Ich wüsste nicht, was es derzeit in Deutschland Vergleichbares gibt

 In CD-Tipp, FEATURED, Kultur, Prinz Chaos II., Veranstaltungshinweis

Prinz Chaos II. hat wieder einmal ein Konstantin Wecker Konzert besucht, diesmal das aktuelle Weltenbrand Programm mit dem von Mark Mast dirigierten Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie. Der unbestechliche Prinz nimmt sich einmal mehr kein Blatt vor den Mund. (ak)

Ich sehe Konzerte von Konstantin Wecker seit meinem vierzehnten Lebensjahr. Ich weiß nicht genau, wie viele ich gesehen habe. Es waren sehr viele und ich kenne eigentlich alle Programme aus den letzten fünfzehn Jahren.


Das aktuelle Programm „Weltenbrand“ ist das Beste, was dieses Genie je auf die Bühne gebracht hat. Das behauptet Konstantin selber zwar so ziemlich von jedem Programm. Aber in diesem Fall trifft es auch nach meiner, sehr maßgeblichen Meinung zu. „Weltenbrand“ ist musikalisch-dramaturgische Perfektion voller Leidenschaft und von naturwüchsiger Kraft. Ich wüsste nicht, was es derzeit in Deutschland Vergleichbares gibt. Doch, halt, ich weiß, genau: da gibt es nichts.

Hier findet auch ein ganzes musikalisches Netzwerk zu voller Blüte. Jene vielfarbige Landschaft exzellenter Musiker, die über Jahrzehnte hinweg um und durch Konstantin gewachsen ist, hat hier zu einem Meisterwerk zusammengefunden, ein opulentes Werk, mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie auf der Bühne, Musiker aus zwölf Nationen, der helle, fröhliche, brillante Wahnsinn.

Der rosenbewachsene Turm in dieser musikalischen Landschaft heißt Johannes Barnikel. Jo hat die meisterhaften Arrangements für „Weltenbrand“ geschrieben. Wie er das Kammerorchester und die Band zum Klingen und Rocken und Seufzen und Erblühen bringt, ist unerhört. Auf der Bühne ist er selbst unfehlbar. Jo Barnikel ist von einem musikalischen Großmeister, der er ohnehin immer war, zu einem Großen Meister der Musik gereift.

Auch Fany Kammerlander ist cellierend und singend auf der Weckerbühne unersetzlich geworden. Ihre virtuose Anwesenheit veredelt das Bühnengeschehen immens. Man kann sich kaum mehr erinnern, wie das früher war, als sie noch fehlte.

Dass mit dem Gitarrengott Severin Trogbacher ein stolzer Vertreter der Linzer Schule um Marcus Wall, Julian Gillesberger und Co. zur festen Größe im Wecker-Zirkus geworden ist, freut mich auch riesig. Schon, weil der Sevi ein extrem großartiger Mensch ist. Österreicher halt.

Überhaupt ist das Organisationsprinzip dieser Weckerwelt die Freundschaft. Der frühere Tourmanager von Hannes Wader, Peter Ledebur, wurde nach Waders Bühnenabschied von Konstantin übernommen. Martina Brendt, Tilo, Beau Meier und viele andere sind seit vielen Jahren am Start. Pippo Pollina war auch da. Der gute Günter sowieso.

Ein Familientreffen!

Konstantin Wecker ist eben eine musikalische Kondratieff-Welle, die viele Boote gehoben hat.

Auch mein eigenes Schiff hat auf diese Weise immer wieder Fahrt aufgenommen. Und erst gestern musste ich wieder feststellen, dass dieser Herr Wecker offenbar permanent hinter meinem Rücken gut über mich redet.

Politisch gesehen ist „Weltenbrand“ ebenfalls der Wahnsinn. Aber das ist für mich nicht das Bemerkenswerte an diesem Programm.

M u s i k a l i s c h ist es neben dem Konzert von Anoushka Shankar, das ich vor einigen Jahren in Rudolstadt anhören konnte, das einsam Allerbeste, das ich je auf einer Musikbühne zu hören bekommen habe.

Prinz Chaos II.,

Text erstveröffentlicht am 25.05.2019 auf facebook und allerhöchst dankenswerterweise für hier freigegeben.

Konstantin Weckers Weltenbrand Tournee läuft noch bis Ende 2019.
https://www.wecker.de/de/weltbrand-tour-2019.html

Das Album dazu kommt am 11.10.2019 in den Handel.
https://wecker.de/de/die-alben/item/360-Weltenbrand.html

 

 

 

Anzeige von 3 kommentaren
  • Avatar
    Stefan Becker
    Antworten
    Das hat Du wunderbar beschrieben und trifft genau die Worte meiner Bewunderung für Konstantin Wecker. Ich freue mich nach der Lektüre deines Beitrages jetzt noch um einiges mehr auf das Konzert in Dortmund, zu dem ich die Karten bereits im Januar erworben hatte.

    Danke für Deinen sehr anregenden Beitrag

    Grüße aus Münster

  • Avatar
    Ruth
    Antworten
    Ich freue mich auf das Konzert in der Kölner Philharmonie, werde mich „herausputzen“ 😉, meinen Mann in Gedanken mitnehmen, mich von meinen Erinnerungen überwältigen lassen; m e i n schreckliches und schöne Leben!
  • Avatar
    Volker
    Antworten
    Ja bitte, will teilhaben
    Werde bei der Fürsorge für arme Leut aussichtslosen Antrag auf Sonderbehandlung stellen, also um ein Darlehen für Musik betteln, da mit Muse alles bekanntlich besser funzt, sogar Armut.
    Möchte mir ja keinen dekadenten Luxus gönnen, nö, nur ne schnöde CD als Seelennahrung, aber wegen der scheiß Agenda 20hartz wirst ja schon genötigt zu klauen, und kannst dann einem Richter Hartz IV erklären – mit Humor allerdings :-), blos nicht ausrasten :-(, sonst droht noch Kerker wegen Majestätsbeleidigung.

    Überlegung und Lösung
    Sturm & Klang könnte ein Spendenkonto einrichten, auf das betuchte Musikfreaks Flaschenpfand überweisen könnten, da kommt bestimmt einiges zusammen, wer benötigt schon unnützes Kleingeld. Somit hätten Armutsbürger wenigsten die Möglichkeit einer Antragsstellung auf Kulturteilhabe, Sturm & Klang könnte sogar werben: Musik für alle, dank Flaschenpfand.
    Nix gut, zu einfach gedacht? Man muß das nur wollen, Kunst kennt schließlich keine Grenzen.

    Kann ja net angehen, dass ich meine Esteve verhöker, >>klick hier<<, weil hier ständig Kultur angeboten wird, die sich arme Kirchenmäuse schon mal gar nicht leisten können.

    In diesem Sinne, Herr Prinz: In Deutschland gäbe es nichts Vergleichbares, neben Tafel und Kleiderkammer. ++glucks++

Hinterlasse einen Kommentar

Start typing and press Enter to search

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!