Roger Willemsen: ein verlässlicher Freund

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Roger Willemsen

Roger Willemsen

Roger Willemsen wurde einer breiteren Öffentlichkeit als einfühlsamer, niveauvoller Moderator und Interviewer in „Willemsens Woche“ (1994-1998) bekannt, dort immer begleitet von dem Jazz-Pianisten Michel Petrucciani. Willemsen, der vorgestern völlig überraschend starb, war ein Meister der geschliffenen und zugleich warmherzigen Rede. Er wirkte als Fernseh- und Radiomoderator sowie als Publizist. U.a. veröffentlichte Willemsen 2006 sein Buch „Hier spricht Guantanamo“, in dem er ehemalige Häftlinge interviewte. Konstantin Wecker erinnert an seinen Freund.

Liebe Freunde,

ich bin erschüttert. Roger Willemsen ist tot. Er ist im Alter von nur 60 Jahren gestorben.

Was hatte ich für wunderbare Begegnungen mit diesem warmherzigen, klugen, gebildeten Menschen. Als kurz nach meiner Haftentlassung die meisten Journalisten mit der moralischen Keule auf mich eindroschen, hat er mich, ebenso wie Dieter Hildebrandt, ohne Häme aufgefangen und mir ein Forum in seiner Sendung geboten. Auf der Trauerfeier für Dieter hielt er eine Rede, die allen die Tränen in die Augen trieb. Witzig und scharfzüngig, aber eben auch voll liebevoller Anteilnahme. Ein verlässlicher Freund.

Kein deutscher Intellektueller hat diese Gratwanderung zwischen Empathie und scharfzüngiger, stets fundierter Kritik so beherrscht wie er. Uns bleiben nun seine großartigen Bücher. Wir hätten Dich doch gerade in diesen Zeiten, wo Mitgefühl immer mehr als Schwäche gebrandmarkt wird, so dringend gebraucht, Roger.

Wir vermissen dich.

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