 26.000 Jahre umfassende Grossepoche, die sich nach der Präzession der Erdachse berechnet. Die (gedachte) Verlängerung der Achse wandert immer um das Zentrum unserer Galaxie herum. Zur Wintersonnwende 2012 wird sie zum ersten Mal seit 26.000 Jahren wieder ins «Herz der Milchstrasse» zeigen. Was das bedeuten kann, weiss niemand, weil es über das «letzte Mal» keine Aufzeichnungen gibt. Die meisten Autoren deuten das Ende des Maya-Kalenders aber nicht mehr als Ende der Welt, sondern «nur» als einen Epochenwechsel mit drastischen Veränderungen.</p>
<p><strong>Nibiru – die Aliens kommen: </strong>Der Privatforscher Zachariah Sitchin will aus altsumerischen Schriften ein atemberaubendes Szenario herausgelesen haben: Der Wanderplanet Nibiru umrundet die Sonne in einem sehr langen Zeitrhythmus: 3600 Jahre. Er wird bewohnt von sehr weit entwickelten Ausserirdischen: den Anunaki. Diese Wesen besuchten in die Erde, als sich beide Planeten nahe waren. Sie liessen sich als Götter verehren und sind (durch Genmanipulation) die eigentlichen Schöpfer der heutigen Menschheit. 2012, so behaupten esoterische Forscher, soll sich der Planet wieder der Erde nähern, und die Aliens könnten zurückkehren. Auch Erich von Däniken leitet aus seiner Präastronautik in neuen Veröffentlichungen eine Vision von der «Rückkehr der Götter» ab. Alternativ gibt es eine Theorie, wonach ein Wanderplanet («Planet X») 2012 auf die Erde prallen und alles Leben auslöschen könnte.</p>
<p><strong>Polsprung:</strong> Der magnetische Pol der Erde wandert ständig, allerdings nur minimal und seit langem in die gleich Richtung. Ursache ist wahrscheinlich die Rotation von flüssigem Eisen im Erdkern. 2012 könnte sich die Richtung dieser Wanderung umkehren und/oder ein extremer «Sprung» geschehen. Die Neigung der Erde im Verhältnis zum Weltraum könnte sich ändern, die Jahreszeiten würden sich verschieben. Als wissenschaftlich erwiesen gilt, dass die Stärke des Erdmagnetfelds seit 1979 um 1,7 Prozent abgenommen hat. Da das Magnetfeld schon seit Jahrhunderten «schwächelt», wird auch befürchtet, dass Sonnenstürme ungehindert zur Erde vordringen können.</p>
<p><strong>Die Sonne explodiert:</strong> Nicht nur «esoterisch» sind Spekulationen über verstärkte Sonneneruptionen im Jahr 2012. NASA-Wissenschaftler erforschten in den letzten Jahren verstärkte Sonnenaktivitäten und erwarten deren Höhepunkt für das kommende Jahr. Sie entwarfen auch ein Szenario der möglichen Folgen für unsere Zivilisation, käme es zu einer Super-Eruption und einem geomagnetischen Sonnensturm. Die gravierendsten Auswirkungen beträfen das irdische Energienetz. 1859 brannten bei einem ähnlichen Vorfall alle Telegraphen-Verbindungen durch, und 1989 waren in Kanada sechs Millionen Menschen für mehr als neun Stunden ohne Strom. Noch nie waren unsere Versorgungseinrichtungen weltweit so vernetzt und damit verwundbar wie heute. Noch nie waren wir so abhängig vom Strom. Ohne Computer etwa funktioniert heute kein Wirtschaftszweig mehr. Wenn die Stromausfälle Tage und Wochen andauern, könnte dies unsere Lebensmittel- und Wasserversorgung und vieles mehr tangieren.</p>
<p>Dies allerdings wäre ein einmaliges Ereignis, das vorübergeht. Es gibt jedoch Entwicklungen, die unaufhaltsam auf eine Eskalation zutreiben und die auch nach dem 21.12.2012 nicht enden werden. Dazu gehören die Bevölkerungsexplosion (seit Ende 2011 leben 7 Millarden Menschen auf der Erde) und der Klimawandel.</p>
<p><strong>Beispiel Finanzen: </strong>Noch brisanter dürften die Eskalation der Schuldenkrisen sowie die instabile Lage auf den Finanzmärkten sein. Es könnte sein, dass 2012 zum Jahr des grossen Zusammenbruchs wird. Man muss bedenken, dass Schulden und Vermögen wie die Erdbevölkerung exponentiell wachsen. In Europa dürfte ein Staat nach dem anderen «fallen» – jeweils begleitet von Medienkommentaren, nur ein strenger Sparkurs auf Kosten der Bürger könne die Rettung bringen. Diese «Rettung» zieht die Staaten jedoch immer tiefer in den Sumpf, weil sie die Binnenkonjunktur abwürgt. Die internationale Steuerzahlerherde wird für die Spielschulden der Zocker in Haftung genommen. Wenn «starke» Länder für die «schwachen» mitzahlen, beschleunigt sich jedoch deren eigener Zerfallsprozess. Letztlich könnte die EU auseinander brechen, indem ein Land nach dem anderen Insolvenz anmeldet und ausscheidet. Auch die USA, die 2011 nur knapp am Staatsbankrott vorbeischlitterten, könnten zum Epizentrum eines globalen Finanzbebens werden. </p>
<p><strong>Ein Jahr der Aufstände: </strong>Als Folge dürfte 2012, noch mehr als 2011, zum Jahr der Revolten werden. Die Wut wird wachsen, weil den Menschen ohne eigenes Verschulden immer mehr genommen wird. Gleichzeitig werden die Rechtfertigungsstrategien der Machtelite zerbröckeln. Wenn Machthaber Misshandlung und Ausplünderung als «alternativlos» preisen, liegt es nahe, nach Alternativen zu besagten Machthabern zu suchen. Wenn alle Länder über die Schmerzgrenze hinaus sparen müssen, kann dies nicht länger als Einzelversagen interpretiert werden. Es wird immer mehr Menschen klar werden, dass ein Systemfehler vorliegt. Da Alternativen jedoch meist nicht in Sicht sind, wird sich zunächst ein eher ungerichteter Volkszorn entladen. Infolgedessen werden die Machteliten ihre Repressionsmassnahmen verstärken. Der Kapitalismus wird versuchen, den Spiegel zu zerschlagen, der ihm sein hässliches Gesicht zeigt. </p>
<p><strong>Die Masken fallen:</strong> «Apokalypse» heisst vom Wortsinn her nicht «Weltuntergang», sondern «Enthüllung der Wahrheit». Somit war schon 2011 apokalyptisch: Fukushima hat die Lüge von sicheren Atomanlagen hinfällig gemacht. Der Polit-Showman zu Guttenberg stolperte über eine gefälschte Doktorarbeit. Rupert Murdoch musste zugeben, dass sein Presseimperium Prominente bespitzelt hatte. Der deutsche Verfassungsschutz schaute über Jahre untätig dem Treiben einer Neonazi-Mörderbande zu. Den Banken traut sowieso keiner mehr, nachdem legal das Geld vieler Anlieger veruntreut wurde. Die Glaubwürdigkeit der tragenden Institutionen unserer Gesellschaft erodiert, und es ist kein Zufall, dass es gerade jetzt passiert. Computer, Handy und «Schwarmintelligenz» ermöglichen es heute, Missstände in Rekordzeit aufzudecken und die Informationen darüber zu verbreiten. Politiker müssen zunehmend absurde Positionen vertreten, an die sie selbst nicht mehr glauben. Deshalb kommt es zu «Freudschen Versprechern», zu Fehlleistungen und gar zur Flucht aus den Ämtern. Dies dürfte sich 2012 verstärken.</p>
<p><strong>Regierungen purzeln: </strong>Berlusconi und Papandreou waren erst der Anfang. 2012 stehen in mehr als 25 Ländern der Erde Wahlen an, u.a. in den USA, in Frankreich, in Russland, im Iran und in Tunesien. Vielfach sind Regierungswechsel wahrscheinlich. Die durch die Systemdynamik erzeugten Krisen wird eher der regierenden Partei angelastet werden, auch wenn die Opposition nicht minder verstrickt ist. Jeder Staatschef ist heute automatisch ein «Rekordschulden-Präsident» oder «Pleite-Premier», es sei denn, es gelingt ihm, ein gewaltiges, umweltschädliches Wirtschaftswachstum loszutreten. Die Intervalle zwischen den Machtwechseln dürften kürzer werden. Ende 2012 wird eine globale Politikerriege versammelt sein, in der man ausser Angela Merkel kaum mehr ein bekanntes Gesicht findet.</p>
<p><strong>Vorboten des Neuen:</strong> Unterdessen wird eine wachsende Avantgarde unermüdlich an Modellprojekten einer Welt nach dem Zusammenbruch arbeiten. Diese Projekte können als Rettungsboote für wenige und als Vorbilder für viele dienen. Einiges davon findet man in dem hervorragenden Dokumentarfilm «2012 – Time for Change» von João Amorim. Wissenschaftler, Künstler und Vordenker sprachen darin über den Abschied von einem materiellen Weltbild und die Geburt einer globalen, nachhaltigen Kultur. Popstar Sting fasst zusammen: «2012 ist ein interessantes Jahr &#8211; wir müssen es zu einem positiven Jahr machen!» Und der Geldreformer Bernard Lietaer fordert dazu auf, Erkenntnis in Aktion umzuwandeln: «Spirituell sein bedeutet handeln.» Von politisch noch unklaren Protestbewegungen wie «Occupy» wird eine Suchbewegung ausgehen. Gleichzeitig werden Vertreter schon vorhandener Konzepte wie Humanwirtschaftsbewegung, Grundeinkommen oder regionale Selbstversorgung versuchen, ihre Ideen in den Protestbewegungen zu verankern. Es entsteht ein explosives Gebräu aus Konzepten und Projekten – vielleicht der Keim einer neuen Weltordnung.</p>
<p><strong>Eine letzte Prophezeiung: </strong>Spätestens an Weihnachten könnte kollektiver Katzenjammer herrschen. Stellen wir uns vor, 2012 ist vorbei, und die Welt ist nicht untergegangen. Auch das Goldene Zeitalter lässt weiter auf sich warten. Es hat Veränderungen gegeben, aber gibt es die nicht in jedem Jahr? Muss dann ein neues Jahr in der Zukunft ausgewählt werden, auf das wir unsere Ängste und Hoffnungen projizieren können? Vielleicht wird die Ernüchterung auch heilsam sein. Wir können dann endlich überspannte Erwartungen loslassen und tun, was zu tun ist, um eine bessere Welt zu bauen.</p>
<p><strong>Übersichtliche, kritische Infos zu 2012-Theorien:</strong> www.2012-blog.de</p>
<p>Webseite von Carolina Hehenkamp zu spirituellen Reisen: www.pranalight.de</p>
<p>DVD-Tipp: João Amorim: 2012 – Time for Change. Alive Vertrieb 2010, 80 min., Fr. …/ Euro 16,99</p>
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		<title>Monika Grubers Jahresrückblick in der «Anstalt»</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 07:10:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Hier mal eine weibliche Stimme aus der &#8220;Anstalt&#8221;. Heino und Bushido, Lafontaine und Wagenknecht, Maschmayer und Ferres &#8211; wer war das Traumpaar 2011. In der Rubrik &#8220;zu recht abgestiegen&#8221; dominiert auf jeden Fall &#8211; die FDP.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier mal eine weibliche Stimme aus der &#8220;Anstalt&#8221;. Heino und Bushido, Lafontaine und Wagenknecht, Maschmayer und Ferres &#8211; wer war das Traumpaar 2011. In der Rubrik &#8220;zu recht abgestiegen&#8221; dominiert auf jeden Fall &#8211; die FDP.<br />
<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/2011/12/29/monika-grubers-jahresruckblick-in-der-%c2%abanstalt%c2%bb/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p></p>
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		<title>Das Lebendige ist nicht erklärbar</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 09:22:08 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Geseko von Lüpke sprach mit dem Quantenphysiker und ­Friedensnobelpreisträger Hans-Peter Dürr, für den die Quantenphysik die »Einheit der Wirklichkeit« zeigt. (Quelle: oya) http://www.oya-online.de/article/read/550.html?highlight=Hans-Peter%20D%C3%BCrr]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_7109" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/11/Hans-Peter-Dürr.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/11/Hans-Peter-Dürr-150x150.jpg" alt="" title="Hans-Peter Dürr" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-7109" /></a><p class="wp-caption-text">Hans-Peter Dürr</p></div>Geseko von Lüpke sprach mit dem Quantenphysiker und ­Friedensnobelpreisträger Hans-Peter Dürr, für den die Quantenphysik die »Einheit der Wirklichkeit« zeigt. (Quelle: oya)<br />
<a href="http://www.oya-online.de/article/read/550.html?highlight=Hans-Peter%20D%C3%BCrr">http://www.oya-online.de/article/read/550.html?highlight=Hans-Peter%20D%C3%BCrr</a></p>
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		<title>Gegen die Kommerzialisierung des Fußballs!</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 07:48:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Für die meisten Fußballfans ist das Wort „Kommerzialisierung&#8221; ein Grund, dass ihnen die Galle hochkommt. Doch warum? Ist die Entwicklung wirklich so extrem?So ist zum Beispiel die Trikotwerbung inzwischen selbstverständlich und weitverbreitet. Mittlerweile hat sie sich in Ländern wie Österreich derart entwickelt, dass der normale Fußballspieler von einer Werbetafel kaum noch zu unterscheiden ist. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/09/trikotwerbung.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/09/trikotwerbung-150x150.jpg" alt="" title="trikotwerbung" width="150" height="150" class="alignleft size-thumbnail wp-image-6207" /></a>Für die meisten Fußballfans ist das Wort „Kommerzialisierung&#8221; ein Grund, dass ihnen die Galle hochkommt. Doch warum? Ist die Entwicklung wirklich so extrem?So ist zum Beispiel die Trikotwerbung inzwischen selbstverständlich und weitverbreitet. Mittlerweile hat sie sich in Ländern wie Österreich derart entwickelt, dass der normale Fußballspieler von einer Werbetafel kaum noch zu unterscheiden ist. Die Werbung reicht vom Kragen bis zum Stutzen und so mancher Verein ist inzwischen nach einer „flügel-verleihenden&#8221; Getränke-Firma benannt. (Quelle: Linke Zeitung)<br />
<a href="http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&#038;task=view&#038;id=11710&#038;Itemid=1">http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&#038;task=view&#038;id=11710&#038;Itemid=1</a></p>
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		<title>Amerikanische Träume</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 08:27:45 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Colors ist das erste genossenschaftlich geführte Restaurant Manhattans. Ziel ist es, Migranten respekt­voller zu behandeln. Seine Geschichte ist eng mit 9/11 verwoben. (Quelle: Freitag) http://www.freitag.de/alltag/1135-amerikanische-tr-ume]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Colors ist das erste genossenschaftlich geführte Restaurant Manhattans. Ziel ist es, Migranten respekt­voller zu behandeln. Seine Geschichte ist eng mit 9/11 verwoben. (Quelle: Freitag)<br />
<a href="http://www.freitag.de/alltag/1135-amerikanische-tr-ume">http://www.freitag.de/alltag/1135-amerikanische-tr-ume</a></p>
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		<title>Liebe in Zeiten des Kapitalismus</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 07:34:02 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Single-Börsen sind wie Supermärkte: Man checkt Angebote und testet ein Produkt. Das Unvorhersehbare und Irrationale an der Liebe bleibt dabei auf der Strecke. (Quelle: Freitag) http://www.freitag.de/alltag/1130-liebe-in-zeiten-des-kapitalismus]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/07/Superman-and-Supergirl-2.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/07/Superman-and-Supergirl-2-150x150.jpg" alt="" title="Superman and Supergirl 2" width="150" height="150" class="alignleft size-thumbnail wp-image-5843" /></a>Single-Börsen sind wie Supermärkte: Man checkt Angebote und testet ein Produkt. Das Unvorhersehbare und Irrationale an der Liebe bleibt dabei auf der Strecke. (Quelle: Freitag)<br />
<a href="http://www.freitag.de/alltag/1130-liebe-in-zeiten-des-kapitalismus">http://www.freitag.de/alltag/1130-liebe-in-zeiten-des-kapitalismus</a></p>
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		<title>Diana – geliebt, betrogen, ermordet?</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 12:41:23 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zwei Monate nach der Hochzeit von Prinz William rückt dessen Mutter wieder ins Blickfeld. Am 1. Juli 2011 wäre Prinzessin Diana 50 geworden. Dass Kate Middleton ihre „Nachfolgerin“ wird, möchte man ihr nicht wünschen, denn Diana war bald nach ihrer Hochzeit eine zutiefst zerrissene Frau. Auch Gerüchte über einen gewaltsamen Tod wollen nicht schweigen. Laut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/07/DianaKitsch.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/07/DianaKitsch-300x187.jpg" alt="" title="DianaKitsch" width="300" height="187" class="alignleft size-medium wp-image-5567" /></a>Zwei Monate nach der Hochzeit von Prinz William rückt dessen Mutter wieder ins Blickfeld. Am 1. Juli 2011 wäre Prinzessin Diana 50 geworden. Dass Kate Middleton ihre „Nachfolgerin“ wird, möchte man ihr nicht wünschen, denn Diana war bald nach ihrer Hochzeit eine zutiefst zerrissene Frau. Auch Gerüchte über einen gewaltsamen Tod wollen nicht schweigen. Laut Umfragen glaubt jeder vierte Brite an Mord. Aber wen stachen die Dornen von „Englands Rose“ so sehr, dass er die Prinzessin zum Schweigen bringen wollte? (Anmerkung: Mit diesem Werk erfüllte sich der durch seine Artikel über Michael Jackson und König Ludwig II. bekannt gewordene verhinderte Boulevardjournalist Roland Rottenfußer seinen lang gehegten Wunsch, einmal über ein wirklich relevantes Thema zu schreiben)<span id="more-5565"></span></p>
<p>Auszug aus „Die rosarote Freizeitrevue“, 30 April 2011: „Mit der prunkvollen Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton wollte das britische Königshaus ein neues Kapitel seiner Geschichte aufschlagen. Heimlicher Star der Hochzeit war jedoch eine andere: Williams Mutter Diana Al-Fayed, die mit Ehemann Dodi, Sohn Mohammed und Tochter Fatima, den Halbgeschwistern des Bräutigams, erschienen war. Züchtig gekleidet, wie immer seit ihrem Übertritt zum Islam, jedoch elegant und strahlend schön, stahl die 49jährige allen anwesenden Damen die Schau. Einflussreiche Kreise bei Hof hätten Diana am liebsten ausgeladen. Die ‚Prinzessin der Herzen’ führte seit 15 Jahren einen zermürbenden PR-Krieg gegen das Königshaus, der die Beliebtheitswerte von Thronfolger Charles und dessen Dauerfreundin Camilla ins Bodenlose fallen ließ.“</p>
<p>Das hier geschilderte Szenario ist natürlich nicht real, denn Prinzessin Diana ist tot. Es hätte aber durchaus Realität werden können, wäre die Mutter der Prinzen William und Harry nicht am 31. August 1997 im Pariser Alma-Tunnel tödlich verunglückt. Ohne Zweifel wäre eine lebende Diana für bestimmte Kreise ein Alptraum gewesen. Noch im Oktober 1993 hatte Diana an Ihren Freund Paul Burrell geschrieben: „Diese Phase in meinem Leben ist die gefährlichste. Mein Ehemann plant einen ‚Unfall’ in meinem Auto, Bremsversagen oder ernsthafte Kopfverletzung …“</p>
<p>Wer profitierte von Dianas Tod?</p>
<p>Dass der Idealist und ökologische Vordenker Charles selbst den Mord an der Mutter seiner Söhne in Auftrag gegeben hat, möchte man kaum glauben. Zweifellos gehört Charles aber zu denjenigen, die vom Tod der Prinzessin profitiert haben. Für ihn gab es seit der Scheidung von Diana kaum eine Chance, Camilla zu heiraten und zugleich König zu werden. Der englische König ist zugleich Oberhaupt der anglikanischen Kirche, mithin so etwas wie ein „Papst“, für den höchste moralische Maßstäbe gelten. Einzige Chance für Charles: Als Witwer konnte er sich neu verheiraten und dabei sein Gesicht wahren.</p>
<p>Es gibt aber noch andere Gruppierungen, die daran interessiert sein konnten, die Prinzessin aus dem Verkehr zu ziehen.<br />
* Mit ihrer 1997 gestarteten Kampagne gegen Landminen machte sie sich die Waffenindustrie zum Feind. Präsident Clinton hätte auf Betreiben Dianas drei Wochen nach dem Tod der Prinzessin beinahe eine Resolution gegen Landminen unterzeichnet. Unter dem Druck der Lobbyisten unterschrieb er sie dann doch nicht.<br />
* Als Mutter des künftigen Königs hätte Diana erheblichen Einfluss auf dessen Psyche ausgeübt. Vielen, die der Krone nahe standen, graute vor dem muslimischen „Playboy“ Dodi als Stiefvater von William und Harry. Ebenso vor farbigen Stiefgeschwistern, die man hätte in die königliche Familie integrieren müssen.<br />
* Diana hatte die klare Absicht, der Königsfamilie zu schaden und eine Art Gegenmacht aufzubauen – als Rache dafür, was ihr Charles und Camilla mit der Duldung der Königsfamilie in den 12 Jahren ihrer Ehe angetan hatten. </p>
<p>Entsorgt in den Kitschhimmel</p>
<p>Dass sich Diana vielfach unbeliebt gemacht hatte, ist noch kein Beweis für Mord. Hinzu kommen aber zahlreiche Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit ihrem Tod. Anlässlich des 50. Geburtstags Dianas werden die Medien wie immer die offizielle Version verbreiten: Diana starb, weil ihr betrunkener Fahrer Henri Paul mit Tempo 140 an einen Pfeiler des Alma-Tunnels in Paris raste – verfolgt von einer Meute sensationsgeiler Journalisten. Schon ein flüchtiger Blick auf die Fakten müsste aber in jedem seriösen Journalisten Zweifel wecken. </p>
<p>„Wer braucht noch Diana? Wir haben ja jetzt Kate“ – Kommentare mit diesem Tenor liest man in diesen Tagen häufig.  Am liebten würde man sie zu Sisi, Evita und Michael Jackson in den Kitschhimmel lieb gewordener aber harmloser Gestalten der Geschichte entsorgen. Manches an Dianas Leben und Sterben geht uns noch heute nahe. Und dies liegt beileibe nicht daran, dass die gute Frau eine Art Engel auf Erden gewesen ist. Freilich, die Diana-Ikonographie hat sie mit Attributen der Jungfrau Maria ausgestattet. In überschießender Sehnsucht nach einem weiblichen Messias hat sie die Weltöffentlichkeit spontan heilig gesprochen. Verehrungstrunkene Untertanen beteten zu ihr, und der Christa Falck-Verlag veröffentlichte gar ihre vor Edelmut triefenden Durchsagen aus dem Jenseits. Die irdische Diana war oft wesentlich derber drauf: „Ich hasse dich, Charles. Verdammte Scheiße, ich hasse dich!“ Dieser Ausspruch ist von der Dienerin Wendy Berry überliefert. </p>
<p>Engel mit Fäkalvokabular</p>
<p>Verdenken kann man es ihr nicht. Denn die unbedarfte Diana heiratete quasi als Dritte in eine bestehende Liebesbeziehung zwischen Charles und Camilla hinein. Sie wusste davon und litt deshalb schon vor der Heirat an Bulimie. Charles und Camilla aus ihrem kaltschnäuzigen Manöver einen Vorwurf zu machen, liegt nahe, ist aber auch müßig. Die Begegnung des Prince of Wales mit der geschiedenen Camilla war von Anfang an vergiftet durch eine höfische Moral, die dem Paar keine Chance zu geben schien. Die Tatsache, dass die potenzielle Braut nicht mehr Jungfrau war, galt als ernsthaftes Ehehindernis. Vieles am befremdlichen Verhalten von Prinz Charles lässt sich leicht verstehen, wenn man davon ausgeht, dass Camilla seine eigentliche Frau war und ist – ihm zugedachte durch ein hohes Maß an sexueller und geistiger Übereinstimmung. Nach der Tradition des Königshauses durfte Charles weder diejenige heiraten, die er liebte noch zu lange unverheiratet bleiben. Also wurde Diana zum Opferlamm und zur Königsgebärerin ausersehen. Man erwartete von ihr, dies stillschweigend zu ertragen, wie die Gattinnen früherer Kronprinzen, die das Fremdgehen schlicht als ihr royales Privileg betrachteten. </p>
<p>Diana also rebellierte gegen das ihr zugedachte Schicksal. Sie reagierte wie viele normale Frauen in ihrer Situation, weinte, schrie, machte ihrem Mann Szenen und unternahm einen halbherzigen Selbstmordversuch. Noch lange glaubte sie, ihren Prinzen zu lieben und hielt eine Versöhnung für möglich. Als die Hoffnung starb, wurde sie zum Racheengel. Im Gegensatz zu „normalen“ Frauen hatte sie für ihren Racheplan einen mächtigen Verbündeten: die Öffentlichkeit, die sie in den Rang der „beliebtesten Frau der Welt“ gehievt hatte – weit beliebter als ihr spröder Ehegatte. Andrew Mortons Biografie „Diana – ihre wahre Geschichte“, wurde von der Prinzessin mit intimen Informationen gefüttert. Im berühmten Interview für die Sendung „Panorama“ gab sie geschickt die verfolgte Unschuld. U.a. erregte sie Aufsehen, indem sie die Eignung von Prinz Charles zum König in Frage stellte. Es war die Geburtsstunde der seither immer wieder genährten Gerüchte, die Krone könne eine Generation überspringen und unmittelbar von der Queen auf Prinz William übergehen. Nie zuvor hatte man bei einem Mitglied der Königsfamilie eine solche Orgie öffentlicher Nestbeschmutzung erleben müssen.</p>
<p>Der unbequeme „Weltstar“</p>
<p>Dabei war Diana zu diesem Zeitpunkt längst alles andere als eine „moralische Instanz“. Die Prinzessin hatte mit mindestens zwei verheirateten Männern geschlafen und deren Ehefrauen damit dasselbe angetan, was Camilla ihr angetan hatte. Es waren dies der Antiquitätenhändler Oliver Hoare und der Rugby-Spieler Will Carling, dessen Frau daraufhin die Scheidung einreichte. Was der Hof Diana vorwarf, war also nicht völlig falsch: Sie war eine emotional labile Person, ganz davon vereinnahmt, was sie gerade wollte oder fühlte – mit geringer Bereitschaft, sich Pflichten zu fügen, ohne Gespür für die möglichen Folgen ihres Handelns. Ein Bediensteter zitierte Diana in dieser Zeit mit den Worten: „Du wirst nie König werden, Charles. Ich werde dich vorher zerstören.“ Die Königin verlangte die offizielle Trennung des Ehepaars und schließlich die Scheidung. Man erkannte ihr den Titel „Königliche Hoheit“ ab – ein schwerer Schlag für Diana. Wenn man gedacht hatte, die lästige Verwandte damit los zu sein, hatte man sich jedoch getäuscht. Sie blieb – auch ohne Amt und Würden – eine der prominentesten Personen der Welt, ein Stachel im Fleisch der Royals.</p>
<p>Diana war kurz vor ihrem Tod in einer paradoxen Situation: Einerseits ein „Weltstar“, geliebt von Millionen Menschen, die ihr nie begegnet sind. Andererseits im persönlichen Leben weitgehend isoliert. Nicht nur die Royals, auch ihre Stammfamilie, die Spencers, hatten sich von ihr abgewandt. Sie suchte geradezu verzweifelt nach Liebe und war bereit, alles für ein bisschen Geborgenheit zu tun. Den Pakistanischen Arzt Hasnat Khan wollte sie sogar heiraten und seinetwegen zum Islam überlaufen. Schon hier mussten bei der britischen Society sämtliche Alarmglocken läuten. Dianas Mutter meinte damals, sie solle endlich aufhören, „sich mit diesen verdammten Niggern herumzutreiben.“ Hinzu kam Dianas Einsatz gegen das Verbot von Landminen. Eine sympathische und konsensfähige Aktion, sollte man meinen. Nicholas Bonsor, ehemaliger Minister im Auswärtigen Amt, meinte jedoch: „Für die königliche Familie war es nicht ungefährlich, wenn sich eines ihrer Mitglieder derart unverantwortlich verhielt.“ Unverantwortlich? Landminen, das bedeutete konkret getötete und verstümmelte Männer, Frauen und Kinder. </p>
<p>Vater Mohammeds Verschwörungstheorie</p>
<p>Unter diesen Umständen musste Diana den Kontakt zu Dodi al Fayed und seinem zwielichtigen, aber warmherzigen Vater Mohamed ergriffen haben wie einen rettenden Strohhalm. Die al Fayeds waren für sie Ersatzfamilie, konnten ihr ein angemessen luxuriöses Ambiente, aber auch Schutz bieten. Mohamed, prominentester Verfechter der Mord-Theorie, gab später zu Protokoll: „Sie war ernsthaft besorgt, dass es bei Hofe einflussreiche Personen gab, die ihr Schaden zufügen wollten, die es darauf abgesehen hatten, sie umzubringen, und zwar so, dass es wie ein Unfall aussehen sollte.“ Noch im Oktober 1993 hatte Diana selbst an eine Freundin geschrieben: „Diese Phase in meinem Leben ist die gefährlichste. Mein Ehemann plant einen ‚Unfall’ in meinem Auto, Bremsversagen oder ernsthafte Kopfverletzung, um Camilla heiraten zu können.“ </p>
<p>Dies ist nicht die einzige Merkwürdigkeit im Fall Diana:</p>
<p>* Henri Paul, Dianas „Todesfahrer“ und Sicherheitschef des Hotel Ritz, arbeitete viele Jahre für den britischen Geheimdienst MI6. Davon ist jedenfalls der MI6-Aussteiger Richard Tomlinson überzeugt. In Henri Pauls Brieftasche befand sich zum Todeszeitpunkt eine hohe Geldsumme: 2000 Pfund. Vielleicht bekam er sie, um Dodi Al-Fayed zu einem riskanten Manöver zu überreden: Ohne Begleitschutz sollte die von Reportern gejagte „berühmteste Frau der Welt“ durch Paris kutschiert werden. </p>
<p>Henri Paul – ein Säufer?</p>
<p>* Henri Paul, der bald pauschal zum Schuldigen erklärt wurde, hatte angeblich große Alkoholmengen im Blut. Wie Freunde bestätigen, war er aber zuvor nie als Trinker aufgefallen. Die von den Ermittlungsbehörden genannte Alkoholmenge hätte zu Verhaltensauffälligkeiten führen müssen. Auf einer Überwachungskamera im Ritz sieht man aber, wie gut Paul seine Bewegungen koordinieren konnte, etwa beim Binden seiner Schnürsenkel.<br />
* In der Henri Paul zugeschriebenen Blutprobe fand sich nicht nur Alkohol, sondern auch eine Konzentration von 20,7 Prozent Kohlenmonoxyd. Eine fast tödliche Dosis, die zu starken Kopfschmerzen und Übelkeit hätte führen müssen. Pathologen behaupteten, Paul hätte Kohlenmonoxyd aus dem Airbag des Unfallwagens eingeatmet. Mercedes gab jedoch an, dass dieses Gas in seinen Airbags nicht verwendet wird. Der Sachbuchautor Noel Botham („Der Mord an Prinzessin Diana“) glaubt deshalb, die fragliche Blutprobe stamme gar nicht von Henri Paul, sondern von einem Selbstmörder, der sich in der Unfallnacht mit Autoabgasen vergiftet hatte. Die beiden Blutproben seien bewusst vertauscht worden.<br />
* Paul nahm nicht dir kürzeste Route zu Dodi Al-Fayeds Wohnung über die Champs-Élysées, sondern fuhr einen scheinbar sinnlosen Umweg. Hatte man ihm eingeschärft, durch den Alma-Tunnel zu fahren?<br />
* Henri Paul fuhr nicht, wie behauptet wurde, mit 140 km/h in den Alma-Tunnel ein, sondern mit 102 km/h. Das zeigt ein Foto einer Verkehrsüberwachungskamera, das erst sechs Jahre nach dem Unfall auftauchte. Zuvor hatte die Polizei die Existenz des Fotos geleugnet und behauptet, die Überwachungskamera sei abgeschaltet gewesen. </p>
<p>Ein Blitzlicht und ein weißer Fiat</p>
<p>* An Dianas Mercedes fanden sich weiße Lackspuren von einem Fiat Uno. Auch Zeugen sagten aus, dass ein solches Fahrzeug vor dem Mercedes in den Tunnel gefahren war. Nach dem Fiat wurde von der Pariser Polizei nie ernsthaft gesucht. Später stellte sich heraus, dass er auf den Paparazzo und inoffiziellen Geheimdienst-Mitarbeiter James Andanson zugelassen war. Andanson verstarb später unter ungeklärten Umständen in einem ausgebrannten Autowrack. War der zwielichtige Reporter angeheuert worden, den Wagen der Prinzessin zu rammen?<br />
* Zwei Zeugen, Francois Levister und Brenda Wells, wollen im Tunnel in der Nähe des Mercedes ein grelles Blitzlicht gesehen haben. Solche Lichter werden von staatlichen Eingreiftruppen bei Überraschungsangriffen verwendet und können bei ihren Opfern minutenlange Sehstörungen auslösen. Richard Tomlinson gibt zu Protokoll, dass der britische Geheimdienst ein Attentat auf Slobodan Milosevic geplant hatte – mit einem „Design“, das dem Mord an Diana aufs Haar ähnelte.<br />
* Trevor Rees-Jones, Leibwächter von Dodi und der einzige Überlebende des Unglücks, leidet seither unter Gedächtnisstörungen. Er kann sich an den Unfallhergang nicht erinnern. Merkwürdig!<br />
* Die von der Polizei „spontan“ verbreitet Erklärung, Diana sei von Paparazzi zu Tode gehetzt worden, erwies sich bald als nicht haltbar. Zu eindeutig waren die Zeugenaussagen, dass die Reporter zum Todeszeitpunkt weit von dem Mercedes entfernt waren. </p>
<p>Die (zu) lange Fahrt ins Krankenhaus</p>
<p>* Der Notarztwagen, der Diana ins Krankenhaus Pitié-Salpetrière transportierte, traf dort erst 1 Stunde, 46 Minuten nach dem Unfall ein, obwohl nur sechs Kilometer zu überwinden waren. Ohnehin hätte es näher gelegene Krankenhäuser gegeben. Der Krankenwagen hielt auf der Strecke mehrmals an, angeblich, um Wiederbelebungsmaßnahmen an der Prinzessin vorzunehmen. Als der Wagen endlich in der Notaufnahme eintraf, war kein Herzspezialist verfügbar, obwohl Zeit gewesen, einen solchen herbei zu zitieren.<br />
* Die Polizei von Paris wies die städtische Straßenreinigung an, den Alma-Tunnel nur sechs Stunden nach dem Unfall zu säubern – um Spuren zu verwischen?<br />
* Rosa Monckton, angeblich beste Freundin Dianas, gab an, diese habe kurz vor ihrem Unfall eine Menstruation gehabt, könne also nicht schwanger gewesen sein. Der Haken an dieser Version: Moncktons Bruder Anthony Leopold Colyer stand im Dienst des MI6. Sagte die „beste Freundin“ nur aus, was man ihr befohlen hatte?</p>
<p>Die Vertreibung der Wahrheit</p>
<p>Die Royals waren über mehr als 100 Jahre eine zutiefst dysfunktionale Familie. Soliden, in Wohlanständigkeit erstarrten Monarchen wie Queen Victoria, George V. und Queen Mary sowie Elisabeth und Prinz Philipp folgten oft „Ausreißer“ und „Skandalnudeln“ wie Edward VIII, der auf die Krone verzichtete, um seine Geliebte, Wallis Simpson, zu heiraten. Die Ehen der Queen-Kinder Charles, Anne und Andrew scheiterten. Ihrer Schwester, Prinzessin Margret wurde eine Liebesheirat verwehrt. Sie endete verhärmt und alkoholabhängig. Es scheint, als ob die unbedingte Entschlossenheit der Queen zur Selbstdisziplin ihrer gesamten Umgebung ihren ungelebten Schatten aufzwang. Die Generation von Charles und Diana, Andrew, Fergie und Anne hat einen Spalt geöffnet, durch den für alle sichtbar ein Stück Wahrheit hereindringen konnte. Royals sind Menschen und fehlbar. Sie schlafen gern mit denjenigen Personen, die sie tatsächlich lieben. Und Beziehungen können scheitern. Es scheint, als soll durch die allzu perfekte Geschichte von William und Kate dieser Spalt wieder verschlossen werden.</p>
<p>Zwei grundanständige Buben in Uniform, brav vor der Fahne salutierend, mit adretten Frauen und artigen Kindern, keine Skandale, keine Kritik an der älteren Generation – so wird, wenn nichts schief geht, wohl die Zukunft der britischen Monarchie aussehen. So soll sie sich ins 21. Jahrhundert retten und als Blume an der Kette der neoliberalen Reformen eines David Cameron süßlich duften. Der erstickt die Gering- und Normalverdiener unter einem rigiden Spardiktat und schont die Reichen. Wir erinnern uns, dass schon einmal eine Königshochzeit von massiven innenpolitischen Problemen und sozialen Grausamkeiten ablenken musste. Als Charles und Diana heirateten regierte – Margret Thatcher.</p>
<p>Überall journalistische Hofknickse</p>
<p>Die Boulevard- und Mainstream-Presse schreibt über die Royals bis heute in einem erschreckend liebedienerischen Tonfall – wo man hinschaut, ein einziger literarischer Hofknicks. Dies ist verständlich, denn die Familie der Queen bedeutet für die Medien dasselbe, was eine Fußball-WM bedeutet oder der Eurovision Song Contest: Quote, Auflage, Werbeeinnahmen. Daher muss auf die Serie der Skandale eine Konsolidierung folgen, auf die Konsolidierung vielleicht wieder ein Skandal. Kritik muss allenfalls Prinz Charles befürchten – für seine bedenkenswerten ökologischen und kulturkritischen Ideen. Überhaupt sind Dianas Landminen-Kampagne und Charles Aufbegehren gegen Umweltzerstörung und moderne Architektur die einzigen Aktionen, die es überhaupt wünschenswert erscheinen lassen, dass es weiter royale Prominente gibt.  </p>
<p>Der Tod von Prinzessin Diana ist für sich genommen nicht tragischer als der Tod jedes „normalen“ in den Kriegen Großbritanniens zerstörten Lebens. Traurig ist er vor allem deshalb, weil er gerade zu dem Zeitpunkt geschah, als Diana zu einer wirklich positiven Kraft im Ideenpool der Menschheit zu werden „drohte“. Zufall? Wurde Diana nicht ermordet, so erscheint ihr Tod von einer Überfülle seltsamer Ereignis und Zufälle umzingelt. Wurde sie ermordet, so legt dies sehr Besorgnis erregende Schlussfolgerungen nahe: Es gibt im britischen und internationalen Establishment Kräfte, die entschlossen und in der Lage sind, jeden aus dem Weg zu räumen, der sich ihnen in den Weg stellt. Diese Kräfte vermögen drei Menschen auf offener Straße zu ermorden, Tatsachen zu vertuschen, Beweise zu fälschen, die Polizeikräfte eines anderen Landes (Frankreich) zu kontrollieren, Zeugen einzuschüchtern oder zu beseitigen und die Weltpresse so zu manipulieren, dass sie einhellig eine gefälschte Version der Wahrheit in Umlauf bringt. </p>
<p>Schatten auf der „Operettenmonarchie“</p>
<p>Das Königshaus wäre in dieser Betrachtungsweise keine harmlose Operettenmonarchie, sondern ein Machtzentrum im Hintergrund der Weltgeschichte, Blendwerk und Schattenregierung in einem, aufs engste verflochten mit den Mordkommandos der Geheimdienste. Dies ist ein Szenario, so erschreckend und unwahrscheinlich, dass man sich gern „zurück in die Matrix“ flüchten würde. Die Fakten über den Tod Dianas bekommt man aber, wenn man sie einmal kennt, nicht mehr aus dem Kopf. George Bernard Shaw sagte: „Zum König wird man nicht geboren, man wird es dank einer künstlich erzeugten kollektiven Halluzination.“ Von Dianas Sohn wird erwartet, dass er mit seiner hübschen Braut diese Halluzination nährt und ein guter Mitspieler ist – bis zum seligen Ende. Der einzige Weg, auf dem er historische Größe erlangen könnte, bestünde darin, die Marionettenfäden zu zerreißen, an denen er geführt wird und sich ernsthaft um Aufklärung aller Vorgänge zu bemühen, die den Tod seiner Mutter umranken. Dies aber – vielleicht weiß es William instinktiv – ist auch im „aufgeklärten“ 21. Jahrhundert noch viel zu gefährlich.</p>
<p>Buchtipp: Noel Botham: Der Mord an Prinzessin Diana, Knaur Verlag, 315 Seiten, Euro 7,95</p>
<p>Film zum Thema: In Cannes wurde Mitte Mai der Dokumentarfilm „Unlawful Killing“ von Keith Allen gezeigt. Der Film, der von Dodis Vater Mohammed Al-Fayed finanziert wurde, geht von einem Mordkomplott des britischen Königshauses aus. Ein dort gezeigtes Foto der noch lebenden Diana im Unfallwagen trägt allerdings m.E. nichts Neues zur Aufklärung bei.</p>
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		<title>Uri Avnery nimmt Abschied von seiner Frau Rachel</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 08:04:58 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der bedeutende israelische Friedensaktivist, dessen Kommentare zu Israel und Palästina wir gelegentlich verlinkt haben, verlor kürzlich nach 58 Jahren des Zusammenlebens seine Frau Rachel. Das berührende Porträt einer großen Liebe in einer bewegten Zeit. http://www.zmag.de/artikel/rachel]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_5528" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/06/uri-avnery.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/06/uri-avnery-150x150.jpg" alt="" title="uri-avnery" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-5528" /></a><p class="wp-caption-text">Uri Avnery</p></div>Der bedeutende israelische Friedensaktivist, dessen Kommentare zu Israel und Palästina wir gelegentlich verlinkt haben, verlor kürzlich nach 58 Jahren des Zusammenlebens seine Frau Rachel. Das berührende Porträt einer großen Liebe in einer bewegten Zeit.<br />
<a href="http://www.zmag.de/artikel/rachel">http://www.zmag.de/artikel/rachel</a></p>
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		<title>Mordfall Ludwig II. von Bayern</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jun 2011 07:38:40 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Roland Rottenfußer]]></category>
		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Als „Märchenkönig“ ist der Erbauer der Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee bis heute auf der ganzen Welt beliebt. Das größte Märchen ist allerdings die Behauptung, Ludwig II. habe sich 1886 im Starnberger See selbst ertränkt. Neuere Dokumente und simple Logik legen nahe, dass der Exzentriker auf dem Königsthron Opfer eines Mordes in allerhöchstem Auftrag wurde. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/06/LudwigII.jpg"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/06/LudwigII-202x300.jpg" alt="" title="Knig Ludwig II. von Bayern" width="202" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-5355" /></a>Als „Märchenkönig“ ist der Erbauer der Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee bis heute auf der ganzen Welt beliebt. Das größte Märchen ist allerdings die Behauptung, Ludwig II. habe sich 1886 im Starnberger See selbst ertränkt. Neuere Dokumente und simple Logik legen nahe, dass der Exzentriker auf dem Königsthron Opfer eines Mordes in allerhöchstem Auftrag wurde. Die Geschichte, die hier zu erzähle ist, liest sich nicht nur spannend wie ein Krimi. Sie ist ein Kriminalfall – einer der spektakulärsten der deutschen Geschichte. (Zum 125. Todestag, Text: Roland Rottenfußer)<span id="more-5353"></span></p>
<p>Sie stürzten ihren König<br />
Vom hohen Schwanenstein,<br />
Sie drängten ihren König<br />
Bis in den See hinein.</p>
<p>Es ist keine große Dichterin, die diese Verse Ende des 19. Jahrhunderts verfasste. Allerdings eine sehr bekannte: Kaiserin Elisabeth von Österreich. Die Monarchin war die wohl prominenteste Vertreterin der Mordtheorie um den unglücklichen Bayernkönig Ludwig II. „Sisi“ hielt den Prinzregenten Luitpold, Ludwigs Nachfolger auf dem Thron, für den Drahtzieher einer Verschwörung gegen den König. Sie nannte ihn despektierlich den „heuchlerischen Alten“. Aber nicht nur die Kaiserin, auch das einfache Volk in Bayern glaubte nicht so recht an die offizielle Version, Ludwig habe sich im Starnberger See selbst ertränkt und seinen Leibarzt Dr. Gudden mit in den Tod gezogen. Schon bald nach dem Tod des Königs am Pfingstsonntag 1886 wurde ein Volkslied populär, das die Mordtheorie sehr ungeschminkt vertrat:</p>
<p>Nach Schloss Berg hams dich gefahren<br />
In der letzten Lebensnacht,<br />
da wurdest du zum Tod verurteilt<br />
noch in derselben grauen Nacht.</p>
<p>Zwei Leichen im See</p>
<p>Bis heute wird diese Meinung in großen Teilen der bayerischen Bevölkerung geteilt. So sieht die Geheimgesellschaft „Guglmänner“, deren Mitglieder sich in geheimnisvolle Kapuzen hüllen, ihren Haupt-Vereinszweck in der Aufklärung des historischen Mordfalls. Sie vertreten die Theorie, Ludwig sei erschossen worden und verlangen die Öffnung seines Sarges in der Münchner Michaelskirche. Dort müssten sich ja die Einschussspuren nachweisen lassen. Die Familie der Wittelsbacher verweigert dies bis heute hartnäckig – angeblich aus Pietätsgründen.</p>
<p>Was war geschehen? Am 14. Juni 1886, gegen 11 Uhr wurden in der Nähe von Schloss Berg am Starnberger See zwei Leichen aus dem Wasser gezogen: die von Ludwig II. und seinem betreuenden Psychiater Dr. Bernhard Gudden. Am Tag zuvor waren beide von Schloss Berg, wo Ludwig gefangen gehalten wurde, zu einem Spaziergang aufgebrochen. Die Presse wurde in den Tagen darauf massiv zensiert, und über Berg wurde eine Ausgangssperre verhängt. Mehrer Personen, die als Zeugen in Frage kamen, verschwanden in der Folgezeit auf merkwürdige Weise. Ein Gendarm und ein Küchengehilfe wurden tot aufgefunden, zwei Schlossdiener landeten in einer Irrenanstalt. Andere, wie der zum Abtransport der Leiche rekrutierte Fischer Kramer, sagten später, dass ihnen strenges Stillschweigen auferlegt wurde: „Sonst derf i nix sag’n“.</p>
<p>Wie ein Mythos entsteht</p>
<p>Die offizielle Version des Tathergangs, die bald in der Presse verbreitet wurde, dominiert bis heute in den Biografien Ludwigs und in den Souvenirshops der Königsschlösser: Der König habe während eines Spaziergangs mit seinem Leibarzt versucht, sich selbst im See zu ertränken. Dr. Gudden habe versucht, ihn davon abzuhalten und sei bei dem Gerangel ums Leben gekommen. Anschließend habe sich Ludwig selbst in die Fluten gestürzt. Wo sich die Presse für diese ziemlich unglaubwürdige Version nicht erwärmen konnte, behalf sie sich damit, den Vorgang als „ewiges Geheimnis“ zu bezeichnen. Hatte nicht Ludwig selbst über sich gesagt: „Ein ewig Rätsel will ich bleiben mir und anderen“? </p>
<p>Der Mythos Ludwig wurde neben unzähligen Legenden, Devotionalien und Kitschpostkarten vor allem von den beiden Verfilmungen seines Lebens geprägt. Im Film von Helmut Käutner (1955) spielte O.W. Fischer den König edel wie Häuptling Winnetou und durfte nicht einmal schwul sein. Diesen Aspekt spielte der geniale Regisseur Luchino Visconti (1972) umso mehr in den Vordergrund und besetzte die Hauptrolle mit seinem damaligen Lebensgefährten Helmut Berger. Viscontis Ludwig-Bild galt damals als „modern“, weil er den König schonungslos als labilen Psychopathen mit schlechten Zähnen zeigte. Andererseits entwarf Visconti mit plüschigen Interieurs, Wagnermusik und Bildern von Kutschen- und Kahnfahrten ein Bild, das ebenfalls einseitig war. Ludwig war hier eine morbide „Décadence“-Figur, die einem Roman Thomas Manns entstiegen schien.</p>
<p>Ludwig, der Visionär</p>
<p>Die Frage, ob der König „verrückt“ und von Todessehnsucht geplagt war, ist aber entscheidend, wenn wir die Vorgänge um seine letzten Lebenstagen richtig einzuschätzen wollen. War er geistig einigermaßen gesund, so war nicht erst ein möglicher Mord, sondern schon seine erzwungene Deportation ein Verbrechen. Ohne Zweifel war Ludwig II. hypersensibel und exzentrisch. Manches, was ihm seinerzeit als Geisteskrankheit ausgelegt wurde, erscheint im Rückblick allerdings eher als visionär: </p>
<p>-	Ludwig hielt einen musikalischen Außenseiter, Richard Wagner, für den größten Komponisten seiner Zeit und gewährte ihm ein großzügiges Einkommen. Verrückt? Ludwig hatte Recht, Wagner gilt bis heute als wichtigster Komponist der Epoche.<br />
-	Ludwig war schwul und stellte einigen seiner Dienstboten sexuell nach. Man muss schon homophob sein, um ihm das im 21. Jahrhundert noch vorzuwerfen. Nicht seine Homosexualität war das Problem, sondern die Tatsache, dass er seine Neigung nicht offen leben konnte.<br />
-	Ludwig träumte vom Fliegen und beschäftigte sich mit damals noch utopischen Entwürfen für Flugmaschinen. Verrückt? Nur fünf Jahre nach seinem Tod startete Otto Lilienthal seien ersten, sehr realen Flugversuche.<br />
-	Kann man dem König heute seinen Widerwillen gegen Kriegshandlungen zum Vorwurf machen? Oder die Tatsache, dass er sich der Idee eines „Deutschen Reichs“ nur auf Druck anschloss und ein „Europa der Regionen“ (wie man heute sagen würde) bevorzugte? Oder sollte sein „Umweltfimmel“ Anlass zur Sorge geben? Ludwig rettet die Bäume auf Herrenchiemsee vor der Abholzung, indem er die Insel kurzerhand kaufte und ein Schloss baute.</p>
<p>Entmündigung per „Ferndiagnose“</p>
<p>Wenn man sich mit der angeblichen Geisteskrankheit Ludwigs II. beschäftigt, so fällt auf, dass er nie ordentlich untersucht wurde. Dr. Bernhard Gudden stellte vielmehr eine rätselhafte Ferndiagnose auf, offenbar eine „Auftragsarbeit“ für interessierte Kreise. Ludwig sagte ihm deshalb nach seiner „Verhaftung“ ins Gesicht: „Wie können Sie mich für geisteskrank erklären, Sie haben mich ja vorher gar nicht angesehen?“ Auch andere Äußerungen des Königs, die über seinen Aufenthalt in Schloss Berg dokumentiert sind, sprechen für einen wachen Geist und Schlagfertigkeit. So äußerte er gegenüber dem Arzt Dr. Müller kurz vor seinem Tod: „Ja, es ist doch sehr leicht, dem Menschen ein Mittel in die Suppe zu schütten, dass er nimmer aufwacht.“ Solche Äußerungen zeugen nicht von Lebensmüdigkeit, wohl aber von der Angst vor dem nahen Ende – eine Angst, die nur zu berechtigt war. </p>
<p>Ich rekapituliere noch einmal ein paar Fakten: Ludwig hielt sich in Schloss Neuschwanstein auf, als er am 11. Juni von einer Delegation der bayerischen Regierung aufgesucht wurde. Ihm wurde mitgeteilt, dass er für regierungsunfähig erklärt worden sei und den Überbringern der Nachricht unverzüglich nach Schloss Berg zu folgen habe. Er wurde mit einer Kutsche, deren Türen von innen nicht zu öffnen waren, nach Schloss Berg transportiert und in ein präpariertes Luxusgefängnis einquartiert. Er war ein Gefangener und einer zutiefst demütigenden Behandlung ausgesetzt – ohne rechtmäßiges Urteil und ohne sich eines anderen Verbrechens als „skurriler“ Verhaltensweisen schuldig gemacht zu haben.</p>
<p>Ein gefährliches Spiel</p>
<p>Das wirft die Frage auf, wie es möglich war, dass man einen König so behandeln durfte. Wie konnten die Akteure sicher sein, dass man sie nicht für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen würde? Die Antwort ist: Sie konnten sich dessen überhaupt nicht sicher sein. Die Absetzung und „Verhaftung“ Ludwigs war ein höchst riskantes Unterfangen. Wer den König antastete, machte sich nach damaliger Rechtslage des Hochverrats schuldig und hatte den Tod zu befürchten. Dieser Sachverhalt wurde noch dadurch verschärft, dass der König wahrscheinlich gar nicht geisteskrank war. Die Entführer befanden sich also in einem fast unlösbaren Dilemma: Ein „prominenter“ Gefangener, der im Volk und im Hochadel noch viele Sympathien genoss und Befreier auf den Plan gerufen hätte. Ein relativ vitaler Mann, der die Unrechtmäßigkeit seiner Inhaftierung vor einer unabhängigen Kommission jederzeit hätte belegen können. Konnte man erwarten, ihn noch weitere 30 Lebensjahre unter Verschluss zu halten, ohne dass das Komplott aufgedeckt würde? Nein, ein lebender Ludwig war eine beständige Bedrohung.</p>
<p>Selbst wenn keine weiteren Fakten für Mord sprächen, müsste man also zugeben, dass Ludwigs „überraschender“ Tod bald nach der Verhaftung seinen Kerkermeistern sehr gelegen kam. Wer sind die Täter? Der Sachbuchautor Rudolf Reiser, auf dessen Buch „Königsmord am Starnberger See“ dieser Artikel zum großen Teil beruht, nennt vor allem den ehrgeizigen Prinzen Luitpold, einen Onkel Ludwigs. Ein weiterer Drahtzieher war wohl der leitenden Minister der bayerischen Regierung, Johann von Lutz. Luitpold war laut Reiser der Auffassung, dass Ludwig kein echter Wittelsbacher gewesen sei. Dieser sei vielmehr von einem unbekannten „Ersatzmann“ des an Tripper erkrankten Königs Maximilian gezeugt worden. Den König zu beseitigen, könnte also auch eine Frage der „Ehre“ gewesen sein, um die Dynastie wieder in geordnete Bahnen zu lenken.</p>
<p>Befreiungsversuche</p>
<p>Schon am 9. Juni starteten Luitpold und von Lutz mit Hilfe des ehrgeizigen Arztes Dr. Gudden einen Entführungsversuch, der vom Gefolge Ludwigs noch einmal verhindert werden konnte. Reichkanzler Bismarck, auch darauf deuten Dokumente hin, hat von der geplanten Entmüdigung und Verschleppung Ludwigs gewusst, sie zumindest geduldet. Einige der offiziellen Gründe für die Entmündigung des Königs können sicher mit den wahren Motiven der Drahtzieher übereinstimmen. Das gilt vor allem für die Angst vor dem Bankrott infolge von Ludwigs teuren Schlossbauten. Ein pikantes Detail ist hierbei, dass Ludwig vor allem das Hausvermögen der Wittelsbacher angriff. Prinz Luitpolds Geldmittel drohten also mit jedem weiteren Lebensjahr Ludwigs zu schrumpfen.</p>
<p>Nach der versuchten ersten Entführung waren Teile des Volkes alarmiert und bereit ihren König zu verteidigen. Auch Sisi, die zu jenem Zeitpunkt in Feldafing am Starnberger See weilte, soll einen Rettungsplan geschmiedet haben. Falls Ludwig davon gewusst hat, könnte es sein, dass er seine Entführung nach Berg gelassen hinnahm – wissend, dass seine Befreiung schon in die Wege geleitet war. Es wäre jedenfalls unsinnig, anzunehmen, dass sich der König schon wenige Tage nach seiner Entführung zutiefst nach dem Tod sehnte. Ludwig musste gewusst haben, dass er noch genügend Optionen hatte, wieder in Freiheit zu gelangen. Seine Bereitschaft, mit Dr. Gudden allein außerhalb der Schlossmauern spazieren zu gehen, könnte man auch so deuten, dass er auf seine Befreiung entweder durch fremde Hilfe oder aus eigener Kraft hoffte. Der König war weitaus größer und kräftige als der kleine Dr. Gudden.</p>
<p>Sprint zur Todesstelle</p>
<p>Aus demselben Grund erscheint es merkwürdig, dass der Psychiater es an jenem 13. Juni wagte, mit seinem Patienten allein spazieren zu gehen. Gudden hatte sogar ausdrücklich befohlen, dass ihn auf dem Spaziergang keine Wachen und Pfleger begleiten sollten. Hätte er nicht befürchten müssen, von dem massigen König überwältigt zu werden? Hinzu kommt, dass sich am Starnberger See in diesen Stunden eine massive Pogromstimmung gegen die Königsentführer zusammen ballte. Der bayerische Schriftsteller Oscar Maria Graf berichtet darüber eindrucksvoll in seinem dokumentarischen Roman „Das Leben meiner Mutter“. Der Impuls zum offenen Aufruhr und die Angst vor der Obrigkeit, die wie immer das Machtmittel der Einschüchterung einsetzte, hielten sich die Waage. Wer in dieser Stimmung einen Mord an Ludwig plante, musste wissen, dass er damit keinen Tag länger warten durfte. </p>
<p>Und so geschah, was geschehen musste. Der Gendarm Johann Lauterbach gab später zu Protokoll, Ludwig habe mit Medizinalrat Gudden um 16.45 Uhr das Schloss durch die Hintertür verlassen. Der Tod Ludwigs musste genau 9 Minuten später erfolgt sein. Das weiß man so genau, weil seine Uhr in dieser Minute wegen des eindringenden Seewassers stehen blieb. Wasserdichte Uhren gab es damals noch nicht. Dr. Guddens Uhr blieb 72 Minuten später stehen, um 20.06 Uhr. Da ist es erstaunlich, dass sich die Legende, Ludwig habe zuerst Dr. Gudden und dann sich selbst getötet, so lange halten konnte. Wer den Seeweg von Berg bis zur Todesstelle des Königs kennt, die heute noch mit einem Gedenkkreuz geschmückt ist, wird sich ohnehin wundern. Es ist ein Spaziergang von 775 Metern Länge. König und Arzt müssten also mit einem Affentempo von mehr als 5 km/h an die Unglücksstelle gerast sein, sich eines Teils ihrer Kleider entledigt haben und noch ein Stück in den See gewatet sein. </p>
<p>Was wirklich geschah?</p>
<p>Des Rätsels Lösung könnte so aussehen: Beide wurde mit einer Kutsche abgeholt, die schon vorher bereit stand. Ludwig dürfte die Kutsche freiwillig bestiegen haben, vielleicht weil ihm Gudden die Flucht versprochen hatte. Tatsächlich fanden sind vor der Schlosspforte später rätselhafte Wagenspuren. Wie könnte sich das Drama am See also abgespielt haben? Wir wissen, dass am Körper des Königs keine Spuren von Kampf zu erkennen waren. In seinen Lungen fand man bei der Obduktion der Leiche Wasser. Er muss also noch gelebt und unter Wasser versucht haben, zu atmen. An der Todesstelle war das Wasser aber so seicht, dass es Ludwig nur bis zur Mitte des Brustkorbs reichte. Es war unmöglich, „unbeabsichtigt“ zu ertrinken. Sich mit vollem Bewusstsein an einer seichten Stelle zu ertränken, ist aber schwer möglich. Der nach Luft ringende Organismus würde, einem Instinkt folgend, die Oberfläche suchen. Dass der mickrige Gudden den kräftigen König überwältigt hat, können wir fast ausschließen. Ausschließen kann man auch einen Herzschlag, denn das Wasser war warm im Juni, und das Herz des Königs, wie man bei der Obduktion feststellte, gesund. </p>
<p>Was war also geschehen? Es ist anzunehmen, dass Ludwig in der Kutsche überfallartig mit Chloroform betäubt wurde. Diese Methode war in der damaligen Psychiatrie durchaus üblich, um renitente Patienten gefügig zu machen. In der Kutsche müssen außer Dr. Gudden noch mindestens zwei Personen gefahren sein, die in der Lage waren, den schweren Körper des Betäubten ins Wasser zu schleppen. So konnte der Mord ohne Spuren von Gewalteinwirkung bewerkstelligt werden. Und Dr. Gudden? Der wurde wohl nur benutzt und bald darauf als lästiger Mitwisser ermordet. Die Spuren des Todeskampfes waren ja an seinem Körper feststellbar, nur war nicht Ludwig sein Gegner. Wer die Täter waren, darüber wollen sogar Kenner der Materie wie Rudolf Reiser keine Spekulationen anstellen. Es könnte tatsächlich ein „ewiges Geheimnis“ bleiben. Es ist auch zweitrangig, da über die Drahtzieher kaum ein Zweifel bestehen kann. </p>
<p>Wurde Ludwig erschossen?</p>
<p>Und wie steht es mit der Theorie, Ludwig sei erschossen worden? Sie wird z.B. von den Guglmännern und dem Kunsthistoriker Siegfried Wichmann vertreten. Wichmann beruft sich auf ein Gemälde des Porträtmalers Kaulbach, worauf der tote König Blut im Mund hat. Eine andere Spur führt zum verschwundenen Mantel Ludwigs II., von dem Zeugen berichten, er weise Einschusslöcher auf. Nachzuweisen ist das im Nachhinein nicht mehr. Rudolf Reiser, Verfechter der „Chloroform-Theorie“ ist ein vehementer Gegner der „Erschießungstheorie“. „Es erscheint kaum vorstellbar, dass sich zwölf Ärzte, die bei der Sektion anwesend sind, zu einem Stillhalteabkommen bereit finden.“ </p>
<p>Angst vor der Öffnung des Sarges hätten die Wittelsbacher trotzdem, vermutet Reiser. Eben weil der berühmteste „Sohn“ ihres Geschlechts möglicherweise kein Wittelsbacher war. Dies würde sich anhand von Gentests an Gewebeproben eindeutig feststellen lassen, ließe man die Reste des Leichnams untersuchen. Selbst wenn man, wie ich, die „Chloroformtheorie“ als ziemlich schlüssig betrachtet, bleiben also noch immer Fragen ungelöst. Der König ist tot, es lebe das ewige Rätselraten um sein Leben und Sterben.</p>
<p>Buchtipp:<br />
Rudolf Reiser: Königsmord am Starnberger See. Buchendorfer Verlag </p>
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		<title>Psychologie der Nachbarschaft</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 10:12:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Roland Rottenfußer]]></category>
		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Mikrokosmos einer Hausgemeinschaft spiegelt sich der Makrokosmos wider. Die Lösungen, die wir für Nachbarschaftskonflikte finden, sind auch geeignet, die Probleme der Welt zu lösen. Es wäre bitter nötig. Denn sowohl global als auch im Wohnumfeld werden wir Menschen enger zusammen rücken müssen. (Roland Rottenfußer, Erstveröffentlichung im &#8220;Zeitpunkt&#8221;, www.zeitpunkt.ch) Nie konnte man auf seine Nachbarn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/06/blockwart.gif"><img src="http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2011/06/blockwart-173x300.gif" alt="" title="blockwart" width="173" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-5270" /></a>Im Mikrokosmos einer Hausgemeinschaft spiegelt sich der Makrokosmos wider. Die Lösungen, die wir für Nachbarschaftskonflikte finden, sind auch geeignet, die Probleme der Welt zu lösen. Es wäre bitter nötig. Denn sowohl global als auch im Wohnumfeld werden wir Menschen enger zusammen rücken müssen. (Roland Rottenfußer, Erstveröffentlichung im &#8220;Zeitpunkt&#8221;, www.zeitpunkt.ch)<span id="more-5269"></span></p>
<p>Nie konnte man auf seine Nachbarn so leicht verzichten wie heute. Und nie war konstruktive Nachbarschaft zugleich so wichtig wie jetzt. </p>
<p>Jonas Lieb braucht keine Nachbarn. Er wohnt zurückgezogen in einem anonymen Wohnblock mit 70 Parteien. Sein Tor zur Welt ist sein PC. Jonas, wohnhaft in Bayern, chattet mit Norddeutschen, bildet mit Engländern und Südkoreanern im Online-Rollenspiel «World of Warcraft» eine Gilde. Freunde sind Personen, die auf Facebook als solche bezeichnet werden, die wenigsten kennt er persönlich. Nachbarn sind Leute, die man nur dann bemerkt, wenn sie wegen des versäumten Treppen-Putzdienstes nerven.</p>
<p>In den Industrieländern, vor allem in den Städten, herrscht eine Kultur der Wahlverwandtschaft. Nachbarschaft bedeutet Nähe, die man sich nicht ausgesucht hat. Durch die Wahl des Stadtviertels – edel, alternativ oder preisgünstig – kann man höchstens vorselektieren. Freunde sucht man sich ohnehin anderswo. Frühere Zentren nachbarschaftlicher Begegnung verlieren an Bindekraft: der gemeinsame Kirchgang, das Tanzfest auf dem Dorfacker, Trachten- und Schützenverein, das Dorfwirtshaus, in dem man Schulfreunde wieder traf. Wer sich um die Freundschaft einer Nachbarin bemüht, konkurriert heute mit der ganzen Welt um ihre Aufmerksamkeit.</p>
<p>Die moderne Bauweise begünstigt das nebeneinander her Leben, vor allem in Hochhäusern und Wohnblöcken. Als Einzelner, Paar oder Familie ist man einsam und fühlt sich zugleich durch die Nähe der Anderen unterschwellig beklommen. Hat man Erfahrung mit Nörglern gemacht, lebt man ständig im Hinblick auf mögliche nachbarschaftliche Ermahnungen. Die Überlastung mit unerwünschten menschlichen Begegnungen, z.B. auf dem Gang, macht manche erst recht verschlossen. Jonas Lieb ist manchmal froh, das Treppenhaus ohne «Feindkontakte» durchqueren zu können. Ruht er sich dagegen in einem Ferienhaus auf dem Land aus, machen ihm zufällige Begegnungen mit Nachbarn Spass. </p>
<p>An und für sich ist enges Zusammenleben, etwa in Hochhäusern, vernünftig. Durch Nutzung der dritten Dimension wird das Land nicht zersiedelt. Zusammenrücken ist ökologisch sinnvoll, es geht weniger Heizwärme verloren. Das, was viele Menschen angeht, kann gemeinschaftlich gelöst werden: Heizung, Müllentsorgung, Dachreparatur. Mit Nachbarn befreundet zu sein, spart Fahrt- und Telefonkosten. Es könnte so schön sein, aber wo gemeinsame Interessen sind, besteht Kompromissbedarf. Und wo Kompromisse nötig sind, liegt auch Konfliktpotenzial.</p>
<p>Nachbarschaft bedeutet, Fremden auf beunruhigende Weise ausgeliefert zu sein. Auch wenn zurückgezogene Menschen wie Jonas Lieb diese Tatsache nicht wahrhaben wollen. «Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt», schrieb Schiller im «Wilhelm Tell». Und darüber, wer fromm ist und wer böse, gehen die Meinungen natürlich auseinander. Es ist immer der andere. Störenfried oder Kontrollfreak, zu unintelligent oder zu hochnäsig, Ausländer oder patriotischer Spiesser – selten kann man seine «Nächsten» lieben wie man sollte.</p>
<p>Eine der schönsten Geschichten über Nachbarschaft hat Gerhard Polt in einem Sketch verarbeitet. Ein neuer Mieter hat sich angekündigt: Ausländer. Die deutschen Nachbarn versammeln sich auf der Treppe. Sie befürchten Knoblauchgeruch und «permanentes Gedudel». Und die Ausländer sind ja auch so kinderfreundlich, Geschrei unerzogener Blagen ist vorprogrammiert. Da muss man doch was tun, bevor es zu spät ist! Die Nachbarn lassen eine Unterschriftenliste rum gehen. Sie protestieren bei der Hausverwaltung gegen den neuen Mieter. Plötzlich kommt dieser, dunkelhaarig und sehr gepflegt, die Treppe rauf. Er stellt sich höflich vor und bemerkt nebenbei, dass er das Haus gekauft hätte. Gleich lassen die Nachbarn die Unterschriftenliste verschwinden und begrüssen ihn mit schleimiger Freundlichkeit. Die Zuschauer freuen sich, dass der Sketch Fremdenfeindlichkeit entlarvt; aber jeder kennt Personengruppen, die er nicht so gern nebenan hätte.</p>
<p>Jeder Nachbar ein Gleichgesinnter – diesen Traum träumten schon viele. Er fand Ausdruck in verschiedenen Kommunenprojekten sowie in Reichenghettos (Gated Communities). Negativbeispiel war Rashneeshpuram, die Bhagwan-Kommune in Oregon, USA. Dort wurde von Anfang an eine strenge Trennung zwischen Sannyasin und der «Normalbevölkerung» inszeniert. Von beiden Seiten gab es grosse Vorurteile und Anfeindungen. Die Bhagwan-Anhänger versuchten die Bevölkerungsmehrheit im Landkreis zu bilden und so die Politik zu dominieren. Die «Uneingeweihten» draussen zahlten es ihnen mit Sabotage und juristischen Angriffen heim. 1983 explodierte in einem von Sannyasin betriebenen Hotel eine Bombe. Danach wurde die Kommune zunehmend zur Kaserne für spirituell Befreite. Eigene bewaffnete Ordnungskräfte patrouillierten, das Regime regierte nach innen zunehmend autoritär. Telefone wurden angezapft, Abweichler in den eigenen Reihen isoliert und diskriminiert. </p>
<p>Dieses abschreckende Beispiel zeigt, wie der Traum von einer homogenen Zone der Rechtgläubigen zum Alptraum wird. Kommunarden wie Ureinwohner scheiterten an der Aufgabe, eine verträgliche Nachbarschaft unter Verschiedenen zu schaffen. Interessanterweise stellt sich dieselbe Aufgabe auch für die globale Weltgemeinschaft. Viele Probleme der «grossen Welt» finden sich auch in der Nachbarschaft wieder. Der Makrokosmos spiegelt sich im Mikrokosmos. Hierzu ein paar Beispiele:</p>
<p>Staat und Individuum: Die Hausverwaltung bildet in vielen Wohnkomplexen eine Art Staat im Staat. Sie wird ja von den Wohnungseigentümern und Mietern eingesetzt und bezahlt, hat somit eine dienende Funktion. Mancherorts gebärdet sie sich jedoch als Obrigkeit. Im Extremfall wird der Hausmeister zum gefürchteten Kontrolleur und Vorgesetzten in immer mehr Alltagsfragen. Bittet man ihn um einen Gefallen, hat er keine Zeit oder ist nicht zuständig. Dafür erwartet er beim Hinweis auf kleinste Ordnungsverstösse Gehorsam. Widerstrebenden wird rasch mit Sanktionen gedroht, bis zur Ausweisung aus der Hausgemeinschaft. Gleichzeitig erhöht die Hausverwaltung jedes Jahr die Gebühren. Die Wohnungseigentümer und Mieter bezahlen somit ihren eigenen angemassten Vormund. Natürlich ist nicht jede Hausverwaltung so schlimm, viele machen gute Arbeit. Schlimm ist aber, wenn ein Staat, etwa der deutsche, einer solchen anmassenden Hausverwaltung immer ähnlicher wird. Rebellion ist also vielfach nötig – im Kleinen wie im Grossen.</p>
<p>Regelverletzter und Regelhüter: Der Psychologe Volker Linneweber untersuchte nachbarschaftliches Verhalten in 200 Fällen. «Zentraler Punkt» in allen Streitfällen ist nach Linneweber die «Verletzung von Konventionen, Erwartungen, Normen und Regeln». Klagen über böse Nachbarn kann man in zwei Gruppen einsortieren: Die einen beschweren sich über die Übertretung bestehender Regeln – Lärm nach 22 Uhr, Schuhschränke im Treppenhaus. Die anderen fühlen sich durch nörgelnde, spiessige Nachbarn kontrolliert. «Neid auf die sozialen Aktivitäten» der Nachbarn sei oft der Auslöser von Beschwerden über Lärm, sagt der Psychologe. Mehr als an den Geräuschen «leiden viele daran, dass die anderen ihren Spass haben und sie selber nicht». Ich selbst gehöre als Nachbar eher zu den (sanften) Regelverletzern. Bei Bohrarbeiten in einer früheren Wohnung stand auf einmal das Nachbarpaar vor der Tür und beschwerte sich. Ich war sprachlos. Eben diese Nachbarn waren gerade eingezogen und hatten über Wochen für Dauerbeschallung gesorgt. Diesen Einwand liessen die beiden aber nicht gelten. Ich hätte in der Mittagszeit zwischen 12 und 15 Uhr gebohrt, sie dagegen hätten sie sich stets an die erlaubten Zeiten gehalten. Ihr wichtigstes Argument: «Wozu haben wir eine Hausordnung?»</p>
<p>Konflikte zwischen Gesetz und Bürgern, zwischen der Ordnungs- und der Freiheitsfraktion gibt es in Nachbarschaften ebenso wie in der grossen Politik. Sinnvoll ist immer das rechte Augenmass. In unserem Wohnblock werden viele gemeinsame Angelegenheiten basisdemokratisch geregelt. Seit jeher hängt im Hausflur jedoch eine vergilbte Hausordnung mit teils rigiden Vorschriften. So solle man das Herumstehen auf dem Hausflur unterlassen. Hier wurden vor Urzeiten Regeln erfunden – von Menschen, die selbst nicht mehr mit diesen Regeln leben müssen. Auch das Mehrheitsprinzip bei Abstimmungen hat seine Tücken. So wurde mit knapper Mehrheit ein Verbot ausgesprochen, auf den Grünflächen Fussball zu spielen. Die Hauptbetroffenen, die Kinder, durften aber nicht mitentscheiden. Nicht berücksichtigt wurde das Grundrecht der Kinder, Kind zu sein – also manchmal auch laut. Manchmal sehe ich Kinder direkt unter dem Schild «Fussballspielen verboten» spielen. Ich freue mich jedes Mal über die anarchische Kraft des Lebens, die da durchbricht.</p>
<p>Grenzstreitigkeiten: In Deutschland enden pro Jahr eine halbe Million Nachbarkeitsstreits vor Gericht. Ganz vorn bei den Streitgründen: Territorialkonflikte. Ein Baum ragt ins Gebiet des Nachbarn hinein – muss der jetzt das Laub entsorgen? Eine Hecke nimmt dem Nachbargrundstück die Sonne. Und wie ist es mit Wurzeln, die in unterirdischer Wühlarbeit in den Garten des Anderen eindringen? In «Romeo und Julia auf dem Dorfe», einer Novelle von Gottfried Keller, streiten die Bauern Manz und Marti um einen brach liegenden Acker zwischen ihren Grundstücken. Bei jedem Pflügen vergrössert Marti sein Territorium um eine zusätzliche Furche. Als Manz den Acker kauft, verlangt er das durch schiefes Pflügen abgezwickte Gelände zurück. «Und von diesem Tage an lagen die zwei Bauern im Prozess miteinander und ruhten nicht, ehe sie beide zugrunde gerichtet waren.» </p>
<p>Auch bei modernen Kleingartenbesitzern gibt es «Invasoren» wie «Verteidiger». Die günstigste Lösung ist noch immer: Flächen gemeinschaftlich nutzen und Grenzen nicht so eng sehen. Das ist keine Utopie. Zwischen unserem Gärtchen, den Gärten der beiden Nachbarn und dem Fussweg für die Allgemeinheit gibt es derzeit keine Zäune. «Dein» und «mein» wird locker gehandhabt. Man hat das Gefühl, dass die Blumen der Nachbarn auch die eigenen sind, da die Bereiche ineinander übergehen. Ein Modell auch für Staaten. Seit Europas Grenzen offen sind, gibt es auch keine «Unerlaubten Grenzübertritte» mehr. Die Grenze erschafft erst die Übertretung, und die Regel erschafft die Regelwidrigkeit.</p>
<p>Gemeinschaftsaufgaben: Es ist ein Argument, das oft gegen den Kommunismus ins Feld geführt wurde: Für Gemeinschaftseigentum sorgt der Mensch nicht so gut wie für Privateigentum. Aufgaben, die von allen für alle erledigt werden müssen, werden gern vernachlässigt. Jeder hofft, dass der jeweils andere schon seine Pflicht tun wird. Im oberen Stockwerk unseres Mietshauses herrscht derzeit folgende groteske Situation: Ein Nachbar war mit dem Putzen der Treppe säumig. Die Partei gegenüber weigerte sich daraufhin auch, zu putzen. Sie sieht nicht ein, warum sie das allein machen soll. Im Moment putzt also niemand. In meinem Stockwerk läuft es dagegen rund. Ich tue das Meine und kümmere mich nicht darum, ob die Nachbarn ihre Dienste erledigen. Auch in der Gesellschaft als Ganzes sind wir versucht, Gemeinschaftliches nicht so wichtig zu nehmen wie Privates. Dies kann zu einer Abwärtsspirale, zu «ansteckender Sozialblindheit» führen.</p>
<p>Hilfe und Belästigung: In Deutschland ist Nachbarschaftshilfe eher im kleinen Rahmen verbreitet. Ein hilfsbereiter Exnachbar öffnete meine Tür mit einer Kreditkarte, als ich den Schlüssel nicht dabei hatte. Auch gegenseitiges Blumengiessen ist üblich. Sonst lebt jeder für sich allein. In den USA findet man teilweise umfassendere Formen von Nachbarschaftshilfe. Zieht jemand neu ein, stellt sich die ganze Hausgemeinschaft freundlich vor, bringt Begrüssungsgeschenke und bietet Hilfe beim Umzug an. So kann es passieren, dass man schnell und mühelos eingerichtet ist. Die Schattenseite: Man ist den betreffenden Nachbarn zu Dank verpflichtet und kann ihnen künftige Bitten kaum abschlagen. Zieht eine neue Partei ein, muss man unweigerlich «ran».</p>
<p>Den Alptraum amerikanischer Nachbarschaft hat Roman Polanski in «Rosemary’s Baby» karikiert: Minnie und Roman, das freundliche, ältere Ehepaar, ergreift Zug um Zug von Rosemarys Leben Besitz. Bis sich herausstellt: Sie sind Abgesandte Satans. Hintergrund ist Polanskis Kindheitserfahrung mit der Bespitzelung in der Nazi-Zeit. Auch in grossen Staatsgebilden stellt sich die Frage, wie viel Eigenverantwortung nötig ist und wie weit wir Verantwortung füreinander übernehmen sollten. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Zu viel Hilfe kann als Belästigung und Entmündigung wahrgenommen werden. Eine Gesellschaft ohne gegenseitige Hilfe ist dagegen unmenschlich.</p>
<p>«Nachbarschaftsstreit ist oft eher eine Sache der Psychologie als der Rechtsprechung», sagt Kai Warnecke vom Bund der Berliner Haus- und Grundbesitzer. Aber welche Psychodynamik ist wirksam? Der Sozialpädagoge Lothar Draht meint: «Gerade bei Dauernörglern ist die Hausgemeinschaft vielleicht der einzige Ort, wo sie noch etwas zu sagen haben.» Das trifft einen wichtigen Punkt. Im Zeitalter der Globalisierung, eingesponnen in die Sachzwänge grosser Staatsgebilde, fühlt sich der Einzelne oft machtlos. In der Nachbarschaft «ist er wer». Seine Stimme zählt – und sei es als Querulant, als Freizeitpolizist oder Hobbyrevoluzzer. Lothar Draht empfiehlt deshalb, den Nachbarn etwas von der ersehnten Anerkennung zu geben, schon bevor sie sich «wichtig machen». </p>
<p>Positiv gesehen, ist die Nachbarschaft ein Übungsfeld für Problemlösungen, die auch in der Gesellschaft als Ganzes brauchbar sind. Aus dem bisher Gesagten lassen sich einige Empfehlungen ableiten. Wird es uns gelingen, mit solchen typischen Konfliktfeldern umzugehen, oder scheitern wir? Diese Frage wird in naher Zukunft immer wichtiger werden. Hohe Energiepreise und die Rücksicht auf das Klima werden uns zwingen, unsere Mobilität einzuschränken. Wenn wir nicht schon vorher freiwillig unsere Reiselust eindämmen. Unser unmittelbares Lebensumfeld wird damit wieder mehr ins Blickfeld rücken: Welche Versorgungsfragen können wir hier lösen, welche sozialen Bedürfnisse vor Ort befriedigen? Ein konstruktives Zusammenleben ist nicht nur nötig, es ist auch machbar, Herr Nachbar.</p>
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