Beiträge von Frank Nonnenmacher

Die Nachbarn verstehen (7)

Filmszene aus der Zola-Verfilmung „Germinal“

Macrons Arbeitsmarktreform: Die Scheidung erleichtern, damit es mehr Eheschließungen gibt. Macron macht den Schröder. Der „deutsche Weg“, durch Abbau von Arbeitnehmerrechten und Erleichterung von Entlassungen die Wirtschaft anzukurbeln, scheint den dynamischen Polit-Jungspund zu inspirieren. Der Widerstand der Linken ist dabei „eingepreist“ und wird souverän ausgesessen – auch dies wie in Deutschland. Dabei hilft eine französische Besonderheit: „Dekrete“ des Präsidenten machen parlamentarische Debatten selbst dann überflüssig, wenn sie wegen der Sitzverteilung im Hohen Haus von der Opposition ohnehin nicht gewonnen werden könnten. Einen große Volksbewegung gegen Sozialabbau ist derzeit unwahrscheinlich, die meisten haben sich abgefunden. Bedenken der europäischen Nachbarn: second. (Frank Nonnenmacher) (mehr …)

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Die Nachbarn verstehen (6)

Wie Emanuel Macron französischer Präsident werden konnte. Vernünftiger Pragmatismus jenseits von Rechts und Links, postpolitischer Starkult oder der Beginn einer neuen napoleonischen Ära? Frankreichs juveniler Präsident spaltet die öffentliche Meinung wie kaum ein anderer europäischer Politiker. Der Wahlfranzose Frank Nonnenmacher analysiert den unwahrscheinlichen Aufstieg des Ex-Bankers. Ob damit mit Blick auf deutsche und österreichische Verhältnisse eine Warnung oder Verheißung verbunden ist, mag jeder selbst entscheiden. (Wir veröffentlichen die sehr lesenswerten Teile 6 bis 8 von Frank Nonnenmachers Serie „Die Nachbarn verstehen“ an drei aufeinander folgenden Tagen, wobei sich Teil 7 auf Sozialabbau in Frankreich, Teil 8 auf die neuen Vorschläge Macrons zu Europa beziehen wird.) (mehr …)

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Ein Unrecht der Nazis, das bis heute als rechtens gilt

Zwangsarbeit im Steinbruch unter dem Nationalsozialismus

Die furchbaren Verbrechen der Nazis kann man nicht wieder gut machen, aber wenigstens ihre Opfer sind heute weithin als solche anerkannt – sollte man meinen. Einer Gruppe ehemaliger KZ-Häftlinge wird bis heute von Politik und Gesellschaft der Opfer-Status aberkannt – es sind Kleinkrimininelle, die wegen Bagatelldelikten einsaßen und nach Verbüßen ihrer Strafe als „Berufsverbrecher“ in Konzentrationslagern gequält und teilweise ermordet wurden. Ebenso wie so genannte Asoziale, deren „Verbrechen“ oft nur darin bestand, obdachlos zu sein. Es sagt viel über unsere Nachkriegsgesellschaft, über die Kontinuität von Mentalitäten, aus, dass sich bis heute weithin Schweigen über deren Schicksale breitet. Eine auf Strafen fixierte Öffentlichkeit kennt Mitgefühl allenfalls, wenn jemand völlig unschuldig ist; gegen übermäßige, ja grausame oder gar tödliche Bestrafung regt sich dagegen kein Widerstand. So kam es zu der empörenden und geschichtsvergessenen Annahme, eine bestimmte Personengruppe sei „zu Recht“ im Konzentrationslager gewesen. Frank Nonnenmacher, dessen Onkel selbst betroffen war, bemüht sich um eine Rehabilitierung dieser Menschen. (mehr …)

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Die Nachbarn verstehen (5)

Fréderic Porcheron: „En cas de conflit“

Was eine Ausstellung „Künstler für den Frieden“ in einem kleinen südfranzösischen Dorf auslöst. In Castelnau-Valence, einem kleinen Weinort in Südfrankreich, in dem unser Autor Frank Nonnenmacher während mehrerer Monate im Jahr lebt, herrscht eine – vorsichtig ausgedrückt – eher „wertkonservative“ Stimmung. Viele wählen den Front National, man schimpft über die EU und sehnt sich nach den Tagen nationaler Selbstbestimmung zurück. Dennoch ist dem deutschen Gast dort gelungen, eine durchaus erfolgreiche Ausstellung zum Thema „Frieden“ zu organisieren – anknüpfende an den „journée pour la paix“, den alternativ gestalteten Nationalfeiertag 11. November. Ein kleines Wunder und ein Zeichen der Hoffnung für unser ebenfalls stark von rechtem Gedankengut infizierten Nachbarland. (Frank Nonnenmacher) (mehr …)

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Die Nachbarn verstehen (4)

Die Bedeutung des 11. November und der „monuments aux morts“ in Frankreich. Der Toten des Krieges gedenken, ohne den Krieg selbst zu verherrlichen und ohne in übertriebenem Nationalgefühl zu schwelgen – das ist keine einfache Angelegenheit. In Frankreich, traditionell einem sehr nationalbewussten Land, werden kriegerische Erfolge besonders gern gefeiert, speziell auch der Sieg über Deutschland 1918. Frankkreich-Freund Frank Nonnenmacher war in einem Dorf, das eine alternative Gedenkkultur entwickelt hat, eine die zum Frieden mahnt und zum „Nie wieder!“. (Frank Nonnenmacher) (mehr …)

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Die Nazis nannten sie «Asoziale» und «Berufsverbrecher»

Ernst Nonnenmacher

In die Konzentrationslager gesperrt, von der SS „zur Vernichtung“ freigegeben. Neue Forschungen verlangen Konsequenzen: endlich offizielle Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus.Wussten Sie, dass man auch „zu Recht“ in einem Nazi-Konzentrationslager gewesen sein kann? Menschen, die wegen kleinkriminieller Delikte aufgefallen waren und z.T. ihre Strafe in „normalen“ Gefängnissen schon abgesessen hatten, wurde von den Nazis als „Berufsverbrecher“, Landstreicher teilweise als „Asoziale“ eingestuft. Solche Personen wurden im KZ auf das Schwerste gedemütigt, misshandelt und teils ermordert. Und wie stellte sich die Nachkriegsgesellschaft dazu? „Selbst schuld“ suggerierten die Behörden den Betroffenen und erkennen sie bis heute nicht als Nazi-Opfer an. So geschehen z.B. dem Onkel des Autors, Ernst Nonnenmacher. Der vertraute sich Konstantin Wecker an und inspirierte ihn sogar zu einem Lied… (Frank Nonnenmacher) (mehr …)

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Holdger Platta: Gesprächsbeginn mit Syriza?

31. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Letzte Woche berichtete Holdger Platta über Steuern, die die griechische Regierung auf Spenden erhebt. Viele Leser empörten sich zu Recht über die unmeschliche Maßnahme. Diesbezüglich gibt es heute teilweise Entwarnung. Dafür droht neues Unbill für die Organisation der Spendenaktion. Wir wollen uns nicht verdrießen lassen. Niemand hat uns versprochen, dass es leicht werden wird. Was „am Ende des Tages“ zählt, sind die Hilfen die schon geleistet wurden und noch geleiset werden. (Holdge Platta) (mehr …)

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Die Nachbarn verstehen (3)

Wie mich die Engländer mehrfach eines besseren belehrten. Der dritte Teil seiner Reihe „Die Nachbarn verstehen“ führt den Frankreich-Experten Frank Nonnenmacher nach Großbritannien. Im Vorfeld des Brexis-Votums reiste er nach Südengland und erkundete in vielen persönlichen Gesprächen „Volkes Stimme“. Er analyisert die tieferen Ursachen der Unzufriedenheit der britischen Bevölkerung mit der EU und macht Lösungsvorschläge. Immer spielt dabei auch das ungelöste Thema „Migration“ eine entscheidende Rolle – ebenso wie die Unfähigkeit der Sozialdemokratie, eine Antwort auf die neoliberale Kulturdominanz zu geben. Wenn manche dabei auch an deutsche Verhältnisse denken, dürfte das vom Autor durchaus beabsichtigt sein (Frank Nonnenmacher). (mehr …)

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Frank Nonnenmacher: Die Nachbarn verstehen (2)

Die Auferstehungsversuche von Präsident Hollande und die Geburt einer neuen Bewegung: „Nuit Debout“. Schröder und Blair haben es vorgemacht: Das Prinzip „Je schlechter wir die Menschen behandlen, desto besser für die Wirtschaft“ wurde zum Erfolgsmodell – sieht man von ein paar bedauerlichen, jedoch unvermeidlichen Opfern am Rand der Gesellschaft ab. Da möchte Frankreichs Präsident nicht nachstehen und verabschiedete – mit ohnehin erstaunlicher Verspätung – eine schrödereskes Arbeitsmarktreform nach dem Gusto derer, die Arbeitnehmerrechte schon immer störend fanden. Doch es regt sich Widerstand auf den Straßen – dies vielleicht der auffälligste Unterschied zu deutschen Verhältnissen. Frank Nonnenmacher, der in Frankreich lebt und sich gut mit „Volkes Stimmung“ auskennt, berichtet im zweiten Teil seiner Serie wieder aus unserem Nachbarland, das für viele noch immer unbekanntes Terrain ist. (Frank Nonnenmacher) (mehr …)

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Frank Nonnenmacher: Die Nachbarn verstehen (1) – Absurditäten des französischen Wahlsystems

Wir freuen uns und fühlen uns geehrt, Frank Nonnenmacher als Autor bei HdS begrüßen zu dürfen.

Frank Nonnenmacher, geb. 1944, wurde von seinen Eltern Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre auf ein altsprachliches Gymnasium geschickt. Dort litt er unter den reaktionär-konservativen Lehrern, war aufsässig, schwänzte häufig die Schule und war ein schlechter Schüler. Mit Verspätung machte er Abitur und wurde mangels sinnvoller Zukunftsvorstellungen Soldat bei der Bundeswehr.
Dort erfuhr er 1966 eine erste unfreiwillige Politisierung, als er nämlich die abfälligen Bemerkungen der Offiziere und Unteroffiziere über „die langhaarigen Affen von Studenten“ hörte, gemeint waren die Anti-Springer-Demonstranten.
Er verließ nach zwei Jahren die Bundeswehr, wurde als Kriegsdienstverweigerer anerkannt, studierte und wurde (ausgerechnet !) Lehrer für Bildende Kunst, Deutsch und Politik. Er engagierte sich gewerkschaftlich, in der Friedensbewegung und in deren Anfangszeit bei den Grünen.

Er absolvierte ein berufsbegleitendes Zweitstudium, promovierte, habilitierte und wurde Professor für Politische Bildung an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seine Forschungsgebiete waren die Entwicklung politikdidaktischer Konzeptionen und Analyse und Kritik herrschender Lernkulturen.

Nach seiner Emeritierung 2009 schrieb er eine Doppelbiografie über zwei Brüder, seinen Vater und dessen Halbbruder, die gleichzeitig eine zeitgeschichtliche Erzählung über das 20. Jahrhundert ist. Während der eine Bruder, Gustav, ins Waisenhaus kam und später in Hitlers Luftwaffe den gesamten Zweiten Weltkrieg knapp überlebte, wuchs der andere, Ernst, mit der Mutter in größter Armut auf, wurde kleinkriminell und kam nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe von 1941 bis zur Befreiung in die KZ Flossenbürg und Sachsenhausen.
1989 lernte Konstantin Wecker Ernst Nonnenmacher im Mainzer Unterhaus kennen und widmete ihm das Lied „Sturmbannführer Maier“.

Seit 2001 lebt Frank Nonnenmacher mit seiner Frau Eva Fischer zu einem Drittel des Jahres in einem kleinen südfranzösischen Dorf bei Uzès im Departement Gard. Beide sind dort in einem Kulturverein tätig, der unter anderem seit vier Jahren den jährlichen Gedenktag zum Kriegsende 1918 als „11 novembre autrement qu’ailleurs“ („der 11. November anders als anderswo“), nämlich unter antimilitaristischen Vorzeichen organisiert.

Für „Hinter den Schlagzeilen“ kommentiert Frank Nonnenmacher in unregelmäßigen Abständen französische Geschehnisse aus nationaler und lokaler Perspektive und mit dem Anspruch „Die Nachbarn verstehen“.

Hier nun der erste Text zum Thema, ein weiterer folgt im Lauf der nächsten Woche.
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