Konstantin Wecker: Hass kann man verwandeln

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Wir können uns vornehmen, liebevoll, weise, gütig zu sein – aber was, wenn die „Gegenseite“ darauf nicht mit der erwünschten Ergriffenheit reagiert? Wenn sie sich durch Weichheit zu Härte und Häme, durch Verständnis durch noch mehr Hass provoziert fühlt? Bleiben wir dann bei dem, was wir für richtig erkannt haben oder passen wir uns dem Niveau der Hassenden nach unten an? Ein Statement, das anlässlich der Flüchtlingsfrage 2014 entstanden ist und in das Buch „Dann denkt mit dem Herzen“ (erhältlich im Sturm-und-Klang-Shop) aufgenommen wurde.  Konstantin Wecker

Ich weiß, und hab es hier und anderswo immer wieder erlebt:
Man kann auf Hass mit Verständnis reagieren, dann wird einem Selbstverliebtheit vorgeworfen.
Man kann Hass mit Liebe beantworten, dann wird man als Lügner beschimpft.
Man kann Hass unbeantwortet lassen, dann wird man als Feigling verachtet.
Anscheinend haben wir eine Kultur, die nur versteht, wenn man Hass mit Hass beantwortet.
Dann ist man mutig, männlich, wird nicht verlacht.
Ist das ein Naturgesetz? Wohl kaum.
Es ist das alte, dumme, durchschaubare Spiel, von den Herrschenden – meist männlichen – als Naturgesetz verkauft, von den Ohnmächtigen als solches akzeptiert.
Versöhnung heißt nicht, alles gut heißen.
Versöhnung heißt nicht, sich in eine Kuschelecke zurückzuziehen.
Versöhnung ist radikal und erfordert den Mut, zu seiner Meinung zu stehen.
Sie verständlich zu machen.
Ohne Gebrüll, ohne Verletzung, ohne Waffen, ohne Kriege.
Aber zu etwas stehen meint auch: ver-stehen.
Andere, anders Denkende, anders Gebildete, in anderen geistigen Universen Lebende verstehen.
Verstehen – nicht gut heißen.
Erst wenn ich den Nächsten verstehe, kann ich mich begreifen.
Hass ist immer aus Schmerz geboren.
Aber Hass kann man verwandeln.
Denn jedem Hass wohnt eine tiefe Sehnsucht nach Liebe inne.

Kommentare
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    Piranha
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    Das erinnert doch sehr an die drei Grundhaltungen nach Carl Rogers (1902-1987). Seine nichtdirektive klientenzentrierte Gesprächstherapie hat vielfältigen Eingang in therapeutische Verfahren gefunden.

    Aber nicht nur dort: seit den 90ern werden die Grundhaltungen auch allgemein in Seminaren zur Gesprächsführung gelehrt und trainiert.

    Besonders wertvoll sind sie überall dort, wo es einerseits um helfende, andererseits um verstehende und verständigende Gespräche geht.

    Die drei Variablen sind: Kongruenz, Empathie und bedingungslose Zuwendung.

    Das bedeutet nicht, dass ich alles von meinem Gegenüber gutheißen oder akzeptieren muss. Aber ich bleibe echt, unverfälscht, einfühlend und zugewandt.

    Aber was heißt dies nun für Diskussionen mit gegensätzlichen Positionen?

    Eine Kollegin hat es mal gut auf den Punkt gebracht, wenn es um Konflikte geht: „Hart in der Sache, weich zu Menschen“.

    Man stelle sich vor, mit dieser Haltung wäre Merkel in die Türkei gereist, oder sonstigen Despoten.

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