Konstantin Wecker, Wolf Schneider: Politik und Spiritualität

 In Konstantin Wecker, Politik (Ausland), Politik (Inland), Spiritualität, Wolf Schneider

Das Editorial der connection spirit 09/10/2014 war für die Stammleser der engagierten spirituellen Zeitschrift eine Überraschung. Das gewohnte, schon ikonenhafte Bild von Herausgeber Wolf Schneider wurde da ergänzt durch ein Foto von Konstantin Wecker. Beide haben das Editorial zusammen geschrieben und kündigten eine vertiefte Zusammenarbeit an. Hintergrund ist die Überzeugung, dass die Grabenkämpfe zwischen der linken politischen Szene (vor marxistischem Hintergrund häufig kritisch gegenüber allem Religiösen) und der meist unpolitischen Spiriszene überwunden werden müssten – im Interesse eines gemeinsamen Eintretens für eine liebevollere Welt, in der Innen und Außen zusammenwirken.

Israels Bombardierung des Gaza-Streifens, der Konflikt um die Ukraine und die Kriege und Stellvertreterkriege in Syrien und dem Irak haben dazu geführt, dass nun in Deutschland wieder diskutiert wird, ob man in Kriegsgebiete Waffen liefern sollte, wenn es denn »ein guter Krieg« ist. Ein »guter« Krieg??? Das Thema bewegt uns auch deshalb wie schon lange nicht mehr, weil die Medien uns mit Berichten über den 100 Jahre zurückliegenden, mit so viel Enthusiasmus begonnenen ersten Weltkrieg überschüttet haben, diese Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, in dessen Folge Hitler an die Macht kam, der dann den zweiten, noch schrecklicheren begann, den größten und schlimmsten Krieg aller Zeiten.

Özdemir und die Yogamatte

»Nie wieder Krieg« war der innere Schwur so vieler von uns nach diesen Katastrophen, doch diese Schwüre erodieren allmählich. »Mit der Yogamatte unterm Arm« würde man den im Irak verfolgten Jesiden nicht helfen können, sagt Cem Özdemir, der Chef der einst strikt pazifistischen Partei der Grünen kürzlich, sondern mit Waffen, und setzt damit Yoga, die populärste der heutigen spirituellen Praktiken, in Gegensatz zu den angeblich realistischeren Befürwortern von Waffen.

Hat die Friedensbewegung nach 6.000 Jahren von Kriegen bestimmter Menschheitsgeschichte überhaupt eine Chance? Ja, meinen wir – wenn die Politik nach Lösungen endlich nicht mehr nur im Kampf sucht oder in der Vorbereitung auf einen solchen, sondern in der Liebe, Menschlichkeit, Weisheit. Und wenn andererseits die den Weisheitswegen verschriebenen, spirituellen Menschen endlich auch den täglichen Einfluss der Außenwelt auf unser Inneres anerkennen: Auch das Sein bestimmt das Bewusstsein, nicht nur umgekehrt.

Sowohl als auch

Dieses Heft von Connection Spirit ist in mindestens zweierlei Hinsicht ein Novum. Zum einen widmet es sich dem »Sowohl als auch«, der »Nicht-Zwei« der nondualen spirituellen Bewegung des Advaita, die uns Gelegenheit gibt, hier mal wieder das Weltliche und Andersweltliche als voneinander untrennbar zu erklären.

Zum anderen beginnt hier eine Zusammenarbeit zwischen Konstantin Wecker und Wolf Schneider – zweier Menschen, die einander seit je sehr schätzen, von denen aber doch jeder ›sein Ding‹ gemacht hat (was sie auch weiterhin tun werden) und die nun, an einem schönen Tag im Juli 2014, beschlossen, sich für einige publizistische Projekte zusammenzutun. Weil wir uns mögen, das ist das eine. Aber auch, weil man zusammen weiter kommt als allein. Und weil drittens das politische Engagement, für das Konstantin seit Jahren mit seinen Liedern, seinem Pazifismus und seinen Aktionen gegen Rechts steht, sehr gut zusammenpasst mit dem spirituellen Engagement und dem beschönigungslosen Blick ins eigene Innenleben, wofür Wolf steht mit seiner Zeitschrift Connection.

Mönch und Krieger, Autor und Aktivist

Es gibt seit diesem Frühjahr auch ein Buch von Konstantin, das genau diesen Spannungsbogen zum Thema hat: Mönch und Krieger heißt es. Mit »Mönch« ist der Teil von Konstantin gemeint, der das andere, Andersweltliche sucht, die Transzendenz, die Mystik; und mit »Krieger« ist der Teil von ihm gemeint, der die Verhältnisse, so wie sie sind, mit all ihrem Leiden, nicht einfach hinnehmen will, sondern sich für eine bessere Welt einsetzt und dabei auch mal wütend wird, wie er es in seinem Lied »Wut und Zärtlichkeit« ausdrückt.

Trotz seinem eher spirituell ausgerichteten Lebensweg vom Philosophiestudenten über den buddhistischen Mönch und Osho-Sannyasin zum Herausgeber dieser Zeitschrift ist auch Wolf immer ein politischer Mensch gewesen. Sein großes Vorbild als Blattmacher, Aktivist und Humorist ist noch immer Kurt Tucholsky mit dessen Zeitschrift Weltbühne.

Ab jetzt findet ihr in jeder Ausgabe von Connection Spirit einen Text von Konstantin oder über ihn, außerdem seine Tourdaten (meist auf Seite 2). Diesmal ist sein redaktioneller Beitrag das Interview, das Michaela Doepke mit ihm zum Thema Mitgefühl gemacht hat (S. 22–25). Konstantin ist nun Teil der Connection-Redaktion, und Wolf wird sich auf Konstantins Webseite hinter-den-schlagzeilen.de bemerkbar machen. Das Thema der Verbindung von Politik und Spiritualität bleibt bei uns also weiterhin lebendig!

Mit herzlichem Gruß

Konstantin Wecker
info@wecker.de

und Wolf Schneider
schneider@connection.de

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