Bußgeld für mehr Menschlichkeit

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta

158. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ / Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

daß ich jedesmal bei meiner Auskunft über den neuesten Spendenbetrag großartige Anstiegsziffern mitteilen könnte – nun, das habe ich niemals erwartet, und Ihr sicherlich auch nicht! Heute ist also nur von einem bescheidenen Geldeingang zu berichten, was die vergangenen sieben Tage angeht: 30,- Euro gingen auf unserem Hilfskonto ein, überwiesen von 2 Spenderinnen an uns. In der Vorwoche waren das 715,- Euro gewesen – ein beeindruckend großer Betrag -, und 6 SpenderInnen hatten für diesen bemerkenswerten Umfang der Hilfe gesorgt. Gleichwohl – es versteht sich von selbst – bedanke ich mich, namens des gesamten Organisationsteams, sehr für diesen neuen Hilfsbetrag zugunsten unserer Hilfsaktion!

Inzwischen sind unsere Griechenlandfahrer Uschi und Kalle im überaus stürmischen und naßkalten Hellas eingetroffen, und sie haben bereits beim Kreiskrankenhaus von Neapolis und beim Gesundheitszentrum in Kyparissi/Südpeloponnes  große Mengen von ärztlichen Hilfsmitteln abliefern können. Den Geldwert dieser Sachunterstützungen werde ich Euch im nächsten Bericht mitteilen können. Fakt jedenfalls ist, daß damit auch die Gesundheitsversorgung armer PatientInnen gewährleistet ist, für deren Bedürfnisse ansonsten keine Gelder zur Verfügung stünden. Ihr wißt das bereits: nur in sehr begrenztem Maße ist das griechische Gesundheitssystem noch in der Lage, erkrankten Menschen zu helfen. Patientenzuzahlungen für ärztliche Dienstleistungen, für Medikamente und sonstige Genesungskosten sind üblich geworden in diesem Mitgliedsstaat der EU. Die anderen Euro-Staaten schert dieses nur wenig bis gar nicht, und die griechische Regierung selber kümmert sich ebenfalls nicht in ausreichendem Maße um dieses Problem.

Auch die Familie K. aus Piräus hat unter dieser Mangelversorgung zu leiden. Ihr erinnert Euch: jene Familie, in der die junge Katherina sich zwei teuren Organtransplantationen unterziehen mußte – sie bekam eine neue Teileleber und eine neue Niere eingesetzt – und der wir für einen längeren Zeitraum die Dialysefahrten nach Athen zu finanzieren vermochten. ‚Natürlich‘ konnten wir mit unserer Geldhilfe nur einen Teil der Kosten übernehmen, da hatten viele Familienmitglieder die Gelder zusammengekratzt – wir waren also nicht die einzigen Helfer in diesem Verbund -, auch die betroffene Familie benötigt nunmehr eine finanzielle Nach-Unterstützung in der Höhe von 500,- Euro, die wir, ebenfalls über Uschi und Kalle, Katherina und ihren Angehörigen werden zukommen lassen. Lebensrettung ist das alles ganz gewiß nicht, aber Existenzsicherung auf niedrigem Niveau sehr wohl. Damit lösen wir nicht die Probleme Griechenlands, aber wir helfen Menschen damit.

Daß die europäische Politik Verpflichtungen dieser Art gegenüber den verarmten Bürgerinnen und Bürgern in Griechenland nach wie vor nicht anzuerkennen scheint, das geht unter anderem aus den folgenden Vorgängen der letzten Wochen hervor.

Vereinbart war – nach offiziellem Abschluß des dritten ‚Hilfs’programms für Griechenland im August des letzten Jahres -, daß die Eurogruppe Gelder an Griechenland zurückzahlen würde, die sie mithilfe ihrer sogenannten ‚Hilfszahlungen‘ an Zinsgewinnen eingenommen hat. Die Rede ist von etwa 2,4 Milliarden Euro, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderen Notenbanken – in Deutschland und Frankreich vor allem – ‚verdient‘ worden sind, vor allem mit dem Ankauf (und der Weiterverwertung) griechischer Staatsanleihen. Zurückgezahlt werden sollten in diesen Tagen rund 750 Millionen Euro an Griechenland – Gelder, die dringend benötigt würden, um in dem verelendeten Mittelmeerstaat neue Sozialprogramme auflegen zu können, um Renten wiederaufstocken zu können, um weitere Erhöhungen von Mindestlohngrenzen und Absenkungen von Konsumsteuern beschließen zu können, insbesondere der Mehrwertsteuer, die binnen weniger Jahre von vormals 13 Prozent auf 24 Prozent angehoben worden ist und ‚naturgemäß‘ am stärksten die Ärmsten der Armen belastet hat.

Nun, tatsächlich hatte es die Tsipras-Regierung ‚gewagt‘, im Januar dieses Jahres einer weiteren Absenkung der Renten – um roundabout 20 Prozent – nicht zuzustimmen. Auch kleine Bedrohungshilfen für Immobilienbesitzer wurden beschlossen, Hilfen für Eigentümer von Kleinstbesitz, was Häuschen oder Eigentumswohnungen betrifft, mit einem Wort: Schutz vor Zwangsversteigerungen, die ansonsten fällig geworden wären, weil die Kleineigentümer ihren Kreditverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten. Und die Antwort der Euro-Staaten darauf?

In trauter Gemeinschaft mit SPD-Finanzminister Olaf Scholz beschlossen die Euro-Gremien, daß Griechenland bis auf weiteres diese 750 Millionen Euro nicht zurückerhält! Was nunmehr, vereinbarungsgemäß, zum  erstenmal fällig gewesen wäre, ist zunächst mal aufgeschoben worden auf Anfang April. Und deutlich schreiben Euro-Größen wie Klaus Regling – Chef des ESM, des „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ – den Griechen ins Stammbuch: diese vereinbarten Gelder bekommt Ihr erst dann zurück, wenn Ihr Eure sozialen Hilfsmaßnahmen stoppt! Heißt:

Schutz der überschuldeten Haushalte vor der Pfändung ihres Erstwohnungsbesitzes: nicht mit uns Europäern! Schutz der Rentner vor weiterem Absturz ins soziale Nichts: nicht mit uns Europäern! Wir, die Vertreter der „Wertegemeinschaft“ Europa, sagen nein dazu und setzen erneut die finanziellen Daumenschrauben an!

Daran hindert diese Euro-Vertreter nichtmal der Umstand, daß der „Staatsrat“, das höchste griechische Gericht, unlängst die seit 2012 vollzogenen Rentenkürzungen für verfassungswidrig erklärt hat. Heißt: das angeblich wieder freie und autonome Griechenland – so Tsipras im Sommer letzten Jahres bei der Messe in Thessaloniki – interessiert die Euro-Staaten etwa so stark, wie sie das Überlebenkönnen der Griechen interessiert: überhaupt nicht! „Pacta sunt servanda!“ – die Verträge müssen eingehalten werden -, selbst wenn die Menschen dabei zugrundegehen! So lautet die Maxime dieser Brutalversion von Politik. Und mit an der Spitze dieser Verelendungspolitik steht ein sogenannter Sozialdemokrat mit Namen Olaf Scholz. Wobei in diesem Fall sogar lautstarkes Schweigen den Tatbestand der Beihilfe erfüllt.

Was könnte erbärmlicher sein als diese Erbarmungslosigkeit! Was könnte schäbiger sein als diese Pfennigfuchserei! Und da wundert sich das Kollektiv der bundesdeutschen Sozialdemokratie – die hierzulande mit Hartz-IV ähnliche Menschenkaputtmacherpolitik in die Tat umzusetzen verstand -, daß sich der eigene Verein mehr und mehr auf die Relevanz einer Kleinstpartei zubewegt. Wer sich derart konsequent von den Menschen entfernt wie die SPD, darf sich nicht wundern, daß sich die Menschen von ihr entfernen, mit allmählich ebensolcher Konsequenz. Schon während der Weimarer Zeit hatte die Sozialdemokratie diese Lektion nicht zu lernen vermocht. Und sie scheint darauf programmiert zu sein, ihre Fehler zu wiederholen, bis es sie nicht mehr gibt: die Fehler nicht und nicht mehr die SPD. In Griechenland jedenfalls macht sie mit bei der EU-Politik, schon den leisesten Ansatz zu bestrafen, der auf eine etwa menschlichere Politik zielt. Die Wiederzerstörung humaner Verhältnisse in Griechenland ist der EU inklusive SPD fast eine Milliarde Euro an Bußgeld wert! – Wir jedenfalls sollten das nicht übersehen und dagegen protestieren, wo immer wir können!

Damit zu meiner neuerlichen Bitte um Spenden zugunsten unserer Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich -, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e. V“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „IHW“ versehen. Wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

 

Kommentare
  • Avatar
    Piranha
    Antworten
    Und hinzu kommen die Plünderungsfeldzüge privater, kommerzieller  Raubgeier.

    Wie es den Menschen geht, ist diesen ohnehin scheißegal. Wenn bspw. anschließend die Wasserversorgung teurer und qualitativ schlechter wird – siehe die Erfahrungen in Portugal -, kann dies kaum mehr als „Verscherbeln des Tafelsilbers“ bezeichnet werden. Es wäre eine Verniedlichung dieses Skandals.

    Wie hieß es mal: Wasser ist ein Menschenrecht

    Viele weitere Informationen dazu hier:

    https://www.untergrund-blättle.ch/politik/europa/griechenland_privatisierung_syriza_5312.html

     

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