Mensch unter Menschen sein

 In FEATURED, Konstantin Wecker, Politik

Mitgefühl verbindet, wo Rechte stets Unterschiede betonen und Grenzen ziehen. Wir leben in Zeiten, in denen sich immer gerade die Verhärteten – diejenigen, die Not Leidenden Hilfe und Freundlichkeit verweigern – selbst als „Realisten“ zu positionieren versuchen. Dabei ist das nur ihre düstere Realität. Es wird Zeit, eine andere, eine neue Wirklichkeit zu etablieren, in der wir füreinander da sind und in der vor allem das Herz unser Wegweiser ist. Die Willkommenskultur des Jahres 2015 war ein Leuchtfeuer der Menschlichkeit. Heute hat dieser Impuls an Kraft verloren, die „Realpolitiker“ haben ihn unter Phrasen und Auswüchsen der Flüchtlingsabwehr-Politik begraben. Lassen wir ihnen das nicht durchgehen! Bleiben wir unter allen Umständen Menschen!  Konstantin Wecker, Auszug aus dem Vorwort zu „Dann denkt mit dem Herzen“, erhältlich im Sturm-und-Klang-Shop.

Warum bin ich mehr als ein halbes Jahrhundert lang lieber in Gedichte und Musik eingetaucht als in realpolitische Ideen oder Ideologien? Ich habe mir darüber nie Rechenschaft abgelegt, erst jetzt, im Alter, beschäftigt mich rückblickend diese Frage. Vielleicht hat es ja mit einem Satz Fjodor Michailowitsch Dostojewskis zu tun, den ich erst jetzt zu verstehen beginne: „Mensch unter Menschen zu sein und es auch immer zu bleiben, das ist der Sinn des Lebens, das ist seine Aufgabe.“

Mensch unter Mensch sein – kein besserer Mensch unter schlechteren, kein reicherer unter ärmeren, kein schönerer unter weniger schönen, nein: Mensch unter Menschen. Ist das nicht der wirksamste Protest gegen den in unserem Wirtschaftssystem forcierten Leistungsdruck, den Selbstoptimierungswahn, der über Medien und Ratgeberbücher nach und nach unsere Gehirne kolonialisiert? Nichts Besonderes sein zu wollen, damit allein könnte man sich wohl  heute von der Masse der Überindividualisierten absondern. Und ist nicht gerade das das fatale „Alleinstellungsmerkmal“ rechtsgerichteter Ideologien, dass sie immer und überall Unterschiede zu konstruieren versuchen: zwischen „Leistungsträgern“ und „Minderleistern“, zwischen dunkel- und hellhäutigen Menschen, zwischen dem „Eigenen“ und dem „Fremden“? Und die überlegene Gruppe ist – man ahnt es – dabei immer die eigene, wie zunehmend lauttönend in Kneipen, im Wohnzimmer, auf Straßen und Plätzen beschworen wird.

Wie gut tun da Menschen zu beobachten, denen – wie ich in einem älteren Text geschrieben hatte – „das Leben ganz leise viel echter gelingt.“ War es das, was mich hinzog zu den Poetinnen und Poeten, diese unbedingte Bescheidenheit in einer ausschließlich dem Wettbewerb, dem Schöner, Besser, Klüger und vor allem Reicher verfallenen Gesellschaft? Einer Gesellschaft, die sich ausschließlich dem Haben und nicht dem Sein verschrieben hat – um dieses sehr treffende Gegensatzpaar zu zitieren, das Erich Fromm geprägt hat. Dabei weiß ich als Künstler am besten, dass uns nichts mit Gewissheit und für immer gehört. Nicht einmal die eigenen Lieder, die ich niemals habe, die eher durch mich hindurch als aus mir herausgeflossen sind. Der kommerzialisierte Zeitgeist will alles in eine Handelsware verwandeln, auch Kunst und Inspiration, wo es doch vielmehr darauf ankäme, dass jeder – ob prominent und ganz unbekannt – lernt, sein eigener Gesang zu sein.

Meine großartigen, leider verstorbenen Freunde, Dieter Hildebrandt, Petra Kelly, Arno Gruen, Hans Peter Dürr – um nur einige zu nennen –, einte eine wunderbare Eigenschaft: ihre Bescheidenheit. Ihre Fähigkeit Menschen nicht nach deren Rang und Namen zu bewerten und allen immer auf Augenhöhe zu begegnen. Nicht unterwürfig, aber eben auch nie überheblich. Wirkliche Größe hat es nicht nötig, sich durch das Kleinmachen anderer zu beweisen. Die Wunden, die wir einander und der Welt zufügen, haben indes fast immer mit Unbescheidenheit und Ich-Zentriertheit zu tun. Etwa die zerstörerische Auffassung, dass der Mensch „Krone der Schöpfung“ sei, dass er Mitmenschen, Tiere und Umwelt als beliebig manipulierbare und ausbeutbare Objekte behandeln könne. Und – eng damit verbunden – die Meinung, einige seinen „gleicher“ als andere und dürften diesen ihre Rechte aberkennen.

So sind – auch auf dem Boden des „christlichen Abendlands“ – Räume reduzierter Menschenwürde entstanden, an die sich eine Mehrheit der noch Satten auf beunruhigende Weise gewöhnt hat: Gefängnisse, Kasernenhöfe, die trostlosen Wartezonen der Hartz IV-Behörden, die bedrückenden Aufbewahrungslager für Geflüchtete und die Strände von Lesbos oder Lampedusa, wo wöchentlich Schiffe voller verzweifelter, besitzloser Menschen landen. So fern uns diese Schicksale vorkommen mögen, wir können sie nicht fernhalten von unserer Seele – spätestens jetzt, da „die Probleme“ vor unserer Haustür stehen: in Form von konkreten Menschen, Frauen, Männern und Kindern. Schon Hugo von Hofmannsthal schrieb in seinem wunderbaren Gedicht: „Doch ein Schatten fällt von jenem Leben in die anderen Leben hinüber,/ Und die leichten sind an die schweren wie an Luft und Erde gebunden.“

Freilich, wir scheinen in unserer westlichen Gesellschaft noch eingebettet in eine gewisse Art von Wohlstand und vermeintlicher Freiheit. Dennoch hat sich auch um unsere Kehlen eine Garotte, ein Würgeeisen geschnürt, dem wir nicht entkommen werden, wenn wir nicht auf der Stelle umdenken, uns widersetzen, aufschreien, handeln. Was es dafür bräuchte, ist zunächst guter Wille. Das klingt einfach, ist aber keinesfalls selbstverständlich. Leonardo Boff, der brasilianische Befreiungstheologe schreibt dazu: „Der gute Wille ist das einzig Gute, das in sich selbst gut und das unbeschränkt ist. (…)  Guter Wille setzt eine Öffnung für den anderen und bedingungsloses Vertrauen voraus. Dies ist für Menschen machbar. Wenn wir mit dem guten Willen nicht ernst machen, werden wir keinen Weg aus der verzweifelten Sozialkrise finden, die ganze Gesellschaften an den Rändern der Erde zerreißt und die für die Millionen von Flüchtlingen verantwortlich ist, die sich auf den Weg nach Europa begeben haben.“

Guter Wille ist nicht alles, aber wo kommen wir hin, wenn wir nicht einmal den haben? Bei den politischen und ökonomischen Eliten, ja auch bei vielen politisch dahindämmernden „Normalbürgern“ fehlt er schmerzlich. Ich habe nie allein dem Erfolg getraut, der zu einem Götzen unserer Zeit geworden ist – nicht einmal dann, wenn es um den Erfolg in einem gerechten Kampf geht. Man muss das Richtige um seiner selbst willen tun, weil man nicht anders kann, mag sich die Welt auch vom eigenen ehrlichen Gesang unbeeindruckt zeigen. Siegen können wir unter den herrschenden Machtverhältnissen nicht immer, aber wir können tun, was getan werden muss. Der beste Wegweiser ist dabei noch immer das Herz.

Es sind kalte Zeiten, in denen das Mitgefühl obsolet wird. Sogar das Gute, das Gut-sein-Wollen selbst wird Gegenstand von Hohn und Anfeindungen. So brüchig Moralvorstellungen auch sein mögen, Güte kann noch immer ein Orientierungsmaßstab sein, der trägt, wo neue Herausforderungen an uns herangetragen werden. Daher stört die Güte diejenigen, die von ihrem Fehlen profitieren und der Vorwurf, ein „Gutmensch“ zu sein, wird gegen engagierte Menschen wie ein Giftpfeil abgeschossen. Immer wieder musste ich als Reaktion auf meine öffentlichen Äußerungen zur Flüchtlingsfrage hören: Wer zu viel Mitgefühl hat, hat keinen Verstand. Aber war es denn zu viel Mitgefühl, was uns in diese desaströse Situation gebracht hat? Oder nicht vielmehr der himmelschreiende Mangel daran?

„Wir glauben, unser Denken sei realistisch, wenn es von Mitgefühl befreit ist, von der Fähigkeit, Schmerz zu teilen, Leid zu verstehen, und vom Gefühl der Verbundenheit mit allen Lebewesen.“ So schrieb mein leider unlängst verstorbener Freund, der große Psychoanalytiker Arno Gruen. „Denken wir aber ohne Mitgefühl, dann leben wir in einer Scheinwelt aus Abstraktionen, die Kampf und Konkurrenz zu den Triebkräften unserer Existenz machen. In dieser Welt der Abstraktionen dominiert die Gewalt. Ein Bewusstsein, das auf Abstraktionen basiert und das Empathische verdrängt, entfernt den Menschen von der Realität. Es führt zu den uns zerstörenden gewalttätigen Kriegen, welche die Geschichte der Zivilisationen charakterisieren.“

So wichtig eine realistische Lebenseinstellung sein mag, sie darf nicht zum Käfig werden, in den wir unsere unmittelbaren Impulse, Menschen zu verstehen, zu schützen und zu helfen, einsperren lassen. Liebevolles Sprechen und Handeln muss sich ungestört von der Vorzensur vernünftelnder Machbarkeitserwägungen entfalten können. Was wäre denn das Gegenteil jener „Abstraktion“, von der Arno Gruen spricht? Nehmen wir, an jemand bricht direkt vor Ihnen auf der Straße zusammen – fragen Sie dann erst, ob dieser Mensch Ausländer ist oder Deutscher, Linker oder Rechter, Armer oder Reicher? Sie helfen. Oder Sie sind ein durch Ideologien verblendeter, in abstrakten Denkgebäuden gefangener Mensch. Vielleicht ist dies ja die einfachste Definition von Rassismus: kein Gefühl zu empfinden für Menschen, die einem irgendein völlig vom Menschsein losgelöstes Gedankenkonstrukt als minderwertig vorgaukelt.

Täglich vernehmen wir die Stimmen der „Vernünftigen“: die Obergrenze sei erreicht, die Zuwanderung müsse gestoppt werden, die Willkommenskultur sei höchst umstritten und Mitgefühl sei Schwäche. Milliarden Menschen wird ein lebenswertes Leben vorenthalten von einer kleinen Minderheit von Superreichen – und die Stimme der „Vernünftigen“ erklärt das zum Naturgesetz. Wenn das Vernunft sein soll, wird es zunehmend wichtig, die Stimme der „Unvernunft“ zu Wort kommen zu lassen, die Stimme des Herzens, damit diese nicht für immer verlorengeht.

Daniela Dahn, diese großartige und mutige Journalistin, schrieb im „Freitag“: „Hier zeigt sich die strukturelle Gnadenlosigkeit des Kapitalismus. Sein Eigentum ist oft gesetzlich legitimierter Diebstahl. Die westliche Leitkultur ist eine Leidkultur für die Schwachen. Die Ursachen des Flüchtlingsexodus zu bekämpfen ist deshalb so aussichtslos, weil sie im System stecken. Auf dem Weltsozialforum in Nairobi hat Bischof Tutu eine neue Weltordnung gefordert. Unter dem wird es nicht zu machen sein.“ Ja, liebe Daniela, so sehe ich das auch.

„Wer Visionen hat, solle zum Arzt gehen“ meinte seinerzeit Kanzler Schmidt. Umgekehrt wird der Satz sinnvoll: Wer keine Visionen hat, sollte dringend einen Arzt aufsuchen.

Kurz vor Weihnachten bat ich darum, über Facebook eine wunderschöne Meldung zu verbreiten:

Bei einem Angriff der islamistischen al-Shabaab-Miliz auf einen Bus im Nordosten Kenias haben die Angreifer die Passagiere des Busses aufgefordert, sich nach Christen und Muslimen aufzuteilen, um die Christen anschließend zu töten. Die Muslime aber weigerten sich, die Christen auszuliefern, sagte der kenianische Innenminister Joseph Nkaissery. (Quelle: Süddeutsche Zeitung) CNN zufolge waren etwa 100 Menschen in dem Bus. Ein Zeuge berichtet, dass die Muslime den Christen geholfen hätten, sich auf dem Dach und im Bus zu verstecken. Christlichen Frauen seien Hijabs, also muslimische Verschleierungen, gegeben worden, damit die Terroristen sie für Musliminnen halten. Die Passagiere des Busses waren mehrheitlich Frauen. Sie sollen die Terroristen aufgefordert haben, sie entweder alle zu töten oder zu verschwinden. Die Terroristen zogen sich daraufhin zurück. „Diese Muslime haben eine sehr wichtige Botschaft der Einheit ausgesandt, indem sie sagten, wir sind alle Kenianer und wir können nicht geteilt werden vom Menschen“, sagte Nkaissery.

So ist es, und meine aufrichtige Bewunderung gilt diesen 100 Menschen. Von ihnen dürfen wir lernen. Schützen wir bitte ebenso mutig die Muslime in unserem Land vor den Baseballschläger schwingenden Feiglingen, vor den brandstiftenden Rassisten, vor all jenen, die unsere „christliche Kultur“ bewahren wollen und dabei so wenig Ahnung haben von Kultur, wie ein Rassist vom Menschsein.

Über dreieinhalb Millionen Menschen erreichte ich mit dieser Geschichte und über dreißigtausend likten diesen Beitrag. Aber in vielen Kommentaren wurde ich beschimpft, weil ich diese „rührselige Story“, diesen „Kitsch“ weiterverbreiten würde, da ja sowieso alles nur ein Produkt der Lügenpresse sei. Es schmerzt, lesen zu müssen, wie einige Menschen sich so in ihr nationalistisches Schneckenhaus verkrochen haben, dass nichts mitfühlend Menschliches sie mehr erreichen kann. Ihre Angst und ihr Misstrauen hat ihnen die Sicht auf die Welt geschwärzt, als hätten sie Tag und Nacht eine dunkle Brille aufgesetzt.

Das Wunder der vergangenen Jahre aber war und bleibt für mich die Willkommenskultur: Millionen Menschen öffneten ihr Herz und halfen den Notleidenden, den Geflüchteten. Zwar habe ich trotzig manchmal beschworen, ich würde auch weiterkämpfen, wenn ich mit meiner Meinung ganz allein stünde. Aber es ist doch weitaus schöner, sich getragen zu fühlen von vielen ähnlich Gesinnten. Und die finden sich zum Glück nicht nur im linken Spektrum. Unter den Helferinnen und Helfern sind Bürgerliche wie Arbeiter, Christen wie Atheisten, Prekäre wie Situierte, Hausmänner wie Straßenkehrerinnen… Ich bin nicht allein, das ist mein Trost. Mag Pegida noch so zetern und hetzen – wir lassen uns von Rassisten nicht die Welt verdunkeln.

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    Mome
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    Mit der Zeit brach er

    aber in der Brachzeit keimte

    neues Leben schon

     

    mm

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    Mome
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    ENTGEGEN DER OHNMACHT

     

    Weit ab und doch nah

    stolperte sie durchs Leben

    denn was sie sah

    das liess sie beben

     

    Zitternd noch und schwach

    will sie ihr Schicksal lenken

    nicht gebrochen, sondern wach

    lenkt sie ihr eigenes Denken

     

    Gerade das ist es eben

    was sie nicht brechen liess

    sondern sich im Leben

    grundlos verschenken hiess

     

    mm

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    Mome
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    HOFFNUNG

     

    Gebe

    als Verlorene

    mich hin und

    lebe

     

    Schaue

    mit leicht

    hochgezogener

    Braue

     

    Hetze

    atemlos

    durch der Welten

    Gesetze

     

    Wandle

    händeringend,

    reiche Hände,

    handle

     

    Raune

    mein Flüstern

    ins All und

    staune

     

    Träume

    in dunklen Nächten

    lichte, weite

    Räume

     

    Hauche

    zweifelnd Hoffnung

    aus dem

    Bauche

     

    mm

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    Mome
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    Nachsinnen über die

    die nicht mehr bei Sinnen sind

    und sich besinnen

     

    mm

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    Mome
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    UM DES WUNDERS WILLEN

    Um des Wunders willen

    das Lied dem Leid entgegensetzen

    und mit der Raupe sterben

    um Schmetterling zu werden

     

    Um des Lebens willen

    Mensch unter Menschen sein

    und gerade im Unvollkommenen

    dem Anderen vollkommen sein

     

    Um der Freiheit willen

    weite Runden drehen

    trotz gestutzter Flügel

    neuen Höhen entgegen

     

    Um der Liebe willen

    das Wagnis eingehen

    dem Schutz der Knospe

    entwachsen und blühen

     

    mm

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    Mome
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    CANTATA CON ANIMA

     

    Es ist immer dasselbe Lied in einem Orchester:

    Selbst die, welche mit Engelsstimmen säuseln

    glauben nicht an die Allmacht des Dirigenten

     

    Das Fagott meinte, es sei wahrlich bigott

    so zu tun, als würde man dem Taktstock folgen

    dann aber hintenrum falsche Töne zu spielen

     

    Es ist ein Katzenjammer, säuselt die Oboe

    lauter Misstöne wie in einem Heulkonzert –

    denen sollte mal jemand den Marsch blasen

     

    Ein Piccolo lachte sie mit hoher Stimme aus

    und der Bass brummte in tiefem Einverständnis

    Das Cello jammerte und blies ins gleiche Horn

     

    Der Dirigent war aus allen Fugen und rief:

    So kann es nicht weitergehen, blättern wir um

    Ohne einen Mucks wurden die Saiten gewechselt

    und das Orchester setze sich neu zusammen

     

    Im Gleichtakt erzitterten das Cembalo

    und die Zitter in einem Tremolo und

    ein Trommelwirbel erfasste den Rest

    der frisch gestimmten Instrumente

     

    Da stieg ein Ton aus tiefsten Tiefen

    weit über das Orchester hinaus

    und es mündeten laute und leise Töne

    in einen einzigen, zarten Bogenstrich

     

    mm

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    heike
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    Wenn ich die Menschen auf diesem Foto sehe, dann sehe ich meinen jüngeren Sohn vor einigen Jahren. Mit Vertrauen und unzerstört sah er völlig selbstverständlich optimistisch in seine Zukunft. Jetzt ist er er seelisches Wrack und mir wird gedroht, wenn ich weiter auf diesen Seiten lese oder schreibe, dann werden seine Wurzeln (dafür werden andere Worte benutzt) völlig abgeschnitten. Er ist so leer und fühlt solche seelischen Schmerzen, weil man ihn von mir getrennt hat. Ich finde das unendlich traurig.
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    heike
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    Ich verstehe auch nicht, wie man zu der Annahme kommen kann, dass man Ausländer ausgrenzen muss, um selbst ein besseres Leben haben zu können.

    Ich habe hier Menschen kennengelernt, die seit vielen Jahren ein schweres Los zu tragen haben und an Krankheiten und auch Geldmangel leiden. Zu mir waren das gute Menschen, die dankbar für Zuwendung waren und keine großen Ansprüche stellten, aber die Hilfe, die ihnen aus der Nachbarschaft zuteil wurde, schätzten. Diese Menschen sind ernsthaft der Meinung, ihr Leid hängt mit der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel von 2015 zusammen, weil wir (unser Land) uns dadurch solch immense Ausgaben aufgehalst hätten, dass für sie selbst, das Gesundheitswesen und die Schulen nicht mehr genug übrig ist.

    Die Nachbarschaftshilfe tut ihnn natürlich gut – das ist Hilfe im Sinne des Gemeinwohles, wie es von der AfD in Sachsen betrieben wird – immer versehen mit der nötigen Propaganda und der „Aufforderung“, dafür AfD zu wählen. So wird hier Politik gemacht. Und denen, die nicht mitmachen, werden die Wurzeln abgeschnitten, so dass sie über kurz oder lang handlungsunfähig und/oder zum Pflegefall werden.

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    heike
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    Um des Lebens willen

    Mensch unter Menschen sein

    und gerade im Unvollkommenen

    dem Anderen vollkommen sein

     

    Das finde ich sehr schön. Dem anderen eine Ergänzung sein, an der er wachsen kann – oder siese Ergänzung annehmen und den damit geschenkten Raum ausfüllen, wenn das möglich ist, oder aber ein wenig gesunden.

    Ich glaube, so ist das neue Miteinander gemeint. Nicht: dem anderen Verletzungen zufügen, damit man die Kontrolle über ihn gewinnt.

     

    Wir brauchen viele starke Menschen, keine gestählten. Und das ist Arbeit, jeden Tag.

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    Brand,Hildegard
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    Mein Kommentar ist ein Gedicht:                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Nahöstlich fern                                                                                                                                                                                                                                                                                Noch kauert                                                                                                                                Winterfurcht                                                                                                                      auf heimatlosen Seelen,                                                                                                                  Irrlichtern gleich.                                                                                                                                                                                                                                                                                       Ach!                                                                                                                                                                                                                                                                                Wenn sie´s doch könnten –                                                                                                 sanften Frühlingsatemdüften trauen,                                                                                                    die  heimlich sich,

    aus nahöstlich fernen Trümmern sprießend,                                                                                       vielleicht ein letztes Mal,                                                                                                               verschwenden wolln,                                                                                                hinein in längst zerteilte Himmelsmeere .                                                                                                                                                                                                                                                           Tiefdrunten,                                                                                                        zwischen Hellas archaischen Flotten,                                                                                                            treiben sie,                                                                                                                                                                                                                                                                                        5000 Leiber,                                                                                                                                                                                                                                                                                         berstend                                                                                                                       unweit von sicheren Häfen.                                                                                                                                                                                                                                                                      Frontex  und Co.                                                                                                                                                                                                                                                                            verwehrten schuldig                                                                                                            rettenden Schiffen den Weg.                                                                                                                                                                                                                                                  Das taten Göttinnen, Götter nicht !                                                                                                                                                                                                                                               Das taten                                                                                                                                                                                                                                                                                       Menschen Regeln                                                                                                         zum Schutze der Festung Europa,                                                                                                                                                                                                                                                                       eiskalt                                                                                                                                         beflaggt!                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Fr. Nietzsche: Vereinsamt                      „Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!“                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Hildegard Brand, Stuttgart, 13.04.2019

     

     

     

     

     

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    Brand,Hildegard
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    Mein Kommentar ist ein Gedicht, noch einmal in verständlicher Form: Hildegard

    Nahöstlich fern

    Noch kauert

    Winterfurcht

    auf heimatlosen Seelen,

    Irrlichtern gleich.

    Ach!

    Wenn sie´s doch könnten –

    sanften Frühlingsatemdüften trauen,

    die heimlich sich,

    aus nahöstlich fernen Trümmern sprießend,

    vielleicht ein letztes Mal

    verschwenden wolln

    hinein in längst zerteilte Himmelsmeere.

     

    Tiefdrunten,

    zwischen Hellas´ archaischen Flotten

    treiben sie,

    5000 Leiber,

    berstend

    unweit von sicheren Häfen.

     

    Frontex und Co.

    verwehrten rettenden Schiffen den Weg.

     

    Das taten Göttinnen, Götter nicht!

    Das taten

    Menschen, Regeln –

    zum Schutze der Festung Europa,

     

    eiskalt beflaggt!

     

    Fr. Nietzsche: Vereinsamt           “ Wohl dem, der jetzt noch- Heimat hat!“

     

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    marion
    Antworten
    Man kann dem Autor abstrakt zustimmen, was fordert er aber politisch? Herz ist zu wenig, wird hier auch zu oft erwähnt!
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    heike
    Antworten
    Marion, man sollte aufhören, immer nur zu fordern, sondern seinen gesunden Menschenvestand walten lassen und auch geben.

    Und noch einmal: Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean an Verstand. Und uns wird nur Liebe heilen.

    Liebe – keine Dummheit, keine Feigheit, keine Heuchelei und keine Lügen.

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    marion
    Antworten
    Heike, ich muss doch wissen, was der Autor konkret haben möchte! Liebe alleine wird uns nicht helfen, so führe ich auch keine Debatte, danke!

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