«Bitte löschen Sie meine Adresse aus Ihrem Verteiler!»

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Würde sich im Grab umdrehen: Rosa Luxemburg

Würde sich im Grab umdrehen: Rosa Luxemburg

Holdger Platta hatte vor Wochen viele Organisationen angeschrieben – mit der Bitte um Unterstützung für unsere Griechenland-Hilfsaktion. Der ganze Verteiler reagierte positiv bis begeistert. Der ganze Verteiler? Nein, eine Organisation leistete mit der Hartnäckigkeit eines kleinen gallischen Dorfes Widerstand und verhielt sich außergewöhnlich unfreundlich. Dabei handelte es sich ausgerechnet um die der Linkspartei nahe stehende Rosa-Luxemburg-Stiftung. Das war gelinde gesagt eine Überraschung. Holdger ist der Sache nachgegangen – und stieß weiterhin auf Ignoranz. „So ist das Leben und so muß man es nehmen, tapfer, unverzagt und lächelnd – trotz alledem.“ (Rosa Luxemburg)

Liebe HdS-Leserinnen, liebe HdS-Leser,

diejenigen unter Euch, die seit einigen Wochen regelmäßige LeserInnen unserer Website sind, wissen: Ende Juli starteten wir unsere so dringend erforderliche Hilfsaktion für notleidende und verelendete Menschen in Griechenland. Und sie wissen auch: viele von Euch haben mitgeholfen dabei, daß unsere politisch-humanitäre Aktion nicht ganz erfolglos geblieben ist. Wir alle freuen uns darüber.

Heute möchte ich jedoch eine Information nachreichen zu unserer Aktion, die vielleicht nicht ganz so unwichtig ist. Ehe ich das aber tue, eine Bemerkung vorweg, die mir selber sehr am Herzen liegt:

Selbstverständlich leben solche Aktionen von der Freiwilligkeit. Wer bei solchen Aktionen mitmacht, sollte überzeugt von ihnen sein, auch mit dem Herzen dabeisein. Und niemandem ist übelzunehmen, der sich daran nicht beteiligen kann oder will. Rechenschaft schuldet uns keiner. Schweigen genügt. Bohrendes Nachfragen unsererseits stellte, für meine Mitakteure und mich, einen Übergriff dar. Und so bleibt es auch! Aber:

Was ist von der Tatsache zu halten, daß es ausgerechnet von einer Seite aus eine Reaktion gab, mit der wir wahrlich nicht gerechnet hätten, und zwar eine ausgesprochen negative und unfreundliche Reaktion?

Doch der Reihe nach:

An einem Freitag, den 24. Juli, verschickte ich an rund 400 Adressatinnen und Adressaten, an zahlreiche Verwandte und Freunde, an politische MitstreiterInnen und einige Organisationen, die – so meinte ich – uns nahestehen, die folgende Mail (in deren Anhang übrigens der erste, so überaus eindrucksvolle Brief von Tassos Chatzatoglou über die verzweifelte Lebenssituation vieler Griechinnen und Griechen sowie unseren vollständigen Aufruf „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“):

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

nach drei Wochen intensiver, aber ungeheuer zufriedenstellender Vorarbeit haben wir Redakteure der politisch-kulturellen Website von Konstantin Wecker auf www.hinter-den-schlagzeilen.de (HdS) heute eine Hilfsaktion für Menschen in Griechenland gestartet, für Menschen, deren Not für uns hier in Deutschland oft kaum vorstellbar ist – trotz Hartz-IV.
Diese Hilfsaktion stellt ein Gemeinschaftsprojekt dar von HdS und unserer „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“.

Entstanden ist eine Hilfs- und HelferInnenkette, für die ich selber sehr große Dankbarkeit empfinde.

Wir würden uns ungeheuer freuen, wenn auch Sie sich an dieser Spendenaktion beteiligen würden – und nicht minder, wenn einige von Ihnen vielleicht sogar eine eigene und eigenständige Hilfsaktion organisieren könnten (die dann anderen Menschen in Griechenland helfen würde, als wir’s in dieser Anfangsphase tun können. Allerdings hoffen wir sehr, daß auch wir den Kreis der Menschen, die wir unterstützen möchten, noch erheblich ausweiten können).

Entweder klicken Sie zu Ihrer Information die Anhänge oben an oder die beiden Verlinkungen unten. Dort erfahren Sie – so hoffe ich wenigstens – alles, was Sie über diese Hilfsaktion wissen müssen. Falls jedoch Fragen, versehentlich, offen geblieben sein sollten: bitte gerne bei mir melden!

Hier die Links zu unserer Website (beide Beiträge sind wichtig, meine ich):

https://hinter-den-schlagzeilen.de/2015/07/23/brief-eines-griechen-ueber-sein-heimatland/

https://hinter-den-schlagzeilen.de/2015/07/24/helfen-wir-den-menschen-in-griechenland/

Wenn Sie diesen Aufruf sowie den Brief unseres Unterstützers Tassos Chatzatoglou auch von Ihrrer Seite aus weiterverbreiten würden, wäre das natürlich noch zusätzliche Unterstützung für diese Hilfsaktion.

Bitte sehen Sie mir nach, daß vermutlich der eine oder die andere diese Mail doppelt zugesandt bekommt!

Mit herzlichen Grüßen und Dank Ihnen allen schon jetzt

Ihr Holdger Platta“

Wie gesagt: rund 400 Mitmenschen im ganzen Land bekamen am 24. Juli diese Mail. Und nimmt man die entsprechenden Aktivitäten von Roland Rottenfußer und Alexander Kinsky hinzu, erhielten wohl insgesamt rund 4.000 Menschen in Deutschland und Österreich Benachrichtigungen dieser Art. Resultat: landauf, landab nur positive Reaktionen, Spendenzusagen, Hilfsangebote, Zuspruch und und und

Nur ein einziger Adressat, eine einzige Organisation scherte aus – und bis heute ist es bei dieser einzigen Ausnahme geblieben: die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) des Landes Niedersachsen (wie bekannt eine Stiftung, die der Linkspartei nahe steht) mochte meine Mail überhaupt nicht. Schon am Montag, den 27. Juli, abgeschickt um 7:04 Uhr, fand ich die folgende „Antwort“ der niedersächsischen RLS in meiner Mailbox vor:

„Bitte löschen sie meine Adresse aus ihrem Verteiler

Danke

XY“ (= Name von mir unkenntlich gemacht. Holdger Platta)

Zugegeben: ich konnte es nicht fassen (und fasse es eigentlich immer noch nicht). Eine Stiftung, die sich eigener Auskunft zufolge (man lese auf deren Website nach) als „bewegungs- und basisnahe Organisation“ versteht, als Stiftung, die „gemeinsam mit unseren PartnerInnen“ „Räume für einen Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Bewegungen“ herstellen will, bat mich ohne Anrede und Gruß um Streichung ihrer Anschrift aus meinem Verteiler.

Hatte ich was falsch gemacht? Hatte ich mich vielleicht an den Falschen bei der RLS in Niedersachsen gewandt? Gab es womöglich doch noch einigen informatorischen Nachholbedarf, claro, von meiner Seite aus?

Nun, da ich all dieses nicht ausschließen konnte, schrieb ich am gleichen Vormittag nochmals an den betreffenden Mitarbeiter der RLS in Hannover zurück, um 11 Uhr ging meine ergänzende Mail raus, und in den folgenden Tagen schrieb ich nacheinander auch noch alle anderen Mitglieder des niedersächsischen RLS-Vorstandes an. Hier also meine zweite Mail an die Luxemburgianer in der niedersächsischen Hauptstadt (die anderen, die weiteren Mails unterschieden sich von dieser Zweitnachfrage nicht – weder im Inhalt noch auch im Ton):

„Lieber Kollege XY,

Ihrer Aufforderung, Sie aus einem Verteiler bei mir zu löschen, kann ich leider nicht nachkommen, da Sie sich – wie insgesamt die Rosa-Luxemburg-Stiftung – nicht in irgendeinem Verteiler bei mir befinden.

Im Gegenteil: am vergangenen Freitag habe ich einige Stunden damit zugebracht, für die Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ – eine Gemeinschaftsaktion von Konstantin Wecker, dem Team um www.hinter-den-schlagzeilen.de (= HdS) sowie der Göttinger Menschenrechtsorganisation „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“ und von anderen – diejenigen AdressatInnen aus meiner Mailing-Liste rauszusuchen, bei denen ich berechtigten Anlaß hatte anzunehmen, daß die Betreffenden gerne diese Hilfsaktion für bedürftige GriechInnen unterstützen werden.

In Ihrem Fall – ggf. auch der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) selbst – ging ich um so verstärkter von dieser Annahme aus, als wir – das Redakteursteam von www.hinter-den-schlagzeilen.de – regelmäßig Beiträge aus den Reihen der Linkspartei bei uns veröffentlichen, so zum Beispiel von Gregor Gysi, Sarah Wagenknecht, Michael Schlecht, Oskar Lafontaine und anderen, und Konstantin Wecker mit Dieter Dehm befreundet ist.

Ihr Wunsch, Sie (und/oder auch RLS) aus einer – bei mir nicht existenten – Sammelliste zu streichen, erstaunt mich aus allen diesen Gründen sehr. Ganz besonders angesichts des konkreten Anlasses, da ich eine linke Stiftung wie die RLS selbstverständlich auf unserer Seite glaubte.

Nun, das wird in unsere „Chronik“ eingehen, um so mehr, als Ihre Reaktion die erste negative Reaktion überhaupt ist und bisher ohne jede Einschränkung nur ein ausgesprochen positives Echo bei uns zu verzeichnen war. Ich gebe zu: von Ihrer Seite aus habe ich ein derartiges Rauswurf-Begehren überhaupt nicht erwartet.

Ob es daran liegt, daß Sie weder Kostantin Wecker noch dessen Website noch auch mich – vom Namen her jedenfalls – kennen? Das wäre immerhin eine Erklärung und in meinem höchstpersönlichen Falle auch durchaus verständlich und überhaupt kein Beinbruch.

Falls Sie trotz allem darauf bestehen, gestrichen zu werden, und zwar aus meinem „ganz normalen“ Adress-Verzeichnis innerhalb meiner Mailing-Liste, tue ich das selbstverständlich. Wenn sich dieser Wunsch auch auf die gesamte RLS, zumindest in Niedersachsen, beziehen sollte, bäte ich ebenfalls darum, dieses mir noch einmal ganz ausdrücklich mitzuteilen.
Ich bitte Sie – und Ihre KollegInnen ggf. – aus diesem Grunde sehr herzlich noch einmal um Erklärung und Rückäußerung. Bislang kann ich mir Ihre Reaktion nur als Versehen erklären.

Mit herzlich-solidarischen Grüßen

Holdger Platta
IHW-Vorsitzender und HdS-Redakteur“

Nun, was soll ich sagen, liebe HdS-Leserinnen und HdS-Leser? – Auf Antwort warte ich bis heute noch. Auch nach Ablauf von mehr als fünf Wochen inzwischen schweigt sich die „bewegungs- und basisnahe Organisation“ im nahen Hannover immer noch aus.

Wer’s übrigens nicht wissen sollte: Rosa Luxemburg, auf deren Erbe sich die Stiftung in Niedersachsen beruft – „sie lässt sich inspirieren vom geistigen Erbe“ derselben, heißt es auf der Website der niedersächsischen RLS -, nun, eben diese wunderbare Rosa Luxemburg hat sich ihr gesamtes politisches und persönliches Leben lang starkgemacht für „Selbsttätigkeit“ der Menschen außerhalb der eigenen Organisationsstrukturen, für „Eigen-Initiativen“ der Basis außerhalb der Parteihierarchien, sie hat wieder und wieder „Bevormundung“ gegeißelt und „Vertreter“-Allüren, „hierarchisches“ Gehabe und „zentralistische“ Ideen. Die positive Veränderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit müsse Werk der Menschen, nicht Werk „einer kleinen, führenden Minderheit im Namen“ der Menschen sein, denn – so Rosa Luxemburg –: verlören die aktiven Politiker den Kontakt zu ihrer Basis, würden sie zwangsläufig scheitern. Und mehr noch: sie handelten nicht mehr für die Menschen, sondern gegen sie.

Mir scheint, die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Niedersachsen sollte während der kommenden Wochen vor allem eines tun: wieder mal Rosa Luxemburg lesen!

Schaden könnte es nicht.

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