Hinter den Schlagzeilen macht Urlaub – aber nicht ganz

 In DER BESONDERE HINWEIS

Liebe Leserinnen und Leser, unser Magazin HdS erscheint bis 6. Juni mit etwas ausgedünntem Programm. Der ausführende Redakteur Roland Rottenfußer ist auf Erholungsreise, und es war leider diesmal nicht möglich, so viele Beiträge vorzuprogrammieren. Ein paar Highlights pro Tag gibt es trotzdem, und Alexander Kinsky wird ab und zu Beiträge, auch aktuelle, online stellen. Schaut gelegentlich bei uns rein. Im Juni kommen wir dann in alter Frische wieder. (Roland Rottenfußer)

Hier noch mal eine Zusammenfassung der „Message“ von Hinter den Schlagzeilen.

Es ist nicht egal, welche Informationen wir aufnehmen und welcher Art von Kultur wir unsere Aufmerksamkeit schenken. Diese Tatsache wurde mir wieder bewusst, als ich die schöne Biografie von Pippo Pollina las, einem italienischen Liedermacher, der u.a. durch die Zusammenarbeit mit Konstantin bekannt wurde.

Biograf Franco Vassia stellt, sicher übereinstimmend mit Pippo, dem modernen Italien ein verheerendes Zeugnis aus: „Im Grunde war Italien zu dem geworden, was er [Pippo] am meisten gefürchtet hatte. In nur zwei Jahrzehnten hatte die Macht das intellektuelle Niveau der Bevölkerung in strategischer Manier gesenkt. Damit war das Land manipulierbarer geworden. Der Protest wurde lahm gelegt, Falschinformationen verbreitet und das Hirn der Italiener mit Blödsinn gefüllt, damit sie leichter zu beeinflussen waren.“

Im Land des weitgehend zentral gelenkten Privatfernsehens und der triumphierenden Verdummungspresse konstatiert Vassia eine „kulturelle Agonie“ und die „völlige Auflösung der Kunst.“ „Mit den Seifenopern begann das Fernsehen, Müll zu produzieren und mit vollen Händen Schande und Ignoranz auszusäen.“ „Was da am Horizont auftauchte, schienen die Vorbereitungen und Absichten eines morbiden Regimes und einer Macht zu sein, die fähig war, einen antidemokratischen und destabilisierenden Plan zu realisieren: ein populistisches und medial raffiniertes Projekt, das darauf zielte, den Verstand zu kontrollieren und das Bewusstsein zu benebeln.“

Berlusconi-Italien, wie es hier von Pippo und seinem Biografen in den schwärzesten Farben gezeichnet wird, ist vom Deutschland unserer Tage nicht wesensverschieden. Im besten Fall kann man sagen, dass uns Italien ein paar Schritte voraus ist. Die kulturelle und politische Gegenwehr darf also nicht auf sich warten lassen. In Deutschland war und ist es möglich, dass

– AfD und Pegida das Land mit menschenfeindlichen Parolen vor sich hertreiben und das Mitgefühl mit Flüchtingen in die Defensive bringen konnten

– uns der schrittweise Abbau unserer Freiheitsrechte im Namen von immer mehr Sicherheit als alternativlos aufgeschwatzt wurde

– uns der sozial kalte Schnösel Jens Spahn als künftiger Kanzler angepriesen wird

– man es uns als freie Entscheidung verkaufen konnte, zwischen zwei neoliberalen Kanzlerkandidaten und vier neoliberalen Parteien zu wählen

– uns dümmliche und Ekel erregende Sendungen wie Dschungel-Camp und Casting-Shows über Wochen als das Wichtigste vom Wichtigsten aufgedrängt werden

– die Bild-Zeitung populärstes deutsches Blatt bleibt und unvermindert weiter hetzen darf wie zu Dutschkes und Wallraffs Zeiten

– das Volksgewissen Verbrechen wie das Bombardement von Kundus mühelos verdauen konnte.

Jeder Leser, jede Leserin kann hier sicher ergänzend viele weitere Beispiele nennen.

Konstantin Wecker ist deshalb die Idealbesetzung als Herausgeber eines solchen Webmagazins, weil er seit fast 40 Jahren künstlerischen Anspruch, einen kritischen politischen Geist und Herzenswärme auf die Bühne bringt. Letzteres, die Herzenswärme, kommt in der linken Medienlandschaft ein bisschen zu kurz. Ebenso wie die anarchische Lebenslust, die Konstantin wie kein zweiter in seinen Liedern zum Ausdruck gebracht hat.

Genau zu diesem Zweck haben wir aber auf „Hinter den Schlagzeilen“ Musikvideos. Ich bin überzeugt, dass unsere Leserinnen und Leser nicht ausschließlich politische „Köpfe“ sind, die in sachlicher Sprache über die jeweils neuesten Fehlleistungen eines Seehofer, Lindner, Söder oder Trump aufgeklärt werden wollen. Menschen öffnen ihr Herz auch einer Melodie oder einem poetischen Wort. Und getragen von Musik prägt sich auch manche politische Botschaft unvergesslich ein. Ein berührendes Chanson ist eine Widerstandshandlung gegen die emotionale Erstarrung, die uns die Mächtigen verordnet haben, weil man über Erstarrte leichter verfügen kann.

Ich möchte deshalb alle ermutigen, einmal in der Liederliste von „Hinter den Schlagzeilen“ zu blättern und nach genau dem Lied oder den Liedern zu suchen, die euch berühren. Und ich bitte alle: Empfehlt „Hinter den Schlagzeilen“ euren Freunden, Verwandten und Bekannten weiter. Und wenn ihr außerdem noch andere kritische und niveauvolle Seiten gut findet, empfehlt diese.

Wir bringen auf dieser Seite bewusst keine Werbung, was schon einen Wert an sich darstellt. Ich erhoffe mir vielmehr einen geistigen Gewinn, und der ist nicht allein das Verdienst von Konstantin, Holdger, Alexander und mir. Diese Seite sammelt die geistigen Leistungen von hunderten von Künstlern und Journalisten, deren Erzeugnisse wir hier verlinken dürfen. Selbst wenn die Betreffenden, von Bob Dylan bis Yanis Varoufakis, nie von ihrem „Glück“ erfahren, bedanke ich mich an dieser Stelle pauschal und herzlich bei ihnen.

Kein geistiges und politisches Elend ist so groß, dass sich nicht irgendwo Widerstand rührt. Kein Verdummungs- und Unterdrückungssystem funktioniert so reibungslos, dass nicht irgendwo ein Geistesgrashalm durch die Betondecke bricht. Diese Tatsache, die wir von der Türkei und Griechenland bis Saudi-Arabien oder Bayern überall beobachten können, macht Mut. In Deutschland sind die Zustände beileibe nicht am schlimmsten. Gegen die verordnete „Normalmeinung“ aufzubegehren, ist hier nicht lebensgefährlich. Umso weniger gibt es eine Entschuldigung für uns, die wir verstanden haben, jetzt nicht aktiv zu werden. „Man muss sich wehren, so lang man kann. Denn wer sich fügt, der fängt bereits ganz insgeheim zu lügen an.“ (Konstantin Wecker)

Aufgeschmissen wären wir natürlich auch ohne unsere Leserinnen und Leser, deren freundliche und kritische Aufmerksamkeit unserem Wirken als Publizierenden ja eigentlich erst Sinn gibt. Durch unzählige Kommentare und auch durch Geldspenden habt Ihr uns Eurer Wertschätzung versichert, wofür wir herzlich danken.

Aus den genannten Gründen und um unsere Arbeit nachhaltig zu ermöglichen, benötigt das Projekt HdS weiterhin Hilfe auch von Euch! Wobei niemand schief angesehen wird, dem solche Hilfe nicht möglich ist. Auch diese Leserinnen und Leser sind und bleiben aufs herzlichste willkommen bei uns!

Hier zum Abschluss noch einmal unsere Spendenkontonummer:
Inhaber: IHW

IBAN DE 09 2605 0001 0056 0608 74
BIC: NOLADE 21GOE
Stichwort: HdS

Sparkasse Göttingen

 

 

Anzeige von 2 kommentaren
  • Volker
    Antworten

    Im Juni kommen wir dann in alter Frische wieder.

    Wer ist wir, willst Du dich etwa klonen lassen? 🙂

  • Gerold Flock
    Antworten

    Abschaffung der Berufspolitik! – Auflösung des Großeigentums! – Unabhängige Medienbetriebe! – Nein! Zur Arbeitszwangwirtschaft!

    Die Angst davor, dass jemand ohne genügend Arbeit in seiner
    arbeitsfreien Zeit tun und lassen kann, wonach ihm gerade ist,
    ist nicht ganz unbegründet.
    Das Gefühl der Nutzlosigkeit erscheint bei reichen Menschen,
    die viel „Freizeit“ haben, in einem sehr engen Rahmen. Die
    Menschen erreichen durch Reichtum eher ein Gefühl der Frei-
    heit als der Nutzlosigkeit. Was den Menschen ohne Arbeit fehlt,
    ist nicht Arbeit, sondern ein gewisses Maß an Wohlstand und
    ein Entzug von ihrer unbewussten Arbeitssucht.
    Eine Methode, die Arbeit aufrechtzuerhalten und das destruk-
    tive Verhalten zu mildern, ist das Konsumieren. Konsumieren ist
    ein ideales Mittel zur Kompensation von allerlei Dingen. Kon-
    sumieren hält die Menschen beschäftigt. Sie kaufen sich glück-
    lich. Der Konsum erfordert wiederum Arbeit.
    Die Menschen schlossen sich einst zu Stämmen zusammen, da-
    mit sie ein gewisses Maß an Sozialisation, Sicherheit und Wohl-
    stand für sich gewährleisten konnten. Diese Funktionen haben
    in unserer heutigen Gemeinschaft staatliche Institutionen über-
    nommen. Zudem geschieht dies heute, in Anbetracht der Men-
    ge an Menschen sehr pauschal. Wer an den Wohlstand der
    staatlichen Gemeinschaft teilhaben will, muss sich gewissen
    Pflichten unterwerfen. Eine dieser Pflichten besagt, eine zumut-
    bare Arbeit aufzunehmen. Dies soll als notwendig angesehen
    werden, obwohl dafür keinerlei Notwendigkeit besteht. Es be-
    steht vielmehr die Notwendigkeit, die Bereicherung Einzelner zu
    unterbinden.
    Eine Ungleichheit zeigt sich ganz besonders in der Zahl der welt-
    weit in Armut lebenden Menschen und der Zahl der Milliar-
    däre. Theoretisch kann jeder Millionär werden, praktisch nicht,
    denn die Fähigkeiten und die Voraussetzungen dazu sind nicht
    jedem gegeben. Zudem entzieht das Horten von Reichtum
    vielen Menschen die Ressourcen und Grundbedingungen für ein
    erfülltes und glückliches Leben. Das Streben nach
    Macht und Reichtum entzieht vielen Menschen die Möglichkeit
    auf ein erfülltes und glückliches Leben, da es auf Unterdrückung
    und Ausbeutung beruht.
    Der Reichtum eines Menschen ist das Unglück vieler Menschen.
    Aus Unwissenheit, aus der Not oder der Arbeitspflicht heraus
    entstand dieses Dilemma, und es steigert sich exponnentiell. Nur
    ein entgegenwirkender Menchanismus kann humanitär wirken.
    Der gehortete Reichtum muss in allgemeinen Wohlstand verwandelt
    werden.
    Dieser allgemeine Wohlstand setzt einen verantwortungsbewussten
    Umgang mit Ressourcen voraus.
    Die Verantwortungslosigkeit liegt aktuell bei den Menschen, die
    reich an Ressourcen sind und den in Armut lebenden Menschen
    diese Ressourcen vorenthalten. Die Reichen haben sich diese
    Bürde der Verantwortung selbst auferlegt, indem sie den Reich-
    tum abgeschöpft und ihn somit einem Großteil der Menschen entzogen
    haben.
    Volka Polka

    Sag alles ab!

Hinterlasse einen Kommentar

Start typing and press Enter to search

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!