Etwas wahnsinnig Schönes, Ermutigendes und Starkes

 in FEATURED, Friedenspolitik, Politik, Umwelt/Natur, Wirtschaft

Die Hilfsorganisation Human Projects hat in Nagold ihren „Löwenherz“-Friedenspreis an die Fridays-for-Future-Bewegung verliehen. Da ich 2016 selbst „Löwenherz“ Preisträger war, wurde ich gebeten, die Laudatio zu halten.
Das hab ich mit großer Freude getan.
Nach mir sprach der 18 jährige Ludwig Essig im Namen der Bewegung und ich war begeistert.
Was für eine kluge, warmherzige und sprachlich großartige Rede dieses 18 jährigen Schülers.
Diese engagierten und intelligenten jungen Menschen braucht die Welt so dringend.
Wie sagt Ludwig zu Recht in seiner Rede:
„Wir haben die größte, friedlichste und femininste Jugendbewegung, die es je gegeben hat erschaffen.
Es hat etwas wahnsinnig Schönes, Ermutigendes und Starkes, ein Teil dieser Bewegung sein zu können.“
Und ich hoffe so sehr, dass diese jungen Menschen aus den Fehlern meiner durchaus auch rebellischen Generation gelernt haben und weiter lernen werden.
Wo wir uns in blindwütigen ideologischen Kleinkriegen zerstritten haben und damit der Konterrevolution, dem Neoliberalismus mit seinen thinktanks ins offene Messer gelaufen sind, scheint diese Bewegung offen zu sein für wirkliche Gleichberechtigung: antirassistisch, pazifistisch und – ich hoffe sehr – auch anarchisch im Sinne der Utopie einer herrschaftsfreien Welt.
Ludwig geht auf ein Gymnasium bei Stuttgart und hat mir auf meine Bitte hin ein paar Stichpunkte seiner politischen Arbeit geschickt:
„Mit 15 Jahren erster Vortrag über die Gefahren einer neoliberalen Wirtschafts- und Handelspolitik (seitdem halte ich Vorträge)
Gründung des GREENTEAM Schwabenpower und einer FFF-Ortsgruppe
Sprecher Netzwerk für Gerechten Welthandel Baden-Württemberg
Sitz in kommunalem Gremium zur Erarbeitung von Wegen hin zu einer klimaneutralen Gemeinde
Mit 10 Jahren auf dem ersten Friedensmarsch 🙂
„Zukunftsmacher“ (Auszeichnung von ARD und ZDF), für Engagement gegen Patentierung von Lebewesen und Gentechnik“
Sehr gefreut hat mich, wie sehr er auch in unserer Podiumsdiskussion betont hat, dass ihm und vielen seiner jungen Mitstreiter Poesie und Musik und ja – auch meine Lieder und Gedichte – Mut machen können, zu sich selbst zu stehen und weiter zu machen.
Es geht ums Tun und nicht ums Siegen. Konstantin Wecker

Ludwig Essig (Fridays-for-Future) am 21.06.2020 in Nagold:

Wie alt sind Sie in 10 Jahren? Wie alt Ihre Kinder oder Enkelkinder?
Ich bin in 10 Jahren 28.
Warum sage ich das? Das ist genau die Zeit, die wir noch haben, um die Klimakrise einigermaßen beherrschbar zu machen. 10 Jahre. Ich finde, das ist ein überschaubarer Zeitraum. Ein Zeitraum, in dem im wahrsten Sinne des Wortes das Spiel des Lebens gespielt wird.
Es war Freitag. Irgendwann im Sommer des letzten Jahres. Es hat geregnet. Wie jeden Freitag brach ich mit meinen Freunden auf, um zum Klimastreik nach Stuttgart zu fahren.
Es ist schwer zu beschreiben, welches Gefühl sich in uns breit macht, wenn wir selbstbewusst, konsequent und wissend das Richtige zu tun von der Schule zum Streik aufbrechen. Der Rücken richtet sich auf und ein angestrengter, Interesse vortäuschender Gesichtsausdruck verwandelt sich zu einem breiten Grinsen. Von allen Seiten strömen Kinder und Jugendliche. Wir treffen Freunde, und umarmen uns, wir sind entschlossen. Auf einmal spüren wir was es bedeutet sich in einer Demokratie zu befinden, was es bedeutet aufzustehen. Jeden Freitag aufs Neue können wir ein bisschen Utopie schnuppern.
Eine Klassenkameradin schrieb mir am Abend, nach ihrem ersten Streiktag, dass sie immer noch Gänsehaut hätte, wenn sie daran zurückdenkt, mit so vielen tollen Menschen gemeinsam für ihre Zukunft eingestanden zu sein.
Und es ist ja wirklich so, diese Bewegung, die entweder den letzten Aufschrei oder einen radikalen Wendepunkt markiert, hat so viel Potenzial. Wir haben die größte, friedlichste und femininste Jugendbewegung, die es je gegeben hat erschaffen.
Es hat etwas wahnsinnig Schönes, Ermutigendes und Starkes, ein Teil dieser Bewegung sein zu können. Dieser For Future Bewegung. Einer sich für die Zukunft einsetzenden Bewegung. Nie sind auf der ganzen Welt so viele Menschen gleichzeitig, friedlich, solidarisch auf die Straße gegangen, um für das blanke Überleben zu demonstrieren.
Wir leben in Zeiten, in denen sich Menschen Ihre ganz eigenen Realitäten erkaufen, in Zeiten, in denen es wärmer wird und trotzdem oder auch deswegen eiskalt ist.
Die größten Demütigungen sind für uns die Begrüßungen, das Lob von Menschen, die das alles ganz süß finden, aber letztendlich uns als naive Spinner abtun. Wir sind keine kleinen Kinder, die mal eben ein schönes Theaterstück aufführen. Wir sind eine Millionenbewegung, die sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft macht. Es mag einigen vielleicht nicht gefallen. Aber den Hambi hätten wir nicht gerettet, wenn wir nur samstagnachmittags Hand in Hand um den Marktplatz getanzt wären. Außergewöhnliche Herausforderungen benötigen außergewöhnlich viele, vielfältige, große und kleine Antworten!
Wir erleben eine Politik, die ernsthaft versucht, sich aus dieser Krise herauszukaufen. Doch dabei vergisst, dass wir in dieser Krise stecken, weil wir nur gekauft haben. Wir leben in einer Zeit, in der man uns weismachen möchte, es sei zu teuer die Welt zu retten. Und gleichzeitig Milliarden an Steuergeldern für die Rettung von Klimakillerkonzernen wie der Lufthansa oder RWE verprasst werden.
Es scheint als würden wir im Kolonialismus leben. Deutschland bezieht für Datteln, welches ohne Zweifel ein klimapolitisches Vollversagen darstellt, viele Millionen Tonnen Steinkohle aus Kolumbien und Sibirien. Ich übertreibe leider kein bisschen, wenn ich sage, dass es sich dabei um Blutkohle handelt.
Dass Menschen brutal von ihrer Heimat vertrieben werden, Natur- und Kulturlandschaften der Kohle rücksichtslos geopfert. Das kennen wir schon von Deutschland. Auch bei uns erleben Menschen, die sich gegen dieses System stellen Repressionen. Unzählige Geschichten aus dem Rheinland gäbe es zu erzählen. Aber in *diesen* Regionen werden Menschen erschossen, verschleppt und gefoltert, wenn sie diesem rücksichtslosen Raubbau im Weg stehen. Und das sind nur die direkten, die praktischen Folgen der Klimakrise, beziehungsweise der Ursachen.
Längst haben wir erkannt, dass die Klimakrise nicht „nur“ eine ökologische Krise ist. Wir haben es mit einer humanitären Krise, einer Friedens- und Gerechtigkeitskrise zu tun. Nur was hilft das Verstehen, wenn das Verständnis fehlt?
Wer sich die Weltkarte anschaut, wird schnell feststellen, dass der globale Norden emittiert und der globale Süden verliert.
So werden die Ärmsten dieser Welt, die weitgehend unschuldig an der Klimaerwärmung sind, als Erstes und am heftigsten von deren Folgen getroffen. Sie müssen ihr weniges Hab und Gut zurücklassen und in eine ungewisse Zukunft fliehen. Die Industriestaaten, mit etwa 80 Prozent an den historischen Treibhausgasen die Hauptverursacher der Klimazerstörung, lassen den Opfern ihres unverantwortlichen Treibens kaum humanitäre Hilfe zukommen und schotten sich zudem vollkommen gegen Klimaflüchtlinge ab.
Arno Gruen schreibt in „Verratene Liebe – Falsche Götter“: „Wir glauben unser Denken sei realistisch, wenn es von Mitgefühl befreit ist, von der Fähigkeit, Schmerz zu teilen, Leid zu verstehen, und vom Gefühl der Verbundenheit mit allen Lebewesen.“
Schon heute fliehen über 20 Millionen Menschen aufgrund der klimatischen Veränderungen und deren Folgen. Bis 2040 werden 200 Millionen Menschen aufgrund der Klimakrise auf der Flucht sein.
Wir sind immer so stolz auf die Erfindung der Menschenrechte, praktizieren political correctness, engagieren uns heldenhaft, wenn es irgendwo in Afrika Überschwemmungen oder eine Dürre gibt. Wir beschließen militärische Interventionen, um die Demokratie zu verbreiten. Und übersehen dabei unsere Geschichte. Übersehen, dass unsere westlichen Demokratien auf einer Geschichte beruht, die von ethnischer Säuberung, Völkermord und Plünderungen nur so strotzt.
Die Klimakrise ist nun das physikalische, ökologische und chemische Resultat, die Antwort der Erde, auf diesen Hunger nach immer mehr. Nach immer mehr Wohlstandsschrott, immer mehr individuellem Verkehr, immer schnellerem Erreichen von Zielen und immer gesteigerten Erwartungen.
Wir sind an dem Punkt angekommen, an dem wir durch unser Zerstören selbst zerstört werden.
Ich sprach von erkauften Realitäten und dem vermeintlichen Realismus. Doch die besseren, die die sich vermeintliches Glück, Erfolg und kurzfristige Liebe erkaufen können, die werden dumm schauen, wenn wir alle zusammen helfen und teilen, solidarisch sind und mitfühlen. Sie werden dann am Rand stehen und vermissen.
Wenn alles schwarz ist, müssen wir bunt malen. Denn eine Welt ohne Vertrauen und Mitgefühl wäre zugegebenermaßen ebenso eine Scheinwelt.
Eine Scheinwelt, die von den Theorien Hobbes nur so strotzen würde. In dem Buch „Mönch und Krieger“ heißt es hierzu, die Vorstellung der Mensch sei dem Menschen Wolf ist eine bloße Rechtfertigung des Neoliberalismus, für deren geschürte Brutalität. Wie wahr. Harald Welzer spricht berechtigterweise von Klimakriegen, wenn er sich die Frage stellt, für was im 21. Jahrhundert getötet wird.
*Wir* haben *noch* die Chance, unseren Mund aufmachen zu können, ohne gleich erschossen zu werden.
Es scheint geradeso, als dass wir vor lauter Demut vor diesem Privileg verstummt sind. Es wird dringend Zeit, dass wir das Widerstehen wieder lernen.
In der Biologie spricht man von rudimentären Organen. Es handelt sich hierbei um im Laufe der Evolution verkümmerte Teilstücke oder Organe von Lebewesen. Zum Beispiel haben nur noch 5 % der Menschen in ihrem Kiefer Platz für Weisheitszähne. Alle anderen müssen diese schmerzhaft entfernen lassen.
Wenn man etwas nicht mehr verwendet, *vermeintlich* nicht mehr benötigt oder lebt, dann schafft es sich ab. So ist es mit der Empathie, mit der Fähigkeit, über das hinaussehen zu können, was außerhalb des Alltags liegt. So ist es mit der Solidarität, der Demokratie, der Liebe und der Gerechtigkeit.
Adrian Raftery von der Universität Washington hat berechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass wir es schaffen, die globale Erwärmung unter zwei Grad zu halten. Sein Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit liegt bei fünf Prozent.
Ich möchte es ganz deutlich sagen: *Diese* Party ist vorbei. Diese Party des Wachstums, der Ausbeutung.
Die Klimakriege haben begonnen. In Darfur kämpfen Normaden und Landwirte gewalttätig um die Ressourcennutzung in der Landwirtschaft, in anderen arabischen Regionen herrscht Krieg um den letzten Tropfen Öl, und auch in Orten Italiens kommt es vor, dass Einheimische mit Touristen ums Wasser streiten müssen.
Auch wenn die Chancen schlecht stehen, auch wenn die Klimakrise kaum noch zu stoppen ist: Noch können wir das Schlimmste verhindern.
Darum ist es die Pflicht jedes einzelnen, dies als Herausforderung anzunehmen und sich zu entscheiden. Zukunft: Ja oder Nein.
Und Entscheidungen trifft jede und jeder täglich. Wenn man sich fortbewegt, wenn man einkauft, wenn man wählt, wenn man auf die Straße geht oder auf der Couch liegen bleibt. Wenn ich mich entscheide mehr Gemüse zu essen, entscheide ich mich, weniger Fleisch zu essen. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir bewusst Entscheidungen treffen.
Denn wenn ich davon spreche, dass diese Party vorbei ist, soll das nicht heißen, dass es gar keine mehr gibt. Wir werden in den nächsten zehn Jahren große Veränderungen erleben. Und auch wenn alles weniger werden muss, werden wir auch sehr viel gewinnen. An Zeit, Gesundheit und Lebensqualität. Ohnehin haben wir die Wachstumsgrenzen längst erreicht. Egal ob psychisch, ökologisch oder ökonomisch. Wir werden uns auf Feste ohne Katerstimmung und schlechtes Gewissen einstellen können. Auf Feste voller Mitgefühl, Zärtlichkeit, Akzeptanz, Vorsicht und Einsicht.
Wäre es nicht wunderschön, wir könnten uns in zehn Jahren noch einmal treffen und sagen wir haben es geschafft?
Ich möchte mich für die Aufmerksamkeit und die Ehrung unser aller Bewegung sehr bedanken.
Lasst Euch nicht alles gefallen, passt auf Euch auf, bleibt oder werdet gesund. Wir brauchen jede und jeden einzelnen von Euch.

https://fridaysforfuture.de/

Showing 44 comments
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    Katrin Crossley
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    Großartig. Vielen Dank!
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    Ulrike Spurgat
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    Zu diesem Preis kann man herzlich gratulieren, was ich hiermit tue.

    Weiterhin viel Erfolg und ein mutiges Löwenherz.

    Auffallend ist allerdings, dass ich nie habe erkennen können, wo die Kinder und Jugendlichen bei der Bewegung Fridays for future der Klasse sind die mir besonders am Herzen liegen, nämlich die aus Arbeiter – und Alleinerziehenden Haushalten kommen, aus Familien wo Eltern sich mit zwei und mehr Jobs über Wasser halten und ihre Kinder nicht weniger lieben, wie die, die aus den vollen schöpfen.

    Nun, es sind die Kinder/Jugendlichen die sich dort versammelt haben deren Eltern meist grün wählen, in kernsanierten Altbauwohnungen leben, wo weit und breit keine Geflüchteten Familie in der Nähe wohnen. Sie gehen aufs Gymnasium und haben von Beginn ihres Lebens an eine Perspektive die andere Jugendliche sich meist erst bitter erkämpfen müssen. Es ist die Generation, die seit Kriegs Ende die Generation ist, wie keine andere für Vereinzelung und einen Individualismus steht der seinesgleichen sucht.

    Was ist eigentlich in unserem Land los ? Wieder, wie bei vielen Beiträgen, die ich hier lese liegt der Fokus bei dem was in der Welt geschieht. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Internationalismus.

    Gut, es geht also um Werte wie unschwer zu bemerken ist.

    Wenn dem so ist hat das Kind, der Jugendliche, der arme Mensch, der alte kranke Mensch, der obdachlose Mensch genau soviel an Beachtung, an Liebe und Zuneigung und Interesse verdient, wie all die Menschen, der UNHCR spricht von über 83 Millionen Menschen, die sich auf der Flucht befinden.

    Deutschland als drittgrößter Waffenhändler hat Schuld und trägt Schuld, dass die Menschen ihre Heimat verlassen. Der Jemen blutet aus und Deutschland liefert Waffen (Rheinmetall) nach Saudi Arabien, die dort einen unvorstellbaren und grausamen Krieg gegen das Volk führt. Tausende Kinder sterben und sterben und die Welt schaut zu. Pfui Teufel !

    Ein Aufstehen gegen die Militarisierung, gegen Defender 2020, gegen die Genital Verstümmelung von Tausenden von Mädchen, (auch in Deutschland), gegen Gewalt an Frauen (die Frauenhäuser sind komplett überbelegt). Es gibt 6000 im Land. Jede 2. Frau erlebt sexuelle und körperliche Gewalt. Die Gewalt an Frauen ist so unfassbar, dass im Jahr 2018/19 die Zahl der toten, der ermordeten Frauen fast täglich eine Frau an den Folgen von Gewalt stirbt. (Statistik: BKA) Die Dunkelziffer ist um einiges höher. Gegen die unsäglichen Hartz Gesetze, gegen das Allein lassen von pflegenden Angehörigen. Gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung. Bereits heute wird Hunderttausenden der Strom abgestellt, weil das Geld, dass im Hartz 4 Satz, dafür vorgesehen ist natürlich niemals reichen kann, denn Erhöhungen für Strom sind nicht vorgesehen, auch wenn die Strompreise explodieren.

    Vor allem aber würde mich brennend interessieren, wer das denn alles bezahlen soll ?

    Die Ärmsten der Armen, wie immer. „Den letzten beißen die Hunde.“

    Man kann nicht das eine tun und das andere unterlassen.

    Ein aus meiner Sicht notwendiger Kommentar der aber bitte nicht falsch verstanden werden möchte.

    Mir geht es immer um Krieg und Frieden und um die große, soziale Frage.

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      Holdger Platta
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      Liebe Ulrike,

      vielleicht habe ich an der einen Stelle Deinen Kommentar nicht richtig verstanden, doch die folgenden Textpartien – von mir in Fettdruck gesetzt – klingen für mich so, daß wir uns gar nicht (oder: nur zuwenig?) mit dem Schicksal der Flüchtlinge befassen:

      „Was ist eigentlich in unserem Land los ? Wieder, wie bei vielen Beiträgen, die ich hier lese liegt der Fokus bei dem was in der Welt geschieht. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Internationalismus.

      Gut, es geht also um Werte wie unschwer zu bemerken ist.

      Wenn dem so ist hat das Kind, der Jugendliche, der arme Mensch, der alte kranke Mensch, der obdachlose Mensch genau soviel an Beachtung, an Liebe und Zuneigung und Interesse verdient, wie all die Menschen, der UNHCR spricht von über 83 Millionen Menschen, die sich auf der Flucht befinden.“

      Hast Du meine drei letzten Berichte zu unserer GriechInnenhilfe gelesen? Vielleicht überraschend für Dich: in allen diesen Texten habe ich das Schicksal der Flüchtlinge angesprochen und deren Behandlung durch Europa und die griechische Regierung unter anderem als verbrecherisch bezeichnet.

      Ansonsten (klar doch): ruhig auch weiterhin kritisieren, wenn es aus Deiner Sicht was zu kritisieren gibt! Derart sachliche Kritik ist immer hochwillkommen bei uns!

      Holdger

       

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      Freiherr von Anarch
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      Sehr richtig – Ulrike – und notwendige Kritik trotz alledem.

      So notwendig und erfeulich diese Bewegung ist, sie nimmt die Ausgegrenzten, Verarmten, Zwangsprekarisierten, Entrechteten, Schwachen, Chancenlosen, Politischen Gefangenen u.u.u nicht mit !

      Es ist überwiegend eine sozial-elitäre Bewegung, wie die ‚Grünen‘ eben auch, die sich mit der Politik zwar anlegt, sich von dieser aber adoptieren lässt – und schon ist es vorbei mit wirklicher Revolution.

      Und auf der Strecke bleiben alle in der Unterschicht gefangenen sowieso, können nicht mal mitreden, obwohl gerade diese alle Last des Unrechtssystems zu tragen haben.

      Wie der junge Redner, der hier so hoch gelobt wird, von einer ‚wunderbaren Demokratie‘ reden kann, trotz Intelligenz !? – das zeigt schon auch diese gewisse Verblendung und Ahnungslosigkeit von den tatsächlichen Zuständen und Verhältnissen in diesem Land, wie sie gerade in der abgesicherten Schicht vorherrscht.

      Wirkliche Revolution, die genau das verändern müsste ( wenigstens in der Absicht) was am Notwendigsten ist: das Soziale Unrecht – dürfte nicht mal in die Nähe einer Preisverleihung kommen, dürfte niemals politischer Pragmatik des Systems auf den Leim gehen.

      Eine Revolution, die diejenigen nicht mitnimmt, die einer Revolution am meisten und notwendigsten bedürfen – ist keine, ist kein Klassenkampf, ist lediglich ein Klimakampf und das ist nicht genug !

      Eine Revolution, die einer abgesicherten, elitären Schicht entspringt, würde ganz einfach auch über die abgehängte, entrechtete hinwegmarschieren – aber so weit wird es ja nicht kommen, denn diese Bewegung hat sich auf das Herrschaftssystem eingelassen, Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrecht jedoch sind nicht verhandelbar.

       

       

       

       

       

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        Ulrike Spurgat
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        Beeindruckend ist der kluge Text den ich eben lese. Danke

        Erich Mühsam geht durch die Gedanken und in einem seiner „Schätze“ finde ich folgendes:

        Erich Mühsam, der kommunistische Anarchist ( wie er sich selbst bezeichnete), war überall dort zu finden, wo gekämpft wurde , überall dort, wo es galt Bedrängten zu helfen, ihnen Unterkunft zu gewähren, ihnen ein Stück Brot, ein Hemd, ein Paar Schuhe zu beschaffen.

        Erich Mühsam, der bissige Spötter, der „letzte Bohemien,“ kannte nur eines das ihm heilig war, eines vor dem auch sein allzeit bereiter Spott haltmachte: die proletarische Solidarität.

        Entnommen: Zur Psychologie der Erbtante, Seite 275,  Satirisches Lesebuch 1900 – 1933, Eulenspiegel Verlag Berlin

        Abschließend einige Worte des Erinnerns an ihn, der in vielen Köpfen und Herzen unvergessen ist.

        Erich Mühsam, Räterevolutionär, Anarchist, Schriftsteller, Dichter, Poet und noch vieles mehr, aber vor allem war er ein unbeugsamer und kompromissloser Kämpfer der Arbeiterbewegung und ihrer Freunde.

        Sein Einsatz für politische Gefangene war beispiellos.  Die RHD (Rote Hilfe) hatte sich sehr für ihn eingesetzt, war aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht strömungsübergreifend organisiert. 1921 setzte eine erneute Verhaftungswelle gegen die kämpfende Arbeiterklasse ein und die KPD rief zur Gründung von Rote-Hilfe-Komitees auf, die dann 1924 in der Roten Hilfe Deutschlands zusammen gefasst wurden.  Bis 1932 erreichte die Mitgliederzahl von bis zu einer Millionen. Kommunisten, Anarchisten, Linke , parteilose, sie alle einte der unbedingte Willen, nicht nur den politischen und materiellen Beistand für die Kämpfer, die eingekerkert waren zu organisieren, sondern auch für deren Familien, die meist völlig mittellos dastanden, wenn die Hauptverdiener weggesperrt oder ermordet worden sind.

        Zwistigkeiten, mit einigen Kommunisten , wobei Wilhelm Pieck sich eindeutig auf die Seite von Erich Mühsam stellte und sich dort sehr klar positionierte machte Erich Mühsams Haltung deutlich:

        „An den Kerkertoren hat der Bruderzwist zu schweigen.“

        In der Münchner Räterepublik 1919 und nach deren blutigen Niederschlagung am 12. Juli 1919 standrechtlich zu fünfzehn Jahren Festungshaft verurteilt kam er 1920 nach Niederschönenfeld, wo sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechterte und er schließlich sein Gehör auf einem Ohr verlor. 1919 entstand unter dem Eindruck von Haft, Brutalität, Willkür und unerschütterlicher Kühnheit und dem Kampfesmut sein bis in die heutige Zeit berühmtes Gedicht: „Der Gefangene.“

        Intensiv befasste Erich Mühsam sich in der Haft intensiv mit juristischen Fragen, um Gefangenen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, ihnen die notwendige Beratung für bessere Haftbedingungen zu geben. 1923 erschien die Broschüre: „Das Standrecht in Bayern,“ wo er sich fundiert und wissend mit dieser Sonderjustiz auseinandersetzte.

        1924 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand bedrohlich und die RHD mobilisierte alles was möglich war mit dem Aufruf: „Rettet Erich Mühsam“

        Tausende Mitstreiter setzten sich für seine Freilassung ein und am 20.Dezember kam Erich Mühsam und andere Räterepublikaner frei, reiste nach Berlin, wo sie sehnlichst von all  denen erwartet wurden, die sie nicht im Stich gelassen hatten.

        Einige Jahre später, das Jahr, wo der Reichstag brannte erinnert sich Klaus Mann in seinem Buch „Der Wendepunkt“ an jene Tage:

        „Zwischen einem Tango und einem Walzer erzählte man sich die neuesten Schreckensnachrichten aus Berlin. Wir tanzten im Regina-Palast-Hotel, während in der Hauptstadt das Reichtagsgebäude in Flammen stand. Wir tanzten im Hotel Vier Jahreszeiten , während die Brandstifter Unschuldige des Verbrechens bezichtigten , das sie begangen hatten. Das war am 28. Februar – Faschingsdienstag – , und tags darauf war Aschermittwoch.

        Als der Anarchist Erich Mühsam, der Pazifist Carl von Ossietzky und der Kommunist Ernst Thälmann von der Gestapo verhaftet wurden, kehrte man in München Luftschlangen und Konfetti von den Straßen. Man war verkatert. Der Fasching war vorüber.“

        Ossietzky, Mühsam und Thälmann wurden zusätzlich in den Konzentrationslagern gequält, gedemütigt, gefoltert, bespuckt und getreten. „Sonderbehandlung“ hieß das bei der SS. Erich Mühsam, der Anarchist und Jude war, ihn hatte die SS, sie nannten ihn der „Rote Jude“ wie auch Ossietzky, der „Bonzen-Häftling“ genannt wurde und Teddy als Kommunist auf dem Kieker und man mag sich nicht vorstellen, was sie mit Hunderttausenden Frauen und Männern zu erleiden und zu erdulden hatten.

        Der unvergessene Leidensweg von Erich Mühsam geht weiter und weiter und endet mit der Häftlingsnummer: 2651 im Konzentrationslager Oranienburg, wo die SS ihn bestialisch ermordete und die Öffentlichkeit mit Lügen und Manipulation über seinen Tod hinter die Fichte führte.

        Ein Augenblick in die Geschichte.

        Ruhe in Frieden, Erich Mühsam, Carl von Ossietzky und Ernst Thälmann.

         

         

         

         

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    Volker Schad
    Antworten
    Wunder-voll! Danke jetzt schon mal allen für die tollen 10 Jahre voller Engagement, die vor uns liegen, bis wir feiern können, dass wir es geschafft haben! Wir schaffen das!????❤
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    Ulrike Spurgat
    Antworten
    Es ist meist schwierig sich so auszudrücken, dass es beim Anderen so ankommt, wie es überlegt, gedacht und dann ausgesprochen wird.

    Missverständnisse sind nicht selten, wenn man nicht an einem Tisch sitzt und sich in die Augen sehen kann.

    Mit großem Interesse lese ich hier und käme niemals auf die Idee zu schreiben, wenn es mir nicht wichtig wäre das zu tun. Erst einmal erkenne ich ohne wenn und aber die lange und tragende Arbeit, insbesondere was Griechenland angeht ganz selbstverständlich als das an was es ist: Ein Akte der Humanität, der Menschlichkeit und der Solidarität mit einem Volk, dass immer noch leidet an den Folgen dieser unsäglichen Austeritäts Politik, die Deutschland mit dem Giftzwerg Schäuble mit zu verantworten hat. Sehenden Auges hat man zugesehen, wie ein ganzes Volk in den Abgrund stürzt, weil es ihnen wichtiger war die deutschen und französischen Banken zu retten. Man kann sie nur verachten.

    Da ich Freunde dort habe freut es mich umso mehr.

    Es ging mir überhaupt nicht darum weder Eure wichtige und bewundernswerte Arbeit zu kritisieren noch in Frage zu stellen.

    Ich schreibe das was ich bemerke, stelle es in den Kontext, denke allerdings vorher, meist gründlich darüber nach und bediene mich dann „meines eigenen Verstandes.“

    Es handelt sich bei dem Kommentar um das, was ich in der Gesellschaft als zu erkennen notwendig ansehe.

    Mit dem, was ihr daraus macht kann ich nichts anfangen, weil es den Kern nicht trifft bei dem was ich sagen will.

    Ich hatte kürzlich bereits den Eindruck, dass ihr Leute wie mich, igitt ein Kommunist nicht in eurer illustren Runde haben wollt, obwohl es mir völlig fern liegt irgendjemanden belehren oder gar missionieren zu wollen. Das konnte ich noch nie leiden. Ihr seid doch keine Sekte und man muss doch Leute, die sich bewusst für einen anderen Weg, die die Welt, die Gesellschaft, den Menschen eben anders denken und erkennen entschieden haben ohne wenn und aber akzeptieren können. Für mich ist das kein Problem dieses zu tun und Befindlichkeiten spielen ehrlich gesagt keine große Rolle. Hat sich jemand auf den Schlips getreten gefühlt kann das getrost abgehakt werden.

    Zugegebenermaßen hätte ich mich möglicherweise klarer ausdrücken sollen. Ich habe nur das auf den Tisch gelegt, dass die Medien im Land meist geflissentlich verschweigen: Nicht mehr und nicht weniger. Von daher kann ich nicht einordnen, wie ihr was verstehen wollt. Keinen Gedanken hatte ich bezüglich über die Inhalte gedacht die Euch auszeichnen und mich motivieren hier zu lesen und auch zu schreiben.

    Ich hab nur eine andere Sicht und die muss man aushalten, oder aber mir in dem Fall ganz klar zu sagen, dass ihr mich nicht dabei haben wollt, dann werde ich selbstverständlich von dannen ziehen.

    Nochmal, meine Hochachtung und meine Anerkennung sind Euch und Euren kompetenten Mitarbeitern mehr als gewiss und ich werde mich bemühen klarer zu schreiben, denn wie gesagt, es ging dabei nicht um eine Kritik an Euch, eurer Arbeit, sondern um die rasende Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse der vergangenen Jahrzehnte. Dieses hätte ich klar benennen müssen. Manchmal schreibe ich mich so in Rage und dann kann etwas falsch verstanden werden.

    Ich brauche und suche keine Konfrontation, schon gar nicht dann, weil ich nicht, trotz verschiedener Bewertungen und Sichtweisen euer Feind bin.

    Es sollen einfach nicht die vergessen werden, die es in diesem Land und sowieso sehr schwer haben und auf deren Seite ich immer stehe, von Beginn an und auch mein ganzes pädagogisch, psychologisch und therapeutisches Berufsleben. Kompromisslos.

    Macht weiter und meine Wertschätzung ist euch sicher, denn ich sehe keinen Grund Euch nicht wohlgesonnen zu sein.

    Danke für die Aufmerksamkeit.

    Solidarische Grüße, Ulrike

     

     

     

    • Avatar
      Holdger Platta
      Antworten
      Liebe Ulrike,

      gerne schreibe ich Dir auch noch ein zweites Mal, und zwar wegen der folgenden Sätze in Deinem Kommentar:

      „Ich hatte kürzlich bereits den Eindruck, dass ihr Leute wie mich, igitt ein Kommunist nicht in eurer illustren Runde haben wollt, obwohl es mir völlig fern liegt irgendjemanden belehren oder gar missionieren zu wollen. Das konnte ich noch nie leiden. Ihr seid doch keine Sekte und man muss doch Leute, die sich bewusst für einen anderen Weg, die die Welt, die Gesellschaft, den Menschen eben anders denken und erkennen entschieden haben ohne wenn und aber akzeptieren können. Für mich ist das kein Problem dieses zu tun und Befindlichkeiten spielen ehrlich gesagt keine große Rolle. Hat sich jemand auf den Schlips getreten gefühlt kann das getrost abgehakt werden.“

      Wie schon beim letzten Mal, beziehe ich mich vor allem auf den Textabschnitt, den ich oben in Fettdruck gesetzt habe.

      Also: mich würde interessieren, welche Äußerungen hier – im redaktionellen Teil, in den Kommentaren? – Dich zu dem Eindruck gebracht haben, wir wollten „Kommunisten in unserer Runde nicht haben“.

      Meine Mitredakteure wissen es eh, so manche LeserInnen hier sicherlich auch: ich zum Beispiel verstehe mich als Marxisten, habe mich auch vielfach bereits in dieser Hinsicht geäußert (ähnlich wie Du allerdings: ich trage nicht permanent die rote Fahne vor mir her; das Missionieren mag also auch ich nicht so besonders).

      Um nur eine kurze Andeutung zu machen: m. E. werden wir die Probleme – weltweit! – nicht lösen können, ohne das kapitalistische System weltweit abzuschaffen. Du und ich, wir werden über das Mehrwertgesetz, das abgeschafft werden muß, nicht streiten müssen. In allen westlichen Ländern liegt die wahre Macht in den Händen des Kapitals, die Politik ist mehr oder minder devot überall nur Lakai der Kapitalinteressen.

      Lediglich über eines sollten wir uns vielleicht verständigen. Wie sieht Deiner und wie sieht Deiner Meinung nach die überfällige Alternative zum Kapitalismus aus?

      Ich wäre dankbar und froh, wenn wir auch in dieser Hinsicht keinen Meinungsunterschied registrieren müßten: es muß ein basisdemokratischer freiheitlicher – durch und durch menschenrechtsorientierter -Kommunismus sein, auf seinem Weg dorthin und ohne jede Einschränkung dann auch in seiner Etablierungsphase. Also bitte keine mörderischen und autoritären Wege und Methoden, wie sie bereits unter Lenin/Trotzki begannen, aufs entsetzlichste dann realisiert worden sind von jenem Herrn, der sich der „Stählerne“ nannte (= Stalin), und nicht aufhörten, als dann die Maos, Pol Pots usw. an die Macht gelangten.

      Diese alle – und andere mehr – haben aus dem Wort „Kommunismus“ ein entsetzenerregendes Schreckwort gemacht, statt daß es noch ein Hoffnungswort hätte bleiben können, diese Art von „Internationale“ erkämpfte „das Menschenrecht“ eben gerade nicht, sondern machte aus der marxistischen Utopie ein Schlachthaus sondergleichen. Kurzum: das alles waren nicht Realisierungsformen von Kommunismus (oder der Vorstufe dazu: des Sozialismus), sondern Perversionen von Kommunismus und Sozialismus.

      Ich diskutiere gerne weiter mit Dir darüber, wenn Du möchtest!

      Holdger

       

      • Avatar
        Ulrike Spurgat
        Antworten
        Hallo, lieber Holdger,

        erst einmal danke ich für den „Brief.“

        Zum Fettgedruckten:

        Der Eindruck entstand als ich einen recht kurzen Text bei einem Beitrag von Konstantin Wecker geschrieben habe….und als ich auf den so hochgelobten Künstler Bauer so geantwortet hatte, dass es ein Kunststück sei über Marxismus zu schreiben ohne den Namen Rosa und Karl zu erwähnen. Für mich ist der Marxismus mehr als eine Theorie, er ist eine Weltanschauung.

        Dass ich mit Adorno und Horckheimer nicht übereinstimme erklärt sich ganz einfach: Sie haben mich nicht im Inneren erreichen können. Der Frankfurter Schule konnte und wollte ich nicht folgen. Na und.

        Da ich über den zweiten Bildungsweg als Arbeiterkind mit acht Jahren Volksschule an einer Dorfschule an die Uni gekommen bin und nur mit konkreter Hilfe nach der Heimzeit diese Schritte habe gehen können ist und bleibt das große Verdienst von den Kommunisten die mich niemals verloren haben in diesen sehr schwierigen Jahren, die mir das Lernen beibrachten, den Mut und das Zutrauen in sich selber gefördert und unterstützt haben. Bei Prüfungen waren sie da und überhaupt. Konkret, menschlich und unfassbar selbstlos. Meine tiefe Zuneigung ist ihnen auf immer sicher und die unfassbare Ungerechtigkeit die sie erfahren mussten, als Brandt den Radikalenerlaß unterschrieben hat und bestens ausgebildete Pädagogen/Psychologen und Lehrer Berufsverbote bekamen und Tausende von Existenzen so vernichtet wurden ist nicht zu verzeihen. Mit dem Studium war ich noch lange nicht fertig, als es diese wertvollen Menschen bis ins Mark ihrer Existenz getroffen hat.

        Ich beherrsche die Theorie weitgehend, bin aber sehr mit der Lebens- und Berufspraxis verbunden und so sind hoffentlich die Missverständnisse weitestgehend ausgeräumt. Die mir sehr bewusste Rechtschreibschwäche ist ein Teil der eigenen Geschichte. Weder die Geschichte meines Vaters, noch die eigene werde ich zur Disposition stellen, denn beides ist Teil von mir.

        Es ist in einer Zeit mehr als schwierig über den Kommunismus zu sprechen, weil man möglicherweise von so ganz unterschiedlichem Kenntnis- und Entwicklungsstand auszugehen hat, aber an mir soll es nicht liegen.

        Ehrlich gesagt bin ich aufs engste mit der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung verbunden und treffe auch meine Entscheidungen wie ich historische Personen in ihrer Zeit bewerte selber. Aber das ist sicherlich zu verstehen. Aus einem zutiefst antifaschistischen und kommunistischen Elternhaus kommend habe ich gelernt immer davon auszugehen was ist. Mein Vater, KZ- Häftling und politisch Verfolgter bis in die sechziger Jahre, bis zu seinem Tod hat mich gelehrt, dass was Marx seiner Tochter ins Poesie Album geschrieben hat, dass an allem zu zweifeln ist. Gelernt habe ich zu hinterfragen, in Frage zu stellen um dann zu eigenen Entscheidungen zu kommen. Wenn Du meine Kommentare liest sollte doch völlig klar sein, wofür und für wen ich einstehe. Da ich eine Lern Besessene bin und die Bewegung, die Dialekt vor langer Zeit erkannt habe bleibt die menschliche Entwicklung in den gesellschaftlichen Bedingungen, selbst unter kapitalistischen Verhältnissen der Maßstab in meinem Leben für die Bewertung und auch die Einordnung dessen was geschieht.

        Beste Grüße, Ulrike

         

         

         

         

         

        • Avatar
          Holdger Platta
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          Libe Ulrike,

          nunja, ich meine nicht, daß man von einem Gedichtband erwarten kann, daß er alle für Dich und mich wichtigen Personen nennt. Rudolph Bauer hat hier schließlich keine Geschichte der deutschen kommunistischen Bewegung – sagen wir: seit Herbst 1918 – geschrieben.

          Außerdem meine ich nicht, daß der Rezensent des Buches – in diesem Falle ich – verpflichtet wäre, sämtliche Namen zu nennen, die in dem besprochenen Gedichtband von Rudolph Bauer vorkommen.

          Hier also nur die Info als Nachtrag: Karl Liebknecht kommt im Gedichtteil durchaus vor, Rosa Luxemburg mit Karl Liebknecht zusätzlich im umfangreichen – sehr guten –  Anmerkungsteil zu diesem Gedichtband.

          Was es mit Deinem Kommentar zu Konstantins Beitrag bzw. den Reaktionen darauf betrifft, habe ich nicht verstanden, woher Du den Eindruck gewonnen hast, „Kommunisten“ seien bei uns nicht willkommen.

          Zum „Radikalenerlaß“ sowie zu den „Berufsverboten“ habe ich mich hier bereits mehrfach kritisch geäußert. Ich teile Deine Kritik an Brandt bei diesen Themen bzw. Beschlüssen einschränkungslos. Und habe dieses Kritik auch zigfach öffentlich geäußert – seitdem es diesen Erlaß und diese Verbote gibt (unter anderem als Vortragsredner bei einer großen Demo der DKP in Göttingen), unter großem Beifall, der freilich auch meiner Äußerung galt, endlich Schluß zu machen mit dem Gerede von der „Diktatur des Proletariats“.

           

          Herzlich

          Holdger

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            Ulrike Spurgat
            Einen schönen Sonntag wo auch immer.

            Moin sagt man in einigen Regionen im Norden der Republik und das zu jeder Tageszeit.

            Moin Holdger,

            habe über einiges längere Zeit nachgedacht und stimme dir gerne zu, z.B. bei dem was was du über den Gedichtband von R. Bauer schreibst. Da war ich, wie des öfteren gedanklich zu schnell unterwegs und irgendwie auf Krawall gebürstet – Werde ihn aber noch lesen wollen.

            Es war mir nicht leicht gefallen hier mehr zu schreiben. Wobei mir schon klar war und ist, dass möglicherweise Welten aufeinander treffen, gesellschaftliche Widersprüche, die sich im Menschen widerspiegeln und einfach vieles falsch verstanden werden könnte. Jeder bringt seinen „Rucksack“ Leben mit. Manche tragen schwerer als andere. Entscheidend sind nicht die Erfahrungen aus meiner Sicht, selbst dann nicht, wenn sie Dimensionen annehmen auf die das menschliche Hirn zum Überleben mit Verdrängung reagieren muss, sondern es das sein wird was man draus macht. Das Leben wird so abgesichert. Meist kommt später, viel später, wenn das Unterträgliche erlebte den Weg an die Oberfläche findet, erst dann der betroffene Mensch die Kraft mit der notwendigen Unterstützung sich den Dämonen und Gespenstern der Vergangenheit sich zu stellen in der Lage ist.

            Zu Konstantin Wecker:

            Das ist aber ungerecht dachte ich beim Lesen was er über die 68ziger Linke schreibt. Woher sollte er aber auch wissen, dass es nicht wenige gab, die „den Wecker“ gehört haben.

            In den schwersten Zeiten meines Leben waren viele seiner Texte, neben „Väterchen Franz,“ Ton Steine Scherben, dann Rio Reiser, Pink Floyd, (Roger Waters, (Mirgründer von Pink Floyd) den man bezichtigt ein Antisemit zu sein, weil er neben Esther Bejarano u. a.  eine der letzten Auschwitz Überlebenden, die von den Antideutschen als Antisemitin beschimpft wird, beide unterstützen die Bewegung BdS , die dafür eintritt, dass die Qualen des palästinensischen Volkes endlich ein Ende finden),  Led Zeppelin, Mikis Theodarikis, Brel usw.  waren und sind seine alten und auch neuen Lieder so wichtig geblieben, dass ich sie niemals missen möchte. Sie haben mich aufgefangen, wenn die Kraft zum Leben nicht mehr reichte, sie haben mir Mut gemacht, wenn der Kummer einfach nicht aufhören wollte. Die Liebe zum Leben mit all den eigenen Widersprüchen hat ihn zutiefst menschlich sein lassen.

            All die Meckerer, die über K. Wecker sich meinten auslassen zu müssen haben mich nicht im geringsten interessiert und da war ich nicht die einzige. Es waren die, die nach 1989 mit wehenden Fahnen abgehauen sind, dahin wo sie dem System in den A… gekrochen sind, um den Fleischtopf zu plündern, den man den Ärmsten der Armen geklaut hat. Vor den 150% hat mich mein Vater noch zu Lebzeiten gewarnt.

            Will sagen, dass es gut ist auch mal eine andere Stimme aus dieser wilden und rebellischen Zeit zu hören die anders gedacht hat.

            Und das war mir wichtig zu schreiben.

            Eine gewisse Dünnhäutigkeit ist nicht auszuschließen. Umso wichtiger bleibt das gelesene neu einzuordnen.

            Da erkenne ich eine Voreingenommenheit und tatsächlich auch Vorurteile beim Nachdenken. So kann es gehen, wenn man sich selber auf die Schliche kommt.

            Das Verhältnis zur heutigen DKP ist  gespalten nichts desto trotz haben einige, die heute in der Partei eine politische Heimat erkennen ihren festen Platz bei mir. Ich selber habe nach heftigen Auseinandersetzungen das Handtuch geschmissen…., was eher selten ist, da ich niemals aufgebe, allerdings kein Interesse daran haben kann immer wieder bei Null anzufangen. Das Rad der Geschichte muss auch nicht immer wieder neu erfunden werden.

            Danke für das Interesse und beste Grüße, Ulrike

             

             

             

             

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    ert_ertrus
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    Da bin ich d´accord mit Ulrike S. und dem Anarchobaron: wer die Abgehängten unserer Gesellschaft (Los Olvidados wie der gleichnamige Buñuel-Filmklassikertitel – zumindest ich sehe da viele Parallelen …) nicht mitnimmt, entwertet seinen Protest zur Privatangelegenheit qua Sicherung seiner gehobenen Lebensqualität. Immerhin kommen die FFF-Kids meistens aus Wohlstandshaushalten mit einem enormen ökologischen Fußabdruck, wie ihn arme Haushalte gar nicht erst hinterlassen könnten. Wie viele Flugkilometer legt ein Grusi-Rentner wohl im Lauf eines Jahres zurück? Und fährt ein Familienvater auf H IV etwa einen Fastdreitonner-Straßenpanzer? Und wer bewohnt die alten Kieze, die luxussaniert wurden? Wer schickt seine Kids auf Privat- und Waldorfschulen, während die Armen mit maroden Brennpunktschulen bildungsmäßig abgespeist werden, in denen konzentriertes Lernen kaum möglich ist! À propos Klimaschutz: hat hier schon jemand über die soziale Klimaverschmutzung durchs Privat-TV nachgedacht, die m. E. ebenso verheerende Folgen zeitigt wie der Klimawandel? Und generell: die soziale Klimakatastrophe, die weltweite Folgeschäden zeitigt, die kaum noch zu beheben sind?
  • Avatar
    heike
    Antworten
    Die Weichen für  neue Arten der schadstoffarmen und CO2-neutralen Energiegewinnung können nur dort gestellt werden, wo die Entscheidungen gefällt werden. Und wenn sich Jugendliche, die später auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können und wollen, für eine umwelt- und klimafreundliche Gesellschaft engagieren, dann kann das nur gut für uns alle sein.

    Niemand verbietet irgendjemanden wegen seiner Herkunft die Teilnahme an Fridays for Future-Veranstaltungen. Und niemand wird ärmer oder sozial abgehängter werden, wenn er sich für gesellschaftliche Umweltbelange interessiert.

    Deshalb verstehe ich die Diskussion nicht. Leute mit sehr wenig Geld sparen sowieso schon Energie und leben CO2-ärmer: die Heizung wird nicht so hoch gedreht, man fliegt nicht oder sehr selten mit dem Flugzeug, man hat kein Auto.

    Wenn sich Leute aus der Mittel- und Oberschicht für Umweltbelange interessieren, dann können sie freiwillig die Heizung runterdrehen, Flugreisen einschränken, ihren Konsum einschränken, ihre Ernährung umstellen – der Spareffekt ist also viel größer.

    Aber ich glaube, es geht bei dieser Diskussion auch um Neid, um das Gefühl des Abgehängtseins und keine Chance zu bekommen. Wahrscheinlich setze ich mich jetzt wieder in alle Nesseln – doch ich kann das nicht ganz nachvollziehen und glaube immer noch, dass man eine Chance bekommt, wenn man sie haben will. Was ich nachvollziehen kann, ist das Gefühl, zu all den strahlenden und enthusiastischen und klugen jungen Leuten nicht dazuzugehören, weil man sich selbst gerade gar nicht so strahlend fühlt oder weil man andere Probleme als Umweltfsorgen hat. Sich Gedanken um die Erderwärmung und ihre Folgen zu machen, ist schon sehr weitsichtig und man braucht dazu auch eine gewisse Freiheit von unmittelbar drückenden Sorgen und Problemen. Die Folgen sind zwar schon spürbar, aber Geldsorgen oder familiäre Probleme können die Jugendlichen noch viel mehr belasten.

    Was kann von staatlicher oder gesellschaftlicher Seite aus getan werden? Der Mindestlohn ist wieder etwas erhöht wurden. Man kann eine gute Schulbildung und Betreuungen und Arbeitsgemeinschaften nach Schulschluss anbieten (Ganztagsschulen). Man kann immer mehr prekäre Beschäftigungsverhältnisse (wie bei Tönnies) aufspüren und diese unmöglich machen, also die Arbeitnehmer vor unmenschlicher Ausbeutung schützen.

    Wenn sich Jugendliche und Kinder in Umweltorganisationen treffen, öffnen sich für sie sicher Türen, die sie zuvor gar nicht gesehen oder vermutet hätten. In einem Freiwilligen ökologischen Jahr kann man z.B. da reinschnuppern, wenn man will.

     

     

    • Avatar
      Ulrike Spurgat
      Antworten
      „Aber ich glaube, dass es bei diesen Diskussionen um NEID geht.“

      Ist das denn ernst gemeint ???

      „Jeder ist seines Glückes Schmied“ Jeder ist sich selbst der Nächste,“ Du musst nur wollen usw…….Bla bla bla.

      Isolation und Ausgrenzung können ganz erhebliche Folgen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen haben, dazu gäbe es einiges zum schreiben.

      • Avatar
        heike
        Antworten
        Ja Ulrike – bei Greta Thunberg hatten Ausgrenzung und Mobbing  z.B. zur Folge, dass sie sich zum Klimastreik vor das Parlament in Stockholm gesetzt hat und schließlich zur Symbolfigur der Klimabewegung der ganzen Welt wurde. Jeder geht mit Ausgrenzung anders um und hat ein anderes Umfeld. Aber immer wird man Hilfe benötigen. Greta hatte diese in Form ihrer Eltern und anderer (Szenen aus dem Herzen – unser Leben für das Klima, Greta & Svante Thunberg, Beata & Malena Ernman).

        Ich kenne Menschen, die oft in der Schule gehänselt wurden und später ein ganz patentes Leben geführt haben. Auch ehemalige Kinder von Alkoholikern ist das gelungen. Weil sie eben ein Umfeld hatten, dass sie aufgenommen hat und akzeptiert hat wie sie waren. Vielleicht liegen diese Erfahrungen ja auch daran, dass ich in der ehemaligen DDR aufgewachsen bin und noch immer in diesem Gebiet lebe und die Menschen dort anders miteinander umgehen. In unserer Klasse wurden gerade die Kinder aus komplizieten Elternhäusern immer besonders „umsorgt“ – aber nicht auf eine überhebliche Weise, sondern kameradschaftlich (und mitfühlend … aber dieses Wort hätte niemand in den Mund genommen, dafür wurde es gelebt.)

        Möglicherweise fehlen den Westlern diese Erfahrungen und sie blicken zurück auf ein Leben, in dem es immer nur um materiellen Wohlstand, ums Haben und die damit verbundene Arroganz allen anderen Niedrigstehenderen gegenüber geht. Wenn man nie die Erfahrung gemacht hat, eine Chance zu bekommen, dann kann man wohl nicht verstehen, dass es so etwas gibt. Aber man kann gemeinsam anfangen, diese Erfahrung wieder zugänglich zu machen, indem man sie lebt – also anderen selbst eine Chance gibt (was du ja machst, wie ich aus einem deiner Kommentare herausgelesen habe).

        • Avatar
          Ulrike Spurgat
          Antworten
          Natürlich grenze ich nicht aus, da ich in jungen Jahren und auch später Ausgrenzung und Ablehnung erfahren habe und sehr genau weiß was das beutet und mit einem macht. Der Schmerz wird nie ganz vergehen….Man lernt damit zu leben und das ist viel.

          Danke für die Antwort und die wichtigen Infos, die eine Einordnung erleichtern. Und auch wenn ich ab und an auf den Putz haue akzeptiere ich selbstverständlich die Meinung meiner Mitschreiber, mische aber auch gerne mal mit.

          Vielleicht reden wir aneinander vorbei. Die Ausgrenzung und Ablehnung von der ich spreche hat meist immer mit Verletzung, mit Verachtung und Missachtung der Würde, mit Unterdrückung und Alleinsein zu tun. Greta Thunbergs Eltern haben ihre Tochter in einem Haifischbecken belassen, aus welchen Gründen auch immer. Da ist keine materielle Not, keine Angst nicht mit zu kommen, oder nicht akzeptiert zu werden, weil man irgendwie aus der Reihe tanzt und eben nicht so tickt wie die meisten. Als Mutter einer Tochter hat mich das sehr nachdenklich werden lassen. –  Und da bitte ich um Nachsicht, wenn Greta Thunberg nicht der Maßstab meiner Gedanken und Überlegungen ist. Die Kinder und Jugendlichen, die ich meine sind teils Nöten ausgesetzt, dass man sie nur in die Arme nehmen kann und  ihnen so zeigt, dass sie nicht alleine sind. Da gibt es keine Kugel Eis, die ist nicht vorgesehen, als man die letzten Bedarfe (ein widerliches Wort) ermittelt hat. Da fehlt es an allen Ecken und Enden. Weihnachtsbaum und Schmuck kommt nicht vor, Knete für Buntstifte auch nicht. Sie gehen als geschädigte kleine Menschen in eine ganz unsichere Zukunft. Was es bedeutet, wenn ein Kind sagt, dass es nicht mehr leben will macht todtraurig. Die Eltern ackern und ackern und werden noch zusätzlich von Sachbearbeitern, denen ein Werkzeug von Macht in die Hand gegeben ist, dass man als Schikane bezeichnen kann schikaniert. Über weh und ach kann so bestimmt werden, ob man sanktioniert oder auch nicht. Laptops müssen beantragt werden und der Kampf geht erst richtig los, wenn der Ablehnungs Bescheid auf dem Tisch legt und es an den Widerspruch geht. Es ist sehr viel Willkür und Verachtung zu erkennen und das zerstört den Menschen und die Geschäftmodelle Psychologen und Psychiater usw haben Hoch Konjunktur. Also auch das bitte so einordnen wie ich es meine.

          Daurchaus sinnvolle Ansätze die hilfreich sind gibt es damit arbeite ich schließlich auch. Rede aber jetzt von Gesellschaftskritik und von Lüge und Betrug. Wer denkt, dass man den Kapitalismus schön tapezieren kann, wie Sahrah Wagenknecht von der PdL tatsächlich mittlerweile im Designer Kostümchen an Oskars Seite in die Welt plustert irrt sich. Davon bin ich überzeugt. Was wäre denn hätte sie Frank Zappa geheiratet ? Ein System, dessen Wesen kriegerisch, tödlich, brutal und extrem menschenfeindlich ist, weil der Profit das bestimmende ist kann nicht geändert werden. Der Kapitalismus hat sich dem Wesen nach nie geändert, also ist es gut wach zu bleiben und wie Erich Kästner wusste sollte man nicht von dem Kakao trinken, durch den man gezogen wird.

           

           

          • Avatar
            Freiherr von Anarch
            Zappa ?

            Er hätte zu ‚Sarah dolce vita‘ folgendes gesagt:

            ’shut up and listen to the guitars…‘

            Zappa and Steve Vai in perfekt anarchy-harmony:

            https://www.youtube.com/watch?v=TEnzdp71U78

             

             

          • Avatar
            heike
            Ich habe in einem sozialistischen Staat gelebt und erlebt, dass die Mehrzahl der Menschen mit diesemStaat nicht mehr einverstanden war. Eine Reformation, wie von einigen angestrebt, war nicht mehr möglich. Der Kapitalismus hat mir persönlich nicht so viele Nachteile gebracht, außer der erlebten Demütigung meiner Elterm, die allerdings zeitlich sehr begrenzt und nicht andauernd war – mich hat das dennoch verletzt (manchmal glaube ich, mich mehr als sie), da ich mein ganzes Leben bis dahin lang sehen konnte, dass sie sich für andere Menschen eingesetzt haben. Das ist nun lange her.

            Sie haben sich im Kapitalismus ein neues Leben aufbauen können, in dem sie wieder für andere Menschen hilfreich tätig waren. Was will man mehr?

            Wenn man über den Tellerrand des eigenen Landes hinausblickt, dann sieht man, dass der Kapitalismus global die Kriege hervorbringt. Das kann man verhindern wollen. Ich bin auch dafür. Mir wäre ein Land am liebsten, in dem der Mensch zuerst einmal sein kann, was er ist, ohne soziale Verurteilungen und ohne den Versuch, ihn zu unterjochen und bestimmten Interessen dienlich zu machen. Wir haben hier viele psychisch Kranke. Bei nicht artgerechter Haltung entwickeln auch Tiere im Zoo Psychosen und Ticks. Das Zusammenleben, so wie es gegenwärtig organisiert ist, ist nicht immer menschengerecht. Es fallen zu viele durch das Auffanggitter. Das sollte man ändern. Und ja, wenn nicht der Zwang, Kapital/Geld zu erwirtschaften, über die natürlichen Bedürfnisse der menschlichen Seele nach Sicherheit, Vertrauen und auch Ehrlichkeit gestellt werden würde, dann könnten die Menschen gesunden, ohne speziell trainieren zu müssen, wie man stessresistenter wird. Menschen, denen es einigermaßen gut geht, haben ein natürliches Mitgefühl. Man braucht nur die entsprechenden Umstände zu schaffen, dass es zum Tragen kommt. Angst und Konkurrenzdenken machen das kaputt. Und das ist vom Kapitalismus gewollt so. Du hast recht. Und wie ändert man das? Einer Revolution der Liebe habe ich mich mal verschrieben, und dabei bleibe ich – so gut ich kann.

          • Avatar
            heike
            Hallo Ulrike,

            zu diesem Absatz

            Vielleicht reden wir aneinander vorbei. Die Ausgrenzung und Ablehnung von der ich spreche hat meist immer mit Verletzung, mit Verachtung und Missachtung der Würde, mit Unterdrückung und Alleinsein zu tun. Greta Thunbergs Eltern haben ihre Tochter in einem Haifischbecken belassen, aus welchen Gründen auch immer.

             

            möchte ich Dir folgendes schreiben.

            Du hast das von mir erwähnte Buch „Szenen aus dem Herzen …“ offensichtlich nicht gelesen. Dieses Buch erzählt die Geschichte bis zu Gretas erstem Schulstreik im August 2018. Ausgrenzung und Mobbing hat sie in ihrer Schulzeit davor erleben müssen („Greta erzählt uns, dass sie auf dem Schulhof verprügelt oder in einen Hinterhalt gelockt wurde. Sie erzählt von systematischer Ausgrenzung und von ihrem Zufluchtsort, der Mädchentoilette, wo sie sich manchmal versteckte und weinte, bis die Pausenaufsicht sie zwang, nach draußen auf den Schulhof zu gehen.“).

            In diesem Buch wird auch der Weg der Familie bis zur Diagnosestellung von Gretas Asperger-Syndrom berichtet. Jedenfalls wird man nach dem Lesen dieses Buches verstehen, dass man Greta aus dem späteren „Haifischbecken“, in das sie geraten ist, nicht hätte einfach entfernen können. Ganz einfach, weil sie das zutiefst unglücklich gemacht hätte und weil Greta für ihre Überzeugung, dass dieser Planet gerettet werden kann und muss, einstehen und kämpfen w i l l. Nach der Lektüre des Buches wird man Greta so weit verstanden haben.

            Noch ein Abschnitt aus dem Buch :

            „Greta hat sich auf einem ihrer Tierschutzaccounts auf Instagram eingeloggt und befeuert ihre Lieblingsfeinde mit ihren Lieblingsargumenten. Klimaleugner, Technikoptimisten und besonders Veganer, die regelmäßig weite Flugreisen unternehmen, um die Welt mit neuen exotischen Rezepten zu retten. Sie sieht zufrieden aus.

            „So“, sagt sie mit Genugtuung und macht große Augen, „Jetzt hat er´s gekriegt!“

            „Aber du sollst doch nicht antworten“, sagt Svante. „Das ist verschwendete Zeit. Was hast du geschrieben?“

            „Das war ein amerikanischer Pilot, der Veganer geworden ist wegen der Tierrechte … als ob die Tiere nicht auch eine intakte Atmosphäre bräuchten“, antwortet unsere Tochter. „Und er behauptet auch noch, dass die Klimakrise daher kommt, dass wir zuviele Menschen sind.“

            „Okay. Hast du geantwortet wie gewöhnlich?“

            „Mhm“, antwortet Greta und grinst über das ganze Gesicht.

            Sie hat einige Antworten auf Schwedisch und Englisch vorformuliert, und eine bezieht sich auf das Problem der Überbevölkerung, das ihr immer wieder als Argument begegnet.

            „Unser CO2-Ausstoß ist das Problem. Nicht die Menschen. Je reicher man ist, desto höher ist der CO2-Ausstoß. Wenn Sie also der Meinung sind, dass die Bevölkerung reduziert werden sollte, damit wir Ressourcen sparen, könnten Sie eine Kampagne für die Abschaffung von Milliardären starten. Sie können Sie nennen: Ermordet Bill Gates und verbietet allen Firmenchefs und Filmstars Kinder zu bekommen!! Es könnte aber etwas schwierig werden, die UNO dazu zu bringen, so eine Resolution zu verabschieden, daher würde ich Ihnen empfehlen, Ihren eigenen CO2-Ausstoß zu reduzieren. Oder Mädchen in ärmeren Ländern bei der Ausbildung zu unterstützen, denn das wäre die effektivste Art, etwas gegen Überbevölkerung zu unternehmen.“

            „Was hat er geantwortet?“, frage ich.

            „Nichts“, sagte Greta. „Oder warte … er hat mich blockiert. Sie lacht so laut, dass Roxy vom Sofa aufspringt und zu bellen anfängt.“

            Es werden noch andere Episoden erzählt, die zeigen, wie Greta sich für das Klima einsetzt (geschehen, wie schon erwähnt, vor ihrem ersten Schulstreik):

            „Manchmal brocken wir Menschen es uns selbst ein.“ Der Ministerpräsident spricht in einer Liveübertragung aus dem Reichstagsgebäude über das Klima.

            „Er lügt“, sagt Greta und steht vom Sofa auf, das vor dem Fernseher steht. „Er lügt!“

            „Warum denn?“, frage ich.

            „Er sagt, wir Menschen wären diejenigen, die es uns eingebrockt haben, aber das ist nicht wahr. Ich bin ein Mensch, und ich habe uns nichts eingebrockt. Beata hat uns auch nichts eingebrockt und du oder Papa auch nicht.“

            „Nein, du hast recht.“

            „Er sagt das nur, damit wir so weitermachen wie immer, denn wenn alle schuld sind, ist niemand schuld. Aber irgendjemand muss schuld sein, also stimmt es nicht, was er sagt. Es gibt doch nur ein paar hundert Firmen, die für den gesamten CO2-Ausstoß stehen. Und es gibt nur sehr wenige extrem reiche Männer, die Tausende Milliarden dadurch verdient haben, den ganzen Planeten zu zerstören, obwohl ihnen die Risiken bekannt waren. Also lügt der Ministerpräsident, genau wie alle anderen.“

            Greta seufzt.

            „Nicht alle haben es uns eingebrockt, sondern nur ein paar wenige, und um den Planeten zu retten, müssen wir den Kampf gegen sie und ihre Firmen aufnehmen und sie zur Verantwortung ziehen.“  (Damals war Greta 15 Jahre alt.)

            Und noch ein Auszug aus einem Kapitel (diesmal ohne Greta) unter dem Titel Völlerei:

            „Eine für unsere Begriffe ausgewogene, intakte Atmosphäre ist eine endliche Ressource; ein begrenzter Naturvorrat, der allen Lebewesen gleichermaßen gehört. Mit der heutigen Menge an CO2-Ausstoß wird dieser Naturvorrat in achtzehn Jahren aufgebraucht sein.

            Bestenfalls.

            In einer für uns intakten Atmosphäre darf der Anteil an Kohlendioxid nach Ansicht führender Forscher nämlich dreihundertfünfzig Millionstel nicht übersteigen.

            Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt schon die Marke von vierhundertzehn Millionsteln passiert, und in zehn bis zwölf Jahren werden wir voraussichtlich bei vierhundertvierzig sein.

            Und so geht das weiter.“

            … Wenn niemand seine Gewohnheiten ändert.

             

             

             

             

             

             

             

             

             

             

             

        • Avatar
          Ulrike Spurgat
          Antworten
          Nun ist gerade eben eine lange Antwort einfach so verschwunden…..Ob ich das inhaltlich wieder hin bekomme werden wir sehen. Sehr ärgerlich.

          Danke für die ausführliche Antwort und ich versuche darauf zu antworten.

          Natürlich gibt es keine Ausgrenzung und Ablehnung anderer Positionen, da bin ich tiefen entspannt, denn etwas anderes kenne ich nicht in meinem Leben, da ich immer ein Außenseiter gewesen bin. Allerdings ist Ausgrenzung, Isolation und Ablehnung durchaus verschieden zu bewerten. Es gibt Ausgrenzung die eine schmerzliche und ganz bittere Erfahrung im Leben bleiben wird. Man lernt damit zu leben und das ist viel.

          Die Ausgrenzung und Ablehnung die ich bei Kindern und Jugendlichen erkennen kann, insbesondere meine ich die, die den Ängsten und Nöten ihrer Lebenswirklichkeit ausgeliefert sind, die abgeschnitten sind von gesunden Lebensmitteln, die nicht mit fahren Können auf Klassenfahrten, wo ein so wichtiges Hilfsmittel wie ein Laptop fehlt usw. Wo sich die Eltern, die Alleinerziehenden, die Niedriglöhner, die Aufstocker, die meist von der Hand in den Mund leben müssen abrackern, dass es für ein bisschen Lebensqualität reicht. Da sitzen Sachbearbeiter in den Behörden/Job Centern, mit einem Macht Instrument und fehlender eigener Qualifikation ausgestattet, die über die Ausbildung eines Sachbearbeiters hinausgeht und verteilen Sanktionen. Kinder und Jugendliche können ganz unterschiedlich reagieren auf unerträgliche Lebenswirklichkeiten. Da bricht es einem das Herz bricht, wenn ein Kind sagt, dass es nicht mehr leben will. Die Kugel Eis hat es nicht zu geben, genauso wenig wie Buntstifte oder Kleinigkeiten, oder der Weihnachtsbaum die das Leben verschönern hat man bei der letzten Regelsatzberechnung (Hartz 4)  aus den sogenannten Bedarfen gestrichen.  Greta Thunberg kann nicht der Maßstab für das Thema sein. Greta T. Eltern haben zugelassen, aus welchen Gründen auch immer, dass sie in diesem Haifischbecken als sechzehnjähriges junges Mädchen mit schwimmt. Ein nicht gesundes Mädchen, wenn ich das richtig verstanden habe, der ihre familiäre Situation alles an Perspektiven bietet die es sich nur wünschen kann wünscht und das für jedes Kind und jeden Jugendlichen gelten muss. Aus meiner Sicht ist Greta T, für dieses Thema nicht relevant. Als Mutter einer Tochter macht mich das eher nachdenklich.

          Es geht um Würde um Anerkennung um Liebe und Zuneigung, kurzum um Menschenrechte. Kinder und Jugendliche antworten auf ihre Lebenssituation u.a. mit Schlafstörungen, mit Appetitmangel, mit Verlustängsten und tiefer Traurigkeit. Die Folgen von Isolation und Ausgrenzung lassen sich mit Zahlen belegen und hinter jeder Zahl steckt meist ein gedemütigtes Kind oder aber ein gedemütigter Jugendlicher, das bzw. der sich entwurzelt, oft überflüssig und sich als Belastung für die Umwelt ansehen. Die Folgen sind nicht wieder gut zu machen zeigen heutige Studien, die in den neunziger Jahren, wo eine von der AWO in Auftrag gegeben wurde. Die Gesamtgesellschaft hat versagt und Kinder werden zu Erwachsenen und sind einer ständigen Überforderung ausgesetzt, wobei einige traumatisiert bleiben.

          Absichtserklärungen, dass das alles besser wird, davon habe ich genug gehört, bei den Ämtern, den Amtsgerichten, den Pflegeeinrichtungen, bei den psychiatrischen Abteilungen des LKH, bei der Abteilung Geriatrie (Altenmedizin), bei den Pflegekassen, den medizinischen Diensten und sicherlich sind noch einige Stellen unerwähnt. „Die Botschaft hör ich schon, allein mir fehlt der Glaube.“

          So hoffe ich, dass im Text etwas dabei ist womit man was anfangen.

          • Avatar
            heike
            Hallo Ulrike,

            Greta Thunberg kann nicht der Maßstab für das Thema sein. Greta T. Eltern haben zugelassen, aus welchen Gründen auch immer, dass sie in diesem Haifischbecken als sechzehnjähriges junges Mädchen mit schwimmt. Ein nicht gesundes Mädchen, wenn ich das richtig verstanden habe, der ihre familiäre Situation alles an Perspektiven bietet die es sich nur wünschen kann wünscht und das für jedes Kind und jeden Jugendlichen gelten muss. Aus meiner Sicht ist Greta T, für dieses Thema nicht relevant. Als Mutter einer Tochter macht mich das eher nachdenklich.

             

            es stimmt, für das Thema Armut ist Greta Thunberg nicht relevant, aber für das Thema Klimaschutz (um das es in obenstehendem Artikel geht) und auch für das Thema Ausgrenzung. Dass sich unsere Gesellschaft zu einem derartigen Haifischbecken entwickelt, wenn man ihr die Wahrhheit ins Gesicht sagt, haben Greta, ihre Eltern und alle anderen Klimaschützer auch erst erleben „dürfen“, nachdem sie in dieses Gewässer gesprungen sind. Und es ist weiterhin notwendig Wahrheiten auszusprechen, wenn man der Erhaltung der Natur, so wie wir sie kennen, interessiert ist.

            Genauso wie notwendig ist, Armut in unserem Land zu thematisieren – deshalb Danke für deine Ausführungen dazu.

             

          • Avatar
            heike
            So, jetzt muss ich noch etwas loswerden, danach werde ich meine Kommentarflut wieder beenden:

            Ich möchte auch nicht allen Eltern und Großeltern, die mit ihren Kindern und Enkelkindern mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen, ein schlechtes Gewissen einreden. Man soll die Welt kennenlernen und sich an ihr erfreuen. Aber man muss wissen, was man tut. Ein Hin- und Rückflug von Stockholm nach Tokio emittiert z.B. pro Person 5,14 Tonnen CO2. Zum Vergleich: der durchschnittliche Ausstoß eines Inders beträgt 1,7 Tonnen pro Jahr, eines Bewohners von Bangladesh nur 0,5 Tonnen pro Jahr. Das sind Tatsachen. Man sollte sich seiner Privilegien und auch seiner Verantwortung bewusst sein. Man kann für einen Ausgleich sorgen: Bäume pflanzen (und da die meisten Gärten nicht allzu groß sind auch Organisationen, die Bäume anpflanzen, wie z.B. Plants for Planet mit einer Spende unterstützen. Man kann seine Energieversorgung umstellen (Anbieter wechseln, Solarstrom nutzen), generell Strom sparen usw. Bei all dem bricht niemanden eine Zacke aus der Krone (wie man hier so schön sagt).

            Und man kann natürlich auch mit Bahn und Fahrrad Urlaub machen. Jetzt höre ich aber auf mit meinen Klugscheißereien. Ich wollte das trotzdem noch mal sagen, damit die Leute sich nicht immer nur angegriffen fühlen von FFF, sondern, statt zu meckern, einfach mal ein bisschen mithelfen. Ich hätte gern noch in bisschen Schnee auf der Erde solange ich lebe. Und am liebsten auch jeden Winter in der Gegend, wo ich wohne ….

          • Avatar
            Piranha
            Hallo Ulrike,

            ich freue mich immer wieder Deine Kommentare zu lesen.

            Ich schätze Deine Unvoreingenommenheit, Deinen Diskussionsstil und die Stringenz beim Thema zu bleiben, auch wenn es (vermutlich) an der einen oder anderen Stelle schwer fallen mag.

            Jedenfalls hoffe ich, Du bleibst HdS als Kommentatorin erhalten so wie einige andere, die ich in gleichem Maße schätze.

            Auch mit Deiner profunden Kenntnis und Kritik am bestehenden Hartz IV-Unrecht, bist Du hier an der richtigen Stelle.

            Dein letzter Kommentar erinnerte mich an „Ufuk T.“, der im letzten Jahr schlimme Erfahrungen in Mannheim machen musste. Dazu hatten wir hier einige Artikel. Wenn Du im Suchfeld seinen Namen eingibst, wirst Du ab Juli 2019 einiges finden.

            Erinnert hat es mich aber auch daran, dass wir nach einer gewissen Zeit das Thema nicht mehr weiter verfolgt hatten; im Netz habe ich nichts dazu gefunden.

            Vielleicht weiß Holdger mehr?

            Schönen Sonntagsgruß,

            P.

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    heike
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    Noch der obligatorische Nachtrag (tut mir leid):

    Es geht ja auch nicht darum, jemanden zum Umweltschützer zu verdonnern und allen, die das nicht tun, ein grottenschlechtes Gewissen einzureden.

    Es muss schon ein inneres Interesse daran vorhanden sein (weshalb sich eben wohl viele Jugendliche, die schon von Kindheit an in ihrem Elternhaus dafür sensibilisiert wurden, in der Organisation engagieren), und auch die Freude, dafür einzutreten. Ist doch besser als wenn man Angst haben müsste, bei Fridays for Future mitzumachen. Manche haben das vielleicht. Dann kann man sich natürlich auch fragen, welches gesellschaftliche Problem wir haben und wie die Lösungsstrategien dafür aussehen: Arme gegen Besserverdienende aufhetzen? Und wird das die Armut beenden? Oder den Kapitalismus? Der Kapitalismus wird sich nicht wie vor über 100 Jahren durch Barrikadenkämpfe ins Jenseits befördern lassen. Der Kapitalismus wird sich ändern, wenn sich genügend Menschen geändert haben. Und ich denke, dass das passiert gerade.

     

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    heike
    Antworten
    Und noch ein Wort zum Kommunismus:

    Der Kommunismus will Ausbeutung abschaffen und soziale Gerechtigkeit herstellen, indem alles private kapitalbildende Eigentum abgeschafft wird. Dann muss dieses Eigentum gemeinschaftlich verwaltet werden. Oder es wird von einer Regierung verwaltet. So ist das in China. Und auch dort gibt es sehr Reiche und sehr Arme und v.a. auch viel Ungerechtigkeit. Wer nicht „spurt“ wird aussortiert, fremde Länder ,wie z.B. Tibet, werden einfach annektiert. Das hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Für mich hat China sowieso überhaupt nichts mit dem Kommunismus zu tun, der als Jugendliche mal mein Ideal war: eine gerechte Gesellschaft ohne Kriege und Ausbeutung.

    Menschen brauchen einen gesetzlichen Schutz vor unmenschlischer Ausbeutung und unsere Natur braucht dasselbe. Das ist notwendig, solange es noch Menschen gibt, die so etwas nicht freiwillig schützen. Und zur Zeit gibt es davon noch sehr viele Menschen und dazu ein Wirtschaftssystem, dass auf Ausbeutung angewiesen zu sein scheint. Aber das ist nicht so – und deshalb muss man die schwarzen Schafe aussortieren – per Gesetz (genauso wie die Steuerhinterzieher europaweit: https://sven-giegold.de/ep-anti-geldwaesche-resolution/ ).

     

     

     

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      Ulrike Spurgat
      Antworten
      Den von ihnen interpretierten Kommunismus übergehe ich sehr gerne.—

      Bleibe kurz bei den „Grünen“ den Moralaposteln, Wendehälsen und Heuchlern, die gestern ein Gesetz mit verabschiedet haben, dass die Qualen der Sauen (der Kastenhaltung) um ein weiteres Jahrzehnt verlängert. So geht Opportunismus. Die Schwätzer, die nach 1945 mit der sPD, der Verräterpartei einem Krieg wieder zugestimmt haben und das nach unserer Geschichte, und damit Tür und Tor geöffnet haben für alle  weiteren Beteiligungen Deutschlands an den Kriegen in der Welt haut dem Fass den Boden raus.  Gert Bastian und Petra Kelly würden sich drehen im Grabe.

      Papier ist geduldig……

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        heike
        Antworten
        Warum übergehen Sie den von mir interpretierten Kommunismus „gerne“. Ist Ihnen zu blöd, was ich schreibe? Und was soll das heißen: Papier ist geduldig?

         

        Auf Ihre Meinung zu den Grünen habe ich ich Ihnen unbewusst schon im Vorfeld eine Antwort gegeben, nur wurde dieser Kommentar, im Gegensatz zu Ihrem, bisher noch nicht veröffentlicht.

        Campact hatte eine Petition gestartet, die bessere Haltungsbedingungen für Schweine zum Ziel hatte und dazu führte, dass jetzt im Bundesrat neuen Regelungen für die Haltung  zugestimmt wurde. Ich habe mich an der Petition beteiligt, die Forderungen daraus wurden teilweise erfüllt, allerdings zugegebenermaßen schon in sehr eingeschränktem Umfang.. Aus Sicht der Tierschutzaktivist*innen war mehr im Augenblick nicht zu machen, da die Agrarlobby hinter Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner einfach zu stark war (und der Protest aus der Bevölkerung wohl noch zu gering). Nur mit Hilfe der Grünen wurden einige der Forderungen überhaupt erfüllt – ohne die Grünen wären die Auflagen für mehr Tierwohl gar  nicht möglich gewesen, oder aber erst, wenn die Grünen in der Regierung sitzen (was ich mir wünschen würde).

        Ich erlebe immer wieder, dass Menschen und Gruppierungen, die sich für etwas Gutes wie z.B. mehr Tierwohl einsetzen, von anderen Menschen fertiggemacht werden, denen es einfach nicht schnell genug geht. Und am Ende passiert dann gar nichts, weil in der Bevölkerung im Gedächtnis hängenbleibt: die Grünen bringen auch nichts …. Das ist doch Quatsch.

        Hier ein Ausschnitt aus der Campact-Mail:

        Hallo,

        wir haben es geschafft. In deutschen Schweineställen sind Kastenstände nach einer Übergangsfrist zukünftig fast überall verboten. Das hat der Bundesrat heute entschieden. Mehr als 620.000 Menschen haben unseren Appell gegen diese quälerischen Mini-Käfige unterzeichnet. Gemeinsam haben wir erreicht, dass Sauen nicht mehr in Einzelhaft gehalten werden, sondern in Gruppen – zumindest den größten Teil ihres Lebens.

        Ganz wichtig für den Erfolg: die vielen Unterschriften unter unserem Appell – und die Spenden, die bei uns eingegangen sind. So konnten wir unsere Aktionen vor dem Agrarministerium und dem Bundesrat finanzieren. Herzlichen Dank an alle, die unsere Kampagne unterstützt haben!

        Wir mussten ziemlich hartnäckig sein, um unser Ziel zu erreichen. Denn um den Kastenstand neu zu regeln, machte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) zunächst einen ziemlich dreisten Vorschlag: Sie wollte die engen Eisengitter noch 17 weitere Jahre unverändert erlauben.[1] Tierquälerei pur – deshalb starteten wir mit der Organisation foodwatch einen Appell, den innerhalb weniger Tage mehrere Hunderttausend Menschen unterschrieben haben – ein Protest, der sich nicht ignorieren ließ.

        Klöckners Union ging nochmal in Verhandlungen – und zwar mit den Grünen. Die mussten einer Neuregelung des Kastenstandes im Bundesrat nämlich zustimmen. In einem ersten Kompromiss erreichten die Grünen aber nur wenige Verbesserungen. Während der Verhandlungen demonstrierten wir deshalb in Tierkostümen und mit Plakaten und forderten die Grünen auf: Schafft die Mini-Käfige endlich ab. Parallel verbreitete sich unser Appell in den sozialen Medien, zehntausendfach geklickt und geteilt. So sehr, dass die Grünen erneut nachverhandelten.[2]

        Am Ende hat sich unser Engagement ausgezahlt. Der neue Kompromiss, den der Bundesrat heute beschlossen hat, ist weit besser als Klöckners ursprünglicher Plan. Sauen verbringen künftig die meiste Zeit ihres Lebens in Gruppen: Hier haben sie deutlich mehr Bewegungsfreiheit. Auch wenn die Übergangsfrist von acht Jahren zu lang ist – immerhin müssen die Umbauten schnell beginnen.

        Problematisch: Der Kastenstand in seiner jetzigen Form ist im Abferkelbereich noch 17 Jahre unverändert erlaubt – also in dem Bereich, in dem die Sauen nach der Geburt mit ihren Ferkeln leben. Erst dann müssen ihn die Züchter*innen vergrößern und die Fixierung auf fünf Tage begrenzen. Das reicht uns nicht – an diesen Punkt müssen wir noch einmal ran.

        Ein weiterer Kritikpunkt: In den nächsten acht bis zehn Jahren sollen Halter*innen ihre Schweine weiterhin so eng stellen dürfen, dass sie einander im Liegen berühren. Gerichte hatten dies schon vor Jahren für unzulässig erklärt – allerdings nur in Sachsen-Anhalt. Die meisten anderen Bundesländer setzten diese Entscheidungen nie um – und tolerierten die Enge im Stall einfach.[3] Die Neuregelung bewerten wir daher gemischt: Einerseits wandelt Klöckner nun eine bislang rechtswidrige Haltungsform in geltendes Recht um. Andererseits stellt der Kompromiss sicher, dass sich die Sauen nach der Übergangsfrist wirklich ausstrecken können – und zwar überall.

        In Summe glauben wir, dass das Verhandlungsergebnis ein Erfolg ist – mehr lässt sich gegen Ministerin Klöckner und ihre Agrarlobby-freundliche Partei im Moment nicht durchsetzen. Hätten sich die Grünen einem Kompromiss komplett verweigert, hätte sich am Kastenstand gar nichts geändert. Erst mit einer neuen Bundesregierung wäre eine Abschaffung wieder möglich gewesen – und dann auch nur, wenn die Union im Bundesrat mitgespielt hätte.

        Dass die Stimmung sich nun langfristig wandelt – die Chancen sind so gut wie noch nie. Der Tönnies-Skandal hat vielen Menschen klar gemacht, dass die industrielle Tierhaltung so nicht weitergehen kann. Was uns hier hilft: Schnelligkeit. Unsere Kampagne gegen den Kastenstand hat gezeigt, wie wirkungsvoll kurzfristige Aktionen sind.

        ———————————–

        Und noch mal zur Wiederholung: „Hätten sich die Grünen einem Kompromiss komplett verweigert, hätte sich am Kastenstand gar nichts geändert.

        Und noch eine Information: weltweit sorgt die Produktion von Fleisch und die damit verbundene Tierhaltung für mehr Treibhausgase als Verkehr und Industrie zusammen. Außerdem ist der Verzehr von zuviel tierischen Eiweiß für den menschlichen Körper gesundheitsschädigend, viele Zivilisationskrankheiten lassen sich darauf zurückführen. Einmal pro Woche wirklich gutes Fleisch ist ausreichend. Da kann man sich das verkorkste, antibiotikavollgestopfte Fleisch + zugehörige Wurst sparen. Oder es ganz lassen und pflanzliche Eiweißquellen (z.B. Hülsenfrüchte) nutzen. Da sind dann auch gleich noch eine ganze Reihe B-Vitamine drin, die u.a. wichtig für ein gut funktionierendes Nervensystem sind.

        Und ich schreibe das, weil es kein Geheimnis ist und ich mit damit nicht unheimlich viel Geld verdienen will, sondern helfen, die Welt besser zu machen.

        • Avatar
          Ulrike Spurgat
          Antworten
          Hallo, liebe Heike,

          es ist aus meiner Sicht wichtig mit den eigenen Kräften zu haus halten.

          Vielleicht sollte ich hier an dieser Stelle etwas klar stellen.

          Meine Priorität ist die Gesamtgesellschaft, die ganze Menschheit, wenn man so will…Trotzdem ist mein Lebensmittelpunkt hier in diesem Land und da spielt die Musik, ohne das große Ganze aus dem Auge dabei zu verlieren. Früher hieß das Internationalismus. Und nein, dass ist mir nicht zu blöd was du schreibst, nur sind das Diskussionen die nicht fruchtbar sind, denn es gibt keine gemeinsame Grundlage auf der wir darüber austauschen können. Und das ist keine Bewertung über das, was du denkst und schreibst, sondern eine Tatsache. Gut ist, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast, dass ich da so schnoddrig daher komme und darauf habe ich zu achten, dass ist wohl wahr. Jedenfalls stelle ich Denkweise nicht in Frage, stehe aber auch zu dem, wie ich die Gesellschaft, die Welt erkenne.

          Greta Thunberg hat nicht mein Interesse und das ist die Wahrheit, umso besser ist es, dass sie viele Mitstreiter hat und hoffentlich weitere dazu kommen werden.

          Viele NGO, wie auch Campact werden von Soros mit finanziert und das alleine ist ein Grund für mich da einen großen Bogen seit Jahren zu machen.

          Es macht keinen Sinn hier einen Schlagabtausch zu machen. Meine politische Haltung ist seit Jahrzehnten glasklar. Mit dem Parlamentarismus habe ich nichts am Hut, demzufolge ist die Entwicklung der „Grünen“ nur folgerichtig und ich werde nie aufhören sie zu kritisieren und mich mit deren faulen Kompromissen zufrieden geben.

          Alles Gute, Ulrike

           

           

           

           

      • Avatar
        heike
        Antworten
        Ohne den Kompromiss der Grünen wäre gar keine Verbesseung für die Tiere erreicht wurden. Man hätte diesen Kompromiss auch verweigern können, die Tiere weiter leiden lassen wie bisher und darauf warten, dass die Grünen nach der nächsten Wahl in der Regierung sitzen, um das Gesetrz dann zu verabschieden (wobei immer nach der Bundesrat zustimmen müsste).

        So hat man immerhin erreicht, dass die Kastenstandhaltung nicht mehr lebenslang von den Schweinen ertragen werden muss. Allerdings sollen die Schweine die nächsten acht bis zehn Jahre weiter so eng gestellt werden dürfen, dass sie sich im Liegen berühren und auch nach der Geburt der Ferkel (abferkelbereich) ist der Kastenstand noch weitere 17 Jahre lang erlaubt.

        Also, man sollte Wursterzeugnisse, die mit solchem Fleisch hergestellt werden , einfach nicht mehr kaufen. Im Internet findet man Listen, welche Marken beispielsweise von Tönnies beliefert werden.

        Und noch eine Information: weltweit sorgt die Produktion von Fleisch und die damit verbundene Tierhaltung für mehr Treibhausgase als Verkehr und Industrie zusammen. Außerdem ist der Verzehr von zuviel tierischem Eiweiß für den menschlichen Körper gesundheitsschädigend, viele Zivilisationskrankheiten lassen sich darauf zurückführen. Einmal pro Woche wirklich gutes Fleisch ist ausreichend. Da kann man sich das verkorkste, antibiotikavollgestopfte Fleisch + zugehörige Wurst sparen. Oder es ganz lassen und pflanzliche Eiweißquellen (z.B. Hülsenfrüchte) nutzen. Da sind dann auch gleich noch eine ganze Reihe B-Vitamine drin, die u.a. wichtig für ein gut funktionierendes Nervensystem sind.

        Und ich schreibe das, weil es kein Geheimnis ist und ich mit damit nicht unheimlich viel Geld verdienen will, sondern helfen, die Welt besser zu machen.

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    ert_ertrus
    Antworten
    Das setzt aber voraus, dass sich sozial (Ab)gehobene(re) auch mit den Lebenswelten der Mitmenschen im Souterrain oder im Keller des eigenen Landes (!) auseinander zu setzen bereit sind –was derzeit kaum (und fast ausschließlich im wissenschaftlichen oder medialen Diskurs – im Letzteren häufig despektierlich bis sozialrassistisch) stattfindet. Vielleicht riecht es ihnen dort zu streng … Und es fehlt an gegenderter Sprache …

     

    Der Kapitalismus wird sich ändern, wenn sich genügend Menschen geändert haben. Und ich denke, dass das passiert gerade.

    Wishful thinking, sweet dreams 😉

    • Avatar
      heike
      Antworten

      Das setzt aber voraus, dass sich sozial (Ab)gehobene(re) auch mit den Lebenswelten der Mitmenschen im Souterrain oder im Keller des eigenen Landes (!) auseinander zu setzen bereit sind –was derzeit kaum (und fast ausschließlich im wissenschaftlichen oder medialen Diskurs –

       

      Da gebe ich dir recht. Aber Fridays for Future kann sich auch nicht allein um alles kümmern. Die Armen müssen mehr zusammenhalten und für sich selbst einstehen. Gewerkschaften vertreten Arbeitnehmerinteressen – gibt es auch Interessenverbände für (Langzeit)arbeitslose oder Obdachlose?

       

      Danke für deine Wünsche für schöne Träume – die wünsche ich mir auch …

      Ich kann ohne einen gewissen Optimismus nicht leben, und abgesehen davon sehe ich ja auch, dass sich in den letzten Jahren etwas getan hat und zunehmend auch in der Politik umgesetzt wird. Der Kohleausstieg von Deutschland bis 2038 ist jetzt gesetzlich beschlossen. Immerhin. Vor zwei Jahren war das noch undenkbar. Andere Länder wie z.B. die Slowakei wollen bis 2030 raus aus der Kohle, Griechenland bis 2028, England bis 2025 (wobei ich nicht darüber informiert bin, ob diese Länder das auch schon gesetzlich festgelgt haben …)

      Mit dem Problem der Armut und ihrer Entwicklung in Deutschland habe ich mich noch nicht so stark auseinander gesetzt. D.h. ich habe dazu keine Zahlen im Kopf und folglich auch keinen realistischen Überblick über die Entwicklung.

      Ich will keine Verhältnisse wie in den USA, wo es massenhaft Armut und auch Kriminalität gibt und die Lösung darin besteht, die Leute massenhaft ins Gefängnis zu stecken (Beitrag von Roter Platz auf dieser Seite).

      Wie brauchen eine gesellschaftliche Integration der Menschen. Und Oasen für selbstbestimmtes Leben und Arbeiten. Ihr wisst, dass ich kein Befürworter von HARTZ IV aus dem Grund bin, dass dadurch viele Menschen erst an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und es schwer haben, wieder einen gut bezahlten Job zu bekommen. Als eine Zwischenlösung finde ich das eine gute Auffangmöglichkeit. Ich denke, man sollte in den Dörfern und Städten zumindest nach Mindestlohn bezahlte Arbeitsplätze schaffen, die für die Pflege und Reinigung von Grünflächen, Fußwegen, Plätzen usw. zuständig sind. Und man sollte Bio-Gärten anlegen, aus denen dann das Essen für Kindergärten, Schulen und auch Firmen gekocht wird. Das ist besser als die Kinder mit ungesundem Elli-Spirelli oder sonstigen Essen zuzupflastern, das wegen der Rentabilität hauptsächlich aus Nudeln o.ä. besteht. Die Bio-Gärten könnte man staatlich bezuschussen. Da hat man für jede Schule schon mal zwei bis drei Leute beschäftigt und dazu noch zwei Köch*innen.

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    c.g.
    Antworten
    Sehr schön. Dann ist ja alles in Butter auf dem sinkenden Kutter!

     

    Drosten hat ja für seinen Podcast auch den Grimmepreis erhalten…..

     

    Was wollen wir trinken?

     

    https://m.youtube.com/watch?v=XrC8UCRhHgg

     

     

    • Avatar
      heike
      Antworten
      Ich weiß, dass noch sehr vieles im Argen liegt und die Schritte in die richtige Richtung hart erkämpft wurden sind und werden. Zum Beispiel ist es ein ewiges Ringen darum, das endlich die Bedingungen für Tiere in der Massentierhaltung verbessert werden und nur weil sich einige Menschen schier unermüdlich darum bemühen, werden diese Schritte überhaupt umgesetzt. Ein Beispiel:

       

      Wenn hier kein Bild angezeigt wird, müssen Sie die Anzeige von Bildern freischalten!

      Hallo,

      wir haben es geschafft. In deutschen Schweineställen sind Kastenstände nach einer Übergangsfrist zukünftig fast überall verboten. Das hat der Bundesrat heute entschieden. Mehr als 620.000 Menschen haben unseren Appell gegen diese quälerischen Mini-Käfige unterzeichnet. Gemeinsam haben wir erreicht, dass Sauen nicht mehr in Einzelhaft gehalten werden, sondern in Gruppen – zumindest den größten Teil ihres Lebens.

      Ganz wichtig für den Erfolg: die vielen Unterschriften unter unserem Appell – und die Spenden, die bei uns eingegangen sind. So konnten wir unsere Aktionen vor dem Agrarministerium und dem Bundesrat finanzieren. Herzlichen Dank an alle, die unsere Kampagne unterstützt haben!

      Wir mussten ziemlich hartnäckig sein, um unser Ziel zu erreichen. Denn um den Kastenstand neu zu regeln, machte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) zunächst einen ziemlich dreisten Vorschlag: Sie wollte die engen Eisengitter noch 17 weitere Jahre unverändert erlauben.[1] Tierquälerei pur – deshalb starteten wir mit der Organisation foodwatch einen Appell, den innerhalb weniger Tage mehrere Hunderttausend Menschen unterschrieben haben – ein Protest, der sich nicht ignorieren ließ.

      Klöckners Union ging nochmal in Verhandlungen – und zwar mit den Grünen. Die mussten einer Neuregelung des Kastenstandes im Bundesrat nämlich zustimmen. In einem ersten Kompromiss erreichten die Grünen aber nur wenige Verbesserungen. Während der Verhandlungen demonstrierten wir deshalb in Tierkostümen und mit Plakaten und forderten die Grünen auf: Schafft die Mini-Käfige endlich ab. Parallel verbreitete sich unser Appell in den sozialen Medien, zehntausendfach geklickt und geteilt. So sehr, dass die Grünen erneut nachverhandelten.[2]

      Am Ende hat sich unser Engagement ausgezahlt. Der neue Kompromiss, den der Bundesrat heute beschlossen hat, ist weit besser als Klöckners ursprünglicher Plan. Sauen verbringen künftig die meiste Zeit ihres Lebens in Gruppen: Hier haben sie deutlich mehr Bewegungsfreiheit. Auch wenn die Übergangsfrist von acht Jahren zu lang ist – immerhin müssen die Umbauten schnell beginnen.

      Problematisch: Der Kastenstand in seiner jetzigen Form ist im Abferkelbereich noch 17 Jahre unverändert erlaubt – also in dem Bereich, in dem die Sauen nach der Geburt mit ihren Ferkeln leben. Erst dann müssen ihn die Züchter*innen vergrößern und die Fixierung auf fünf Tage begrenzen. Das reicht uns nicht – an diesen Punkt müssen wir noch einmal ran.

      Ein weiterer Kritikpunkt: In den nächsten acht bis zehn Jahren sollen Halter*innen ihre Schweine weiterhin so eng stellen dürfen, dass sie einander im Liegen berühren. Gerichte hatten dies schon vor Jahren für unzulässig erklärt – allerdings nur in Sachsen-Anhalt. Die meisten anderen Bundesländer setzten diese Entscheidungen nie um – und tolerierten die Enge im Stall einfach.[3] Die Neuregelung bewerten wir daher gemischt: Einerseits wandelt Klöckner nun eine bislang rechtswidrige Haltungsform in geltendes Recht um. Andererseits stellt der Kompromiss sicher, dass sich die Sauen nach der Übergangsfrist wirklich ausstrecken können – und zwar überall.

      In Summe glauben wir, dass das Verhandlungsergebnis ein Erfolg ist – mehr lässt sich gegen Ministerin Klöckner und ihre Agrarlobby-freundliche Partei im Moment nicht durchsetzen. Hätten sich die Grünen einem Kompromiss komplett verweigert, hätte sich am Kastenstand gar nichts geändert. Erst mit einer neuen Bundesregierung wäre eine Abschaffung wieder möglich gewesen – und dann auch nur, wenn die Union im Bundesrat mitgespielt hätte.

      Dass die Stimmung sich nun langfristig wandelt – die Chancen sind so gut wie noch nie. Der Tönnies-Skandal hat vielen Menschen klar gemacht, dass die industrielle Tierhaltung so nicht weitergehen kann. Was uns hier hilft: Schnelligkeit. Unsere Kampagne gegen den Kastenstand hat gezeigt, wie wirkungsvoll kurzfristige Aktionen sind. Um schnell viele Menschen zu mobilisieren, wollen wir deshalb verstärkt SMS nutzen. Bitte tragen Sie sich heute in unseren SMS-Verteiler ein.

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      Ganz herzlichen Dank für Ihr Engagement
      Lynn Gogolin-Grünberg, Campaignerin

      [1]„Tierquälerei: 43 Jahre geltendes Recht ausgehebelt“, MDR Online, 14. Februar 2020

      [2]„Politisches Gefeilsche um die Sau“, Tagesschau Online, 5. Juni 2020

      [3]„Weiter Mängel bei der Schweinehaltung“, Tagesschau Online, 10. September 2019

      Aber immerhin ist die Tierquälerei in der Massentierhaltung endlich in der breiten Öffentlichkeit angekommen – und am besten wehrt man sich wohl auch dagegen, indem man dieses Fleisch und die Wurst gar nicht erst kauft und isst. Gut für die Gesundheit, die Tiere, die Umwelt.

      Wenn ich mir alle Aufgaben, die noch vor uns liegen, anschaue, dann befällt auch mich die Mutlosigkeit. Ich habe beschlossen, mein kleines Leben zu nutzen, um das zu tun, was ich am liebsten mache und womit ich anderen Menschen auch helfe und nicht schade.

       

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    Freiherr von Anarch
    Antworten
    Lets talk about it, Ladies and Gents of Revolution .
    Machen wir uns doch ein Süppchen… aus diesen …ismen, die Zutaten in der jeweils (so erdachten) ‚reinen‘ Form in einen Topf – den Kommunismus, den Sozialismus, den Marxismus und achja – die Demokratie !
    Rühren wir gut um, geben die unverzichtbaren Gewürze und Bindemittel Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrecht hinzu und kosten wir die Melange, die Verträglichkeit – ich denke sie würde allen am Tische schmecken, dem Kommunisten also, dem Sozialisten, dem Marxisten und auch dem Demokraten, eigentlich… wäre da nicht das Gen der Herrschaft in jedem Einzelnen dieser Tafelrunde, das Streben nach Macht über andere, die Gewinnsucht und schnell ist die Suppe verdorben, eine unverträgliche Brühe dann, jeder will sein eigenes Süppchen kochen… weil man die eine wichtigste Zutat vergessen hat hineinzutun: die Anarchie !
    Dieses Allheilgewürz aber kommt in reiner Form nicht vor, auf diesem Planeten und auch deshalb ‚funktionieren‘ die anderen … ismen in reiner Form nicht, der Kommunuismus, der Sozialismus, der Marxismus und die Demokratie. Aus allen wachsen Herrschaftsstrukturen heraus und die verderben alles, die unverzichtbaren Zutaten Freiheit, Gerechtigkeit und das Menschenrecht als überbegriffliche Notwendigkeit für alles, verderben dabei als erstes.
    Das traurige und verhängnisvolle dabei ist, dass diese Zutat Anarchie als auch vorbeugendes Gewürz gegen Unrecht und Unfreiheit ja ständig geboren wird, jedoch sofort nach der Geburt zerstört wird. So selten wäre es also nicht…
    Die FREIHEIT, Ladies and Gents of Revolution – sie ist die unverzichtbare Zutat, die man in gesellschaftsideologischen Bestrebungen stets vergisst, unterlässt – die Anarchie !
    Tja… ich war der ‚Suppenkasper‘ – ‚ich esse meine Suppe nicht, nein meine Suppe ess ich nicht !‘ – weil sie mir als Kind ohne diese Freiheitszutat nicht geschmeckt hat, habe mir die Freiheit also nicht nehmen lassen, bin Anarchist geblieben.
    Aber es ist ein Kampf, Freiheit und Gerechtigkeit müssen erkämpft werden, immer schon, wird so bleiben – es ist ein Kampf in Notwehr, in allen Ideologien wird die Freiheit als Feind betrachtet und bekämpft – im Kommunismus, im Sozialismus, im Marxismus und in der Demokratie. Grösstmögliche Freiheit vielleicht in einer ‚Radikaldemokratie ‚ ? Hat es noch nicht gegeben, wäre den Versuch doch wert, müsste jedoch grösstmögliche Freiheit beinhalten, ‚absolute Freiheit‘ gibt es nicht, klar –
    whatever… nie war dieser misshandelte Planet unfreier, also müssen die Völker dieser Erde aufstehen und für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen – nicht aber für diese ideologischen …ismen, die lediglich immer wieder Herrschaftsstrukturen gebären, den Kapitalismus sogar.
    ‚ solo la lucha nos hara libres ! ‚ – die Gerechtigkeit wird am Ende siegen, wenn man sich frei macht von Ideologien der Unfreiheit.
    Und zu den Religionsherrschaften, diesen ja eigentlich völlig unfreien Unterwerfungen unter irgendwelche göttliche Machtstrukturen hier ein Satz von mir:
    ‚ Der Mensch, der einen Gott braucht um sich als Mensch zu begreifen, ist als Mensch noch nicht gereift ‚.
    • Avatar
      Holdger Platta
      Antworten
      Wahrlich, großvermögender Baron des Anarchismus,

      das, was so als Realisierungsversuche des Sozialismus/Kommunismus verkauft worden ist, hat fast immer die „Freiheit“ vergessen lassen, im furchtbaren Ausmaß sogar. Und eine, die es damit verdammt ernst nahm, die großartige Rosa Luxemburg, ist bereits am 15. Januar 2019 von Freikorpsleuten auf bestialische Weise ermordet worde , unter Mitwisserschaft der Sozialdemokraten auf jeden Fall, womöglich sogar im Auftrag derselben (eine Frage, bis heute historisch nicht wirklich geklärt).

      Insofern: sehr gern einschränkungs mehr Freiheits-Orientierung in alle antikapitalistischen Bewegungen hinein.

       

      But: es gab auch einen verdammt autoritären Anarchismus, ich nenne sie mal abgekürzt die „Bombenschmeißerfraktion“. Diese Gewaltanwendung war dito Herrschaftsanspruch pur, und die übliche Alleinentscheiderei Einzelner oder ganz weniger darüber, ob Bomben zu schmeißen seien, war ebenfalls alles andere als Freiheit der Mitentscheidung für andere.

       

      Kehren wir alle also auch vor der eigenen Tür! Präziser noch: jeder vor seiner!

      Mit herzlichem Gruß

      Holdger

      • Avatar
        Freiherr von Anarch
        Antworten
        Lieber Anwalt des Menschenrechts,

        wir beide wissen, dass es ohne den radikalen Kampf nicht geht, Gerechtigkeit und Freiheit nicht ohne diesen zu erreichen sind.

        Da ist sogar der ‚Pazifist‘ Jean Ziegler genauestens dieser richtigen Ansicht und gerade er weis genauestens Bescheid.

        Die radikale Linie des Widerstandes muss fortgesetzt werden:

        Rosa Luxemburg – Ulrike Meinhof – ? ( heute ? ).

        Wir werden sehen, wer oder was für heute steht !

        Die Reduzierung des sehr notwendigen Widerstandes, auch in dieser letzten radikalen Form, auf eine ‚Bombenschmeisserei‘ ist beschämend und folgt eher der Geschichtsverfälschung die der Unrechtsstaat BRD seither betreibt.

        sorry, my friend – da kann ich nicht mitmachen.

        Herzlich,

        dein Roter Bruder

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      Bettina
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       …und auch deshalb ‚funktionieren‘ die anderen … ismen in reiner Form nicht, der Kommunismus, der Sozialismus, der Marxismus und die Demokratie

      In deine Aufzählung passt, so finde ich, der Begriff Demokratie nicht rein. Vielleicht würde der Begriff Kapitalismus besser passen?

      Der Begriff Anarchie lässt sich insofern nicht korrekt den Begriffen Kommunismus, Sozialismus und Marxismus gegenüberstellen, als er weder für eine Staats-, noch für eine Wirtschaftsform steht.

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    ert_ertrus
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    Da gebe ich dir recht. Aber Fridays for Future kann sich auch nicht allein um alles kümmern. Die Armen müssen mehr zusammenhalten und für sich selbst einstehen. Gewerkschaften vertreten Arbeitnehmerinteressen – gibt es auch Interessenverbände für (Langzeit)arbeitslose oder Obdachlose?

    Erwerbsloseninitiativen, die aber derzeit regimeseits finanziell drainiert werden. Man will die nicht und – weil sie zwar starke weil fundierte Interessen vertreten – eben nicht die ungeheuren Geldmittel von Lobbies verfügen. Es gibt sogar Interessenverbände FÜR Obdachlose – aber die reden mehr ÜBER Obdachlose als MIT ihnen. Übrigens ein gesamtgesellschaftliches Problem …Ich rate zur Lektüre der Bücher von Katrin Hartmann: da geht Manchen ein Licht über unsere soziale Gemengelage auf. Was das Zusammenhalten der Armen betrifft: politisch per Gesetz eingeschränkt bis verhindert. Wer ans nackte Überleben denken muss, hat wenig Energie zum Widerstand. Sollte gesundem Menschenverstand eigentlich ad hoc einleuchten …

    Ursprünglich war ich von FFF sehr angetan, das hat sich inzwischen leider ins nahezu Gegenteil verkehrt: wenn mensch die Organisationsstrukturen hinter G.T. und ihren Followern erkennt, so erscheint das auch nur als eine weitere Astroturf-Kiste.

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    ert_ertrus
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    Nachtragskorrektur: Ursprünglich war ich von FFF fasziniert – hat sich inzwischen leider nahezu ins Gegenteil verkehrt: wenn mensch die Organisationsstrukturen hinter G.T. und ihren Followern erkennt, so erscheint das auch nur als eine weitere Astroturf-Kiste.
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    Ulrike Spurgat
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    Der Kommentar wie eigentlich immer, so auch dieser vom Freiherrn lässt den Blick in die „andere“ Geschichte zu und bringt mich auf Rosa und Ulrike.

    Übrigens danke für Zappa……….

    Aus den Gedanken heraus werde ich dazu einiges schreiben.

    Wenn dann Quellen gewünscht werden, werden sie nachgeliefert.

    Der letzte Artikel von Rosa in der „Roten Fahne“  hat ihre Unruhe und Nervosität deutlich gemacht. Ich zitiere:

    „Die Revolution wird sich schon morgen, rasselnd wieder in die Höhe richten und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden: „Ich war, ich bin, ich werde sein!“

    Das war ein Tag vor ihrer Ermordung. Der Finger zeigt immer wieder auf die Freikorps, die aus dem Krieg demoralisiert und Feinde der Weimarer Republik waren zurück gekommen sind.  Paul Levi, der für eine kurze Zeit der Weggefährte Rosas gewesen ist hielt eine von tiefem Schmerz bewegte persönliche Trauerrede, die ihren Verlust in den Mittelpunkt stellte. Bis heute eine Narbe, die daran erinnert.

    Auf das malträtierte und eigentlich von allen benutze Zitat, (jeder weiß dabei um welches es sich handelt) und das von was weiß ich von wem auch immer sich passend so zurechtgebogen wurde um damit zu glänzen lass ich weg……Nun handelte es sich dabei aber auch um eine interne, parteipolitische Auseinandersetzung und um eine Randnotiz.

    Bis heute vermeidet man die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, dass Rosa in den letzten Tagen aufgerufen hat den bewaffneten Kampf zu unterstützen. (In den letzten Briefen ihres Gefängnisaufenthaltes zu finden).

    100 Jahre später. Die „Neue Presse“ (Partner der RDN, Redaktionsnetzwerk Deutschland) lässt den Rauschebart, den Zipfelmützenträger, den „Bürgerrechtler“ mit Heiligenschein zu Wort kommen: Wolfgang Thierse. Selbstverständlich ein Hartz 4 Befürworter und sPD Mann. Wahrlich ein „Revolutionär“ für seinesgleichen.

    Auf die Frage: Hat die Sozialdemokratie im Jahr 1919 Schuld auf sich geladen, so darauf geantwortet hat: „Ja, weil hier Menschenopfer zu beklagen sind. Es gab radikalisierte Elemente in der Arbeiterschaft. Die waren nur mit Waffengewalt zu besiegen. Und an anderer Stelle schwadroniert Thierse, dass die Entscheidung gegen das eigene Volk zu schießen, deren revolutionäre Bestrebungen im Keim zu ersticken, es besser gewesen sei sich für „Demokratie,“ den „Rechtsstaat,“ den „Sozialstaat“ einzusetzen. Anmerkung: Besonders für Profiteure wie er einer ist.

    Das könnte selbst die Nachfolger der Kommunisten einsehen. Anmerkung: Amen.

    Der sozialdemokratischen „Vorwärts“ schrieb auf Twitter einen Aufsatz über den „Aufstand“ im Januar 1919: „Die SPD verteidigte die Demokratie – auch mithilfe des Militärs.“ Gute Nacht, sPD.

     

     

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    Ulrike Spurgat
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    Was hat Ulrike Meinhof, eine herausragende Journalistin bei der Zeitschrift KONKRET , deren Artikel auf wundersame Weise seit 1969  mehr oder weniger aus der Öffentlichkeit verschwunden sind zu solch einem Schritt veranlasst ?

    Sie war die, die die profaschistischen Strukturen in den Heimen der jungen Republik, die Mißhandlungen an den Kindern und jugendlichen mit einem schreibenden „Skalpell“ sezierte unnachgiebig an die Oberfläche des braunen Sumpfes holte. Damit leistete sie einen wertvollen, gesamtgesellschaftlichen Beitrag den wir Heimkinder ihr niemals vergessen werden.

    Sie stellte die „Schwarze Pädagogik“ an den Pranger, klagte Politik, Heime, Gerichte und Landschaftsverbände an. Sie gab den Kindern und Jugendlichen die weggesperrt und entwürdigt wurden, die ihren Peinigern oft Jahre ausgeliefert waren eine Stimme, drehte den Film „Bambule, – Fürsorge – für wen?“ der 24 Jahre verboten wurde, und zwang Politik und Gesellschaft dazu hinzuschauen wofür sie nach 1945 wieder verantwortlich waren. Sie nahm es ernst. Sie knüpfte Kontakte zu ehemaligen Heim Kindern, hörte ihnen zu, achtete sie und setzte sich für eine „neue Pädagogik“ ein. Sie argumentierte mit eine Tiefe und Dichte die mich bis zum heutigen Tag beeindruckt. Sie ist und bleibt die „Mutter“ der Heimkinder Bewegung der alten BRD.

    Sie stand auf gegen Militarismus, gegen die Wiederbewaffnung, gegen den Vietnam Krieg, gegen die Kommunisten Verfolgung der fünfziger Jahre, gegen die Politik Adenauers, aber vor allem dagegen, dass die alten Faschisten sich in den wichtigsten Ministerien wieder breit machen konnten: Dem Justiz- und Innenministerium.

    Mit Recht stellt sich die Frage was Ulrike Meinhof, Humanistin zum bewaffneten Kampf gebracht hat. Bis heute fehlt eine seriöse Analyse des „heißen Herbstes.“

    Woran ist Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Andreas Baader verzweifelt ?

    Darüber habe ich sehr lange immer wieder nachgedacht und tue es immer wieder.

    Sie waren in Stammheim katastrophalen Haftbedingungen ausgesetzt: Grelles Licht, vor allem in der Nacht, Isolation, was als Folter bei der „Allgemeinen Charta für Menschenrechte“ gilt. Aufs GG haben die Herrschenden gepfiffen. Und der ehemalige Bundesinnenminister Baum (FDP) sprach rückblickend von überzogenen Reaktionen: „Alle, die versucht haben Brücken zu bauen, wie der Bischof Scharf in Berlin und Heinrich Böll wurden verunglimpft. Der Staat hat im Grunde seine Fassung verloren. Wir sind den Terroristen auf den Leim gegangen: Sie wollten uns den Krieg erklären, und wir haben die Kriegserklärung angenommen.“ (Hans Dieter Heumann: Hans Dieter Genscher: Die Biografie,2011 (Verlag Ferdinand Schöningh)

    Viele Gruppen im Land haben sich für bessere Haftbedingungen eingesetzt. Margarete von Trotta näherte sich in ihrem Film „Die bleierne Zeit“ den möglichen Motiven der Pfarrers Tochter Gudrun Ensslin.

    Es sind noch unendlich viele Fragen offen und eh die nicht beantwortet sind kann und darf es keine abschließende Bewertung geben.

    Ulrike Meinhof: Die Würde des Menschen ist antastbar/Sammelband ausgewählter journalistischer Texte, Berlin 2004.

    „Nicht der Wirklichkeit, der Wahrheit nachgehen“ (Ulrike Meinhof in Bambule, 1971, S.97)

     

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      Freiherr von Anarch
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      Hallo Ulrike,

      …warum in den bewaffneten Kampf, damals ? – es war die notwendige und dann auch unausweichliche Konsequenz – der Staat damals hätte es verhindern können, durch ein Einlenken, eine Entschuldigung auch, zunächst für die ‚Nacht der langen Knüppel‘ und erst recht dann für den Kopfschuss-Mord an Ohnesorg durch einen Polizisten und Waffennarren, dessen Freispruch trotz mehrer Zeugen dann, das Decken dieses Mordes durch die Justiz, das blindwütige Einprügeln auf die Stundenten insgesamt, die öffentliche Hetze der ‚Bild‘ ( Springer ), die dann 68 zur Ermordung Dutschkes führte – da war der Staat aus dem Faschismus wiederwacht und die weiterführende Eskalation geht auf seine ‚Kosten‘ – 76 schon sind Demokratie und Rechtsstaat gestorben, durch das Fehlverhalten des Staates.

      Die anschliessende Kriminalisierung der Bewegung samt Verhaftungswelle und umfassender Repression, das Wegsperren in Vernichtungshaft, – da war ein zuvor noch möglicher gewesener Friede durch ein Einlenken des Staates als Demokratie und Rechtsstaat eben nicht mehr möglich.

      Die notwendige Konsequenz des ja immer berechtigten Widerstandes war der Untergrund und aus diesem gibt es kein zurück mehr.

      Rechte Hardliner in der Politik hatten letztlich zu verantworten was noch geschah – nicht der Staat wurde erpresst, sondern der Kern der Bewegung gegen Unrecht und Faschismus.

      67 schon wurde nicht nur die Demokratie vom Staat selbst zerstört, auch der Polzeistaat geschaffen, eine unabhängige Justiz als Rechtsstaat begraben.

      Bis heute fehlt die Entschuldigung vom Staat, Einsehen und Einlenken, Geschichtsverfälschung statt dessen und Ausbau des Unrechtsstaates zur heutigen Totalität. Es ist also die gleiche Unnachgiebigkeit gegenüber Demokratie, Freiheit und Rechtssaatlichkeit geblieben – Verformung der Verfassung nun hin zu einer Nicht-Gültigkeit und Justiz- und Polizeistaatsvorbehalt.

      Der ‚ Knüppel frei ‚ Befehl des Berliner Polizeichefs hat die Demokratie zerstört – während der Folterknecht Schah von Persien der ‚Zauberflöte‘ lauschte…. als willkommener Staatsgast.

      Die Duplizität der Ereignisse beim G20 in Hamburg.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

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        Ulrike Spurgat
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        Endlich kann die „Lücke,“ die immer wieder diese Frage brauchte dank deiner gehaltvollen Antwort auf mein jahrelanges Suchen geschlossen werden.  Den Teil der Geschichte des Landes endlich als das zu begreifen was es ist, ist deshalb so wichtig weil sie eng mit der Geschichte jedes einzelnen Heimkindes verwoben ist.

        Danke !

        Du wirst nicht wissen welche Bedeutung das hat.

        Immer wieder hat mich bekümmert, selbst heute noch, dass wir nichts haben tun können……, wir haben nur überlebt.

        Wir waren ja meist bis zur Volljährigkeit weggeschlossen und es gab keine Außenkontakte, keine Medien, kein nix.

        Man merkte die Unruhe und erkennbare Zurückhaltung an der einen oder anderen Stelle 1968/69 in den Erziehungsanstalten und das sich irgendetwas im Land verändert. Ich war blockiert in jeder Beziehung.

        Es wurde alles zuviel.  Über den Kopf gewachsen könnte man auch sagen. Zum Einen sich dem zu stellen was  grausame Realität war und zum Anderen in eine Gesellschaft zurückzukommen wo nichts mehr so war wie man es vorher kannte.

        Es gab bis jetzt keine befriedigende Antwort. Weder die Schlaumeier Bücher noch die jahrelangen Diskussionen haben mich überzeugen können.

        Eine brillante Analyse !

        Eben geht „Pepe“ durch Herz und Kopf….Ehemaliger Präsident Uruguays der heute wieder Blumenhändler ist. Ob er noch lebt ?  22 Jahre Isolationshaft und das einfache Volk Uruguays wollte ihn zum Präsidenten. Der Film „Pepe Mujica“ ist es Wert gesehen zu werden.

         

         

         

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    Ulrike Spurgat
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    Moin Piranha,

    freu mich, dass du mich so freundlich aufnimmst. Dank dir.

    Zu „Ufuk T“:

    was ist denn bei diesem Skandal konkretes herausgekommen ?

    Da bin ich nicht wirklich fündig geworden.

    Problematisch ist, dass durch die massive Neuverschuldung des Bundes die Daumen Schrauben für die betroffenen Menschen im Hartz 4 Bezug und in der Grundsicherung noch enger angezogen werden. Entsprechend wird die Umgehensweise mit den Menschen noch ruppiger und unverschämter werden.

    Kürzlich ging es um eine Rückforderung an eine mittlerweile achtzehnjährige Frau die ca. 400 Euro aus dem Jahr 2015 an das Inkasso der BA in Recklinghausen  zurück bezahlen sollte. Behörde und Inkasso….kam mir dann aber sehr spanisch vor……Schluss endlich ging es ins Eingemachte. Es wurde gedroht und manipuliert von Inkasso Recklinghausen. Sie haben alle Register gezogen…..und verloren.

    Offensichtlich war, dass man alleine mit dem Begriff „Inkasso“ Menschen in Angst und Schrecken versetzen kann.

    Ich machs kurz.

    Die „Einrede“ wurde genutzt und die Argumentation im Widerspruch war dann folgende:

    Erst einmal liegt die Zahlung vier Jahre zurück und dadurch war sie aus meiner Sicht verjährt, da die junge Frau 2015 minderjährig gewesen ist und von daher auch kein Anspruch auf Rückzahlung von rechts wegen begründet ist, obwohl sie von Behörden Seite auf die dreißig Jahre bestehen, die für Zahlungsrückforderungen gelten sollen. Rechtlich insofern umstritten, da dies als „Flucht ins Privatrecht“ gesehen werden könnte. Für Behörden um es einfach zu sagen darf das eigentlich nicht zutreffen.

    Will sagen, dass Sachbearbeiter in den Job Centern mit „Fachanweisung“ dazu angehalten werden anhaltend weiter die Menschen, komme was da wolle unter Druck zu setzen. Selbst dann noch wenn man weiß, dass ein Widerspruch eine gute Aussicht auf Erfolg hat.

    Beste Grüße, Ulrike

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