Unser schauriges Abendland

 In FEATURED, Friedenspolitik

Prof. Jürgen Wertheimer

Friedenspolitik, die gelingen soll, bedarf vor allem einer realistischen Selbsteinschätzung. Der Tübinger Literaturprofessor Jürgen Wertheimer ist kein Mann der Elfenbeintürmelei und der um sich selbst kreisenden interpretatorischen Zergliederungsbemühungen. Mit ihm und seinen flammenden, teilweise zornigen, dabei immer von tiefer Humanität getragenen Reden wird Literatur zu einem emotional aufwühlenden und auch politisch stets relevanten Ereignis. Manchmal greift er auch direkt ins politische Geschehen ein, wie bei einer Veranstaltung zum 30. Bestehen der Gesellschaft Kultur des Friedens, u.a. mit Konstantin Wecker und Mikis Theodorakis. In seiner Rede in der Tübinger Stiftskirche am 8. Mai 2018 wendet sich Wertheimer gegen weich zeichnende Friedens-Flausen der Art „Der Friede beginnt in dir“ und konfrontiert seine Zuhörerschaft mit der bitteren Realität – nicht ohne Vorschläge zu machen, was wir alle jetzt und hier besser machen können. (Jürgen Wertheimer)

Liebe Friedensaktivisten,

nach so vielen gewichtigen Worten nun auch noch etwas über Literatur. Warum nicht? Schließlich ist Literatur, ist Dichtung nach Erich Fried dazu da, „möglichst wenig zu lügen und sich möglichst wenig vorzumachen“ (E.F.: Die Beine der größeren Lügen). Deshalb also keine feierlichen Töne, keine Friedensfeier, keine Selbstfeier, auch kein Bloch oder Jens – alles eine Nummer zu groß für ein paar Minuten.

Allenfalls Brecht mit der ihm zugeschriebenen Losung „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Oft zitiert und genauso oft missverstanden. Abgesehen davon, dass der Satz nicht von Brecht stammt, handelt es sich darüber hinaus nämlich durchaus nicht um ein pazifistisches Geständnis, sondern um einen indirekten Aufruf zum Kampf, denn im Gedicht Brechts heißt es:

„denn es wird kämpfen für die Sache des Feinds

Wer für seine Sache nicht gekämpft hat.“

(Brecht, Koloman Wallisch Kantate )

Keinesfalls passt die Vorstellung, man könne dem Krieg entgehen, wenn man zuhause bleibt, zu Brechts Denken. Doch bei allem Respekt vor seiner Klugheit – es könnte sein, dass Brecht hier irrt. Man kann heute durchaus den Eindruck gewinnen, dass man dem Krieg entgehen kann, wenn man ihn vor der Haustür (zu)lässt. Europa führt vor, wie das geht. Wir feiern uns für 60 Jahre Frieden in Kern-Europa. Den hässlichen Krieg haben wir „outgesourct“ oder an die Ränder verbannt:  in die Ukraine, nach Nordafrika, in den nahen und mittleren Osten… Jedenfalls dorthin, wo die uns heiligen Außengrenzen, die Grenzen unserer viel beschworenen „christlich-abendländischen Werte“ enden.

Das ist in der Tat beeindruckend und vielleicht sogar verständlich. Wir sollten bloß nicht so tun, als sei Europa der Friedenskontinent schlechthin. Wenn man sich die europäische Geschichte ansieht, wirkt es weit eher so, als seien wir die Erfinder eines Perpetuum mobile der Kriege, die wir seit Jahrtausenden in allen Variationen durchdeklinierten. Und in die Welt hinaustrugen. Die europäische Kolonisation erfasste die gesamte Welt und stellt eine einzige „Grenzüberschreitung“ der Außengrenzen anderer Länder dar.

Und jetzt rufen ausgerechnet wir nach strikter Wahrung und Sicherung unserer Außengrenzen – nachdem wir über Jahrhunderte das Gefüge der Welt aus dem Lot gebracht haben: Die afrikanischen Länder wurden von Europäern kartographiert,  Nordamerika ist ein Konstrukt aus dem Geist europäischer Ideen.

Bei all dem berufen wir uns gebetsmühlenartig auf unsere „christlich-abendländischen“ Werte – die nota bene allesamt orientalischer Herkunft sind. Jedenfalls wüsste ich nicht, dass die Bibel und das Neue Testament in Tübingen, Gelsenkirchen oder Straßburg geschrieben wurden…

Und zudem erfolgt diese Berufung auf unsere angeblichen Werte, nachdem wir sie zumindest dreimal bis auf den Grund verraten, zumindest aber verkauft  haben: durch den Faschismus, den Stalinismus, den rabiaten Kapitalismus.

Von wegen, die „Würde des Menschen ist unantastbar“. Wir wissen es längst besser: sie ist nicht nur antastbar, es ist auch möglich, sie massenhaft zu vergewaltigen. Und selbst die hoch gepriesenen universalen „Menschenrechte“ können wir uns, wenn es hart auf hart geht, abschminken. Allenfalls trauern wir betroffen, wenn unsere Interventionen wieder einmal zu spät kamen oder zu lasch waren. Oder wir können uns diese Werte im „Museum“ anschauen: bei lähmenden Uno-Debatten oder vor dem zahnlosen Europäischen Gerichtshof in Den Haag, dessen größte Sorge es ist, Massenmördern faire Prozessbedingungen zu sichern.

Nein, liebe Friedensfreunde, die Zeiten der großen Friedensutopien und -Entwürfe sind vorbei. Die Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, ebenfalls. Der Krieg ist zur Ware geworden, der Markt blüht weltweit und wir sind mitten drin.

Das „Make love not war“ früherer Tage ist im Angesicht der modernen Kriege geradezu gefährlich weltfremd. Und selbst die Gegenlosung des israelischen Autors Amos Oz von vor 20 Jahren – „Make peace, not love!“ – scheint mir mittlerweile fast zu optimistisch.

Ich bin ehrlich gesagt sehr viel bescheidener in meinen Hoffnungen und Erwartungen geworden. Und auch wenn ich damit im Gegensatz zu allen großen Vordenkern von Spinoza und Pascal bis Brandt und Käßmann stehe, die simple Definition des Friedens als die bloße „Abwesenheit von Krieg“ hat doch Einiges für sich. Jedenfalls könnte ich mir denken, dass viele in Damaskus oder im Donez und in den Flüchtlingslagern von Dadaab, Dolo Ado (Äthiopien), Kakuma (Kenya), Al Zaatori (Jordanien) bereits für ein solches Stück faulen Frieden dankbar wären.

Vielleicht sollte man vor diesem Hintergrund die strategischen Ziele dieser imponierenden Bewegung („Kultur des Friedens“) im Sinne der Wirklichkeit korrigieren, nach unten korrigieren – dort wo elend gestorben oder gequält wird und unsere symbolischen Gesten definitiv nichts bewirken. Natürlich haben Philosophen, Theologen und Ethiker recht, wenn sie meinen, ohne eine geeignete „Geisteshaltung“, ohne Vertrauen wäre von echtem Frieden nicht zu sprechen. Das weiß ich wohl. Ich weiß aber auch, dass dies häufig eine philosophische Rechnung ohne den knallhart kalkulierenden Wirt „Realität’“ ist.

Wir können nicht so tun, als ob unsere Gehirne nicht seit 2000 Jahren auf das Generieren von Feindbildern programmiert wären. Und als ob guter Wille allein ausreichte, dieses fatale kulturelle und epigenetisch weitergegebene Erbe zu überwinden. Aber vielleicht bin ich zu pessimistisch. Es gibt so viele Ansätze und vielleicht entwickelt sich bereits hier und heute Etwas, ich würde mir nur wünschen, dieses

Gegengift käme möglichst schnell in die Welt, möglichst bevor noch ein paar hunderttausend Kinder sterben oder Frauen vergewaltigt werden…

Für alle denen das zu lange dauert, hier noch drei Aktionen, mit denen man umgehend beginnen könnte:

1 Man könnte im eigenen Raum anfangen. In der Kommune, auch hier, in Tübingen. Man könnte Scharfmachern der Sprache das Handwerk legen – ihnen zumindest den Zugriff auf hochrangige öffentliche Ämter entziehen. Wer Menschen nach äußerlichen Merkmalen klassifiziert und sich zu diesem Verfahren bekennt, hat dort nichts zu suchen. Es ist nicht „menschlich“, Menschen rigide in eigene und fremde „einzuordnen, um sich zurechtzufinden“ (Tagblatt) – es ist schlicht jenseits intellektueller und moralischer Standards.

2 Man könnte und sollte das „Nathan-Prinzip“ mit 250jähriger Verspätung umsetzen. Sie erinnern sich: Lessing, Nathan, Ringparabel; er vergleicht die drei monotheistischen Religionen und befindet:

„Eure Ringe sind alle drei nicht echt!“ – ein Satz wie eine Bombe. Ein Satz, geeignet,  um uns aus der Umklammerung durch radikale, dogmatische Theologien zu befreien: Befreiungs-Theologie im besten Sinn des Wortes. Säkulare Staaten wie die meisten europäischen sollten ihn ernst nehmen. Der Mensch ist nicht in erster Linie Mitglied einer Konfession, sondern Bürger einer Republik.

3 Statt Nachsorge und Betroffenheit sollte man mehr Energien in Vorausschau und Prävention investieren. Kassandra sollte sich nicht vergeblich heiser schreien müssen. Die Zeichen sind da: wir müssen sie nur auch wahrnehmen wollen. Jedem Krieg geht ein alarmierender Krieg der Wörter voraus. Man sollte nicht erst reagieren, wenn Schüsse fallen, sondern bereits, wenn ideologische Geschütze in Stellung gebracht werden. Nur in dieser Phase besteht eine halbwegs realistische Hoffnung, eine sich anbahnende Konfliktlage zu entschärfen.

Anzeige von 7 kommentaren
  • Polygraph
    Antworten
    Kompliment! – Sehr schön gesprochen. Und ein extra „Dankeschön“ an  Jürgen Wertheimer, der – im Unterschied zu viel zu vielen hierzulande – sich nicht scheut unser „Schauriges Abendland“, in Beziehung zum Monotheismus zu stellen, wenn er schreibt:

     

    … Man könnte und sollte das „Nathan-Prinzip“ mit 250jähriger Verspätung umsetzen. Sie erinnern sich: Lessing, Nathan, Ringparabel; er vergleicht die drei monotheistischen Religionen und befindet:

    „Eure Ringe sind alle drei nicht echt!“ – ein Satz wie eine Bombe. Ein Satz, geeignet,  um uns aus der Umklammerung durch […], dogmatische Theologien zu befreien […]. Der Mensch ist nicht in erster Linie Mitglied einer Konfession, sondern Bürger einer Republik. …

     

    Denn hier, bei den drei monotheistischen Religionen, in deren Dogmen, den Glaubenssätzen die nicht hinterfragt, sondern nur gehorsam nachgebetet werden dürfen, liegt „der Schweine-Hund“ mehr oder weniger in allen von uns begraben, der echten Frieden verhindert. Auch viel zu viele konfessionsfreie Menschen unterliegen diesen feindseligen, religionstypischen schwarz/weiß-, gut/böse-Programmierungen, weil tatsächlich unser komplettes „Schauriges Abendland“, auch das säkulare, seit Jahrhunderten davon geprägt, und die geistige Einstellung  der Menschen beeinflusst wurde/wird.

     

  • Anna
    Antworten
    Na ja, zum Glück wird das schaurige Abendland gerade kräftig umformatiert. Es wird zu einem Mittagsland, aber schaurig wird auch das bleiben. Wehe, es wagt dann  jemand, alle drei „Ringe“ als unecht zu bezeichnen. In Mittagsland wird es einen echten und zwei Falschringe geben. Die Falschringe werden allen Falschringern als Nasenring eingesetzt , damit man sie entsprechend durch Mittagsland ziehen kann. Ehre, nur wem Ehre gebührt! Talmibesitzern gebührt keine Ehre.
    • Polygraph
      Antworten
      Gut gebrüllt Löwin! … *zustimm*

       

      Wobei ich bei der „kräftigen Umformatierung“ doch schon meine Zweifel habe.

  • Piranha
    Antworten
    Ich fand es schon von Kohl ziemlich unverschämt, nicht mehr als als Bürger-/in, sondern verallgemeinernd, verniedlichend (oder erniedrigend?), auf jeden Fall aber entzweiend als

    die Menschen draußen im Lande

    bezeichnet zu werden.

    Entzweiend deshalb, weil er damit deutlich ein „drinnen“ und „draußen“  deklariert hat.

     

    Wenn in Bayern zur Starkbierprobe  der Ministerpräsident die erste Maß bekommt mit dem Spruch: salve pater patriae, bibas, prinzeps optime, so müsste das schon Teil des „derbleckens“ sein und die MPs der letzten 50 Jahre  vor Scham rot anlaufen.

    pater patriae – in römischer Zeit einst als Ehrentitel an ausgewählte Landesfürsten verliehen, ist es zur hohlen nichtssagenden Phrase verkommen.

  • Polygraph
    Antworten

    Piranha:

    … Wenn in Bayern zur Starkbierprobe der Ministerpräsident die erste Maß bekommt mit dem Spruch: salve pater patriae, bibas, prinzeps optime, so müsste das schon Teil des „derbleckens“ sein und die MPs der letzten 50 Jahre vor Scham rot anlaufen. …

     

    Blutleere Gestalten können rein physiologisch nicht erröten. 😉 … und sind zudem – logo! – cerebral komplett unterversorgt. Weshalb sie sich ja so ängstlich an Traditionen klammern. 😉

  • Volker
    Antworten

    Nein, liebe Friedensfreunde, die Zeiten der großen Friedensutopien und -Entwürfe sind vorbei. Die Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, ebenfalls. Der Krieg ist zur Ware geworden, der Markt blüht weltweit und wir sind mitten drin.

    Meine Rede seit Langem, und gut, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine stehe. Ich frage mich allerdings, was wir (oder der Einzelne) noch tun können, wenn die Sehnsucht der Menschen nach einem friedlichen und würdigen Leben nicht nur missachtet- sondern auch gezielt bekämpft wird.
    Es sind nicht nur die Kriege Menschen gegen Menschen, die uns zusehens bedrohen; nebenbei werden unsere Lebensgrundlagen vernichtet, ein Weltkrieg Mensch gegen Natur, obwohl alle wissen, dass es danach kein Zurück mehr geben wird. Die zu erwartende Zukunft spiegelt sich in der Gegenwart und hat uns schon längst eingeholt.
    Von Träumen jenseits der Wirklichkeit habe ich mich verabschiedet, mein Wunschdenken an die Vernunft des Menschen aufgegeben – eine bittere Erkenntnis.

  • Gabriele Weis
    Antworten
    Warum streben wir nicht endlich danach, diese immense Findigkeit des Menschen auf eine wirklich ernst gemeinte, also vervollständigt intelligente Umsetzung dessen zu verwenden, was in allen Kulturen als spirituelles Gemeingut von denkbar friedensfördernder Weisheit auffindbar ist … ?!

     

    Europäisch ausgedrückt rührt an solches Streben unsere Erkenntnis von der ´Würde des Menschen´ …

     

    Was bringt denn Menschen um ihr   ´Werden´   – zu auch und besonders all dem Wunderbaren, das in einem jeden schlummert und einfach nur Raum bräuchte, sich zu entfalten und darüber Räume mit zu erschließen rundum, so dass sich ausballancieren könnte, was uns vielfach als kränkungsgesteuerte Untat fesselt, durch das, was uns ´sein´, weil bei- und füreinander ´vorkommen´ ließe…?

     

     

    Sogenannte ´Realisten´ füttern uns mit sogenannten ´Sachzwängen´, erwachsend aus der ´fraglos ja (?!)´ tententiell reichlich schäbigen ´Natur´des Menschen …, aus den angeblich unveränderlich bestehenden ´Marktgesetzen´ mit ihrer ´unsichtbaren Hand´ angeblich zugunsten des Wohlstands aller …, aus den Potential-Unterschieden alles Existenten, die ein Auskommen ohne Herrschaft nicht denkbar erscheinen ließen, auch wenn diese noch jedesmal verschiedensten Selbstbereicherungsprozessen förderlich sein würde, aus den unverzichtbaren Triebkräften eines möglichst uneingeschränkten Wettbewerbs- und Wachstums-Denkens… –

     

    Und überall enthält diese Fütterung den Verweis auf aus alldem erwachsende Bedrohungen, denen nun einmal nur im Wege machtvoller Bündnisse und waffenstarrend zu begegnen sei…

     

     

     

    DIE LEHREN DER NATUR

     

    Die Natur, deren Teil wir sind, kennt keine Herrschaft, sie kennt Verdrängung, sie kennt funktionsbedingte Ränge, sie kennt Kampf um Nahrung, auch um Reviere, aber so etwas wie Bereicherungs- und Verarmungs-Szenarien, geo-strategische Ermächtigungskämpfe zum Zweck der Beherrschung anderer Artgenossen oder gar Arten vollführt dort keine Population …

     

    Die, verglichen mit der Tier- wie Pflanzenwelt, z.T. tatsächlich z.T. nur scheinbar erweiterte Denk- und Handlungsfähigkeit der Spezies Mensch, liefert letzterer – freilich auch verführerisch – andere, ja größere Spielräume:   w i e   wir diese konturieren, hängt von den Erkenntnissen ab, die wir uns jeweils erarbeiten…

     

    Wo wir dabei den sogenannten ´Realisten´ mit ihren oben skizzierten Weltsichten folgen, wird unser aller Lebenswirklichkeit eine sein, in der FAIRPLAY nicht das zentrale MOVENS dessen darstellt, was wir zu unseren Kulturen machen…

     

    Zweifel sind erlaubt, dass das so sein müsse !

     

    Die wohl meisten Kulturen dieser Welt haben sich – oft zurechtgezwungen – bis heute sehr vertraut gemacht damit, wie sie ihre Intelligenz immer dynamischer auf die Entwicklung ihrer technischen Fähigkeiten verwenden können – sie haben sich damit oft und öfter der Faszination von ´Macht´-Spielen ergeben und sich in ihnen einzurichten ´gelernt´ –   im nimmermüden Verweis auf unumgängliche Bedrohungsabwehr…, die nicht zu leisten sei ohne eine Schaffung entsprechender Investitions-Potentiale, die wiederum ohne herrschaftsgestützte Vorteilsnahme nicht entstünden …

     

     

    Gleichwohl findet sich keine unter all unseren Kulturen, die sich nicht Zugang zu erarbeiten gewusst hätte auch dazu, was die Spezies Mensch über ihre technische Intelligenz hinaus ausmacht, wann immer sie den Raum gewährt haben, davon das jeweils in ihnen Zugängliche auf je ihre Weise auszuloten…

     

    Unübersehbar spirituelles Gemeingut aller Kulturen wurde unterdes:

    – dass Leben ´Würde´ besitze, deren (jeweilig nicht allen gleichermaßen immer einsichtige) Achtung uns alle zur Schaffung rundum gedeihlicher Verhältnisse gemahne…

    – dass vom unermesslichen Reichtum des Werdens und Vergehens in diesem Universum kein Wesen ausgeschlossen bleiben müsse, das nicht auf Konkurrenten stoße, die es systematisch in Ausbeutungsverhältnisse drücken zu müssen bzw. zu dürfen glaubten… – denn alles nähre sich ohne Bedeutsamkeitsunterschied von allem und nähre seinerseits alles …

    – & dass solche Ausbeutung verabsolutierten Ängsten entspringe, über deren trickreich wach gehaltene Evokation Menschen einander willfährig zu machen wüssten…

     

     

    Natürlich haben wir Ängste:   die Welt um uns, unsere Gesundheit, unsere Begegnungen können sich ins Nachteilige entwickeln, Neues nährt nicht nur positive Erwartung & Hoffnung, es schafft auch unbekannte Unsicherheit, verlangt uns ungezählte Abschiede, auch Brüche ab, am Ende den Tod… – aber da ist nicht minder unendlicher Anlass zu stiller bis jauchzender Freude an allem, was uns überwältigten Herzens Ja sagen lässt zu dem, was wir als Leben auf dieser Erde erfahren dürfen…, an den herrlichsten wie auch beängstigendsten Naturerfahrungen, an Menschen & Dingen, Leistungen, bestandenen Schwierigkeiten, innerem wie äußerem Wachstum, ja an leuchtender Farb- und Klangfülle um und in uns, überall dort, wo wir den Mut in uns spüren, unsere Ängste nicht zu unseren Dämonen zu machen oder machen zu lassen…

     

    Und wenn wir genau hinschauen, überwiegt die leuchtende Farb- & Klangfülle selbst dort, wo wir uns daneben – aber extrem leidvoll jeweils – in irgerndwann immer auch kriegerische Ausbeutungsordnungen versteigen, wie viel zu oft in unserer bisherigen Geschichte…

     

     

    Erzähle niemand, mit unseren Ängsten ließe sich nur via Ausbeutungsordnung mit all ihren zahllosen Verlogenheiten umgehen.

     

    Jede/r von uns weiß es ganz persönlich anders   –   oft freilich nur viel zu punktuell, weil er zuweilen in Lebensordnungen gerät, in denen die Ordnungsmacht der anmaßungsstolzen Diktierer dieser Erde, ihr/m ihre/seine Tage immer wieder auch zu nahezu einer einzigen Kränkung gerinnen lässt…

     

    Inzwischen haben wir uns sogar ´wissenschaftlich´ erarbeitet, dass Menschen die innere Stärke haben können, sich freizumachen vom niederdrückenden Gefühl, gekränkt worden zu sein, nicht wahr-, nicht in Rücksicht genommen, ja geliebt zu werden … –   unsere Forscher sprechen da von so etwas wie einem ´Resilienz-Gen´, aber auch von möglicher ´Resilienz-Förderung´…

    Die RELIGIONEN dieser Welt wissen davon lange und in einiger Hinsicht wohl auch mehr als die hochspezialisierten Gentechnologen dieser Tage…

    Sie haben sich freilich in den Jahrtausenden ihrer Geschichte zumeist denkbar weit von diesem Wissen entfernt – dort, wo sie im Bündnis mit den Machtbeanspruchern sein zu sollen glaubten und glauben, damit der ´führungsbedürftige´ Mensch – als einzelner wie in der Gruppe – ´beschützt´ und ordnungsverträglich-´gott-/götter-gefällig´ durchs Leben gehen könne.

     

    Wer sich jedoch mit neuer Unmittelbarkeit intuitiv mit geöffneten Sensorien und wirklich erkenntnisorientierter Intelligenz den Wirkgefügen dieser Welt gegenüberstellt, der weiß, dass das, was Menschen als ´Realismus´ausgeben, Illusion ist und Illusion schafft …

     

    – Unter ´Realisten´ geht es nie in erster Linie um ein rundum würdevolles Neben- & Miteinander – um das also, was ´FRIEDEN´ genannt werden könnte: allenfalls um die ´Befriedung´ so oder so Widerständischer, im Extremfall sogar um deren Auslöschung… – im Dienst so oder so profitabler Ordnungen für die, die genügend Durchsetzungskraft zu entwickeln vermögen…

     

     

    MENSCHENWÜRDE

     

    Sein Werden macht die Würde eines jeden Menschen aus   – samt jener der Gruppen, in denen er lebt. Es vollzieht sich unaufhebbar spiegelbildlich: wir alle spiegeln uns ineinander, im Universum wie in dem, was wir ´heilig´ nennen.

     

    Streit gehört zu diesem Werden, Kurskorrekturen, wo sie einsichtig werden, Entschuldigungen, ja Wiedergutmachungen, neue Nähe, neue Wege wie auch vorderhand unüberwindliche Distanz und Sackgassen –   angestrebte und entfaltene Zwingkraft nie!

     

    Denn sie erlaubt kein Werden, sie formt gewaltsam um, erstickt und löscht gar aus, was ihr nicht passt – aus Machtansprüchen, die allenfalls eine Zeitlang Nichtkrieg erzeugen helfen, ein wirklich friedensgetragenes Miteinander nie…

    Verwechseln wir doch bitte nicht Dominanz zum Zwecke der Weitergabe kräftiger Gene und einem Lebensräume ökologisch strukturierenden Revierverhalten, wie wir es niemals kriegsähnlich ausufernd in der gesamten Natur außer der menschlichen vorfinden, mit menschlicherseits nicht selten ausufernd angestrebten und erzwungenen Herrschaftsverhältnissen !

     

    Wir alle neigen zur Entfaltung solcher Zwingkraft – sie löst, was uns quält, scheinbar am schnellsten und gründlichsten…

    Wir erfahren aber auch Mal für Mal das genaue Gegenteil: was da jeweils erzwungen wurde, macht die Situation in der Regel schlimmer für meist noch mehr Menschen, als der erzwingungs-´bekämpfte´ Vorkonflikt.

     

    Kulturell wissen Menschen das in allen Weltgegenden.

     

    Und in allen Weltgegenden tradieren sie Wege zu einem friedvollen Umgang mit ihren Streitigkeiten – und an der Wurzel: zu einem Verständnis allen Werdens, das Gedeihlichkeit nur erfährt jenseits jeden Setzens auf Zwingkräfte und Reichtums-Potentiale…

     

    Wo wir uns als nicht kraftvoll genug erleben für das, was wir gerne hätten, halten wir das erst einmal nur schwer aus.

    Dass wir uns aber so erleben, hängt ganz zentral an jenem Wettbewerbs-Mantra, dem wir uns ausgeliefert haben!

     

    Wir alle sind nie nur das eine: kraftvoll oder kraftlos… Und unsere Potentiale werden sich immer unterscheiden. Nur so vermögen wir einander zu ergänzen, so oder so mitreißend zu beantworten, als Quelle zu erfahren von Freude und Gemeinsamkeit, wie auch von Kränkung, Ausbeutung und Abhilfe-Erfordernissen.

    Es ist nicht wichtig, dass und wie stark wir sind, es hängt alles daran, dass wir sind   – mit all unserem nicht ersetzbaren je individuellen Aufeinander-Angewiesensein wie mit dem ganzen Reichtum dessen, was wir ggf. ´nur´ und scheinbar unscheinbar zu geben haben…

     

     

    Es kann keine Friedens-´MÄCHTE´ geben, keine Friedens-STIFTER – im Sinne einer Fremderarbeitung von neu zu anzuordnenden Koexistenzen !

     

    Nur wo wir unmittelbar wie im Weltkontext FAIRPLAY zustande bringen … ein jeder dort, wo es ihn betrifft, jedoch keiner woanders !!! –  entstünde Raum für neu zu gewinnendes Koexistieren…

     

     

    FRIEDEN also… !!!

    –  mit unseresgleichen wie mit der Natur und der spirituellen Kraft in allem …

     

     

     

     

     

    Das wäre in der Tat zutiefst umwälzend, es hielte Bedrängnis wie Befreiung gleichermaßen bereit, wohl auch heftigste Gegenwehr…
    Erzwingen ließe es sich mit Sicherheit weder real noch qua Definitionem… (Gottseidank!) – Um nur anders akzentuiertes Kampfgeschrei und weiteres Blutvergießen kann es  dabei nicht gehen  !

    ***

    Aber wir könnten Haltungsänderungen ´einsäen´ in all die Risse des Gewohnten und doch bereits zutiefst Veränderten unserer Tage…
    … Wir könnten über   Selbstorgnisation in   Los-Bürgerräten etwa endlich gemeinsam Schritt für Schritt mit zentralem WIRKSAMKEITS-ANSPRUCH Regelwerke erarbeiten, erörtern und zur Reife bringen, die
    friedens- und lebensfreundlichem ´SÄEN´, ´BEGIESSEN´ und zunehmend gedeihlichem GRUPPIEREN
    FAIRER AUSTAUSCH-SYSTEME im Spannungsfeld von Natur & Kultur mit all ihren Segmenten  den Raum böten, den wir alle immer dringender brauchen… –  täglich mehr begreifend über fruchtbare Ergänzungs-Anordnungen von Ziel-Mittel-Wirkungs-Strukturen hin zu wechselseitiger Gedeihlichkeit und Auskömmlichkeit …, statt hin zu zuvorderst persönlichem Reichtum, der vielfältig, auch groß sein, aber doch nicht länger zerstörend eingesetzt bleiben darf…

    Lassen wir den Killer-Wettbewerb, in dem wir uns verfangen haben, los… und richten wir all unsere Findigkeit und einen wachsenden Teil unserer Kommunikation auf alles, was erheblich kooperativer  GEHT  als bisher !
    …an ´Neu-Aussaat, Neu-Aktivierung & Neu-Aufstellung´ eines nicht länger so oder so auf Kampf, Rüstung, Sieg oder Niederlage, Freund oder Feind… setzenden Lebens, Arbeitens, Genießens und Erkennens…

    … und siehe, da :  …, ja FRIEDEN GEHT ! Tag für Tag etwas mehr… –  machen wir uns auf !

    Werben wir z.B. für das spannende Instrument lebendig-dynamischer LOS-BÜRGERRÄTE, um diese nach den ihnen Überzeugendsten weltpolitischen Handlungs-Ansätzen D´s, der EU, der NATO  der UN…
    zu befassen… !!

    Denn vielleicht gäbe einen noch viel zu wenig ins Bewusstsein gerückten WEG, das STAATSBÜRGERLICHE SOUVERÄNITÄTSRECHT an mehr als an traditionelles Wahlrecht und eventuelle Volks-Begehren oder gar -Entscheide  zu binden:

     

    …den Weg, für Ideen und Willensäußerungen aus der Bevölkerung endlich ein FORUM zu schaffen, wo sich Bürger nicht einfach nur Gehör verschaffen können, wie in Anhörungen und auf dem Wege von Petitionen…, sondern wo mit Hilfe von Los-Bürger/innen eine PLATTFORM etabliert würde, auf der nicht PARTEIEN für die politische Willensbildung zu sorgen hätten, wo vor allem auch Wahlkämpfe nichts zu suchen hätten …, sondern wo MENSCHEN aus diesem Land per Zufallsgenerator ihrereseits für 4 Jahre, aber um 2 Jahre versetzt zur Legislaturperiode des repräsentativ gewählten Parlaments, ZUSAMMEN GEFÜHRT WÜRDEN, um ohne eigene Gesetzgebungs- oder Regierungsbefugnisse über Agenden zu beraten und Mehrheitsvoten abzugeben dazu, was die Vertretungskörperschaften Parlament und Regierung gemäß ausdrücklich und direkt von Bürger/innen Gewünschtem überprüfbar leisten sollten !

     

    Ein solches Forum aus Losbürger/innen – eine   ´B Ü R G E R V E R S A M M L U N G ´ mit Anspruch auf Gehör und Berücksichtigung –  besäße selbstredend kein Recht, das einem imperativen Mandat auch nur nahe käme… (über imperative Mandate kann keine vernünftige Politik zustande kommen) – aber es hätte unmittelbar aus der Mitte der Gesellschaft heraus eine gewichtige Form von politischer Willensbildung zu betreiben, (weit über die Aussagekraft von Meinungsumfragen mit einfachen Fragesätzen hinaus !!), an der Parlament und Regierung nicht so leicht vorbeiagieren könnten !

     

    Eine solche Institution ersparte den Parteien mit ihren ja in der Tat unerlässlichen Funktionen viel von jenen   P r o f i l n e u r o s e n , die – je öfter, desto weniger – in Wahlkämpfen und Koalitionssondierungen das Finden vernünftiger Berühungspunkte und zumindest stückweiser Problemlösungsstrecken zunehmend lähmen, ja blockieren… !!

     

    In den letzten Jahren   – und immer zugespitzter aktuell im Umgang mit einem für sie schwierigen Wahlergebnis 2017 –   verlieren die Politakteure unseres Landes zunehmend einen produktiven und lebendigen Problemlösungs-Kontakt mit allen, für deren Gemeinwohl sie da zu handeln angetreten sind, wenn sie es vermeiden und versäumen, die deutsche Öffentlichkeit zu Neuaufstellungs-Überlegungen anzuregen, deren Notwendigkeit zwar alle irgendwie spüren, aber nicht anzupacken wagen !!!

    Sondierungen über mögliche Regierungsbildungen, die sogenannte ´Knackpunkte´ für das halten, was unser aller Leben morgen tragen kann   – in einer Welt umstürzender Veränderungsprozesse –   verfehlen die Führungsrolle, die Regierungen wie Parlamenten obliegt namentlich da, wo umgedacht und umgebaut werden   m u s s   –   … möglichst   b e v o r    zunehmend weniger Funktionsfähiges   k o l l a b i e r t !!!

    Was sich seit den jüngsten Bundestagswahlen in den diversen Berliner Polit- und Medienzirkeln bis hinein in die dannn doch noch erfolgte Koalitionsbildung hinein abspielt, überzeugt nicht nur niemanden…  … es schreckt ab, schürt Verdrossenheiten und immer breiteres Sich-Abwenden –   oder aber den Ruf nach harten ´Selbstschutz´-Regelungen:    ´wir zuerst und zuletzt, egal, wie´s anderen geht… wir haben genug mit uns selbst zu tun´ …

     

    Agieren wir kreativ und holen die Menschen aller Farben, die vertrauteren und die fremderen, auf neue Weise zusammen und geben ihnen als engagierte souveräne Bürger/innen endlich  endliche einen EINFLUSSORT,an dem sie mit ihren Geltungsansprüchen, Anliegen und Ideen nicht redundant w ie in den bisherigen sozialen Netzwerken, // demnächst gibt es ein besseres    –  unterstützen Sie es mit! // dafür aber endlich   wirksam vorkommen können, weil eben gerade nicht die System-Akteure in Parteien, Regierungen, Parlamenten in ein solches Losverfahren zur Bildung eines zentralen Bürgerforums einzubeziehen sein würden, sondern eine Bürger/innen-Inanspruchnahme wie bei den Schöffengerichten…

     

    Sollten wir nicht vielleicht so ´Demokratie´ in unseren gegenwärtigen wie in den auf uns zustürzenden Umbruchszeiten einmal neu zu buchstabieren versuchen ???   !!!

     

    Vor-Kontext – hier:

    http://buergerbeteiligung-neu-etablieren.de//POLITISCHES/M/gw%20-FRIEDENSHINDERNIS%20MULTIPOLARE%20%20EINFLUSSNAHME-POLITIK-16.5.html

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