Höchste Priorität: Krieg

 In FEATURED, Konstantin Wecker, Politik

Die alte und die neue Verteidigungsministerin stehen für einen neuen Militarisierungsschub in Europa. Jeder, der sich dem Leben, nicht dem Tod, verpflichtet fühlt, muss gegen diesen gefährlichen Wahnsinn jetzt aufstehen. Grußbotschaft Konstantin Weckers anlässlich der heutigen Demonstration in Tübingen (Friedensstadtwoche Tübingen/Stuttgart 19.-21. Juli 2019, Infos zu den Veranstaltungen hier).  Konstantin WeckerLiebe Freundinnen und Freunde des Friedens,

wir wissen jetzt, was in der Politik „höchste Priorität“ hat: Es sind nicht die Nöte der wachsenden Zahl von Armen im Land; es ist nicht der furchtbare Rechtsruck, dieser Vormarsch der Unmenschlichkeit in der Flüchtlingspolitik; es ist nicht der Kollaps unseres Ökosystems, der unser aller Überleben bedroht – nein: höchste Priorität hat von nun an die Bundeswehr. Wir haben dies von unserer neuen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer erfahren. Töten und Sterben quasi als das neue Supergrundrecht in Deutschland.

Hierzu muss man sagen: Wenn schon die Bezeichnung des Amtes, „Verteidigungsministerin“, eine Lüge ist – denn wo wird Deutschland derzeit in seinen Grenzen angegriffen? –  wie sollte man da von der Amtsinhaberin Ehrlichkeit verlangen?  Frau Kramp Karrenbauer will auf Biegen und Brechen Kanzlerin werden und sich dabei als Scharfmacherin positionieren – auf dem Rücken der Kriegsopfer. Selbst dem Zwei-Prozent-Ziel des Amok-Präsidenten Trump kann sie etwas abgewinnen. Mehr Geld für Bomben statt für die Sanierung von Schulen, um Bäume zu pflanzen und weniger leistungsfähigen Menschen ein würdiges Auskommen zu sichern. In welcher Epoche leben wir eigentlich? Das schöne Gelöbnis vieler Menschen im Angesicht der Trümmer des Zweiten Weltkriegs, „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“, es wurde nach nur 70 Jahren pervertiert in „Gern wieder Krieg – und gern auch ein bisschen Faschismus“.

Die Heuchelei unserer Machthaber und zunehmend auch Machthaberinnen ist ohne Maß. „Bleiben Sie behütet!“, hat Ursula von der Leyen, die aufgrund rätselhafter Hinterzimmer-Absprachen demokratiewidrig auf den Posten der mächtigsten Europäerin gehievt wurde, den Soldaten als letzten Tagesbefehl ans Herz gelegt. Es ist ja schon eine Absurdität, dass man Behütetsein „befehlen“ kann. Aber sich gegenüber Menschen, die man ohne Skrupel in den Tod schicken würde, als Beschützerin aufzuspielen – das ist dreist. Nein, was von derartiger „Politik“ zu halten ist, hat mein Kollege Udo Lindenberg treffend auf den Punkt gebracht: „Sie machen Menschen zu Mördern und labern vom Sieg“.

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde, wir gehen einer Epoche zunehmender Militarisierung entgegen, in Europa wie in Deutschland. Militärparaden, wie unlängst in Frankreich, werden das Bild ebenso bestimmen wie PR-Offiziere der Bundeswehr in deutschen Klassenzimmern. Endloses Gejammer über nicht ausreichend funktionierende Militär-Ausrüstung wird die Gazetten füllen. Wenn es doch nur so wäre, dass unsere Waffen nicht mehr funktionieren – dann würden vielleicht ein paar Menschen weniger getötet oder verstümmelt werden! So aber werden unsere von der Politik veruntreuten Steuergelder ungehemmt in Werkzeuge des Tötens fließen; Waffen verschlingen unser aller Zukunft und richten immensen Schaden an, längst bevor der erste Schuss in einem heißen Krieg gefallen ist.

Liebe Freundinnen und Freunde, es tut gut, zu wissen, dass Ihr hier seid und Euch dem gefährlichen Wahnsinn entgegenstellt – mit Euren Transparenten, mit Eurer Leidenschaft, mit Eurem Zorn und Eurem Mut. Mit Herzen, die noch zu fühlen vermögen, welch unschätzbarer Verlust jedes zerstörte Leben darstellt. Kämpfen wir weiter! Es geht ums Tun – aber wenn es uns hier nicht gelingt, mit gewaltfreier Vehemenz auch zu siegen, gehen wir wahrlich einer düsteren Epoche entgegen.

 

Anzeige von 11 kommentaren
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    Ruth
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    Mit 66 Jahren, einigen schweren Schicksalsschlägen – ich will nicht jammern – schaue ich auf eine unbarmherzige und brutale Welt!

    Es ist erschütternd!

    Die „Trumps“ der Welt – eine Allianz der „Menschenfeinde“ –  denen müssen wir uns entgegenstellen und nicht vor Angst unsere Augen schließen; auch ich habe Angst!

    Sie werden nicht gehen, sie werden ihr zerstörerisches Tun weiter verbreiten, bis …..?!

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      Peter Boettel
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      Und eine sich christlich nennende Partei macht mit.
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        Was bitte ist an dieser (oder anderen Parteien) christlich? Es sei denn, man meine das aus dem römischen politischen System des 4. jahrhundert hervorgegangene Pseudochristentum mit seiner verbrecherischen Historie. Diese mit Strömen von Blut besudelte Organisation ist es doch gerade, die von Anfang an um ihrer Macht willen Menschen ihre Würde und ihr Leben genommen hat. Wer mit klarem Verstand die Bergpredigt (Matth. Kap. 5-7) liest kann doch nicht, ohne den Christus zu diffamieren, behaupten, diese Organisation und ihre Anhänger hätten auch nur das geringste mit ihm zu tun. Die gegenwärtig verbreitete Menschenverachtung, das rücksichtslose ausbeuten aller Recourcen, Kriege, Folter, Gewalt in jeder nur denkbaren abartigen Form haben ihre Wurzeln unter Anderem in dem was den Menschen über Jahrhunderte als „Christliche Pflicht“ verkauft wurde – auch von sogenannt „christlichen Parteien“. Die Uniformkoppeln mit der Aufschrift „Gott mit uns“ vagabundieren heute noch auf Flohmärkten herum. Vor einiger Zeit hab ich in einem Kommentar mal die Frage aufgeworfen, ob den Kindern der Mitarbeiter von Heckler & Koch, von denen sicher auch viele Kirchenmitglieder sind, klar gemacht wurde, dass ihr Frühstück mit dem Blut von Kindern in anderen Gegenden bezahlt wurde. Komme mir also bitte niemand mit der Frage, warum sich eine „christliche“ Partei wie verhält. Es ist eine Beleidigung des Christus. Und das ist mein Wort zum Freitag!
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    Maria-Elisabeth Bucher
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    Ich sage : NEIN  !
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    Andreas Mägdefrau
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    dem möchte ich mich in allen Punkten anschließen. Empören wir uns ! Vergesst nicht – Frau von der Leyen war im Juni wieder bei der Bilderberg-Konferenz, nicht zum ersten Mal. Dort wurde wohl der Beschluss gefasst, wer die EU-Kommission führen soll, natürlich ein entschlossener Vertreter der Idiologie bzw. der Idiotie des Neoliberalismus ! So wie 2005 in Rottach-Egern Bundeskanzler Schröder im Beisein der damaligen Oppositionsführerin Merkel dafür abgestraft wurde, dass er und sein Außenminister Fischer sich nicht am Irak-Krieg beteiligt haben, während Merkel wie irre dagegen gewettert hatte. Kurz nach Rottach-Egern stellte Schröder dann im Parlament die Vertrauensfrage – es ist dabei völlig belanglos, weshalb bzw. wegen welcher prinzipiellen Frage – er hatte sie zu stellen und es war klar, dass er sie verlieren würde, denn er hatte Neuwahlen herbei zu führen, die natürlich wer gewann und zwar sehr knapp ? Merkel ! Und seitdem werden Wahlen immer sehr knapp von dem neoliberalen, neokonservativen und rechten Lager gewonnen ganz im Sinne der Bilderberger und der MPS, der Trilateralen Kommission, alles im US-Interesse und im Interesse der neoliberalen Think Tanks, der Atlantiker, des globalen Finanz-Faschismus ! Jetzt wird der nächste große Krieg vorbereitet. „Krieg bedeutet Arbeit für alle“ war mal auf einem Cover einer Zappa-Platte zu lesen und wie recht er hat. Noch immer ! Und Brecht schrieb : „Wenn das Haus eines Großen einstürzt, werden viele Kleine begraben.“

    Was kann man nur tun gegen die dominierende Ignoranz und das vom Neoliberalismus strategisch hergestellte Nicht-wissen-wollen, die umfängliche Uninformiertheit, die Verdummung und Resignation großer Teile der Bevölkerung ? Wann immer ich versuche, Leuten die Augen zu öffnen, bin ich ihr ausgesetzt !

    Was für eine Bande organisierter Krimineller befindet sich seit Jahrzehnten in der Regierung und im Parlament ? Nun zittert sie, die Merkel… Sie weiß mit Sicherheit, warum ! Man denke nur an Herrhausen und Rohwedder… die genügten den Ansprüchen der Strippenzieher hinter den Kulissen auch nicht länger… aber wir haben heute keine RAF mehr, die man vor’s Loch schieben kann, dafür aber gibt es immer mehr deutliche Anzeichen, welche Rolle die Faschisten im Verfassungsschutz bei der Zerstörung der Demokratie spielen… man denke an das Zeugensterben zum NSU-Prozess, zuletzt ein Brandmeister, der das Wohnmobil in Eisenach untersucht hatte… man denke an Walter Lübcke, Abgeorneter des Hessischen Landtags und Präsident des Kasseler Regierungspräsidiums, der Mord steht im engen Zusammenhang mit den Nazi-Netzwerken in Hessen, mit Buffier und der Sperrung von Akten zum NSU-Prozess für 120 Jahre und der Verhinderung der Aufklärung des Mordanschlags im Fall des Internet-Cafe-Besitzers Yozgat und der Absicht Lübckes zu den Vorgängen zum NSU-Komplex kurz vor oder nach seiner Pensionierung Aussagen machen zu wollen…

    Wir haben es mit Staatsterrorismus zu tun und die neue EU-Kommissarin und die neue „Verteidigungsministerin“ stehen genau dafür !

    Empört Euch !

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      Christiane Harsleben-Meinecke
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      Danke Andreas Mägdefrau, für diese klären statements zu den diversen so deutlich drängenden Problemen. 

      Wir müssen jetzt aufstehen, und uns Gegenwinden. Wir müssen jetzt aufstehen, und gerade alle diese Bilderberg -verdorbenen Charaktere 

      hinweg fegen. Wenn ich nur wüßte wie ich es anstellen könnte, ernsthaftestes zu bewegen. 

      Wenn ich nur wüßte, wie ich es anstellen könnte, ernsthaft die Leute auf die Straße zu bringen, aufzustehen und endlich, endlich wach zu werden. Es gibt uns doch, es gibt uns doch und mit uns noch so viele andere, die genauso denken wie wir.  Was t7n wir bloß?

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    Stephan
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    Jeder Mensch hat zwei grundlegende Bedürfnisse, Sicherheit und Bindung.

    Was noch mal bringen all diese Nachrichten, Aufforderung und Gegenbewegungen in Bezug auf diese beiden Bedürfnisse?

    Was wir Alle so dringend benötigen ist uns anzusehen, in die Augen und zu merken, da ist ein Wesen mit genau meinen Gefühlen und Bedürfnissen.

    Was ist daran bloß so schwer? Das kann ein jeder doch mit dem ihm Nächstes überprüfen.  Und wenn dies jeder nur mit dem Nächsten macht, geht ein Lauffeuer der Liebe rund um den gesamten Erdball.

    Spürt Ihr die Kraft hinter diesen Worten?

    Lasst den Worten Taten folgen.  Probiert es einfach einmal aus. Schaut Euch fünf Minuten in die Augen und achtet alleine auf die eigenen Gefühle.

    Ich würde mir so gerne wünschen,  ein Earth Love Project, eo jeder nur den Nächsten in die Augen blickt und bemerkt wie wundervoll der Mensch ihm gegenüber ist.

    Dies kann die Welt verändern.  Nicht die Projektionen unserer Ängste werden die Welt verbessern, sondern das Erkennen der Würde im Gegenüber wird diese Welt verändern.

     

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    Ruth
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    1983 – Ronald Reagan war Präsident der USA – wurde hochgerüstet, koste es , was es wolle!

    Es kam das SDI-Programm!

    Und was macht Frankreichs Präsident Macron, er träumt wieder vom Krieg in den Sternen!

    Ach ja, er kann es doch gut mit Frau von der Leyen; ein schlechtes Omen!

    Nichts, aber auch nichts gelernt? Der kalte Krieg mit Aufrüstung und Bewaffnung bis an die Zähne, steht uns das wieder bevor?

    Ich befürchte es!

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    Piranha
    Antworten
    Vor mehr als 30 Jahren war ich kleinstes Rädchen in einer losen Vereinigung: „Künstlerinnen und Künstler für den Frieden“ und hier u.a. in einem politischen Chor. Nach vielen vielen Proben und mit großer Leidenschaft sangen wir das von Hanns Eisler vertonte Stück von B. Brecht: Gegen den Krieg

    Noch heute ergreift es mich zutiefst und mir fließen die Tränen.

    Ich habe eine super Aufnahme bei youtube gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=pq4ZImvg6Eg – Arnold Schoenberg Chor

    Da es an manchen Stellen 6-stimmig ist, kann es beim ersten Hören hilfreich sein den Text mitzulesen:

    Als der letzte Krieg vorüber war,
    gab es Sieger und Besiegte:
    Bei den Besiegten das nied’re Volk hungerte.
    Bei den Siegern hungerte das nied’re Volk auch.

    Die das Fleisch wegnehmen vom Tisch,
    lehren Zufriedenheit.
    Die, für die die Gaben bestimmt sind,
    verlangen Opfermut.
    Die Sattgefressenen sprechen zu den Hungrigen
    von großen Zeiten, die kommen werden.

    Die das Land in den Abgrund stürzen,
    nennen das Regieren zu schwer
    für den einfachen Mann.

    Wenn die Ob’ren vom Frieden sprechen,
    Mann auf der Straße, laß alle Hoffnung fahren.
    Wenn die Ob’ren Nichtangriffspakte schließen,
    kleiner Mann, mach dein Testament.

    Wenn der Krieg kommt, wird sich vieles vergrößern.
    Es wird größer werden der Reichtum der Herrschenden.
    Es wird größer werden: das Elend der Ausgebeuteten,
    der Hunger, die Ungerechtigkeit und Unterdrückung.
    Die werden größer werden.

    Auf der Mauer stand geschrieben: Sie wollen Krieg.
    Der es geschrieben hat, ist schon gefallen.

    Wenn die Ob’ren vom Frieden reden,
    weiß das gemeine Volk, daß es Krieg gibt.
    Wenn die Ob’ren den Krieg verfluchen,
    sind die Gestellungsbefehle schon ausgeschrieben.

    Wenn die Ob’ren von Ehre reden,
    weiß das gemeine Volk, daß es Krieg gibt.
    Wenn die Ob’ren uns Ruhm versprechen,
    sind die Gestellungsbefehle schon ausgeschrieben.
    Wenn sie reden von großen Zeiten,
    weiß das gemeine Volk, daß es Blut gibt.
    Wenn die Ob’ren von Opfern sprechen,
    so meinen sie unser Blut.

    Sie reden wieder von großen Zeiten,
    von Ehre, von Siegen.
    Marie, weine nicht.

    Wenn es zum Marschieren kommt:
    Euer Feind marschiert an der Spitze.
    Die Stimme, die euch kommandiert,
    ist die Stimme eures Feindes.
    Wer da vom Feind spricht, ist unser Feind.
    In der Schlacht habt ihr den Feind im Rücken.

    General, dein Tank ist ein starker Wagen.
    Er bricht Wälder nieder.
    Er zermalmt hundert Menschen.
    Aber er hat einen Fehler:
    Er braucht einen Fahrer.

    General, dein Bomberflugzeug ist stark.
    Es fliegt schneller als der Sturm
    und trägt mehr als ein Elefant.
    Aber es hat einen Fehler:
    Es braucht einen Monteur.

    General, der Mensch ist sehr brauchbar,
    er kann fliegen, er kann töten.
    Aber er hat einen Fehler:
    Er kann denken.

    Das Brot der Hungrigen ist aufgegessen.
    Das Fleisch kennt man nicht mehr.
    Der Schweiß des Volkes
    ist nutzlos vergossen.
    Aus den Schloten der Munitionsfabriken
    steigt Rauch.
    Dieser Krieg ist nicht unser Krieg.

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    monika
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    es ist so traurig, was im moment in der politik geschieht, uns dass ich das noch erleben muss. ……
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    manfred
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     „Krieg muss genau wie jede tödliche Krankheit vermieden und geheilt werden. Gewalt ist nicht das richtige Medikament: Sie heilt nicht die Krankheit, sondern tötet den Patienten.“ (Gino Strada, italienischer Chirurg und Preisträger des Right Livelihood Award 2015)

    Quelle: Right Livelihood Award

    -> Solange auch nur ein Mensch in der Welt an Hunger oder Durst stirbt, solange darf kein einziger Cent für Waffen ausgegeben werden.

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