Denkmal!Pflege (29)

 In Holdger Platta, Kurzgeschichte/Satire

… und anderes dummes und kluges Zeug. (Holdger Platta)

Tafeln in Deutschland: die Armen wurden zur Alternative der Mülldeponie.

Anzeige von 13 kommentaren
  • eulenfeder
    Antworten

    Ja- Lieber Holdger

    das ist schon auch richtig !

    auch wenn ich gut ‚versorgt‘ werde hier 

    bei der Tafel in Weilheim –

    reicht immer genau für eine Woche,

    sind es doch Lebensmittel die ‚abgelaufen‘

    bis ‚weit drüber ‚ sind –

    man gibt was nicht mehr gekauft wird

    verkauft werden kann –

    reichlich sogar.

    andererseits eben – 

    und da ist Dein Satz richtig,

    würde alles im Müll des Überflusses landen,

    gäbe es ‚Uns‘ nicht, die auch das noch

    zu ‚verwerten‘ haben.

    Also froh dass es die Tafel hier gibt –

    besser sie wäre nicht nötig, überhaupt.

     

     

     

     

     

     

     

    • Piranha
      Antworten
      Lieber Eulenfeder,

      ich hab da eine etwas andere Einstellung: ich denke, die Tafeln sind die Fortsetzung der Demütigung von Armen  mit anderen Mitteln.

      Hinzu kommen die Abstrusitäten:

      die Deutschen werfen jede Sekunde 313 kg (also 20 Tonnen p.a.)  Lebensmittel weg

      Supermärkte „sichern“ ihre Mülltonnen mit Vorhängeschlössern oder kippen Säure über die Lebensmittel um das Containern unmöglich zu machen

       

       

      • eulenfeder
        Antworten

        hallo Piranha –

        eigentlich haben wir die selbe Einstellung, weiß auch von diesen Umständen die du anführst –

        und ich sehe sehr klar diese ‚Versorgung‘ der Armen als politisch verursachtes Verbrechen auch.

        Trotzdem muß ich davon leben, kann davon leben, den‘ Speiseplan‘ bestimmt die Tafel.

        Nunja – für und wider nützt da nicht viel.

        Loben muß ich hier in Weilheim, daß diese meist freundlichen Leute der Tafel extra für mich vegane Lebensmittel aufheben ! –

        trotz allem, dieses positive.

         

         

         

         

  • Volker
    Antworten
    Menschenmüll versorgen.
    Den Erniedrigungsgang zur wöchentlichen Armutsspeisung kannte auch ich: die Hoffnung auf verwertbare Lebensmittel sowie auch den Ekel davor, den Kampf zwischen Bettlerhaltung und Würdeempfinden.
    Zeige dich dankbar dafür, aber zeige nicht deine verzweifelte Wut darüber, dass dir als anspruchsloser Bettler noch Almosen gereicht werden, die sich langsam in deine Seele einfressen.
  • Marktschreier
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    Den Märkten sei Dank. Oder wie SCHEINSOZIALE, NEOLIBERALE und TIEFGLÄUBIGE-, SCHEINCHRISTLICHE VOLKSVERTRETER sagen würden:
    „GOTT SEI DANK“.
    .
    Wenn die Überproduktion da nicht mal ihre gute Seite zeigt.
    .
    Für das Volk die TAFEL, für ihre KREUZRITTER die TAFELRUNDE.
  • Merkellos
    Antworten
    Es ist eben nicht alles ist für die politische Elite ALTERNATIVLOS.
    Und so kann selbst der mit der NIEDRIGSTEN ENTLOHNUNG noch von SEINER HÄNDE ARBEIT leben!
  • Von der GITTERBOX zum CONTAINER
    Antworten
    Was NICHT mehr GEBRAUCHT, zu TEUER oder in ihren AUGEN eine LAST ist, gehört auf den Müll. Da macht der FREIE sich selbst regelnde MARKT auch
    bei der WARE MENSCH keine Ausnahme. Freiwillig hat er, der FREIE MARKT nichts zu verschenken, nicht einmal seinen Abfall!
    Als Kind war mein Weg zur Schule von einer kleinen Bäckerei begleiten. Jeden Morgen schauten wir bei ihr vorbei. Unsere Aufmerksamkeit galt einer
    Gitterbocks, gefüllt mit FRISCHEN, NOCH WARMEN, etwas defekten Kuchen- und Teilchen. Wohlgemerkt, frisch aus dem Ofen… FÜR LAU, FÜR UMSONST.
    Es war einmal?
    Die Bäckerei wurd größer…, mit ihr ein ALTERNATIVLOSER CONTAINER auch…immer GRÖßER, und die GITTERBOX IMMER KLEINER.

    Für ihr ward kein Platz mehr, im…

    .

    REICH der freien Märkte!

  • Bettina
    Antworten
    Ist es nicht trotzdem gut, dass es die Tafeln überhaupt gibt, so, wie es Geschäfte gibt, die Lebensmittel von  Supermärkten, die dort nicht mehr verwendet werden, kaufen, um sie zu sehr günstigen Preisen weiterzuverkaufen? Ich habe heute in so einem Lebensmittelgeschäft eingekauft, und ich habe mich darüber gefreut.  So komme ich diesen Monat über die Runden.

    In Köln gibt es Ehrenamtliche Gruppen, die nicht verkauftes Brot vom Bäcker, oder Gemüse vom Markt etc. abholen, um das an bestimmten Ausgabestellen für Bedürftige umsonst abzugeben. Ich habe mich mit einigen dieser engagierten jungen Menschen unterhalten. Sie meinten, viele Bedürftige würden diese Lebensmittel gerne annehmen. Ist es nicht besser, diese Lebensmittel, sofern sie noch gut sind, abzugeben, anstatt sie in den Müll zu werfen?

    Ich kann mir vorstellen, dass das eigene Schamgefühl etliche Bedürftige davon abhält, eine Tafel aufzusuchen, doch im Grunde genommen ist das eine soziale Einrichtung, über die andere dankbar sind.

    • Volker
      Antworten

      Ist es nicht trotzdem gut, dass es die Tafeln überhaupt gibt…

      Nein. Für ein wohlhabendes Land, das Armut nicht verhindert, sondern gewollt fördert, über Lebensgrundlagen entscheidet, durch Zwang, Strafandrohung und Entmündigung, sind Tafeln eher als erbärmliche Folge einer menschenverachtenden Politik anzusehen.

      Dabei sollten wir nicht der Versuchung unterliegen, erzwungene Armutsspeisungen auch noch schönreden zu wollen, obwohl dem Armutsbettler meist keine Alternative bleibt, als sich erniedrigen zu lassen.

      Bettina, Du würdest dies sicherlich begreifen können, solltest Du stundenlang vor einer Tafel anstehen müssen. Früher fütterte man Schweine mit Abfällen – diese Bemerkung kann und will ich mir nicht verkneifen.

      …so, wie es Geschäfte gibt, die Lebensmittel von Supermärkten, die dort nicht mehr verwendet werden, kaufen, um sie zu sehr günstigen Preisen weiterzuverkaufen? Ich habe heute in so einem Lebensmittelgeschäft eingekauft, und ich habe mich darüber gefreut. So komme ich diesen Monat über die Runden.

      Eine durchaus ehrenwerte Geschäftsidee, die gewiss einträgliche Umsätze verspricht. Klar, die haben auch nichts zu verschenken, kaufen – marktkonform – Lebensmittell auf, die Supermärkte nicht mehr anbieten können (Kunden sind sehr wählerisch) , aber weiterverkaufen möchten. Was dabei für armutsspeisende Tafeln noch übrigbleibt – wahrscheinlich nur klägliche Reste, die sich dazu weiterhin vermarkten lassen.

      • eulenfeder
        Antworten

        Hallo Volker

        Dein ausdrückliches Nein ! – kann ich nicht unterschreiben, denn:

        Ich bin auf die Tafel hier in Weilheim angewiesen !

        Dass es keine Tafeln geben sollte, in einem Sozialstaat –

        darüber müssen wir nicht diskutieren.

        Ich kann nur sagen: Wer angewiesen ist, ist auch froh dass es eine gibt !

        Scham empfinde ich nicht, wenn ich mich dort für eine Woche versorgen kann, 

        die ca. 300 anderen, meist Flüchtlinge, auch nicht, sie sind froh etwas zu bekommen, ganze Familien sind davon abhängig.

        Nun – ich könnte natürlich aus Protest gegen diese Politik der Unmenschlichkeit die Tafel hier verweigern – aber wer gibt mir statt dessen was ich für eine Woche brauche ?

        Es ist eben auch und trotz aller berechtgten Kritik an den Ursachen tatsächliche Hilfe für Bedürftige, das kann man nicht bestreiten.

        Wahrscheinlich ist diese Tafel hier auch aussergewöhnlich, überwiegend freundliche und sogar fürsorgliche Helfer dort geben reichlich, auch weil die Geschäftsleute in Weilheim reichlich geben, umsonst wohlgemerkt.

        Wäre ich nun wegen dieses Lobes und meines Eingeständnisses dass ich ohne Scham hingehe ein Gleichgültiger was die brutale Politik betrifft ?

        Nein – mit nichten ! auch nicht  wenn ich sogar dankbar bin für diese Hilfe hier.

         

         

         

         

         

         

         

        • Piranha
          Antworten
          Ja, und leider plakatiert selbst die Linke „Armut verhindern“ und tut damit so, als gäbe es noch keine.

          Armut beenden wäre das sinnigere auf einem Wahlplakat

  • musil
    Antworten
    Und wäre es nicht besser, wenn NIEMAND in diesem Land (am besten weltweit) auf solche Almosen angewiesen wäre? Das man trotz Arbeit auf die Tafeln angewiesen ist, ist eine – politische gewollte – Schande. Aber auch jene, die keine Arbeit bekommen (wollen) sollten soweit menschenwürdig leben können, dass sie nicht als Alternative für die Müllhalde herhalten müssen.

    Ich sehe das massive Aufkommen von Tafeln nicht als Fortschritt – aber ich bin auch kein neoliberaler Bürgerlicher, der sich als Unterstützer der Tafeln das tolle Gefühl hat, etwas Gutes, Soziales zu tun.

  • eulenfeder
    Antworten

    hallo musil

    ein bischen verrannt hast du dich zwar, am Ende

    denn

    „Gutes, Soziales zu tun“ sollte nicht mit Neoliberalem verglichen, in Verbindung gebracht oder von solchem abhängig gemacht werden, 

    die Ursachen werden nicht bekämpft, indem man Hilfe verweigert u.s.w

     

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