Roger Köppel: ein Schönhuber der Schweiz?

 in Holdger Platta
Holdger Platta

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Das „Tote Meer“, in Vorderasien gelegen, kennen wir seit langem schon. Doch mittlerweile entsteht vor unser aller Augen immer furchtbarer ein anderes Meer, das mit Tod assoziiert werden muß: das „Meer der Toten“ – das Mittelmeer zwischen der afrikanischen Küste und dem italienischen Festland. Auf über 10.000 ertrunkene Flüchtlinge schätzt pro asyl die Anzahl der Opfer, die bei ihrer Fluchtversuch nach Europa mittlerweile sterben mussten. Holdger Platta greift dieses Thema am Beispiel einer Talkshow auf, die vor einigen Wochen zu diesen Problemen in der ARD ausgestrahlt wurde, in der sonntäglichen Abendrunde bei Günther Jauch.

Ich gebe zu, ich bin immer noch aufgewühlt.

Am Sonntag, den 19. April, vor gut vierzehn Tagen mithin, bot Günther Jauch einem Diskutanten ein Forum, das sich anderwärts rechtspopulistische Ideologen nur wünschen könnten. Ich spreche von Roger Köppel, Redakteur der Zürcher Weltwoche, der keine 24 Stunden nach dem Tod von mindestens 700 Flüchtlingen auf dem Mittelmeer, in der Talkshow der ARD die folgenden Thesen vertrat:

• Am Tod der Menschen auf dem Mittelmeer seien unter anderem Journalisten wie Heribert Prantl schuld (von der Süddeutschen Zeitung), Journalisten, die den Flüchtlingen erst „Anreize zur Flucht“ verschafften und in die „Todesfalle“ lockten;
• die Schleuserbanden seien „strikte“ zu bekämpfen, auch wenn dabei der Tod Tausender von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer in Kauf genommen werden müsse;
• jede Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer sei Beihilfe für die Schlepperbanden.

Einwände und Entgegnungen anderer aus der Talkshowrunde halfen dagegen nichts. Maya Alkhechem, die als Bootsflüchtling mit ihren zwei Kindern aus Syrien floh, blieb ohne Antwort, als sie Köppel entgegenhielt: „Sie waren nicht in meiner Lage. Mir blieb nur dieser verdammte Weg, da hatte ich noch einen Hoffnungsschimmer – und den wollen Sie auch noch schließen?“

Und Heribert Prantl, von Hause aus übrigens Richter und Jurist, der seine Thesen aus der Süddeutschen Zeitung wiederholte: „Diese Union tötet; sie tötet durch Unterlassung, durch unterlassene Hilfeleistung“, sie zwinge die Menschen auf diese Schiffe, weil alle Landesgrenzen zu Europa dichtgemacht worden seien, Heribert Prantl holte sich bei Köppel unter anderem die folgende Antwort ab: „Sie sind ein wohlhabender Mann. Dann müssen Sie in München Flüchtlinge bei sich zuhause aufnehmen.“

Doch wer ist dieser Mann, dieser Roger Köppel, der mit seiner Logik nachgerade über Leichen geht?

Nun, nicht alles teile ich hier mit. Man möge selber nachlesen über ihn, zum Beispiel im Wikipedia-Artikel zu seiner Person. Besonderer Clou: ein Artikel, den Köppel 2007 zu seinen eigenen Gunsten umgeschrieben hatte! Ich möchte stattdessen – vollständig – meinen Leserbrief zitieren, den ich vorgestern, am Samstag, den 2. Mai 2015, um 12:35 Uhr abgeschickt habe an die Jauch-Redaktion:

„Sudershausen, den 2. Mai 2015
per Mail um 12:35 Uhr

Sehr geehrter Herr Jauch,

ich erbitte als Kollege – bin Redakteur bei der politisch-kulturellen Website www.hinter-den-schlagzeilen.de (HdS), die von Konstantin Wecker herausgegeben wird – Antworten auf meine ff. Fragen:

In Ihrer vorletzten Sendung war auch Roger Köppel Ihr Gast. Sie haben ihn uns ausschließlich als Journalisten vorgestellt.

Wieso haben Sie den ZuschauerInnen verschwiegen, daß Herr Köppel vor allem Eigentümer und Herausgeber der „Weltwoche“ ist? Also bestenfalls zur Hälfte Journalist, und wenn man auf die Selbstfinanzierung blickt, nahezu ausschließlich Medienunternehmer?

Wieso haben Sie den ZuschauerInnen verschwiegen, daß Herr Köppel Mitglied der Schweizer Blocher-Partei ist und im Herbst dieses Jahres für diese Partei ins Schweizer Parlament einziehen will? Womit man ihn, den Unternehmer und Politiker, also höchstenfalls noch als Dritteljournalisten bezeichnen kann?

Wieso haben Sie den ZuschauerInnen verschwiegen, daß diese Blocher-Partei in den am vorvergangenen Sonntag verhandelten Fragen seit langem eine extrem einwanderungs- und asylfeindliche Haltung vertritt und für Aktionen mitverantwortlich zeichnet, die zumindest bei politisch human eingestellten Menschen große Bedenken ausgelöst haben:

• UNO-Beitritt der Schweiz verhindert,
• Plakatierung gegen Muslime mit einem Porträt Osama bin Ladens,
• Minarett-Abbildungen, die wie Raketen aussahen,
• Bekämpfung von Asylbewerbern mithilfe von Plakaten, auf denen diese als schwarzes Schaf dargestellt wurden
• undundund…

Roger Köppel erinnert in Positionierung wie Funktionsverknüpfung – Zeitungseigner/herausgeber, Journalist, Politiker – also stark an den Republikaner Schönhuber unseligen Angedenkens .

Und letzter Punkt: wieso wird dieser Herr Köppel in den Polit-Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten seit einiger Zeit von einer Sendung zur anderen Sendung weitergereicht? Den Herrn konnten wir schon besichtigen und hören bei Will, Plasberg, Illner und Maischberger. Ist Herr Köppel der aus Ihrer Sicht einzig verbliebene qualifizierte Journalist der Schweiz? Gibt’s keinen anderen mehr, auch keine andere Journalistin von dort? Keine andere Schweizer Experten zu diesem Thema?

Wieso also nicht – z. B. – Einladung stattdessen von Jean Ziegler?

Ich würde mich über baldige Antwort sehr freuen. Auf jeden Fall werde ich Ihre Antwort -gerne auch vollständig – in dem von mir zu dieser Thematik geplanten Artikel auf HdS mitveröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen
Holdger Platta“

Nun, man darf gespannt sein, ob und welche Antwort ich gegebenenfalls von Jauch auf meine Nachfragen erhalte. Selbstverständlich werde ich auf HdS darüber informieren.

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