„Mieser Lohn für wirklich wichtige Arbeit“

 in FEATURED, Gesundheit/Psyche, Politik

Redebeitrag Konstantin Weckers bei der „Break isolation“-Kundgebung am Montag, 11. Mai 2020. Der Liedermacher beklagt in seiner Rede, dass die Politik Milliarden für die Rüstung und für reiche Konzerne bereit stellt, aber nicht für ein Leben und Sterben in Würde sorgt. Dies betrifft vor allem Alte, Kranke und Demente, aber auch Flüchtlinge, die jetzt noch mehr als bisher vor verschlossenen Türen stehen. Auch die Entlohnung der Pflegekräfte, die man nach wie vor mit billigem Applaus abzuspeisen versucht, ist ein Skandal. Konstantin Wecker

Liebe Freund*innen und Freunde hier live vor Ort und wo immer ihr seid vor dem Live-Stream,

Gerade Alte und Kranke und Demente bedürfen einer besonderen Rücksichtnahme und vor allem: sozialer Kontakte.
Ich durfte selbst erleben bei meinen beiden Eltern, wie wichtig es für die Sterbenden und die Überlebenden ist, sich in den Tagen und Wochen des Abschiednehmens nahe zu sein! Es ist ein Skandal, dass die deutsche Politik Milliardengeschenke für Aktienkonzerne, Rüstungskonzerne und Steuerflüchtige beschlossen hat, aber nicht für die Möglichkeit eines würdevollen Sterbens auch in Zeiten von Covid-19 sorgt.

Ich möchte Euch gerne einige Zeilen aus meinem Willy 2020 vorlesen, den ich auf unserem Antikriegs-Konzert „Poesie & Politik in stürmischen Zeiten“ am 11. April zum ersten Mal gespielt habe:

Wir haben unsere Erde aus reiner Profitgier kaputt gewirtschaftet (…) vielleicht spüren jetzt viele von denen, die sich noch vor nicht allzu langer Zeit über Greta lustig gemacht haben, wie recht diese großartige junge Frau hat?

Vielleicht lernen wir jetzt mal diese so überlebenswichtige Solidarität von unten?

(…) Ich will in keiner Gesellschaft leben, in der all jene am miesesten entlohnt werden, die die wirklich wichtige Arbeit verrichten: KrankenpflegerInnen, HospizarbeiterInnen und ach so viele mehr. Und wo die unwichtigsten Berufe am besten bezahlt werden. Ich denke ihr wisst, welche ich meine.

Und vielleicht verstehen jetzt viele Menschen in dieser Krise, dass die Güter und Ressourcen dieser Welt allen gehören sollen: Bildung, Gesundheit, Wohnung, sauberes Wasser, Essen.

Wie konnten wir jemals zulassen, dass Luft, Erde, Wasser, oder der genetische Code von Pflanzen und Tieren zu Privateigentum gemacht wurden und werden?

Jetzt ist die beste Gelegenheit, über Enteignung zu sprechen.

Mal ganz konkret Willy: Wir sollten endlich die Türen der jetzt ohnehin nutzlos leerstehenden Luxushotels in München und Berlin und überall öffnen für die schutzsuchenden Menschen aus den Kriegsgebieten dieser Welt! Für die Schutzsuchenden aus Syrien, aus Kurdistan, aus Afghanistan, Somalia und Irak, für die Geflüchteten aus den menschenunwürdigen Lagern an den EU-Außengrenzen wie in Moria auf Lesbos oder den Folterlagern in Libyen, die jetzt besonders schutzlos diesem Virus ausgeliefert sind.

(…) Jetzt ist es an der Zeit, den Stopp aller Rüstungsproduktionen und Rüstungsexporte zu fordern und es ist Zeit für einen Waffenstillstand weltweit, ein Waffenstillstand, der vielleicht den Menschen zeigen würde, dass Frieden sehr viel erstrebenswerter ist.

Willy, jetzt ist es an der Zeit über die Utopie zu sprechen einer herrschaftsfreien Welt, wo der Menschen Miteinander unser Sein zusammenhält.

Jetzt könnten wir erkennen, dass wir alle Wesen einer Gemeinschaft sind und nicht gemeine Wesen, zu denen uns der Neoliberalismus immer erziehen wollte.

Und wir müssen jetzt und sofort unsere Stimme erheben für die Schutzsuchenden, für die Geflüchteten, Gefangenen, Obdachlosen.

(…) Freiheit, des hoasst koa Angst habn vor nix und neamands!“

Deshalb halten wir ab jetzt zusammen!

Und lasst mich noch als Musiker und Künstler eine Herzensangelegenheit ansprechen: Denn Kunst, Musik und Kultur ist ein Grundbedürfnis von Menschen:

Wenn es also derzeit wieder erlaubt ist, dass sich hunderte in Baumärkten versammeln, wenn Gläubige wieder in die Kirchen gehen dürfen, dann ist es nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet Kunst und Konzerte weiter verboten bleiben anstatt sich vernünftige Hygienekonzepte zu überlegen.

In diesem Sinne: Bis bald!

Showing 4 comments
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    Mario
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    Ich will in keiner Gesellschaft leben, in der all jene am miesesten entlohnt werden, die die wirklich wichtige Arbeit verrichten: KrankenpflegerInnen, HospizarbeiterInnen und ach so viele mehr. Und wo die unwichtigsten Berufe am besten bezahlt werden. Ich denke ihr wisst, welche ich meine.

    Wer möchte das schon?
    Aber das Märchen von der unterbezahlten Krankenpflegerin ist immer noch ein Märchen, auch wenn man es ständig wieder und wieder erzählt.
    Frag mal den Kfz-Mechatroniker, was der von der Behauptung hält, Kranken- und Altenpflegerinnen wären zu schlecht bezahlt. Während er sich Rückenschmerzen schuftet, damit die Krankenpflegerin mit ihrer Karre sicher zur Arbeit kommmt, kann sie sich von ihrem „Gehaltsvorsprung“ nämlich einen Ersatzwagen mieten.

    Oder anders gesagt: Einfach mal bei z.B. ausbildung.de vorbeigeschaut, wo man sich über Berufe und deren durchschnittliche Bezahlung während und nach der Ausbildung informieren kann.
    Ich fürchte, der Kfz-Mechatronier verliert das „Duell“. Trotz längerer Ausbildung übrigens.

    Generell würde ich ansonsten zustimmen, sofern es um Geldzahlungen (Corona-Hilfen) an Milliardenkonzerne und Rüstungsausgaben geht. Weniger ist da mehr, es gibt genug andere Menschen und Wirtschaftszweige, die man eher mit Geld versorgen sollte. Unser „Tafelsilber“ ist der Mittelstand. Nicht Konzerne, die trotz Corona-Krise noch Dividenden auszahlen und/oder Rekordgewinne einstreichen.
    Zum unternehmerischen Risiko gehört es eben auch, Rücklagen für schlechte Zeiten zu bilden bzw. gebildet zu haben.
    Zur Frage der Flüchtlinge kann ich mich dank diesen Videos kurz fassen. https://www.youtube.com/watch?v=GAGgxN4mak4

    • Avatar
      Gerechtigkeit
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      Mario,

      …von WIRKLICH wichtiger Arbeit ist hier die Rede

      und dass eben diese ( vorrangig ) hochbezahlt sogar sein MUSS – es ist der Dienst am Menschen !

      Also – die Pflege eines Dieselmotors und die Pflege Alter, Kranker und Menschen mir Einschränkungen u.u.u. Pflegebedürftiger –

      sollte man nicht ineine ‚gleichwertige‘ Relation mit dem Industriehandwerk setzen.

      Aber – dass Jeder hier für Arbeit ‚anständig‘ bezahlt werden müsste, in einem gerechten System ( wenns eins wäre ), dagegen gibts nix zu sagen, ist völlig richtig.

      Und dass die skandalöse Unterbezahlung der Pflegekräfte  ein ‚Märchen‘ wäre…

      da hast du dich wohl verirrt, mit dieser Behauptung, könnte durchaus vom Gesundheitsverhinderer Spahn und/oder vom Wirtschaftsspeichellecker Altheimer stammen.

       

       

       

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    Gerold Flock
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    Ich bin richtig froh gewesen, als ich in der früh aus dem Fenster geschaut hab. – Das wird Regen geben…wahrscheinlich Gewitter…Nun ja. – 4 Stunden Radfahrt hin und 4 Stunden Radfahrt zurück. – Also 8 Stunden Radfahren für eine DEMO. Hab ich ja alles schon gemacht. – Aber nicht bei Donnerwetter. – Ich bin doch nicht bescheuert.

    Also war da wieder mal eine DEMO ohne mich. – So wichtig bin ich nun auch nicht.

     

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    c.g.
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    mein beruf ist systemrelevant.

    nein, meiner.

    hehe, stimmt nicht. der meine ist noch viel systemrelevanter

    …..

     

    haha

     

    das klappt ja ganz hervorragend.

     

    denn schon wieder streiten sich die leute.

    wenn wir uns gegenseitig „den boden unter den füßen wegziehen“ und uns „in die fresse schlagen“ dann ist genau das systemrelevant.

     

    statt den problemursachen auf den grund zu gehen, sich gegenseitig zu fragen, „wo grad der schuh drückt“ und dann gemeinsam darüber nachzudenken, was besser gemacht werden kann und muss.

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