Etwas wahnsinnig Schönes, Ermutigendes und Starkes

 in FEATURED, Friedenspolitik, Konstantin Wecker, Politik, Umwelt/Natur, Wirtschaft

Die Hilfsorganisation Human Projects hat in Nagold ihren „Löwenherz“-Friedenspreis an die Fridays-for-Future-Bewegung verliehen. Da ich 2016 selbst „Löwenherz“ Preisträger war, wurde ich gebeten, die Laudatio zu halten.
Das hab ich mit großer Freude getan.
Nach mir sprach der 18 jährige Ludwig Essig im Namen der Bewegung und ich war begeistert.
Was für eine kluge, warmherzige und sprachlich großartige Rede dieses 18 jährigen Schülers.
Diese engagierten und intelligenten jungen Menschen braucht die Welt so dringend.
Wie sagt Ludwig zu Recht in seiner Rede:
„Wir haben die größte, friedlichste und femininste Jugendbewegung, die es je gegeben hat erschaffen.
Es hat etwas wahnsinnig Schönes, Ermutigendes und Starkes, ein Teil dieser Bewegung sein zu können.“
Und ich hoffe so sehr, dass diese jungen Menschen aus den Fehlern meiner durchaus auch rebellischen Generation gelernt haben und weiter lernen werden.
Wo wir uns in blindwütigen ideologischen Kleinkriegen zerstritten haben und damit der Konterrevolution, dem Neoliberalismus mit seinen thinktanks ins offene Messer gelaufen sind, scheint diese Bewegung offen zu sein für wirkliche Gleichberechtigung: antirassistisch, pazifistisch und – ich hoffe sehr – auch anarchisch im Sinne der Utopie einer herrschaftsfreien Welt.
Ludwig geht auf ein Gymnasium bei Stuttgart und hat mir auf meine Bitte hin ein paar Stichpunkte seiner politischen Arbeit geschickt:
„Mit 15 Jahren erster Vortrag über die Gefahren einer neoliberalen Wirtschafts- und Handelspolitik (seitdem halte ich Vorträge)
Gründung des GREENTEAM Schwabenpower und einer FFF-Ortsgruppe
Sprecher Netzwerk für Gerechten Welthandel Baden-Württemberg
Sitz in kommunalem Gremium zur Erarbeitung von Wegen hin zu einer klimaneutralen Gemeinde
Mit 10 Jahren auf dem ersten Friedensmarsch 🙂
„Zukunftsmacher“ (Auszeichnung von ARD und ZDF), für Engagement gegen Patentierung von Lebewesen und Gentechnik“
Sehr gefreut hat mich, wie sehr er auch in unserer Podiumsdiskussion betont hat, dass ihm und vielen seiner jungen Mitstreiter Poesie und Musik und ja – auch meine Lieder und Gedichte – Mut machen können, zu sich selbst zu stehen und weiter zu machen.
Es geht ums Tun und nicht ums Siegen. Konstantin Wecker

Ludwig Essig (Fridays-for-Future) am 21.06.2020 in Nagold:

Wie alt sind Sie in 10 Jahren? Wie alt Ihre Kinder oder Enkelkinder?
Ich bin in 10 Jahren 28.
Warum sage ich das? Das ist genau die Zeit, die wir noch haben, um die Klimakrise einigermaßen beherrschbar zu machen. 10 Jahre. Ich finde, das ist ein überschaubarer Zeitraum. Ein Zeitraum, in dem im wahrsten Sinne des Wortes das Spiel des Lebens gespielt wird.
Es war Freitag. Irgendwann im Sommer des letzten Jahres. Es hat geregnet. Wie jeden Freitag brach ich mit meinen Freunden auf, um zum Klimastreik nach Stuttgart zu fahren.
Es ist schwer zu beschreiben, welches Gefühl sich in uns breit macht, wenn wir selbstbewusst, konsequent und wissend das Richtige zu tun von der Schule zum Streik aufbrechen. Der Rücken richtet sich auf und ein angestrengter, Interesse vortäuschender Gesichtsausdruck verwandelt sich zu einem breiten Grinsen. Von allen Seiten strömen Kinder und Jugendliche. Wir treffen Freunde, und umarmen uns, wir sind entschlossen. Auf einmal spüren wir was es bedeutet sich in einer Demokratie zu befinden, was es bedeutet aufzustehen. Jeden Freitag aufs Neue können wir ein bisschen Utopie schnuppern.
Eine Klassenkameradin schrieb mir am Abend, nach ihrem ersten Streiktag, dass sie immer noch Gänsehaut hätte, wenn sie daran zurückdenkt, mit so vielen tollen Menschen gemeinsam für ihre Zukunft eingestanden zu sein.
Und es ist ja wirklich so, diese Bewegung, die entweder den letzten Aufschrei oder einen radikalen Wendepunkt markiert, hat so viel Potenzial. Wir haben die größte, friedlichste und femininste Jugendbewegung, die es je gegeben hat erschaffen.
Es hat etwas wahnsinnig Schönes, Ermutigendes und Starkes, ein Teil dieser Bewegung sein zu können. Dieser For Future Bewegung. Einer sich für die Zukunft einsetzenden Bewegung. Nie sind auf der ganzen Welt so viele Menschen gleichzeitig, friedlich, solidarisch auf die Straße gegangen, um für das blanke Überleben zu demonstrieren.
Wir leben in Zeiten, in denen sich Menschen Ihre ganz eigenen Realitäten erkaufen, in Zeiten, in denen es wärmer wird und trotzdem oder auch deswegen eiskalt ist.
Die größten Demütigungen sind für uns die Begrüßungen, das Lob von Menschen, die das alles ganz süß finden, aber letztendlich uns als naive Spinner abtun. Wir sind keine kleinen Kinder, die mal eben ein schönes Theaterstück aufführen. Wir sind eine Millionenbewegung, die sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft macht. Es mag einigen vielleicht nicht gefallen. Aber den Hambi hätten wir nicht gerettet, wenn wir nur samstagnachmittags Hand in Hand um den Marktplatz getanzt wären. Außergewöhnliche Herausforderungen benötigen außergewöhnlich viele, vielfältige, große und kleine Antworten!
Wir erleben eine Politik, die ernsthaft versucht, sich aus dieser Krise herauszukaufen. Doch dabei vergisst, dass wir in dieser Krise stecken, weil wir nur gekauft haben. Wir leben in einer Zeit, in der man uns weismachen möchte, es sei zu teuer die Welt zu retten. Und gleichzeitig Milliarden an Steuergeldern für die Rettung von Klimakillerkonzernen wie der Lufthansa oder RWE verprasst werden.
Es scheint als würden wir im Kolonialismus leben. Deutschland bezieht für Datteln, welches ohne Zweifel ein klimapolitisches Vollversagen darstellt, viele Millionen Tonnen Steinkohle aus Kolumbien und Sibirien. Ich übertreibe leider kein bisschen, wenn ich sage, dass es sich dabei um Blutkohle handelt.
Dass Menschen brutal von ihrer Heimat vertrieben werden, Natur- und Kulturlandschaften der Kohle rücksichtslos geopfert. Das kennen wir schon von Deutschland. Auch bei uns erleben Menschen, die sich gegen dieses System stellen Repressionen. Unzählige Geschichten aus dem Rheinland gäbe es zu erzählen. Aber in *diesen* Regionen werden Menschen erschossen, verschleppt und gefoltert, wenn sie diesem rücksichtslosen Raubbau im Weg stehen. Und das sind nur die direkten, die praktischen Folgen der Klimakrise, beziehungsweise der Ursachen.
Längst haben wir erkannt, dass die Klimakrise nicht „nur“ eine ökologische Krise ist. Wir haben es mit einer humanitären Krise, einer Friedens- und Gerechtigkeitskrise zu tun. Nur was hilft das Verstehen, wenn das Verständnis fehlt?
Wer sich die Weltkarte anschaut, wird schnell feststellen, dass der globale Norden emittiert und der globale Süden verliert.
So werden die Ärmsten dieser Welt, die weitgehend unschuldig an der Klimaerwärmung sind, als Erstes und am heftigsten von deren Folgen getroffen. Sie müssen ihr weniges Hab und Gut zurücklassen und in eine ungewisse Zukunft fliehen. Die Industriestaaten, mit etwa 80 Prozent an den historischen Treibhausgasen die Hauptverursacher der Klimazerstörung, lassen den Opfern ihres unverantwortlichen Treibens kaum humanitäre Hilfe zukommen und schotten sich zudem vollkommen gegen Klimaflüchtlinge ab.
Arno Gruen schreibt in „Verratene Liebe – Falsche Götter“: „Wir glauben unser Denken sei realistisch, wenn es von Mitgefühl befreit ist, von der Fähigkeit, Schmerz zu teilen, Leid zu verstehen, und vom Gefühl der Verbundenheit mit allen Lebewesen.“
Schon heute fliehen über 20 Millionen Menschen aufgrund der klimatischen Veränderungen und deren Folgen. Bis 2040 werden 200 Millionen Menschen aufgrund der Klimakrise auf der Flucht sein.
Wir sind immer so stolz auf die Erfindung der Menschenrechte, praktizieren political correctness, engagieren uns heldenhaft, wenn es irgendwo in Afrika Überschwemmungen oder eine Dürre gibt. Wir beschließen militärische Interventionen, um die Demokratie zu verbreiten. Und übersehen dabei unsere Geschichte. Übersehen, dass unsere westlichen Demokratien auf einer Geschichte beruht, die von ethnischer Säuberung, Völkermord und Plünderungen nur so strotzt.
Die Klimakrise ist nun das physikalische, ökologische und chemische Resultat, die Antwort der Erde, auf diesen Hunger nach immer mehr. Nach immer mehr Wohlstandsschrott, immer mehr individuellem Verkehr, immer schnellerem Erreichen von Zielen und immer gesteigerten Erwartungen.
Wir sind an dem Punkt angekommen, an dem wir durch unser Zerstören selbst zerstört werden.
Ich sprach von erkauften Realitäten und dem vermeintlichen Realismus. Doch die besseren, die die sich vermeintliches Glück, Erfolg und kurzfristige Liebe erkaufen können, die werden dumm schauen, wenn wir alle zusammen helfen und teilen, solidarisch sind und mitfühlen. Sie werden dann am Rand stehen und vermissen.
Wenn alles schwarz ist, müssen wir bunt malen. Denn eine Welt ohne Vertrauen und Mitgefühl wäre zugegebenermaßen ebenso eine Scheinwelt.
Eine Scheinwelt, die von den Theorien Hobbes nur so strotzen würde. In dem Buch „Mönch und Krieger“ heißt es hierzu, die Vorstellung der Mensch sei dem Menschen Wolf ist eine bloße Rechtfertigung des Neoliberalismus, für deren geschürte Brutalität. Wie wahr. Harald Welzer spricht berechtigterweise von Klimakriegen, wenn er sich die Frage stellt, für was im 21. Jahrhundert getötet wird.
*Wir* haben *noch* die Chance, unseren Mund aufmachen zu können, ohne gleich erschossen zu werden.
Es scheint geradeso, als dass wir vor lauter Demut vor diesem Privileg verstummt sind. Es wird dringend Zeit, dass wir das Widerstehen wieder lernen.
In der Biologie spricht man von rudimentären Organen. Es handelt sich hierbei um im Laufe der Evolution verkümmerte Teilstücke oder Organe von Lebewesen. Zum Beispiel haben nur noch 5 % der Menschen in ihrem Kiefer Platz für Weisheitszähne. Alle anderen müssen diese schmerzhaft entfernen lassen.
Wenn man etwas nicht mehr verwendet, *vermeintlich* nicht mehr benötigt oder lebt, dann schafft es sich ab. So ist es mit der Empathie, mit der Fähigkeit, über das hinaussehen zu können, was außerhalb des Alltags liegt. So ist es mit der Solidarität, der Demokratie, der Liebe und der Gerechtigkeit.
Adrian Raftery von der Universität Washington hat berechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass wir es schaffen, die globale Erwärmung unter zwei Grad zu halten. Sein Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit liegt bei fünf Prozent.
Ich möchte es ganz deutlich sagen: *Diese* Party ist vorbei. Diese Party des Wachstums, der Ausbeutung.
Die Klimakriege haben begonnen. In Darfur kämpfen Normaden und Landwirte gewalttätig um die Ressourcennutzung in der Landwirtschaft, in anderen arabischen Regionen herrscht Krieg um den letzten Tropfen Öl, und auch in Orten Italiens kommt es vor, dass Einheimische mit Touristen ums Wasser streiten müssen.
Auch wenn die Chancen schlecht stehen, auch wenn die Klimakrise kaum noch zu stoppen ist: Noch können wir das Schlimmste verhindern.
Darum ist es die Pflicht jedes einzelnen, dies als Herausforderung anzunehmen und sich zu entscheiden. Zukunft: Ja oder Nein.
Und Entscheidungen trifft jede und jeder täglich. Wenn man sich fortbewegt, wenn man einkauft, wenn man wählt, wenn man auf die Straße geht oder auf der Couch liegen bleibt. Wenn ich mich entscheide mehr Gemüse zu essen, entscheide ich mich, weniger Fleisch zu essen. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir bewusst Entscheidungen treffen.
Denn wenn ich davon spreche, dass diese Party vorbei ist, soll das nicht heißen, dass es gar keine mehr gibt. Wir werden in den nächsten zehn Jahren große Veränderungen erleben. Und auch wenn alles weniger werden muss, werden wir auch sehr viel gewinnen. An Zeit, Gesundheit und Lebensqualität. Ohnehin haben wir die Wachstumsgrenzen längst erreicht. Egal ob psychisch, ökologisch oder ökonomisch. Wir werden uns auf Feste ohne Katerstimmung und schlechtes Gewissen einstellen können. Auf Feste voller Mitgefühl, Zärtlichkeit, Akzeptanz, Vorsicht und Einsicht.
Wäre es nicht wunderschön, wir könnten uns in zehn Jahren noch einmal treffen und sagen wir haben es geschafft?
Ich möchte mich für die Aufmerksamkeit und die Ehrung unser aller Bewegung sehr bedanken.
Lasst Euch nicht alles gefallen, passt auf Euch auf, bleibt oder werdet gesund. Wir brauchen jede und jeden einzelnen von Euch.

https://fridaysforfuture.de/

Showing 14 comments
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    Katrin Crossley
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    Großartig. Vielen Dank!
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    Ulrike Spurgat
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    Zu diesem Preis kann man herzlich gratulieren, was ich hiermit tue.

    Weiterhin viel Erfolg und ein mutiges Löwenherz.

    Auffallend ist allerdings, dass ich nie habe erkennen können, wo die Kinder und Jugendlichen bei der Bewegung Fridays for future der Klasse sind die mir besonders am Herzen liegen, nämlich die aus Arbeiter – und Alleinerziehenden Haushalten kommen, aus Familien wo Eltern sich mit zwei und mehr Jobs über Wasser halten und ihre Kinder nicht weniger lieben, wie die, die aus den vollen schöpfen.

    Nun, es sind die Kinder/Jugendlichen die sich dort versammelt haben deren Eltern meist grün wählen, in kernsanierten Altbauwohnungen leben, wo weit und breit keine Geflüchteten Familie in der Nähe wohnen. Sie gehen aufs Gymnasium und haben von Beginn ihres Lebens an eine Perspektive die andere Jugendliche sich meist erst bitter erkämpfen müssen. Es ist die Generation, die seit Kriegs Ende die Generation ist, wie keine andere für Vereinzelung und einen Individualismus steht der seinesgleichen sucht.

    Was ist eigentlich in unserem Land los ? Wieder, wie bei vielen Beiträgen, die ich hier lese liegt der Fokus bei dem was in der Welt geschieht. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Internationalismus.

    Gut, es geht also um Werte wie unschwer zu bemerken ist.

    Wenn dem so ist hat das Kind, der Jugendliche, der arme Mensch, der alte kranke Mensch, der obdachlose Mensch genau soviel an Beachtung, an Liebe und Zuneigung und Interesse verdient, wie all die Menschen, der UNHCR spricht von über 83 Millionen Menschen, die sich auf der Flucht befinden.

    Deutschland als drittgrößter Waffenhändler hat Schuld und trägt Schuld, dass die Menschen ihre Heimat verlassen. Der Jemen blutet aus und Deutschland liefert Waffen (Rheinmetall) nach Saudi Arabien, die dort einen unvorstellbaren und grausamen Krieg gegen das Volk führt. Tausende Kinder sterben und sterben und die Welt schaut zu. Pfui Teufel !

    Ein Aufstehen gegen die Militarisierung, gegen Defender 2020, gegen die Genital Verstümmelung von Tausenden von Mädchen, (auch in Deutschland), gegen Gewalt an Frauen (die Frauenhäuser sind komplett überbelegt). Es gibt 6000 im Land. Jede 2. Frau erlebt sexuelle und körperliche Gewalt. Die Gewalt an Frauen ist so unfassbar, dass im Jahr 2018/19 die Zahl der toten, der ermordeten Frauen fast täglich eine Frau an den Folgen von Gewalt stirbt. (Statistik: BKA) Die Dunkelziffer ist um einiges höher. Gegen die unsäglichen Hartz Gesetze, gegen das Allein lassen von pflegenden Angehörigen. Gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung. Bereits heute wird Hunderttausenden der Strom abgestellt, weil das Geld, dass im Hartz 4 Satz, dafür vorgesehen ist natürlich niemals reichen kann, denn Erhöhungen für Strom sind nicht vorgesehen, auch wenn die Strompreise explodieren.

    Vor allem aber würde mich brennend interessieren, wer das denn alles bezahlen soll ?

    Die Ärmsten der Armen, wie immer. „Den letzten beißen die Hunde.“

    Man kann nicht das eine tun und das andere unterlassen.

    Ein aus meiner Sicht notwendiger Kommentar der aber bitte nicht falsch verstanden werden möchte.

    Mir geht es immer um Krieg und Frieden und um die große, soziale Frage.

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      Holdger Platta
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      Liebe Ulrike,

      vielleicht habe ich an der einen Stelle Deinen Kommentar nicht richtig verstanden, doch die folgenden Textpartien – von mir in Fettdruck gesetzt – klingen für mich so, daß wir uns gar nicht (oder: nur zuwenig?) mit dem Schicksal der Flüchtlinge befassen:

      „Was ist eigentlich in unserem Land los ? Wieder, wie bei vielen Beiträgen, die ich hier lese liegt der Fokus bei dem was in der Welt geschieht. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Internationalismus.

      Gut, es geht also um Werte wie unschwer zu bemerken ist.

      Wenn dem so ist hat das Kind, der Jugendliche, der arme Mensch, der alte kranke Mensch, der obdachlose Mensch genau soviel an Beachtung, an Liebe und Zuneigung und Interesse verdient, wie all die Menschen, der UNHCR spricht von über 83 Millionen Menschen, die sich auf der Flucht befinden.“

      Hast Du meine drei letzten Berichte zu unserer GriechInnenhilfe gelesen? Vielleicht überraschend für Dich: in allen diesen Texten habe ich das Schicksal der Flüchtlinge angesprochen und deren Behandlung durch Europa und die griechische Regierung unter anderem als verbrecherisch bezeichnet.

      Ansonsten (klar doch): ruhig auch weiterhin kritisieren, wenn es aus Deiner Sicht was zu kritisieren gibt! Derart sachliche Kritik ist immer hochwillkommen bei uns!

      Holdger

       

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      Freiherr von Anarch
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      Sehr richtig – Ulrike – und notwendige Kritik trotz alledem.

      So notwendig und erfeulich diese Bewegung ist, sie nimmt die Ausgegrenzten, Verarmten, Zwangsprekarisierten, Entrechteten, Schwachen, Chancenlosen, Politischen Gefangenen u.u.u nicht mit !

      Es ist überwiegend eine sozial-elitäre Bewegung, wie die ‚Grünen‘ eben auch, die sich mit der Politik zwar anlegt, sich von dieser aber adoptieren lässt – und schon ist es vorbei mit wirklicher Revolution.

      Und auf der Strecke bleiben alle in der Unterschicht gefangenen sowieso, können nicht mal mitreden, obwohl gerade diese alle Last des Unrechtssystems zu tragen haben.

      Wie der junge Redner, der hier so hoch gelobt wird, von einer ‚wunderbaren Demokratie‘ reden kann, trotz Intelligenz !? – das zeigt schon auch diese gewisse Verblendung und Ahnungslosigkeit von den tatsächlichen Zuständen und Verhältnissen in diesem Land, wie sie gerade in der abgesicherten Schicht vorherrscht.

      Wirkliche Revolution, die genau das verändern müsste ( wenigstens in der Absicht) was am Notwendigsten ist: das Soziale Unrecht – dürfte nicht mal in die Nähe einer Preisverleihung kommen, dürfte niemals politischer Pragmatik des Systems auf den Leim gehen.

      Eine Revolution, die diejenigen nicht mitnimmt, die einer Revolution am meisten und notwendigsten bedürfen – ist keine, ist kein Klassenkampf, ist lediglich ein Klimakampf und das ist nicht genug !

      Eine Revolution, die einer abgesicherten, elitären Schicht entspringt, würde ganz einfach auch über die abgehängte, entrechtete hinwegmarschieren – aber so weit wird es ja nicht kommen, denn diese Bewegung hat sich auf das Herrschaftssystem eingelassen, Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrecht jedoch sind nicht verhandelbar.

       

       

       

       

       

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        Ulrike Spurgat
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        Beeindruckend ist der kluge Text den ich eben lese. Danke

        Erich Mühsam geht durch die Gedanken und in einem seiner „Schätze“ finde ich folgendes:

        Erich Mühsam, der kommunistische Anarchist ( wie er sich selbst bezeichnete), war überall dort zu finden, wo gekämpft wurde , überall dort, wo es galt Bedrängten zu helfen, ihnen Unterkunft zu gewähren, ihnen ein Stück Brot, ein Hemd, ein Paar Schuhe zu beschaffen.

        Erich Mühsam, der bissige Spötter, der „letzte Bohemien,“ kannte nur eines das ihm heilig war, eines vor dem auch sein allzeit bereiter Spott haltmachte: die proletarische Solidarität.

        Entnommen: Zur Psychologie der Erbtante, Seite 275,  Satirisches Lesebuch 1900 – 1933, Eulenspiegel Verlag Berlin

        Abschließend einige Worte des Erinnerns an ihn, der in vielen Köpfen und Herzen unvergessen ist.

        Erich Mühsam, Räterevolutionär, Anarchist, Schriftsteller, Dichter, Poet und noch vieles mehr, aber vor allem war er ein unbeugsamer und kompromissloser Kämpfer der Arbeiterbewegung und ihrer Freunde.

        Sein Einsatz für politische Gefangene war beispiellos.  Die RHD (Rote Hilfe) hatte sich sehr für ihn eingesetzt, war aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht strömungsübergreifend organisiert. 1921 setzte eine erneute Verhaftungswelle gegen die kämpfende Arbeiterklasse ein und die KPD rief zur Gründung von Rote-Hilfe-Komitees auf, die dann 1924 in der Roten Hilfe Deutschlands zusammen gefasst wurden.  Bis 1932 erreichte die Mitgliederzahl von bis zu einer Millionen. Kommunisten, Anarchisten, Linke , parteilose, sie alle einte der unbedingte Willen, nicht nur den politischen und materiellen Beistand für die Kämpfer, die eingekerkert waren zu organisieren, sondern auch für deren Familien, die meist völlig mittellos dastanden, wenn die Hauptverdiener weggesperrt oder ermordet worden sind.

        Zwistigkeiten, mit einigen Kommunisten , wobei Wilhelm Pieck sich eindeutig auf die Seite von Erich Mühsam stellte und sich dort sehr klar positionierte machte Erich Mühsams Haltung deutlich:

        „An den Kerkertoren hat der Bruderzwist zu schweigen.“

        In der Münchner Räterepublik 1919 und nach deren blutigen Niederschlagung am 12. Juli 1919 standrechtlich zu fünfzehn Jahren Festungshaft verurteilt kam er 1920 nach Niederschönenfeld, wo sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechterte und er schließlich sein Gehör auf einem Ohr verlor. 1919 entstand unter dem Eindruck von Haft, Brutalität, Willkür und unerschütterlicher Kühnheit und dem Kampfesmut sein bis in die heutige Zeit berühmtes Gedicht: „Der Gefangene.“

        Intensiv befasste Erich Mühsam sich in der Haft intensiv mit juristischen Fragen, um Gefangenen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, ihnen die notwendige Beratung für bessere Haftbedingungen zu geben. 1923 erschien die Broschüre: „Das Standrecht in Bayern,“ wo er sich fundiert und wissend mit dieser Sonderjustiz auseinandersetzte.

        1924 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand bedrohlich und die RHD mobilisierte alles was möglich war mit dem Aufruf: „Rettet Erich Mühsam“

        Tausende Mitstreiter setzten sich für seine Freilassung ein und am 20.Dezember kam Erich Mühsam und andere Räterepublikaner frei, reiste nach Berlin, wo sie sehnlichst von all  denen erwartet wurden, die sie nicht im Stich gelassen hatten.

        Einige Jahre später, das Jahr, wo der Reichstag brannte erinnert sich Klaus Mann in seinem Buch „Der Wendepunkt“ an jene Tage:

        „Zwischen einem Tango und einem Walzer erzählte man sich die neuesten Schreckensnachrichten aus Berlin. Wir tanzten im Regina-Palast-Hotel, während in der Hauptstadt das Reichtagsgebäude in Flammen stand. Wir tanzten im Hotel Vier Jahreszeiten , während die Brandstifter Unschuldige des Verbrechens bezichtigten , das sie begangen hatten. Das war am 28. Februar – Faschingsdienstag – , und tags darauf war Aschermittwoch.

        Als der Anarchist Erich Mühsam, der Pazifist Carl von Ossietzky und der Kommunist Ernst Thälmann von der Gestapo verhaftet wurden, kehrte man in München Luftschlangen und Konfetti von den Straßen. Man war verkatert. Der Fasching war vorüber.“

        Ossietzky, Mühsam und Thälmann wurden zusätzlich in den Konzentrationslagern gequält, gedemütigt, gefoltert, bespuckt und getreten. „Sonderbehandlung“ hieß das bei der SS. Erich Mühsam, der Anarchist und Jude war, ihn hatte die SS, sie nannten ihn der „Rote Jude“ wie auch Ossietzky, der „Bonzen-Häftling“ genannt wurde und Teddy als Kommunist auf dem Kieker und man mag sich nicht vorstellen, was sie mit Hunderttausenden Frauen und Männern zu erleiden und zu erdulden hatten.

        Der unvergessene Leidensweg von Erich Mühsam geht weiter und weiter und endet mit der Häftlingsnummer: 2651 im Konzentrationslager Oranienburg, wo die SS ihn bestialisch ermordete und die Öffentlichkeit mit Lügen und Manipulation über seinen Tod hinter die Fichte führte.

        Ein Augenblick in die Geschichte.

        Ruhe in Frieden, Erich Mühsam, Carl von Ossietzky und Ernst Thälmann.

         

         

         

         

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    Volker Schad
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    Wunder-voll! Danke jetzt schon mal allen für die tollen 10 Jahre voller Engagement, die vor uns liegen, bis wir feiern können, dass wir es geschafft haben! Wir schaffen das!🤩❤
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    Ulrike Spurgat
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    Es ist meist schwierig sich so auszudrücken, dass es beim Anderen so ankommt, wie es überlegt, gedacht und dann ausgesprochen wird.

    Missverständnisse sind nicht selten, wenn man nicht an einem Tisch sitzt und sich in die Augen sehen kann.

    Mit großem Interesse lese ich hier und käme niemals auf die Idee zu schreiben, wenn es mir nicht wichtig wäre das zu tun. Erst einmal erkenne ich ohne wenn und aber die lange und tragende Arbeit, insbesondere was Griechenland angeht ganz selbstverständlich als das an was es ist: Ein Akte der Humanität, der Menschlichkeit und der Solidarität mit einem Volk, dass immer noch leidet an den Folgen dieser unsäglichen Austeritäts Politik, die Deutschland mit dem Giftzwerg Schäuble mit zu verantworten hat. Sehenden Auges hat man zugesehen, wie ein ganzes Volk in den Abgrund stürzt, weil es ihnen wichtiger war die deutschen und französischen Banken zu retten. Man kann sie nur verachten.

    Da ich Freunde dort habe freut es mich umso mehr.

    Es ging mir überhaupt nicht darum weder Eure wichtige und bewundernswerte Arbeit zu kritisieren noch in Frage zu stellen.

    Ich schreibe das was ich bemerke, stelle es in den Kontext, denke allerdings vorher, meist gründlich darüber nach und bediene mich dann „meines eigenen Verstandes.“

    Es handelt sich bei dem Kommentar um das, was ich in der Gesellschaft als zu erkennen notwendig ansehe.

    Mit dem, was ihr daraus macht kann ich nichts anfangen, weil es den Kern nicht trifft bei dem was ich sagen will.

    Ich hatte kürzlich bereits den Eindruck, dass ihr Leute wie mich, igitt ein Kommunist nicht in eurer illustren Runde haben wollt, obwohl es mir völlig fern liegt irgendjemanden belehren oder gar missionieren zu wollen. Das konnte ich noch nie leiden. Ihr seid doch keine Sekte und man muss doch Leute, die sich bewusst für einen anderen Weg, die die Welt, die Gesellschaft, den Menschen eben anders denken und erkennen entschieden haben ohne wenn und aber akzeptieren können. Für mich ist das kein Problem dieses zu tun und Befindlichkeiten spielen ehrlich gesagt keine große Rolle. Hat sich jemand auf den Schlips getreten gefühlt kann das getrost abgehakt werden.

    Zugegebenermaßen hätte ich mich möglicherweise klarer ausdrücken sollen. Ich habe nur das auf den Tisch gelegt, dass die Medien im Land meist geflissentlich verschweigen: Nicht mehr und nicht weniger. Von daher kann ich nicht einordnen, wie ihr was verstehen wollt. Keinen Gedanken hatte ich bezüglich über die Inhalte gedacht die Euch auszeichnen und mich motivieren hier zu lesen und auch zu schreiben.

    Ich hab nur eine andere Sicht und die muss man aushalten, oder aber mir in dem Fall ganz klar zu sagen, dass ihr mich nicht dabei haben wollt, dann werde ich selbstverständlich von dannen ziehen.

    Nochmal, meine Hochachtung und meine Anerkennung sind Euch und Euren kompetenten Mitarbeitern mehr als gewiss und ich werde mich bemühen klarer zu schreiben, denn wie gesagt, es ging dabei nicht um eine Kritik an Euch, eurer Arbeit, sondern um die rasende Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse der vergangenen Jahrzehnte. Dieses hätte ich klar benennen müssen. Manchmal schreibe ich mich so in Rage und dann kann etwas falsch verstanden werden.

    Ich brauche und suche keine Konfrontation, schon gar nicht dann, weil ich nicht, trotz verschiedener Bewertungen und Sichtweisen euer Feind bin.

    Es sollen einfach nicht die vergessen werden, die es in diesem Land und sowieso sehr schwer haben und auf deren Seite ich immer stehe, von Beginn an und auch mein ganzes pädagogisch, psychologisch und therapeutisches Berufsleben. Kompromisslos.

    Macht weiter und meine Wertschätzung ist euch sicher, denn ich sehe keinen Grund Euch nicht wohlgesonnen zu sein.

    Danke für die Aufmerksamkeit.

    Solidarische Grüße, Ulrike

     

     

     

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    ert_ertrus
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    Da bin ich d´accord mit Ulrike S. und dem Anarchobaron: wer die Abgehängten unserer Gesellschaft (Los Olvidados wie der gleichnamige Buñuel-Filmklassikertitel – zumindest ich sehe da viele Parallelen …) nicht mitnimmt, entwertet seinen Protest zur Privatangelegenheit qua Sicherung seiner gehobenen Lebensqualität. Immerhin kommen die FFF-Kids meistens aus Wohlstandshaushalten mit einem enormen ökologischen Fußabdruck, wie ihn arme Haushalte gar nicht erst hinterlassen könnten. Wie viele Flugkilometer legt ein Grusi-Rentner wohl im Lauf eines Jahres zurück? Und fährt ein Familienvater auf H IV etwa einen Fastdreitonner-Straßenpanzer? Und wer bewohnt die alten Kieze, die luxussaniert wurden? Wer schickt seine Kids auf Privat- und Waldorfschulen, während die Armen mit maroden Brennpunktschulen bildungsmäßig abgespeist werden, in denen konzentriertes Lernen kaum möglich ist! À propos Klimaschutz: hat hier schon jemand über die soziale Klimaverschmutzung durchs Privat-TV nachgedacht, die m. E. ebenso verheerende Folgen zeitigt wie der Klimawandel? Und generell: die soziale Klimakatastrophe, die weltweite Folgeschäden zeitigt, die kaum noch zu beheben sind?
  • Avatar
    heike
    Antworten
    Die Weichen für  neue Arten der schadstoffarmen und CO2-neutralen Energiegewinnung können nur dort gestellt werden, wo die Entscheidungen gefällt werden. Und wenn sich Jugendliche, die später auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können und wollen, für eine umwelt- und klimafreundliche Gesellschaft engagieren, dann kann das nur gut für uns alle sein.

    Niemand verbietet irgendjemanden wegen seiner Herkunft die Teilnahme an Fridays for Future-Veranstaltungen. Und niemand wird ärmer oder sozial abgehängter werden, wenn er sich für gesellschaftliche Umweltbelange interessiert.

    Deshalb verstehe ich die Diskussion nicht. Leute mit sehr wenig Geld sparen sowieso schon Energie und leben CO2-ärmer: die Heizung wird nicht so hoch gedreht, man fliegt nicht oder sehr selten mit dem Flugzeug, man hat kein Auto.

    Wenn sich Leute aus der Mittel- und Oberschicht für Umweltbelange interessieren, dann können sie freiwillig die Heizung runterdrehen, Flugreisen einschränken, ihren Konsum einschränken, ihre Ernährung umstellen – der Spareffekt ist also viel größer.

    Aber ich glaube, es geht bei dieser Diskussion auch um Neid, um das Gefühl des Abgehängtseins und keine Chance zu bekommen. Wahrscheinlich setze ich mich jetzt wieder in alle Nesseln – doch ich kann das nicht ganz nachvollziehen und glaube immer noch, dass man eine Chance bekommt, wenn man sie haben will. Was ich nachvollziehen kann, ist das Gefühl, zu all den strahlenden und enthusiastischen und klugen jungen Leuten nicht dazuzugehören, weil man sich selbst gerade gar nicht so strahlend fühlt oder weil man andere Probleme als Umweltfsorgen hat. Sich Gedanken um die Erderwärmung und ihre Folgen zu machen, ist schon sehr weitsichtig und man braucht dazu auch eine gewisse Freiheit von unmittelbar drückenden Sorgen und Problemen. Die Folgen sind zwar schon spürbar, aber Geldsorgen oder familiäre Probleme können die Jugendlichen noch viel mehr belasten.

    Was kann von staatlicher oder gesellschaftlicher Seite aus getan werden? Der Mindestlohn ist wieder etwas erhöht wurden. Man kann eine gute Schulbildung und Betreuungen und Arbeitsgemeinschaften nach Schulschluss anbieten (Ganztagsschulen). Man kann immer mehr prekäre Beschäftigungsverhältnisse (wie bei Tönnies) aufspüren und diese unmöglich machen, also die Arbeitnehmer vor unmenschlicher Ausbeutung schützen.

    Wenn sich Jugendliche und Kinder in Umweltorganisationen treffen, öffnen sich für sie sicher Türen, die sie zuvor gar nicht gesehen oder vermutet hätten. In einem Freiwilligen ökologischen Jahr kann man z.B. da reinschnuppern, wenn man will.

     

     

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      Ulrike Spurgat
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      „Aber ich glaube, dass es bei diesen Diskussionen um NEID geht.“

      Ist das denn ernst gemeint ???

      „Jeder ist seines Glückes Schmied“ Jeder ist sich selbst der Nächste,“ Du musst nur wollen usw…….Bla bla bla.

      Isolation und Ausgrenzung können ganz erhebliche Folgen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen haben, dazu gäbe es einiges zum schreiben.

  • Avatar
    heike
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    Noch der obligatorische Nachtrag (tut mir leid):

    Es geht ja auch nicht darum, jemanden zum Umweltschützer zu verdonnern und allen, die das nicht tun, ein grottenschlechtes Gewissen einzureden.

    Es muss schon ein inneres Interesse daran vorhanden sein (weshalb sich eben wohl viele Jugendliche, die schon von Kindheit an in ihrem Elternhaus dafür sensibilisiert wurden, in der Organisation engagieren), und auch die Freude, dafür einzutreten. Ist doch besser als wenn man Angst haben müsste, bei Fridays for Future mitzumachen. Manche haben das vielleicht. Dann kann man sich natürlich auch fragen, welches gesellschaftliche Problem wir haben und wie die Lösungsstrategien dafür aussehen: Arme gegen Besserverdienende aufhetzen? Und wird das die Armut beenden? Oder den Kapitalismus? Der Kapitalismus wird sich nicht wie vor über 100 Jahren durch Barrikadenkämpfe ins Jenseits befördern lassen. Der Kapitalismus wird sich ändern, wenn sich genügend Menschen geändert haben. Und ich denke, dass das passiert gerade.

     

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    heike
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    Und noch ein Wort zum Kommunismus:

    Der Kommunismus will Ausbeutung abschaffen und soziale Gerechtigkeit herstellen, indem alles private kapitalbildende Eigentum abgeschafft wird. Dann muss dieses Eigentum gemeinschaftlich verwaltet werden. Oder es wird von einer Regierung verwaltet. So ist das in China. Und auch dort gibt es sehr Reiche und sehr Arme und v.a. auch viel Ungerechtigkeit. Wer nicht „spurt“ wird aussortiert, fremde Länder ,wie z.B. Tibet, werden einfach annektiert. Das hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Für mich hat China sowieso überhaupt nichts mit dem Kommunismus zu tun, der als Jugendliche mal mein Ideal war: eine gerechte Gesellschaft ohne Kriege und Ausbeutung.

    Menschen brauchen einen gesetzlichen Schutz vor unmenschlischer Ausbeutung und unsere Natur braucht dasselbe. Das ist notwendig, solange es noch Menschen gibt, die so etwas nicht freiwillig schützen. Und zur Zeit gibt es davon noch sehr viele Menschen und dazu ein Wirtschaftssystem, dass auf Ausbeutung angewiesen zu sein scheint. Aber das ist nicht so – und deshalb muss man die schwarzen Schafe aussortieren – per Gesetz (genauso wie die Steuerhinterzieher europaweit: https://sven-giegold.de/ep-anti-geldwaesche-resolution/ ).

     

     

     

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    ert_ertrus
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    Das setzt aber voraus, dass sich sozial (Ab)gehobene(re) auch mit den Lebenswelten der Mitmenschen im Souterrain oder im Keller des eigenen Landes (!) auseinander zu setzen bereit sind –was derzeit kaum (und fast ausschließlich im wissenschaftlichen oder medialen Diskurs – im Letzteren häufig despektierlich bis sozialrassistisch) stattfindet. Vielleicht riecht es ihnen dort zu streng … Und es fehlt an gegenderter Sprache …

     

    Der Kapitalismus wird sich ändern, wenn sich genügend Menschen geändert haben. Und ich denke, dass das passiert gerade.

    Wishful thinking, sweet dreams 😉

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    c.g.
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    Sehr schön. Dann ist ja alles in Butter auf dem sinkenden Kutter!

     

    Drosten hat ja für seinen Podcast auch den Grimmepreis erhalten…..

     

    Was wollen wir trinken?

     

    https://m.youtube.com/watch?v=XrC8UCRhHgg

     

     

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