«Bayern, du hehrer Hort»: jeder Dritte ausländerfeindlich

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Gerhard Polt als Prachtbajuware im Sketch "Das Urvieh"

Gerhard Polt als Prachtbajuware im Sketch „Das Urvieh“

Wir wussten ja, dass die Heimstatt der Parteien CSU, Republikaner und DVU – gruppiert um die frühere „Hauptstadt der Bewegung“ – nicht gerade ein linkes, geistig sehr flexibles Revier ist. Dennoch schockiert es wieder, wie verbreitet Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus im Freistaat laut einer aktuellen Umfrage im Freistaat sind. Zum Glück ist die Gegenkultur ebenfalls rege, vertreten durch Konstantin Wecker und einige andere hier erwähnte großartige Künstler.

Liebe Freunde,

Es sind 18 Aussagen, mit drastischem Inhalt: „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken“ oder: „Ohne Judenvernichtung würde man Hitler heute als großen Staatsmann ansehen“. Mit ihnen überprüfen Forscher der Universität Leipzig in ihrer „Mitte“-Studie seit 2002 im Zwei-Jahres-Turnus, wie verbreitet rechtsextreme Einstellungen in Deutschland sind. Die Teilnehmer sollen angeben, ob sie die Aussagen ablehnen, ihnen teilweise zustimmen, oder sie bejahen.

Für Bayern sind die Ergebnisse besorgniserregend: Jeder Dritte (33,1 Prozent) hier teilt ausländerfeindliche Einstellungen, jeder Achte (12,6 Prozent) stimmt antisemitischen Aussagen zu. Damit sind ausländerfeindliche und antisemitische Einstellungen in Bayern so weit verbreitet wie in fast keinem anderen Bundesland. Wenn Franz Joseph Strauß, der vor dem Bundestag dreist wie kein anderer gelogen hatte (und nach dem unverschämter Weise dann noch der Münchner Flughafen benannt wurde) seinerzeit gerne von der „Liberalitas Bavarica“ faselte und sein: „Wir sind liberal, aber nicht blöd“ aus dem Mund würgte, war den meisten noch klar denkenden Menschen im Freistaat klar, was er damit meinte. So etwas wie: Wir sind doch nicht so blöd liberal zu sein.

Sebastian Beck schreibt in der SZ sehr richtig: „Bayern gibt sich gerne liberal – ein Selbstbetrug. Man muss nur einmal übers Land fahren, sich in ein Wirtshaus setzen und die Ohren aufsperren. Dann wird klar: Das größte Biotop für Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ist die bürgerliche Mitte.“ Und das leider nicht nur in Bayern.

Vielleicht hätte der Bayrische Rundfunk 1986 mein Lied „Bayernpower“ öfter spielen sollen? Immerhin waren bei der Aufnahme im Studio damals mit dabei: Gerhard Polt und die Biermösl Blosn und die großartige Band mit Wolfgang Dauner, Pete York, Charlie Mariano und Johannes Faber an der Trompete. Ich hab diese Aufnahme bei You Tube entdeckt, hier zwar ohne Polt und Biermösl Blosn, aber trotzdem ganz schön powervoll. Wie schnell doch die Zeit vergeht…
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=U4At17ayi0I[/youtube]

P.S.:
Ach ja – nur für all jene die des Bayrischen nicht so mächtig sind:

Mir san die Freistaatbuam,
und mir san mir.
Mir ham die Bayernpower
und de ned wia.

Mir ham an Hillermeier
und die Uschi Glas,
mir ham an Wecker
und die Gloria –
ja des is doch was.

Unser TV-Chef
paßt aufn Hildebrandt auf,
und auf die Schwarzen Sheriffs
paßt koaner auf.

Mir ham a saubers Bier
und die CSU.
Des ois ham mir,
und jetzt kimmst du.

Mir san aufrechte Männer,
und mir deama, was ma könna,
für die Sicherheit.

Mir stehn ständig unter Strom,
und den brauch ma vom Atom,
jederzeit.

Bei uns wird konsumiert
und scho gar ned demonstriert.
Kapiert?

Mir ham an UKW
und an Bayern 3,
mir ham a AKW
und an Ohu 2.

Mir ham an Kabelkanal,
an Rhein-Main-Donau-Kanal,
mir spritzn Wasser und Gas –
ja des is doch was.

Mir ham in Wackersdorf
a WAA,
an Stoiber und an Tandler,
an Franz Joseph ham ma a.

Mir ham a MBB
und an MTU,
die baun unsre Waffen –
und was baust du?

Mir san aufrechte Männer,
und mir deama, was ma könna,
für die Sicherheit.

Mir stehn ständig unter Strom,
und den brauch ma vom Atom,
jederzeit.

Wem des ned paßt, der soll si schleicha.
Gell, des merkts euch, Österreicher!

Bayern muaß sauber bleibn,
waschecht und bügelfein,
original.

Bayern, du hehrer Hort,
bleibe uns immerfort
christlich-sozial.

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