Konstantin Wecker: Willy 2020

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Konstantin Wecker, München 2019

So viele fragen in unseren Netzwerken an, sie wollen den Text  „Willy 2020“ lesen und teilen, den Konstantin Wecker am 11.04.2020 in seinem zweiten Streamkonzert erstmals vorgetragen hat. Hier gibt es den kompletten Text. (Alexander, HdS Redaktion)

Mei Willy, jetzt muass i di – i glaub bestimmt zum 10. Mal – in deiner Grabesruhe stören. Ich muss dir des erzählen. Die Welt hat sich mit einem Schlag verändert. Die ganze Welt. Du kannst dir nicht vorstellen was hier grad los ist. Die Welt ist von einem Virus befallen und alles, was bisher gültig war, ist auf den Kopf gestellt.

Um uns gegenseitig zu schützen, haben wir seit Wochen Konzerte, Partys und Versammlungen abgesagt. Wir haben aus Solidarität und Verantwortungsgefühl für alle Menschen weltweit gehandelt.

Und als alter Anarcho muss ich dir sagen:

Meine persönliche Freiheit möchte ich mir selbst beschneiden und nicht von einem Herrn Söder oder Kurz oder Macron beschneiden lassen, den ich nie in meinem Leben gewählt hätte. Pfeifen wir auf das Patriarchat!

Es muss nicht immer Party sein im Leben, Willy, und grad du verstehst des sicher, hast du doch dein Leben riskiert, um Faschisten deine Meinung zu sagen.

Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik sind die Grundrechte so umfassend und so radikal eingeschränkt worden.

Und was mir besonders Angst macht, mein Freund, ist, dass es zum Beispiel nie eine Diskussion gegeben hat über „Alternativen zur Aussetzung der Grundrechte“, wie es Heribert Prantl zu Recht schreibt.

Und gerade all diesen Politikmachos, die sich derzeit so als Überväter aufspielen weltweit, traue ich jederzeit zu, dass sie diesen Zustand der Angst und Einschränkung nur allzu gern behalten wollen. Diesen Zustand eines Staates in dem Demonstrationen verboten sind und Kultur in den tiefsten Schubladen der Bürokratie verschwindet.

Wir müssen aufpassen Willy, höllisch aufpassen.

GESTERN HABNS DIE FREIHEIT BEGRABEN UND HEIT….

Und heit Willy? Aber vielleicht bin ich ja jetzt trotzdem meinem Traum von einer herrschaftsfreien, liebevollen und solidarischen Welt näher als jemals zuvor? Meinem Traum von einer Gesellschaft ohne Ausbeuter und neoliberale Profiteure, ohne Waffenhändler und ohne Faschisten, Rassisten und Kriegstreiber.

Vielleicht erkennen erst jetzt viele Menschen diese neoliberale Diktatur, der sie jahrzehntelang aufgesessen sind?

Unsere ach so fürsorglichen Politiker haben über Jahrzehnte die Gesundheitssysteme zum Zwecke maximaler Profite kaputt privatisiert und vor allem haben sie keinen Plan zum Schutz aller Menschen für eine solche Krise vorbereitet; vielleicht einfach, weil sie daran nichts verdient hätten.

Statt nach einem starken Führer zu schreien sollten wir uns selbst an die Hand nehmen und aufpassen, dass wir nicht denen, die sich jetzt als Herren über jedes Gesetz aufspielen, in Zukunft vertrauen. Für viele Herrschenden ist doch das was zurzeit passiert eben auch eine perfekte Übung für den dauerhaften Ausnahmezustand oder den Weg in eine Diktatur.

Wir haben unsere Erde aus reiner Profitgier kaputt gewirtschaftet und merken gerade, wie sie wieder etwas atmen kann, in Venedig schwimmen wieder Fische, ohne Kreuzfahrtschiffe und Partybomber, in den Großstädten kann man wieder etwas Luft holen, ja, vielleicht spüren jetzt viele von denen, die sich noch vor nicht allzu langer Zeit über Greta lustig gemacht haben, wie recht diese großartige junge Frau hat?

Vielleicht lernen wir jetzt mal diese so überlebenswichtige Solidarität von unten?

Wir müssen wieder wagen zu träumen, radikal und mutig und du weißt es mein Freund – ich hab mich nie geschämt dafür ein Träumer, ein Spinner zu sein und als Utopist verlacht zu werden.

Und was ich mir erträume ist mehr als eine Revolution.

Es ist die radikale Umwälzung der Werte unserer wertlosen Gesellschaft. Es sind Menschen, die miteinander suchen, hoffen, sündigen, verzeihen. Menschen die sich anlächeln statt sich im Wettbewerb um den besseren Job fast umzubringen.

Ich will in keiner Gesellschaft leben, in der all jene am miesesten entlohnt werden, die die wirklich wichtige Arbeit verrichten:

KrankenpflegerInnen, HospizarbeiterInnen und ach so viele mehr. Und wo die unwichtigsten Berufe am besten bezahlt werden. Ich denke ihr wisst, welche ich meine.

Und vielleicht verstehen jetzt viele Menschen in dieser Krise, dass die Güter und Ressourcen dieser Welt allen gehören sollen: Bildung, Gesundheit, Wohnung, sauberes Wasser, Essen.

Wie konnten wir jemals zulassen, dass Luft, Erde, Wasser, oder der genetische Code von Pflanzen und Tieren zu Privateigentum gemacht wurden und werden?

Jetzt ist die beste Gelegenheit, über Enteignung zu sprechen.

Mal ganz konkret Willy: Wir sollten endlich die Türen der jetzt ohnehin nutzlos leerstehenden Luxushotels in München und Berlin und überall öffnen für die schutzsuchenden Menschen aus den Kriegsgebieten dieser Welt! Für die Schutzsuchenden aus Syrien, aus Kurdistan, aus Afghanistan, Somalia und Irak, für die Geflüchteten aus den menschenunwürdigen Lagern an den EU-Außengrenzen wie in Moria auf Lesbos oder den Folterlagern in Libyen, die jetzt besonders schutzlos diesem Virus ausgeliefert sind.

Im Bayerischen Hof in München treffen sich jedes Jahr die Kriegsstrategen der Nato und die Rüstungsmanager von Rheinmetall und Heckler & Koch. Was wäre das doch für ein großes Fest des Friedens und der Liebe, wenn in diesem Hotel die traumatisierten Kinder und Familien, die vor den Waffen und Kriegen dieser Männer des Todes fliehen mussten, in Frieden leben könnten.

Jetzt ist es an der Zeit, den Stopp aller Rüstungsproduktionen und Rüstungsexporte zu fordern und es ist Zeit für einen Waffenstillstand weltweit, ein Waffenstillstand, der vielleicht den Menschen zeigen würde, dass Frieden sehr viel erstrebenswerter ist.

Jetzt ist es an der Zeit auf die wunderbare Hannah Arendt zu hören: Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen.

Gehorsam kann nie eine Rechtfertigung sein für das eigene Handeln. Oder Nichthandeln.

Wir sollten weltweit Schulen des Ungehorsams gründen!

Willy, jetzt ist es an der Zeit über die Utopie zu sprechen einer herrschaftsfreien Welt, wo der Menschen Miteinander unser Sein zusammenhält.

Jetzt könnten wir erkennen, dass wir alle Wesen einer Gemeinschaft sind und nicht gemeine Wesen, zu denen uns der Neoliberalismus immer erziehen wollte.

Und wir müssen jetzt und sofort unsere Stimme erheben für die Schutzsuchenden, für die Geflüchteten, Gefangenen, Obdachlosen.

Vielleicht kommen wir jetzt alle der Erkenntnis näher, dass wir alle eins sind? Wie ich es seit vielen Jahren immer wieder singe:

…es ließ mich erkennen
wir sind nicht zu trennen
woher wir auch stammen
wir sind eins und zusammen…“

Wia hast as gsagt damals Willy, vor über einem halben Jahrhundert:

Freiheit, des hoasst koa Angst habn vor nix und neamands!

Gestern habns an Willy daschlagn,
aber heit, aber heit aber heit, heit halt ma zsamm.

Gestern habns an Willy daschlagn,
und ab heit, ab heit ab heit halt ma zsamm.

 

 

Showing 28 comments
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    Elfriede Haas
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    <3 DANKE! Danke, dass Du dich wieder vermehrt einbringst. Wir brauchen Dich, mehr denn je.

     

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    Cordula
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    Tausend Dank für den Text! Und so viele andere! Ich hoffe von Herzen, dass es Dir gut geht, lieber Konstantin, und Du und Deine Familie diese Zeit übersteht! X
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    Hawe Wierowski
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    Danke für einen so großartigen Text voller Wut,Zorn und Zärtlichkeit. In diesen Worten finde Kraft und Hoffnung,aber auch Bestätigung,daß ich mein Leben bis heute auf der richtigen Seite gelebt habe. Wir werden dabei bleiben: Diese Welt ist zu verändern!
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    Kristina Mohr
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    danke!!!!!!!!!!!!
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    Andreas Mägdefrau
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    Erich Kästner sagte (ich kann es im Moment nicht wörtlich wiedergeben) nach dem Ende der Dritten Reichs, eine Lawine muss man zertreten, solange sie noch ein Schneeball ist. Später kann man sie nicht mehr aufhalten. Der Widerstand gegen die Nazis hätte bereits bis spätestens 1928 beginnen müssen.Der Widerstand gegen das, was wir jetzt bekommen, wo der Neoliberalismus die Maskierung seiner faschistoiden totalitären menschenfeindlichen Fratze von sich wirft, hätte in Deutschland spätestens mit dem Zusammenbruch des gesamten realsozialistischen Lagers beginnen müssen. Direkt im Anschluss dessen wurde der Raubmensch-Kaputtalismus vollends entfesselt. (Spätestens aber nach dem Verbrechen von 09/11 hätte der Widerstand beginnen müssen.) Bis zum Zusammenbruch des realsozialistischen Lagers zwang die Existenz einer gesellschaftlichen Alternative diesen „Wolf“ noch zum Tragen  eines vorgetäuschten sozialen „Schafsfells“. Danach begann sich die soziale Marktwirtschaft rasend schnell zu wandeln hin zum marktkonformen Demokratie, ausgedacht von den Extremisten der Mont Pèlerin Society, (zu denen u.a. ein Lars Feld gehört), der Hayek-Stiftung, zu deren Mitglieder sowohl Alice Weidel, als auch Beatrix Storch und Christian Lindner zugehört), der Bilderberger und der angeschlossenen neoliberalen Think Tanks, Universitäten,Transatlantischen Institute, Stiftungen, unterstützt von den Elitenbütteln der privaten Mainstream-Medien und sogenannt „Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten“, die in den Händen der Parteien ist, der jeweils machtinhabenden Politik, beliefert und gestärkt von gekauften und in den Händen der Konzerne gefangenen „Experten“, einer stets nach Parteiproporz zusammengestellten, sich parteipolitisch präferierenden Verfassungsjustiz und einem im primitiven dummdeutschen Dünkel festhängenden Beamtenapparat von Polizei bis Verwaltung…Ich persönlich erlebe die Anfeindungen einer verblödeten Bürgerschaft in meinem Umfeld, weil ich miich anderweitig orientiere und mir die Fakten da abhole, wo die Frage „cui bono“ nicht die Antwort von vorn herein festlegt. Wo die eigene Bereicherung und der eigene Vorteil nicht das Maß aller Dinge ist, sondern die Nennung oder die Darstellung nachweisbarer Tatsachen. Es gibt eine Wahrheit, unmittelbar verbunden mit dem Zeitpfeil und der Entropie. Ich vermeide es, zu behaupten, dass ein Mensch in der Lage ist, die Wahrheit zu kennen, schon gar nicht, sie in Besitz zu nehmen – dazu ist sie zu komplex und vieldimensional. Wir Menschen können die Wahrheit nur subjektiv interpretieren und wiedergeben. Das Problem, was sich in diesem pervertierten politischen system ausgebildet hat, lässt sich erkennen im fehlenden gesellschaftlichen oder politischen Diskurs, in der permanent vorangetriebenen Reduzierung des Diskurshorizonts, in der Einseitigkeit und der Intoleramz gegenüber anderen Meinungen. Die Verblödung größter Teile der Gesellschaft wird in deren Unterwürfigkeit und dem vorauseilenden Gehorsam sichtbar. Eine Entwicklung des Bewusstseins hat bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht stattgefunden, jedoch eine enorme Weiterentwicklung technischer Möglichkeiten, die gerade mangels Bewusstsein missbraucht werden zur meist sogar freiwilligen Auslieferung in eine digitale Totalkontrolle.

    Ich denke an das Buch von Naomi Klein, einer der profiliertesten Intellektuellen unserer Zeit (sie ist Kanadierin mit zusätzlicher  US-Staatsbürgerschaft), die Autorin des Buchs „Die Schock-Strategie: Der Aufstieg des Katastrophenkapitalismus“.

    Es beschreibt die brutale Taktik, die Desorientierung der Öffentlichkeit auszunutzen, wenn sie in einen kollektiven Schockzustand verfällt – nach Kriegen, Terroranschlägen, Marktzusammenbrüchen oder Naturkatastrophen -, um radikale konzernfreundliche Maßnahmen durchzudrücken. An die Stelle von Demokratie soll die entfesselte totalitäre Macht der Konzerne treten.(Pharma-Konzerne, Online-Plattformen, usw.) Dieses Programm ist so eklatant ungerecht und so offensichtlich korrupt, dass es nur mit Hilfe einer Politik verwirklicht werden kann, die die Gesellschaft spaltet, vereinzelt – ja atomisiert – und ergänzt durch ein unaufhörliches Medienspektakel, das der Ablenkung dient. Und selbstredend unterstützt durch massiv aufgestockte Kriegsausgaben ( für die BRD: 2 Prozent des BIP in Höhe von mehr als 3043,65 Milliarden Euro (2015), d.h. konkrete 60,87 Milliarden Euro) ! Das ist ein Fünftel des gesamten Bundeshaushalts !

    Zwei Prozent, das ist doch nicht viel / Das zu erreichen kann doch nicht schwer sein.Zwei Prozent, so lautet das Ziel / Das muss Ihnen doch die Verteidigung wert sein.                                                    der Refrain aus dem Lied Nr. 8 von Krysztof Daletski auf der CD                                                        „Ein Durakkord erschiene mir Übermut“Strophe 1:

    Haben Sie doch sicher auch schon von gehört:NATO-Gipfel Wales, zwei Prozent Ziel für Verteidigung.Was? Nein, nicht vom Bundeshaushalt. Davon wäre das ein Fünftel.Auch nicht in Bezug zum jetzigen Etat: fast verdoppelt, das wär gar nicht zu vermitteln!Deshalb nehmen wir das Bruttoinlandsprodukt als Bezugspunkt:So sind das nur zwei Prozent und das ist doch fast gar nichts.Und Sie können ohne Sorge sein: die schwarze Null bleibt davon unberührt.Es gibt weder neue Schulden noch erhöhte Steuern.Wo das Geld dann herkommt ? Na, da müssen Sie schon selber drauf kommen.Von mir werden Sie es nicht erfahren. Aber es geht doch nur um…

    Zwei Prozent, das ist doch nicht viel / Das zu erreichen kann doch nicht schwer sein.Zwei Prozent, so lautet das Ziel / Das muss Ihnen doch die Verteidigung wert sein….

    Es geht im Hintergrund der Corona-Hysterie um die unverhüllte Machtergreifung der Konzerne. die seit Jahrzehnten in Vorbereitung ist.Es scheint, als seien die Kreise, die seit langem die großen Parteien finanzieren, um sie für ihre Interessen einzuspannen, des Spiels überflüssig geworden, die Bewirtung öffentlich gewählter Volksvertreter, deren Umschmeichlung und die legalisierte Bestechung weiterhin mit ihrem Geld zu finanzieren. Es verletzt wohl inzwischen so langsam das Gefühl der Ultrareichen, die doch mit göttlichen Befugnissen ausgestattet zu sein scheinen. Deshalb schalten sie jetzt die politischen Mittelsmänner aus, deren Aufgabe es wäre, das Gemeinwohl zu schützen, sie verringern die Anzahl von Hirarchieebenen, gemäß der neoliberalen Doktrin des „Lean Management“.

    Sie machen, was alle Bosse tun, wenn sie wollen, das etwas richtig gemacht wird: Sie machen es zukünftig selbst.

    Dazu kommt bei denen die Gewissheit, über dem Gesetz zu stehen und stets ungestraft davonzukommen.Sie verkörpern die Überzeugung, Geld und Macht seien ein Freibrief dafür, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen.Sie verkörpern eine Geschäftskultur, die „Disruptoren“ hochjubelt, wenn sie mit der Missachtung von Gesetzen und Vorschriften ein Vermögen machen: z.B. mit Dekonstruktion staatlicher Behörden, bzw. wo das nicht sinnvoll, diese komplett in die Vertretung der eigenen Interessen einzuspannen und darauf zu verpflichten; oder mittels eines Frontalangriffs auf den sozialen Wohlfahrtsstaat, überhaupt mittels der Reduktion oder Abschaffung des Sozialwesens.Vor allem aber sind diese Verhältnisse die Inkarnation eines immer mächtiger gewordenen marktfundamentalistischen Projekts und einer Ideologie, die von den Parteien der Mitte ebenso übernommen wurde wie von den Konservativen und Rechten, einer Ideologie und Doktrin, die Krieg führt gegen den öffentlichen Sektor und jedwedes Gemeinschaftseigentum, während Firmenchefs wie Bill Gates als Superhelden hingestellt werden, die die Menscheit retten.

    Eine schwere Krise oder ein Schock wie ein Terroranschlag (09/11) oder eine schwere Wirtschaftskrise wird den Vorwand liefern, um den Notstand auszurufen und die geltenden Regeln außer Kraft zu setzen. Unter dem Deckmantel der Krise könnten dann Schwerpunkte einer totalitären, faschioiden oder rein faschistischen Agenda durchgesetzt werden, die eine weitere Aushebelung demokratischer Normen ermöglichen würde. Die Militarisierung der Polizei, die digitale Totalüberwachung, eine weitere Beschneidung der Meinungs- und Pressefreiheit. Eine ausreichend große Wirtschaftskrise könnte zum Vorwand dienen, die gesetzliche Rentenversicherung vollends zu demontieren.

    Jeder könnte wissen -Ein großes Problem würde gar nicht erst zu einem großen Problem, würde man sich schon damit befassen und es schon zu lösen beginnen, so lange es noch ein kleines Problem ist.Eine Katastrophe, die man kommen sieht, so man denn den Mut aufbringt, hinzusehen und nicht dumm den Kopf in den sand zu stecken, wird ein Problem, das man möglicherweise mit menschlichen Mitteln lösen kann.

    Naomi Klein schreibt:“Nur wenn etwas großes Schreckliches geschieht, das wir (noch) nicht verstehen und nicht erklären können, wenn sich eine Kluft auftut zwischen den Ereignissen und unserer Fähigkeit, sie zu erklären, tritt so etwas wie eine Schock-Starre ein.Dann werden viele Menschen anfällig für Autoritätsfiguren, die uns sagen, wir sollten einander fürchten und“unsere Rechte für das Wohl der Allgemeinheit opfern“ – notfalls auf dem Schlachtfeld! (A.v.m.)Das ist heute wieder ein globales Problem. 

    Wir werden nach der Corona-Hysterie in einem nicht wiederzuerkennenden Land aufwachen !

    Das wird so kommen, wenn niemand bereit ist zu lernen, wie eine Schock-Strategie und wie Schock-Politik funktionieren und wessen Interessen sie dienen.Eine Lösung sehe ich nur darin, dass denen die Führungsrolle zukommt, die an diesem gegenwärtigen System am stärksten zu leiden haben und am brutalsten behandelt werden.Andreas Mägdefrau

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      RenateRave
      Antworten
      Was sie schreiben, daran habe ich schon gedacht.  Danke für den Text.
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      Esther Lorenz
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      Chapeau! Besser hätte ich das nicht schreiben können. Wie auch? Das Buch von Naomi Klein kenne ich nicht, werde es mir aber gleich nächste Woche (wenn die Buchhandlungen wieder geöffnet sind) besorgen und lesen… Danke für diesen großartigen Kommentar zu Konstantins großartigem Text.

      Auch der „Gegenkommentar“ von Herrn Schwager hat meines Erachtens seine Berechtigung, allerdings mit diesen Einschränkungen: Frau Merkel und den Herren Söder und Spahn heute Vertrauen entgegenzubringen (weil sie einen so „guten Job“ machen und uns „besonnen durch die Krise“ FÜHREN), mutet seltsam an, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das genau die „Persönlichkeiten“ sind, die bislang die Führung (Kanzlerschaft) innehatten bzw. für die kommende Führung aufgebaut werden. Und wie war deren Priorität „Menschenleben“ in den vergangenen Jahren? Stichworte: Altersarmut, Rentenpolitik, ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer, das Entsenden von Soldaten in Krisengebiete, Waffenexporte usw. usf.) ??? Wenn ihnen Menschenleben so wichtig wären, wie sie heute behaupten, dann hätten sie VOR Corona schon viele Möglichkeiten gehabt, das unter Beweis zu stellen (Lesetipp: https://kurzelinks.de/ih6m)

      Corona hin oder her: vermutlich machen die Politiker momentan tatsächlich Einiges richtig, aber ganz sicher nicht, weil ihnen die Menschenleben so wichtig sind! Ich würde sagen: sie sind großartig darin, die Corona-Pandemie FÜR SICH und ihre „Freunde“ zu nutzen. Deshalb brauchen wir für die Zeit NACH Corona  dringend Andere, die politische Verantwortung übernehmen! Keine Lobbyisten oder sonst wie mit der Wirtschaft Verbandelten, sondern am Besten die aus dem Schluss-Satz von Andreas Mägdefrau…

      Und bis dahin müssen wir achtsam sein, dass uns die Möglichkeit, das System zu ändern, nicht genommen wird…

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    Gerti Weber
    Antworten
    Danke für diesen wunderbaren Text 
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    Enrico Ehlert
    Antworten
    Danke für die ehrlichen und wahren Worte! Weiter den Anfängen!
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    Schubach
    Antworten
    Ich danke dir für die wahren Worte, genau wie du, seh ich das Ganze genauso, Applaus, Applaus, LG Jutta
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    Waltraud Schneider
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    Was für ein toller Text! Danke Konstantin, es tut gut, dass du die Gedanken so formulieren kannst und uns teilhaben lässt!
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    Rainer Schill
    Antworten
    Leuchtfeuer für die Seele. Danke
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    Achim Heyde
    Antworten
    Ach konstantin mach uns weiter mut
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    Helga
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    Der Text spricht mir aus der Seele, wir müssen wachsam sein 🤢
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    Michael
    Antworten
    Tausend Mal DANKE dafür, dass du diese Worte gefunden hast und verbreitest. Es muss ein Umdenken in der Bevölkerung geben, vielleicht weckt diese Krise einige auf.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse Aller. Aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi).

     

     

     

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    Heidemarie
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    Konstantin , da bin ich ganz bei dir und deinem Gespräch mit Willy. Danke !
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    Teres
    Antworten
    Lieber Konstantin,ich schäme mich für  gewisse Textzeilen ,die du von dir gegeben hast!Keine Hoffnung verbreiten in dieser Zeit!Du hättest es in der Hand. Es war unter dem Titel Friedenkonzert!! Ich war bis dato ein Wecker-Fan!!(30Konzerte)

     

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      Esther Lorenz
      Antworten
      Liebe (oder lieber?) Teres,

      ich weiß nicht, für welche von Konstantins Textzeilen Sie sich (fremd)schämen möchten? Ich finde, jede einzelne Zeile zeugt von sehr viel Menschlichkeit, von sehr viel Mitgefühl und von ausgesprochen wachem Geist! Da gibt es nichts zum „Schämen“, und ich finde im Gegensatz zu Ihnen, dass Konstantin mit seinem neuen Willy-Text sehr viel Hoffnung gibt und Mut macht! Aber vielleicht liest und hört tatsächlich jeder nur das, was er/sie lesen und hören WILL? Vielleicht verstehe ICH Konstantin falsch? Vielleicht ruft er tatsächlich zur Menschenansammlung, zur Demonstration und zum Missachten der Vorschriften auf? Vorstellen kann ich mir das nicht. Nicht jetzt. Nicht direkt. Nicht, um Menschen zu gefährden, sich zu infizieren…

      Und wenn er Hannah Arendt zitiert „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen“… ist das dann ein Aufruf zum Ungehorsam? …oder nicht doch mehr die Aufforderung zur Reflektion? ICH verstehe dieses Zitat Folgendermaßen: niemand hat das Recht zu gehorchen, d. h. niemand kann sein Handeln damit rechtfertigen, dass jemand anderes es ihm befohlen hat. Wenn wir aber selbst zu der Überzeugung gelangen, dass wir soziale Kontakte einschränken sollten um die Pandemie auszubremsen, dann ist das kein Gehorsam, sondern eine freie, verantwortliche Entscheidung. Und ich habe nicht den Eindruck, dass Konstantin uns diese verwehren will?
      Vielleicht irre ich mich. Wie gesagt: jeder versteht, was er verstehen will. Aber dass Sie meinen, sich für Konstantins Zeilen schämen zu müssen, finde ich wirklich traurig. Ich kenne den Künstler (leider) nicht persönlich, aber schon fast 40 Jahre! Ob 1982 bei „Künstler für den Frieden“ oder 2010 im Stuttgarter Schlossgarten: ich habe Konstantin Wecker immer als authentisch, sozial und ausgesprochen menschlich erlebt. Aber vielleicht sagen Sie mal, welche „gewisse Textzeilen“ Sie meinen, Teres?

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    Tina
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    Wachsam in dem, was um uns herum passiert und achtsam mit uns selber – danke für den tollen Text, der Aufwachen lässt aus der Lethargie des Ertragens…
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    Roland Frank
    Antworten
    Lieber Konstantin Wecker ! Lieber Leser der sich Andreas Mägdefrau nennt :- JA, ihr habt recht mit eurer Analyse !! Eine Diagnose wird erst durch die richtige Therapie wirkmächtig ! Wir brauchen kein social distancing. Bestenfalls ein physical distancing ABER ein social warming !! – bis vor Kurzem war „cool“ eine Anerkennung. Kälte ist aber der Tod von Beweglichkeit. Nur die hypnotisierte Klapperschlange akzeptiert Diktatur. DORTHIN  will die sog. neoliberale Wirtschaft. Scheinbar alternativlose Sachzwänge schaffen und von dort aus  eine ebensolche Politik ableiten. Retten wir die DEMOKRATIE.
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    Walter Schwager
    Antworten
    Konstantin manchmal kann ich nicht deiner Meinung sein, obwohl ich Dich als Liedermacher, Mensch und Poet sehr schätze…..ich weiss nicht Schockstarre……ich denke dabei an die Menschen die an Atmungsgeräten mit dem Tode ringen und um das medizinische Personal, das bis zum Ende Ihrer Kräfte unter Einsatz Ihres Lebens, um deren Leben kämpfen. Da kann ruhig mal Schockstarre sein…..und das Thema Söder, ich bin weiss Gott kein Freund von dem, aber ihm zu unterstellen dass er uns alle überwachen will,find ich sorry etwas krass. In dem Falle geb ich dem Söder recht. Menschenleben erst mal vor Wirtschaft und Spassgesellschaft zu stellen, finde ich in keinster Weise freiheitsbeschränkend. Die Freiheit ist auch immer die Freiheit der Anderen. Ich halte es da wie Precht, besser in manchen Zeiten vorher Freiheit etwas einzuschränken (Klimakatastrophe) als später mit noch einschneidender Freiheitsbegrenzung leben zu müssen. Das gilt auch jetzt. Selbst Karl Lauterbach den ich sehr schätze warnt vor zu schnellen Lockerungen.
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    Walter Schwager
    Antworten
    nochmals ein Nachtrag zu meinem Kommentar von gestern, damit man mich nicht missversteht…..ich bin nicht gegen alles was du in deinem neuen Willy Text schreibst, das mit den Obdachlosen oder Flüchtlingen , die man in dieser Krise zum Beispiel in einen leer stehenden Bayrischen Hof einquartiert unter Regelung des sozialen Kontakts finde ich gut. Alles in Allem kann ich mich auch mit dem neuen Willy anfreunden. Sozial distancing geht auch in vielen Dingen viel zu weit, daß man sich von seinen Angehörigen nicht verabschieden kann, wenn Sie sterben ist eine unmenschliche Kälte…..aber das wir in diesen Zeiten besser Abstand halten sollten, speziell auch was der Besuch in Altenpflegeheimen betrifft, finde ich richtig….auch wenn es natürlich für viele Menschen ein schweres Los ist sich von seinen Lieben distanzieren zu müssen. Wir wissen jetzt wie schnell sich speziell in diesen Heimen das Virus für Heimbewohner, Pflegekräfte und medizinisches Personal ausbreitet.
    • Avatar
      Volker Freystedt
      Antworten
      Ich schütze die Menschen in den Heimen doch nicht, indem ich Kindergärten schließe. VERHÄLTNISSMÄSSIGKEIT ist das Stichwort! Und warum wurden 25000 Influenzatote vor 2 Jahren ohne mediales Getöse hingenommen? Ich möchte ganz einfach, dass die Regierenden, die genau so wenig Ahnung haben wie ich, sich nicht so einseitig beraten lassen von interessegeleiteten Experten, wenn es qualifizierte Menschen gibt.
      • Avatar
        Esther Lorenz
        Antworten
        Exakt, Herr Freystedt, genau um DAS geht es: Verhältnismäßigkeit. Die ist den meisten Regierenden dieser Welt aber gänzlich abhanden gekommen… 🙁

        Und die „einseitige Beratung“ durch ausgewählte „Experten“ mit gleichzeitiger Diffamierung anders Denkender (Verschwörungstheoretiker!) ist unerträglich.

  • Avatar
    Christine
    Antworten
    Das sehe ich (die Konstantin Wecker auch seit 40 Jahren schätzte) genauso wie Sie, Herr Schwager, danke!
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    Beate Schwärzler
    Antworten
    Bin sehr ins Nachdenken gekommen.

    Es ist, mit meiner Geschichte, in meinem Alter (70), mit angeschlagener Gesundheit, schwer, immer ringsum wachsam zu bleiben.  Aber: Danke, Konstantin Wecker. Ich bin so froh, daß Sie noch da sind.

  • Avatar
    Die A N N A loge
    Antworten
    Lieber Konstantin,

    ich danke dir für deinen ergreifenden „Willy 2020“. Er rüttelt auf zum Weckruf und wird sich, so hoffe ich, wie ein Lauffeuer verbreiten und vielen Menschen den Mut schenken, sich kritisch mit der derzeitigen unheilvollen Entwicklung auseinanderzusetzen.

    Die Medien sind zugekleistert mit Corona Statistiken, eiligst formulierter Gebote, die bis tief in die Privatsphäre wirken. Die Überwachungsmethoden zur Einhaltung der „Notstandsgesetzen“ wurden und werden konsequent ausgebaut.

    Diese Welt hat sich gewaltig verändert. Da, wo gestern noch weltweit Menschenmassen in großer Solidarität für Veränderungen, ein demokratisches Umdenken, weg vom Diktat des Kapitals, Ellenbogendenken, eiskalten Börsen- und Wirtschaftsinteressen, hin zu einer Welt, der Empathie, Solidarität und menschlichen Wärme, zu einem Leben, dass Mensch und Umwelt wieder in Einklang bringt, herrscht heute ein Diktat, das unser aller Leben von uns und unserem nächsten entfremdet:

    Die geforderte soziale Distanz.

    Soziale Distanz und aktiver Widerstand laufen nicht zusammen. Die Aushölung unserer Grundrechte unter Corona Zeiten legt derzeit alle politischen Widerstands Bewegungen lahm- es gibt keine Möglichkeiten, sich in Verbänden, Bündnissen, und Bürgerinitiativen zu verabreden unddden Nährboden für gesunde Widerstands Bewegungen aufrecht zu erhalten. Videobesprechungen und Onlinepetitionen haben lãngst nicht die Öffentlichkeitswirkung, wie eine Großdemonstrationen, die über Monate in vielen miteinander vernetzten Gruppen vorbereitet und über Medien sowie soziale Netzwerke weithin bekannt gemacht wird. Online Petitionen verlaufen sich häufig  im politischen Dschungel.

    Die geforderte soziale Distanz und die Einschränkungen im Versammlungs- und Deminstrationsrecht unterhölen die Grundrechte unserer Demokratie. Über die Ausbeutung unserer Umwelt und die bedrohliche Klimaerwärmung, über katastrophale Lage der Flüchtlinge und der Ärmsten der Armen und Obdachlosen schweigen Politiker und Medien dieser Tage. Nachrichtensendungen, Medienberichte, Talksendungen und politische Debatten berichten gefühlt nur noch über ein Thema: Corona.

    Die geforderten sozialen Abstandsregeln und die Überwachungsmethoden zur Einhaltung der Maßregeln verändert das Wesen des Menschen. Unter den Angst einflößenden Eindrücken der Zeit droht der Mensch zum Gefolgsmann zu mutieren, der den in sich tragenden Widerstand irgendwann aufgeben wird. Die Entsolidarisierung und die einhergehenden Überwachungsmethoden werden seit Ausbruch der Pandemie mit großen Schritten vorangetrieben.

    . Mit zynischer Zunge gesprochen: Den Diktatoren von morgen kommt Corona von heute sehr gelegen.

    Ich weiß kein Mittel gegen Corona, die meisten von uns werden es sowieso bekommen, doch eins weiß ich genau :

    Diese Welt, in Angststarre versetzt, ist nie die Welt gewesen, von der ich je geträumt habe.

    Mögen sich uns, aller Angststarre zum Trotz zwei elementare Grundgefühle als gesunder Motor zum Handeln erhalten bleiben: Wut UND Zärtlichkeit.

    https://youtu.be/LmjInBo7aec

    Mit herzlichen Grüßen

  • Avatar
    Die A N N A loge
    Antworten
    P.S. Die Einhaltung der max. 1,5 Grad Klimaerwärmung zur Vermeidung eines unkontrollierten, exponentiellen Temperatureinstiegs erfordert weltweit ein ebenso konsequentes Handeln, wie die Eindämmung der Corona Pandemie.

    https://www.scinexx.de/news/geowissen/schwuelheisse-extreme-bedrohen-12-milliarden-menschen/

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