Alexanders CD-Tipp der Woche: Konstantin Wecker – Weltenbrand

 In DER BESONDERE HINWEIS

Von Juni bis Dezember 2019 ist Konstantin Wecker zusammen mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie unter der Leitung von Mark Mast auf Weltenbrand Konzerttournee durch das deutschsprachige Europa, und die Konzerte in Baiersbronn, Linz und Tulln wurden für eine Albumveröffentlichung mitgeschnitten, die im Oktober 2019 in seinem Label Sturm & Klang in den Handel kam (CD, LP und online).  Alexander Kinsky

Das Programm fasst Lieder von 1977 bis 2018 zusammen, zeitlos Poetisches wie (vielfach leider) tagespolitisch aktuell Gebliebenes, darunter Lyrikvertonungen von Goethe und Brecht, und es wird sinnfällig ergänzt mit Lyrik und Prosa von Kästner, Mühsam, Brecht, Rilke und Wecker.

Konstantin Weckers musikalische Vorbilder und Inspirationen wechseln einander ideal eingeweckert ab, angefangen von Orff über die symphonische Romantik bis zum Jazz und mitreißende Rhythmen wie Cha-Cha-Cha, Calypso oder Tango.

Die Orchesterarrangements wurden von Jo Barnikel feinfühlig wie noch nie arrangiert. Und sie werden erstmals seit dem legendären Team Musikon mit einer derart hingebungsvoll leidenschaftlichen Liebe musiziert vom international besetzten Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie (12 Musiker aus neun Nationen!) unter der Leitung von Mark Mast. Dazu gesellen sich Konstantins langjährige musikalische Weggefährten Fany Kammerlander (Cello, Gesang), Severin Trogbacher (Gitarren) und Jo Barnikel (Keyboards und Klavier).

Nur dafür lasst uns leben ist ein hymnisches liedmusikalisches Ja zum lebendigen Leben in einer Welt voller durchaus weiter sichtbarer und fühlbarer Wunder. Was für ein kraftvolles Opening! Es folgt ein Plädoyer für die Ohnmächtigen (aus dem Buch „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“). Wir werden dazu aufgefordert, uns dem Kapitalismus zu verweigern.

Stürmische Zeiten mein Schatz setzt den Gedanken fort, als großes jazzpopsymphonisches Lied, im zweiten Teil das Orchester gleich einmal sensationell fulminant solistisch vorstellend. Das sind alle furiose Jazzer, genauso wie sie sich kongenial ins Orchester einfügen. Die Ballade vom Puff das Freiheit heißt spottet nun im Vaudeville-Stil gewitzt über die Anpassungsfähigkeit der Menschen an Gesellschaftssysteme.

Themenwechsel, aber nicht ganz – das Schlaflied für die Söhne als sie klein waren genauso wie das neuere Lied An meine Kinder und der poetische Liebesdank speisen ihre Poesie ja auch aus den sichtbaren und fühlbaren Wundern der liebevoll anarchistischen Lebensbejahung jenseits aller erzwungenen Uniformierung.

Liedpoesie in Reinkultur, ins Symphonische geweitet, erfüllt sich mit Konstantin Weckers seiner Mutter gewidmeten Goethe-Vertonung An den Mond. Auch hier – sichtbare und fühlbare Wunder, textlich wie musikalisch. Diese Wunder werden gleich südländisch heiter durch All die unerhörten Klänge noch intensiver geweckt und beflügelt. Die stilistische Bandbreite des Ensembles ist eine einzige Offenbarung.

Doch zurück zu den Problemen der Zeit, jetzt geht es um den Klimaschutz! Ein Nein zu FDP-Lindners kapitalgeilen egoistischen Profit-Profis, ein großes Ja zu Greta Thunberg und zu einem neuen 68. Zeig’s ihnen Greta – Die Welt muss weiblich werden! Und das soll dann alles gewesen sein? Musikalisch eine grandiose Orff-Reverenz, blättert der Text (erstveröffentlicht 1982!) eindringlich auf was herauskommt, wenn man sich ausschließlich dem System anpasst.

Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn? Erich Kästner beschreibt es, gesprochen von Konstantin Wecker. Noch herrscht Frieden im Land, aber man spürt (musikalisch erneut genauso wie textlich) die Bedrohung, und als der Einzelne dann endgültig bereit ist im System eingelullt zu versinken, knallen die Maschinengewehrsalven (Severin Trogbachers unbarmherzige E-Gitarre, das erste mehrerer sensationeller Soli des österreichischen Ausnahmemusikers!) umso brutaler los, und der beschworene Frieden im Land mutiert zum gequälten zynischen Aufschrei. Dem Schock und dem neuen wie alten Rassismus hält der idealistische Anarchist freilich umso trotziger entgegen, was helfen könnte: Das macht mir Mut! Wenn dir was weh tut, dann musst du schrein! Und die neu gewonnene Power wird sofort bestärkt mit der Wiederholung der hymnischen liedmusikalischen Lebensbejahung vom Konzertbeginn.

(Im Konzert-Liveerlebnis ist dieses Finale des 1. Teils ein noch mitreißenderes Furioso.)

Aber wir leben weiter in diesem System der uniformierten kapitalistischen Anpassung, es geschieht alles Im Namen des Wahnsinns, wie ein skurriler Zirkus erscheint dieses Dasein. Immer noch werden Hexen verbrannt, das Hexeneinmaleins für gerade passende Ideologien wird durch die Jahrhunderte immer neu variiert.

Dem neu aufflammenden Faschismus entgegenhalten, was Der Gefangene Erich Mühsam, später von den Nazis ermordet, eindringlich im Gedicht anmahnte: Sich fügen heißt lügen! Genauso eindringlich die Liedaufforderung: Den Parolen keine Chance! (Das Beethovenjahr 2020 wirft hier – dies nebenbei – charmant aber auch seine Schatten voraus.)

Sichtbare und fühlbare Wunder, liedpoetisch und hochromantisch, breiten sich nun erneut aufs Allerschönste aus, mit der Verklärung Jetzt, da du Abschied bist. Die Innigkeit der Interpretation, gesanglich wie orchestral, kennt und benötigt keine Worte. Es mag ein Schmerz durchklingen in diesem Rückblick auf eine Liebe, vielleicht sogar ein Leben, ein großes Leben – mit dieser Interpretation hat Vollendung einen Namen.

Anschließen können wir jetzt bei den unerhörten Klängen, alles muss Heiliger Tanz sein, wieder südländisch, Calypso, und Schlagzeug und Percussion drehen auf. Die Stilvielfalt kennt keine Grenzen, mitreißend, toll! Ganz andere, gerne wieder gehörte Klänge folgen mit der Erinnerung an den großen Fernseh- und Filmregisseur Helmut Dietl und Konstantin Weckers Kunstpfeifer-gepfiffener Titelmelodie zur legendären Satireserie Kir Royal und den zum Stern-Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher gedrehten Kinofilm Schtonk und dem dazu entstandenen Huldigungslied für den Tango Joe, hier verkörpert vom geschmeidig aufgeigenden Konzertmeister Ahmed Mounib.

Nach Goethe nun Brecht, eine weitere Literaturvertonung Konstantin Weckers – und wieder die sichtbaren und fühlbaren Wunder, er singt Vom Schwimmen in Seen und Flüssen, und man schwebt mit, lässt sich an der Wasseroberfläche treiben. Was für ein glitzernd klares Klangbild, was für eine Klangkultur! Da winkt auch Lou Reed nur zu gerne herüber.

Brechts Bitte An die Nachgeborenen, auf die versagt habende Generation mit Nachsicht zurückzublicken, muss leider erneut verdeutlicht werden. Ich habe Angst angesichts des erstarkten Neofaschismus, der Individualität, Kreativität und mitmenschliches Sozialgefühl ausschalten will. Aber hier, wie zuvor angesichts der weltweiten Kriegsgefahr, hilft ein kräftiges gemeinsames, widerständigen Mut machendes Empört euch!, wieder den menschenzerstörenden Kapitalismus vehement mit klugen Worten anklagend. Konstantin Wecker singt all diese Lieder mit ungebrochener Kraft und Eindringlichkeit, und das Orchester mit seinen Solistinnen und Solisten verblüfft in seiner Wandlungsfähigkeit zwischen Romantik und Hardrock ein ums andere Mal mehr.

Rilke vermochte es, sich dichterisch ins Universum zu begeben und sich als großer Gesang zu träumen, und der große Gesang, aufgerufen durch Christian Loferers in blühender (Musik)Natur erklingendes Alphorn, entfaltet sich nun im großorchestral-liedsymphonischen Weltenbrand, dem Titellied des Konzertprogramms. Da kriegt man Gänsehaut, nicht nur da, aber da speziell, das hat einen Zauber, eine Magie, und es entwickelt einen unglaublichen Sog, mitten hinein in den gewaltigen Weltenbrand des Seins, live im Konzert genauso wie von CD oder LP oder aus dem Netz geholt.

Es geht uns Tun und nicht ums Siegen! Das ist die zentrale Liedaussage Konstantin Weckers in seiner berührend eindringlichen Liedballade für Die Weiße Rose, jedes Mal zu Herzen gehend vorgetragen, wenn er sie ansingt, Sophie und Hans, Alexander und all die andern. Das wird hier auch zur würdigen, erhebenden Hymne für diese Menschen, für die Deutschland und Österreich so unendlich dankbar sein müssen dass es sie gegeben hat.

Womit wir wieder beim Neofaschismus sind und seinen Ausformungen und Vorstufen! Konstantin Wecker erklärt eindringlich Warum ich kein Patriot bin und er betont Ich habe einen Traum!, textlich wunderbar universell und musikalisch weltmusikalisch und komplex vom Allerfeinsten, vom Bratschensolo Ehab Abou Fakhirs bis zu Philip Watsons Klarinettendialog mit dem „Orchestermilitär“, die diese Nummer zu einem weiteren mitreißenden Höhepunkt des Programms machen.

Leidenschaftlich beschwört Konstantin Wecker, solo am Klavier ja auch so kräftig wie ein ganzes Orchester, nach dem rechtsnationalen Chemnitz-Frühherbst 2018 Das Leben will lebendig sein. Ganz anders, innig und erschütternd zu Herzen gehend, ist der Sänger in Theodorakis´ Lied der Lieder fassungslos über den Verlust der Geliebten, die ins KZ musste. Dass es niemals wieder zu diesem entsetzlichen, unbegreiflichen Holocaust kommen möge, wehret den Anfängen, wenn sie Nazilieder singen, Sage Nein! Und da ist sie wieder, die Power dieses Programms, das kämpferische Plädoyer für Mitmenschlichkeit, um die sichtbaren und fühlbaren Wunder des Daseins weiter leben zu können.

Konstantin Wecker würdigt nun noch den großen Cantautore Lucio Dalla mit dessen Welthit Caruso, und man vergönnt es ihm von Herzen, in diesen romantischen Klängen zu schwelgen und seine Opernleidenschaft auf seine Weise durchblitzen zu lassen – und dank seiner sensiblen deutschen Textfassung mag wohl so mancher erstmals mitbekommen, worum es in diesem Lied überhaupt geht. „Sei Brandung“ singt er da, bei den unerhörten Klängen hat er schon das Wort „Weltenbrand“ gesungen, im großen Titellied diesen ausgekostet, und nun rundet er zusammen mit dem sensationell vielschichtig variierenden Orchester den Liederbogen noch einmal sanft schwebend, gleitend, romantisch eingebettet ab, beim Schlendern in der Natur, in dieser Welt der sichtbaren und fühlbaren Wunder, die es zu erhalten gilt und wo Rilkes von Konstantin Wecker zitierte Schlussworte des Programms umso inniger gelebt werden könn(t)en: „Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit.“

Der Großteil erklingt in (mehrfach wurde es bereits betont) stilistisch sensationell vielseitigen Orchesterfassungen. Konstantin Wecker ist seit 2016 aber auch in Triobesetzung unterwegs, nur mit Fany Kammerlander und Jo Barnikel. Einen Eindruck seiner Lieder in diesen Arrangements vermitteln hier An meine Kinder und Den Parolen keine Chance. Und langjährige Wecker Fans die ihn nach wie vor solo am liebsten hören seien auf das Schlaflied und auf Das Leben will lebendig sein verwiesen, sie werden hier bestens bedient.

Weltenbrand präsentiert einen im allerbesten Sinn altersweise gereiften Konstantin Wecker, dessen Kondition und stimmliche Ausdrucksstärke eine Balance und Ausgewogenheit gefunden haben die zumindest im deutschsprachigen Raum für einen 72jährigen konkurrenzlos unvergleichlich ist. Dazu ein Orchester mit den drei „Wecker Klassikern“ Fany, Severin und Jo, deren Hingabe, Leidenschaft und Liebe mit jedem Ton durch Herz und Seele gehen, gleichzeitig unendlich beseelt und hochprofessionell ernsthaft.

Ein Markstein, nein besser ein Markstern in Konstantin Weckers Tonträger- und Konzertbiografie.

Weltenbrand im Sturm & Klang Shop: https://sturm-und-klang.de/veroeffentlichungen/sturm-klang

Die Weltenbrand Tournee – alle Termine, Kritiken, Fotoserien etc. https://wecker.de/de/weltbrand-tour-2019.html

Anzeige von 2 kommentaren
  • Avatar
    Romana
    Antworten

    Selig in Träumen sterben, Sterne wie Blumen pflücken.

    Zauberworte, die das Tor zur Unendlichkeit öffnen.

    Im Spiegelbild der Seele, das Ich stets auf Wanderschaft.

    Ein Suchen und Finden, Denken und Empfinden, in der

    Sehnsucht nach dem Unerreichbaren der Unmündigkeit entfliehen.

    Im Wunsch nach dem Geheimnisvollen, Verborgenes offenbaren.

    Die Grenzen des Verstandes sprengend, ein Schweigen lauter Lust.

     

    Danke für dieses leidenschaftlich-sinnliche, abenteuerlich-schaurige, 

    fantastisch-gefühlvolle Werk!

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    Ellen Diederich
    Antworten
    Lieber Konstantin,

    Am Montag waren wir in Eurem Konzert: Weltenbrand in der Düsseldorfer Tonhalle. Ich bin immer noch tief bewegt. Danke, danke, danke. Für die großartige Musik, die wunderbaren jungen Musiker, die vielen Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus, eines davon, dass die MusikerInnen aus 9 Ländern stammen. Der ägyptische Geiger hat mich mit seinem Spiel sehr berührt, Severin Trogbacher, der Gitarrenspieler, erinnert immer an die wunderbaren Gitarristen im Süden Spaniens, Fany Kammerländer, großartig wie immer, jeweils nach ein paar Minuten kam wieder eine neue musikalische Überraschung. Ich kann mir vorstellen wie viel Freude es, trotz aller Arbeit und Anstrengung, bedeutet hat, das ganze Programm einzuüben.

    Danke für Deine großzügige Spende der drei Eintrittskarten. Mit mir waren Ezerdan Idrizi, ein Roma, der jetzt seit längerer Zeit hier mit seiner Familie lebt. Ich glaube kaum, dass viele Migranten im Konzert waren?. Gestern nach dem Konzert schrieb er mir:

    „Ja, liebe Ellen das ist wahr, danke dir und danke dem Herr Konstantin auch, dass er die Karten uns geschenkt hat. Ich bin sehr froh dass ich dich kenne, sonst wäre ich selber auf so etwas nicht gestoßen. Das Konzert war sehr gut.

    Bitte danke dem Konstantin auch in unserem Namen.“

    Der andere Freund, der mit uns da war ist Jürgen Bacia. Er hat in über dreißig Jahren das AFAS aufgebaut, das Archiv für alternatives Schrifttum. Es ist eine riesige Sammlung von Dokumenten, Büchern usw. aus den alternativen Bewegungen in Deutschland, ein Archiv über die „Geschichte von unten.“ Sehr häufig war das wie bei mir unbezahlte Arbeit.

    Es gibt Schwierigkeiten zurzeit. Die Landesregierung und die Stadt Duisburg hatten Finanzierungen für die nächsten 10 Jahre zugesagt, jetzt, ohne Angabe von Gründen mit einem Mal die Finanzierung gestrichen. Die Landesregierung hier in NRW setzt sich aus CDU und FDP zusammen.

    Das AFAS ist die einzige Sammlung in Deutschland mit diesem Umfang. Aber es müssen Lösungen gefunden werden, so etwas darf nicht einfach untergehen.

    Du sagtest im Programm von Weltenbrand: Zeig’s ihnen Greta, die Welt muss weiblich werden.

    Ja. Die Welt ist seit langem weiblich. In dem Sinne, dass Frauen den größten Teil der Arbeit weltweit machen. Hausarbeit umfasst etwa 48% der Arbeit weltweit. Kinder aufziehen, Versorgung der Familien durch Herstellung der Nahrung, waschen, saubermachen, einschließlich der Arbeit, Lebensmittel für den unmittelbaren Bedarf anzubauen, vor allem in Ländern der 2/3 Welt, wird zu über 80% von Frauen gemacht. Diese Arbeit wird aber meistens nicht als Arbeit bewertet. Die Männer sagen: „Meine Frau arbeitet nicht“, wenn die Frauen Hausfrauen sind.

    Die Frauen selber sagen meistens auch: Ich arbeite nicht, wenn sie Hausarbeit machen. Von der Berufsarbeit außerhalb des Hauses machen Frauen noch mal über 40%. Frauen machen also etwa 2/3 aller Arbeit weltweit. Wir bekommen dafür etwa 10% der Löhne und haben einen sehr geringen Anteil am Besitz.

    Die Welt wird also schon lange weiblich gestaltet, aber es wird nicht richtig registriert.

    Konstantin ich danke Dir auch noch aus einem anderen Grund: Dafür dass Du kontinuierlich pazifistisch, antirassistisch und engagiert für den Frieden geblieben bist. Ich habe vor einiger Zeit einen offenen Brief an Wolf Biermann geschrieben. Im Unterschied zu Dir hat er die Seiten gewechselt. Bei seinem Auftritt im Bundestag ist mir übel geworden, Küsschen mit Angela Merkel, unter deren Regierung eine unvorstellbare Menge an Waffen produziert und verkauft worden. Ebenso Küsschen für Herrn Gaus, der die Bundeswehr Soldaten als „Mutbürger in Uniform“ beschreibt. Der Brief wurde auf HdS veröffentlicht, es gab viele positive Reaktionen.

    Bei Deinem Konzert und dem großen Lied über die Weiße Rose bin ich ganz still geworden. Zwei Menschen, die ich sehr geliebt habe, die afrodeutsche Sängerin Fasia Jansen und Rudi Dutschke, sind durch faschistische Gewalt ums Leben gekommen. Fasia wurde 1929 geboren, sie wuchs während des Faschismus in Hamburg auf. Man kann sich leicht vorstellen, welchen Diskriminierungen sie ausgesetzt war. Sie wurde zu einem Arzt bestellt, bekam mehrere Injektionen, durch die sie sehr krank wurde. Musste dann während des „Pflichtjahres“ in der Lagerküche des Außenlagers im KZ Neuengamme arbeiten. Die Begründung war: Einer deutschen Familie sei ein Mädchen mit dunkler Haut nicht zuzumuten. Fasia war am Ende des Krieges sehr krank, starb 1998 an den Spätfolgen der medizinischen Versuche.

    Rudi wurde durch den Neonazi Josef Bachmann so schwer verletzt, dass er Jahre später an den Spätfolgen der Schüsse starb. Wir hatten fünf Jahre lang eine Freundschafts- und Liebesbeziehung bis zu seinem Tod.

    Für mich ist die politische Entwicklung, die in Deutschland, dem Land mit dieser nationalsozialistischen Geschichte, nicht zu fassen. Sie ist allerdings für mich nicht neu. Ich bin seit über 30 Jahren immer mal wieder bedroht worden, man hat mir ins Fenster geschossen, versucht, den Friedensbus zu zerstören.

    Ich bin heute sehr zornig, wenn ich an die gestrige Rede von Frau Kramp-Karrenbauer denke, die gefordert hat, dass deutsche Soldaten endlich stärker in Kriege einbezogen werden wollen. Alleine an ihrem Gesicht kann man sehen, dass sie keine Ahnung davon hat, was Krieg bedeutet.

    Ich werde so schnell wie möglich einen Artikel dazu für Hinter den Schlagzeilen schreiben.

    Noch mal Konstantin:

    Danke für die Möglichkeit, dieses Konzert erleben zu dürfen. Meine kleine Rente hätte nicht ausgereicht, um Konzertkarten kaufen zu können.

    Ich wünsche Euch bei Eurer weiteren Tournee ganz viel Erfolg. Ich hoffe, dass das Konzert auch im Fernsehen zu sehen sein wird.

     

    Liebe und Frieden

    Deine Ellen Diederich

     

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